Auf nach Zamora

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.06.2011 70 667 400 6300 Pilgerherberge

 

Um 06:00 Uhr war es mit der Nachtruhe vorbei! Die ersten Pilger waren wach, kramten in ihren Sachen oder packten die Rucksäcke. Konnten die „Burschen“ nicht länger schlafen? Auf der Via gab es doch wohl kaum Probleme mit einem Übernachtungsplatz, war da ein Wettlauf erforderlich? Ich drehte mich noch einmal um, um 07:00 Uhr war die Nacht dann aber auch für mich vorbei. Mit dem bepackten Rad fuhr ich zuerst zum Plaza Mayor, dort gab es mehrere Bars. Die Chance ein Frühstück zu bekommen, schien mir dort am größten, so hoffte ich es jedenfalls. Bei der Ankunft stellte ich dann fest, dass die meisten noch geschlossen waren. An der nordöstlichen Seite des Platzes fand ich dann zwar eine geöffnete Eisdiele, bekam aber nur einen Cafe, ein Frühstück gab es leider nicht.

Wenn man von den 3 km hinter Salamanca absieht, die  der Pilgerweg an der N-630 entlang führt, verläuft der größte Teil der Strecke bis Calzada de Valdunciel durch eine  landschaftlich schöne Gegend. Wiesen, Getreidefelder und Acker in gelbbrauner Farbe wechselten sich ab und waren sehr schön anzusehen. Immer wieder traf ich auf Zeichen des Pilgerweges. An dem Tag wechselte ich mehrmals zwischen Originalpilgerweg und N-630 hin und her. Mal war die Fahrbahndecke auf dem Pilgerweg schlecht zu befahren, ein anderes Mal war es mir auf der N-630 schlicht zu langweilig. In den kleinen Orten Villanueva de Campeán und El Perdigon legte ich noch kurze Pausen ein. Die Hitze drückte kurz nach dem Mittag mal wieder mächtig, ich kam aber aufgrund der Tatsache, dass die letzten 20 Tageskilometer fast nur bergab führten, gut voran. Bei der Ankunft  in Zamora erreichte ich als erstes die südliche Brücke über den Rio Duero. Von dort hatte ich einen schönen Blick auf die mittelalterliche Stadt, die auf einem Felshügel liegt.

Die 66.000 Einwohnern zählende Stadt ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Autonomen Region Kastilien-León. An Sehenswürdigkeiten besitzt die Stadt eine Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert und noch weitere romanische Kirchen. Sehr schön anzusehen ist auch die alte Stadtmauer, die den Kern der Altstadt umschließt. Die Pilgerherberge befindet sich in einem tollen alten Steingebäude. Sie wurde wohl erst im Jahr 2008 eröffnet und wirkt noch relativ neu. Insgesamt gibt es in der Herberge 36 Betten, die sich auf 6 Räume verteilen, wobei jeder Raum über ein angrenzendes Bad verfügt. Als ich das Gebäude betrat, traf ich zuerst auf einen deutschen Hospitalero, der sich gleich um mich kümmerte. Mein Rad kam auf die angrenzende Terrasse, danach zeigt er mir den Schlafraum, der bereits teilweise belegt war.  Ja und dort traf ich Stefan, er war 31 Jahre alt, kam aus der näheren Umgebung von Leipzig und war auf der Via als Fußpilger alleine unterwegs. An dem Tag tauschten wir einige Informationen aus, jeder erzählte halt ein wenig von seinen bisherigen Reisen.

Am späten Nachmittag lief ich durch die alte Innenstadt und fotografierte fleißig. Sehr schön fand ich, dass ich in der Iglesia de San Juan de Puerto Nova am Plaza Mayor noch Zeuge einer Taufe wurde. Von der Kirche aus dem 12. Jahrhundert ist nur eines der ursprünglichen drei Schiffe erhalten geblieben, auch Dach und Turm gingen im 16. Jahrhundert verloren. Als Ersatz überdachte man die Kirche mit einer Mudéjar-Konstruktion. Die Südfassade der Kirche hat ein Portal mit zwei schlanken Säulen und drei runden Stirnbögen. Über dem Tor befindet sich ein Rosettenfenster.

Während in Andalusien  Prozessionen fast den Charakter einen Volksfestes besitzen, herrscht in Kastilien-Leon und damit auch in Zamora eine fast schon dramatische Stille. Eine der Osterbrüderschaften in Zamora nennt sich „Cofradia del Silencio“. Deren Mitglieder müssen einen Eid leisten, die Prozessionen in völligem Stillschweigen zu begleiten, denn sonst würde ihnen der Herr das niemals verzeihen. Eine ganz besondere Figur der Osterwoche ist der „Merlü“, dessen Denkmal vor der Iglesia des San de Puerto Nova steht. Mit einer lauten Trommel und einem Horn rufen sechs Weckerpaare am Karfreitag um 05:00 Uhr morgens die knapp 5.000 Mitlglieder ihres Vereins zusammen.