06. Aveiro und unsere Fahrt entlang der DĂŒnen von Sao Jacinto


Unser Zug von Coimbra nach Aveiro fuhr erst kurz vor dem Mittag. Wir hatten deshalb viel Zeit, frĂŒhstĂŒckten in Ruhe und aktualisierten ein wenig unser Tagebuch.  Die FahrrĂ€der standen bereits abfahrbereit und hochbepackt vor der Rezeption des Campingplatzes.

Hochbepackte RĂ€der (noch auf dem Stellplatz)

Der Platz in Coimbra liegt auf einem kleinen HĂŒgel, so dass wir bei noch angenehmen Temperaturen die 5 km zum Mondego hinunterrollten.

Nicht unweit der Ponte St. Clara, unterhalb der Altstadt, befindet sich das alte BahnhofsgebĂ€ude, in dem wir an diesem Morgen bereits ein sehr nettes Erlebnis hatten. Wir standen mit unseren RĂ€dern am Schalter und versuchten dem Bahnbediensteten unser Anliegen klar zu machen. Das bestand natĂŒrlich darin, einen Zug zu finden, mit dem wir gemeinsam mit unseren RĂ€dern so schnell wie möglich nach Aveiro in Richtung KĂŒste kamen. Am Schalter standen noch mehrere Kunden und trotzdem verließ er seinen Platz und bat uns ihm zu folgen. Er brachte uns mit unseren RĂ€dern zum ZugfĂŒhrer, erklĂ€rte ihm unser Anliegen und zeigte uns danach auch noch den Waggon, in den wir unsere RĂ€der schoben. Erst danach kehrte er zu seinem Schalter zu rĂŒck. Ein toller Service, waren unsere Gedanken. Was die anderen am Schalter wartenden Kunden dazu zu sagen hatten, hörten wir ja nicht. Wir mußten kein GepĂ€ck vom Fahrrad nehmen und konnten die RĂ€der vollbepackt ohne jegliche Stufe in den Waggon schieben. 10 Minuten spĂ€ter fuhr der Zug in Richtung Aveiro. 

Ankunft am Bahnhof in Coimbra

Im Zug von Coimbra nach Aveiro

Bis Aveiro dauerte die Fahrt ungefĂ€hr eine Stunde.  Im Zug gab es noch ein nettes GesprĂ€ch mit einer Portugiesin, die unsere RĂ€der wahrgenommen und uns deshalb angesprochen hatte.  Sie schwĂ€rmte von der Sierra Estrela per Bike und erzĂ€hlte ein wenig von ihrer eigenen Tour nach Santiago.

In Aveiro angekommen, mussten wir zunĂ€chst die Gleise wechseln, um den Ausgang zu erreichen. Dank vorhandenem Aufzug, war das aber problemlos möglich, es dauert nur halt entsprechende Zeit. Vor dem modernen relativ neuen BahnhofsgebĂ€ude entdeckten wir das alte BahnhofsgebĂ€ude, das wohl den heutigen AnsprĂŒchen nicht mehr genĂŒgte, aber viel schöner ist.

Ca. 12:00 Uhr Ankunft in Aveiro

Das neue GebÀude

Das wunderschöne alte BahnhofsgebÀude

Aveiro war frĂŒher eine Hafenstadt mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Haupterwerbsquelle war im 15. und 16. Jahrhundert der reichhaltige Kabeljaufang vor Neufundland. Im Jahr 1575 verlor die Lagunenstadt durch ein Unwetter ihren Zugang zum Meer, was katastrophale Folgen hatte. Ihrer Erwerbsmöglichkeit beraubt, verfiel die Stadt und verlor immer mehr an Bedeutung. Mehrere Versuche, den Zugang wieder herzustellen, scheiterten. Erst im Jahr 1808 schaffte man es mit Hilfe von Deichen, die aus Steinen der Stadtmauer gebaut waren, wieder eine Verbindung zum Meer herzustellen. Heute liegt Aveiro etwa 5 km vom Meer entfernt und ist durch den „Canal Das Piramides“ und dem „Ria de Aveiro“ mit dem Meer verbunden.

Viele kleine KanĂ€le durchziehen die Stadt. Die schlanken Moliceiros (Boote) und die Pfosten, an denen sie vertĂ€ut werden, erinnern den Besucher unweigerlich an Venedig. Die Boote sind bunt bemalt und recht hĂŒbsch anzuschauen.

Als wir in Aveiro ankamen, war die Wetterlage hervorragend. Ein etwas kĂŒhlerer Wind blies vom Meer und sorgte dafĂŒr, dass die hohen Temperaturen erheblich besser zu ertragen waren. Zuerst entdeckten wir auf unserem Anfahrtsweg in Richtung Zentrum eine kleine Kirche. Unseren Pilgerstempel erhielten wir dort nicht, es war aber ganz nett einmal hineinzuschauen.

Die Igreja

Ein Blick hinein

Aveiro ist nicht sehr groß und dennoch hatten wir die Touristikinformation, die sich direkt am Canal Central befindet, zunĂ€chst ĂŒbersehen.

Unsere nĂ€chsten Versuche einen Pilgerstempel zu erhalten, gelangen auch nicht. Wir liefen in die Igreja Da Misericordia und sprachen einen Polizisten an, der vor der Stadtverwaltung stand (Camara Municipal de Aveiro), kamen aber der Lösung unseres kleinen Problems nicht nĂ€her. Erst etwas spĂ€ter, wir hatten unsere RĂ€der weiter durch den Ort geschoben, entdeckten wir das alte GebĂ€ude der Polizeistation, dass sich direkt gegenĂŒber der Igreja Das Carmelitas befindet. Vor dem GebĂ€ude stand ein Polizist in Uniform, dessen Aufgabe es wohl war, den Zugang zu bewachen.

Den Pilgerausweis in unseren HĂ€nden sprachen wir ihn einfach an. Ohne auch nur ein Wort zu verstehen, war unser Anliegen wohl zu eindeutig. Er drehte sich um und lief in dem alten GebĂ€ude im Eiltempo eine geschwungene Treppe hinauf. 3 Minuten spĂ€ter stand er wieder strahlend vor uns und unsere Pilgerausweise enthielten einen neuen runden Stempelabdruck der „Policia Seguranca Publica de Aveiro“. Wir hatten alle unseren Spass dabei, verabschiedeten uns mit einem netten „Obrigado“ und rollten wieder zum Canal Central. Dort sahen wir dann die, auf dem Hinweg ĂŒbersehene Touristikinformation.

Camara Municipal de Aveiro

Igreja Da Misericordia

Es ist erst 12:30 Uhr

Canal Central mit seinen Moliceiros (Boote)

Touristikinformation

Igreja Das Carmelitas

Eine Pause

In der Touristikinformation deckten wir uns mit einer Karte der Umgebung, dem Fahrplan der FĂ€hre und einer skizierten Wegbeschreibung ein. Der Hintergrund war, das wir mit der FĂ€hre nach Sao Jacinto fahren wollten, zunĂ€chst aber dorthin einen Weg ĂŒber den Rio Baco finden mussten. Auf der Papierkarte sah das so aus, wie wenn nur die Autobahn ĂŒber den Rio Baco verlaufen wĂŒrde. Laut der netten Dame in der Information gab es einen Weg parallel zur Autobahn, der auch mit dem Rad befahren werden konnte. Und diesen hatte sie in der Karte bis zum Ortsausgang andeutungsweise skizziert.

Ein letzter RĂŒckblick auf Aveiro und seinem Canal Central

Fast wĂ€ren wir trotz Hilfsskizze noch auf die Autobahn eingebogen. Erst im letzten Augenblick sahen wir die parallel verlaufende Straße und korrigierten unseren Weg. Danach radelten wir an der Autobahn lang, ĂŒberquerten den Rio Baco und fuhren mitten durch den Ort Gafanha Da Nazare. Wirklich schön war der nicht gerade, deshalb hielten wir auch nicht an und kurbelten unsere RĂ€der gegen den Wind zum FĂ€hranleger Forte de Barra.  Eine knappe Stunde mussten wir dort auf die Ankunft der FĂ€hre warten, dann sahen wir sie einlaufen.

Die FĂ€hre kommt

Claudia hat es eilig auf die FĂ€hre zu kommen

Auf der FĂ€hre nach Sao Jacinto

Wir erreichen Sao Jacinto

Sao Jacinto ist ein kleiner Ort, der direkt am sĂŒdlichen Rand des Naturschutzgebietes „Reserva de Natural das Dunas de Sao Jacinto“ liegt. Mit einer FlĂ€che von 666 Hektar gilt dieses Naturschutzgebiet als eine der besterhaltenen DĂŒnenlandschaften Europas.

Überall sieht man die bunten Moliceiros

Auf der dem Meer abgewandten Seite radelten wir 28 km nach Norden. Wir hatten einen Campingplatz in Furadouro ausgewÀhlt, der ziemlich nah am Wasser liegen musste.

Auf dem Weg nach Norden

Eine sehr schöne Region

Bei einer kleinen Pause oder was schaut der so grimmig?

Da macht das Fotografieren Spaß

Auch nicht schlecht

Das radeln in Richtung Norden machte auf der glatten ebenen Fahrbahn richtig Spaß. Wir hatten zwar etwas Gegenwind, das störte aber nicht sehr, weil wir zeitlich hochgerechnet hatten, dass wir den Campingplatz um ca. 18:30 Uhr erreichen wĂŒrden.

Bei der Ankunft zeigte sich der Campingplatz als „absolute Niete“! Ein genaueres Studium unserer Unterlagen hĂ€tte uns vorher stutzig machen sollen, der Platz hatte 4000 StellplĂ€tze. Schon auf dem Anfahrtsweg waren wir hellhörig geworden. Da ĂŒberholte uns ein Lautsprecherwagen aus dem Werbung fĂŒr einen Cirkus namens „Victor Hugo“ schallte. Ein Blick in Richtung Strand zeigte ebenfalls nichts Gutes, Rummel pur! Kurz vor dem Campingplatz radelten wir dann auch noch am Cirkuszelt vorbei und dachten, nichts wie weg hier. Weiter radeln wollten wir aber auch nicht mehr, dafĂŒr war es zu spĂ€t. Wir quartierten uns also notgedrungen dort ein, aßen um 09:00 Uhr im Campingplatzrestaurant (auch nicht zu empfehlen) und verschwanden nach dem Essen mit einer Flasche Wein zu unserem Zelt. Dort hatten wir unsere Ruhe.

Auf dem Campingplatz in Furadouro