Auf holprigr Piste nach El Real de la Jara

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.05.2011 72 111 1000 1245 Pilgerherberge

 

Mein erstes Frühstück auf der Tour bestand aus der üblichen spanischen Kombination von Café con Leche, Pan Tostados, Mantequilla und Mermelada (Cafe mit Milch, Toastbrot, Butter und Marmelade). Nicht sehr vielseitig, es war aber genug, um gesättigt zu starten. Das Wetter war einfach herrlich, fast keine Wolke am Himmel. Die drückende Hitze vom Nachmittag zuvor war wie verflogen, ein Grund mit, pünktlich zu starten.

Im Ort traf ich auf das am Vortag kurz kennengelernte französische Pilgerpaar. Sie liefen zeitgleich von der Herberge in Richtung Ortsausgang. Wir führten ein kurzes Gespräch, danach war ich allein.  1,5 km östlich von Guillena schwenkte die Via nach Norden auf eine Piste, die auf den ersten Kilometern noch gut zu befahren war. Olivenbäume, Kakteen und Sonnenblumenfelder bestimmten einige Zeit das Bild, bis ich auf einen Weidezaun traf, der südlich das Landgut Cortijo del Chaparral begrenzt. Der Zaun besaß eine Öffnung ohne Tor. Um Vieh daran zu hindern, das Gelände zu verlassen, war im Boden ein Rost eingelassen, dass für Huftiere sicherlich nicht begehbar war.

Mit dem Betreten des Landgutes veränderte sich die Landschaft schlagartig. Der zunächst breite Weg wurde zum schmalen Pfad. Die Vegetation war nun von Korkeichen geprägt, zwischen denen Pferde und Rinder weideten. Vögel zwitscherten munter in den Morgen hinein, Blumen begrenzten meinen teilweise schmalen Weg, ich fühlte mich richtig wohl. Was war das nur für ein schöner Morgen. Lange Zeit war ich auf dem ca. 10 km langen Terrain alleine unterwegs. Die einzigen, die ich traf, war eine Gruppe spanischer Mountainbiker, von denen aber leider niemand Englisch sprach. Wir fotografierten uns gegenseitig und schrieben  unsere Emailadressen auf. Danach folgte jeder seinem Weg.

Die Piste innerhalb des Landgutes war eine Sache für sich. Zu Beginn noch gut befahrbar, wurde der Weg zunehmend schlechter, bis an fahren nicht mehr zu denken war. Wassermassen hatten tiefe Längsrillen in den Weg gegraben und gleichzeitig ging es „natürlich“ noch über 200 Höhenmeter bergauf. Ich stemmte die Radschuhe in den festen Lehm und weiter ging es bergauf.

Ungefähr 4 km vor Castilblanco de los Arroyos hatte ich es geschafft. Schweißgebadet stand ich auf der A-8002 und hatte wieder Asphalt unter den Füßen. Den Ort erreichte ich dann zwar zügig, die Zeit war aber bereits erheblich fortgeschritten, ich hatte für die 10 km schlechter Piste fast zwei Stunden gebraucht. Die beginnende Mittagshitze drückte unerbittlich, keine Wolke verdeckte den Himmel und am Nachmittag würde es wohl noch heißer werden. Mich trieb aber doch niemand, ich nahm mir die Zeit um in Castilblanco de los Arroyos erst einmal ein Cola zu trinken.

Eine Zeit lang beobachtete ich das geschäftige Treiben vor einem Supermarkt, machte mich dann aber auf den Weg, um über die SE-5405 nach Almadén de la Plata zu radeln. Beiderseits der Straße befanden sich viele Landgüter, die zumeist von Stein- und Korkeichen bewachsen waren. Auf dem leicht hügeligen Terrain kam ich im Gegensatz zur ersten Tageshälfte zügig voran. Ich genoss die Ruhe, Autos schien es auf der Straße nicht zu geben.

Bei der Ankunft in Almadén de la Plata war ich von der Hitze geschafft. Die Wasserflaschen waren so gut wie leer, eine Pause dringend nötig. Der Ort war so gut wie leer, kein Mensch war zu sehen, die Spanier wussten warum! Vor einer Bar weckte ich durch eine längere Pause erst einmal meine Lebensgeister, bis ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein geöffnetes Restaurant (Restaurant Molina) fand. Eine Kleinigkeit zu essen konnte wohl kaum schaden. Meine Wahl fiel auf den hier als örtliche Spezialität angebotenen iberischen Schinken.

Die schwarzen iberischen Schweine werden hier in den Bergen der Sierra Norte de Sevilla gezüchtet. Die dunkle Hautfarbe kommt von ihrer Ernährung, die hauptsächlich aus den Eicheln der Steineichen besteht. Den Schinken fand ich übrigens äußerst geschmackvoll.

Auf der Landstraße waren dann bis zu meinem Tagesziel El Real de la Jara noch 17 km zu radeln. Die restlichen Kilometer führten etwas abseits vom Originalpilgerweg mitten durch den wunderschönen Nationalpark Sierra Norte. Etwa um 15:30 Uhr erreichte ich den Ortseingang von El Real de la Jara. Die Pilgerherberge war schnell gefunden. Sie befindet sich etwas links von der Zufahrtsstraße am Eingang des Ortes. Die Touristikinformation, in der man sich anmelden soll, liegt etwas abseits weiter unten im Ort. Sie hatte bei meiner Ankunft geschlossen, aus dem Grund bekam ich meinen Stempel im Credential bei der Guardia Civil.

Die Herberge, die durch ihre niedrigen Gewölbe zunächst ganz witzig wirkt,  war eher von minderer Qualität. Die alten Stahlbetten waren durchgehangen und die Duschen und Toiletten alt. Ich hatte an dem Tag nach der Hitze keine Lust mehr, mir eine andere Unterkunft zu suchen, aus dem Grunde blieb ich dort. In El Real de la Jara gibt es ein Highlight, dass ich am Abend noch mit dem Rad besuchte. Es handelt sich um eine Burg, von der man einen wunderschönen Blick auf den Ort und die umliegenden Hügel hat. Gleichzeitig sieht man von dort eine zweite noch ältere Burg, die die Grenze zwischen Andalusien und Extremadura markiert.

Ich verbrachte dort einige Zeit, hatte sogar das Glück einen Adler kreisen zu sehen, war nur leider mit dem Fotoapparat nicht schnell genug. Auf der Burg traf ich auch Helmut und seinen Neffen, zwei sehr nette Menschen aus Berlin. Beide hatte ich in der Herberge bereits kurz kennengelernt.