In Monterosi ist die 2.000 km - Marke geknackt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung

01.07.2012

85 2011 600 14300 Camping

 

Die beiden Kinder vom Abend zuvor winkten, als ich den Platz verließ, sie hatten mich beim Zeltabbau schon die ganze Zeit beobachtet, sich aber nicht getraut, näher zu kommen. Am Bolsena See entlang verlief die Straße zunächst sehr flach, am südöstlichen Ende geht es dann bergauf nach Montefiascone. Bis in den schon von weitem zu sehenden Ort muss man 200 Höhenmeter hinauf, im Vergleich zu den Tagen in den Alpen zählt der Anstieg aber eher zur einfachen Kategorie.

Am Orteingang trank ich draußen vor der Bar einen Cappuchino. Es war Sonntag, es machte richtig Spaß, die Einheimischen zu beobachten. Die einen spielten Karten, andere standen draußen vor der Tür. In lautem Ton wurden über alles Mögliche Themen diskutiert, ich verstand relativ wenig, spürte aber das pulsierende Leben im Ort. Auf der ersten Abfahrt des Tages führte mein Weg 250 Höhenmeter hinab nach Viterbo. Der Ort hatte zwar eine alte Stadtmauer, gefiel mir im alten Kern aber nicht so gut wie andere Städte, durch die ich bereits gefahren war. Im alten Stadtteil waren die Häuser teilweise etwas schmucklos.

An dem Sonntag war es in den Morgenstunden noch sehr ruhig in der Stadt, die Männer des Ortes sammelten sich in den Bars, lasen eine Zeitung oder redeten einfach miteinander. Man traf sich, um über Weltpolitik oder Neuigkeiten im Ort zu reden. An der Piazza del Plabiscito beobachtete ich dieses Treiben eine Zeit lang und lief dann weiter durch den Ort. An der Piazza Fontane Grande traf ich neben einem Brunnen auf eine Gruppe Touristen mit Führer. Sehr schnell wurde ich mit meinem Hänger, wie schon häufiger auf meiner Reise, Fotoobjekt. Um 11:00 Uhr verließ ich den Ort durch das südwestliche Stadttor an der Piazza San Sisto und durchradelte die kleineren Orte Vetrella, Caprancica und Sutri.

Hinter dem kleinen Ort Sutri traf ich auf eine Szenerie, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Urplötzlich sah ich rechts ein mittelalterliches Stadtfest. Den Platz, auf dem verschiedene Zelt und Stände aufgebaut waren, hätte man besser nicht wählen können. Eingerahmt vor prähistorischen Felshöhlen, war das Bild, das sich bot, ein tolles Fotomotiv. Ich schaute mir das ganze von der Straße aus an, wenige Touristen liefen zwischen den Zelten, viel war um die Mittagszeit dort nicht los.

500 m weitergeradelt dann das nächste Fotomotiv. Bei meiner Planung der Strecke hatte ich den Parco Antichissima Città Di Sutri überhaupt nicht mit einbezogen. Bei dem Gelände handelt es sich um einen ca. 7 Hektar großen Park, der im Jahr 1958 errichtet wurde. Der italienische Garten enthält als ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten eine kleine etruskische Felsennekropole und ein anscheinend von den Etruskern in Tuffstein gehauenes elliptisches Amphitheater. Mein Rad musste ich am Eingang stehen lassen, die Gebühr zu Besichtigung hielt sich in Grenzen.

Auf dem weiteren Weg zum Lago Bracciano hatte ich in dem kleinen Ort Monterosi noch meinen Spaß, weil in den Straßen kleine Fähnchen über die Straßen gespannt waren. Es sah aus wie für mich gemacht, denn mir fehlten nur noch wenige 100 Meter bis zur 2.000 km-Marke. Spaß muss sein, dachte  ich auf dem Rad, machte ein Foto mit dem IPhone und lud das Foto nach Facebook hoch. Mit dem Kommentar „Extra für mich“ versehen, fand es auch zu Hause reichlich Resonanz. Die letzten 11 km bis zum Lago Bracciano waren, wenn man von wenigen kleineren Steigungen absieht, leicht zu radeln.Um 15:20 Uhr am frühen Nachmittag war ich im Ziel.

Der Campingplatz Smeralda ist unter holländischer Leitung, insofern war die Kommunikation mit dem Platzwart überhaupt kein Problem. An dem Nachmittag erfrischte ich mich noch ein wenig im Pool und lief ein wenig am See entlang, ich fand es dort sehr schön.

Eine Möglichkeit zu essen gab es auf dem Campingplatz nicht, also ging ich an dem Abend in ein nahegelegenes Restaurant. Das Essen war leider die reinste Abzocke, als man mir ein großes Bier für 8 Euro andrehen wollte, lehnte ich ab und begnügte mich mit einem kleinen für 4 Euro. Das Essen war für 25 Euro fast nicht genießbar, reichlich verärgert lief ich an dem Abend zurück zum Campingplatz, meine Reklamation hatte man „natürlich“ nicht verstanden.

Etwas später stieg die Stimmung wieder, als ich mir mit vielen Italienern und einigen Niederländern das Endspiel der Europameisterschaft Spanien gegen Italien anschaute. Was hatten sich manche Jugendliche in Italien mir gegenüber überheblich gezeigt. Italien war ihrer Ansicht nach der Meister der Welt, dass schienen sie aus ihren Fenstern zu schreien, wenn sie mich mit der Deutschlandfahne am Hänger überholten. Ich bin ehrlich, als es 2:0 für Spanien stand und die Stimmung vor dem riesigen Flachbildschirm merklich trüber wurde, blieb ich still. Mein Wunschgedanke „Und noch ein Tor für Spanien“ wurde an dem Abend erhört. Als es 4:0 stand, ging ich fröhlich vor mich hin grinsend schlafen.