Erste Kilometer am Canal du Midi oder auf nach Capestang

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.09.2012 52 71 100 100 Camping

 

Um 08:15 Uhr hatten wir unser Gepäck bereits gepackt und ins Auto verladen. Nach einem kleinen Frühstück im Campingplatz Restaurant stand der Vermieter des Stellplatzes wie angekündigt vor der Rezeption. Wir fuhren mit unserem Kia hinter ihm her, bis etwas außerhalb des Ortes. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Campingplatz im nördlichen Randbereich von Cap d´Agde handelte, der bereits geschlossen hatte, ein ideales Terrain, um den Wagen sicher abzustellen.

Nach einer etwas schwierigen aber netten Unterhaltung verabschiedeten wir uns von den Besitzern des Platzes und machten uns auf den Weg.

Unser erstes Tagesziel war eine nördlich von Cap d´Agde am Beginn des Canal du Midi errichtete Rundschleuse, in der die Schiffe um 90 Grad gedreht werden können, um über einen Nebenkanal in die Stadt Agde zu gelangen. Sie wurde im Jahr 1676 erbaut und ist die einzige Schleuse, mit mehr als zwei Anschlüssen, die in Frankreich in Betrieb ist. Der dritte Zugang führt über einen Stichkanal direkt zum Unterlauf des Flusses Hérault. Von dort gelangen die Schiffe auf kurzem Weg direkt zum Mittelmeer. Von einer Rundschleuse aus ging es an dem Tag immer am Canal du Midi entlang.

Das zweite Highlight des Tages war der Hochwasserdurchlass des Libron. Südwestlich des kleinen Ortes Vias kreuzt der Canal du Midi den Bach Libron. Dieser führt zu normalen Zeiten wenig Wasser, das durch einen Düker unter dem Kanal hindurchfließt. Nach starken Regenfällen ist dessen Wasserführung aber enorm groß, was eine andere Lösung erforderte. Ein Aquädukt für den Canal du Midi war auch nicht möglich, weil der Hochwasserpegel des Libron oberhalb des Pegels vom Canal du Midi liegt. Anfänglich wurde als Lösung eine Barke eingesetzt, die bündig zwischen die Kanaleinfassungen passte und auf die Kanalsohle abgesenkt wurde. So wurde künstlich quasi eine Rinne erzeugt, durch die die Wassermassen des Libron in Richtung Meer abfließen konnten. Der Einsatz der Barke war sehr zeitintensiv, was den ohnehin unterbrochenen Schiffsverkehr noch weiter verzögerte.

Die endgültige in der Mitte des 19. Jahrhunderts  gefundene Lösung in Form eines voll mechanisierten Doppel-Bauwerks ist heute noch zu sehen. Die Konstruktion ist originell und einmalig. Man muss sich das so vorstellen, dass zwei Kammern, die ähnlich wie Schleusen funktionieren, den Durchfluss der Wassermengen des Libron ermöglichen. Seit dem Bau der Anlage musste der Schiffsverkehr nicht mehr unterbrochen werden. Wenn in einer der beiden Kammern ein Schiff war, wurde die andere für den Durchfluss des Libron genutzt und umgekehrt. Der gesamte Mechanismus ist sehr schwer zu erklären und auch vor Ort nicht einfach zu verstehen. Nachfolgend habe ich mal einige Fotos von der Anlage platziert.

Etwas weiter trafen wir auf einen ausgebrannten A-Klasse Mercedes. Viele Tage konnte der Wagen dort nicht stehen, denn es roch noch etwas verbrannt.

Es machte sehr viel Spaß an dem Tag am Canal du Midi entlang zu radeln. Die Wegführung war zwar mal etwas holprig, aber immer sehr schön. Kurz vor Beziers sahen wir auf einer Brücke einen Menschenauflauf, den wir zunächst nicht einordnen konnten, kurze Zeit später klärte sich aber die Situation. Es handelt sich um ein Harley Davidson Treffen, die Menschen warteten auf die Durchfahrt der Motorräder. Wir stoppten dort kurz und hatten das Glück, dort zum richtigen Zeitpunkt angekommen zu sein. Kurze Zeit später dröhnten unsere Ohren von dem typischen Geräusch der Maschinen. Kurze Zeit später erschien der gesamte Tross.

In Beziers kamen wir an der Stelle vorbei, die uns von unserer Tour zwei Jahre zuvor noch bekannt war. Wir waren damals nach Beziers geflogen und von dort gestartet (siehe Bericht). Dort quert der Canal du Midi den südlich um Beziers herum fließenden Fluss L Òrb. Ein paar Kilometer weiter trafen wir auf die Écluses de Fonseranes, einer Aneinanderreihung von 9 Schleusen. Dort mussten wir dann mit den Rädern nach einer Mittagspause auch mal ein wenig bergauf.

Westlich des kleinen Ortes Colombiers verlässt der Radweg kurz den Canal du Midi, weil dieser durch einen Tunnel verläuft. Man muß den Berg etwa 20- 30 Höhenmeter hinauf,  um dann quasi über den Tunnel hinweg auf die andere Kanalseite zu gelangen. Auf der Westseite des Tunnels konnten wir den Eingang fotografieren. Später gab es noch eine Baustelle, der Radweg war abgesperrt und führte um einen Bereich herum, in dem ein großes Feuer brannte. Dort wurden wohl die dicken abgesägten Platanen verbrannt.

Den Campingplatz in Capestang fanden wir sehr schnell, ein Municipalplatz in mittlerer Qualität, der aber mit einem Preis von 12 Euro für uns beide relativ  günstig war.

An dem Abend radelten wir noch kurz in den Ort, um in einem Restaurant zu essen.

Die Stiftskirche St Etienne (unter Denkmalschutz) ist ein mächtiges Bauwerk und ein schöne Beispiel der südfranzösischen Gotik aus dem 14.Jh. Sie wurde jedoch wie die Kirche in Narbonne nie beendet. Das Kirchenschiff und das Querschiff wurden kaum begonnen und die Überreste der vorherigen romanischen Kirche sind im Westen noch zu sehen.

Nach ein paar Einkäufen machten wir uns wieder auf dem Weg zum Campingplatz.  Dort fanden wir ein nettes Plätzchen an einem Tisch mit Bank. Bei einem Gläschen Wein freuten wir uns über den ersten gelungenen Tag.