Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 15.09.2010 - 06.10.2010

 770 km

 5000 Hm

  

Eine spätsommerliche Radtour sollte es werden, der Termin stand mit der Urlaubsplanung schon im Vorjahr frühzeitig fest. Bei unseren ersten Überlegungen und Recherchen hatten wir nach einer Region gesucht, die bestmögliche Wetterchancen bot. Gleichzeitig sollten sich die zu bewältigenden Höhenmeter in Grenzen halten. Dass eine Radtour entlang eines Flusses oder mehrerer Flüsse in südlichen Regionen dabei schnell in die engere Auswahl kam, lag natürlich nah.

Über die Tarn Schlucht hatten wir schon einiges im Vorfeld gelesen, die meisten Artikel oder Internetseiten befassten sich mit Kajaktouren im oberen Tarnverlauf, auf dem idyllischen Fluss Lot hatten wir bereits 11 Jahre zuvor mit den Kindern einen Bootsurlaub verbracht.

Wir entschieden uns, den Fluss Tarn bis in die Cevennen hinauf zu radeln. Anschließend wollten wir das Flusstal wechseln, um dem Fluss Lot nach Westen zu folgen. Die Kombination mit einem nachfolgenden 6-tägigen Bootsurlaub  schien uns ideal. Wir würden sehr viele Eindrücke sammeln können, hatten gleichzeitig aber auch an unsere Erholung gedacht.

Frühzeitig wurde bei der Fluggesellschaft Germanwings ein Flug von Düsseldorf über Hamburg nach Toulouse gebucht, der aber Wochen später ohne Begründung storniert wurde. Etwas „sauer“ über die Stornierung recherchierten wir weiter und fanden als Alternativlösung die Möglichkeit mit der Fluggesellschaft Ryanair von Weeze aus nach Béziers zu fliegen. Diese gezwungene Planungsänderung erforderte damit eine zusätzliche Zugfahrt von Béziers bis nach Toulouse. In Béziers fanden wir ein Hotel (Alma), das bereit war, unsere Radkartons für die Dauer unserer Radreise in einer Garage zu lagern, somit waren alle  planerischen Probleme mit Ausnahme des Transfers vom Flughafen zum Hotel Alma gelöst. Bei der letzten Aufgabe half uns eine Internetrecherche. Es gab einen Shuttlebus vom Flughafen zum Gare Routiere (Busbahnhof), der sich nur 300-400 m vom Hotel Alma befindet. Der jeweilige Bus startete immer ca. 1 Std. nach der Landung eines Flugzeugs. 

 

km,


  


 

 Anreise und erste Eindrücke in Beziers

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
15.09.2010 8 8 50 50 Hotel Alma in Beziers

 

Am frühen Morgen des 15.09.2010 machten wir uns mit unserem Nachbarn Clemens als Chauffeur auf den Weg nach Weeze. Unser Flug ging um 10:45 Uhr, als Ankunftszeit in Béziers war 12:45 Uhr angegeben. Unsere Räder in den Kartons hatten wir wie schon häufiger mit unserem eigenen kleinen 500 kg Hänger zum Flughafen transportiert.

Pünktlich hob die Maschine in Weeze von der Landebahn ab, wir waren in Urlaubsstimmung, unsere Tour konnte beginnen. Bei der Ankunft in Béziers mussten wir ein wenig schmunzeln. An große Flughäfen gewöhnt, waren wir etwas erstaunt, dass in Beziers nicht mehr als 4-5 Flugzeuge pro Tag landeten. Die Bushaltestelle befindet sich direkt vor dem Terminal. Übersehen konnten wir die Haltestelle nicht, denn es gab nur eine.

Etwas Grundnervosität machte sich breit! Würde der Bus uns mitnehmen? War er überhaupt groß genug, um die Radkartons zu verstauen? Eine erste Erleichterung trat ein, als ein großer Shuttle Bus auf den Platz einbog. Mehr als erfreut waren wir dann, als der Busfahrer die unteren Klappen öffnete, mit uns die Kartons verstaute und uns erklärte, dass der Transfer an dem Tag nichts kosten würde. Er erläuterte uns in einem Wortschwall auch warum, wir verstanden es aber leider nicht. 20 Minuten später befanden wir uns mitten in Béziers am Gare Routiere, der Transfer hatte schon mal hervorragend geklappt.

Wie bekommt man zwei Fahrräder im Karton über 300-400 m vom Gare Routiere zum Hotel Alma transportiert? Die Lösung war denkbar einfach! Wir packten die Fahrräder aus den Kartons, bauten sie noch am Busbahnhof zusammen und hängten die Radtaschen dran. Ohne die leeren Kartons hätten wir sofort auf Radreise gehen können, aber das war ja erst am darauffolgenden Tag geplant. Die leeren Kartons ließen sich dann mit einer Hand neben dem zu schiebenden Rad ein wenig auf dem Boden schleifend tragen.

Die erste und letzte Nacht unserer gesamten Tour hatten wir im Hotel Alma vorgebucht. Als wir ankamen, wurden wir sehr freundlich empfangen. Man erinnerte sich an den in englischer Sprache mit deutschen Radlern geführten Emailverkehr und unseren Wunsch, die Radkartons über die Dauer unserer Reise dort zu lagern. In einer Nebenstraße befand sich eine Garage. Wir schleppten die Kartons die wenigen Meter dorthin, das Problem war damit auch gelöst. Unsere Fahrräder deponierten wir in einem kleinen Raum, die spätere Stadterkundung wollten wir zu Fuß vornehmen, bis zur Innenstadt war es ja nicht sehr weit.

Am Nachmittag und bis in den Abend hinein durchstreiften wir die Innenstadt, Béziers hatte einiges zu bieten. Die südfranzösische Stadt gehört zum Départment Hérault und liegt am Fluss Orb und dem Canal du Midi. Béziers liegt ca. 20 km vom Mittelmeer entfernt, nicht weit von den Ausläufern des Massif Central in der Ebene des unteren Languedoc.

Béziers ist eine Stadt mit einer über 2700 jährigen Geschichte, die mit einer Stammesansiedlung an den Ufern des Orb begann. Während der Eisenzeit im 8.-2. Jahrhundert vor Christus ist Béziers eine der wichtigsten Städte des keltischen Mittelmeerraumes. Aufgrund der erhöhten Lage oberhalb des Flusses und der damit verbundenen Möglichkeit der Überwachung der Flusspassagen, gewinnt der Ort rasch an Bedeutung. Die Kelten wurden später von den Römern vertrieben, die dort die Kolonie Civitas urbs baeterrensis gründeten. Durch die Nähe zur römsichen Via Domitia, die zu der Zeit Italien mit Spanien verbindet, wächst die Bedeutung des Ortes immens, gleichzeitig aber auch die äußeren Bedrohungen. Zum Schutz wird deshalb eine Stadtmauer errichtet. In den folgenden Jahrhunderten wird Béziers mehrfach erobert, geplündert und zerstört. „Ganze Arbeit“ leisten die Franken, die im Jahr 737 Béziers vollständig zerstören. Während der Herrschaft Karls des Großen wird Béziers Bischofsitz und gewinnt wieder zunehmend an Bedeutung. 1209 wird Béziers im Albigenserkreuzzug als erste der okzitanischen Städte von den Kreuzrittern erobert, die dem Aufruf von Papst Innozenz III. gefolgt waren, die ketzerischen Albigenser zu bekehren. So laufen die Einwohner Béziers in die Waffen eines der größten Massaker des Mittelalters. „Tötet sie alle, Gott wird die Seinen erkennen“, lautete die Order des Abt Arnaud Amaury, dem päpstlichen Legaten, während des Ansturms auf Béziers.

Heute ist Béziers ein ruhiger auf einem  Hügel liegender Ort, der von Weitem sichtbar, nur von seiner Cathédrale St. Nazaire überragt wird. Nachstehend mal ein paar Fotos von unserem Rundgang in Béziers. Den Abend verbrachten wir draußen vor einem Restaurant an der Allee Paul Riquet, nicht weit von unserem Hotel. Den ersten Tag konnten wir als gelungen betrachten.

 

 


 

 Start in Saint Sulpice, Regen in Rebastens

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.09.2010 22 30 100 150 Camping Munizipal des Auzerals

 

An dem Morgen stand zuerst die Zugfahrt von Béziers über Toulouse nach Saint Sulpice auf dem Programm. Erst nachmittags wollten wir dann noch die   kurze Strecke von Saint Sulpice nach Rebastens radeln. Beide Orte liegen zwischen ca. 20 und 40 km nordöstlich von Toulouse.

Als wir am Bahnhof in Béziers ankamen, gab es zunächst eine Enttäuschung. In dem Zug, den wir uns noch zu Hause ausgesucht hatten (09:36 Uhr), gab es keinen freien Platz mehr für die Räder. Der Alternativzug, der uns die Mitnahme ermöglichte, fuhr erst um 11:34 Uhr. Wir hatten also noch 2 Stunden Zeit, um ein wenig mit unseren Rädern die unmittelbare Nähe von Béziers zu erkunden. Die nachstehende Bildschirmkopie einer Karte zeigt in Form der grünen Linie die original mit einem Garmin GPS 60CSX aufgezeichnete Strecke. Bei der blauen Linie handelt es sich um den später im Zug aufgezeichneten Track.

Wir radelten vom Gare SNCF nach Westen, querten den Fluss Orb über die Pont Vieux und näherten uns dann in südlicher Richtung dem Canal du Midi. Der Canal du Midi liegt in dem Bereich höher als der Fluss Orb. Anhand einer eindrucksvollen Brücke wurde der Canal parallel zur D19 über den Fluss Orb hinweg gebaut. Die kleine Tour wurde von uns anhand der nachfolgenden Fotos dokumentiert. Einen letzten Stopp gab es noch am Quai du Pont Neuf. Von dort starten die Hausboote zu ihren Ausflugstouren. Danach wurde es Zeit, den kurzen Ausflug zu beenden und zum Gare SNCF zu radeln. Die Fahrt mit dem Zug nach Toulouse dauert 1 1/2 Stunden.

Im Bahnhof von Toulouse hatten wir zwar etwas Aufenthalt, für einen umfangreicheren Ausflug in die Stadt reichte die Zeit aber nicht. Als dann noch ein Regenschauer hinzukam, entschlossen wir uns, im Bahnhof zu bleiben und auf die Abfahrt der Regionalbahn in Richtung Rodez zu warten. Die Erkundung von Toulouse würden wir am Ende unserer dreiwöchigen Reise nachholen können. Die Regionalbahn verließ um 14:19 Uhr den Bahnhof von Toulouse, pünktlich erreichte sie Saint Sulpice. Dort sollte unsere Radtour beginnen.

Endlich durften wir auf unsere Räder. Des Zugfahrens etwas überdrüssig, traten wir in die Pedale, um die ersten 10 km bis Rebastens unter die Räder zu nehmen. Leider regnete es immer mal wieder etwas, so dass wir froh waren, Rebastens schon nach einer guten halben Stunde zu erreichen. Der Campingplatz liegt etwa drei Kilometer außerhalb des Ortes. Eine kleine Steigung am Ortsausgang noch, dann war es geschafft. Nach dem Zeltaufbau radelten wir nochmal zurück, um uns ein wenig den Ort anzusehen. Im Zentrum fanden wir auch ein Restaurant, in dem wir den Abend verbrachten.

 

 


 

 Über Isle-sur-Tarn und Gaillac nach Albi

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.09.2010 70 100 150 300 Camping Albi

 

Über Nacht hatte es sich ausgeregnet. Sonnenschein und eine Temperatur von 20 Grad Celsius erwartete uns, als wir die Köpfe aus unserem Zelt steckten. Wir freuten uns, endlich richtig starten zu können, ohne Stunden auf irgendwelchen Bahnhöfen zu verbringen. Unser Tagesziel Albi lag knapp 64 Radkilometer nordöstlich von unserem Startort Rebastens, zwischendurch hatten wir geplant, durch kleinere Orte wie Isle-sur-arn und Gaillac zu radeln. Leicht bergab sausten unsere Räder zurück in den Ortskern von Rebastens. Dort angekommen, schauten wir noch in die tags zuvor verschlossene Kirche Notre Dame du Bourg.

Danach radelten wir über die Tarnbrücke zurück direkt ins Vallée du Tarn. Was für eine schöne Streckenführung erwartete uns dort! Mal radelten wir durch Sonnenblumenfelder, nur etwas weiter dann zwischen Weinreben hindurch, den Blick auf alte Bauernhöfe geheftet, die irgendwie nicht in unsere Zeit zu gehören schienen. Der Boden dampfte noch etwas vom nächtlichen Regen, die Luft war klar, wir hatten reichlich Spaß dabei, in Ruhe durch die Landschaft zu radeln. Die Streckenführung war einfach klasse, auch wenn dann und wann eine kleine Steigung zu bewältigen war. Vor Isle-sur-Tarn schwenkten wir mit unseren hochbeladenen Rädern über die Tarnbrücke, der Ortskern lag auf der anderen Seite des Tarn.

Der kleine Ort Isle-sur-Tarn gehört zu einem der wenigen Orte Frankreichs, in dem die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammende schachbrettartige um einen zentralen Platz gelegene Bauweise der Bastides noch fast vollständig erhalten ist. Die Bastides wurden damals in einem Zug erbaut und waren eine Reaktion auf die ständigen Auseinandersetzungen mit England. Kennzeichnendes Merkmal einer Bastide ist das streng rechtwinklige Straßenmuster mit einem zentralen Marktplatz, der von Häusern mit Arkadengängen gesäumt wird. Als größte Bastide gilt heute Villenuve-sur-Lot in der französischen Region Aquitanien. Durch diesen Ort würden wir noch am letzten Tag unserer Radtour reisen.

Klar, dass Isle-sur-Tarn unser Interesse weckte. Beim Blick auf die andere Tarnseite musste man einfach neugierig werden. Viele Kilometer waren wir ja noch nicht geradelt, aber der Marktplatz in seiner morgendlichen Stimmung lud einfach zum Kaffeetrinken ein. Etwa eine Stunde später, noch um die Mittagszeit, erhielten wir den ersten Blick auf die imposante Stadt Gaillac.

Die Ursprünge von Gaillac liegen im 10.Jahrhundert, als am Ufer die von der Brücke aus zu sehende Benediktinerabtei St. Michel gegründet wurde. Die am Jakobsweg gelegene Abtei bestand bis zur Französischen Revolution. Die Stadt selber profitierte lange von ihrer günstigen Lage. Die Handelsstraße nach Toulouse kreuzte hier den schiffbaren Tarn, während der Tarn gleichzeitig den wichtigsten Handelsweg nach Bordeaux bildete. Zum Wohlstand Gaillacs trug damals wie heute der Weinanbau bei. Die bedeutendsten Gebäude sind von der südwestfranzösischen Backsteinarchitektur geprägt, wie wir sie auch schon in Rebastens wahrgenommen hatten. Die Abtei St. Michel, die bereits seit dem Jahr 972 historisch belegt ist, besitzt einen ursprünglich romanischen Bau aus dem 13.Jahrhundert, der in späteren Jahren gotisch vollendet wurde. In der französischen Revolution kann es zur Säkularisierung, während der Zeit wurde die Kirche teilweise als Lagerhalle genutzt. Die verbliebenen Abteigebäude, wie sie heute zu sehen sind, wurden in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts restauriert. Sie beherbergen heute die Maison des Vins (Haus des Weines) sowie ein Museum.

Das alte Städtchen hatte uns sehr gefallen. Wir hatten aber noch nicht einmal die Hälfte der Tageskilometer absolviert, als wir uns auf den weiteren Weg machten. In Richtung La Grave wechselten sich wieder Sonnenblumenfelder und Weinstöcke links und rechts unseres Weges ab, als wollten sie uns mit ihren Farben erfreuen. Das Ortseingangsschild von Albi passierten wir um ca. 15:00 Uhr, wir hatten unsere Tageskilometer fast geschafft, hatten die letzten Kilometer zügig hinter uns gebracht und genug Zeit „wieder reingeholt“, um über mehrere Stunden Albi zu erkunden.

Zunächst gab es aber Schwierigkeit bei der Campingplatzsuche. Den alten Eingang zum Platz gab es nicht mehr. Wir radelten weitläufig um den ganzen Bereich herum, ohne zunächst die Zufahrtstraße zu finden. Eine entsprechende Ausschilderung gab es nur zum alten Eingang. Letztendlich half uns ein Franzose, den wir um Hilfe baten und der uns den Weg erklärte.

Albi ist ein Traum! Schlaraffenland nennen die Franzosen angeblich die Region, was wohl in künstlerischer als auch in kulinarischer Sicht gemeint ist. Im Sommer vor unserer Ankunft hatten sie dort Grund zu feiern: Die Altstadt wurde zum Unesco-Welterbe erklärt. Schon beim Betreten des Place Sainte Cécile spürt man Geschichte. In einem satten Rotbraun leuchten die Ziegel der Kathedrale im Abendlicht. Die Kirche liegt wie ein riesiger Ziegelblock, der wie vom Himmel gefallen scheint, auf einem Hügel oberhalb des Tarn.

Dass das Gebäude teilweise eher wie eine Festung als wie ein Gotteshaus wirkt, hat seinen Grund in der Geschichte der Stadt. Sie war Schauplatz einer der brutalsten Kreuzzüge gegen die fundamentalistischen Strömungen der Katharer. Die Katharer waren der Kirche im Mittelalter ein „Dorn im Auge“, weil sie im Gegensatz zur Kirche, die in Luxus schwelgte, asketisch lebten.  Die Katharer werden auch Albigenser genannt, was aber eher ein Zufall ist. In Albi waren sie wohl nicht bedeutender vertreten als in anderen französischen Städten. Papst Innonzenz rief 1208 zum Krieg gegen die Katharer auf, die ihm immer gefährlicher erschienen. Die letzte Schlacht fand 1244 auf der Katharer Hochburg in Montsegur statt, bei der über 200 Anhänger in den Flammen starben. Mit dem Bau der Kathedrale begann man im Jahr 1282. Sie symbolisierte den Sieg der Kirche über die Katharer. Die uns zur Verfügung stehende Zeit nutzten wir reichlich zum fotografieren.

Eine tolle Atmosphäre herrschte an dem Abend in der Stadt. Wir aßen noch eine Kleinigkeit in einem Restaurant direkt am Place Saint Cécile und radelten danach zum Campingplatz. Bei einem Glas Wein ließen wir den tollen Tag draußen vor dem Campingplatzrestaurant ausklingen.

 

 


 

 Auf idyllischen Wegen nach Brousse le Chateau

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.09.2010 68 168 400 700 Hotel Le Relays du Chateau

 

In unmittelbarer Nähe von unserem Stellplatz gab es einen Holztisch mit einer Bank, wo wir unser Frühstück einnahmen. Die Lebensmittel hatten wir tags zuvor noch im Zentrum von Albi gekauft. Bis Saint Juery, das etwa 2-3 km östlich von Albi liegt, waren noch einige Autos unterwegs. Sie nervten auf dem Abschnitt ein wenig, weil sie teilweise nicht genügend Abstand hielten, danach war es mit dem Verkehr vorbei.

Die sehr ruhig geführte landschaftlich schöne Strecke die danach folgte, zog uns in ihren Bann. Das Vallee du Tarn hatte noch etwas, dass man kaum beschreiben konnte.  Wir „vermissten“ Geräusche, drehten uns immer mal wieder um. Da musste doch irgendwann einmal ein Auto kommen, aber es kam keins. Begeistert traten wir in die Pedale. An den Bauernhöfen spitzten wir die Ohren. Wir nahmen an, dass sich irgendwann ein Vierbeiner für unsere Waden interessieren würde, aber es kam auch keiner. In einem Gebäude das aussah, wie ein angebaute Garage sahen wir Fotos an einer Wand hängen, die auf eine alte Fährstation hinwiesen. Das alte Boot aus Stahl hatten wir vorher schon entdeckt. Es befand sich auf der anderen Straßenseite.

Danach radelten wir weiter durch die herrliche Landschaft, bis wir in Ambialet plötzlich vor einer großen Brücke standen. Davor befindet sich ein Hotel/Restaurant, eine ideale Gelegenheit, eine kleine Pause einzulegen. 34 der geplanten 74 Tageskilometer hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits geschafft.

Vom weiteren Streckenverlauf gibt es relativ wenig zu berichten. Wir durchradelten noch die kleineren Orte Villeneuve sur Tarn sowie Trebas und wechselten vor Brousse le Chateau noch auf die südliche Tarnseite. An der Stelle mussten wir noch ein wenig eine kleine Steigung hinauf, danach war es fast geschafft.

Ursprünglich hatten wir geplant auf dem Campingplatz 3 km hinter Brousse le Chateau zu übernachten. Als wir dort eintrafen, war er geschlossen. Weiter zu radeln machte aufgrund der Entfernung zum nächsten Campingplatz wenig Sinn, also entschlossen wir uns  nach Brousse zurück zu radeln. Wir hatten Glück, im dortigen Hotel „Le Relays du Chateau“ war noch ein Doppelzimmer frei.

Der kleine Ort Brousse drängt sich idyllisch am Zusammenfluss von Tarn und Alrance unterhalb einer Burg, deren Ursprünge auf Karl den Großen zurückgehen sollen. Das Dorf besteht aus einer Reihe von alten Häusern, die mit Schiefer und Stein gedeckt sind. Es gibt eine hübsche kleine Kirche und ein Oratorium aus dem 15. Jahrhundert. Der älteste Teil des Dorfes ist über eine, mit Flusskieseln gepflasterte Brücke mit einem romanischen Bogen erreichbar. Jeweils am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, erstrahlt über der Burg eines der schönsten Feuerwerke der ganzen Region.

Die zur Überwachung des Tarn erbaute Burganlage erstreckt sich auf einer ausgedehnten Felsenplattform über dem Fluss. Vom 13. bis 18. Jahrhundert war sie im Besitz der bekannten Adelsfamilie Arpajon. Nur wenig restauriert, wirkt das Bauwerk mit den dicken Mauern, dem Wohntrakt und den Türmen mit einer seltenen Wehrarchitektur, noch sehr authentisch. Besucher verweilen gern im Ehrenhof mit einem Garten, um die besondere Atmosphäre dieser uralten Mauern zu genießen. In einigen Räumen der Burg werden wechselnde Ausstellungen gezeigt.

Am frühen Abend liefen wir noch zur Burg hoch und fotografierten „was uns vor die Linse kam. Auch an ein wunderschönes Abendessen verbunden mit einer gemütlichen Stimmung im Hotel erinnern wir uns immer wieder gerne zurück.

 

 


 

 Hügeliges Terrain auf dem Weg nach Millau

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.09.2010 66 234 700 1400 Camping Des Deux Rivieres

 

Ein anstrengender Tag lag hinter uns, als wir um 17:15 Uhr Millau erreichten. Zwei längere Anstiege, die wir in praller Sonne geradelt waren und das ständige auf und ab hatten Claudia ein wenig zugesetzt. Schön, dass wir am Ziel waren. Dabei hatte der Tag so toll begonnen. Ein wunderschönes Frühstück erwartete uns morgens im Hotel Le Relays du Chateau, als wir den Speisesaal betraten. Wir waren im Saal noch alleine, genossen gemeinsam die Ruhe und freuten uns darüber, dass bei einem Blick aus dem Fenster die Sonne schien.

Am Abend zuvor war der Saal gefüllt gewesen mit Gästen. Es war sehr lebhaft zugegangen, wir hatten uns schon gewundert, wo die vielen Menschen herkamen, handelte sich doch nur um ein verschlafenes Örtchen. Jeder Tisch war voll besetzt, alle Gäste schienen in guter Stimmung zu sein, es wurde viel gelacht und manche Flasche Wein entkorkt. Nach dem Frühstück packten wir unsere Radtaschen, bezahlten die Hotelrechnung und beluden die Räder. Ein letzter Blick auf die hoch oben gelegene Burg, dann radelten wir los. Früher musste es im Vallee du Tarn eine Bahnlinie gegeben haben, mehrere alte Tunnel sahen wir an unserem Weg.

3 km hinter Brousse le Chateau, wir waren gerade erst von der D902 auf die D200 eingeschwenkt, gab es einen Zwangstopp. Wir standen vor einem 500 m langen absolut finsteren Tunnel. Ein Hinweisschild warnte die PKW-Fahrer vor mögliche Radfahrer im Tunnel. Was nun?

Die kleine Maglite AA, die ich im Gepäck hatte und die Fahrradleuchten reichten absolut nicht aus, um den finsteren Tunnel so zu erleuchten, dass sich radeln ließ. Unsere Gefühlwelt stand ein wenig Kopf! Beim ersten Versuch zu radeln, setzte sich ein Kreislauf in Gang, der sich nicht kontrollieren ließ. Fuhr man etwas schneller, damit der Dynamo mehr Licht erzeugte, bekam man Angst gegen die Tunnelwand zu fahren. Wie automatisch fuhr man dann vor Angst langsamer, mit der unmittelbaren Folge, noch weniger Licht zu produzieren. Wir brachen den Versuch, in ein schwarzes Loch zu fahren ab und schoben die Räder behutsam Meter für Meter durch den Tunnel. Die kleine Maglite AA reichte gerade aus, um die Tunnelwand rechts von uns etwas zu erhellen. So gelang es uns aber, zur Wand einen Sicherheitsabstand zu halten. Claudia hielt sich ganz dicht hinter mir, ja so konnte es funktionieren.

Als in dem schmalen einspurigen Tunnel von hinten ein Auto erschien, wurden wir reichlich nervös. Der PKW beschleunigte, das konnte man im Tunnel deutlich anhand der Geräuschkulisse wahrnehmen. Wir blickten zurück, zwängten uns an die Tunnelwand und leuchteten mit der kleinen Maglite immer ein wenig schwenkend in den Tunnel zurück. Gefühlte 30 Minuten vergingen, bis der PKW-Fahrer  reagierte und in einer Entfernung von ca. 100 m merklich bremste.  Das Motorengeräusch war deutlich leiser,  als er  langsam an uns vorbeikroch. Den Lichtschein des PKW nutzten wir so lange  es ging zur Orientierung, nur raus aus diesem „Loch“. Durch die Krümmung des Tunnels war lange Zeit kein Ende zu sehen.  Als wir endlich die ersten Lichtstrahlen erblickten, wurde uns merklich wohler. Am Ausgang sahen wir uns an und wussten sofort, solch eine Situation mussten wir auf unserer Tour kein zweites Mal erleben.

Einen knappen Kilometer weiter wechselten wir von der D200 auf die D200E, um in den kleinen Ort Broquiés zu radeln. Vor Broquiés verlässt die Straße das Tarnufer und schlängelt sich über 150 Höhenmeter steil nach Broquiés hinauf. Claudia hielt sich tapfer, kurbelte sich Meter für Meter hinauf, fluchte aber einige Male vor sich. Konnte die Strecke nicht einfach weiterhin flach verlaufen? 

Im Ortszentrum angekommen, war es geschafft. Im Dorf war es ausgesprochen ruhig, ein paar wenige Hausfrauen waren auf dem Weg, ihre Einkäufe zu tätigen, ein Bauer mit einem kleinen Traktor, die Verkäuferin in der Boulangerie, mehr Menschen bekamen wir dort nicht zu Gesicht. Wir aßen ein leckeres Croissant, kauften Wasser und machten uns im Anschluss auf den weiteren Weg. Nun ging es ja erst einmal nur bergab. Das nachstehende vor Ort aufgezeichnete Höhenprofil zeigt den ersten „Peek“ des Tages. Dass uns noch mehr Höhenmeter erwarteten, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Die „Belohnung“ hielt sich in Grenzen! Bei einem 10 % Gefälle waren 150 Höhenmeter schnell geschafft. Und dennoch, wir hatten unseren Spaß, in der herrlichen Morgenluft ins Tal zu sausen.

Im Ort Truel trafen wir auf einen Händler, der aus seinem Wagen heraus Obst, Käse und sonstige Lebensmittel verkaufte. Wir kauften ein paar Bananen und relaxten am Tarnufer. In Richtung des kleinen Ortes Pinet führte uns die Straße noch einmal 100 Höhenmeter hinauf. Die Felswände an beiden Seiten des Tarn wurden steiler, fast schon schluchtartig. An der Stelle wo die D200 auf die D510 trifft, ist der höchste Punkt erreicht, von dort ging es 50 Höhenmeter nach Pinet hinab.

Kurz vor dem kleine Ort Pinet wurde vor einigen Jahren eine riesige Staumauer gebaut, die das dortige Landschaftsbild nachhaltig veränderte. Ein riesiger Stausee entstand, der bei unserer Ankunft nur wenig Wasser führte. Das gesamte Projekt dient zur Stromgewinnung der „Electricite de France“. Über die gewaltige Staumauer gelangten wir in den kleinen Ort Pinet. Hinter Pinet dann der große Schreck! Die Straße verließ den Fluss und führte nochmals 180 Höhenmeter hinauf. Die Stimmung sank bei Claudia kurzfristig auf einen Nullpunkt, musste das heute nochmal sein? Fast am Rande ihrer Kräfte, raffte sie sich dennoch auf, um den letzten  größeren Anstieg des Tages zu bewältigen. Meter für Meter kämpfte sie sich die teilweise auf 10% anziehende Steigung hinauf. Ein dickes Lob an meine Frau, nach einer guten Stunde hatte sie es als relativ untrainierte Radlerin auch geschafft.

Auf dem weiteren Weg über Candas und Comprégnac nach Peyre trafen wir unterwegs einen Rennradfahrer. Claudia fragte ihn auf Englisch, ob bis Millau noch größere Steigungen zu erwarten waren und strahlte. Obwohl ich etwas abseits stand, hatte ich „Very flat“ verstanden. Nachstehend mal ein paar Fotos von unserer Fahrt bis zum kleinen Ort Peyre. Verschwitzt und durstig wie wir waren, legten wir in Peyre erst einmal eine kleine Pause ein. Bis Millau waren noch 9 km zu radeln, es war ca. 16:00 Uhr, es stand also noch genügend Zeit zur Verfügung.

Peyre besitzt eine ganz besondere Lage! Keine 1,5 km vom Viaduct von Millau entfernt  hatten wir beim Verlassen des Ortes sofort einen tollen Blick auf die riesige Autobahnbrücke. Der Viaduct von Millau gilt zurzeit als höchste Brücke der Welt. Allein die Höhe der Fahrbahn ist mit 270 m über dem Tarntal bereits atemberaubend. Hinzu kommen die ca, 98 m hohen Pylone der Brücke, so dass sich eine Gesamthöhe von knapp 370 m ergibt. Bei der Ankunft kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was für eine gigantische Brücke.

Als wir den Campingplatz auf der östlichen Tarnseite erreichten, waren wir beide froh, dass wir die Strecke geschafft hatten. Für den restlichen Abend hatten wir uns nicht mehr viel vorgenommen. Ein wenig durch die Innenstadt radeln, schauen ob es noch etwas zu sehen gab, kein Pflichtprogramm.

 

 


 

 Die Gorges du Tarn sind wunderschön

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.09.2010 62 296 400 1800 Hotel Burlatis

 

Auf dem ca. 60 km langen Abschnitt zwischen Millau und Sainte Enimie befindet sich das eindrucksvollste Teilstück der gesamten Gorges du Tarn, einer Schlucht, in der sich der Tarn  bis zu 400 Meter tief in die Karstebenen der Cevennen gefressen hat. In der engen Schlucht windet sich die Straße neben dem Fluss entlang. Oft mussten hier aufgrund der Enge kurze Tunnel in die Felsen gehauen werden, um eine Straßenführung überhaupt zu ermöglichen. Idealer Ausgangspunkt für eine Tour durch die Tarn-Schlucht ist meist Millau. Der schönste Abschnitt beginnt etwa 10 km weiter östlich in Peyrelade, einem kleinen Ort, der hoch oben vom Chateau de Peyrelade überragt wird.

Mit diesen Informationen versorgt, machten wir uns an dem Morgen auf den Weg den schönen Abschnitt zu erkunden. In einem Supermarkt am Ostrand von Millau deckten wir uns noch mit den nötigsten Lebensmitteln ein und traten  im Anschluss kräftig in die Pedale. Wir waren gespannt auf das, was uns in der Schlucht erwartete.

Sainte Enimie (480m) liegt am Tarn etwa 100 m höher über N.N als Millau (380 m). Auf einer Strecke von 60 Kilometer 100 Höhenmeter zu bewältigen hielt auch Claudia, an die Leistung vom Vortag denkend, für eine verträgliche Größe. Die geringe Steigung würden wir mit Ausnahme von kleineren Wellen auf der Länge kaum wahrnehmen.

Von der in wenigen Stunden geradelten relativ flachen Strecke gibt es wenig zu berichten. Wir durchradelten eine Schlucht, die kaum schöner sein konnte. Die wechselnden Farben in den Felsen, das glasklare Wasser des Tarn, immer und immer wieder tolle Ausblicke. Am besten lasse ich mal die Fotos „sprechen“.

Als wir Sainte Enimie erreichten, hatten wir eine wunderschöne Strecke hinter uns gebracht, hier und da mal eine kleine Pause eingelegt und viel fotografiert. Noch von den Eindrücken angetan, radelten wir neugierig durch den Ort. Einen Campingplatz gab es in akzeptabler Nähe nur 1 km weiter außerhalb des Ortes. Wir radelten kurz hin, drehten uns aber „auf dem Absatz um“ als wir die „Reception“ und die „Sanitären Anlagen“ sahen. Wir beide hatten in unserem Leben ja schon Manches gesehen, eine weitere Beschreibung unterlasse ich hier öffentlich lieber.

Wir wollten uns unsere positive Stimmung nicht zerstören lassen und hatten mal wieder Glück! Kaum zum Ort zurückgeradelt, entdeckten wir das Hotel „Burlatis“. Wir wurden freundlich empfangen, bekamen einen Unterstellplatz in der Garage für unsere Räder und ein Doppelzimmer in der ersten Etage zugewiesen. Wir fanden alles absolut in Ordnung, der Tag war für uns „gerettet“!

Im unserem Hotel konnten wir an dem Abend nicht essen, weil es keine Restauration besaß. Keine hundert Meter weiter gab es aber die „Auberge de Moulin“, in der wir vorzüglich speissten.

 

 

 


 

 Die 500 Höhenmeter von St. Enimie nach St. Geniez d´Olt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.09.2010 59 355 715 2515 Camping La Boissiere

 

Am Abend zuvor hatten wir mit unserem Hotelbesitzer noch ein nettes Gespräch geführt. Anlass unserer Unterhaltung in englischer Sprache war der Umstand, dass wir einen Tag später einen Talwechsel vornehmen mussten. Um hinüber ins Lot-Tal zu gelangen, führte die Straße 14 km und 450 Höhenmeter steil bergauf. Ich fragte ihn nach der Möglichkeit eines Großraumtaxis. Das Taxi sollte uns nur das schwerste Teilstück den Berg hinauffahren, danach würden wir mit den Rädern weiterradeln. Etwas Enttäuschung machte sich in unseren Gesichtern  breit, als die Antwort kam, dass es in Sainte Enimie überhaupt kein Taxiunternehmen gab. Ein Taxi in der Größe eines Transporters hätte von weit her geordert werden müssen. Wenige Sekunden später hellten sich unsere Gesichter auf. Der Hotelbesitzer erzählte uns von seinen vielen Kindern und das eine Großfamilie auch ein großes Auto hätte, als ein Lächeln in seinem Gesicht erschien. Er war gerne bereit uns mit seinem Mercedes Vito am folgenden Morgen den Berg hinauf zu fahren. Unser Problem war gelöst.

Wir hatten an dem Morgen noch einige Zeit, weil der Hotelbesitzer sich natürlich zunächst um seine anderen Hotelgäste kümmern musste. Ich studierte ein wenig den weiteren Streckenverlauf auf der mitgeführten Karte und Claudia schrieb Ansichtskarten, eine knappe Stunde später war  er bereit. In den Laderaum des Vito passten die Räder ohne Laufraddemontage vollständig rein. Wir sicherten die Räder ein wenig mit den Spanngurten, packten die Taschen dahinter und schon ging es los. Steil führte die Straße den Felsbuckel hinauf. Auf der linken Seite hatten wir immer eine schöne Aussicht in das tief unten liegende Tarn Tal. 14 km weiter standen wir oben auf einer Kuppe, wir hatten mit dem Vito den höchsten Punkt erreicht.

Das vor Ort aufgezeichnete Höhenprofil zeigt das erste Stück, auf dem die Straße steil bergauf führte. Liebe Leser, ja wir hatten  ein wenig „geschummelt“, ich hatte aber eine zufriedene und glückliche Frau. Die Talfahrt war der Hit! Kilometer lang schlängelte sich die Straße durch das wunderschöne Tal. An einem Golfplatz (Golf du Sabot) hielten wir noch einmal kurz an, machten zwei Fotos und radelten dann weiter bis in den kleinen Ort La Canourgue.

In La Canourgue gibt es eine Touristeninformation. Dort deckten wir uns mit reichlich Informationsmaterial über die Region „Vallée du Lot“ ein und ließen uns ein wenig beraten. Campingplätze gab es am Lot ja genug, wir wussten aber nicht, ob ein Teil dieser Plätze möglicherweise schon geschlossen war.

Auf dem obigen Höhenprofil kann man sehr deutlich den zweiten Anstieg des Tages über 170 Höhenmeter sehen. Der schweißtreibende Aufstieg beginnt kurz hinter dem kleinen Ort Saint Laurent D´Olt. Wir waren kaum von der D45 auf die D988 eingebogen, als die Steigung merklich anzog. Eine unheimliche Ruhe herrschte dort. An Kuhwiesen, Apfelbäumen und alten Gehöften vorbei führte die Straße langsam bergauf, die Landschaft konnte kaum lieblicher sein.

Bereits um 15:00 Uhr erreichten  wir nach 40 Radkilometern (Gesamt = 54 km)  unseren Zielort Saint-Geniez D´Olt. Hinweisschilder führten uns in den östlichen Teil des Ortes, dort musste der Campingplatz „ La Boissiere“ zu finden sein. Als wir dort eintrafen, war kein Mensch zu sehen, die Rasenflächen waren leer, kein Zelt oder Wohnwagen, die Befürchtung war eingetreten, das der Campingplatz bereits geschlossen hatte. Aber was war das? Wir hörten Geräusche! Im unteren Platzteil fuhr ein Mann auf einem Rasenmäher eine Wiese entlang. Wir winkten einige Zeit, bis sein Blick in unsere Richtung fiel und er den Rasenmäher stoppte. Unsere Räder hatten vermutlich den Ausschlag gegeben. Wo sollten wir noch hin? Er lief auf uns zu und erklärte uns, dass der Campingplatz bereits geschlossen war, wir könnten dort aber kostenlos übernachten, er hätte nichts dagegen. Er zeigte auf das geöffnete Sanitärgebäude und machte den Motor des Rasenmähers wieder an, das Gespräch war für ihn beendet. So etwas hatten wir auf unseren Touren auch noch nicht erlebt. Ein Campingplatz mit großem Pool, ein gründlich gereinigtes Sanitärgebäude und das alles für uns allein.

Am frühen Nachmittag näherten wir uns dem Ortskern von Saint-Geniez D´Olt von der Lot Seite her. Wie hatten einen kleinen Pfad entdeckt, der am Wasser entlang bis ins Zentrum führte. In Saint-Geniez D´Olt befindet sich ein altes Kloster. Eine Besichtigung können wir nur empfehlen. In den alten Klosterarkaden befindet sich auch die Touristeninformation. Für den Abend deckten wir uns im Ortskern mit Lebensmitteln ein und verbachten den restlichen Abend am Campingplatz. Mal etwas selber zu kochen, machte in der Ruhe richtig Spaß.

 

 


 

 Über Espalion und Estaing nach Entraygues

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.09.2010 59 414 500 3015 Camping Le Val de Saurés

 

Als wir morgens um 09:30 Uhr den Platz verließen, war das Wetter wieder herrlich. Keine drückende Hitze,  die Luft war klar und auf dem Platz herrschte mangels Gästen eine himmlische Ruhe. Ein paar kaum wahrnehmbare Geräusche erreichten uns aus der nahen Innenstadt, ansonsten nichts. Es mag etwas komisch klingen, aber wir fühlten uns fast wie Diebe, als wir vom Platz fuhren, ohne einen Euro zu bezahlen. Mehrmals drehten wir uns immer wieder zur Rezeption um, aber es war niemand da. Mussten wir wirklich nichts bezahlen? Hatten wir den Mann gestern richtig verstanden? Vielleicht war das ja nur der Gärtner gewesen! Nein, wir hatten wohl richtig gehört.

Wir radelten durch die noch ruhige Innenstadt, überquerten die Pont St. Geniez und verließen den Ort, der D19 folgend in westlicher Richtung. Ungefähr 3 km hinter St.Geniez D´Olt nahm der aufgestaute Fluss Lot erheblich an Breite zu, er sah aus wie ein See und war sehr schön anzusehen. Ein kurzes Stück weiter entfernte sich die Straße immer mehr vom Fluss und stieg  merklich  an. Auf dem nachfolgenden Tagesprofil erkennt man, das wir nun 250 Höhenmeter hinauf mussten. Wäre das geschafft, könnten wir die danach folgenden Kilometer mit überwiegendem Gefälle bis ins Ziel radeln.


Wir vermuteten den höchsten Punkt im kleinen Ort Condamine, er liegt tatsächlich aber dort, wo die Straße D19 endet und in  die Straßen D141 und D557 verzweigt. Gut eine Stunde kurbelten wir die Räder in einem geringen Tempo hinauf, bis wir kurz vor der oben beschriebenen höchsten Stelle auf ein Bar trafen. Die meisten Höhenmeter des Tages waren damit bereits geschafft.

Der „Wachhund“ der Bar war natürlich gleich zur Stelle, wedelte mit dem Schwanz, bellte aber so vorsichtig, dass wir annahmen, er würde selber nicht genau wissen,  ob er uns nun verjagen oder begrüßen sollte. Wenig später kam die „Chefin“ ums Haus gelaufen, freute sich sichtlich über die Gäste und wies ihren „Wadenbeißer“ in die Schranken. Wir bestellten etwas zu trinken, hielten uns dort aber nur kurz auf. Die folgende Aufnahme des GPS-Gerätes zeigt den am höchsten Punkt gelegenen Straßenabzweig. Ab dort ging es an dem Tag fast nur noch bergab. Auf der Abfahrt in das kleine Örtchen Saint-Come-D´Olt gab es immer wieder schöne Ausblicke auf den in diesem Bereich aufgestauten Fluss Lot.

Saint-Come-D´Olt war wie ausgestorben, als wir dort eintrafen. Wir machten ein paar Fotos, liefen kurz zur Lot-Brücke, radelten dann aber weiter. Der Ort wirkte recht hübsch, aber eine Bar oder Restauration sahen wir im Ort auch nicht, sonst hätten wir dort etwas trinken können. Bis Espalion, dem nächsten etwas größeren Ort waren ja nur noch 3-4 km zu radeln, insofern war uns die fehlende Möglichkeit zur Pause in Saint-Come-D´Olt egal.

In Espalion gibt es neben einer Touristeninformation einige Hotels und Restaurants, obwohl der Ort nur ca. 4500 Einwohner zählt. Im Ortskern gibt es darüber hinaus eine Pilgerherberge sowie mehrere Gite d´etape, die Via Podensis (Jakobsweg) trifft hier auf den Ort und führt lotabwärts weiter nach Estaing. Espalion ist ein regionales Zentrum im oberen Lot Tal. Mit den alten Gerberhäusern und einer schönen gotischen Brücke besitzt der Ort ein sehr ursprüngliches Stadtbild. Auf eine Besonderheit trafen wir noch im Ort. Die ehemalige Kirche Saint-Jean, die 1883 entweiht wurde, diente lange Zeit als Rathaus, bevor sie 1978 restauriert wurde. Seitdem beherbergt sie ein Heimatmuseum. Auffallend ist das direkt vor dem Museum stehende Tauchgerät. Es soll an den aus Espalion stammenden Erfinder Rouquavrol-Denavrouze erinnern. Das Tauchgerät soll Vorläufer des heutigen Lungenautomaten sein.

Wir hatten etwas mehr als die Hälfte der Tageskilometer absolviert, als wir uns wieder auf den Weg machten, die letzten  gut 27 km unter die Räder zu nehmen. Die restliche Strecke ging tendenziell so gut wie nur bergab, Zeit hatten wir an dem Nachmittag auch noch genug. Einen weiteren Halt hatten wir noch nach zehn  Kilometern in Estaing.

Der Ursprung des Ortes Estaing ist wohl unbekannt. Das Zentrum des recht kleinen Ortes (gut 600 Einwohner), das man bei der Ankunft nicht übersehen kann, bildet das Schloss (15. Jahrhundert) der Familie d´Estaing. Guilaume d´Estaing war mit dem englischen König Richard Löwenherz auf dem dritten Kreuzzug. Ein weiterer Dieudonné d´Estaing konnte Phillipp II. in der Schlacht von Bouvines das Leben retten. Dafür durfte er die königlichen Lillien in seinem Wappen führen. Während der Französischen Revolution setzte sich Charles-Hector Graf von Estaing für die königliche Familie ein. Er wurde festgenommen und sagte im Prozess gegen die Königin aus. Daraufhin wurde er selbst zum Tode verurteilt. Die Familie Estaing starb im 18. Jahrhundert aus, ihr Titel wurde jedoch 1922 von Edmont Giscard gekauft. Dessen Sohn Valéry Giscard d´Estaing, früherer französischer Staatspräsident, hat das Schloss 2005 mit seinem Bruder erworben und baut es derzeit zu einem Konferenzzentrum um.

In Estaing gibt es wie schon in Espalion mehrere Unterkünfte. Die Via Podensis (Jakobsweg) führt von hier aus noch weiter bis nach Cahors. Uns gefiel der kleine Ort. Wir schoben unsere Räder ein wenig durch die Gassen, kehrten dann  in einem Cafe ein und beobachteten ein wenig das Treiben im Ort. Auf der weiteren Strecke von Estaing bis in unseren Zielort Entraygues war Claudia vor Begeisterung nicht zu halten.  Der Lot und gleichzeitig unsere Straße verloren auf dem Teilstück etwa 100 m an Höhe über NN, so dass wir kaum treten mussten. Einen kurzen Stopp gab es noch an einer kleinen Kapelle. Ich lief die wenigen Stufen kurz hinunter, kehrte aber sofort um, weil die Eingangstür verschlossen war. Der Campingplatz „Valles de Saures in Entraygues gefiel uns gut. Wir bevorzugten kleine saubere Plätze, genau das war hier der Fall. Am späten Nachmittag und Abend radelten wir noch ein wenig durch den Ort, aßen eine Kleinigkeit, fotografierten hier und dort, ließen es aber ruhig angehen. Es war ein gelungener Tag, was hatten wir nicht wieder alles gesehen?

 

 

 


 

 Im Vallée du Lot, oder Regen in Capdenac

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.09.2010 60 474 255 3270 Camping Municipal Les Rives d´Olt

 

Was wurden wir verwöhnt, der Tag begann wieder mit einem blauen Himmel. Beim Frühstück war es am Campingplatz zwar noch etwas kühl gewesen, wir hatten uns in Flies gehüllt, aber kaum waren die ersten Sonnenstrahlen zu sehen, ging es mit den Temperaturen bergauf. Die Strecke nach Capdenac konnte auf den ersten 40 km  landschaftlich kaum schöner verlaufen, es machte einfach Spaß, durch das liebliche Lot-Tal zu radeln und den Blick in die Ferne zu schweifen. In jede Richtung, in die wir schauten, war es irgendwie schön.

Unterwegs überholte uns zwischendurch mal ein französischer Rennradfahrer. Wir kamen eine Zeitlang mit ihm ins „Gespräch“. Die Sprachbarriere (er kein Englisch, wir ein paar Worte Französisch) war aber zu hoch, um die Konversation lange durchzuhalten. Wir brachen das Gespräch deshalb nach einiger Zeit auf nette Art und Weise ab. Viele kleine Dörfchen durchradelten wir, legten hier und da eine Pause ein und machten ein paar Fotos. In Vieillevie gibt es ein kleines Chateau, über dessen Geschichte ich im Internet leider keine Angaben fand.

Den Tag am Morgen zu früh gelobt, änderte sich das Wetter am Nachmittag schlagartig. Dicke Wolken zogen auf!  Wir entschieden uns aus diesem Grund, auf dem kürzesten Weg (18 km) nach Capdenac zu radeln, was wiederum den Nachteil hatte, dass die LKW nervten. Ja, so schnell konnte sich der Tag ändern.

Der Campingplatz „Les Rives d´Olt“  in Capdenac liegt auf der Ostseite des Lot. Der Weg dorthin war einfach und die Beschilderung gut. Bei unserer Ankunft regnete es allerdings in Strömen. Der Himmel hatte sich dermaßen zugezogen, dass an eine Wetteränderung nicht zu denken war. In einer kurzen  Regenpause wagten wir es, unser Zelt aufzubauen, eine Entscheidung, die wir später bereuten. Der Platz wurde immer matschiger, wir rutschten mehrmals aus und kamen kaum noch sicher zum Zelt.

An der Rezeption fanden wir eine Lösung. Auf dem Campingplatz gab es Holzhütten, die man für einen noch gerade akzeptablen Preis mieten konnte. Wir schauten uns nur an, der Entschluss kam spontan, in der Matsche liegen wollten wir nachts nicht. Es dauerte danach etwas, bis das Problem der Stornierung des bezahlten Campingplatzes gelöst war, aber dann war es geschafft.

 

 


 

 Hoch am Berg liegt Saint Cirq Lapopie

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24.09.2010 61 535 380 3650 Camping De La Plage

 

Bei dem Zielort des Tages wurden Erinnerungen wach. 11 Jahre (1999) waren es her, dass wir mit unseren kleinen Kindern eine Bootstour auf dem Lot von Luzech nach Saint Cirq Lapopie unternommen hatten. Wir freuten uns an dem Morgen schon darauf, den hoch am Berg gelegenen kleinen Ort noch einmal wiederzusehen.

Die Straßen waren am Morgen zwar noch nass, aber es hatte sich in der Nacht wohl ausgeregnet. Kein Tropfen kam vom Himmel, als wir mit den Rädern den Campingplatz verließen und Richtung Innenstadt fuhren. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass wir ca. 50 Minuten später wieder an derselben Stelle vorbeiradeln würden. Warum lässt sich am besten anhand der nachstehenden Bildschirmkopie der GPS-Aufzeichnung erklären.

Ursprünglich hatten wir geplant die kleine, auf der Karte in nordöstlicher Richtung verlaufende Straße (grüne Linie) weiterzuradeln. Sie erschien uns ruhiger als die anderen Alternativen. Wir waren dazu in Capdenac der D840 in nördliche Richtung bergauf über 60 Höhenmeter gefolgt und dann den kleinen Weg ca. 80 Höhenmeter steil hinunter geradelt. Als wir unten ankamen, endete die Straße in einer Baustelle die absolut nicht passierbar war. Direkt neben der Bahnlinie hatte man über die komplette Straßenbreite hinweg ein  mehrere Meter tiefes Loch gegraben.

Wir waren natürlich sehr „begeistert“ darüber, nun wieder zurückradeln zu müssen. So kam es, dass wir Capdenac, wieder am Campingplatz vorbeiradelnd, in Richtung Süden verließen. Die Streckenführung in Richtung Cirq Lapopie war ebenso schön wie am Vortag. Wir passierten mehrere Bauernhöfe, eine alte Tankstelle und eine alte Waschstelle, bevor wir auf ein Hinweisschild zum Chateau Larroque-Toirac trafen. Das Chateau Larroque-Toirac befindet sich auf der anderen Seite des Lot.  Wir nutzten den Straßenabzweig zur D38/D662 um auf die andere Seite zu gelangen. Ab dort sieht man das aus dem 12. Jahrhundert stammende Schloss, hoch oben über dem gleichnamigen kleinen Ort, an einem Fels kleben. Bis zum Ort Carjac führte unser Weg an einer stillgelegten Bahnlinie entlang. In Carjac trafen wir wieder auf Pilger und Zeichen der Jakobsmuschel.

Schon seit dem Mittelalter war Carjac eine Durchgangsstation für Pilger. Das 1269 erbaute Hospiz des Ortes findet in mehreren alten Texten Erwähnung. Eine Pilgerbrücke gibt es bereits seit 1320 über dem Fluss Lot. Heute gibt es in Cajarc zwei Pilgerherbergen (Gîte d'étape), Hotels und private Unterkünfte (Cambre d'hôtes), sowie einen Campingplatz. Ebenso befindet sich am Ort ein lokales Touristenbüro. Erste Anzeichen von Menschen fand man in den zahlreichen prähistorischen Höhlen der Umgebung. Aus den Ursprüngen einer römischen Siedlung entwickelte sich die Stadt Caiac, aus der später Cajarc wurde. Während des Hundertjährigen Krieges hatte  Cajarc, wie die meisten französischen Städte unten den Angriffen  der Engländer zu leiden. Der Festung oberhalb der Stadt und den massiven Verteidigungsanlagen um die Stadt ist es wohl zu verdanken, dass sie von englischer Besatzung verschont blieb. Allerdings wurde die Brücke über die Lot im Jahre 1356 von den Invasoren zerstört. 1842 baute man eine Hängebrücke, die bis heute in Betrieb ist. Während der Religionskriege bildete Cajarc für mehr als ein Jahrhundert einen protestantischen Zufluchtsort. Im Januar 1623 wurden die Festung und die Verteidigungsanlagen der Stadt auf Anweisung des Kardinals Richelieu zerstört. Seine Blütezeit erlebte der Ort im 19. Jahrhundert, dank der Gerbereien, Fabriken, Bergwerke und des Phosphat-Transports per Binnenschiff auf dem Fluss Lot.

Uns zog es nach Cirq Lapopie, wir hielten uns in Carjac nur kurz auf und radelten dann weiter. Auf der Flussseite, auf der wir uns befanden, wurden die Felsen immer steiler. Die Häuser sind in dem Bereich teilweise eng an die Felsen gebaut. Kurz vor Cirq Lapopie fuhren wir noch eine kleine Schleife durch den Ort St. Martin Labouval. Die Kirche des Ortes war zwar relativ schlicht gebaut, besaß aber ein sehr schönes Fenster. Den Campingplatz vor Cirq Lapopie erreichten wir bereits am frühen Nachmittag.

Den ganzen Tag über hatte die Wetterlage sich einigermaßen gehalten, immer wieder war zwischendurch sogar die Sonne erschienen. Bei der Ankunft regnete es leider ca. 30 Minuten heftig. Wir retteten uns vor dem Waschhaus unter einen größeren Dachüberstand und hatten Glück, am Horizont erschien ein blaues Wolkenband. Als ich etwas später den Zeltsack aufmachte, kam mir ein Liter Wasser entgegen. Wir hatten das Zelt in Capdenac über Nacht stehen gelassen und erst am Morgen vollkommen nass abgebaut. Das war egal, nach einer Stunde war es trocken.

Etwa später schnappten wir uns unsere Räder und radelten langsam die 80 Höhenmeter in den Ort hinauf. Die alten Gässchen waren uns ja noch ein wenig in Erinnerung geblieben.

Saint Cirq Lapopie wurde von der Vereinigung „Les plus beaux villages de France“ zu einem der schönsten Dörfer Frankreich erklärt. Die steilen Gassen des Ortes sind geprägt durch ziegelgedeckte Giebelhäuser aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Viele Künstler haben sich im Dorf niedergelassen und bieten ihre Erzeugnisse an. Am Fuße des Felsens Lapopie erinnern Mühlen, Schleusen und der Hafen sowie der Leinpfad an die Zeit der florierenden Binnenschifffahrt auf dem Lot. Im Mittelalter existierte in Saint-Cirq-Lapopie ein Hospiz für Pilger. Heute gibt es im Ort eine Pilgerherberge (Gîte d'étape), mehrere Hotels und Privatzimmer (Chambre d'hôtes), sowie den am Lot gelegenen Campingplatz auf dem wir übernachteten.

Nachfolgend noch einige Fotos von unserem abendlichen Besuch. Den Abend verbrachten wir in dem Restaurant der „Auberge du Roucayral. Das Restaurant befindet sich nur 300 m vom Campingpatz an der D662. Über die Straße würden wir einen Tag später nach Cahors radeln.

 


 

 

 Über Cahors nach Puy L´Eveque

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25.09.2010 83 618 450 4100 Camping Le Vignes

 

Auf den ersten 57 der insgesamt 76 km langen Tagesetappe radelten wir am Lot den Teilabschnitt entlang, den wir von Luzech aus 11 Jahr zuvor mit dem Boot gefahren waren. So manches erkannten wir in den verschiedenen kleineren  Orten wieder. Mal war es eine Anlegestelle an der wir unser Boot  festgemacht hatten, mal ein Restaurant in dem wir eingekehrt waren. Die Straßen waren noch nass als wir morgens starteten, es regnete aber nicht und die Luft war so klar, dass es richtig Spaß machte in die Pedale zu treten. Unseren ersten kurzen Stopp hatten wir in dem kleinen Örtchen St. Gery. Für eine Cafepause war es aber noch etwas zu früh, deshalb radelten wir noch weiter bis Vers.

Im Zentrum des kleinen Ortes Vers sahen wir auf der linken Straßenseite das Hotel/Restaurant „Truite Dorée“. Es gefiel uns schon von außen recht gut, deshalb machten wir dort auf der Außenterrasse eine Pause und wurden nicht enttäuscht. Der Cappuccino war äußerst lecker. Über Savanac und Laroque des Arcs (Schöne Kirche auf einem Fels) führte unser weiterer Weg nach Cahors, der Stadt, in der sich im Mittelalter die Pilgerströme, die dem Tal des Lot oder des Celé gefolgt waren, vereinten. Wir wichen dem zunehmenden PKW-Verkehr am Lotufer aus und radelten über kleinere Innenstadtsträßchen ins Zentrum zur Touristeninformation.

An Sehenswürdigkeiten hat Cahors einiges zu bieten:

- Pont Velentre, eine Brücke aus dem 14. Jahrhundert mit drei befestigten Türmen, sechs Brückenbögen und mit spitzen Bastionen bewehrten Pfeilern. Das außergewöhnliche Beispiel eines mittelalterlichen Verteidigungsbauwerkes wurde zum Wahrzeichen Cahors.

- Kathedrale Saint-Étienne, die Kathedrale, die mit ihrer Kuppelarchitektur die Hauptkirche Cahors und gleichzeitig Sitz des Bischofs ist.

Nach einer kurzen Ortsbesichtigung schoben wir die Räder über die Pont Velentre auf die westliche Flußseite und beobachteten vom Ende der Brücke  einen Schleusenvorgang. Die manuell zu bedienende Schleuse hatten wir ja Jahre zuvor selber bedient. Danach radelten wir weiter in Richtung Luzech. Die ca. 17 km bis Luzech waren schnell geschafft. Der Weg führte uns immer mal wieder ein wenig vom Fluss getrennt durch Weinanbaugebiete.

Zu unserem Erstaunen fanden wir in Luzech keine Unterkunft, so dass wir unsere Planung änderten und die weiteren 18 km bis Puy L´Eveque in Angriff nahmen. Einige Rennradfahrer, die Claudia vor der Weiterfahrt am Ortsausgang von Luzech ansprach, sorgten bei Claudia für den notwendigen Motivationsschub. Ihr Gesicht erhellte sich, als ich etwas abseits stehend noch die Worte „only flat“ vernahm. Beherzt trat Claudia in die Pedale, die letzten  18 km würden dann auch noch zu schaffen sein. Kurz vor Puy L´Eveque schwenkten wir nach Süden. Der Campingplatz Les Vignes liegt etwa 3 km südlich des Ortes unmittelbar am Lotufer. Nach einer letzten Steigung, hatten wir die 76 Tageskilometer geschafft.

In Erinnerung geblieben ist uns der sehr nette Campingplatzbesitzer, der sich sehr viel Zeit nahm uns in seinem kleinen Laden mit den nötigsten Lebensmitteln zu versorgen. Da wir fast alleine auf dem Platz waren und etwas Kühle aufzog, bot er uns an, den Aufenthaltsraum nicht abzuschließen. Dort verbrachten wir auch den Rest des Abends, nachdem wir die 3 km in die Stadt geradelt und in einem Restaurant gegessen hatten.

 

 


 

 Auf nach Villeneuve sur Lot

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.09.2010 66 684 250 4350 Camping Municipal du Rooy

 

Was war das für ein herrlicher Morgen! Die Sonne schien in voller Pracht, es war etwas kühl, aber noch sehr angenehm. Unser Frühstück nahmen wir im Aufenthaltsraum ein, den der Campingplatzbesitzer wohl nicht mehr abgeschlossen hatte, danach verabschiedeten wir uns von ihm und machten uns auf den Weg.

Die Tagesetappe führte uns über die Orte Fumel und Saint Sylvestre sur Lot nach Villeneuve sur Lot. In Fumel schlenderten wir ein wenig über den Markt, bevor es über alte Bahntrassen nach Saint Sylvestre ging.

Das nachstehende etwas unscharfe Foto steht in unmittelbaren Zusammenhang mit einem Ärgernis, dass uns die zunächst gute Tageslaune raubte. Unsere Entscheidung auf der alten Bahntrasse zu radeln führte dazu, dass wir auf das abgebildete Hindernis stießen. Wir mussten unser Gepäck abladen und die Räder über die Absperrung heben. Leider vergaß ich in dem Moment, an der Lenkertasche die Druckknöpfe richtig zu verschließen. Beim neigen des Rades öffnete sich die Tasche und meine Kamera fiel zu Boden. Stinksauer über die eigene Blödheit, hoffte ich noch darauf, dass die Kamera den Sturz unbeschadet überstanden hätte. Leider war dem nicht so, der Fokus funktionierte bei einer bestimmten Neigung des Gehäuses nicht mehr. Anmerkung: Wieder zu Hause durfte ich für die Reparatur Euros im dreistelligen Bereich „hinblättern“.

Bereits am frühen Nachmittag erreichten wir immer noch etwas angesäuert Villeneuve sur Lot. Wir machten an dem Abend das Beste draus, gingen in Villeneuve eine Kleinigkeit essen und irgendwie gelang es mir auch noch der Kamera einige Fotos zu entlocken, der Tag war leider nicht gut verlaufen.

 

 


 

 Die letzten 27 km nach Agen (Bootsübernahme)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.09.2010 31 715 300 4650 Boot

 

Die letzten 27 km unserer erlebnisreichen Radtour brachten wir relativ zügig hinter uns. Ein zweimal versuchten wir statt auf der N21 zu fahren auf kleine Nebenstraße auszuweichen, dort ging es aber immer ziemlich steil bergauf, so dass wir wieder zurück auf die N21 schwenkten. Um die Mittagszeit erreichten wir Agen, schauten kurz bei der Bootsvermietung Locaboat vorbei, radelten aber dann in den Ort. Bis zur Bootsübergabe um 15:00 Uhr waren noch ca. 2 Stunden Zeit, genug um sich ein wenig den Ort anzusehen.

Unsere Radtour war damit beendet. Eine Stunde später bekamen wir eine technische Einweisung in die Bedienung des für eine Woche gemieteten Bootes, einer ca. 10 m langen Penichete. Nach einem Einkauf im nahe gelegenen größeren Supermarkt wurden die Räder auf dem Bootsdeck verzurrt und das Gepäck verladen. An dem Abend fuhren wir mit dem Boot noch ein paar Kilometer auf dem Canal laterale du Garonne, bevor wir in einem kleinen Hafen anlegten.

 

 

 


 

 Unsere Bootsfahrt von Agen nach Valence sur Baise

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.09.2010 -
04.10.2010
0 715 0 4650 Boot

 

Bei Alpenradtouren.de handelt es sich ja um eine Radreiseberichtsseite. Aus diesem Grund verzichte ich hier auf eine weitere Berichterstattung der einen Woche, die wir mit dem Boot auf dem Canal lateral du Garonne und der Baise Lot unterwegs waren. Für Interessierte habe ich nachstehend ein paar Fotos eingefügt. Zusammenfassend können wir sagen, dass uns die Kombination der Radtour mit dem anschließenden relaxen auf dem Boot sehr gefallen hat.

 

 

 


 

 Im Regen nach Auch! Mit dem Zug über Toulouse nach Beziers

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.10.2010 - 05.10.2010  55 715 350 5000 Hotel Garden in Toulouse und
Hotel Alma in Beziers

 

Eine Woche später regnete es bei der Bootsübergabe (04.10.2010) in Strömen. Die Übergabe erfolgte ohne Komplikationen, so dass wir uns kurze Zeit später in Regenkleidung auf die bepackten Räder setzten und die 35 km zum nächsten Bahnhof radelten. Der Bahnhof in Auch war unser Ziel, von dem aus wir mit dem Zug unsere Heimreise antreten wollten.

Das kleine Örtchen Auch erreichten wir nach einer strapaziösen Fahrt, die uns teilweise an die Grenzen unser Kräfte brachte. Der Grund lag in den starken Windböen, die uns fast vom Rad bliesen. Gegen die Windrichtung zu fahren war bei den starken Regenfällen immens schwierig. Bei der Ankunft im Bahnhof konnten wir uns glücklicherweise ein wenig aufwärmen und unsere Kleidung trocknen.

Die vorletzte Übernachtung unserer Reise verbrachten wir im Hotel Garden in Toulouse. Den darauffolgenden Morgen nutzten wir um noch ein wenig durch Toulouse zu radeln um ein paar Fotos zu machen (war zeitaufwendig mit der defekten Kamera), radelten aber frühzeitig zum Bahnhof.

Um die Mittagszeit brachte uns der Zug dann von Toulouse nach Beziers. Wir übernachteten wie bei unserer Ankunft im Hotel Alma und flogen einen Tag später von Beziers aus nach Weeze zurück.

Nachbetrachtung:

Wir empfanden die Kombination der 770 km langen Radtour mit der anschließenden Bootstour als ideal. Wunderschöne Tage hatten wir auf dem Rad verbracht. Anschließend auf dem Boot ebenfalls bei tollem Wetter ein Buch in die Hand zu nehmen zu können und einfach zu relaxen hatte etwas, das wir in dieser Form noch nicht erlebt hatten. Kurzum, jederzeit wieder!