Das Kloster von Oseira, mein Ziel San Pedro de Vilanova

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
10.06.2011 84 1087 1250 11450 Pilgerherberge

 

An dem Morgen saß ich bereits um 07:30 Uhr auf dem Rad. Tags zuvor hatte ich die 1.000 km-Marke überschritten. Bis Santiago de Compostela waren es nur noch knapp 100 km, meine Reise damit leider fast schon zu Ende. Mein erstes Tagesziel war das Kloster Oseira, ein vollständig abgelegenes riesiges Zisterzienserkloster, dass von Cea aus mit dem Rad nicht so leicht zu erreichen war. Kurz hinter dem Ort ließ sich die Strecke noch gut befahren, der Wirtschaftsweg war befestigt und halbwegs eben. Ein paar Kilometer weiter traf ich dann auf einen alten Weg, auf dem Radeln  absolut unmöglich war. Teilweise waren Karrenspuren in den flachen Steinen zu erkennen, was schon mittelalterlich anmutete.

Persönlich fand ich das große aus dem 12.Jahrhundert stammende Kloster schon von außen sehr eindrucksvoll.  Für eine Besichtigung war es jedoch noch zu früh. Vor dem Kloster hatte ich an dem frühen Morgen noch ein nettes Erlebnis mit einer älteren Dame. Sie war gerade dabei, vor ihrer Bar einige Tische und Stühle nach draußen zu tragen. Spontan nahm ich ihr die übereinander gestapelten Stühle ab und trug sie nach draußen. Von dem was sie mir sagte verstand ich kein einziges Wort, das Lächeln im Gesicht sagte mir aber alles. Klar, dass es dann nicht lange dauerte, bis ich einen heißen Kaffee bekam.

Hinter dem Kloster führte der Weg über ca. 180 Höhenmeter steil bergauf. War ich noch am frühen Morgen durch Wälder geradelt, verlief er nun durch offene Wiesen und Felder. Nur hin und wieder traf ich auf kleinere Gehöfte oder Häuseransammlungen.  War ich der Meinung den höchsten Punkt erreicht zu haben, führte der Weg mit Sicherheit bergab, aber nur um nach wenigen Metern noch höher anzusteigen. Ich war also auf ziemlich welligem Terrain unterwegs.

Wieder auf der N-525 unterwegs, ging es zügiger voran. Ein kurzer Anstieg noch bis zum Alto de San Martino (818 m), dann verlief die Straße tendenziell fast nur bergab. In den Orten Lalin und Silleda hielt ich mich nur kurz auf, weil ich mich Santiago noch weiter nähern wollte, es gab in den Orten auch relativ wenig zu sehen. Die für den nächsten Tag geplante Etappe sollte möglichst kurz ausfallen, damit ich rechtzeitig zur um 12:00 Uhr stattfindenden Pilgermesse erscheinen konnte.

Auf den restlichen Kilometern bis zur Herberge in San Pedro de Vilanova wechselte ich immer mal wieder auf den Originalpilgerweg. Mit Erstaunen nahm ich dabei wahr, wie schnell man von der Neuzeit (Nationalstraße) scheinbar in ein anderes Jahrhundert eintauchen konnte.

Stimmen mehrerer deutscher Jugendlicher vernahm ich draußen bei der Ankunft in San Pedro de Villanova. Die Herberge befand sich nicht in einem Ort, sondern weit außerhalb, natürlich auf einem schweißtreibenden Hügel. Eine Schülergruppe einschließlich betreuender Lehrerin (aus Göttingen) hatte sich über knapp 200 km auf den Weg gemacht, nach Santiago zu laufen. Sie schliefen nicht in der Herberge, sondern in Zelten, nahmen also den ankommenden Pilgern keine Schlafplätze weg.

In der unmittelbaren Umgebung der Herberge gab es keine Einkaufsmöglichkeit. Mir blieb also nichts übrig, als mich nochmals in den Sattel zu schwingen, um mein Abendbrot zu sichern. Bei der Tour kamen dann auf der Suche nach einem Supermarkt nochmal 9 km zusammen.