Auf der Via Claudia Augusta über den Reschenpass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.06.2012 80 1065 1100 5500 Camping

 

An  dem Morgen machte es enorm Spaß kurz hinter Landeck die Autostraßen zu verlassen und auf den Radweg der Via Claudia Augusta zu schwenken. Sofort gab es keinen Autoverkehr und der Radweg war wunderschön durch die Landschaft geführt. Wie man auf dem nachfolgenden Foto erkennt, klappte der erste Versuch, mich selber mittels Selbstauslöser in Fahrt zu fotografieren nicht so Recht, der zweite war da schon besser gelungen.

Ein wenig zur Geschichte der Via Claudia Augusta!
Alles begann wohl im Jahr 15 vor Christus, als der römische General Drusus begann, die Pfade der Kelten und Etrusker zur ersten richtigen Straße über die Alpen auszubauen. Das gewaltige Werk wurde erst 60 Jahr später durch seinen Sohn, Kaiser Claudius fertiggestellt. Ziel war es, den Warenverkehr zwischen Po-Ebene und Donau  zu erleichtern, gleichzeitig aber auch einen raschen militärischen Nachschub zu gewährleisten. Die einzigen vorhandenen Überbleibsel sind zwei militärische Meilensteine, von denen einer in Rabland in der Nähe von Meran und der andere in Cesiomaggiore (Belluno) gefunden wurde. Die Historiker sind sich über den Verlauf der Via Claudia Augusto ziemlich einig. Sie führte von Trient entlang der Etsch nach Pons Drusi (bei Bozen), dann weiter nach Meran und am Reschenpass vorbei durch das Tal der Inn und der Lech, wo sie kurz hinter Augsburg in einer Stadt an der Donau in der Nähe des heutigen Donauwörth endete.

Der Via Claudia Augusta wollte ich nur bis Mals kurz hinter dem Reschenpass folgen. Der mir aus den Touren der Jahr 2005 und 2006 bekannte Campingplatz war an dem Tag mein Ziel.

In Prutz wurde ich von einem BMW überholt. Eine Frau sprach mich aus dem Fenster an, sie kamen auch aus Dorsten. Das Schild „Dorsten-Rom“ am Hänger hatte bei ihnen die gedankliche Verbindung zu einem Zeitungsartikel in der Dorstener Zeitung hergestellt. Dort wurde über meine Tour nach Rom berichtet. Ihr Mann war im Ruhestand und Leiter der Stadtkasse in Gladbeck gewesen. Als ich ihnen erzählte, dass meine Tochter kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung bei der Stadt Gladbeck stand, war natürlich Gesprächsstoff genügend da, die Welt war wieder einmal klein.

Auf welligem Profil radelte ich weiter nach Pfunds, kaum das ich 50 Höhenmeter gewonnen hatte, ging es immer wieder ein wenig bergab. Bis zur Zollstation in Martina hatte ich mein Gespann gerade mal von 800 m ü NN auf 1025 ü. NN hochgekurbelt. An der Grenzstation machte ich noch ein Foto von der Waage, auf der wir im Jahr 2006 die Räder und Gepäck aller teilnehmenden Radler gewogen hatten (siehe Bericht 2006). Danach ging es bei angenehmer Steigung knapp 400 Höhenmeter hinauf bis zur Norbertshöhe.

Oben auf der Norbertshöhe traf ich noch eine Gruppe Reiseradler, mit denen ich mich eine zeit lang über unsere Touren unterhielt. Sie beabsichtigten aber in Nauders zu Mittag zu essen, deshalb verabschiedete ich mich von ihnen, in Richtung Mals hatten sie denselben Weg. Die alte Festung in Nauders lag imposant auf einem Felssporn. Von dort muss man noch ca. 150 Höhenmeter hinauf zum Reschenpass, was aber auf dem abseits der Hauptstraße geführten Radweg ohne Autoverkehr möglich war. Der Reschensee lag an dem Tag sehr schön in der Sonne, die den ganzen Tag schon unbarmherzig auf mich gestrahlt hatte. Ich war dankbar für diese seit Tagen stabile Wetterlage. Mein Blick ging auf die alte Kirchturmspitze der im See versunkenen Kirche von Graun. Hinter dem Reschensee ging es sehr schnell über Burgeis und Schleis hinab nach Mals.

Für mich war es interessant, den Platz meiner organisierten Reiseradlertreffen der Jahre 2005 und 2006 noch einmal wieder zusehen. Die Qualität des Campingplatzes war damals schon gut gewesen und hatte sich eher noch verbessert. Innerhalb von 5 Minuten stand mein Zelt auf derselben „Zeltwiese“ wie Jahre zuvor. In unmittelbarer Nähe standen auch ein Tisch und Stühle, so konnte ich mir das Kriechen auf dem Boden ersparen. Der Versuch am Abend in dem Restaurant in der Nähe des Platzes zu essen, in dem wir sechs Jahre zuvor gegessen hatten misslang, das Restaurant gab es nicht mehr. In der Nähe gab es einen kleinen Imbiss, der als Ersatz aber vollkommen ausreichte.