Rad-Forum-Treffen am Samstag den 05.04.2008
Radtour (Schlösserroute)
Kurzbericht!


Wie kam es zu dazu, dass sich 23 Reiseradler aus den verschiedensten Regionen Deutschlands in Dorsten trafen, um einen Tag gemeinsam auf der Schlösserroute zu radeln? Mehrfach waren im Internetforum www.rad-forum.de von einzelnen Mitgliedern Tagestouren angeboten worden. Ich selber hatte noch im Herbst an der im Forum von Horst angebotenen Niederrheintour teilgenommen. Sehr viel Spaß hatte es gemacht, einige der Forumsmitglieder endlich mal persönlich kennen zu lernen, zumal uns gemeinsame Interessen verbanden.
Im Münsterland hatte es noch kein Treffen gegeben. Dorsten liegt im Grenzgebiet zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Es lag also nahe, auch dort mal eine interessante Strecke zu radeln.

Schon zu Beginn des Jahres hatte ich das Thema im Forum platziert und wie sich herausstellte, bestand ein reges Interesse an der Radtour durch das südliche Münsterland. Die Teilnehmerliste wurde mit knapp 30 Teilnehmern immer länger und ich machte mir schon Gedanken, wie ich die lange Radlerschlange zusammenhalten sollte. Jörg aus Dülmen unterstützte uns mit der Bereitstellung von gelben Warnwesten für den ersten und letzten Radler sowie Funkgeräten.

Der 05.04.2008 rückte immer näher und am Abend zuvor stand ich vor der Entscheidung die Tour abzusagen oder nicht. Grund war die katastrophale Wettervorhersage. Einige Teilnehmer hatten sich extra für die Anreise einen Tag zusätzlich frei genommen. Deshalb blieb es dabei, die Tour fand statt. Ich erschien am 05.04.08 morgens frühzeitig am Bahnhof in Dorsten, rechnete aber mit dem Schlimmsten. Die Wettervorhersage vom Vortag traf zu 100 % zu, es war nasskalt und regnete. Wie viele Teilnehmer würden bei dem Wetter wohl tatsächlich erscheinen? Ich staunte nicht schlecht, als noch 23 „Hartgesottene“ am Bahnhof eintrafen.

Die Streckenplanung enthielt als Anfahrtspunkte die Schleuse in Dorsten, das Storchennest „Werner und Luise“, das Wasserschloss Lembeck, die Ijsselquelle, den Vennekenhof, Schloss Raesfeld und die Femeiche in Erle. Bis zum Mittag regnete es immer wieder, so dass wir ziemlich nass wurden. Am Nachmittag besserte sich die Wetterlage glücklicherweise merklich.

Unseren ersten kurzen Stop legten wir an der Schleuse in Dorsten ein. Mal ein paar Worte zur Geschichte der Schleuse:

Bereits 1915 wurde dem Bau des Wesel-Datteln-Kanal begonnen. Der Zweck bestand in einer Entlastung des Rhein-Herne-Kanals. 15 Jahre wurden benötigt, um den Kanal fertigzustellen. Im Jahr 1930 wurde er offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen. Um ihn überhaupt bauen zu können, musste die Lippe in Dorsten um 500 m nach Norden verlegt werden. Die Schleuse in Dorsten besitzt im heutigen Ausbauzustand zwei Becken, ein 225 m langes und ein 112 m langes, beide sind ca. 12 m breit und heben die Schiffe um 9 m.

3 km weiter standen wir mit unseren Rädern im Hervester Bruch. Dort hat der Hervester Heimatverein vor 5 Jahren einen Nistplatz für Störche errichtet, der sich zu einer Attraktion Dorstens entwickelt hat. Bereits zum vierten Mal waren die Störche Werner und Luise in diesem Jahr von ihrem Flug in den Süden nach Dorsten zurückgekehrt. Mehrere Male haben sie im Hervester Bruch bereits Jungvögel großgezogen. Klar, dass es da eine Fangemeinde gibt. Im letzten Jahr sind hier die ersten Fans bereits um 06:30 Uhr gesichtet worden, an warmen Tagen bis zu 100 gleichzeitig.

Durch den kleinen Ort Wulfen radelten wir zum Wasserschloss Lembeck.

Das Schloss stammt aus dem Jahre 17. Jahrhundert und wurde von einem unbekannten Baumeister errichtet, Bauherren waren die Herren von Westerholt-Hackfurt. Mit Dietrich Conrad Adolf starb das Geschlecht in männlicher Linie aus. Durch die Heirat seiner Tochter ging das Schloss an die Familie Merveldt über. Sie besitzt das Schloss noch heute. Wir näherten uns dem Schloss über die 200 m lange Allee. Von ihr blickt man durch die gesamte Schlossanlage hindurch. Die Gebäude, Vorburg und Hauptburg stehen auf Inseln und sind von Wassergräben umgeben.

Die Ijsselquelle befindet sich etwas nördlich von Raesfeld und westlich der B70. Wir hielten uns dort nur kurz auf. Das Wetter hatte sich zwar merklich gebessert, alle sehnten sich aber nach einem Stück Kuchen und einem heißen Kaffee und bis zum Gasthof war es nicht mehr weit.

Im Vennekenhof, einem Landgasthof nördlich von Raesfeld gelegen, kehrten wir knapp zwei Stunden ein, freuten uns über die Wärme und quatschten über alle möglichen Radlerthemen. Einig waren sich zum Schluss alle, dass eine solche Tour bei besserem Wetter unbedingt wiederholt werden sollte.

Am Schloss Raesfeld genossen wir die ersten Sonnenstrahlen und ließen uns vor der Schlosskapelle von einem Passanten fotografieren. Die Gruppenaufnahme vor der Kapelle habe ich nachstehend in diesen Kurzbericht eingefügt. Alle anderen Fotos der Tour befinden sich in der Rubrik „Radtouren“-> “Chronologie“->Foto.

Die Radlergruppe vor der Kapelle am Schloss Raesfeld

Die Geschichte des Schlosses Raesfeld reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ende des 16. Jahrhunderts kam die Burg der damaligen Herren von Raesfeld in den Besitz der Herren von Velen. Mitte des 17. Jahrhunderts ließ der Reichsgraf Alexander II. von Velen die Burg zum Residenzschloss ausbauen. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts starb das Geschlecht aus und das Schloss wurde nur noch wenig bewohnt, es verfiel allmählich. Nach dem 2. Weltkrieg ließen es die Handwerkskammern des Landes NRW neu restaurieren. Heute ist das Schloss Sitz der Fort- und Weiterbildungsstätte der Handwerkskammern. Darüber hinaus wird es für kulturelle Veranstaltungen und als Restaurant genutzt.

Unseren letzten Stop legten wir an der Femeiche in Erle ein.

Die Femeiche ist eine der ältesten Eichen in Deutschland und wird auf über 1000 Jahre geschätzt. Unter der Eiche tagte das Erler Femgericht, welches im Mittelalter eine große Macht besaß. Das Gericht urteilte im Namen des Kaisers über Schwerverbrechen wie Mord, Raub, Brandstiftung und Meineid. Ein Schuldspruch zog stets den Tod durch den Strang nach sich.

Um ca. 18:00 Uhr war unsere Radtour beendet. Nach den letzten Kilometern der Heimfahrt über Schermbeck trafen wir pünktlich wieder am Bahnhof in Dorsten ein. Einige Teilnehmer stand ja noch eine Heimreise von bis zu 200 km bevor.