11. Der Bischofssitz Skalholt und am Ringkrater Kerid


Den Abend zuvor hatte ich noch lange über die weitere Streckenführung nachgedacht. Ursprünglich hatte mein Plan darin bestanden, noch einmal nach Landmannarlaugar zu radeln. Im Südwesten war das Wetter in den letzten Tagen aber sehr schlecht gewesen. Aus diesem Grund hatte ich bereits in Hrauneyjar davon Abstand genommen. Wer den Bericht meiner Islandtour des letzten Jahr gelesen hat, der wird sich möglicherweise daran erinnern, dass mir zum Schluss etwas Zeit fehlte, um die Westmännerinseln zu besuchen. Daher war die Idee schnell geboren. In diesem Jahr wollte ich es versuchen.

Mein Tagesziel hieß allerdings erst einmal Selfoss. Mein erster Zwischenstop befand sich nur 4 km von Laugaras entfernt. Es handelte sich um den Bischofssitz Skalholt.

Noch beim Frühstück

Bereits zu sehen, die Kirche von Skalholt

Skalholt war im Mittelalter wohl das geistige Zentrum Islands. Dort residierten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 32 Bischöfe. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Bischofssitz größtenteils durch ein Erdbeben zerstört und deshalb nach Reykjavik verlegt. Die heutige etwas nüchtern wirkende Kirche wurde erst 1963 eingeweiht. Sie soll in ihrer Form an eine hölzerne Kathedrale aus dem 17. Jahrhundert erinnern. Der Bischof Jón Árason und seine beiden Söhne wurden in Skalholt hingerichtet, ein Gedenkstein auf der östlichen Straßenseite erinnert daran. Warum sie hingerichtet wurden, konnte ich allerdings nicht in Erfahrung bringen.

Der Gedenkstein

Übersetzt bedeutet der Text wohl, dass der Bischof Jón Árason hier sein Leben (Lifid) für seinen Glauben (Tru) ließ.

Ich lief noch ein wenig über das Gelände und schaute mir die Kirche und den kleinen Friedhof an.

Die heutige Kirche von Skalholt

Wohl auch heute noch geistiges Schulzentrum

Eine Hinweistafel auf dem Gelände

Reste ehemaliger Grundmauern

Die Kirche von Innen

Eine Auflistung der ehemaligen Bischöfe

Zwei bis drei Kilometer hinter Skalholt mündet die Straße 31 in die Straße 35. Von dort aus geht es fast nur noch geradeaus bis nach Selfoss. Auf dem Weg dorthin gab es noch drei Stops. Einmal am 3000 Jahr alten Explosionskrater Kerid und an einem kleinen aufgeforsteten Wäldchen.

In der Ferne bereits zu sehen, der Berg Ingólfsfjall

Hinweistafel am Explosionskrater Kerid

Mit 55 m Tiefe durchaus schon eindrucksvoll

Und noch ein Foto vom Krater

Ein erster Hinweis auf das Wäldchen

Ein noch sehr junger Wald

Das dritte Mal hielt ich an einer Bank. Von dort hatte ich bei dem tollen Wetter einen schönen Blick auf den Fluss Hvita, sowie Hekla und Umgebung.

Ein letzter kurzer Halt

Der Fluss ist die Hvita

Den 4300 Einwohner zählenden Ort Selfoss erreichte ich bereits am frühen Nachmittag. Bei der geringen Einwohnerzahl würde man nie vermuten, dass es sich bei dem Ort um das Handel- und Dienstleistungszentrum des Südens handelt. Im dem für deutsche Verhältnisse kleinen Ort befindet sich die größte Molkerei Islands. Mitten im Ort gibt es darüber hinaus eine große Touristikinformation, der ich einen Besuch abstattete. Ich hatte am Nachmittag nach meinen nur 43 Tageskilometern noch viel Zeit um mich dort über die Fährverbindungen zu den Westmännerinseln zu erkundigen. Die Fähre fuhr um 12:00 Uhr Mittags am darauffolgenden Tag. Ein Grund mit, auf dem Campingplatz in Selfoss zu übernachten. Am Morgen darauf waren die knapp 30 km bis zum Fährhafen in Porlakshöfn locker zu radeln.

Bei der Ankunft in Selfoss

Im Hintergrund die Hvita-Brücke, über die ich schon im letzten Jahr geradelt bin

Auf dem Campingplatz lernte ich an dem Abend noch Jörg Hentschel kennen. Er ist von Beruf Fotograf und lebt in Berlin. Jörg erschien zeitlich etwas nach mir auf dem Platz und war „natürlich“ auch mit dem Rad auf Island unterwegs.

Mein Zelt steht bereits

Jörg und ich beim Abendessen

Gemeinsam liefen wir noch zu einem Supermarkt um einige Einkäufe zu tätigen. Den Abend verbrachten wir im warmen Aufenthaltsraum des Campingplatzes, der relativ neu schien. Die Räumlichkeiten wurden u. a. von einer französischen Reisegruppe genutzt die, wie halt in Frankreich üblich, in mehreren Gängen aß. Alles wurde natürlich selber in der angrenzenden Küche gezaubert. Neben ihrem Essen wurde auch reichlich Wein getrunken. Die Kisten schienen sie von zu Hause mitgebracht zu haben. Auf Island war Wein kaum bezahlbar.

Jörg und ich quatschten den ganzen Abend miteinander. Der Gesprächstoff schien uns nicht auszugehen. Zu uns gesellten sich noch zwei Frauen, die nur für fünf Tage auf Island unterwegs waren. Sie wollten am folgenden Samstag den Marathon in Reykjavik laufen.