14. Auf alten Pilgerpfaden über Ourense nach Cea


Die beiden Damen waren bereits fort, als ich meine Sachen packte und mein Frühstück bereitete. Ich hatte die Herberge für mich allein. Nach meinem frühen Start bewegte ich mich fast nur auf befestigten Wegen, durchradelte einige kleine Örtchen und fotografierte einige der für Galizien so typischen Maisspeicher. Die aus Granit gebauten Hórreos sieht man dort fast überall in der Region. Sie besitzen eine längliche Form und Schlitze, so dass die Maiskolben vom Wind gut trocknen können. Waagerechte Steinplatten auf den Stützen verhindern, dass Mäuse daran hochklettern und sich an den Kolben gütlich tun.

Die Herberge in Vilar de Barrio

Getreidespeicher

Auf dem Weg nach Xunqueira de Amibia

Auf dem Weg nach Xunqueira de Amibia

Übernachten wollte ich dort nicht

In Xunqueira de Amibia herrschte absolute Morgenruhe,nur ein kleiner Supermarkt hatte bereits geöffnet. Neben der Kirche gab es wohl so etwas wie eine Gemeindeverwaltung (Gebäude mit Flagge). In dem Gebäude  lief ich die Stufen in die erste Etage hinauf. Im ersten Büro waren alle beschäftigt und nahmen mich, da sie in ihrer Unterhaltung vertieft waren, überhaupt nicht wahr, im zweiten traf ich dann wohl auf den Chef. Der drückte mir ohne Kommentar einen Stempel in den Pilgerausweis.

Die Kirche in  Xunqueira de Amibia

In dem beflaggten Gebäude gab es den Stempel im Pilgerausweis

Kirchenvorplatz in Xunqueira de Amibia

Nach ein paar Einkäufen in einem kleinen Supermarkt machte ich mich auf den weiteren Weg nach Ourense. Mit Ausnahme eines kleineren Anstiegs führten die kleinen Nebenstraßen auf denen ich unterwegs war fast nur bergab. Über 400 Höhenmeter ging es auf der 23 km langen Strecke ins Tal.

 

Ich bin noch auf dem richtigen Weg

Ourense liegt tief unten im Tal

Vor Ourense führte die Via noch durch ein unansehnliches Gewerbegebiet, danach ging es über die Avenida de Zamora in den Ort.

Bei der Ankunft in Ourense

Der Name der Stadt wird heute fast nur noch mit dem galicischen „Ou“ geschrieben. Die spanische Schreibweise mit „O“ wird offiziell heute wohl nicht mehr verwand. Der Name „Ourense“ ist wohl auf Goldfunde an den Ufern des Mino zurückzuführen. Die Römer gaben der Stadt damals den Namen „La Ciudad de oro“, was wohl so viel bedeutet wie „Stadt des Goldes“. Ourense hat wie viele andere Städte Galiciens einen sehr alten Stadtkern mit kleinen Gassen, antiken Häusern und grünen Parks drum herum. Beim Verlassen der Stadt trifft man, dem Pilgerweg nach Norden folgend, auf das Südufer des Mino.  Die romanische Brücke, die die Pilger noch heute sicher über den Fluss geleitet, wurde bereits unter der Herrschaft des Trajano erbaut. Über die Brücke würde ich die Stadt etwas später verlassen, zunächst schob ich mein Rad aber durch den Ort, machte ein paar Fotos und trank einen Kaffee.

In der Innenstadt von Ourense

Die Kathedrale von Ourense

Die Kathedrale von Ourense

Das Foto wurde von einer jungen Dame gemacht

Die romanische Brücke

Von der alten Brücke hat man eine herrliche Sicht über den Fluß Mino und die umliegenden Hügel.  Im Westen erblickt man die relativ neue Millenium-Brücke, die am 01. September 2001 eingeweiht wurde. Durch ihre außergewöhnliche Form in Gestalt einer Möwe ist sie ein Blickfang, der kaum zu übersehen war. Bedeutende Merkmale der Brücke sind ihre Länge von 275 m, die beachtliche Breite von 23 m und die Verstrebungs- und Spannsysteme.

Die Millenium Brücke

Die Millenium Brücke herangezoomt

Auf dem weiteren Weg nach Cea führte die Straße hinter Ourense zunächst gnadenlos bergauf. Auf einem kurzen Stück vor dem Ortsausgang war radeln unmöglich, selbst das Schieben des bepackten Rades fiel schwer.

Am Ortsausgang von Ourense, eine kleine Kirche

Direkt neben der Kirche

Von kürzeren Strecken abgesehen blieb ich bis zu meinem Tagesziel Cea weitestgehend auf dem Originalpilgerweg. Manche Steigung brachte mich dabei reichlich ins Schwitzen.

Auf dem weiteren Weg nach Cea

Sehenswert war auf den restlichen Kilometern noch eine sichtlich sehr alte Brücke, die über einen kleinen Bach führte. Ich fühlte mich in eine Zeit vor mehreren hundert Jahren zurückversetzt. Verstärkt wurde dieses Gefühl durch ein angrenzendes verlassenes Gehöft und der absoluten Ruhe, die ich dort antraf.

Ein erster Blick auf die Brücke

Sehr alte Steinplatten auf dem Boden

Wer kann das entziffern?

Blick auf das verlassene Gehöft

Auf dem weiteren Weg nach Cea

Die Pilgerherberge in Cea war kaum zu übersehen. Sie ist in einem alten Granitgebäude untergebracht, vor dem ein großer Getreidespeicher steht. Der Schlafsaal mit 40 Betten befindet sich im ersten Stock, darunter ein großer Aufenthaltsraum und eine Küche. Bei meiner Ankunft war die Hälfte der Betten belegt. Einige Pilger dösten vor sich hin, andere schliefen wohl fest vor Erschöpfung. Auf „leisen Sohlen“ fand ich ein freies Bett direkt an der Ausgangstür zur Terrasse.

Die Herberge in Cea

Der Aufenthaltsraum der Herberge

Die Treppe führt hinauf in den Schlafsaal

Am späten Nachmittag lief ich ein wenig durch den Ort, kaufte ein paar Lebensmittel und machte mich wieder auf den Weg zurück. Den Abend verbrachte ich mit anderen Pilgern auf der Terrasse der Herberge.

Der Glockenturm von Cea

Kornspeicher findet man dort reichlich im  Ort

Am Abend auf der Terrasse