Über die Forth Road Bridge nach Kinross am Loch Leven

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.08.2014 56 62 560 610 Camping Gallowhill Caravan Park

 

Am frühen Morgen schien die Sonne auf mein Hillebergzelt, es war angenehme 15 Grad warm, die richtige Zeit, um einen Kaffee zu kochen und langsam die Sachen zu packen.

Nach einem letzten netten Gespräch mit Jean in der Rezeption konnte meine Tour beginnen. Um 08:30 Uhr verließ ich den Platz, um über Newbridge und Kirkliston nach Queensferry zu radeln. Einen ersten nicht geplanten Halt hatte ich bereits wenige Kilometer hinter dem Campingplatz. Ein Schild zeigte auf einen kurzen Stich Weg zur Clifton Hall School, die in früheren Zeiten wohl mal eine Burg war.

Auf meiner Weiterfahrt war es noch ruhig auf den Straßen, ein paar Pendler, die zu ihrem Arbeitsplatz fuhren, einige erste Kunden vor den Geschäften, viel mehr war nicht los. Ich fühlte mich wohl und freute mich darüber, dass das Wetter hielt. Beherzt trat ich kräftig in die Pedale.

Voller wurde es erst in Queensferry, unmittelbar vor der „Forth Road Bridge“. Die Forth Road Bridge ist eine Autobahnbrücke über den „Firth of Forth“ nahe Edinburgh. Die Hängebrücke wurde zwischen den Jahren 1958 du 1964 erbaut und war damals die größte Brücke ihrer Art in Europa. Sie ist 2,5 Kilometer lang und überspannt den Meeresarm zwischen North Queensferry und South Queensferry. Die Brücke besteht aus insgesamt 47.000 Tonnen Stahl, darin eingeschlossen die fast 50.000 Kilometer langen Drahtseile des Tragewerks. Vor der Eröffnung durch das britische Königspaar am 04.09.1964 verkehrten Fähren auf der Strecke. Diese hatten ein Verkehrsaufkommen von jährlich 600.000 Autos, 200.000 Lastwagen und 1,5 Millionen Menschen zu bewältigen. Der Radweg auf der linken Seite war gesperrt, aus dem Grund musste ich mit meinem Rad zunächst unter die Brücke durch, um auf den rechtsseitig geführten Radweg zu gelangen.

Auf der Forth Road Bridge ging es leicht ansteigend bis zur Mitte der Brücke zügig weiter. Ich hielt einige Male an, um ein paar Fotos „zu schießen“, zu imposant waren die Ausblicke auf die Küste oder die parallel zu sehende Eisenbahnbrücke „Forth Bridge“.

Die Eisenbahnbrücke „Forth Bridge“ hat ebenfalls eine eigene Geschichte. Bereits im Jahr 1879 wurde mit dem Bau nach den Plänen des Ingenieurs Thomas Bouch begonnen. Am 28. Dezember 1879 stürzte eine ebenfalls von Bouch konstruierte Eisenbahnbrücke in Dundee über den Tay ein und riss den Zug mit in die Tiefe. 75 Menschen starben damals bei dem Unglück. Nach dem Unglück wurden die Ingenieure John Fowler und Benjamine Baker beauftragt, die Forth Brigde stabiler zu bauen. Das Ergebnis war eine Auslegerbrücke, die 1890 nach 7 Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde. 5000 Menschen arbeiteten damals an dem Projekt, 57 kamen durch Unfälle ums Leben. Einige wohl durch eine Art Taucherkrankheit, weil sie unter Wasser in hölzernen Senkkästen arbeiten mussten, in denen ständig hoher Überdruck herrschte. Wurde der Druckausgleich nicht korrekt vollzogen, kam es zu diesen Unfällen.

Auf dem Weg durch Dunfermline begleitete mich eine zeitlang ein Radler mit Mountainbike. Er interessierte sich für meine Tour und erzählte mir einiges über seine sportlichen Aktivitäten und seine Familie. Bis an den Nordrand der Stadt zeigte er mir den Weg, verlies mich aber kurz vor Townhill, um nach Hause zu radeln. Ein erster netter Kontakt mit einem Schotten, der mir sehr gefiel.

Die restliche Strecke bis Kinross verbrachte ich fast alleine auf kleinen Straßen in der Natur. Bis auf 280 m ü.N.N. führte der Weg hinauf. So schweißtreibend der Anstieg war, so schön war der Ausblick in die Ebene, in der Kinross lag. Schon früh konnte ich den Loch Leven von oben im Tal liegen sehen.

Der Gallowhill Campsite wirkte wie ein Bauernhof, hinter dem man einen Campingplatz gebaut hatte. Die Rezeption befand sich in einem alten Bauernhaus, hinter dem der eigentliche Platz lag. Der Rasen - wie auch im Jahr zuvor in Irland so gut - wie immer vom feinsten, kein steiniger Untergrund wie im Jahr 2012 in Italien auf meiner Tour nach Rom.

Nach dem Zeltaufbau schnappte ich mir mein Rad und fuhr noch 9 km am Loch Leven entlang. An der Westseite des Sees gibt es die kleine Insel „Castle Island“, die eine bewegte Geschichte hat. Auf der Insel befindet sich Loch Leven Castle, in dem in den Jahren 1567/1568 Maria Stuart inhaftiert war.
Das Castle wurde bereits in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts erbaut und war zunächst eine königliche Burg. Bereits zum Ende des Jahrhunderts wurde sie aufgrund ihrer strategischen Lage zwischen Edinburgh, Sterling und Perth zu einem umkämpften Ort im Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieg (1296-1328). Ab dem 14. Jahrhundert wurde sie als Staatsgefängnis genutzt, in dem viele berühmte Gefangene untergebracht waren, so etwa 1369 Robert Stewart, der spätere König Robert II. Die bekannteste Gefangene ist sicherlich Maria Stuart, der im Mai 1568 spektakulär die Flucht gelang, um die sich zahlreiche literarische verarbeitete Mythen ranken. Auch für Film und Fernsehen war die Flucht Marias immer ein beliebtes Thema.

Bei meiner Rückkehr traf ich auf dem Campingplatz noch ein holländisches Ehepaar. Sie war mit einem EBike der Firma Scott und er mit einem Liegerad unterwegs. Eine kurze Unterhaltung über unsere Touren ergab sich noch, zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass ich sie einen Tag später in Dundee wiedersehen würde.