Sevilla. Italica und die ersten Kilometer bis Guillena

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.05.2011 39 39 245 245 Hostal Frances

 

Meine Ankunft in Sevilla begann am Flughafen mit einem großen Schreck. Der Radkarton besaß im oberen Bereich einen größeren Riss, der nichts Gutes vermuten ließ. Den Karton entfernt, war das Malheur dann zu sehen. Das Oberrohr hatte von oben einen Schlag erhalten und war um ca. 5-7 mm platt gedrückt. Darüber hinaus war der Schutzbügel des Schaltwerks dermaßen verbogen, das sich die Schaltung nicht betätigen ließ. Der zweite kleinere Schaden war schnell behoben. Der Bügel ließ sich zurückbiegen, aber was war mit dem Oberrohr? Risse konnte ich auf den ersten Blick nicht erkennen, der Lack war ab, die tiefe Delle sehr deutlich zu sehen. Würde der Rahmen aber stabil genug sein? Nach einer kurzen Testfahrt und der üblichen Prozedur am Reklamationsschalter entschied ich mich für einen Start. Die Tour abbrechen, nein das war zu schade! Viel Zeit hatte ich in die Vorbereitung gesteckt.  Ich wollte den Rahmen zwischendurch immer mal wieder kontrollieren! Mal schauen, ob er hielt.

In gedämpfter Laune radelte ich parallel zur Autobahn in Richtung Stadtmitte und geriet irgendwann auf einen grünen Radweg, der mich zügig bis in die Innenstadt brachte. Die Kathedrale von Sevilla gilt als die größte gotische Kirche der Welt und ist nach dem Petersdom in Rom und der St. Pauls Kathedrale in London die drittgrößte Kirche weltweit. „Bauen wir eine Kirche, damit sie uns für verrückt halten“ soll das Kapitel der Kirche im Jahr 1401 verkündet haben, bevor man sich entschloss, die Moschee abzureißen. Das Minarett, das von den Mauren im Zeitraum von 1184 bis 1197 errichtet wurde, wurde bewahrt. Nach der Rückeroberung durch die Christen im Jahr 1568 wurde dem Minarett ein Glockenturm hinzugefügt. Der heutige Turm ist unter dem Namen Giralda bekannt.

Ich schlenderte ein wenig durch die tollen Gassen der Innenstadt, schaute mir den Alcazarpalast von außen an und machte einige Fotos. Mir fehlte die Zeit für eine umfangreiche Stadtbesichtigung, vielleicht kam ich ja mit meiner Frau auf einer Städtetour noch einmal dorthin. Der Alcazarpalast zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Konstruktion des Palastes wurde von dem arabischen König Abd Al Ramn   im Jahr 913 in Auftrag gegeben. Der Palast ist ein festungsähnlicher Palast, dessen weitläufiger Gebäudekomplex zahlreichen Königen als Residenz diente. An der Ostseite der Kathedrale traf ich an einem eisernen Tor auf eine Polizistin, die mich das Credential del Peregrino hochhaltend als Pilger identifizierte. Sie bat mich freundlich in einen Raum. Dort erhielt ich den ersten Stempel der Kathedrale von Sevilla, meine Tour konnte beginnen.

Nach einer kurzen Pause in einem nahen Cafe und einem Gespräch mit einigen niederländischen Pilgern verlies ich Sevilla. Vorbei an der großen Stierkampfarena radelte ich über die Puente de Isabel in Richtung Nordwest nach Santiponce.

Mein Ziel war nicht das Städchen Santiponce, sondern die in unmittelbarer Nähe von Santiponce gelegene Ausgrabungsstätte des römischen Italica. Italica liegt etwa 10 km nördlich von Sevilla entfernt. Die alte römische Stadt wurde im Jahr 206 v. Chr. von den Römern gegründet und war lange Zeit ein wichtiger Warenumschlagplatz der Römer in Hispania.  Besonders eindrucksvoll ist das noch sehr gut erhaltene Amphitheater, das mit einer Länge von 160 und einem Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern das drittgrößte römische Amphitheater ist. In späterer Zeit wurde Italica von den Goten als Festung genutzt und wurde Sitz eines Bischofs. Mit der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren im Jahr 711 begann der Niedergang der Stadt. Die verlassene Stadt diente später lange als Steinbruch, bis man zu Ende des 18.Jahrhundert erstmals mit Ausgrabungen begann. Noch heute sind wohl Teile von Italica nicht vollständig ausgegraben.

Ich hatte das eindrucksvolle Italica kaum verlassen, da führten mich die gelben Pfeile auf eine lange Piste, auf der es keine Autos gab. Dort herrschte absolute Ruhe. Ein Hindernis auf der langen Piste war eine Furt, von der ich nicht wusste, ob sie ohne Probleme zu queren war. Auf dem folgenden Bild erkennt man, dass rechts Paletten lagen, über die ich mein Rad sicher auf die andere Seite brachte.

Bei der Ankunft an der Pilgerherberge war ich zunächst enttäuscht, weil der Polizist, der die Pilger empfing, mich als Radler dort nicht schlafen lassen wollte. Fußpilger hatten gewöhnlich Vorrang vor Radpilger, das war mir bekannt. Ich hatte aber doch alle Pilger mit dem Rad überholt und wusste dass nur noch 5 kamen und das es noch genügend freie Betten gab. Da er mein Englisch nicht verstand, blieb es leider bei seiner Entscheidung. Im Ort fand ich das Hostal Frances, mit dem ich recht zufrieden war (23,- Euro incl. Frühstück). Dort bekam ich auch ein vollständiges Abendessen.

Am Abend lief ich noch ein wenig durch den Ort, traf hier und da einen Pilger, den ich Stunden zuvor überholte hatte und schrieb einige Zeilen in mein Tagebuch.