Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 12.08.2014 - 04.09.2014

 1.708 km

 18.150 Hm

 

Schottland ist ein Landesteil des Vereinigten Königsreichs Großbritannien und Nordirland. Das Land besteht aus dem nördlichen Drittel der größten europäischen Insel Großbritannien, sowie mehreren Inselgruppen. Die schottische Hauptstadt ist seit 1437 Edinburgh (früher Perth), der Flughafen der Hauptstadt war das erste Ziel meiner Anreise mit dem Flugzeug von Düsseldorf-Weeze aus.

Die früheren Königreiche Schottland und Großbritannien wurden ab 1603 in Personalunion regiert. Im Jahr 1707 wurden die beiden Staaten zum Königreich Großbritannien vereinigt. Durch den Zusammenschluss mit dem Königreich Irland entstand 1801 das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland.

In den letzten Jahrzehnten ist in Schottland eine starke Bewegung entstanden, die eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich fordert. Während meiner Tour war davon viel zu spüren und zu sehen, immer wieder traf ich auf Flaggen an den Wohnhäusern mit den typisch schottisch blauen Flaggen und dem YES in großer Schrift. Kurz nach meiner Tour am 18. September 2014 wurde im Rahmen eines Referendums über die Abspaltung abgestimmt. Bei der historisch hohen Wahlbeteiligung von 85 % stimmten 55 % gegen eine Auflösung der Union. Junge Wähler stimmten zwar in großer Zahl für eine Abspaltung, sie konnten aber die vielen über 65 Jahre alten Wähler nicht überzeugen. Somit wurde ich auf meiner Tour Zeitzeuge einer das Land bewegenden Diskussion.

Bei dem Thema eine eigene Position zu finden fiel mir unterwegs schwer. Grundsätzlich freute ich mich darüber, dass  so etwas doch tatsächlich in Form eines Referendums möglich war, zu lange wurden die Schotten von London aus gegängelt, obwohl sie vollkommen andere Vorstellungen von Sozialpolitik und Bildungspolitik besaßen. Dann wieder überwog die Überlegung, dass es kaum richtig sein konnte, wenn wir in Europa in viele Kleinstaaten zerfielen. In Katelonien und im Baskenland „liefen sich die einzelne Gruppen bereits warm“, um ähnliches wie in Schottland zu bewegen. Nein, es musste reichen, wenn den Schotten von London aus mehr Freiheiten eingeräumt wurden. Diese Zusagen gab es wohl auch schon.

 

km,


  

 


 

 Anreise und Ankunft am Linwater Campingplatz in Edinburgh

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.08.2014 6 6 50 50 Camping Linwater Caravan Park

 

In den ersten gut 7 Monaten des Jahres 2014 hatte ich bereits ein gewaltiges Fitnessprogramm auf dem Rad absolviert, 10.500 Kilometer standen bereits auf dem Fahrradtacho, als ich mich auf dem Weg von Dorsten nach Düsseldorf-Weeze machte. An einer mangelnden Kondition sollte es nicht liegen, bevor ich die Umrundung Schottlands mit dem Rad über viele Höhenmeter in Angriff nahm.
Das Flugzeug der Fluggesellschaft Ryanair  hob pünktlich am frühen Nachmittag von der Startbahn in Weeze ab und landete um 17:00 Uhr in Edinburgh.

Rad und Gepäck waren heil angekommen und schnell auf einen der Gepäckwagen verstaut. Ein Problem machte mir nur die Suche nach dem Taxistand. Ein Großraumtaxi hatte ich bereits von zu Hause gebucht,  was mir am Flughafen aber leider nicht half. Bei der Internetseite handelte es sich nicht um das Taxiunternehmen, sondern lediglich um ein Buchungsportal. Wo war der Taxistand?

An dem Schalter einer Autovermietung traf ich auf zwei nette Damen, die mir halfen und sofort zum Mobiltelefon griffen. 10 Minuten später hielt ein Großraumtaxi neben meinem Radkarton, mein Problem war gelöst. Mein Buchungsformular kannte der Fahrer nicht, eine Anzahlung hatte ich nicht leisten müssen, insofern war es mir egal, wer mich die wenigen Kilometer transportierte.

Nach nur 6 km Taxi Fahrt stand ich bei Jean in der Rezeption des Linwater caravan parc (http://www.linwater.co.uk/). Mit Jean hatte ich bereits per Email vorab einen sehr netten Kontakt. Sie hatte sich bereit erklärt, meinen Radkarton auf dem Campingplatz für die Dauer meiner Radtour zu lagern. So musste ich für den Rückflug keinen neuen organisieren wie im Jahr zuvor bei meiner Irlandumrundung in Swords bei Dublin.

An dem Abend radelte ich noch in den kleinen Ort East Calder kurz vor Livingston, um mich mit ein paar Lebensmitteln einzudecken, ansonsten gab es an Vorbereitungen für mich nicht mehr viel zu tun. Das Rad hatte ich ja bereits zusammengebaut und Probe gefahren, meine große Tour konnte am nächsten Tag beginnen.

 

 

 


 

 Über die Forth Road Bridge nach Kinross am Loch Leven

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.08.2014 56 62 560 610 Camping Gallowhill Caravan Park

 

Am frühen Morgen schien die Sonne auf mein Hillebergzelt, es war angenehme 15 Grad warm, die richtige Zeit, um einen Kaffee zu kochen und langsam die Sachen zu packen.

Nach einem letzten netten Gespräch mit Jean in der Rezeption konnte meine Tour beginnen. Um 08:30 Uhr verließ ich den Platz, um über Newbridge und Kirkliston nach Queensferry zu radeln. Einen ersten nicht geplanten Halt hatte ich bereits wenige Kilometer hinter dem Campingplatz. Ein Schild zeigte auf einen kurzen Stich Weg zur Clifton Hall School, die in früheren Zeiten wohl mal eine Burg war.

Auf meiner Weiterfahrt war es noch ruhig auf den Straßen, ein paar Pendler, die zu ihrem Arbeitsplatz fuhren, einige erste Kunden vor den Geschäften, viel mehr war nicht los. Ich fühlte mich wohl und freute mich darüber, dass das Wetter hielt. Beherzt trat ich kräftig in die Pedale.

Voller wurde es erst in Queensferry, unmittelbar vor der „Forth Road Bridge“. Die Forth Road Bridge ist eine Autobahnbrücke über den „Firth of Forth“ nahe Edinburgh. Die Hängebrücke wurde zwischen den Jahren 1958 du 1964 erbaut und war damals die größte Brücke ihrer Art in Europa. Sie ist 2,5 Kilometer lang und überspannt den Meeresarm zwischen North Queensferry und South Queensferry. Die Brücke besteht aus insgesamt 47.000 Tonnen Stahl, darin eingeschlossen die fast 50.000 Kilometer langen Drahtseile des Tragewerks. Vor der Eröffnung durch das britische Königspaar am 04.09.1964 verkehrten Fähren auf der Strecke. Diese hatten ein Verkehrsaufkommen von jährlich 600.000 Autos, 200.000 Lastwagen und 1,5 Millionen Menschen zu bewältigen. Der Radweg auf der linken Seite war gesperrt, aus dem Grund musste ich mit meinem Rad zunächst unter die Brücke durch, um auf den rechtsseitig geführten Radweg zu gelangen.

Auf der Forth Road Bridge ging es leicht ansteigend bis zur Mitte der Brücke zügig weiter. Ich hielt einige Male an, um ein paar Fotos „zu schießen“, zu imposant waren die Ausblicke auf die Küste oder die parallel zu sehende Eisenbahnbrücke „Forth Bridge“.

Die Eisenbahnbrücke „Forth Bridge“ hat ebenfalls eine eigene Geschichte. Bereits im Jahr 1879 wurde mit dem Bau nach den Plänen des Ingenieurs Thomas Bouch begonnen. Am 28. Dezember 1879 stürzte eine ebenfalls von Bouch konstruierte Eisenbahnbrücke in Dundee über den Tay ein und riss den Zug mit in die Tiefe. 75 Menschen starben damals bei dem Unglück. Nach dem Unglück wurden die Ingenieure John Fowler und Benjamine Baker beauftragt, die Forth Brigde stabiler zu bauen. Das Ergebnis war eine Auslegerbrücke, die 1890 nach 7 Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde. 5000 Menschen arbeiteten damals an dem Projekt, 57 kamen durch Unfälle ums Leben. Einige wohl durch eine Art Taucherkrankheit, weil sie unter Wasser in hölzernen Senkkästen arbeiten mussten, in denen ständig hoher Überdruck herrschte. Wurde der Druckausgleich nicht korrekt vollzogen, kam es zu diesen Unfällen.

Auf dem Weg durch Dunfermline begleitete mich eine zeitlang ein Radler mit Mountainbike. Er interessierte sich für meine Tour und erzählte mir einiges über seine sportlichen Aktivitäten und seine Familie. Bis an den Nordrand der Stadt zeigte er mir den Weg, verlies mich aber kurz vor Townhill, um nach Hause zu radeln. Ein erster netter Kontakt mit einem Schotten, der mir sehr gefiel.

Die restliche Strecke bis Kinross verbrachte ich fast alleine auf kleinen Straßen in der Natur. Bis auf 280 m ü.N.N. führte der Weg hinauf. So schweißtreibend der Anstieg war, so schön war der Ausblick in die Ebene, in der Kinross lag. Schon früh konnte ich den Loch Leven von oben im Tal liegen sehen.

Der Gallowhill Campsite wirkte wie ein Bauernhof, hinter dem man einen Campingplatz gebaut hatte. Die Rezeption befand sich in einem alten Bauernhaus, hinter dem der eigentliche Platz lag. Der Rasen - wie auch im Jahr zuvor in Irland so gut - wie immer vom feinsten, kein steiniger Untergrund wie im Jahr 2012 in Italien auf meiner Tour nach Rom.

Nach dem Zeltaufbau schnappte ich mir mein Rad und fuhr noch 9 km am Loch Leven entlang. An der Westseite des Sees gibt es die kleine Insel „Castle Island“, die eine bewegte Geschichte hat. Auf der Insel befindet sich Loch Leven Castle, in dem in den Jahren 1567/1568 Maria Stuart inhaftiert war.
Das Castle wurde bereits in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts erbaut und war zunächst eine königliche Burg. Bereits zum Ende des Jahrhunderts wurde sie aufgrund ihrer strategischen Lage zwischen Edinburgh, Sterling und Perth zu einem umkämpften Ort im Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieg (1296-1328). Ab dem 14. Jahrhundert wurde sie als Staatsgefängnis genutzt, in dem viele berühmte Gefangene untergebracht waren, so etwa 1369 Robert Stewart, der spätere König Robert II. Die bekannteste Gefangene ist sicherlich Maria Stuart, der im Mai 1568 spektakulär die Flucht gelang, um die sich zahlreiche literarische verarbeitete Mythen ranken. Auch für Film und Fernsehen war die Flucht Marias immer ein beliebtes Thema.

Bei meiner Rückkehr traf ich auf dem Campingplatz noch ein holländisches Ehepaar. Sie war mit einem EBike der Firma Scott und er mit einem Liegerad unterwegs. Eine kurze Unterhaltung über unsere Touren ergab sich noch, zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass ich sie einen Tag später in Dundee wiedersehen würde.

 

 


 

 Über Perth nach Dundee am Firth of Tay

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
14.08.2014 83 145 780 1390 Camping Tayview Caravan Park

 

Mein erstes Tagesziel an dem Tag war Perth. Obwohl die Stadt bereits seit dem Mittelalter mit königlichen Rechten einer freien Stadt versehen wurde, ist sie mit weniger als 50.000 Einwohnern nicht wirklich groß. Sie ist heute der Verwaltungssitz der Regionen Perth und Kinross und gleichzeitig ein Verkehrsknotenpunkt, der die Städte Stirling und Glasgow im Südwesten mit Inverness im Norden verbindet.

Meine Fahrt dort hin führte an zahllose Bauernhöfe und landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei. Dazu war es hügelig, einTerrain, das einen Radler mit Gepäck mächtig forderte, aber landschaftlich sehr schön war.

Etwa zwei Kilometer hinter der Brücke über den Fluss Earn machte ich zum ersten Mal die Erfahrung, dass es in Schottland zwar viele Schlösser gibt, diese aber häufig nicht zugänglich sind, da privat. Am Eingang des Dupplin Castle stand ein großes Schild mit dem Hinweis „PRIVATE“, keine Chance, dass Castle auch nur von weitem zu sehen. Viele Mal sollte ich auf meiner Tour noch solchen Schildern begegnen, aber dass wusste ich zum dem Zeitpunkt noch nicht.

Bei meiner Ankunft in Perth regnete es immer mal wieder ein wenig, aus dem Grund hielt ich mich in der Innenstadt auch nicht lange auf. Der Besuch in einem Cafe und ein Junge der Dudelsack spielte sind mir in Erinnerung geblieben, von dem Jungen habe ich sogar ein Foto in meinem Fotoarchiv.

Östlich von Perth musste ich noch einmal auf 150 m ü.N.N. hinauf, allerdings hatte ich von dort oben einen tollen Ausblick auf die südwestlich liegende Mündung des Rivers Tay.

Weiter in Richtung Mündungsdelta des Rivers Tay wurde es immer flacher.  Bis Dundee waren nur noch knapp 20 km zu radeln, ich hatte keinen Zeitdruck, es war mal gerade Mittagszeit. Einen Halt legte ich noch an dem kurz vor Dundee liegenden kleinen Flugplatz Errol Airfield ein. Dort starteten nur kleine Maschinen, es war aber ganz interessant, dem Treiben dort ein wenig zuzusehen.

Weiter ging es erst, als die am Himmel zu sehenden Wolken sich bedrohlich aufbauten, es aber glücklicherweise nicht regnete. In Richtung Dundee sah es etwas besser aus, also rauf aufs Rad und weiter an der Küste entlang.

Vor Dundee hat man bereits sehr früh einen Blick auf die 3 km lange Eisenbahnbrücke über das Mündungsdelta des Tay (Firth of Tay).  Ich vermutete, dass an dieser Stelle am 28.12.1879 auch die Brücke einstürzte, bei der damals 75 Menschen den Tod fanden. Meine Vermutung wurde zu Hause nach einer Internetrecherche bestätigt, die neue Brücke wurde nur 18 Meter weiter flussaufwärts neben den Resten der alten Brücke erbaut. Sie wurde im Jahr 1887 fertiggestellt und ist noch heute in Betrieb.

Etwas weiter östlich gibt es dann noch die Tay Road Bridge, die ist aber nicht besonders hübsch gebaut. Mein Tagesziel war der Campingplatz Tayview, der wenige Kilometer östlich von Dundee lag. Aus dem Grund kam ich an dem Tag noch am Broughty Ferry Castle vorbei. Nachstehend habe ich von meinem Besuch mal ein paar Fotos eingestellt. Viele Informationen findet man über die kleine Burg nicht. Sie wurde wohl im Jahr 1496 erbaut und steht noch heute auf der kleinen in den Firth (Förde) hineinragenden Halbinsel.

Bereits um 14:30 Uhr erreichte ich auf dem letzten Stück weiter der Küste folgend den Campingplatz Tayview. Gut ausgestattet war der Platz überwiegend für Camper mit Wohnmobilen und Wohnwagen gedacht. Ich durfte mein Zelt aber wie auf dem folgenden Foto zu sehen, hinter der Rezeption aufbauen.

Die Welt wurde an dem Nachmittag mal wieder klein, als eine Stunde später die beiden Niederländer, die ich in Kinross bereits kennengelernt hatte, neben mir ihr Zelt aufbauten. Sie waren eine vollkommen andere Strecke also nicht über Perth geradelt, hatten aber dasselbe Ziel.

 

 


 

 Glamis Castle und auf in die Highlands

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
15.08.2014 105 250 1470 2860 Braemar Caravan Park

 

Die ersten 10 km aus Dundee heraus waren nicht sehr schön, nach Norden gab es in dem Bereich keine kleinen Straßen, aus dem Grund ging es die ersten Kilometer immer der D90 folgend weiter nach Norden. Es gab zwar einen breiten Randstreifen, mir war es aber einfach zu laut. Hinter dem kleinen Ort Todhills links auf die A928 abgebogen war sofort Ruhe, was für ein Genuss.

Die wenigen Kilometer bis zum Glamis Castle waren dann schnell geradelt. In vollkommener Stille kurbelte ich mein Rad die breite Allee hinab auf das weit sichtbare Castle zu. Touristen gab es von 3 bis 4 Frühaufstehern abgesehen noch nicht, was für ein Prachtschloss dachte ich. Glamis Castle ist ein Schloss in der Nähe eines kleinen Ortes mit demselben Namen. Es ist Wohnsitz des Earls und der Countess of Strathmore, die es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern wird es nicht vom National Trust in Scotland betrieben. Elisabeth Bowes-Lyon, besser bekannt als Queen Mum, verbrachte ihre Kindheit hier. Ihre Tochter Prinzessin Margaret wurde hier geboren. Ein Bild des Schlosses ist auf der Zehn-Pfund-Note der Royal Bank of Scotland zu sehen. Die Außenanlagen nehmen eine Fläche von 5700 Hektar ein und umfassen neben üppigen Gärten und Wanderwegen auch landwirtschaftliche Flächen u.a. für Holz und Rinder. Um das berühmte Schloss ranken sich viele Legenden und Märchen, die man im Internet nachlesen kann, für meinen Reisebericht ist dass alles leider zu viel.

Kurz nach dem Verlassen des riesigen Schlossgeländes traf ich auf das nachstehende Schild. Es inspirierte mich zu dem Foto mit meinem Rad und Gepäck oben drauf.  Ok., ein Lastkraftwagen war mein Rad nicht, die Fahrbahndecke würde mich und mein Rad tragen, also weiter ging es… (grins).

Im kleinen Ort Meigle legte ich eine Pause ein. Dort sollte es ein Skulpturen und Steinmuseum geben, was ich leider nicht fand. Bei der Suche traf ich auf einen Supermarkt, eine ideale Gelegenheit, um meine Vorräte zu ergänzen. Nördlich von Meigle wurde es reichlich hügelig! Ich näherte mich bei jeder Kurbelumdrehung dem Cairngorms National Park, der in den schottischen Highlands lag. Mein Tagesziel war der Campingplatz Invercauld in Braemar, ein touristischer Ort, in dem es auch das gleichnamige Castle gab.

Auf dem nachfolgenden Foto ist recht gut zu sehen, dass die Straße ganz hinten links durch eine Schneise führt. Dort oben in knapp 700 m Höhe liegt das Skigebiet von Glenshee.

Die knapp 1500 Höhenmeter des Tages reichten mir! Mit einem Lächeln auf den Lippen stand ich oben und wusste doch, jetzt ging es bis zum Zielort Braemar nur noch 15 km bergab. Es war noch früh am Nachmittag,  mit 12 Grad war es nicht sehr warm auf der Höhe, aber trocken, was wollte man mehr. In lockerem Tritt ging es hinab nach Braemar. Der Campingplatz liegt noch vor dem Ortseingang, so dass ich von dem Ort bei meiner Ankunft noch nichts sah. Das war aber unwichtig, dass ließ sich doch nach dem Zeltaufbau und Duschen problemlos nachholen.

Am späten Nachmittag radelte ich noch die wenigen hundert Meter in den Ort. Braemar ist nicht groß, aber wohl ein Anziehungsmagnet für Wanderer im Nationalpark. Anders ließen sich die vielen Outdoorläden,  wie auf dem folgenden Foto beispielhaft zu sehen, nicht erklären. Den Abend verbrachte ich mit einem Abendspaziergang auf dem Campingplatz, dabei entstand das nachfolgende Foto.

 

 


 

 Durch die Highlands nach Grantown on Spey

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.08.2014 80 330 1330 4190 Grantown on Spey Caravan Park

 

Das Braemar Castle liegt etwas nördlich vom Ort, aus dem Grund war ich am Abend zuvor nicht mehr hingefahren, die Burg lag quasi auf meinem weiteren Weg. Als ich morgens aus meinem Zelt schaute, war es leicht bedeckt. Ab und zu kam die Sonne ein wenig raus und schien zwischen den Bäumen hindurch. Schnell war das Rad beladen und die 1,5 km zum Castle geradelt. Auf einem winzigen Hügel stand es hinter einem kleinen Kiefernwald, sich ein wenig in eine andere Zeit zu versetzen, fiel mir an diesem Ort nicht schwer, so einsam war es um mich herum. Besichtigen konnte ich das Castle an dem frühen Morgen noch nicht, aus dem Grund gab ich mich mit zwei Außenaufnahmen zufrieden und machte mich wieder auf den Weg.

Braemar Castle ist nicht so alt, wie viele andere Castle in Schottland. Mit dem Bau wurde ab dem Jahr 1628 durch John Erskine, 18. Earl of Mar begonnen. Das Schloss diente als Jagdschloss für ausgediente Jagdpartien des schottischen Königs, war gleichzeitig aber auch ein Bollwerk gegen die zunehmende Macht des nach England orientierte Clans der Farquharsons, in deren Besitz das Castle noch heute ist. 2006 wurde Braemar Castle der Öffentlichkeit übergeben und ab 2008 für Besucher freigegeben. Das Castle wird heute von Freiwilligen betreut, die Einnahmen fließen in einen Wohltätigkeitsverein.

Meine Fahrt durch die herrliche Landschaft des Cairngorms National Park war an dem Morgen wunderschön. Die ersten Kilometer in Richtung Balmoral Castle führten am River Dee entlang, die Sonne schien immer mal wieder auf den Fluss und umgebende Wiesen, so konnte es an dem Tag weitergehen.

 

Etwas später traf ich auf eine interessant konstruierte Stahlbrücke über den River Dee, deren Bedeutung mir nicht klar war. Auf der anderen Seite gab es keine Straße, gleichzeitig war sie für Nutzfahrzeuge (auch Pferdegespanne) zu schmal. Auf einer angeschweißten Tafel entdeckte ich den Namen des Erbauers „James Abernethy & Co. LTD Engineers Aberdeen“ und das Fertigstellungsjahr „1924“. Ich konnte mir das nur so erklären, dass es früher einmal einen Fußweg zum noch 6 km entfernten Balmoral Castle gab.  Das Castle lag auf der anderen Seite, war aber genauso gut über die Straße erreichbar, die ich weiterfuhr. Über die Brücke laufen konnte ich leider nicht, sie war durch ein eisernes Tor fest verschlossen.

Einige Kilometer weiter traf ich auf den Straßenabzweig, dem ich nach Norden folgend wollte. Ich radelte aber zunächst 500 m weiter an dem Abzweig vorbei, um zum Balmoral Castle zu gelangen. Über die Brücke zum Schloss schaffte ich es noch, danach war Schluss! Zwei Polizisten standen am Eingang zum Park und erklärten mir, dass eine Besichtigung erst wieder in einigen Wochen möglich sei. Die Queen residierte aktuell auf Balmoral Castle, während der Zeit wäre das Schloss für den Besucherverkehr immer gesperrt. Ein Foto machen durfte ich auch nicht, also radelte ich zu dem kleinen Straßenabzweig zurück, der mich nach Norden in die Berge führte.

Wie man auf den folgenden Fotos und dem aufgezeichneten Höhenprofil sehen kann, war ich mal wieder auf schmalen Straßen in stark hügeligem Gelände unterwegs. Hinter dem zweiten größeren Anstieg des Tages traf ich auf den Straßenabzweig zur A939. Dort gab es eine Art Cafe/Restaurant, ideal für eine Mittagspause. Nach der Pause ging es gnadenlos bis auf eine Höhe von 670 m hinauf. Der höchste Punkt befand sich am Lecht Ski Centre nach 41 Tageskilometern. 

Mal abgesehen von ein paar Tropfen Regen war die Abfahrt bis in das Tal des Rivers Avon ein einziger Genuss. Wie man auf dem nachstehenden Foto sehen kann, ging es danach nochmal steil die Berge hinauf. Die letzten Kilometer bis Grantown-on-Spey waren auf einem leicht hügeligen Gelände schnell geschafft, die Sonne kam wieder raus und ich freute mich schon auf die Dusche am Campingplatz.

Bei meiner Ankunft am frühen Nachmittag lag der Ort fast verschlafen dar. Es waren nur sehr wenige Autos und ein paar Fußgänger zu sehen. Gut dachte ich, einen Supermarkt haben sie im Ort, einen Fastfoodladen und zwei drei kleinere Geschäfte, mehr hatte ich nicht gesehen. Mir reichte der Supermarkt für einen späteren Besuch, daher radelte ich erst einmal zum Campingplatz, der im nordwestlichen Bereich des Ortes liegt.

 

 

 


 

 Ein Schotte macht noch keinen Sommer, ein Deutscher erst recht nicht

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.08.2014 70 400 500 4690 Camping Bught-Inverness

 

In Anlehnung an den neuen Filmstart „Ein Schotte macht noch keinen Sommer“ fiel mir die Ergänzung „und ein Deutscher erst recht nicht“ ein. Der Satz passte so richtig zu dem Tag, an dem ich mich von Grantown-on-Spey aus aufs Rad setzte, um nach Inverness am Loch Ness zu radeln. Gab es mal eine Viertelstunde, wo es an dem Tag nicht regnete? Die gab es wohl, anders lässt es sich nicht erklären, warum ich es wohl noch schaffte, ein paar Fotos zu machen. In der Nacht hatte es bereits kräftig geregnet, so war ich schon froh, dass der Regen beim Packen ein wenig nachlies. Auf den ersten wenigen Kilometern war es noch einigermaßen trocken, danach regnete es fast ununterbrochen durch.

Viele Kilometer war ich an dem Tag bereits im Regen unterwegs, als ich in dem winzigen Örtchen Tomatin auf der linken Straßenseite den „Tomatin Country Inn Pub“ sah. Schnell ins Warme dachte ich nur noch, das Rad noch abgeschlossen, die Wertsachen eingepackt und schon war ich im Pub, der wohl gleichzeitig auch Shop und Postoffice war. Eine junge Dame zeigte mir einen Automaten, aus dem es besonders heißen Cafe gab, eine lange Pause war zeitlich kein Problem.

In dem Nebenraum zum Shop war es leider nicht warm genug, um meine Kleidung richtig zu trocken. Draußen sah es nach einer knappen Stunde auch nicht besser aus, aus dem Grund entschied ich mich für eine Weiterfahrt.
Bis zum Campingplatz in Inverness regnete es einfach durch. Bei meiner Ankunft war ich bis auf die Haut vollkommen nass. An der Rezeption wurde ich nett mit den nötigsten Informationen versorgt. Ich kaufte auch gleich die nötigen Chips für Waschmaschine und Trockner, denn ohne die Hilfe dieser Technik würde ich meine Kleidung weder sauber noch trocken bekommen.

Am späten Nachmittag, nachdem ich meine Kleidung wieder sauber und trocken hatte, riss die Wolkendecke zeitweise auf. Ein Wechselspiel zwischen Sonne und Wolken begann, bei dem ich es wagte, in die Innenstadt zu fahren. Einige Male musste ich mich kurz unterstellen, schaffte es aber trotzdem ,trocken bis zum Schloss zu kommen. In der Innenstadt aß ich eine Kleinigkeit, kaufte wie jeden Tag üblich ein paar Sachen für mein Frühstück ein und war in Gedanken schon beim nächsten Tag.

 

 

 


 

 Fährt die Fähre ab Cromarty, oder fährt sie nicht?

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.08.2014 82 482 600 5290 Dornach Caravan Park

 

Wie der Titel schon verrät, es gab an dem Tag zunächst ein kleines Problem. Ich hatte Inverness bei trockenem Wetter am frühen Morgen verlassen und radelte, immer mal wieder zurückblickend über die Kessock Bridge nach Nordwesten. Auf der Hauptstrasse war es mir wegen der Autos zu laut, aus dem Grund kam bei mir nach der Betrachtung meiner Karte die Überlegung auf, von der ursprünglichen Planung abzuweichen, um über die östlich gelegene Halbinsel in Ruhe bis Cromarty zu fahren. In dem kleinen Ort gab es eine Fähre nach Nigg, kurz hinter Nigg bestünde wieder die Möglichkeit, auf meine ursprüngliche Strecke zu treffen. Die neue Route war sogar etwas kürzen, hatte nur einen Haken, fuhr die Fähre von Cormarty nach Nigg, oder fuhr sie nicht.

An dem maßgeblichen Straßenabzweig gab es eine Tankstelle, um zu fragen. Ich hielt dort kurz, die Antworten waren aber auch nicht sehr hilfreich. Der Tankwart wusste es nicht und eine Kundin meinte, dass sie im Sommer auf jeden Fall fuhr. Ich ging das Risiko ein! Schlimmstenfalls machten die Hin- und Rückstrecke ca. 40 km aus. Ich müsste die Tagesplanung etwas ändern und die Strecken der Folgetage etwas anpassen, schlimm wäre das aber auch nicht.

In Fortrose und an der Küste entstanden die nachfolgenden Fotos. Danach ging es über einen ausgeschilderten Cycle track bis auf eine Höhe von 225 m ü.N.N. hinauf. Dort stand eine Antennenstation, die Blicke auf die umliegende Küste war grandios.

Cromarty ist ein kleiner Ort, der nur aus ein paar Straßen, dem Hafen und ein paar schönen Gebäuden besteht. Am Fähranleger war weder eine Fähre zu sehen, noch irgendein Hinweis zu finden, wann diese überhaupt fährt. Nach einigem Nachfragen in einer Bar/Cafe und einem Geschäft hatte ich Glück. Ich traf auf eine Verkäuferin, die mir die Auskunft gab, dass die Fähre wohl im Hafen läge. Der Hafen war nicht direkt am Fähranleger, sondern etwa 200 m davon weg. Am Hafen hatte ich dann das Glück, auf den Captain der Fähre zu treffen und schon war mein Problem gelöst. Die Fähre fuhr im Sommer immer wenn es ging! Deshalb gab es auch keinen festen Fahrplan, die Fahrzeiten waren abhängig vom Tidenhub. Ich musste noch 1 ½ Stunden warten, um 14:00 Uhr würde er mit der kleinen Fähre vom Hafen rüber zur Anlegestelle fahren. Ich sollte pünktlich vor Ort sein und alles wäre gut.

Da es ziemlich windig und frisch war, streifte ich mit meinem Rad noch ein wenig durch den Ort und verbrachte die restliche Zeit in dem Cafe.

In der Zwischenzeit vor der Fahrt mit der kleinen Fähre hatte ich meine Tagesetappe ein wenig umgeplant und mir als Übernachtungsort einen Campingplatz in Dornoch ausgesucht. Dornoch lag auf der anderen Seite des Firth of Dornoch, eine große Brück führte auf die andere Seite, vorher traf ich aber noch auf den kleinen Ort Tain.

Der Platz hatte einen seperaten Platzteil für Zelte, der sehr schön in den Dünen lag.  Bis zum Duschgebäude war es auch nicht weit, alles war gut.

 

 


 

 One way road an die Westküste nach Ullapool 

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.08.2014 103 585 1010 6300 Broomfield Holiday Park

 

Hätte mich jemand vor meiner Tour danach gefragt, ob es eine Ost-Westverbindung in Schottland gibt, die fast durchgängig einspurig ist, dann hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Meine heutige Antwort würde lauten, ja es gibt sie. Sie führt von Osten ab Invershin kommend nach Westen in Richtung Ullapool. Auf dem knapp 40 km langen Stück begegneten mir ca. 3 Pkw. Bei der enorm hohen Frequentierung benötigte man keine zweite Spur, alle ca. 300 m gab es einen Passing place. Bei Erfordernis konnte man dort aneinander vorbeifahren. Die oben beschriebene einspurige Straße westlich von Invershin kommt dem Fluss Oykel häufig sehr nahe. Ein Grund mit, dass man mehrmals auf Hinweisschilder trifft, die vor der Überflutung der Straße warnen.

Zu den folgenden Fotos gibt es eine kleine Geschichte, die ich ganz witzig fand. Mit Blick auf den Loch Borralan sah ich vor mir rechts ein Cafe. Ich freute mich riesig, nach 35 km in der Einsamkeit mal eine Pause einlegen zu können und ein wenig im Warmen zu sitzen. Also schloss ich mein Rad ab, nahm meine Wertsachen und machte mich auf den Weg ins Cafe.  Einen angenehmen Sitzplatz fand ich schnell, fünf Minuten saß ich schon, aber niemand erschien. Also ab zur Theke! Von dort hatte ich einen Blick in die offene Küche, alle Lichter waren an, an der Theke lief leise Musik und sonst war niemand zu sehen. Also sollte rufen doch wohl helfen dachte ich. Was mit einem leisen „Hello“ meinerseits begann, endete in einem sehr laut gerufenen „Hello“, jedoch ohne Erfolg. Also setzte ich mich wieder auf meinen Platz und wartete wohl nochmals 15 Minuten lang. Hier standen alle Räume offen, irgendwo musste doch schließlich jemand sein. Die Geschichte endete mit meinem Aufbruch, ohne auch nur einen Hund oder eine Katze zu sehen. Schade, ich hatte mich so auf den Kaffee gefreut.

Zwei Kilometer hinter dem Loch Borralan bog ich mit meinem Rad links ab auf die A835. Noch einmal musste ich mit meinem Rad auf eine Höhe von 250 m ü.N..N. hinauf, erreichte dann aber zügig Ullapool.

In Ullapool gibt es eine größere Fähranlegestelle, von dort kann man mit einer Fähre nach Stornoway auf Lewis, der Hauptinsel der Äußeren Hebriden fahren. Zum ersten Mal sah ich dort die Schiffe der Gesellschaft Caledonian MacBrayne, deren Schiffe ich auf meiner Radtour noch selber nutzen würde. Ullapool ist mit seinen 1500 Einwohnern die größte Siedlung in den sehr dünn besiedelten nordwestlichen Highlands. Der kleine Ort wurde 1788 als Hafen für den Heringsfang gegründet. Der Hafen ist auch heute noch der Mittelpunkt des Ortes, weil sich dort einfach alle in den wenigen Bars treffen, die der Ort zu bieten hat.

 

 

 


 

 Sturmböen in Achnasheen

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.08.2014 90 670 1070 7370 Camping Inverewe Gardens

 

Von Ullapool aus führte die Tagesetappe zunächst weiter der A835 folgend nach Süden. Ein letzte Blick auf den Hafen, noch ein paar Kurbelumdrehungen und schon war von dem Ort nichts mehr zu sehen. Etwa 20 km südlich von Ullapool führte mein weiterer Weg rechts ab auf die A832, die hoch in die Berge führt. In der engen Talschneise befindet sich der Corrieshalloch Gorge. Ich hätte den Hinweis fast übersehen, wenn am Straßenrand nicht ein Bus mit Touristen gestanden hätte. Die Schlucht ist nicht sehr spektakulär, aus dem Grund hielt ich auch nur kurz, redete ein wenig mit den Leuten und machte die zwei nachfolgenden Fotos.

Die Küstenstraße nach Achnasheen ist dort sehr schön, nur leider spielte das Wetter mal wieder nicht mit, immer wieder fing es etwas an zu regnen. Die wenigen Fotos, die ich machen konnte, zeigen ein wenig von der Atmosphäre, die dort herrscht. Mit der entsprechenden Sonneneinstrahlung sieht die Gegend sicherlich noch eindrucksvoller aus.

Ziemlich am nördlichsten Punkt meiner Tagesetappe sah ich über dem Meer immer wieder einen Hubschrauber fliegen, der etwas transportierte.  Wenig später kam ich zeitgleich an der Stelle an, wo der Hubschrauber gerade landete. Er transportierte eine Kabeltrommel übers Meer.

Bei meiner Ankunft in Achnasheen war der Spaß, ständig anzuhalten und Fotos zu machen, vorbei. Ich stand kaum auf dem Campingplatz, als ein gewaltiger Regen losbrach. Dazu zogen von Westen Windböen heran, die einen Aufbau des Zeltes unmöglich machte. Zuerst versuchte ich es alleine, drückte das Zelt flach auf den Boden und schlug ein paar Heringe ein. Bei der nächsten Windböe waren alle wieder draußen und ich konnte das Zelt gerade noch daran hindern, über den gesamten Campingplatz zu fliegen. Eine Nachbarin im Wohnwagen hatte mein Problem wohl erkannt und kam deshalb in Regenkleidung nach draußen. Dank ihrer Mithilfe stand das Zelt in 5 Minuten an seinem Platz, gesichert durch alle Abspannleinen, die es gab.

Ein Foto von dem Platz konnte ich an dem Tag nicht mehr machen, mir war alles einfach zu nass. Schön war, dass es neben meinem Stellplatz einen regengeschützten Unterstand mit Sitzmöglichkeit gab, dort konnte ich die erste Nässe von meiner Kleidung abtropfen lassen, ohne das neue gleich hinzukam. Mein Abendprogramm stand damit auch schon fest, es bestand aus „Fernsehgucken“ im Waschmaschinenfenster und anschließendem Warten auf das Trocknerprogramm.

 

 

 


 

 Von Achnasheen nach Lochcarron, Idylle pur!

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.08.2014 96 766 1080 8450 Reraig Campsite

  

Am Abend zuvor und in der Nacht hatte der Wind noch mächtig geblasen, als ich den ersten Blick aus meinem Zelt wagte, war nichts mehr davon zu spüren. Klar, der Rasen war noch mächtig nass vom nächtlichen Regen, mein Zelt war aber dicht geblieben und die ersten Sonnenstrahlen zeigten sich. Um es vorweg zu nehmen, an dem Tag blieb das Wetter mit Ausnahme eines kurzen Schauers sehr stabil. Sonne und Wolken wechselten sich zwar ständig ab und am Abend saß ich sogar noch in der Sonne am Meer.

Wenn ich auf das Höhenprofil des Tages schaue, dann sehe ich 6 Hügel, die ich jeweils von 0 m auf 140 m ü-N.N. hinauf musste. Nichts gewaltiges, die nordwestlichen Highlands lagen bereits hinter mir. Mit den kleineren Anstiegen zwischendurch kamen insgesamt 1080 Höhenmeter zusammen,  als sportliche Einlage mit Gepäck reichte das durchaus. Beim Verlassen von Achnasheen nahm ich auf der linken Seite der Straße sofort das Rauschen wahr. Durch den Regen war der River Ewe stark angeschwollen, die Wassermassen drängten ins Meer.

Danach freute ich mich über das kontrastreiche Wechselspiel zwischen Wolken und Sonne, der ruppige Abend zuvor war schon fast wieder vergessen, als ich den nachfolgenden Regenbogen über dem Meer sah. Mit dem Erreichen des kleinen Ortes Gairloch stand ich wieder am Meer und hatten den ersten der oben erwähnten 6 Hügel des Tages bereits überfahren. Dort gab es einen kleinen Supermarkt, der alles hatte, was so das Herz begehrt.

Wenige hundert Meter weiter dann ein neuer Blick, die Küstenlinie mit der alten Kirche links im Bild vergisst man nicht. Der zweite Anstieg des Tages hinauf zur Staumauer am Loch Bad An Sgalaig war „ein Katzensprung“ wie man so schon mal sagt, leider war es aber wieder etwas dunstig, entsprechend fiel die Qualität des nachfolgenden Fotos aus. Danach wurde es wieder etwas besser, so dass ich von der Landschaft am Loch Maree mal ein paar Fotos zeigen kann.

Am Straßenabzweig von der A832 auf die A896 gab es eine Tankstelle. Als ich dort ankam, fing es mal wieder ein wenig an zu regnen. Ein Grund mit, sich dort unterzustellen und im Rahmen der Pause dem Tankwart ein paar Fragen zu stellen. Grundsätzlich gab es zwei Möglichkeiten der Weiterfahrt. Ich konnte der A832 weiter folgen und dann über die A890 nach Südwesten radeln oder an der Tankstelle auf die A896 schwenken. Laut Auskunft des Tankwartes war die A896 die schönere Strecke, aus dem Grund wurde die Route auch meine Wahl.

Wenige Kilometer vor meinem Tagesziel am Loch Carron sah ich vor dem letzten Anstieg des Tages auf der linken Straßenseite das Kishorn Seafood Restaurant, die ideale Gelegenheit für ein letzte Pause. Ein sehr gemütlich eingerichtetes Cafe erwartete mich dort, mich zog es aber nach draußen, es war schön, mal ein wenig die Sonnenstrahlen zu genießen.

Von dem Campingplatz habe ich an dem Abend kein Foto gemacht, weil es mich einfach ärgerte, wie schrecklich der eigentlich war. Er lag ein wenig in den Hügel, ich musste aber nur ca. 50 m hinauf. Es lässt sich einfach zusammenfassen: ungepflegt Wiese, uraltes Waschhaus- ebenfalls schlecht gepflegt, keine Rezeption, aber trotzdem sofort abkassiert. Ich war ein wenig sauer. Am Abend radelte ich nochmal in den Ort um einzukaufen und noch ein wenig am Wasser zu sitzen.

 

 

 


 

 Ein Kurztrip über die Isle of Skye, Traumhafter Strand in Arisaig

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.08.2014 93 859 1180 9630 Invercaimbe Campsite

   

An dem Morgen hatte ich zum ersten Mal ein klein wenig Probleme mit den schottischen Midges. Es juckte ein wenig, aus dem Grund packte ich ziemlich schnell meine Sachen zusammen und machte mich früh auf den Weg. Das Campinggelände war ohnehin nicht gerade schön, daher nur schnell weg. Die ersten Kilometer führte mich meine Route um das nordöstliche Ende des Loch Carron herum, danach ging es viele Kilometer nach Südwesten in Richtung Isle of Skye. Über die A890 gelang mir dann „der Sprung“ auf die Nordseite des Loch Alsh.

Auf dem folgenden Foto sieht man im Hintergrund die Brücke, über die man auf die Isle of Skye gelangt. Wie nicht anders zu vermuten besitzt sie den Namen Skye-Bridge. Die Brücke besteht aus zwei Brückenbogen, die bis auf die in der Mitte liegende kleine Insel Eilean Bàn reichen. Sehr gut zu sehen ist das auf dem folgenden Foto, wo ich auf dem ersten Brückenbogen stehe. Auf der Isle of Sky, die sicherlich einen eigenen Besuch wert ist, blieb ich nur knapp 30 km. Ich radelte noch etwas an der Küste entlang um kurz hinter dem kleinen Ort Breakish nach Süden in Richtung Armadale abzubiegen. In Armadele wollte ich mit der Fähre wieder aufs Festland nach Mallaig übersetzen.

Den Fahrplan der Fähre von Armadale nach Mallaig hatte ich mir schon ausgedruckt von zu Hause mitgebracht. Daher wusste ich, dass die Fähre um 14:00 Uhr auslief. Ich hatte zwar noch Zeit, wollte aber sicher gehen und erhöhte deshalb das Tempo. Was ich bei meiner Fahrt erst spät bemerkte, war die Tatsache, dass ca. 300 m hinter mir ein Schotte auf dem Rad ständig versuchte mich einzuholen. Mal kam er ein wenig näher, ging es aber nur leicht bergauf, erhöhte sich der Abstand wieder, dabei hatte er eine Tasche am Rad, die leer zu sein schien. Irgendwann wurde es mir zu dumm, ich fuhr langsam weiter und kam so mit ihm ins Gespräch.

Als erstes beschwerte er sich darüber, wie es sein könnte, dass ich mit meinem vielen Gepäck noch so schnell unterwegs wäre. Ich erzählte ihm ein wenig von meinen Trainingskilometern, danach schwenkten wir das Thema. Ja, das Referendum war ein großes Thema. Ende September würde ganz Schottland darüber abstimmen, ob sie ein unabhängiger Staat würden. Er selber hatte dazu noch keine feste Meinung, zu komplex war das Thema. Er kannte aber Regionen, wie z.B. die Isle of Skye, wo die Bürger mit ziemlicher Sicherheit für die Unabhängigkeit stimmen würden. Dass es anders ausging, erfuhren wir Ende September, als ich bereits wieder zu Hause in Deutschland war. Kurz vor Armadale verabschiedete er sich von mir und wünschte mir auf meiner Reise noch viel Glück.

Die Fähre von Armadale nach Mallaig erreichte ich pünktlich. Ich freute mich darüber, konnte ich es auf den letzten Kilometern ab Mallaig doch richtig langsam gehen lassen.

Mallaig ist ein kleines Dorf mit nur ca. 800 Einwohnern. Haupteinnahmequellen sind der Fährhafen, die Fischerei und der Tourismus. Der Ort wurde erst 1840 von einem Lord namens Lovat als reiner Fischereihafen gegründet. Seine rasch wachsende Bedeutung im 20. Jahrhundert verdankt der Ort in erster Linie dem Anschluss an das britische Eisenbahnnetz im Jahr 1901, indem die Westhighland Railway von Fort William aus nach Mallaig ausgebaut wurde. Ab dem Zeitpunkt konnte der Fisch von Mallaig aus kostengünstig und schnell ins Innere des Landes befördert werden. 1932 verkehrte die erste Autofähre von Mallaig nach Skye, später kamen noch Fährverbindungen nach Rùm, Canna, Eigg, Muck und South Uist hinzu. Das Dorf ist heute stark vom Tourismus geprägt. Im Dorfzentrum gibt es mehrere Pubs, Restaurants und Läden als touristische Infrastruktur. Ich schaute mir den Ort ein wenig an und radelte danach noch ein paar Kilometer an der A830 entlang nach Süden. Am Straßenabzweig auf die B8008 bog ich rechts ab, ich wollte auf die Straße unmittelbar in Küstennähe.

So hügelig und schweißtreibend die B8008 führte, mit einer derartig schönen Küstenlinie hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Die Straße schlängelte sich durch die Dünenlandschaft, führte mal 10 m hoch und wieder runter, alles kurze Steigungen, die mich aber noch reichlich forderten. Die Belohnung für die letzten anstrengenden Kilometer waren die Ausblicke auf die Küstenlandschaft und mein Stellplatz auf dem Campingplatz direkt am Meer. Der Invercaimbe Caravan and Campsite war das Gegenteil von dem Platz am Abend zuvor. Nette Platzbesitzer, tolle Sanitäranlagen, schön gelegene Stellplätze, was wollte man mehr?

Das nachfolgende Foto mit einem Rückblick auf den Campingplatz habe ich auf meiner Fahrt nach Arisaig erstellt. Dort gab es einen Supermarkt. In der Mitte ist mein rotes Hillebergzelt zu sehen.

 

 


 

 Mein nächstes Ziel, die Isle of Mull

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.08.2014 87 946 1400 11030 Tobermory Campsite

   

Ungefähr 90 km über hügeliges Gelände standen auf dem Tagesprogramm, als ich vom Invercaimbe Campsite in Arisaig startete. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass mich auf dem letzten Drittel meiner Tagesetappe eine Küstenline erwartete, die schöner kaum sein konnte.  Das Teilstück führte auf der Nordseite des Loch Sunart nach Westen bis in den Fährort Kilchoan, von dem aus ich die Fähre nach Tobermory (Isle od Mull) nehmen wollte. Nachstehend mal ein paar Fotos von den ersten Eindrücken am frühen Morgen.

Auf dem nächsten Foto ist ein Shop zu sehen, der leider geschlossen war. Er war so etwas wie das Kommunikationszentrum des kleinen Ortes Genuig, dessen ca. 5 Häuser auf der anderen Straßenseite zu sehen waren. Später in der Nähe des kleinen Ortes Langal sah ich an einem Baum ein Schild mit der Aufschrift „WE SUPPORT DOCTOR BUCHANAN“. Ich vermutete, dass WE = Weekend bedeutete,  jedenfalls war der Wochenenddienst damit wohl klar geregelt. Noch Fragen?

Wenige Kilometer weiter begann die oben bereits erwähnte schöne Straßenführung auf der Nordseite des Loch Sunart entlang. Und wie sollte es anders sein, vor Kilchoan machte die Straße noch einen Bogen nach Norden, dabei ging es mächtig in die Berge.

Bei meiner Ankunft in Kilchoan hatte ich Glück, die Fähre lief gerade in den kleinen Hafen ein. Dort traf ich auch auf einen Franzosen mit Sohn und Tochter, der mit den beiden auf Rädern unterwegs war. Sie wollten in Tobermory nicht auf den nahen Campingplatz, sie hatten im Ort wohl Zimmer vorgebucht. Sie kamen aus Paris und hatten insgesamt nur zwei Wochen Zeit, schienen aber sehr zufrieden mit ihrer selbstgeplanten Route an der Westküste entlang.

Ich war bereits etwa um 16:00 Uhr in dem kleinen Ort, hatte also Zeit, eine Kleinigkeit zu essen und dem Treiben im Ort zuzusehen. Tobermory hat wohl einen Whiskey Brennerei gleichartigen Namens, dich ich aber mangels Interesse an schottischem Whiskey nicht besuchte. Nach meiner ausgiebigen Pause und einem Einkauf im Supermarkt kurbelte ich mein Rad noch einmal einen steilen Berg hinauf. Der Campingplatz lag etwas außerhalb des Ortes, war aber alles in allem ganz in Ordnung.

 

 


 

 Mit der Fähre von Craignure nach Oban

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24.08.2014 40 996 380 11410 Oban Caravan Park

   

Mit 40 km war das die kürzeste Tagesetappe meiner Tour. Auf der Nordseite der Ilse of Mull wollte ich bis zum Fährort  Craignure radeln, um dann mit der Fähre nach Oban überzusetzen. Zum zweiten Mal auf meiner langen Reise hatte ich an dem frühen Morgen „Midges-Alarm“, wobei das von zu Hause mitgebrachte „Avon skin so soft“ tatsächlich half. Der „Angriff“ der winzigen Beißmücken erfolgte bei mir so schnell, dass ich das mitgenommene engmaschige Netz noch gar nicht ausgepackt hatte, da war es schon zu spät. Der Juckreiz war nicht besonders stark, aber unangenehm und da half das Öl enorm, weil es den Juckreiz unterdrückte. Die kleinen roten Pünktchen auf der Haut verschwanden dann ohnehin relativ schnell. Also alles zügig zusammengepackt und wieder aufs Rad. Das Wetter war an dem Tag an der Nordküste der Isle of Mull traumhaft schön, immer wieder hielt ich an und „zückte“ meine Spiegelreflexkamera.

Die ersten 35 km waren bei dem herrlichen Wetter natürlich schnell geradelt, bei der Ankunft in Craignure erfuhr ich dann, dass die nächste Fähre erst in 1 ½ Stunden fuhr. Das war aber auch egal, ich hatte viel Zeit und auf der anderen Seite in Oban waren es ohnehin nur noch wenige Kilometer bis zum Campingplatz. Also machte ich es mir draußen vor einem Cafe gemütlich und genoss die „Zwangspause“ im Sonnenschein.

Die Fähre, die später anlegte, war wieder eine der großen Fährgesellschaft Caledonian Mc Braine. Der Ort Oban lag auf der anderen Seite des Hafens, dass war wohl der Grund, warum ich direkt zum Campingplatz radelte. Auf der kleinen Straße von Oban zum Campingplatz war es merklich voll, überall standen Autos am Straßenrand. Es war Sonntag und viele Schotten verbrachten den Tag am Meer.

Der Campingplatz in Oban ist sehr schön! Er liegt an einem Hang, mit einem tollen Ausblick aufs Meer und in die umliegenden Berge. Eine Holzhütte als Rezeption mit einem kleinen Shop rundet das ganz ab. Für die nötigsten Einkäufe muss man also nicht mehr zwingend in die Stadt. Standen bei meiner Ankunft noch wohl zehn Zelt auf dem Platz, so war ich am Abend fast alleine. Die meisten waren wohl nur am Wochenende da, um das schöne Wetter am Meer zu genießen.

 

 


 

 Kilmelford, 3 Häuser, eine Kirche, ein Shop, ein Hotel

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25.08.2014 65 1051 710 12120 Lochgilphead Campsite

  

Mein Tagesziel war der von Oban ca. 65 km entfernte Ort Lochgilphead. Auf dem Weg wollte ich mir in Kilmartin das gleichnamige Castle ansehen, so sah es meine Planung vor. Warum alles ein wenig anders verlief dazu später mehr. Erst radelte ich am Meer entlang nach Oban zurück, um direkt nach Süden auf die A816 zu schwenken. An dem Morgen war glücklicherweise nur sehr wenig Verkehr, ungefährlich war die Strecke deshalb nicht, weil sehr kurvenreich.

Bei der Ankunft in dem kleinen Ort Kilmelford fiel mein erster Blick auf das am Straßenrand stehende Hotel, welches man leicht von oben sieht. In Schottland gab es immer mal wieder so faszinierende Orte, die aus ca. 3 Häusern, einem großen Hotel, einem eher kleinen Shop und einer Kirche bestanden. Irgendwie lockte der Ort mich, dort einen Kaffee zu trinken. Das Hotel hatte geöffnet und es dauerte nicht lange, da stand mein Kaffee auf dem Tisch. Kurze Zeit später war ich wieder für wenige Kilometer am Meer.

In Klimartin trat dann das ein, was ich schon fast wieder geahnt hatte. Das Castle war Privatbesitz und daher für die Öffentlichkeit gesperrt. Im Ort gibt es eine alte Kirche mit angrenzendem Friedhof, die sah ich mir quasi als Ersatz dann an. Am frühen Nachmittag traf ich in Lochgilphead am Campingplatz ein.

 

 


 

 Ein Ausflug auf die Isle of Arran

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.08.2014 72 1123 680 12800 Sandylands Park

     

Wenn ich an die ersten 4 Tage im Nordwesten des schottischen Hochlandes zurückdachte, dann fielen mir alle Wetterlagen ein. Angefangen von kurzen Regenschauern bis hin zu Windböen im Regen, die das Zelt fast wegfliegen ließen, es war alles dabei. Seit Tagen hatte es sich aber deutlich gebessert und war sehr stabil.

Als ich in Lochgilphead startete, schien die Sonne wieder in voller Pracht. Zuerst verabschiedete ich mich noch von einem Schotten, der am Abend zuvor noch mit seinem Rad am Campingplatz eingetroffen war, dann ging es los. Ich hatte mir den Namen nicht notiert, deshalb nenne ich ihn hier mal nach dem ehemaligen schottischen König Robert the Bruce (1274 – 1306). Robert lebte auf den Isle of Skye und wollte mit dem Rad nach Irland. Was ihn sichtlich freute, waren am Abend zuvor meine Tipps von meiner Tour rund um Irland ein Jahr zuvor. Umgekehrt bestätigte er meine Wahl, am Tag darauf über die Isle of Arran zu fahren, sie wären wunderschön.

Auf den letzten knapp 10 Kilometern zwischen Tarbert und Claonaig, dem Fährhafen zur Isle of Arran (Lochranza), zeigte es sich mal wieder, dass sich quälen können auf dem Rad irgendwie dazu gehörte. Auf der winzigen Zufahrtsstraße zum Hafen ging es mehrere Male steil bergan. Nie sehr lang, aber Steigungsprozente um 12 % machten es mir nicht leicht. Hinzu kam der Blick auf die Uhr, je länger ich für den Anstieg benötigte, je mehr bestand die Gefahr, die nächste Fähre zu verpassen. Als ich in Cloanaig ankam hatte ich noch fast eine halbe Stunde Zeit bis die Fähre kam, so schaffte man es, sich im Urlaub selber unter Druck zu setzen. Ein wenig abgekämpft wie ich war, freute ich mich trotzdem darüber pünktlich mit der Fähre zu fahren. Bei meiner Ankunft fiel mir sofort auf, das Lochranza nur aus einer schmalen Straße und einer Häuserreihe besteht. Am Ende der Straße war dann sehr schnell auf der linken Seite das alte Castle zu sehen.

Das Lochranza Castle steht auf einer kleinen Landzunge, die in den südwestlichen Teil der Bucht Loch Ranza hineinragt. Im 13.Jahrhundert von den Mac Sweens errichtet, wurde sie im Jahr 1266 Eigentum des schottischen Königshauses. Über die Campbells kam die Anlage in den 1450er Jahren an die Familie Montgomerie, die die Burg zu einem Tower house umbaute, ehe sie zu Beginn des 18.Jahrhunderts als Pfand für einen Kredit an die Herzöge von Hamilton kam. Nicht einmal 100 Jahr später war die Anlage schon verlassen und ohne Dach, so dass sie im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer Ruine verfiel.

Beim Verlassen des kleinen Ortes fiel mir sofort die weithin sichtbare ansteigende Straße auf. Auf der Nordseite war auf dem ersten Stück wohl die Küste zu steil, um die Straße direkt am Meer entlang zu führen. Also kurbelte ich die Straße durch eine breite Talschneise hinauf, nur um im Anschluss wieder direkt zur Küste hinab zu sausen. Mein erstes Tagesziel war der Fährhafen Brodick, von dem aus ich mit der Fähre nach Ardrossan übersetzen wollte. Vor Brodock gibt es an der Ostküste der Isle of Arran noch die kleinen Orte Sannox und Corrie, durch die ich langsam fuhr. Als ich in Brodick ankam, stand die Fähre schon im Hafen, ich konnte also ohne große Zeitverzögerung direkt aufs Schiff. Nachstehend habe ich von der Überfahrt nach Ardrossan mal einige Fotos eingestellt. Bei der Ankunft in Ardrossan zeigte sich mir der Ort als ziemlich schmucklos. Ein nicht besonders schöner Hafen und schmuckloser Ort sind mir in Erinnerung geblieben, die nachfolgenden Fotos bestätigen das wohl.

Der Campingplatz, auf dem ich übernachten wollte, war nur noch wenige Kilometer vom Fährhafen entfernt. Ich radelte nah an der Küsten entlang und staunte sehr darüber, wie riesig der Strand war. Der Sandylands Park auf dem ich übernachtete, war eher ein Freizeitpark für Kinder. Man konnte dort feststehende Caravans mieten, Freiflächen für Zelte gab es dort eigentlich nicht. Die Rezeption war aber mit einer netten Dame besetzt, die zwar zunächst nachdenklich schaute, mir dann aber eine Lösung bot, die vollkommen in Ordnung war. Ich bekam einen Stellplatz auf einem Rasenteil, der wohl eher zum daneben befindlichen Luxus Waschhaus gehört. Dahinter befand sich zwar eine Bahnlinie, aber das war auch ok. Eine andere Chance hatte ich ohnehin nicht, weil es in der Nähe keinen anderen Platz gab.

 

 


 

 An der Küste westlich vom Flughafen Glasgow-Prestwick

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.08.2014 70 1193 600 13400 The Ranch Campsite

     

An dem Tag radelte ich an der Westküste Schottlands entlang nach Süden. Ursprünglich war mein Ziel der Campingplatz in Aye mit dem Namen Craigie Gardens, dort konnte ich aber nicht übernachten, weil es nur Stellplätze für Caravans gab. Als Tipp gab man mir den Campingplatz „The Ranch“ in Maybole mit auf den Weg, bis dorthin war es aber noch ca. 17 km weiter als ursprünglich vorgesehen. Die folgenden Fotos wurden noch beim Start in Sandylands gemacht, sie geben einen kleinen Ausblick auf den riesigen Freizeitpark.

Um die Städte zu umfahren, schaute ich an dem Morgen immer wieder auf mein GPS-Gerät. Es gab auf dem Kartenmaterial einen Track, den National Cycle Network Route 73 , der immer wieder durch kleine Parks oder am Meer sowie Bahnlinie entlang führte. An der Westseite des großen Ortes Irvine machte ich das nachfolgende Foto von der kleinen Brücke über den River Irvine, danach ging es wieder an der Küste entlang bis zum Hafen in Troon. Kurz hinter dem Ort Troon gab es direkt an der Uferpromenade einen Kiosk, in dem man auch eine Kleinigkeit zu essen bestellen konnte, dort wurde also eine Mittagspause eingelegt.

Danach radelte ich an einem Golfplatz entlang bis zum Flughafen von Glasgow Prestwick. Dort wartete ich ca. 10 Minuten lang, weil ich unbedingt ein Flugzeug bei der Landung aufnehmen wollte, was mir auch gelang. In Ayr folgte ich meinem GPS-Track zunächst zum Campground Craigie Gardens, auf dem ich wie oben schon beschrieben leider nicht unterkam. Dabei ging es ein wenig durch die Stadt, wie man auf den Fotos sieht.

Den ca. 15 km entfernten Ort Maybole fest im Blick, ging es zunächst wieder an die Küste zurück, um von Norden her auf einer kleinen Straße direkt nach Maybole zu radeln. An der Küste kam ich noch an den Ruinen des alten Greenan Castle vorbei, viel gab es da aber nicht mehr zu sehen.

Was ich bei meiner Planungskorrektur übersehen hatte, war die Tatsache, dass der von mir gewählte landwirtschaftliche Weg über einen Berg führte. Auf dem nachstehenden Höhenprofil des Tages sieht man sehr schön, dass es steil auf 225 m Höhe hinauf ging und das bei teilweise geschätzten 16 % Steigung. Der Campingplatz „The Ranch“ zeigte sich ähnlich wie in Ayr als Caravanplatz, der Besitzer war nur viel zuvorkommender und zeigte mir meinen Stellplatz auf dem Fußballplatz. Wie man auf dem folgenden Fotos sehen kann, war ich alleine auf der großen Wiese. Der Platz war ansonsten hervorragend ausgestattet, bessere Duschen und Sanitäranlagen hatte ich auf meiner ganzen Tour bisher nicht gesehen.

Am späten Nachmittag fuhr ich noch nach Maybole in den Ort.

 

 


 

 Auf 440 m Höhe geht es hinauf in den Galloway Forest National Park

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.08.2014 90 1283 760 14160 Anwoth Campsite

     

Knapp 1.200 km war ich mit meinem Rad insgesamt schon durch Schottland getourt, als ich an dem Morgen in Maybole startete. Die Sonne schien seit Tagen schon, mehr konnte ich vom Wetter in den letzten Tagen kaum erwarten. Die Fahrt führte an dem Morgen über Straiton bis dicht an die Grenze des Galloway Forest National Park. Nachts hatte es wohl hier und da mal ein wenig geregnet, die Straßen waren etwas nass, Wolken waren aber zunächst nicht zu sehen. Das änderte sich, je höher ich im Galloway Forest National Park kam. Die Straße führt dort bis auf eine Höhe von 440 m ü.N.N. hinauf, es wurde immer dunstiger und Regen setzte ein. Die Abfahrt war leider in voller Regenkleidung kein Genuss, die Brille war ständig beschlagen, weshalb ich mehrmals  anhalten musste. Ein letztes Foto machte ich an einem Schild in 433 Metern Höhe. Von der Abfahrt gibt es kein Foto, weil es ohne Unterbrechung durchregnete.

Am südlichen Ende erreichte ich nach einer langen Abfahrt im Regen und einem Schwenk auf die A714 den Ort Newtown Stewart. Bis zur Südküste war es nicht mehr weit und der Regen hörte langsam auf. Mein Tagesziel, der Campingplatz Anwoth in Gatehouse of Fleet, war mit dem Erreichen der Küste noch ca. 20 km entfernt, über die Strecke gab es aber nicht viel zu schreiben, da sie überwiegend an der A 75 entlangführte. Auf der Straße gab es nicht viel Verkehr, die wenigen Autos oder ein Lastwagen fuhren jedoch reichlich schnell, was ich als unangenehm empfand.

Der Anwoth Holiday Park in Gatehouse Flat war zwar klein, aber sehr hübsch. Die Besitzerin war eine nette Person, die mich sofort mit allen nötigen Informationen versorgte. Meinen Stellplatz durfte ich, wie so häufig schon, selber aussuchen. Als ich mich aufmachte, mir den kleinen Ort Gatehouse of Fleet mal näher anzusehen, schien die Sonne wieder und keine Wolke war mehr am Himmel zu sehen.

Gatehouse of Fleet entstand erst Mitte des 18. Jahrhunderts. Das erste Bauwerk der Stadt ist ein früheres Lagerhaus und heutiges Hotel, das 1765 gebaut wurde. Ursprünglich war Gatehouse nur ein Posten der wichtigen Route nach Portpatrick und Irland, entwickelte sich aber bis 1850 zu einem großen Standort der Baumwollverarbeitung. 1795 hatten sich bereits vier Baumwollspinnereien, eine Messinggießerei, eine Brauerei, eine Seifenfabrik, eine Gerberei und doppelt so viel Leute wie heute angesiedelt. Ich selber fand den Ort recht hübsch, schlenderte ein wenig die einzige Hauptstraße entlang, kaufte ein und machte hier und dort ein Foto im Ort.

 

 


 

 Einsam und verlassen, das Castle Haven in Borgue, Kirkcudbright

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.08.2014 55 1338 560 14720 Islecroft Campsite

     

Schon früh am Morgen verließ ich Gatehouse of Fleet auf schon fast einsamen Waldwegen. Der nicht asphaltierte Weg führte an einem eindrucksvollen Golfplatz und am zugehörigen Cally Hotel vorbei. Danach ging es unter die A75 hinweg weiter durch den Wald nach Süden. Hinter dem Wald traf ich dann wieder auf befestigte Wege. Im Wald war es noch etwas matschig an dem Morgen, die Sonne hat die Feuchtigkeit noch nicht verdrängen könne, auf festem Untergrund kam ich natürlich wieder zügiger voran. Was mir an dem Morgen gefiel, dass war die klare Luft und ich freute mich auf den Tag.

Nach ca. 6 weiteren Kilometern in Richtung Süden traf ich kurz vor dem Meer auf einen landwirtschaftlichen Gebäudekomplex, der alt und verlassen da lag. Am Tor hing ein Schild mit dem Hinweis „Castle Haven, Borgue, Kirkcudbrigght“ und dem Verbot das Gelände zu betreten, weil es gefährlich sei. Neugierig geworden durch den Turm, der wie ein Wehrturm aussah, schob ich mein Rad bis zum Tor, an dem auch das folgende Schild angebracht war. Ich traute mich dennoch wenige Meter auf das Gelände, um das folgende Foto zu erstellen, danach ging ich zügig wieder runter, dass Schild hing ja nicht ohne Grund da.

Wieder zu Hause in Deutschland ließ mir das Gebäude keine Ruhe. Eine Recherche ergab, dass es erst gut 100 Jahre alt war und für 475.000 Pfund zum Verkauf angeboten wurde. Zu den alten Gebäuden gehörten natürlich riesige landwirtschaftliche Nutzflächen. Auf meinem Weg nach Kirkcudbright kam ich noch an der kleinen Häuseransammlung Kirkandrews vorbei. Dort machte ich noch ein paar Fotos von der Kirche und dem alten angrenzenden Friedhof.

Weiter an der Küste entlang erreichte ich dann ziemlich schnell das kleine Hafenstädtchen Kirkcudbright. Was gibt es in dem kleinen Ort zu sehen? Bei meiner Ankunft über die Straße von Nordwesten kommend natürlich zuerst der Hafen. Über eine Brücke gelangt man in den Ort, unter der der River Dee gemächlich ins Meer fließt. Darüber hinaus besitzt der Ort ein kleines Castle, welches man besichtigen kann. Das Maclellan´s Castleliegt mitten im Ort, verfehlen kann man es somit kaum. Für mich war das der ideale Ort, um eine Mittagspause einzulegen.

Um die Mittagszeit herum radelte ich dann weiter bis in den kleinen Ort Gelston. Dort verließ ich die B727, um in einem westlichen Bogen über Castle Douglas nach Dalbeattie zu gelangen. In dem Ort gab es den Islecroft Caravan & Camping Park, das war mein geplanter Übernachtungsort.

Am Eingang des kleinen Campingplatzes empfing mich ein alter Herr, der die Rezeption wohl nur stundenweise betreute. Er gab mir einen Schlüssel für das Duschgebäude, nahm die 10 Pfund entgegen und schon war er wieder weg. An dem Abend schaute ich mir den Ort ein wenig genauer an. Mein Abendessen nahm ich in einem kleinen Restaurant ein, wo viele Einheimische einkehrten. Meist war das ja ein Garant für gutes Essen und entsprechendem Service. Es stimmte, ich hatte die richtige Wahl getroffen.

 

 

 


 

 Radschaden vor Gredna Green. Ein Dankeschön an Hans Lof

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.08.2014 82 1420 500 15220 Braids Caravan Park

      

Dass ich an dem Abend in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz von Gretna Green gemeinsam mit einem niederländischen Ehepaar Fish and Chips essen würde, das ahnte ich an dem Morgen sicherlich noch nicht, als ich in Dalbeattie startete. Wie es dazu kam, erkläre ich etwas später in diesem Tagesbericht. Ich verließ Dalbeattie am frühen Morgen zunächst auf dem direkten Weg über die A711. Von dort hätte ich direkt nach Dumfries radeln können, mich zog es aber etwas nach Norden. Parallel zur A711 gab es eine alte Military Road, die mich in einem Nordostbogen viel ruhiger nach Dumfries führte.

Gemessen an Städte im Ruhrgebiet ist Dumfries mit seinen knapp 40.000 Einwohnern nicht wirklich groß, aber dennoch ist es die größte Stadt im Süden Schottlands. Dumfries liegt am Nith River, der etwas südlich der Stadt durch den Solway Firth ins Meer mündet. Der Ort besitzt einen historischen Ortskern. Das älteste Gebäude der Stadt ist das Old Bridge House aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Schon bei meiner Ankunft fielen mir die roten Ziegelbauten auf, die wohl ein wenig typisch für den Ortskern sind. Eine Fußgängerzone ohne PKW Verkehr sorgt im Kern der Stadt für Ruhe, was mir persönlich sehr gefiel. Nach einer Pause in der Innenstadt radelte ich über die Buccleuch Bridge auf die östliche Flußseite des River Nith. Die National cycle route Nr. 7 führte auf der anderen Seite am Nith River entlang weiter nach Süden.

Weiter im Süden mündet der River Nith in den Solway Firth, immer breiter von Sandbänken durchzogen, fließt der Nith River dort mit gemächlicher Strömung ins Meer. Nur wenig Kilometer weiter stand ich mit meinem Rad am Meer. In dem Bereich, wo die Straße die südliche Richtung verlässt und nach Nordosten schwenkt, gibt es eindrucksvolle Sehenswürdigkeit, das Castle Caerlaverock. Man sieht das Castle von der Straße schlecht, es ist aber aufgrund des Schildes auf dem folgenden Foto kaum zu verfehlen.

Der Grundstein für die Burg wurde um 1270 gelegt. Sie ist die einzige dreieckige Wasserburg in Schottland. An der nördlichen Ecke befindet sich das Torhaus, das aus einem Doppelturm besteht. Die Burg ist komplett von einem wassergefüllten Graben umgeben und wurde nicht wie viele andere Burgen, auf einem Felsen errichtet. Caerlaverock Castle war Herrschaftssitz des Maxwell-Clans. Im Jahr 1300, während des schottischen Aufstands gegen die englische Oberherrschaft, wurde es von König Eduard I. belagert, da dieser alle in unmittelbarer Nähe zu England befindlichen Burgen auch in englischer Hand sehen wollte. Er befürchtete, dass genau von diesen Burgen aus Angriffe auf sein Königreich durchgeführt werden könnten, weshalb er sie schleifen wollte. Während der Belagerung setzte König Eduard Katapulte ein, die zwar einige Mauern zum Einsturz brachten, jedoch den mächtigen Wehrtürmen nur bedingt etwas anhaben konnten. Trotz der hervorragenden Verteidigungsmöglichkeiten gelang es Eduard schließlich, mit den Katapulten und 87 aus England, der Bretagne und Lothringen stammenden Rittern sowie 3000 Gefolgsleuten die lediglich von 60 Mann verteidigte Burg zu erobern. Für die nächsten 13 Jahre war sie dann in englischem Besitz, ehe sie schließlich wieder zurück an die Schotten fiel.

Nach der eindrucksvollen Besichtigung folgte ich mit meinem Rad der National Cycle Rout Nr. 7 weiter nach Osten. Über Annan führte dieser Weg bis an mein Tagesziel, einem Campingplatz in Gretna Green. Und kurz vor Annan geschah dann etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, der Freilaufkörper am Hinterrad war defekt. Fahrtechnisch bedeutete das für mich, das ich immer mittreten musste, um die Kette unter Spannung zu halten. Hörte ich zu treten auf, fiel die Kette in der Mitte zwischen Tretlager und Hinterrad durch, was nicht ungefährlich war. In der Innenstadt von Annan hielt ich an einer Bank und lud mein Gepäck vom Rad. Äußerlich war am Laufrad kein Schaden zu sehen, der Freilaufkörper drehte sich nur nicht zurück. Zwei drei Passanten fragte ich nach einem Radgeschäft, in Annan gab es das aber leider nicht.

Bis Gretna Green waren noch gut 10 km zu radeln, daher entschied ich mich zunächst, bis in den Zielort zu radeln. Vielleicht gab es in Gretna Green ein Radgeschäft, um mein Problem zu lösen. Weil das Laufrad noch nicht alt war, machte ich mich etwas verärgert wieder auf den Weg, aber was nutzte mir das? Nichts!  An der Rezeption in Gretna Green half man mir, indem man mir ein Radgeschäft im britischen Longtown empfahl. Das war nur ca. 8 km entfernt, damit kam ich zumindest der Lösung meines Problems einen kleinen Schritt näher. Also erst einmal das Zelt aufgebaut und die Taschen vom Rad.

Dann kramte ich mein Werkzeug aus der Ortliebtasche und entfernte den Zahnkranz vom Freilaufkörper. Bei einem genauen Blick konnte ich den Schaden erkennen, der Freilaufkörper war in Längsrichtung komplett durchgerissen. Während ich mein Rad wieder zusammenbaute, um nach Longtown zu radeln, stand plötzlich ein Niederländer namens Hans Lof vor mir und bot mir Hilfe an. Danach  ging alles sehr schnell! Mein Koga abgeschlossen und mit dem defekten Laufrad in der Hand, stieg ich in seinen großen Hyundai Kastenwagen, um mit ihm nach Longtown zu fahren.

Beide kamen aus  `s-Hertogenbosch, wobei Hans bereits seit 3 Monaten in Schottland unterwegs war. Marianne war vor drei Tagen nachgekommen, um ihren Mann ab jetzt noch drei Wochen zu begleiten, am 21.09. wollten sie wieder nach Hause zurück. In Longtown war das Problem schnell gelöst. Einen Freilaufkörper hatten sie für meine XT-Nabe zwar auch nicht vorrätig, ich kaufte aber ein komplettes neues Hinterrad für 40 Pfund, damit war ich meine Sorge los.

Von Hans und Marianne erhielt ich dann noch die Einladung zum Fish and Chips Essen in ihrem Wohnwagen, ein netter Abend schloss sich an, den man nicht vergisst. Um die Geschichte abzuschließen, ist auch noch schnell erzählt, das Hans und Marianne mein altes Laufrad mit nach Hause nahmen. Von dort wurde es mir dann nach Hause zugesandt.

DANKE Hans, DANKE Marianne für die nette Hilfe in Gretna Green.

 

 


 

 Ein Ausflug nach Großbritannien in  den Northumberland Park

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
31.08.2014 80 1500 880 16100 Kielder Campsite

       

Sehr herzlich verabschiedete ich mich an dem Morgen noch von Hans und Marianne Lof. Dank ihrer Hilfe war der Zeitplan meiner Radtour nicht durcheinander geraten, dass freute mich sehr. In einem nördlichen Bogen folgte ich wie am Tag zuvor zunächst der National Cycle Route Nr. 7. Diese führte an einigen Bauernhöfen vorbei direkt nach Longtown zu dem von mir besuchten Radgeschäft „BIKESEVEN“. Es war Sonntag, daher war es geschlossen, sonst hätte ich mich für die spontane Hilfe vielleicht noch bedankt und ein Foto mit dem Monteur gemacht, der den Schaden zunächst beheben wollte, bevor es zu dem Kauf eines Hinterrades kam.

Hinter Longtown traf ich auf die alte Kirche Saint Michael mit einem sehr großen Friedhof. Dort machte ich kurz die folgenden Fotos. Sehr viele Gräber waren noch aus dem 19. Jahrhundert, teilweise auch noch älter.

Die Landschaft war durchgängig hügelig, an viele Bauernhöfe radelte ich vorbei und genoss die letzten Minuten der Sonntagsruhe. In Luftlinie etwa 10 km östlich von Longtown unterwegs gab es plötzlich einen Knall und ich dachte im ersten Moment, dass eines der Laufräder einen Plattfuß hätte. Nein, es war wie im Vorjahr die Sattelbefestigungsschraube. Mit Sattel und den restlichen Befestigungsteilen des Sattels machte ich mich auf den Weg zum nächsten Bauernhof, wo man mir zügig half. Der Bauer ging mit mir in seine Werkstatt und fand auch eine Schraube, mit der wir nach einer Längenkürzung den Sattel wieder befestigt bekamen. Die ganze Familie stand inzwischen angelockt von meinem beladenen Rad an der Straße, als ich mich mehrmals für die Hilfe bedankte und wieder in Richtung Norden verschwand.

Vom Rest des Tages gibt es relativ wenig zu schreiben! Vor Newcastleton kehrte ich wieder nach Schottland zurück, nur um wenige Kilometer später wieder über die Grenze in den Northumberland Park zu fahren. Nachfolgend habe ich mal ein paar Fotos zusammengestellt.

Wenige Kilometer hinter der Grenze liegt der Kielder Forest Park. Dort gibt es einen Campingplatz, der mir sehr gut gefiel. Ein zuvorkommender Besitzer, der mich fürsorglich mit allen Informationen versorgte, die mir fehlten, eine Waschmaschine, Trockner, was brauchte ich mehr. An dem Abend radelte ich noch ein wenig in den Kielder Forest Park, um mir das Kielder Castle anzusehen. Dort fand ich auch ein akzeptables Restaurant, in dem ich mein Abendessen einnahm.

 

 


 

 Auf dem Weg zum Thirlestane Castle liegt die Jedburgh Abbey

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.09.2014 77 1577 870 16970 Thirlestone Castle Campsite

       

Dass es nicht nur in den Highlands im Norden hügelig ist, das zeigt das folgende Höhenprofil meines 21. Radtages, auf dem es mal wieder auf 400 m Höhe in die Berge ging. Mich störte das ja schon seit Jahren nicht mehr, zumal man in den Bergen die schönsten Ausblicke bekam. Mit meiner Fahrt nach Norden ging meine Radtour langsam dem Ende zu. 1.500 km und 16.100 Höhenmeter war ich inzwischen unterwegs und hatte bereits sehr viel von Schottland gesehen.

Am frühen Morgen radelte ich zunächst die wenigen Anfahrtskilometer des Vortages zurück. Kurz über einen kleinen Hügel und schon stand ich nach wenigen Kilometern wieder auf schottischem Terrain. Über die B6357 ging es dann immer weiter bergauf in Richtung Norden. Die Steigungen waren nicht außergewöhnlich steil, um gehörig ins Schwitzen zu kommen reichte es aber sehr wohl.

Bei der Ankunft in Jedburgh fällt einem sofort die riesige Abtei in den Blick, die einfach toll anzusehen ist. Jedburgh Abbey ist die Ruine eines Augustinerklosters. Die Abtei wurde im 12. Jahrhundert im Auftrag von David I. von Schottland gegründet. Dieser beorderte nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1118 Augustinermönche aus Bouhy (Frankreich) nach Jedburgh und begründete dadurch das Kloster. Das neu gegründete Ordenshaus bekam für die ersten Jahre den Rang einer Priorei, später den eines Klosters und nach dem Tod König David I. den einer selbstständigen Abtei. Das Kirchenschiff und der Chor wurden im 13. Jahrhundert erbaut. Das Bauwerk galt als eines der schönsten Beispiele normannischer Architektur.

Vor einem nahegelegenen Fastfood Restaurant legte ich eine Mittagspause ein. Bei der Bestellung meines Essens staunte ich nicht schlecht, als mir der Mann hinter der Theke in echtem Berliner Akzent klar machte, dass ich mit ihm in deutscher Sprache reden könnte. Er hätte an meinem Akzent lange bemerkt, dass ich Deutscher wäre. Auf meine Nachfrage hin erzählte er mir dann, dass er über 70 Jahre alt wäre und bereits seit 50 Jahren in Jedburgh lebte. Er war in jungen Jahren ausgewandert und hier einfach hängen geblieben.

Die weitere Strecke in Richtung Lauder, meinem Zielort, war nicht sehr schön zu befahren, zu sehr störte der PKW und LKW-Verkehr. Einen kurzen Zwischenstop hatte ich noch in Earlston, ansonsten fuhr ich auf der A68 bis nach Lauder durch.

Der Campingplatz am Thirlestane Castle liegt noch vor dem Ort Lauder. Dort bemerkte ich als erstes, dass mit dem Beginn des Septembers die Saison vorbei war. Mein Zelt stand alleine auf dem Rasen, in der Nähe ein paar Wohnwagen, ein Reisemobil, ansonsten war dort nicht mehr viel los. Mein Versuch, mir am späten Nachmittag das Thirlestane Castle anzusehen, ging schief. Ich kam nur ein kurzes Stück auf das Schlossgelände, welches hinter dem Campingplatz liegt und dann war Schluss. Ich schaute mir noch ein wenig den Ort Lauder an und verbrachte den Rest des Abends auf dem Campingplatz.

 

 

 


 

 Der Kreis schließt sich, erste Sightseeingtour in Edinburgh

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.09.2014 74 1651 730 17700 Linwater Caravan Park

        

Schon bei der Planung zu Hause war es mir schwer gefallen, eine Streckenführung für eine Rückkehr nach Edinburgh zu finden, die einigermaßen Ruhe versprach. Kleine Straßen nach Edinburgh gab es nicht, wenn es kleine Straßen im Umfeld gab, dann waren es immer Strecken, welche die Hauptstraßen miteinander verbanden.

Aus dem Grund gibt es keine Fotos von unterwegs, ich radelte fast ohne Unterbrechung, konzentriert auf den rückwärtigen Verkehr achtend bis Edinburgh durch. In knapp drei Stunden stand ich nach ca. 50 km bereits in der Innenstadt. Für einen ersten Eindruck reichte mir das. Wohlwissend, dass ich einen Tag später nochmal zurückkehren würde, machte ich mich auf die noch ca. 17 km lange Fahrt zum Linwater Campingplatz. Dort hatte meine Tour begonnen, dort würde sich der Ring meiner Schottlandumrundung schließen.

Einen Tag früher als in der Planung vorgesehen, stand ich wieder am Start/Ziel-Ort. Im Norden hatte ich die ursprünglich geplante Strecke aufgrund der Wetterlage um einen Tag gekürzt. Die Entscheidung stellte sich im Nachhinein als vollkommen richtig heraus. Ersten war die Wetterlage im Westen und Südwesten deutlich besser als im Norden, zweitens gewann ich den Tag, der mir nun noch zur Verfügung stand, um mir Edinburgh etwas ausführlicher anzusehen.

 

 


 

 Eine letzte Tour "Around Edinburgh"

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.09.2014 57 1708 450 18150 Linwater Caravan Park

         

Bei der Ankunft am Linwater Campingplatz hatte ich mich am Abend zuvor sehr über die herzliche Begrüßung von Jean gefreut. Ausgiebig wollte sie detailliert wissen, wie mir die einzelnen Regionen in Schottland jetzt nach meiner lange Tour gefielen. Es war nicht einfach, das zu beschreiben, zumal viele Eindrücke wetterabhängig waren, die Menschen hatten mir überall gefallen, negative menschliche Erlebnisse gab es nicht, positive aber reichlich.

An dem Morgen setzte ich mich aufs Rad, um in einem Bogen um Edinburgh zu radeln. An der Westseite am Flughafen vorbei sollte es an die Küste gehen, danach wollte ich mir ein wenig die Innenstadt ansehen. Ich hatte an dem Tag viel Zeit, packen wollte ich erst am Nachmittag, wenn ich aus Edinburgh zurück kam.

Gefühlt war meine Reise mit der Ankunft in Edinburgh zu Ende. Ich freute mich zu dem Zeitpunkt schon auf Frau und Kinder, wollte mir an dem Tag aber trotzdem noch ein wenig Edinburgh ansehen. Ich habe die Fotos meiner Tagestour mal ohne große Kommentierung in meinen Tagesbericht eingefügt. Nach dem Ausflug rund um Edinburgh beschreibe ich dann weiter, was sich an dem Abend noch so ergab.

Das Rad hatte ich bereits demontiert und wieder in meinen Karton verstaut. Danach lief ich zur Rezeption, um die letzten zwei Nächte für meinen Aufenthalt auf dem Campingplatz ( 2 x 8 = 16 Pfund) zu bezahlen. Ich gebe das Gespräch hier mal annähernd wieder, so wie es in meiner Erinnerung stattgefunden hat:

Georg: „Hallo Jean, kann ich meine 2 Übernachtungen jetzt bezahlen?
Jean: „Ja, ich bin in wenigen Minuten in der Rezeption

In der Rezeption:

Georg: „Für die 2 Nächte müsste ich 2 x 8 Pfund = 16 Pfund bezahlen. Ich gebe dir aber noch mein Kleingeld dazu. Das kann ich in Deutschland ohnehin nicht zurücktauschen, ist gleichzeitig als kleines Dankeschön dafür gedacht, dass du meinen Radkarton hier so lange gelagert hast.

Jean: „ Gib mir 10 Pfund, das reicht

Georg: Wieso denn das, du hast genug für mich getan, und das Kleingeld kann ich ohnehin nicht tauschen

Jean: „Wie viel Kleingeld hast du denn? Kipp deine Geldbörse mal aus.“

Georg dreht seine Geldbörse um…..

Jean zählt das Kleingeld……und sagt

Jean: „ Das sind 6 Pfund und 75 Pence, das reicht“

Jean gibt Georg den 10 Pfundschein zurück, den Georg ihr in der Zwischenzeit rübergeschoben hatte, grinst und hinterlässt einen sprachlosen Georg.

Wo gab es noch soviel Herzlichkeit? Ok, die Saison war zu Ende, sie hatten vielleicht ihr Geschäft bereits gemacht, aber gab es solch ein Entgegenkommen in Deutschland noch?

Am späten Nachmittag wurde es dann noch etwas spannend, als ein ca. 30 Jahre altes Pärchen aus Dresden mit ihren Rädern und ein Motorradfahrer aus dem Schwarzwald kamen. Irgendwie fanden wir uns und verbrachten den Abend mit Ingwer Tee vor meinem Zelt. Ja die Jahreszeit war vorangeschritten und es wurde merklich kühler am Linwater Caravan Park, es wurde Zeit, nach Hause zu fliegen. Mit dem schönen Gefühl einen Tag später meine Familie wiederzusehen kroch ich um 23:00 Uhr in mein Zelt.

 

 


 

Heimreise:

 

Um 09:30 Uhr stand ich fertig gepackt vor der Rezeption. Um 10:00 Uhr kam das Großraumtaxi, das mich mit Gepäck und Radkarton zum Flughafen fuhr. Zwei Stunden später saß ich im Flugzeug der Fluggesellschaft Ryanair, die mich pünktlich nach Düsseldorf – Weeze flog.

Auch diese Tour hatte bei mir wieder bleibende Eindrücke hinterlassen. In Schottland gab es gegenüber meiner vorjährigen Tour rund um Irland noch längere Tagesetappen, auf denen man lange alleine unterwegs war. Was aber fehlte, war manchmal ein wenig mehr Infrastruktur. Wie häufig war ich in kleinere Orte geradelt mit der Hoffnung auf ein Cafe oder Restauration? Manchmal gab es selbst das nicht.

Die Westküste hatte mir persönlich am besten gefallen, dort hatte ich ja auch die längsten Sonnentage auf meiner Tour und die kurzen Schiffspassagen machten die Tage abwechslungsreich wie sonst nirgendwo. Vielleicht würde ich Schottland ja noch mal wiedersehen.