Radschaden vor Gredna Green. Ein Dankeschön an Hans Lof

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.08.2014 82 1420 500 15220 Braids Caravan Park

      

Dass ich an dem Abend in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz von Gretna Green gemeinsam mit einem niederländischen Ehepaar Fish and Chips essen würde, das ahnte ich an dem Morgen sicherlich noch nicht, als ich in Dalbeattie startete. Wie es dazu kam, erkläre ich etwas später in diesem Tagesbericht. Ich verließ Dalbeattie am frühen Morgen zunächst auf dem direkten Weg über die A711. Von dort hätte ich direkt nach Dumfries radeln können, mich zog es aber etwas nach Norden. Parallel zur A711 gab es eine alte Military Road, die mich in einem Nordostbogen viel ruhiger nach Dumfries führte.

Gemessen an Städte im Ruhrgebiet ist Dumfries mit seinen knapp 40.000 Einwohnern nicht wirklich groß, aber dennoch ist es die größte Stadt im Süden Schottlands. Dumfries liegt am Nith River, der etwas südlich der Stadt durch den Solway Firth ins Meer mündet. Der Ort besitzt einen historischen Ortskern. Das älteste Gebäude der Stadt ist das Old Bridge House aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Schon bei meiner Ankunft fielen mir die roten Ziegelbauten auf, die wohl ein wenig typisch für den Ortskern sind. Eine Fußgängerzone ohne PKW Verkehr sorgt im Kern der Stadt für Ruhe, was mir persönlich sehr gefiel. Nach einer Pause in der Innenstadt radelte ich über die Buccleuch Bridge auf die östliche Flußseite des River Nith. Die National cycle route Nr. 7 führte auf der anderen Seite am Nith River entlang weiter nach Süden.

Weiter im Süden mündet der River Nith in den Solway Firth, immer breiter von Sandbänken durchzogen, fließt der Nith River dort mit gemächlicher Strömung ins Meer. Nur wenig Kilometer weiter stand ich mit meinem Rad am Meer. In dem Bereich, wo die Straße die südliche Richtung verlässt und nach Nordosten schwenkt, gibt es eindrucksvolle Sehenswürdigkeit, das Castle Caerlaverock. Man sieht das Castle von der Straße schlecht, es ist aber aufgrund des Schildes auf dem folgenden Foto kaum zu verfehlen.

Der Grundstein für die Burg wurde um 1270 gelegt. Sie ist die einzige dreieckige Wasserburg in Schottland. An der nördlichen Ecke befindet sich das Torhaus, das aus einem Doppelturm besteht. Die Burg ist komplett von einem wassergefüllten Graben umgeben und wurde nicht wie viele andere Burgen, auf einem Felsen errichtet. Caerlaverock Castle war Herrschaftssitz des Maxwell-Clans. Im Jahr 1300, während des schottischen Aufstands gegen die englische Oberherrschaft, wurde es von König Eduard I. belagert, da dieser alle in unmittelbarer Nähe zu England befindlichen Burgen auch in englischer Hand sehen wollte. Er befürchtete, dass genau von diesen Burgen aus Angriffe auf sein Königreich durchgeführt werden könnten, weshalb er sie schleifen wollte. Während der Belagerung setzte König Eduard Katapulte ein, die zwar einige Mauern zum Einsturz brachten, jedoch den mächtigen Wehrtürmen nur bedingt etwas anhaben konnten. Trotz der hervorragenden Verteidigungsmöglichkeiten gelang es Eduard schließlich, mit den Katapulten und 87 aus England, der Bretagne und Lothringen stammenden Rittern sowie 3000 Gefolgsleuten die lediglich von 60 Mann verteidigte Burg zu erobern. Für die nächsten 13 Jahre war sie dann in englischem Besitz, ehe sie schließlich wieder zurück an die Schotten fiel.

Nach der eindrucksvollen Besichtigung folgte ich mit meinem Rad der National Cycle Rout Nr. 7 weiter nach Osten. Über Annan führte dieser Weg bis an mein Tagesziel, einem Campingplatz in Gretna Green. Und kurz vor Annan geschah dann etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, der Freilaufkörper am Hinterrad war defekt. Fahrtechnisch bedeutete das für mich, das ich immer mittreten musste, um die Kette unter Spannung zu halten. Hörte ich zu treten auf, fiel die Kette in der Mitte zwischen Tretlager und Hinterrad durch, was nicht ungefährlich war. In der Innenstadt von Annan hielt ich an einer Bank und lud mein Gepäck vom Rad. Äußerlich war am Laufrad kein Schaden zu sehen, der Freilaufkörper drehte sich nur nicht zurück. Zwei drei Passanten fragte ich nach einem Radgeschäft, in Annan gab es das aber leider nicht.

Bis Gretna Green waren noch gut 10 km zu radeln, daher entschied ich mich zunächst, bis in den Zielort zu radeln. Vielleicht gab es in Gretna Green ein Radgeschäft, um mein Problem zu lösen. Weil das Laufrad noch nicht alt war, machte ich mich etwas verärgert wieder auf den Weg, aber was nutzte mir das? Nichts!  An der Rezeption in Gretna Green half man mir, indem man mir ein Radgeschäft im britischen Longtown empfahl. Das war nur ca. 8 km entfernt, damit kam ich zumindest der Lösung meines Problems einen kleinen Schritt näher. Also erst einmal das Zelt aufgebaut und die Taschen vom Rad.

Dann kramte ich mein Werkzeug aus der Ortliebtasche und entfernte den Zahnkranz vom Freilaufkörper. Bei einem genauen Blick konnte ich den Schaden erkennen, der Freilaufkörper war in Längsrichtung komplett durchgerissen. Während ich mein Rad wieder zusammenbaute, um nach Longtown zu radeln, stand plötzlich ein Niederländer namens Hans Lof vor mir und bot mir Hilfe an. Danach  ging alles sehr schnell! Mein Koga abgeschlossen und mit dem defekten Laufrad in der Hand, stieg ich in seinen großen Hyundai Kastenwagen, um mit ihm nach Longtown zu fahren.

Beide kamen aus  `s-Hertogenbosch, wobei Hans bereits seit 3 Monaten in Schottland unterwegs war. Marianne war vor drei Tagen nachgekommen, um ihren Mann ab jetzt noch drei Wochen zu begleiten, am 21.09. wollten sie wieder nach Hause zurück. In Longtown war das Problem schnell gelöst. Einen Freilaufkörper hatten sie für meine XT-Nabe zwar auch nicht vorrätig, ich kaufte aber ein komplettes neues Hinterrad für 40 Pfund, damit war ich meine Sorge los.

Von Hans und Marianne erhielt ich dann noch die Einladung zum Fish and Chips Essen in ihrem Wohnwagen, ein netter Abend schloss sich an, den man nicht vergisst. Um die Geschichte abzuschließen, ist auch noch schnell erzählt, das Hans und Marianne mein altes Laufrad mit nach Hause nahmen. Von dort wurde es mir dann nach Hause zugesandt.

DANKE Hans, DANKE Marianne für die nette Hilfe in Gretna Green.