Erste Kilometer in der Toskana, eine hügelige Strecke bis San Gimignano

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung

26.06.2012

87 1740 700 12000 Camping

 

Das typisch italienische Ab- und Anmeldeprozedere verhinderte auf dem Campingplatz in Pisa leider einen frühen Start. Die Anmeldung öffnete erst um 08:30 Uhr, so musste ich warten, sie hatten noch meinen Personalausweis. Ich nutzte die Zeit, ging in den direkt gegenüberliegenden kleinen Supermarkt und frühstückte auf einer Bank direkt neben der Rezeption. Mein erster Radkilometer war wieder der Weg zurück zum Schiefen Turm. Ein, zwei Fotos noch, danach ging es hinaus aus der Stadt. Auch wenn es auf dem folgenden Foto nicht so aussieht, waren die ersten Kilometer östlich der Stadt geprägt von starkem Autoverkehr. Überall waren die Menschen wohl auf dem Weg zur Arbeit. Es gab zwar keine gefährliche Situation, die ständige Geräuschkulisse der überholenden Autos machte aber keinen Spaß. In Castelfranco Di Sotto radelte ich kurz einmal in die Innenstadt, danach führte der Weg immer weiter in Richtung Südosten.

Bei der Fahrt in Richtung der ersten toskanischen Hügel wurde es merklich ruhiger, die Straßen waren überwiegend leer, kaum dass ich mal auf einen PKW traf oder dass mich einer überholte. Um die Mittagszeit hatte ich die ersten 50 km hinter mich gebracht, sehnte mich aber nach einer Bar. Die Temperatur war an dem Tag auf annähernd 40 Grad gestiegen. Die Hitze, die vom Asphalt zusätzlich noch reflektiert wurde, erschwerte das Radfahren auf ein unerträgliches Maß. Kilometer um Kilometer radelte ich so langsam vor mich hin, bis ich an einer Tankstelle bei Bottega Genovini auf eine Bar traf. Dort war erst einmal eine längere Pause fällig.

Eine sehr nette Begegnung hatte ich dort mit dem mich bedienenden älteren Ehepaar. Sie sprachen Englisch, befragten mich nach meiner Tour und sorgten um mein leibliches Wohl. Sie waren begeistert von meiner langen Reise und hatten sichtlich ihren Spaß dabei, den ausgelaugten Tedesco (Deutschen) gut zu versorgen.

Danach ging es schweißtreibend hinauf nach Montaione. An den Kern des kleinen Ortes konnte ich mich nicht mehr richtig erinnern, wir hatten 1998 einen Familienurlaub dort verbracht. Weniger Kilometer weiter erreichte ich auf einer Höhe von 530 m ü. NN den höchsten Punkt des Tages. In unmittelbarer Nähe sah ich auch das Anwesen, das wir 1998 als Feriendomizil gemietet hatten. Das Haus hatte man in den letzten Jahren wohl noch deutlich aufgewertet, inzwischen gab es auch einen Pool.

Weiter in Richtung San Gimignano  traf ich auf 4 Radler aus Deutschland. Sie standen auf einer Hügelkuppe im Schatten und machten eine Pause. Sie waren nach Lucca geflogen, machten eine 1-wöchige Rundtour und hatten wohl dasselbe Ziel, den Ort San Gimignano. Tja und dann sagte einer der Radler: „ Grüß mir den Hermann I….., ich bin Bäckermeister in Lüdenscheid und wir kennen uns.“ Hermann war unser Ehrenvorsitzender im Verein und ebenfalls Bäckermeister von Beruf. Die Welt war mal wieder klein. Nachdem wir ein wenig gequatscht hatten, machte ich mich vor ihnen auf Weg. Bis San Gimignano waren es nur noch wenige Kilometer und die gingen bis kurz vor dem Ort nur bergab.

Die letzten 50 Höhenmeter in den Ort hinauf und es war geschafft. Es war richtig schön nach den vielen Jahren noch einmal durch den Ort zu laufen.

San Gimignano besitzt einen sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern. Der Ort wird auch „Mittelalterliches Manhattan“ oder „Die Stadt der Türme“ genannt. Der historische Stadtkern ist seit dem Jahr 1990 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. San Gimignano besitzt noch einige der mittelalterlichen Geschlechtertürme, die in anderen Städten wohl nur noch als Stümpfe erhalten sind. Die reichen Familien im Mittelalter versuchten, sich in der Höhe der Türme gegenseitig zu übertrumpfen und damit ihre Macht zu demonstrieren. Das schien ihnen wichtiger zu sein, als ein luxuriöses Leben, das in solchen Türmen nicht möglich war. Von den einst 72 Geschlechtertürmen existieren heute nur noch 15.

Die vier Radler traf ich im Ort auch noch kurz wieder, sie waren auf der Suche nach der schon zu Hause vorgebuchten Unterkunft. Zum Campingplatz zwei Kilometer südlich des Ortes musste ich fast nur noch bergab. Es war ein Platz mit sehr viel Schatten, der mir recht gut gefielZu sehr ausgelaugt von den Temperaturen des Tages, verbrachte ich den Abend auf dem Platz. Das Essen im Restaurant war seit langem mal wieder richtig gut und reichlich und der Blick in der Dämmerung auf San Gimignano mit seinen Türmen wunderschön.