7. Tag:  Im Glenveigh National Park

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.08.2013 89 625 912 5.788 Camping Sleepy Hollow

  

An dem Morgen blies der Wind recht heftig. Sehr gut kann man das am Zelt meiner jugendlichen Zeltnachbarn auf dem folgenden Fotos sehen. Sie waren in der Nacht irgendwann sehr früh am Morgen zurückgekehrt, hatten noch relativ viel Krach gemacht und schliefen jetzt ihren Rausch aus, von meinem Packen bemerkten sie nichts.

Mit dem Verlassen des Campingplatzes hatte ich bereits wieder die Grenze in die Republik Irland überquert, eine Schranke oder Ähnliches gab es nicht, die Grenze verlief quasi direkt am Campingplatz entlang.

Das Highlight des Tages war sicherlich der Glenveagh Nationalpark mit der Besichtigung des gleichnamigen Castle. Die Fahrt bis dorthin durch Letterkenny war relativ eintönig, auch von der Landschaft her. Immer der Straße entlang, musste ich mich einmal kurz wegen eines Schauers unterstellen, ansonsten war das Wetter aber gut. Am Glenveagh Park durfte ich mein Rad vollbepackt ins Visitorcenter stellen, um dann mit dem Shuttle Bus zum Castle zu fahren.

Das Glenveagh Castle war schon recht eindrucksvoll, besitzt aber für meine Begriffe eine etwas unrühmliche Geschichte. In den Jahren 1857 bis 1859 kaufte ein Landspekulant namens John George Adair dort einige benachbarte Landparzellen auf und bildete aus dem großen Gelände Glenveagh. In den Folgejahren vertrieb er fast 250 Pächter aus dem Gebiet, weil er sich bessere Gewinne durch Viehzucht versprach. Im Jahr 1867 begann er dann mit dem Bau von Glenveagh Castle. Das Schloss wurde 6 Jahre später fertiggestellt. Nach dem Tod von John George Adair übernahm seine Frau das Anwesen und die Ländereien. Sie ließ die Gärten anlegen und verbrachte die Sommer bis 1916 dort. Nach ihrem Tod im Jahr 1921 verwaiste das Anwesen. In den Folgejahren besaß das Anwesen noch zwei weitere Eigentümer. Der Letzte verkaufte die Ländereien 1975 an das Office of Public Works, dieses gründete dann den National Park. Seit 1984 ist der National Park und seit 1986 das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich.

Ich schlenderte ein wenig durch den Park, machte ein paar Fotos, fuhr dann aber mit dem Shuttle Bus zum Visitorcenter zurück.

Ich gehöre ungern zu den Menschen, die ihre eigenen Momentaufnahmen dazu nutzen, zu pauschalieren. Der Unterschied im Umgang mit einem Touristen wie mir unterschied sich in Nordirland und der Republik Irland aber so sehr, dass es schon auffallend war. In Nordirland hatte ich mehrere Situationen erlebt, dass ich beobachtet wurde, sei es im Supermarkt oder in den Innenstädten der Orte. Es handelte sich nicht um eine „natürliche“ Neugier, die man Radreisenden vielleicht gegenüber zeigt, meine Gesprächspartner oder Beobachter zeigten Zurückhaltung pur. Ich  hatte mehrmals das Gefühl, wie wenn mir jemand sagen wollte, was will der denn hier. Woher das kam, ich weiß es nicht, vielleicht ein Ergebnis der letzten Jahrzehnte eines Lebens in ständigem Misstrauen zu den Nachbarn und jedem Fremden hier. Es war störend und ich war froh, als ich die Grenze in die Republik Irland wieder überschritt. Ich möchte niemanden Unrecht tun, mein Eindruck war aber leider so.

Im Visitor Center im Glenveagh Park fiel mir der Unterschied sofort wieder auf. Was wurde ich dort umsorgt. Mein nicht gerades sauberes Rad wurde auf einem Teppichboden hinter der Anmeldung im Visitor Center geparkt. Mir war das schon fast peinlich und ich fühlte mich bei dem Geprächen mit den Damen wieder richtig wohl.

Nach meiner Besichtigung radelte ich bis auf eine Höhe von 280 m über einen namenlosen Pass. Die Landschaft war sehr grün und an vielen Stellen wurde Torf abgebaut. Meines Wissens wurde er hier als natürlicher Brennstoff genutzt.

Die Abfahrt mit Blick auf den tief unten liegenden Dunlewey Lough war sehr schön. Von dort aus ging es für mich bis zum Ziel fast über 10 km bergab. Bei meiner Ankunft auf dem Campingplatz Sleepy Hollow wurde ich sehr nett empfangen. Der Campingplatzbesitzer zeigte mir persönlich alles:  die Duschen, die Küche, den WiFi Code …. Noch der Tipp auf ein nahegelegenen Restaurant mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und der Abend war perfekt. Dort gab es an dem Abend zum ersten Mal auf meiner Tour „Fish and Chips“.