Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 29.07.2013 - 26.08.2013

 2.203 km

 20.767 Hm

 

Kehrte denn in Nordirland niemals Ruhe ein? Wenige Wochen vor meinem Start gab es keine guten Nachrichten aus Belfast! Die Zeitungen waren voll davon.

Gewalt in Nordirland: Probritische Krawallmacher verletzten mehr als 50 Polizisten. Auslöser der Gewalt war der Versuch probritischer Demonstranten, die Route des geplanten Umzugs der Republikaner zu blockieren. Es flogen Steine und Flaschen, Autos wurden demoliert und Geschäfte beschädigt. Kurzzeitig standen sich die Gruppierungen gewaltbereit gegenüber, konnten von der Polizei aber getrennt werden. Die Polizei sprach anschließend davon, dass es sich um Krawallmacher handelte, die auf jeden Fall Unruhen auslösen wollten.

Kein idealer Zeitpunkt, um von Dublin aus direkt nach Belfast zu radeln. Zuerst überlegte ich die Tour anders herum zunächst in Richtung Süden zu radeln, da aber in den drei Wochen bis zum Start nichts mehr geschah, blieb es bei der ursprünglichen Planung.

Was ging in den Köpfen derartiger Menschen vor? Hatten die Konfliktparteien ihren Konflikt doch bereits 1998 im Karfreitags-Abkommen eigentlich beigelegt. Waren das wirklich nur einzelne Krawallmacher wie man in den Zeitungen lesen konnte oder entwickelten sich da wieder größere Unruhen?

 

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 Sind die Menschen in Irland alle so nett?

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.07.2013 72 72 516 516 Camping Slane Farm

 

Ein wenig Nervosität war seit meinem Erlebnis 2011 bei der Ankunft in Sevilla (Radschaden) ja beim Start immer dabei. Als ich in Dublin landete und alles Gepäck einschließlich des Rades wohlbehalten vor mir stand, war die Anspannung weg. Draußen vor dem Flughafen unterhielt ich mich noch mit zwei Radlern, die zeitgleich mit mir ihre Räder montierten. Sie wollten Irland im Uhrzeigersinn umrunden, also nicht in meine Fahrtrichtung nach Norden schwenken. Beide waren sehr nett, aber was die jeweilige Tour betraf hatte jeder so seinen eigenen Plan.

Um 13:00 Uhr radelte ich die ersten Kilometer in Richtung Norden in den kleinen Ort Swords. Dort gab es zwei Fahrradgeschäfte, Richies Bikestore und das Swords Cycle Centre, in den Geschäften wollte ich mein Glück versuchen und einen Karton für den Rückflug reservieren. Die ersten Eindrücke sammelnd fuhr ich an Richies Bikestore vorbei, nicht wissend, dass sich das Geschäft in einer Ladenpassage befand und somit von der Straße nicht zu sehen war. Etwas später im Swords Cycle Center traf ich auf den richtigen Mann. Er schaute kurz auf mein Rad und verstand mein Anliegen sofort. Als er mir danach einen großen Karton mit den Worten „a box like this“ zeigte und dann zu einem Kugelschreiber griff, war der Start meiner Tour perfekt. Er wollte dafür sorgen, dass ich vier Wochen später ohne Verpackungsprobleme  nach Hause kam. So konnte meine Tour beginnen, Danke!

In dem ca. 40.000 Einwohner zählenden Ort gibt es nicht all zu viel zu sehen. An der Mainstreet reihen sich die Geschäfte aneinander, bis man kurz vor dem nördlichen Ortsende auf das alte Gemäuer von Swords Castle trifft.

Mich zog es am ersten Nachmittag weiter nach Norden, immerhin lag noch eine Strecke von 70 km vor mir. In Richtung Nordosten radelnd führten die ersten Kilometer direkt ans Meer nach Skerries. Der kleine Hafenort besitzt als Hauptattraktion des Ortes einige Mühlen (Mills), deren Ursprung bis ins 16. Jahrhundert zurück geht. Der komplette Bereich besteht aus mehreren Windmühlen, einer Wassermühle, einem Cafe und einem Craftshop.

Ein kurzes Stück führte mein Weg an dem Nachmittag noch am Meer entlang.Über Balbriggan ging es dann nach Drogheda, was übersetzt wohl soviel heisst wie „Brücke über der Furt“. Der Zusammenhang klärt sich, wenn man genauer auf eine Karte schaut. Der River Boyne fliesst durch Drogheda von West nach Ost und verbreitert sich vor dem Erreichen der Irischen See in den Louth Meath. Drogheda entstand vermutlich aus dem einfachen Grund, dass es dort die erste Furt gab, die es ermöglichte,  den River Boyne zu queren.

Die für Irland so typischen bunten Häuser gefielen mir in Drogheda sofort. Bei Sonnenschein gaben sie den Orten ein so freundliches Aussehen, dass man bewusst stehen blieb, um auf die Häuserfronten zu schauen. Ein wenig radelte ich noch langsam durch die Innenstadt und schaute mir die gewaltige Kirche St. Peter an, es war aber bereits 16:30 Uhr und ich war noch bei weitem nicht am Ziel. Im etwa noch 20 km westlich entfernten Örtchen Slane gab es einen Campingplatz, den ich bereits von zu Hause aus kontaktiert hatte.

Östlich von Slane erreichte ich Newgrange. Newgrange bezeichnet ein großes jungsteinzeitliches Hügelgrab, die Anlage wurde ca. 3150 Jahre v. Chr. erbaut, sie ist eine der weltweit bedeutendsten Megalithanlagen und wurde 1993 zum Weltkulturerbe erklärt. Das Grab wurde im Jahr 1699 vom Grundbesitzer Charles Campbell durch Zufall entdeckt, als er einen Haufen Steine entfernen ließ. Die gesamte Anlage hat einen Durchmesser von mehr als 90 m. Der Grabhügel besteht überwiegend aus Grassoden und Steinen und ist durch einen fixierenden Steinring begrenzt. Ein mehr als 20 Meter langer Gang unter dem Hügel endet in einer kreuzförmigen Grabkammer mit einem sieben Meter hohen Gewölbe. Bei den Ausgrabungen fand man in einer Nische einen verzierten Altar und verbrannte menschliche Knochen.

Für eine Führung war es zu spät, die Besucher verließen in Scharen das Besucherzentrum als ich dort eintraf. Ich machte nur ein paar Fotos von Außen und  radelte danach direkt nach Slane.

Das Hostel mit dem angrenzenden kleinen Campingplatz war sehr schön, einige Kinder spielten in der Abendsonne mit ihren Eltern Fußball. Für mich war es Zeit für einen kurzen Rückblick auf den ersten Tag der Tour, ich war rundum zufrieden, das Wetter hielt, was brauchte man mehr.

 


 

 2. Tag:  Die Ruinen des Klosters Monasterboice

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.07.2013 98 170 760 1.276 Camping Kilbroney Park

 

Um 08:30 Uhr saß ich auf dem Rad und fuhr nördlich um Newgrange herum. Meinen ersten längeren Stop hatte ich an den Ruinen des Klosters Monasterboice. Dort traf ich auf eine deutsche Reisegruppe, die mit einem Bus vor Ort war, aber kurze Zeit später das Gelände verließ.

Die Klosteranlage wurde im 6. Jahrhundert vom Heiligen Búithe als eine der ältesten in Irland gegründet. Etwa zeitgleich mit der Entdeckung Islands besiedelten die Wikinger auch die Ostküste Irlands und übernahmen die Kontrolle über das Kloster. Im Jahr 968 wurde das Kloster von Domhnall, dem König von Tara angegriffen, wobei 300 Mönche starben. Danach verfiel Monasterboice mehr und mehr, bis es im Jahr 1122 endgültig aufgegeben wurde.

Auf dem Friedhof sind zwei Hochkreuze zu sehen, das reich geschmückte Muiredach Cross mit einer Höhe von 5,39 m und das Westkreuz, dass mit einer Höhe von 6.50 m das höchste der gesamten irischen Insel ist. Die beiden Steinkreuze sind mehr als 1000 Jahre alt, sie dienten lange Zeit als steinerne Bilderbibeln während der Gottesdienste.

Die Stimmung in der man sich befindet, wenn man es schafft, dort alleine in Ruhe durch die Grabreihen zu laufen, ist kaum zu beschreiben, man wird demütig und still. Geräusche gibt es in der in absoluter Einsamkeit gebauten Klosteranlage selbst in der heutigen Zeit kaum.

Der Rücksprung in die Gegenwart kam sehr schnell. Bereits nach einigen Kilometern schwenkte ich mangels einer Alternative auf die R132, die teilweise sehr stark befahren war. Erst kurz vor Dundalk gelang es mir, um den Ortskern herum auf kleineren Straßen nach Newry zu radeln.

Bei meiner Ankunft in Newry hatte ich 8 km zuvor bereits unbemerkt die Grenze nach Nordirland überquert, zu sehen war sie nicht, aber vielleicht hatte ich auch nur nicht richtig aufgepasst. Newry besitzt einen recht hübschen kleinen Ortskern, in dem ich ein paar Fotos machte, danach ging es weiter am Newry Canal entlang in Richtung Warrenpoint ans Meer.

In Warrenpoint stand ich nur noch 4 km von meinem Tagesziel dem Campingplatz im Kilbroney Parc in Restrevor entfernt am Meer, als erste kleinere Tropfen Regen vom Himmel fielen. Bis Restrevor war es noch einigermaßen trocken, bei meiner Ankunft fing es aber in Strömen zu regnen an. Die Zeit überbrückte ich in der Rezeption, indem ich mich ein wenig mit dem Campingplatzbesitzer unterhielt. Eine halbe Stunde später waren die schwarzen Wolken weggezogen und es ging direkt an den Zeltaufbau.

Am späten Nachmittag radelte ich in den Ort und genehmigte mir in einem Pub/ Restaurant ein leckeres Essen und ein erstes irisches Bier. Einen Supermarkt für den Frühstückseinkauf gab es in Restrevor glücklicherweise auch.

 


 

 3. Tag:  Ein Gespräch mit einem irischen Bauern

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
31.07.2013 72 242 980 2.256 Camping Lakeside View

 

Um ins kleine Städchen Hilltown zu gelangen, hätte ich der direkten PKW-Strecke folgend mir einige Höhenmeter sparen können. Die Strecke war aber nicht so einsam und keineswegs schön, aus dem Grund war ich in die Berge geradelt, immerhin 340 m hoch.

Die schmale Nebenstrecke auf der ich mehr als 15 km fuhr,  war im GPS-Kartenmaterial als „Restrevor Cycle Route Nr.7“ ausgezeichnet, die Kennzeichnungen versprachen meistens ruhigen Radelspaß. Die ersten wenigen Kilometer ging es relativ steil bis auf eine Höhe von gut 200 m hinauf. Die einzigen Lebewesen auf die ich traf waren Schafe, Kühe und ein paar Pferde.

Eine gute Stunde kurbelte ich so vor mich hin, bis plötzlich ein Bauer mit seinem Hund vor mir auf der Straße stand. Er grüßte frühzeitig schon von weitem und gab mir zu verstehen, dass sein Hund wohl nicht zu den angriffslustigen Gesellen zählt. Sekunden des gegenseitigen Taxierens vergingen, bis er mir endlich eine Frage stellte, die mir unterwegs noch nie jemand gestellt hatte. Üblicherweise fragten die meisten nach meinem Tagesziel oder wohin die Reise weiterhin ging. Der irische Bauer wollte von mir wissen, warum ich ausgerechnet diese kleine Straße durch die Berge befuhr, gab es doch einen Weg durchs Tal. Ich erklärte es ihm anhand meines GPS-Kartenmaterials und das die Strecke als „Restrevor Cycle Route Nr. 7“ ausgewiesen war. Er grinste und hatte eine verblüffende Antwort parat: „ I live here over 40 years, but I have never seen a biker with so much luggage on this little road”. Irgendwie gehörte ich  mit meinem hochbepackten Rad wohl zu den Außerirdischen.

Wir lachten uns an und schon war das Eis gebrochen. Er erzählte mir davon, dass er schon mal in Bamberg gewesen war und Deutschland ganz toll fand, ja Bamberg hatte ja auch eine tolle alte Innenstadt. Danach erzählte er von seinem Hobby, den Pferden. Sie waren es, die ihn als „early retired man“ (Frührenter) in Schwung hielten. An das nette Gespräch erinnere ich mich immer wieder gerne zurück, die Atmosphäre mitten in den Wiesen stehend war schon einzigartig. Hügel hin, Hügel her, ich hatte schon deswegen wohl den richtigen Weg gewählt.

Ab dort ging es weiter steil bergauf bis auf eine Höhe von 340 m. Das Wetter war etwas diesig, aus dem Grund fehlte die erhoffte Weitsicht, ich genoss aber die Ruhe und die tolle Abfahrt über Hilltown nach Newcastle. Vor Newcastle erreichte ich den Tollymore Forest. Der Tallymoreforest ist eine riesige große Parkanlage mit einem tollen alten Baumbestand.

Bis kurz vor Ballinahinch hielt das Wetter, danach gab es nur noch Regen. In einem Fastfoodrestaurant aß ich eine Kleinigkeit und radelte im Anschluss nach Annahilt. Dort unweit von Hillsborough gab es den Lake Side View Campingpark.

Den Abend verbrachte ich in der Küche des Campingplatzes. Dort konnte ich einige Zeilen in mein Tagebuch schreiben, alle Akkus laden und über Facebook ein wenig Kontakt zur Familie und Freunden halten.

 


 

 4. Tag:  Regen in Belfast

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.08.2013 101 343 520 2.776 Camping Touring Caravan Park

 

Die ganze Nacht hatte es geregnet, glücklicherweise war es am Morgen aber trocken, zumindest für die erste Stunde. Ich konnte im Trockenen frühstücken und in Ruhe meine Sachen packen.

Da ich nach dem langen Schlaf relativ früh auf den Beinen war (07:OO Uhr) saß ich schon um 08:00 Uhr auf dem Rad. Bei dem Bauern bezahlte ich noch meine 15 Pfund Platzgebühren und machte mich dann auf den Weg nach Hillsborough. Hillsborough Castle ist die offizielle Residenz von Königin Elisabeth II von Großbritannien und Nordirland in Nordirland. Es wird von der britischen Königsfamilie während ihrer Besuche in Nordirland bewohnt. Das Castle konnte ich nicht besichtigen, da geschlossen, der angrenzende Park war aber sehr schön, den sah ich mir in Ruhe etwas genauer an.

Die 20 km nach Belfast herein waren eine Traumstrecke, immer an einem schönen kleinen Fluss entlang. Einziges Manko war eine kurze Baustelle, die ich aber umfahren konnte, so kam ich wieder zum Fluss zurück. Es zeigt sich mal wieder, dass ich gut beraten war, die grau hinterlegten Radstrecken in Velomap zu nutzen. Leider regnet es immer mal wieder leicht.

Bei dem ständigen Regen fehlte die nötige Stimmung für ein größeres Besichtigungsprogramm, aus dem Grund verlies ich die Stadt und radelte am Hafen entlang weiter in Richtung irischer See. Einen Stop hatte ich noch am Carricfergus Castel im gleichnamigen Ort, danach ging es weiter zügig nach Larne.

An der Küste klarte das Wetter am frühen Nachmittag endlich auf, die Stimmung stieg, obwohl der warme Regen durchaus leicht zu ertragen war. Schade war es nur für die Fotos, ihnen fehlte dann einfach der nötige farbliche Kontrast. Um 14:30 Uhr stand ich auf dem Campground im Carnfunnoc Parc, der sehr schön war. Die Sonne kam raus, ich wurde mutig und wusch die Radsachen, sie würden auf der Leine schnell trocknen.

Danach ging es noch mit dem Rad nach Ballygalley, einem kleinen Ort 4 km nördlich vom, Campingplatz. Dort gab es einen Supermarkt, um die nötigen Einkäufe zu tätigen.

 

 


 

 5. Tag:  Auf hügeligem Terrain zum Giants Causeway

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.08.2013 99 442 1.150 3.926 Camping Portballintrae

 

Was schien die Sonne an dem Morgen schön! Mein Zelt stand  im Schatten, deshalb hatte ich die schöne Wetterlage zunächst überhaupt nicht bemerkt. Der erste Blick nach draußen tat richtig gut, noch besser war etwas später nur das Gefühl, in der Morgenfrische an der Irischen See entlang zu radeln. Sehr schnell kam ich an dem Morgen mit einem strammen Rückenwind zunächst voran, der Causeway Costal Road war durchgängig flach und der Wind drückt mich einfach nach Norden.

Zwischen Cushendall und Cushendun zweigte meine geplante Route auf eine kleine Straße ab, die küstennah nach Nordwesten führte. Die Höhenmeter hatte ich zu Hause zwar addiert, über solche Straßen findet man aber im Internet keine Steigungsprozente und die stellten sich auf der wunderschön geführten kleinen Straße als echte Herausforderung heraus. Steigungen bis zu 18% waren eher normal, aus dem Grund musste das Rad mit dem Gepäck auch schon mal geschoben werden. Eine echte Entschädigung für die kraftzerrenden Anstiege waren die tiefen herrlichen Ausblicke auf die Küstenregion.

Bei der Ankunft in Ballycastle war ich etwas platt, die vielen Senken und steilen Anstiege hatten mächtig an meinen Kräften gezehrt. Ein großes Eis und eine halbstündige Pause brachten die nötigen Kräfte zurück. Um Höhenmeter zu sparen, versuchte ich in Ballycastle am Hafen vorbei dicht am Meer zu radeln, die Straße endete in einer Sackgasse. Also wieder zurück und entlang der Straße den Hügel hinauf. Einige Kilometer weiter traf ich auf einen Aussichtspunkt, der einen schönen Ausblick auf Carrick a Rede ermöglichte.

Carrick-a-Rede ist eine kleine Insel, die sich im Norden Irlands zwischen den Städten Ballycastle und Ballintoy befindet. Die durch eine spektakuläre Hängebrücke mit dem Festland verbundene Insel ist unbewohnt, in der Region aber ein absoluter Touristenmagnet. Bei der Brücke handelt es sich um eine Hängebrücke für Fußgänger, die eine Meerenge von 20 Metern in einer Höhe von 30 Metern überspannt. Eine Brücke gab es zu der kleinen Insel wohl schon vor 350 Jahren. Sie wurde damals von Fischern errichtet, die von der Insel aus mit einem Netz Lachse fingen. Mit Blick auf die zusätzlichen Höhenmeter fuhr ich nicht zur Brücke hinab und radelte weiter zum nur noch etwa 5 km entfernten Giants Causeway, mir reichte der Blick von oben voll und ganz.

Bei der Ankunft am Giants Causeway staunte ich nicht schlecht, Touristenmassen strömten von den Parkplätzen zum Besucherzentrum. Ursprünglich hatte ich geplant, irgendwie mit dem Rad zu den Basaltsäulen zu gelangen, aber das ging gar nicht. Es gab Shuttle-Busse, die in einem 15 Minuten Takt zu den Basaltsäulen fuhren. Ein netter Parkwächter löste mein Problem mit der Unterbringung des Rades. Er sichert mir persönlich zu, auf Rad und Gepäck bis zu meiner Rückkehr aufzupassen, ich nahm das Angebot dankend an.

Der Giants Causeway zählt zum Weltnaturerbe der UNESCO. Er besteht aus mehr als 40000 Basaltsäulen, die ein Alter von 60 Millionen Jahren aufweisen. Die größten der zumeist sechseckigen Säulen sind bis zu 12 Meter hoch.

Die kurze Fahrt bis zum Campground in Portballintrae (Nahe Bushmill) war dann schnell geschafft, nach 95 Tageskilometern kam ich dort in etwa um 16:00 Uhr an.

Ein nettes Erlebnis hatte ich an dem späten Nachmittag noch in Bushmill, der durch seine Whiskey Brennerei (Old Bushmills Distillery) weit bekannten Stadt.
Meine Haare wurden mir zu lang, und im Ort hatte ich einen Haarsalon gesehen. Unbedarft wie ich war, lief ich in den Salon, mit der Hoffnung auf einen schnellen Termin. Die Chefin schaute mich an und bot mir einen am nächsten Morgen an. Als ich ihr erzählte, dass meine Reise am frühen Morgen weiterging und das ich dabei wäre, die ganze irische Insel mit dem Rad zu umrunden, erschien ein Lächeln in ihrem Gesicht. Sie schaute eine ihrer Mitarbeiterinnen an und keine 5 Minuten später saß ich auf dem Stuhl.

 

 


 

 6. Tag:  Ankunft in Londonderry, der nördlich größten Stadt meiner Tour

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.08.2013 94 536 950 4.876 Camping Eleghvale Park

 

Der nächste Ort, durch den ich an dem Morgen fuhr, hieß Coloraine. Den Ort Portbrush hatte ich auf den ersten Kilometern nördlich von mir unten am Meer liegen sehen, aber nicht mal gestreift.

Das erste Highlight des Tages war der Mussenden Tempel, der in einem tollen Park westlich von Coloraine liegt. Der Eintritt kostete zwar 4,70 Pfund, ich denke aber, es hat sich gelohnt. Der Mussenden Tempel ist ein kleines kreisrundes Gebäude oben auf den Kliffs hoch über dem Meer. Bevor man ihn zu Fuß oder wie ich per Rad erreicht, kommt man am Downhill House vorbei, dass auf dem riesigen Gelände im 18. Jahrhundert als Herrenhaus gebaut wurde. Im Jahr 1851 wurde ein großer Teil des Gebäudes durch Feuer zerstört, in den 1870er Jahren aber wieder aufgebaut. Während des Zweiten Weltkrieges waren Angehörige der RAF in dem Haus untergebracht, in den Folgejahren wurde es bis auf einen Teil der Mauern abgerissen und das Gelände verkauft. Der National Trust erwarb das Haus im Jahr 1980, der auch schon Eigentümer des Mussenden Tempels war. Kurz vor Limavady kam ich in einen Regenschauer, der glücklicherweise aber nur kurz anhielt.

Über die weitere Strecke bis Londonderry gibt es wenig zu berichten, da an einer Hauptstraße entlang und zu stark befahren.

Londonderry in seinen alten Mauern gefiel mir schon viel besser. Es war richtig schön, auf einem zentralen Platz vor dem Rathaus einer Musikgruppe zu lauschen. Ich hielt mich dort einige Zeit auf, schaute mir die alten Mauern und den Ortskern an und beobachtete ein wenig die Menschen um mich herum.

Den Grund, warum sie vor dem Rathaus Musik spielten, konnte ich nicht erkennen, vermutete aber, dass die Veranstaltung zu dem abwechslungsreichen Programm gehörte, auf dass sich die Besucher der Stadt in 2013 freuen durften. Eine Jury hatte Derry im Jahr 2010 den Titel „Britische Kulturhauptstadt“ zugesprochen, kein Wunder, dass sie sich in den Folgejahren mächtig ins Zeug legten, um dem Titel gerecht zu werden.
Eine Entwicklung, die man sicherlich positiv sehen sollte, bedenkt man, welche Gewaltausschreitungen es noch vor wenigen Jahren gegeben hatte. Schon die lange Bezeichnung des Stadtnamens „Londonderry“ gilt als politische Aussage. Die katholischen Republikaner und Nationalisten nennen die Stadt einfach „Derry“.

Was mir vorher bereits in Nordirland aufgefallen war, sah man in Londonderry oder Derry auch, in den protestantischen Wohnvierteln waren die Bürgersteige und Laternenmasten in blau, weiß und roter Farbe gestrichen, den Farben des Union Jack, mein Ding war das eindeutig nicht, mir war das zu nationalistisch geprägt.

Nach meiner Innenstadtbesichtigung machte ich mich auf den Weg zum 5 km außerhalb des Ortes gelegenen Campingplatz. Der Elaghvale Camping Parc war eher klein, mit Ausnahme von drei jungen Iren war ich wohl der einzige Campinggast.

Die drei jungen Iren waren eigentlich ganz nett, ich unterhielt mich in der Campingplatzküche einige Zeit mit ihnen u.a. auch über die wohl relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit in Nordirland. Sie wollten an dem Abend aber noch auf eine große Party gehen und waren reichlich dabei ein wenig „vorzuglühen“. Als um 21:00 Uhr das Taxi kam, war ich froh, ein wenig Ruhe zu haben.

 

 


 

 

 7. Tag:  Im Glenveigh National Park

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.08.2013 89 625 912 5.788 Camping Sleepy Hollow

  

An dem Morgen blies der Wind recht heftig. Sehr gut kann man das am Zelt meiner jugendlichen Zeltnachbarn auf dem folgenden Fotos sehen. Sie waren in der Nacht irgendwann sehr früh am Morgen zurückgekehrt, hatten noch relativ viel Krach gemacht und schliefen jetzt ihren Rausch aus, von meinem Packen bemerkten sie nichts.

Mit dem Verlassen des Campingplatzes hatte ich bereits wieder die Grenze in die Republik Irland überquert, eine Schranke oder Ähnliches gab es nicht, die Grenze verlief quasi direkt am Campingplatz entlang.

Das Highlight des Tages war sicherlich der Glenveagh Nationalpark mit der Besichtigung des gleichnamigen Castle. Die Fahrt bis dorthin durch Letterkenny war relativ eintönig, auch von der Landschaft her. Immer der Straße entlang, musste ich mich einmal kurz wegen eines Schauers unterstellen, ansonsten war das Wetter aber gut. Am Glenveagh Park durfte ich mein Rad vollbepackt ins Visitorcenter stellen, um dann mit dem Shuttle Bus zum Castle zu fahren.

Das Glenveagh Castle war schon recht eindrucksvoll, besitzt aber für meine Begriffe eine etwas unrühmliche Geschichte. In den Jahren 1857 bis 1859 kaufte ein Landspekulant namens John George Adair dort einige benachbarte Landparzellen auf und bildete aus dem großen Gelände Glenveagh. In den Folgejahren vertrieb er fast 250 Pächter aus dem Gebiet, weil er sich bessere Gewinne durch Viehzucht versprach. Im Jahr 1867 begann er dann mit dem Bau von Glenveagh Castle. Das Schloss wurde 6 Jahre später fertiggestellt. Nach dem Tod von John George Adair übernahm seine Frau das Anwesen und die Ländereien. Sie ließ die Gärten anlegen und verbrachte die Sommer bis 1916 dort. Nach ihrem Tod im Jahr 1921 verwaiste das Anwesen. In den Folgejahren besaß das Anwesen noch zwei weitere Eigentümer. Der Letzte verkaufte die Ländereien 1975 an das Office of Public Works, dieses gründete dann den National Park. Seit 1984 ist der National Park und seit 1986 das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich.

Ich schlenderte ein wenig durch den Park, machte ein paar Fotos, fuhr dann aber mit dem Shuttle Bus zum Visitorcenter zurück.

Ich gehöre ungern zu den Menschen, die ihre eigenen Momentaufnahmen dazu nutzen, zu pauschalieren. Der Unterschied im Umgang mit einem Touristen wie mir unterschied sich in Nordirland und der Republik Irland aber so sehr, dass es schon auffallend war. In Nordirland hatte ich mehrere Situationen erlebt, dass ich beobachtet wurde, sei es im Supermarkt oder in den Innenstädten der Orte. Es handelte sich nicht um eine „natürliche“ Neugier, die man Radreisenden vielleicht gegenüber zeigt, meine Gesprächspartner oder Beobachter zeigten Zurückhaltung pur. Ich  hatte mehrmals das Gefühl, wie wenn mir jemand sagen wollte, was will der denn hier. Woher das kam, ich weiß es nicht, vielleicht ein Ergebnis der letzten Jahrzehnte eines Lebens in ständigem Misstrauen zu den Nachbarn und jedem Fremden hier. Es war störend und ich war froh, als ich die Grenze in die Republik Irland wieder überschritt. Ich möchte niemanden Unrecht tun, mein Eindruck war aber leider so.

Im Visitor Center im Glenveagh Park fiel mir der Unterschied sofort wieder auf. Was wurde ich dort umsorgt. Mein nicht gerades sauberes Rad wurde auf einem Teppichboden hinter der Anmeldung im Visitor Center geparkt. Mir war das schon fast peinlich und ich fühlte mich bei dem Geprächen mit den Damen wieder richtig wohl.

Nach meiner Besichtigung radelte ich bis auf eine Höhe von 280 m über einen namenlosen Pass. Die Landschaft war sehr grün und an vielen Stellen wurde Torf abgebaut. Meines Wissens wurde er hier als natürlicher Brennstoff genutzt.

Die Abfahrt mit Blick auf den tief unten liegenden Dunlewey Lough war sehr schön. Von dort aus ging es für mich bis zum Ziel fast über 10 km bergab. Bei meiner Ankunft auf dem Campingplatz Sleepy Hollow wurde ich sehr nett empfangen. Der Campingplatzbesitzer zeigte mir persönlich alles:  die Duschen, die Küche, den WiFi Code …. Noch der Tipp auf ein nahegelegenen Restaurant mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und der Abend war perfekt. Dort gab es an dem Abend zum ersten Mal auf meiner Tour „Fish and Chips“.

 

 


 

 8. Tag:  Grandiose Aussichten an den Steilklippen von "Sleave League"

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.08.2013 80 705 1.170 6.958 B&B

  

So schön der kleine Platz „Sleepy Hollows“ auch war, die kleinen Stechfliegen, die morgens aktiv wurden, störten schon sehr, so dass ich den Platz schnell verlies. Die vielen kleinen Seen und die immer wieder gewährten Blicke aufs Meer machten den Morgen wunderschön. Das Wetter hielt sich und die Sonne kam immer mal wieder durch. An Höhenmetern kamen an dem Tag nicht nur wegen des Glenggesh Passes Einiges zusammen, immer wieder stiegen die Nebenstraßen auf über 100 m ü. NN an.

Der Glengesh Pass mit einer Höhe von 275 m war von den Höhenmetern nicht viel, dass letzte Stück zog die Straße aber immer mal wieder auf 16% an, so dass ich gehörig ins Schwitzen geriet. Die Passhöhe kann man von Weitem schon sehen, die Straße zieht sich in einer Talschneise hoch bis auf den Gipfel, wobei man die einzigen und letzten 2 Kehren schon von unten sieht.

Danach ging es in sausender Fahrt immer an einem Fluss entlang bis hinunter in den kleinen Ort Carrick. Dort gab es keinen Campingplatz, aus dem Grund ging ich zuerst in eine Bar und fragte nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit. Ich hatte Glück, die gab es oben im eigenen Haus. Für 25 Euro + 5 Euro für das Frühstück sagte ich sofort zu.

Da ich früh angekommen war, es war erst 16:00 Uhr, kam die Idee, den Stich zu den Sleave League Klippen noch ohne Gepäck zu befahren. Um 16:30 Uhr machte ich mich auf den Weg,  um die 7,5 km x 2 = 15 km für Hin- und Rückweg in Angriff zu nehmen. Harte Steigungsprozente bis zu 18-20 % warteten auf mich, unterwegs traf ich ein französisches Pärchen, die samt Gepäck und Hänger mit Hund unterwegs waren. Sie taten mir etwas leid, weil sie sehr viel schieben mussten. Gut das ich auf diesem Streckenteil ohne Gepäck unterwegs war.

Die Aussicht auf die Klippen war gewaltig, der Abstecher hatte sich absolut gelohnt.

Den Abend verbrachte ich in der Bar, dort war ein tolle Stimmung, aufgrund des Bankholiday Feiertages. Irgendwie schien dort im Laufe des Abends das ganze Dorf aufzutauchen und alle hatten sichtlich viel Spaß dabei einfach zu essen, zu trinken und miteinander zu reden.

 

 


 

 9. Tag: Im County Donegal

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.08.2013 75 780 870 7.828 Camping Lake Side

 

Am Morgen musste ich einige Zeit auf mein Frühstück warten. Ich hatte vergessen, am Abend zuvor danach zu fragen. So wartete ich bis 09:30 Uhr zeitgleich mit drei jungen Deutschen, einem französischen Pärchen und einigen Iren. Mit den drei jungen Deutschen kam ich beim Frühstück eine Zeit lang ins Gespräch, sie waren mit dem Auto unterwegs, ihre Reise endet in 3 Tagen, erzählten aber begeistert von ihrer Irlandtour.

So kam ich erst um 10:30 Uhr los, das macht aber nichts, die gut 70 km sollten trotzdem gut machbar sein. Entgegen meiner ursprünglichen Planung wechselte ich in Kilcar auf eine kleine Nebenstraße, die erheblich schöner als die Hauptstraße war, natürlich ging es küstennah wieder auf und ab. Ein paar Kilometer musste ich die R263 doch noch fahren, hinter dem Ort Killybegs ging es wieder an die Küste.

In Bruckless gab es leider keine Alternative mehr. Über 20 km ging es auf einem Randstreifen der N56 bis ins Zentrum von Donegal.

Donegal liegt nah an der Spitze des Donegal Bay und wird vom Fluss Eske durchflossen, der südwestlich der Stadt in den Atlantik mündet. Erste Datierungen über die Stadt gibt es aus dem Jahr 1159, damals gab es dort den Aufzeichnungen zu Folge wohl eine dänische Wikinger-Festung, die in dem Jahr vom irischen Hochkönig Muirchertach Mac Lochlainn zerstört wurde. Auf die Zeit wird auch der Name Donegals zurückgeführt, denn Donegal bedeutet irisch soviel wie „Festung der Fremden“.

In der City von Donegal wusste das Wetter nicht so richtig, wie es sich entscheiden sollte, immer kamen mal ein paar Tropfen runter, mehr wurde es aber glücklicherweise nicht. So kam es, dass ich  mein Tagesziel Ballyshannon, übrigens ein schöner Ort, um 15:45 trocken erreichte.

 


 

 10. Tag: Im County Donegal

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07.08.2013 62 842 460 8.288 Camping Strandhill

 

An dem Tag gab es sehr viele kleine schöne Straßen unterwegs. Gleich zu Beginn hatte ich in dem kleinen Ort Bundoran eine Schleife zum Meer eingeplant, auf der ich früh morgens reichlich aktive Menschen traf. Von hoch oben konnte man auf einen wunderschönen Strand sehen. Einige Jogger waren dort unterwegs und im Meer bereits einige Surfer zu sehen. Es machte Spaß, dort ein wenig zu stehen und dem Treiben zu zusehen.

In Bundoran selber kam mir ein älterer Mann auf dem Rad entgegen, der ein wenig auf mein Rad schaute und mich mit den Worten ansprach: You have a nice bike! Ich antwortete mit „yes“ und sah seinen Glanz in den Augen. Er erzählte mir dann von seinen vielen Touren durch halb Europa und von seinem Trip nach Afrika. Dort hatten sie ihm sein „Diamond Rad“, von dem er stolz erzählte, gestohlen. Es war immer wieder schön, mit den Menschen in Irland ins Gespräch zu kommen.

Auf der Strecke nach Sligo wechselte ich immer mal wieder auf Nebenwege, dort fiel mir auf, dass die Iren so arm nicht sein konnten. Die Bauern hatten teilweise ziemlich luxuriöse Häuser. Vor Sligo fiel mir auf der linken Straßenseite die Kirche „St. Columba´s“ auf, dort gab es eine gut besuchte Restauration, ideal für mich, eine Pause einzulegen und eine Kleinigkeit zu essen.

Bis Sligo ging es danach fast nur noch bergab. Bei knapp 49 Tageskilometern stand ich im Ortskern und radelte gemütlich hindurch. Einen Cafe gab es dort auch noch und ein paar Fotos an der alten Abtei. Ich hatte Zeit, mich trieb niemand, zumal nur noch ca. 12 km bis Strandhill, meinen Zielort, zu radeln waren.

In Strandhill  kam ich bei strahlendem Sonnenschein an, der Campingplatz war einfach super, mein Stellplatz lag windgeschützt in den Dünen. In Strandhill selber gab es etwas Tourismus, mir kam das aber entgegen, zumal es einige Möglichkeiten gab, etwas zu essen.

 

 


 

 11. Tag: Nasskalt ist es am Abend in Castlebar

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
08.08.2013 108 950 970 9.258 B&B Lough Lannack

 

An dem Tag habe ich leider relativ wenig Fotos gemacht, es fehlt mir die Erinnerung daran, warum. Vielleicht war es die lange Strecke über 108 km, die mich einfach anspornte, Kilometer um Kilometer zügig voran zu kommen, vielleicht hatte ich das Fotografieren auch einfach nur vergessen.
Meine unterwegs gemachten Aufzeichnungen zeigen mir, dass ich bereits um 12:00 Uhr nach 64 Kilometern in Ballina war und mich dort eine halbe Stunde aufhielt. Danach ging es in weitem Bogen um den Lough Conn herum auf einer kleinen Straße nach Süden.

Auf den letzten 15 km vor Castlebar ging es nochmal in die Berge bis auf über 200 m hinauf. Genau dort erwischte es mich, ich geriet in einen ordentlichen Regen. Das machte zwar nichts, weil man sich bergauf warm fährt, ich war aber froh, als ich nach der folgenden kilometerlangen Abfahrt endlich in Castlebar stand. Am Zielort regnete es immer noch, deshalb entschied ich mich für B&B, eine Möglichkeit, die es auf dem Gelände des Campingplatzes am Lough Lannac ebenfalls gab.

Den Abend verbrachte ich mit Ausnahme eines nahen Einkaufs in der Unterkunft, dort gab es einen warmen Aufenthaltsraum, eine Mensa und WiFi für den Kontakt zur Familie nach Hause.

 

 


 

 12. Tag: In den Bergen von Connemara

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
09.08.2013 113 1.063 1.036 10.294 Camping Clifden

  

Ein sehr schöner Tag liegt hinter mir. Schon der Start hinter Castlebar auf kleinen Nebenwegen nach Westport war top. Zunächst war ich noch nach Castlebar in den Ort gefahren, mit der Hoffnung verbunden, einiges aus dem Familienurlaub im Jahr 2001 wieder zu erkennen, dem war aber nicht so. Ganz anders nach den ersten 21 km in Westport. Der Ort lud zum Bummeln ein und ich erkannte auch vieles im Ortszentrum wieder.

Danach ging es am Meer entlang zum Fuße des Croagh Pattrick. Der Parkplatz war voller Touristen, viele kauften sich einen Wanderstab und liefen teilweise in unzureichendem Schuhwerk den Berg hinauf.  Den ursprünglichen Vorsatz, hinauf zu laufen verwarf ich, weil die Aussicht bei der diesigen Wetterlage nicht sehr einladend war und ich keine Lösung fand, mein Rad sicher abzustellen.

Der Croagh Pattrick ist ein 764 m hoher Berg, auf dessen Bergspitze sich eine Wallfahrtstätte befindet. Seit hunderten von Jahren wird diese von Pilgern zu Ehren des heiligen Pattrick besucht. Der Legende nach bestieg der Patron Irlands im Jahr 441 n. Chr. den Berg, fastete dort 40 Tage lang und errichtete dort eine Kapelle. Die heutige kleine Kapelle wurde im Jahr 1905 eingeweiht, am letzten Sonntag im Juli steigen ca. 25.000 Pilger den Berg hinauf, viele tun dies barfuß.

Ich radelte weiter in Richtung Clifden, den Ort hatte ich mir am Abend zuvor als Zielort ausgeschaut. Die Berge Connemaras und die Abtei „Kylmore Abbey“ zogen mich an, ich freute mich auf die hügelige Landschaft und kurbelte beherzt voran.

In den Bergen Connemaras lernte ich ein französisches junges Paar kennen. Sie waren mit einem Tandem unterwegs und freuten sich auf die Abfahrt hinab an einem tollen Bergsee entlang. Im Bereich des Fjordes verloren wir uns aber wieder, eine kurze nette Begegnung, die ich gerne in Erinnerung behielt.

Um auf die Südseite des Fjordes in Richtung Kylemore Abbey zu gelangen, musste ich ihn komplett umfahren, das dauerte etwa eine Stunde. Vor dem Ort Leenane geriet ich in einen längeren PKW-Stau, dessen Grund eine Hochzeit war.

Kylemore Abbey erinnerte mich an unseren Familienurlaub, im Jahr 2001 waren wir mir unseren damals noch kleinen Kindern dort gewesen. Kylemore Abbey ist eine alte 1665 gegründete Benediktinerabtei, die ursprünglich in Ypern in Belgien gegründet wurde, 1682 aber nach Irland übersiedelte. Die Nonnen eröffneten in Kylmore eine internationale Internatsschule und eine Tagesschule für ortsansässige Mädchen. Im Jahr 2010 musste sie geschlossen werden, die Gründe sind mir leider nicht bekannt.

Nach einem einstündigen Aufenthalt und Gesprächen mit deutschen Touristen machte ich mich auf den weiteren Weg über die letzten 15 km nach Clifden. Die restliche Streckenführung war noch sehr schön, um 17:00 Uhr erreichte ich dann den Campingplatz Shanaheever nördlich von Clifden.

Nach der üblichen Wäsche radelte ich noch die kurze Strecke nach Clifden hinein. Ein wenig Einkaufen musste ich ja noch. Der Ort gefiel mir gut, vielleicht der ideale Ort, um sich nach 1072 Gesamtkilometern mal einen Pausentag zu gönnen. Die Entscheidung wollte ich aber erst am darauffolgenden Tag treffen.

 

 


 

 13. Tag: Mein Pausentag in Clifden

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
10.08.2013 9 1.072 130 10.424 Camping Clifden

 

Über den Pausentag gibt es wenig zu berichten, es war halt ein Pausentag. Ich lies es den ganzen Tag relaxt angehen, radelte die kurze Strecke nach Clifden hinein, bummelte über den Markt und schaute mir den Hafen an. Ein paar Fotos von dem ruhigen Tag habe ich nachfolgend zusammengestellt.

 

 


 

 14. Tag: Die Fahrt von Clifden nach Galway

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
11.08.2013 91 1.163 550 10.974 Camping Salthill

 

Nach dem Erholungstag war ich sehr früh auf den Beinen. Bereits um 07:45 saß ich auf dem Rad und beobachtete die Wolken. In der Nacht hatte es noch geregnet, würde das Wetter, wie in der Wettervorhersage prognostiziert, halten? Ja, es hielt! Zum ersten Mal hatte ich fast den ganzen Tag Rückenwind. Der blies von Westen mit 30 km/h, so kam ich schnell voran. Am meisten faszinierte mich an dem Morgen die Ruhe auf den Straßen, es war Sonntag und so schliefen die meisten wohl lang.

Auf den ersten 25-30 km kamen mir nur ein einziges Auto und ein netter Rennradfahrer entgegen, mehr nicht. Der Rennradfahrer überholte mich langsam und hielt an, um mit mir in ein Gespräch zu kommen. Er hatte ein sehr altes Rennrad und war für meine Begriffe ziemlich leicht begleitet. Kein Trikot, sondern ein dünnes Baumwoll T-Shirt hatte er an. Wie er damit klar kam, ohne zu frieren, verstand ich kaum. Ihn störte das aber anscheinend nicht. Er fragte mich über meine Reise aus und gab mir bezüglich des Südens noch einige Tipps. Eine herzliche Verabschiedung inmitten der Schafherde und weit und breit kein weiterer Mensch, ist ein einmalige Situation.

Ca. 10 - 15 km weiter ein nächster Radler-Treff. Am Fahrbahnrand stand ein Pärchen, sie hatte an ihrem Rad einen Plattfuss, der nicht zu reparieren war. Der Schlauch war direkt am Ventil ca. 5 mm gerissen, keine Chance, dort einen Flicken zu platzieren. Mein Ersatzschlauch passte auch nicht, da ich mit 28 Zoll Laufrädern und die beiden mit 26 Zoll Rädern fuhren, helfen konnte ich ihnen deshalb leider nicht.

Danach ging es zügig mit Windhilfe weiter. Einige kurze Stops hatte ich noch an einer Tankstelle in Ballynahown, an der ich eine Kleinigkeit aß und unterwegs ostwärts immer mal wieder an der Küste, um ein Foto zu machen.

Vor Galway nahm der Autoverkehr leider so zu, dass er etwas nervig wurde. Dank rechtem Rückspiegel konnte ich aber immer entsprechend reagieren. Um 13:15 Uhr stand ich bereits nach 90 Tageskilometern auf dem Campingplatz in Salthill kurz vor Galway, viel Zeit blieb zum Relaxen am Nachmittag.

In der Campingplatzküche gab es, wie schon so häufig auf meiner Tour, genügend Steckdosen und WiFi zwecks Kommunikation. Am späten Nachmittag traf ich noch auf eine interessante Reisegruppe aus Deutschland. Ein riesiger roter Bus mit einem sehr großen Kastenanhänger parkte rechts von der Rezeption. Der Bus kam aus Passau und gehörte zum Reiseveranstalter Rotel Tours. Das Gespann rollte als „Das Rollende Hotel“ durch Irland, ein Bick auf das nachfolgende Foto zeigt u.a. wie klein die Schlafkabinen im Anhänger sind.

 

 


 

 15. Tag: Strahlender Sonnenschein auf dem Weg nach Doolin

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.08.2013 85 1.248 698 11.672 Camping Riverside

 

Ein Tag, der mit Wolken begann und in Doolin mit strahlendem Sonnenschein endete. Nach Galway hinein zu radeln, war in den Morgenstunden kein Problem, der PKW-Verkehr war eher gering. Ich hielt mich dort aber nicht lange auf, bin halt nicht der Stadtmensch, sondern eher landschaftsorientiert.

Hinter Galway war es einige Kilometer weniger schön zu radeln, weil die küstennahe Straße stark befahren war. Es gab zwar meist einen Seitenstreifen, volle Konzentration war aber immer angebracht. Das änderte sich am Straßenabzweig in Kilgolgan, wo es weiter nach Südwesten geht, wenn man der Ausschilderung auf die N67 zu den Clifs of Moher folgt.

Das Wetter wurde immer besser und die Küste immer schöner. Bei einem Blick nach Norden konnte ich immer auf Salthill oder Galway schauen, die beiden Orte lagen ja auf der anderen Seite der Bucht. Am Dunguaire Castle gab es den ersten Stopp, dort schaute ich mir mit ein paar anderen Touristen den Innenhof an.

In Ballyvaughan, übrigens ein sehr schöner kleiner Ort, traf ich auf ein französisches Radlerpaar, die mit Mieträdern unterwegs waren und die gerade eine Panne hinter sich hatten. Da Mieträder, wurden sie wohl am Tag des Schadens auf einen Anruf hin repariert, sie hatten aber den zeitlichen Ausfall zu beklagen. Wir würden uns vielleicht in Doolin wiedersehen, sie wollten etwas später auch dorthin. Für mich war es klar, weiterhin nicht der N67 zu folgen, sondern küstennah nach Doolin zu fahren, ihre Route stand aber noch nicht ganz fest, deshalb machte ich mich alleine auf dem Weg.

In Ballyvaughan, übrigens ein sehr schöner kleiner Ort, traf ich auf ein französisches Radlerpaar, die mit Mieträdern unterwegs waren und die gerade eine Panne hinter sich hatten. Da Mieträder, wurden sie wohl am Tag des Schadens auf einen Anruf hin repariert, sie hatten aber den zeitlichen Ausfall zu beklagen. Wir würden uns vielleicht in Doolin wiedersehen, sie wollten etwas später auch dorthin. Für mich war es klar, weiterhin nicht der N67 zu folgen, sondern küstennah nach Doolin zu fahren, ihre Route stand aber noch nicht ganz fest, deshalb machte ich mich alleine auf dem Weg.

Auf den letzten 25 km war die Küste traumhaft schön, immer wieder hielt ich an, um Fotos zu machen. Einen kurzen Halt gab es noch am „Bishops Quarter Graveyard“, dort waren die Ruine einer alten Kirche und ein alter Friedhof zu sehen.

Um 15:00 Uhr erreichte ich mein Ziel, der Campingplatz Riverside ist sehr schön. Zu den Cliffs of Moher wollte ich erst einen Tag später auf meiner Weiterfahrt radeln.

Doolin, eigentlich ein kleiner Fischerort, ist wohl als Zentrum traditioneller irischer Musik weit bekannt. In den drei Pubs des Ortes wird wohl fast täglich live gespielt. Bei meiner Ankunft sah ich keinen entsprechenden Hinweis, was ich etwas schade fand. Eine Nachfrage in der Campingplatz Rezeption ergab die Antwort: leider erst Morgen. Eine Nacht länger wollte ich deshalb aber nicht bleiben. 

 

 

 


 

 16. Tag: An den Cliffs of Moher

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.08.2013 123 1.371 1027 12.699 Camping Woodlands Park

 

Im Internet findet man sehr viel über die Cliffs of Moher, sei es auf der offiziellen Seiten www.cliffsofmoher.ie , auf Seiten von Reiseveranstaltern oder in verschiedenen Reiseberichten. Überall werden sie als eines der schönsten Reiseziele Irlands angepriesen. Es ist schon toll dort zu stehen, um in die steil abfallenden Felswände zu schauen. In den Felsen leben viele Vögel, es sollen 29 verschiedene Arten und insgesamt ca. 30.000 sein.

Der Campingplatz in Doolin lag ja nur wenige Meter über Meereshöhe, daher musste ich an dem frühen Morgen zunächst 200 Höhenmeter hinauf. Als ich an den Cliffs ankam, war dort kaum ein Mensch zu sehen, um 09:00 Uhr ging es aber los. In Schlange erschienen die Busse und aus ihnen strömten reichlich Menschen, um die bis über 200 m hohen Klippen zu sehen.

Persönlich habe ich es gerne, wenn die Natur bleibt, wie sie ist, die gewaltigen gepflasterten Flächen auf den Parkplätzen und rund um das Besucherzentrum gefielen mir nicht, dass war mir alles zu groß und pompös, wo blieb da die ursprüngliche Natur? Das Besucherzentrum und einen etwa 200 langen Besucherweg zu den Klippen hatte man im Jahr 2007 fertiggestellt. Aus Sicherheitsgründen hatte man einen Teil des Weges mit bis zu 1,50 m hohen Steinplatten begrenzt, mit der Wirkung, dass man nicht mehr alles sah, die Sicht auf die Klippen war deutlich eingeschränkt.

Als die Menschenmassen um 09:00 Uhr anrollten, machte ich mich auf dem Weg, noch lagen 115Tageskilometer vor mir. Die Landschaft durch die ich stundenlang fuhr, war überwiegend durch Landwirtschaft geprägt, natürlich ging es wieder reichlich bergauf und bergab. In Kilrush traf ich ein französisches Radler Paar, er war mit einem Bob-Anhänger unterwegs. Sie erzählten mir, dass die Fähre über den Shannon zwischen Killimer und Tabert regelmäßig fuhr. Der Hinweis war absolut korrekt, eine halbe Stunde später kam ich in Killimer am Fähranleger an und konnte fast direkt auf die Fähre fahren, sie wurde gerade entladen.

Von den weiteren Kilometern gibt es wenig zu schreiben! Ursprünglich wollte ich in Listowel übernachten, den Campingplatz, den ich als GPS-Koordinate hatte, gab es in Wirklichkeit aber nicht, aus dem Grund nahm ich den direkten Weg immer an der N67 entlang nach Trallee. Etwas ausgepowert erreichte ich nach 123 Tageskilometern den schönen Campingplatz „Woodland Park“ in Tralee.

 


 

 17. Tag: Schlechte Sicht auf dem Connor Pass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
14.08.2013 54 1.425 594 13.293 Rainbow Hostel

 

Tralee liegt an der Nordostseite der Dingle Halbinsel, mein Weg führte an dem Tag von Osten nach Westen hinauf auf den Connor Pass (430 m) und dann weiter nach Dingle hinab. Die erste Stunde ging es noch gut, die Wolken befanden sich recht hoch und Sonne und Wolken wechselten sich ständig ab. Westlich von Tralee gelang mir das folgende Foto, welches ich recht ausdruckstark fand.

Danach wurde es nass. Landschaftlich war die Strecke zwar schön, leider konnte ich diese aufgrund der Wetterlage zu wenig genießen. Auf der Passahöhe war es ungemütlich kalt, lange blieb ich dort nicht und folgte der Straße nach Dingle hinab.

Die wenigen Kilometer waren bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h natürlich schnell geschafft. In Dingle versuchte ich es zunächst mit B&B, weil es dort offiziell keinen Campingplatz gab, aber es war alles belegt. Am dritten Haus gab ich es auf und fuhr zur im Ort zentral gelegenen Touristikinformation. Dort half man mir mit dem Hinweis auf das Rainbow Hostel (Jugendherberge) etwas außerhalb des Ortes. Dort konnte man wohl auch sein Zelt aufstellen und im Gebäude die Duschen nutzen. Bei meiner Ankunft am Hostel war die Entscheidung einfach, ein Bett in der Jugendherberge kostete 16 Euro und ein Stellplatz fürs Zelt 10, ich wählte das Bett in einem warmen Bettensaal.

An dem Abend füllte sich die Jugendherberge mit weiteren Gästen. Mit einigen, wie einem Radler aus Vancouver und einer deutschen Wanderer-Gruppe kam ich ins Gespräch. Zwei englisch sprechende Damen spielten Gitarre und sangen dazu, es war ein gemütlicher Abend, der mir sehr gut gefiel.

 


 

 18. Tag: 70 km im Regen über die Dingle Halbinsel, aber es war warm

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
15.08.2013 71 1.496 528 13.821 Camping Glenross

 

Die Iren nehmen es gelassen, Regen gehört zu Irland irgendwie dazu. Zunächst wartete ich an dem Morgen ein wenig und unterhielt mich noch mit dem Radler aus Vancouver, dann ging es aber trotz Regen einfach los. Stunden später zeigte sich, dass mir warten auch nicht geholfen hätte, es regnete nämlich über 70 km den ganzen Tag.

Auf der Strecke von Dingle nach Killorglin hielt ich nur kurz einmal an einer Tankstelle, ansonsten radelte ich mit Regenjacke, Regenhose und Schuhüberzieher einfach durch.

Witzig war vor Killorglin, dass ich einige Rennradfahrer traf, die hatten sich wohl auch das falsche Wetter ausgesucht. Wir lachten uns in unseren nassen Klamotten nur an, egal es war doch ein warmerSommertag, man fuhr sich bei der Außentemperatur von 18 Grad halt warm.

Von Killorglin aus ging es dann bei einem zusätzlichen Kampf gegen den Westwind auf den Ring of Kerry hinaus. Ich war froh, als ich nach 70 Tageskilometern den sehr schönen Campingplatz in Glanbeigh erreichte. Dort hatten sie neben der Küche einen großen Nebenraum, ideal um dort zu übernachten. Das Angebot hatte man mir in der Rezeption bei der Ankunft sofort gemacht. Dort war es trocken und ansonsten gab es auch alles, eine Küche, Steckdosen und WiFi. Meine nasse Kleidung hängte ich nach dem Waschen in ein altes Steingebäude. Dort hingen Wäscheleinen und der Wind blies aufgrund der mit Löchern versehenen Mauern kräftig hindurch.

Abgesehen von einem kurzen Einkauf im Ort blieb ich den Rest des Tages am Campingplatz. Am späten Nachmittag erschien noch ein junger Franzose im Aufenthaltsraum, aber dort war ja auch reichlich Platz. Wir kamen an dem Abend gut miteinander aus, obwohl die Verständigung etwas schwer fiel. Er sprach nach eigener Aussage sehr schlecht englisch, wir nahmen es gelassen und hatten trotzdem unseren Spaß, dabei ein wenig von unseren Touren zu erzählen.

 

 


 

 19. Tag: Auf dem Ring of Kerry

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.08.2013 61 1.557 552 14.373 Camping Wave Crest

 

Ein sehr schöner Tag lag hinter mir, als ich am Abend auf dem Campingplatz Wave Crest in Caherdaniel auf meinem Dreibeinhocker saß und aufs Meer blickte.

Morgens war ich in Glenross/Glenbeigh gestartet, um ca. die Hälfte des Rings of Kerry unter die Räder zu nehmen, zuvor hatte ich noch ein wenig im Internet recherchiert und zum Erstaunen einigen Unsinn gelesen. Immer wieder traf ich auf den Hinweis, dass es zu gefährlich sei, den Ring of Kerry mit dem Rad zu befahren. Erstaunlich, wer so etwas alles schreibt, Radfahrer sind das jedenfalls nicht.

Meine persönliche Erfahrung fällt vielleicht etwas differenzierter aus. Innerhalb der Woche war das von der Verkehrsmenge her überhaupt kein Problem. Die Straße auf dem Ring of Kerry ist insbesondere im nördlichen Bereich und zu Teilen im Süden breit ausgebaut, da hatte ich schon ganz andere hoch frequentierte Straßen auf meiner Tour gesehen. Darüber hinaus hat das viel mit dem eigenen Verhalten als Radler zu tun, klare Signale sind egal wo, ein eindeutiges Muss.

Die Blicke auf die Küste waren bei guter Wetterlage einzigartig schön. Ich radelte an dem Tag noch durch die Orte Cahersiveen und Waterville, in denen ich kurze Stopps einlegte.

In Waterville gibt es eine Charlie Chaplin Statue! Die Stadt war ein beliebter Urlaubsort von Charlie Chaplin und seiner Familie. Sie wohnten bei ihrem ersten Besuch und in den Folgejahren im Butler Arms Hotel, das auf dem nächsten Foto zu sehen ist. Als ich an der Charlie Chaplin Statue vorbei kam, spielten dort Kinder Musik. Ich schenkte ihnen drei Euro, die hatten sie sich verdient.

Ein Höhepunkt des Tages war sicherlich der Coomakesta Pass, es ging also nochmal über 200 m in die Höhe, die Steigung war aber eher mittelmäßig bis gering. Bis zum Campingplatz Wave Crest war es dann nicht mehr weit. Er liegt sehr schön in den Felsen am Meer außerhalb des Ortes, hat aber einen Supermarkt dabei.

 


 

 20. Tag: Irish Folk am Ring of Beara

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.08.2013 68 1.625 514 14.887 Camping Beara

 

Die Wettervorhersage versprach nichts Gutes für den Tag und genauso kam es auch. Bis in das kleine Örtchen Sneem radelte ich einfach im Regen durch, hielt im Ort aber spontan an einem Cafe. Das Cafe war gleichzeitig Supermarkt und ein Anlaufpunkt im Ort. Als ich dort eintraf, war der Boden im Cafe gerade frisch gewischt. Ich zog mich draußen aus und hängte meine nassen Sachen unter einer Markise an einen Stuhl. Der älteren „Chefin“ im Cafe gefiel das wohl. Sehr nett wurde ich bedient und mit einem heißen Cappuchino verwöhnt. Es war nicht kalt, ich war ja sogar noch in kurzer Hose gefahren, meine Regenjacke, Überschuh und Handschuh waren aber vollkommen nass.

Die 26 km bis in den Ort Kenmare radelte ich im Regen durch, bei der Ankunft im Zentrum des kleinen Städtchens wurde das Wetter aber bereits besser. Vor einem Cafe konnte man bereits draußen sitzen und die nasse Kleidung ein wenig in den Wind hängen. Einige Touristen waren schon wieder zu Fuß unterwegs, ein deutliches Zeichen auf Wetterbesserung. Im Ort kamen alte Erinnerungen hoch, mit der Familie hatten wir im Sommer 2008 in der Nähe eine Ferienwohnung gebucht und einige Male in Kenmare eingekauft.

Danach ging es auf den Ring of Beara, den wir damals auch schon mit dem Auto abgefahren waren. 12 km noch gegen den Wind, dann war ich am Ziel. Der Campingplatz war eher bescheiden ausgestattet. Um mein Zelt nicht aufbauen zu müssen, bot mir der Besitzer an, ohne Aufpreis in einem seiner alten Wohncontainer zu übernachten. Nichts Tolles, aber immerhin trocken und kein Matschboden.

Einen größeren Ort gab es in der Nähe nicht, aus dem Grund radelte ich einfach drauf los und traf einen Kilometer weiter auf eine Bar. Die Auswahl an Essen war nicht groß, aber von Sandwiches mit Chips  wurde man auch satt.

Laut Barbesitzer sollte es wenige Kilometer weiter am Postoffice des winzigen Ortes Tuosist einen kleinen Shop geben, da radelte ich nach dem Essen hin, in der Hoffnung Essbares für mein Frühstück kaufen zu können. Groß war die Auswahl nicht, aber die Kombination von Postoffice mit Shop erinnerte mich an Läden, die es bei uns in Deutschland maximal bis vor 30 Jahren gab. Der Raum war maximal 4 m x 4 m groß und in dem Raum gab es eine Trennwand mit Klappe für das separate Postoffice. Der restliche Teil des Raumes war bis unter die Decke mit Waren aller Art zugepackt. Die alte Frau, die mich bediente war einfach zu herrlich, alles geschah in absoluter Ruhe, bloß kein Stress.

Keine 50 m weiter lag dann der Torfhaufen, den ich unbedingt noch fotografieren musste. Danach war ich noch kurz am Cloonee Lake, der nach dem Regen sehr schön anzusehen war.

Den Abend verbrachte ich in der Bar. Schon am Nachmittag war angekündigt worden, dass es an dem Abend dort Musik (Irish Folk) gab. Bei meinem Eintreffen wurde die Anlage gerade aufgebaut. Erstaunlich, was in so einem kleinen Raum alles reinpasste, zwei Riesenboxen, Verstärker und Mischpult wurden aufgebaut und akustisch abgestimmt.

Leider begann die Musik erst um 22:00 Uhr, so dass ich selber nur eine Stunde blieb. Es war für die kurze Zeit aber toll, diese Gemeinschaft zu betrachten. Das ganze Dorf, jung und alt kam hier um 22:00 Uhr zusammen, um die Musik zu hören und ein wenig mitzusingen.

 


 

 21. Tag: Wunderschöne Ausblicke am Healy Pass (285 m)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.08.2013 57 1.682 738 15.625 Camping Eagle Point

 

Die Containerlösung war in der Nacht zwar nicht das Schönste, dafür gab es am Morgen wenig zu packen. Erst radelte ich zu der Bar, um zu frühstücken Das am Vorabend gekaufte „Pappbrot“ schmeckt einfach nicht. Das Frühstück zog sich in die Länge, weil die Besitzerin noch die Überreste der Musikveranstaltung beseitigen musste, aber ich hatte viel Zeit. Eine kurze Etappe über 55 km stand nur auf dem Tagesprogramm, relativ spät um 10:00 Uhr zu starten war somit kein Problem.

Auf der kleinen Straße auf dem Ring of Beara sah ich an dem Morgen so gut wie kein Auto, immer ging es zunächst an der Küste entlang bis zu dem Anstieg zum Healy Pass (285 m).

Der Anstieg bei schönem Wetter war toll und auch nicht so schwer. Ich kam gut voran, bis ich einen Rennradfahrer traf, der mit einem Plattfuß am Fahrbahnrand stand. Ich lieh ihm meine Pumpe aus und half ihm bei der Reparatur.

Auf den letzten 80 Hm quatschte ich noch eine Zeit lang mit einer 4 er Gruppe (2 Pärchen) an Rennradfahrern, die hatten viel Spaß an meiner Ausrüstung und fragten mich reichlich aus. Oben dann und kurz vor der Passhöhe gab es wunderschöne Ausblicke, zum einen auf den tief unten vor der Passhöhe liegenden See, zum anderen auf die Abfahrtseite, die ich im Anschluss genoss.

In Glengariff traf ich doch tatsächlich die ersten Radler aus Deutschland. Es waren junge Mädels aus Marl, die Welt war mal wieder klein. Sie waren mit einfacher Ausrüstung unterwegs und hofften auf ihrer Tour bis Galway zu kommen. Danach sollte es mit dem Zug nach Dublin zurückgehen. Ich versuchte, sie ein wenig zu motivieren, vollkommen untrainiert wie sie nach eigenen Aussage waren, fielen ihnen die Hügel wohl reichlich schwer.

Der Campingplatz am Eagle Point war sehr schön, dort gab es einen Aufenthaltsraum mit WiFi und die Möglichkeit, in Ruhe ein paar Zeilen über den Tag zu schreiben. An dem Abend beschäftigte ich mich noch wie fast jeden Abend mit der Planung des folgenden Tages. Über 80 km sollte mein Rad mich bis zum Blarney Castle bringen, dass liegt in der Nähe des Ortes Cork.

 


 

 22. Tag: Eine interessante Zapfsäule auf dem Weg nach Blarney Castle

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.08.2013 89 1.771 735 16.360 Camping Blarney

 

An dem Tag ging es erst einmal 200 Hm hinauf zu einem Pass, der doch tatsächlich einen Namen trug. Der „Pass of Keimaneigh“ war nicht sehr schwer zu befahren, Autos waren sehr wenig unterwegs, deshalb ging es ganz in Ruhe durch die Wälder den Berg hinauf. Der Pass besteht aus einer Art Felsdurchbruch. Dort gibt es eine Tafel mit dem Hinweis auf eine Schlacht, bei der diese Felsschneise im Jahr 1822 wohl hart umkämpft war.

Durch viele kleine Dörfer kurbelte ich mein Rad, die alle eines gemeinsam hatten. Sie besaßen eine Bar, eine alte Tankstelle, einen Shop und ein Haarstudio. Das Beste war die alte Shellzapfsäule auf dem nachfolgenden Foto. An viele Seen radelte ich lang, ständig wurden Möglichkeiten zum Angeln angeboten.
 

Auf welligem Terrain erreichte ich Blarney Castle, ein touristisches Highlight der Region. Die Größe der Parkplätze davor sagte schon alles, Busse standen dort reichlich, entsprechend lang war die Schlange an der einzigen Kasse. Mein Rad konnte ich in der Nähe der Kasse an einem Stahlgitter befestigen. Mit den Wertsachen in der Lenkertasche reihte ich mich in die Schlange ein und bezahlte die 12 Euro Eintrittsgeld. 
Der Park ist sehr schön angelegt und weiträumig, dadurch verteilen sich die Besucher ein wenig. Allerdings war es nicht so einfach Fotos zu machen, ohne irgendwelche Touristen mit aufs Foto zu nehmen.

Der Campinglatz liegt nur 2 km nördlich vom Castle, allerdings ging es nochmal 70m steil den Hügel hoch.

 


 

 23. Tag: Eine interessante Zapfsäule auf dem Weg nach Blarney Castle

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.08.2013 113 1.884 866 17.226 Camping Ballinacourty

 

Vom Campground nördlich von Blarney ging es erst einmal 100 Hm hinab in den Ort und dieselben 100 Höhenmeter wieder hinauf, um über einen Hügel nach Cork zu radeln. Cork gefiel mir an dem Morgen recht gut, es war noch ruhig in der Stadt. Beim Verlassen des Ortes sah ich, wie viele Arbeitnehmer vom Bahnhof aus in die Stadt strömten.

Hinter Cork ging es dann reichlich über kleinere Berge. Nachdem ich dreimal mehr als 100 Hm steil rauf und wieder steil runter geradelt war, schwenkte ich weiter zur Küste, dort kam ich zügiger voran. Die Entscheidung fiel mir leicht, weil es landschaftlich an den vielen Bauernhöfen vorbei auch immer gleich aussah. Vor Youghal verließ ich die etwas größere Straße und radelte am Meer entlang durch den Ort.

Danach ging es weiter auf dem sehr breiten Randstreifen der N25 bis Dungaravan. Die Abfahrt in den Ort hinunter gefiel mir gut, schon von Weitem konnte man den Ort tief unten liegen sehen. Bis zum Campingplatz in Bayview war es nicht mehr weit. Die 5 km führten für Radler über einen schmalen Damm, denn man recht gut befahren konnte.

Der Campingplatz in Bayview lag zwar recht schön, hatte aber keine Rezeption. Die Rezeption befand sich 100 m weiter in einem Hotel, d.h. der Platz wurde von dort mitverwaltet. Das war ein wenig nervig, weil man vergessen hatte, mir mitzuteilen, dass ich für die Duschen „Token“ benötigte. Ohne „Token“ gab es kein Wasser, aus dem Grund musste ich in Radhose und mit Duschzeug zur Rezeption des Hotels zurück. Dort erklärte man mir dann, dass es im Bügelraum des Campingplatzes einen Automaten gab, wo man für 1,50 € einen Token kaufen konnte. Da man für jede Steckdose auch einen Token brauchte, fand ich das nicht so toll, es war einfach nervig.

Später radelte ich die 5 km in Richtung Dungaravan noch mal zurück, weil es in Bayview keinen Supermarkt gab. So kam ich an dem Tag noch auf 113 Tageskilometer.
 


 

 24. Tag: Ideal für Kinder, der Nora Valley Park

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.08.2013 83 1.967 899 18.125 Camping Nora Valley Park

 

Schon früh um 07:45 Uhr verließ ich den Platz, um in Richtung Nord-Osten weiterzufahren. Es ging an dem Tag wie auch schon an den Tagen zuvor ständig bergauf und bergab, kein Wunder, dass ich auf der gesamten Tour zum Schluss auf über 20.000 Höhenmeter kam.

Viele schöne Bauernhäuser sah ich unterwegs, die Landschaft war sehenswerter als am Tag zuvor. In Carrick-on-Suir  legte ich eine kurze Pause ein, kaufte ein wenig O-Saft, ansonsten radelte ich von kurzen Stops zum Fotografieren abgesehen einfach durch.

Bei meiner Ankunft auf dem Campingplatz „Nora Valley Park“ fielen mir sofort die vielen Kinder auf.  Nach dem Aufbau des Zeltes und einem kurzen Rundgang über den Platz, wurde mir klar warum. Der Nora Valley Park ist eine Art Haustier-Bauernhof, der auch von Schulklassen besucht wurde. Die Kinder lernten dort eine Reihe Tiere kennen, die sie in ihrem Wohnumfeld nicht zu sehen bekamen. Kleine Kaninchen, Lämmer die mit Flaschen gefüttert wurden und viele weitere Tiere gab es dort zu sehen.

 

 


 

 25. Tag: Auf in die Wickley Mountains

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.08.2013 76 2.043 579 18.704 Camping Moat Farm

 

Erst ging es die 4 km bis Bennetsbrigde weitesgehend bergab, den Ort kannte ich ja schon von meiner Fahrt am Abend zuvor zum Supermarkt. Danach sah ich auf den kleinen Straßen über viele Kilometer keine Menschenseele, bis ich auf die R448 traf. Die etwas stärker befahrene Straße hatte ich allerdings bewusst eingeplant, um die ersten Kilometer bis Carlow zügiger voran zu kommen.

In Carlow gab es eine erste Pause in einem Cafe. Dort gab es auch eine Kleinigkeit zu essen, ich konnte somit danach wieder gestärkt in die Pedale treten. Zum Mittag hin wurde das Wetter immer besser, die Sonne kam durch, so dass der Blick in die Wicklow Mountains immer schöner wurde.

Bei der Ankunft auf dem Campingplatz Moat Farm am Rande des kleinen Ortes Donard war ich beeindruckt, der Platz war wunderschön. Sehr nette Menschen in der Rezeption zeigten mir alles, was es auf dem Platz an Einrichtungen gab, meinen Stellplatz konnte ich selber wählen. Nach einem kurzen Besuch im einzigen geöffneten Pub des Ortes saß ich noch lange vor dem Zelt und genoss den Blick in die von der Abendsonne beschienenen Berge.

Bis Dublin,zu meinem Zielort Dublin waren nur noch 50 km zu fahren. Ich hatte noch einen Reservetag frei, aus dem Grund entschloss ich mich an dem Abend eine weitere Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen. Einen Tag später wollte ich mein Gepäck am Zeltplatz lassen und einen Rundkurs über 75 km durch die Wicklow Mountains fahren. Mit 480 m Höhe sollte das Wicklow Gap  der Pass meiner Königsetappe werden.

 


 

 26. Tag: Eine Rundtour ohne Gepäck durch die Wicklow Mountains

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.08.2013 75 2.118 1.500 20.204 Camping Moat Farm

 

Die Tour durch die Wicklow Mountains war leider eine Tour, die überwiegend im Nieselregen stattfand. Über das Wetter konnte ich mich auf meiner langen Reise sicherlich nicht beklagen, es war nur mal wieder schade um die Fotos, die nicht gemacht wurden, weil es regnete oder sich nicht lohnte.

Die Wicklow Mountains sind bei schönem Wetter sicherlich sehr schön. Es gibt dort reichlich Hügel, an dem Tag kamen deshalb noch 1.500 Hm auf einer Strecke von 75 km zusammen. Eine kurze Cafepause hatte ich noch in dem kleinen Ort Laragh, ansonsten gab es über den Tag wenig zu berichten.

Den Wicklow Gap konnte ich relativ locker bis auf 480 m Höhe hochfahren, sehr steil war er nicht.  Er war aber leider ziemlich mit Wolken verhangen. Danach ging es über eine bei schönem Wetter sicherlich mehr zu genießende Abfahrt wieder zurück zum Campingplatz. Ein paar Hügel noch, dann war es bereits um 15:00 Uhr geschafft.

Den Abend verbrachte ich wie am Abend zuvor in der kleinen Bar. Dort war es warm und trocken und etwas zu essen gab es dort auch. Wie schön, dass die Wettervorhersage für meine letzten Tage eine deutliche Wetterverbesserung versprach.

 


 

 27. Tag: Nur noch 50 km bis Dublin

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24.08.2013 56 2.174 443 20.647 Camping Carnac Valley

 

Von dem Tag gibt es nicht sehr viel zu berichten. Ich hangelte mich über kleine Straßen immer näher an Dublin heran, was aber nicht so einfach war. Immer wieder geriet ich im Bereich des Pollaphuca Reservoirs auf Teilstücke der stärker befahrenen N81.

An dem Samstagmorgen begegneten mir viele Rennradfahrer. Aus Spaß fuhr ich ein kurzes Stück mit einer größeren Gruppe deren Tempo mit, lange konnte ich dem aber nicht folgen. Im kleinen Ort Blessington gab es einen Cafe und zum Mittagessen mal 2 Eier mit Speck. Das Cafe schien ein Treffpunkt für die Rennradfahrer des Ortes zu sein, es saßen dort einige bei meinem Eintreffen. Auf einer Nebenstrecke musste ich vor Dublin noch einmal bis auf 350 m hinauf, dann ging es in rasender Fahrt über 11 km nach Dublin hinab.

Der Campingplatz Camac Valley am südwestlichen Rand von Dublin ist sehr groß und zu nah an einer Hauptstraße gelegen, er kostete aber auch nicht mehr als die üblichen 10 Euro. Den restlichen Nachmittag konnte ich relaxen und mich gedanklich schon mal langsam auf das Ende meiner bisher längsten Tour einstellen.

 

 


 

 28. Tag: Ein schwammiges Gefühl auf dem Rad

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25.08.2013 29 2.203 120 20.767 Travelodge Hotel

 

Am Sonntagmorgen schliefen wohl alle sehr lange, auf den ersten 15 km bis in die Innenstadt von Dublin war kaum ein Mensch zu sehen.

Und dann geschah etwas, was ich auf meinen vielen Radreisen noch nie erlebt hatte. Es gab einen lauten Knall und ich dachte was ist jetzt geschehen. Noch bevor ich  mit dem Gedankengang fertig war bemerkte ich, woran das lag. Die dicke Sattelbefestigungsschraube war gerissen und der Sattel klemmte bedenklich wackelig zwischen meinen Beinen. Die Situation war keineswegs kritisch, ich war nicht gestürzt, aber reichlich irritiert, schließlich handelte es sich um eine Schraube mit mehreren Millimetern Durchmesser.

Die Radgeschäfte hatten sonntags geschlossen, was nun? Mit Kabelbindern sollte sich der Sattel einigermaßen befestigen lassen, ich hatte ja welche dabei. Die Konstruktion wackelte zwar etwas, ich schaffte es aber damit bis in die Innenstadt und etwas später auch bis zum Hotel Travelodge, meinem letzten Übernachtungsort zu fahren. Die geplante Besichtigung Dublins fiel damit aus, zu groß war mir das Risiko, dass meine Konstruktion nicht hielt. So kam es, dass ich bereits gegen Mittag am Hotel eintraf.

Sehr nett fand ich, dass ich mein Zimmer schon frühzeitig beziehen konnte und dass man mir ein größeres Doppelzimmer gab. Mein Rad konnte ich mit aufs Zimmer nehmen und dort in Ruhe demontieren.

Nach meiner Ankunft war ja nur noch das Problem mit dem Radkarton für die Rückreise zu lösen. Wer diesen Bericht von Anfang an gelesen hat, wird sich vielleicht noch erinnern, dass ich mir einen Karton im „Swords Cycle Center“ zu Beginn meiner Reise reserviert hatte. Das Geschäft hatte an einem Sonntag natürlich geschlossen, daher buchte ich mir über die Reception des Hotels ein Großraumtaxi für Montags um 10:00 Uhr. Mit Hilfe des Taxis wollte ich den leeren Karton zum Hotel befördern.

 

 

 


 

29.Swords Cycle Center > Einen herzlichen Dank an "Swords Cycle Center"

Das Taxi erschien pünktlich um 10:00 Uhr, jetzt konnte ja nicht mehr sehr viel daneben gehen. Bei der Ankunft am „Swords Cycle Center sah es dann so aus, wie auf dem nachfolgenden Foto.

Der Taxifahrer hatte etwas Zeit, wir warteten 10 Minuten, es erschien aber niemand, der den Laden öffnete. Langsam etwas nervös stieg ich aus dem Taxi aus, um am Eingang die angeschlagenen Öffnungszeiten zu kontrollieren, vielleicht stimmten diese nicht mit den Angaben im Internet überein. Am Abend zuvor hatte ich mir die Seite vor dem Reservieren des Taxis noch genau angesehen. Die Öffnungszeiten stimmten, das war nicht das Problem. Erst ein zweiter Blick auf die Scheibe hinter dem geschlossenen Stahlgitter brachte ein Lächeln in mein Gesicht.

An der Scheibe war von innen ein Blatt befestigt, auf dem Zeilen geschrieben standen, die mich sehr beeindruckten. Wo gab es denn so einen herzlichen Service noch?

Die Übersetzung:
Lieber deutscher Radler, ich habe dich nicht vergessen! 
Ich musste mein Geschäft heute aus persönlichen Gründen schließen. Bitte laufe 100 m weiter nach links zum Autohaus. Dort habe ich für dich zwei Kartons in verschiedenen Größen gelagert. Bitte suche dir den geeigneten aus.

Als ich die Zeilen las war ich einen Moment richtig gerührt, schöner konnte meine lange Radtour über 2203 km um Irland wohl nicht enden. Ich hatte die Iren in dem Moment so richtig in mein Herz geschlossen.

Der Transport zum Hotel war dann über die 3-4 km in wenigen Minuten geschafft. Danach hatte ich bis zum frühen Nachmittag Zeit. Das Rad war schnell demontiert und im Karton verstaut. Um 15:00 Uhr wurde ich  von demselben Taxiunternehmen mit allem Gepäck zum Flughafen gebracht.

Meine so eindrucksvolle Radreise um Irland war leider beendet.