Erfahrungen in der "Tierra de Barros", die Altstadt von Merida

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.05.2011 84 265 450 2385 Pilgerherberge

 

Nach der fast schon gespenstisch wirkenden Nacht verließ ich die Herberge  richtig ungern, das Ambiente hatte mir sehr gefallen. Zu Hause kannte man so eine absolute Stille gar nicht mehr. Ein paar Wolken standen am Himmel, als ich mich aufmachte durch das winzige Ortszentrum die paar Kilometer bis Zafra zu radeln.

Die gut 16.000 Einwohner zählende Kleinstadt besitzt einen maurischen Ursprung, der bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht. Die Mauren nannten die Stadt damals Cafra oder Safra. Nach der Rückeroberung im Jahr 1229 entwickelte sich der Ort zum Hauptort der Region. Die heute noch interessanten Bauwerke, wie der Alcazar oder die Reste der Stadtmauer entstanden im 15. Jahrhundert. Der Alcazar ist heute ein Parador Hotel. In Las Medulas (Weltkulturerbe der Unesco) gab es früher Goldminen, in denen das Edelmetall bereits von den Römern in großen Mengen abgebaut wurde. Das Gold transportierten sie damals auf der Via de la Plata nach Süden. Übersetzt heißt Plata „Silber“, doch der spanische Name leitete sich aus dem arabischen „Bal´latta“ ab, was gepflasterte öffentliche Straße heißt. Als besondere Attraktion findet in Zafra im Herbst ein Markt für Viehzucht statt.

Vor Los Santos de Maimona führte der Originalpilgerweg 100 Höhenmeter hinauf. Ich kam bei dem Anstieg reichlich ins Schwitzen, bis von oben der kleine Ort tief unten zu sehen war. Den kleinen Ort nutzte ich kurz, um meine Wasservorräte zu füllen, radelte dann aber auf der N-630 weiter. 3km vor Villafranca de Los Barros schwenkte ich wieder auf den Originalpilgerweg. In dem Bereich ließ sich der Weg  gut befahren.

Kurz vor dem Ort lernte ich José kennen, der die Via de la Plata bis Salamanca radeln wollte, ihm fehlte die Zeit, um sie komplett bis Santiago zu fahren. Den zweiten Teil wollte er ein Jahr später in Angriff nehmen. Gemeinsam radelten wir bis nach Villafranca de los Barros hinein, fuhren dann aber jeder unseren eigenen Weg. Was ich noch nicht wusste, José würde ich auf meinem weiteren Weg noch mehrmals sehen. In Richtung Alemendralejo führte der Weg auf einer endlos wirkenden Gerade zwischen Weinreben hindurch.

Die Erde hatte in der Tierra de Barros (Lehmgegend) eine rote Farbe angenommen und war sehr lehmhaltig. Barros heisst übersetzt Lehm. Dass die ganze Region danach benannt wurde, hatte seinen besonderen Grund. Fußpilger hatten mir berichtet, dass die Schuhe durch den klebrigen Lehm immer schwerer wurden und dass man hin und wieder anhalten musste, um die Wanderschuhe davon zu befreien. Ich selber würde meine Erfahrung mit dem Lehm noch einige Kilometer vor Merida machen.

Hinter Torremeija radelte ich noch 3 km auf dem Originalpilgerweg, schwenkte dann aber wieder auf die N-630, weil es anfing leicht zu regnen. Es regnete nicht stark, immer mal ein paar Tropfen, am Himmel sah es aber  nicht gut aus.  Ich wollte die letzten 13 Kilometer bis nach Merida zügig hinter mich bringen. Der Regen ließ 10 km vor Merida nach, als ich rechts auf einer Leitplanke einen gelben Pfeil sah. Die Via führte auf eine alte Straßenführung, die zwar zugewachsen war, aber recht befahrbar aussah. Also wieder runter von der N-630, vielleicht ließ sich Merida ja doch auf alten Wegen erreichen.

Keine 400 m weiter ging nichts mehr. Es gab keinen Asphaltbelag mehr und der Untergrund bestand aus nassem Lehm. Das hatte zur Folge, dass der Lehm an den Laufrädern kleben blieb und zwischen Schutzblech und Laufrad klemmte. Ca. 100 Meter schaffte ich es zu radeln, danach drehten die Laufräder nicht mehr. Mit einem Stück Holz befreite ich die Laufräder ein wenig vom Lehm und schob das Rad zur N-630 zurück. Auf dem kurzen Stück kam mir José entgegen, der es ohne Schutzblech und mit einem MTB unterwegs wagen wollte, auf der üblen Strecke nach Merida zu gelangen. Ich selber fuhr auf der N-630  nach Merida und schaffte es auch trocken ins Ziel zu kommen. Ich war aber kaum an der Herberge angelangt, als es anfing, in Strömen zu regnen.

In der Herberge waren nur noch wenige Betten frei. Aus meiner Sicht war die Unterkunft vielleicht mit einem befriedigend zu bewerten. Mir gefielen die großen Bettensäle nicht, in denen mehr als 20 Menschen schliefen. Bei weniger Betten gab es in der Regel auch weniger Unruhe. Am späten Nachmittag ließ der Regen nach. José war vor der Herberge in der Zwischenzeit auch eingetroffen und stand draußen klatschnass vor der Tür. Rad und Kleidung waren mit Lehm beschmiert und in den Schuhen konnte er vor klebendem Matsch kaum laufen. Ich hatte wohl die richtige Entscheidung getroffen und auf den letzten Kilometern die N-630 gewählt.

Im römischen Reich war Merida unter dem Namen Emerita Augusta Hauptstadt der römischen Provinz Lusitania. Sie wurde im Jahr 25 v. Chr. von Kaiser Augustus als Kolonie für Veteranen römischer Legionen gegründet und entsprechend ausgebaut. Viele der damals errichteten Gebäude wie Amphitheater, Circus, Tempel, einige Brücken und Aquädukte sind noch heute zu sehen. Am späten Nachmittag und am Abend hielt ich mich in der Innenstadt auf und machte einige Fotos.