Warum es in einer Pilgerherberge schon mal ein Frühstück gibt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.06.2011 70 737 480 6780 Hostal El Roble

 

„Georg es gibt Frühstück, eine richtig tolles sogar!“ Hatte ich Stefan da richtig verstanden? Irgendwie traute ich meinen eigenen Ohren nicht.  Und doch er hatte Recht, als ich den Frühstücksaal betrat, war der Tisch reichlich gedeckt. Obst, Baguette, Tomaten, Mett mit Zwiebeln, es fehlte an nichts. Das Rätsel löste sich, als Gerhard Skora erschien. Gerhard war in der Nähe von Salamanca auf dem Weg mit seinem schweren Rucksack gestürzt und hatte sich leider im Krankenhaus behandeln lassen müssen. Nun war er wieder einigermaßen genesen und freute sich, seinen Weg fortsetzen zu können. Ja und aus Freude darüber hatte er den ca. 20 Pilgern das Frühstück spendiert.

An dem Morgen wurde es nach dem Frühstück noch spannend, weil zwei Pilgern die Wanderschuhe fehlten. Am Abend zuvor hatten sie ihre Schuhe, wie viele andere auch, am Eingang der Herberge auf ein für Schuhe vorgesehene Rost gestellt. Sie waren aber nicht mehr da! Eine intensive Suche begann, es konnte sich doch niemand vorstellen, dass jemand gebrauchte, individuell eingelaufene Wanderschuhe stahl. Der erste Fall löste sich noch vor meiner Abfahrt. Einer der Pilger sah die Schuhe an den Füßen eines Anderen. Wo dessen Schuhe dann geblieben waren, bekam ich nicht mehr mit, ich vermutete, dass sie noch irgendwo in der Herberge standen.

Nach einem herzlichen Abschied von Stefan verließ ich die Stadt und radelte auf dem Pilgerweg nach Norden. In Montamarta einem kleinen Ort am Embalse de Ricobayo gab es erst einmal einen Schreck, weil ich dem Originalpilgertrack folgend, plötzlich an einem Ufer stand. Bei niedrigem Wasserstand führte der Weg wohl direkt auf die andere Seite, wo eine alleinstehende Kirche zu sehen war. Ein Blick nach rechts reichte,  um die Lösung zu sehen. Dort gab es eine Brücke, ich musste nur eine kurze Strecke durch den kleinen Ort zurückradeln und der N-630 weiter nach Norden folgen.

Auf dem Weg nach Granja de Moreruela radelte ich noch kurz einen Stichweg zum Castillo Castrotorafe hinein, es lohnte sich aber kaum, weil nur noch ein paar Reste von der Burg zu sehen waren. Bei der Ankunft in Granja der Moreruela hatte ich in nördlicher Richtung fast die Höhe der Nordgrenze Portugals erreicht. Hinter dem Ort stand für alle Pilger eine Entscheidung an. Sie konnten entweder der Via de la Plata weiter nach Astorga folgen, oder wie ich nach Westen auf den Camino Sanabrés schwenken.

Bis zum Zielort Tábara waren ab dem Abzweig von der N-630 auf die kleine Straße Za-123 noch ca. 23 km zu radeln. Zeitliche Probleme hatte ich keine, es war erst 12:00 Uhr, ich hatte also an dem Tag viel Zeit. Als nächstes traf ich drei Kilometer weiter auf die Brücke über den Rio Esla. Hinter der Brücke zeigte der gelbe Pfeil auf einen schmalen steinigen Wanderpfad, der noch nicht einmal mit einem Mountainbike befahrbar war.  Deshalb radelte ich auf der kleinen Straße Za-123 weiter bis in den Ort Faramontanos de Tábara. Auf der Suche nach einer Bar traf ich einen älteren Spanier, der mich sofort als Deutschen erkannte und sehr gut Deutsch sprach. Er hatte viele Jahre in Deutschland gearbeitet und war mit dem Eintritt ins Rentenalter wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Er erzählte mir, dass seine Kinder noch heute in Deutschland lebten, gleichzeitig lief er mit mir mit, er  wollte mir die Restauration unbedingt persönlich zeigen. Draußen vor der Bar traf ich auf ein paar deutsche Pilger, deren Ziel auch Tábara war. Eine Pilgerin wies mich wohlwissend, dass ich Tábara mit dem Rad wohl schneller erreichen würde als sie, darauf hin, dass ich ihnen den Schlafplatz nicht wegnehmen dürfte. Fußpilger hätten in einer Herberge Vorrang vor Radpilgern. Woher diese Angst kam, wusste ich nicht, ich ignorierte die Äußerung und machte mich etwas später wieder auf den Weg.

Eine halbe Stunde später, es war erst 14:00 Uhr, erreichte ich den Ortseingang von Tábara und sah ein Hinweisschild zum Hostal „El Roble“ und zur Pilgerherberge. Die Pilgerherberge lag etwas außerhalb des Ortes, deshalb wählte ich das im Zentrum gelegene Hostal. Die Entscheidung hatte Folgen! Als ich das Hostal betrat, blickte ich in das  Gesicht von Gerhard Skora, dem Frühstücksspender von Zamora. Gerhard war ein Stück des Pilgerweges gelaufen und einen Teil der Strecke mit dem Bus gefahren. Er lief so viel, wie es sein gesundheitlicher Zustand zuließ, den Rest fuhr er mit dem Bus.

An dem Abend hatten Gerhard und ich viel Spaß. Als sich zum Abendessen noch zwei niederländische Journalistinnen (Annie und Tosca) zu uns gesellten, kamen wir alle aus dem Erzählen nicht mehr heraus. Sie waren zu Fuß in Granada gestartet, liefen jeden Tag im Schnitt 15 km und berichteten quasi täglich Life über Twitter in den Blog einer niederländischen Zeitung (wildwifeadventures.nl).