Aquileia, Palmanova und Udine, es gab viel zu sehen

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
09.09.2011 66 368 260 2400 B&B Via Monzambone

 

Jeden Tag gab es irgendwelche neuen Highlights, unsere Radtour hatte uns bisher sehr gefallen. Am 08.Tag der Tour sollte es nicht anders sein. Es waren weniger die landschaftlichen Reize der flachen Region,  die an diesem Tag beeindruckten, sondern die Städtchen wie Aquileia, Palmanova und unser Zielort Udine, alles tolle Städte mit einem eigenen Charme.

Als wir uns am Morgen aufmachten, Grado zu verlassen, fuhren wir zunächst noch eine Runde über die nördlich im Ort gelegene kleine Insel. Sie gefiel uns nicht, es gab nichts Ursprüngliches der Region, Häuser und ganze Komplexe nur für Touristen gebaut reihten sich aneinander, dass war nicht unser Ding.

Wir verließen Grado über die Via Testata Mosconi, einer langen Straße, die auf einem Deich nach Norden führte. Unser erstes Tagesziel befand sich nur 12 km von Grado entfernt. In dem kleinen Örtchen Aquileia  wartete eine Besonderheit auf uns, mit der wir in der Region überhaupt nicht gerechnet hatten. Aquileia zieht seit Jahren eine große Zahl von Besuchern aus der ganzen Welt an, weil es eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Italiens besitzt. Dieser Ort, der von einer langen Geschichte zeugt, ist seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit.

Bei unserer Ankunft fiel der erste Blick auf den Glockenturm und auf die Basilika, die schon von weitem zu sehen waren. Der Ort Aquileia war klein. Die Häuseransammlung mit knapp 3500 Einwohnern ließ kaum darauf schließen, dass hier mal zwischen 70.000 und 100.000 Menschen gelebt hatten.

Der Ursprung Aquileias ging auf das Jahr 181 v. Chr. zurück, als 3000 Veteranen dort aufgrund eines Senatsbeschlusses eine Militärkolonie gründeten. Diese entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem Verkehrsknotenpunkt. Nach der Überquerung der julischen Alpen war Aquilea die erste größere Stadt in Italien. Sie war der Endpunkt der Bernsteinstraße, über die der Stein von der Ostsee bis nach Aquileia transportiert wurde. Die Stadt wurde zu einer der bedeutendsten Handelsmetropolen. Industriezweige wie die Glasindustrie und Eisenverhüttung blühten. Schiffswerften entstanden und Zubehör für den Transport zur See wurde in Aquileia hergestellt.

Eine geistige Blüte erlebte Aquileia ab 314 n. Chr  durch das Christentum, vor allem durch seinen Bischof Theodor. Ab dem Jahr 572 n. Chr. galt der Bischof von Auquiliea als Patriarch und damit als höchster Kirchenfürst gleich nach dem römischen Papst der lateinischen Kirche. Im Jahr 452 wurde die Stadt fast vollständig von den Hunnen zerstört. Erst mit dem Aufstieg Venedigs (1451) verlor Aquileia endgültig seine Vorherrschaft.

Die Basilika beeindruckt von weitem schon durch den 73 m hohen Glockenturm, der ungefähr im Jahr 1000 ursprünglich als Wachturm erbaut wurde. Die Basilika ist der Jungfrau und den Heiligen Hermagor und Fortunatus gewidmet, letzterer galt nach neuesten Studien als der Initiator der christlichen Geschichte von Aquileia. Die damalige Bedeutung der Basilika hat unauslöschliche Spuren hinterlassen, sie gilt als die Mutterkirche nicht nur für die dortige Region sondern auch alle Länder des östlichen Mittelmeerraums, weil sich der Glaube von Aquileia aus ausbreitete.

Die Basilika, die wir von der Westseite aus betraten, birgt ein mehrfarbiges Bodenmosaik aus dem 4. Jahrhundert. Es wurde erst in den Jahren 1909-1912 entdeckt. Aber jetzt lasse ich mal die Fotos „sprechen“. Nach einer kurzen Pause in einem nahe gelegenen Cafe machten wir uns auf den Weg. Wir hatten uns in der Basilika Zeit gelassen, nun war sie vorangeschritten, vor uns lag noch ein langer Weg.

Über Cervignano del Friuli führte unser Weg nach Palmanova, einer alten Militärstadt, deren Form schon auf einer Straßenkarte förmlich ins Auge fiel.  Die Festungsstadt, die 1960 zum Nationaldenkmal erklärt wurde, besitzt ein mehreckiges Stadtbild in Form eines neunzackigen Sterns. Das Projekt des damaligen Architekten Giulio Savorgnan ist ein Meisterwerk der militärischen Ingenieurskunst. Grundlage für die außergewöhnliche Form war im Wesentlichen die Reichweite der Waffen der damaligen Zeit und die üblichen Angriffsstrategien. Von einer riesigen Grabenanlage umgeben, galt die Stadt lange Zeit als uneinnehmbar.

Das Herz der sternförmigen Stadt ist der Piazza Grande. Sechseckig angelegt gehen von ihm strahlenförmig die 6 Hauptstraßen aus.  In der Mitte des Platzes steht die Standarte, die Wahrzeichen der Festung ist, drum herum die wichtigsten Gebäude der Stadt, wie der Dom aus dem 17. Jahrhundert, der ein Werk des Amtes für Befestigungsanlagen von Venedig ist. Beim Verlassen der Stadt fotografierte ich noch den äußeren Graben. Auf dem Foto kann man sehr gut sehen, welche Dimensionen er besitzt.

Durch das nordöstliche Stadttor verließen wir die Stadt, um auf kleineren Nebenwegen nach Udine zu gelangen. Die Mittagssonne brannte zu der Zeit gnadenlos. Wir schafften es noch durch die kleine Orte Claudiano und Percoto bis nach Pavia di Udine zu radeln, danach waren wir von der Hitze geschafft. 38 Grad im Schatten und das ohne auch nur einmal im Schatten zu radeln, forderten ihren Tribut. Kurz hinter Pavia di Udine fanden wir endlich ein Lokal, dass uns die ersehnte Pause brachte. Auf der weiteren Fahrt nach Udine sahen wir noch ein Straßenschild, das nachdenklich stimmte. Den Zielort Udine erreichten wir etwa um 16:00 Uhr. Die im Ostteil der Stadt bereits von zu Hause aus gebuchte Unterkunft gehörte zur ersten Klasse. Es handelte sich eher um eine Ferienwohnung als um ein einzelnes Zimmer. Mit Obst wurden wir liebevoll empfangen, wir gehörten an dem Tag zu den zufriedenen Menschen, denn was wollte man mehr?

Nach einer längeren Pause machten wir uns auf den Weg in die  Stadt, die schöner nicht sein konnte. Was war das für ein Tag? Wir hatten doch in Aquileia und Palmanova schon soviel gesehen. In Udine gab es soviel zu sehen, dass eine Beschreibung aller Sehenswürdigkeiten hier den Bericht „sprengen“ würde, Udine war alleine schon eine Reise wert. Nachstehend mal ein paar Fotos von unserem kurzen Besuch. Am späteren Abend fanden wir in einer kleinen Nebengasse ein Restaurant, das uns gefiel. Dort  konnten wir den Tag in Ruhe ausklingen lassen und ein paar Zeilen im Tagebuch formulieren.