117 Radkilometer von Bamberg nach Kitzingrn

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.08.2011 117 117 200 200 Hotel Bayrischer Hof

 

Gut gelaunt verließen wir morgens das Hotel Bamberger Hof. Das Hotel hatte uns zwar nicht besonders gefallen, wir freuten uns aber darauf, in der tollen Morgenluft die ersten Kilometer am Main entlang zu radeln. Der Himmel zeigte uns ein paar Wolken, sehr bedrohlich wirkten diese aber nicht. Bei angenehmer Temperatur legten wir die ersten wenigen Kilometer bis zur Bamberger Ortsgrenze zurück. Danach ging es überwiegend abseits von Straßen geführt durch die kleinen Orte Bischberg, Trunstadt, Rossstadt und Eltmann bis nach Limberg.

In Limberg standen wir plötzlich vor einem großen etwas zu modern geratenen Holzfloß, das dort wohl platziert worden war, um an die Zeit der Flößer zu erinnern. Auf der anderen Radweg Seite amüsierten wir uns über die gelungene „Wetterstation aus der  Flößerzeit“.

Nachstehend mal einige Erläuterungen zur Funktionsweise der Wetterstation.

Stein trocken  >> Sonne

Stein nass >> Regen

- Stein dampft >> Hitze nach Regen

- Stein unsichtbar >> Nebel

Stein grau  >> Raureif

- Stein weiß >> Schnee

Stein im Wasser >> Hochwasser

- Stein bewegt sich >> Sturm

- Stein weg >> Diebstahl

Die Flößer müssen lustige Menschen gewesen sein, auch wenn ihre Arbeit sicherlich hart war.

Bis in die 1950 er Jahren stellte der Beruf eines Flößers neben der Landwirtschaft und dem Fischfang eine der Haupterwerbsquellen der Bevölkerung in der Region dar. Kleine Flöße aus dem Frankenwald wurden auf dem Main zu größeren Gebinden zusammengestellt und auch hinsichtlich der Größe immer wieder dem breiter werdenden Fluss angepasst, bis auf dem Rhein riesige Flöße das fränkische Holz nach Holland transportierten. 1986 schwamm wohl das letzte Floß auf dem Main zu Tal. Noch einmal schallte der Gruß der Flößer aus dem Frankenwald hinab zum Main. Von Bamberg aus waren die Flößer damals mit ihrem 80 m langen und knapp 9 m breiten Floß nach Karlstadt aufgebrochen, wo das dortige Sägewerk die 160 Festmeter Holz kaufte und verarbeitete. Die letzte Fahrt wurde in den einzelnen Orten durch Feierlichkeiten begleitet. Mehr als hunderttausend Menschen säumten damals den Weg. Wenige Kilometer weiter in Hassfurt gab es erst einmal etwas zu trinken.

Zu den Sehenswürdigkeiten des kleinen Ortes zählen die Stadtpfarrkirche St. Kilian aus dem Jahr 1390, der Obere Turm oder Bamberger Tor, sowie das Würzburger Tor oder der Untere Turm. Der Main trennt in dieser Region zwei Kulturen voneinander. Ganz im Norden des Steigerwaldes, wo nur der Main den Steigerwald von den Haßbergen trennt, trifft Weinfranken auf Bierfranken. Bierfranken bezeichnet vor allem die oberfränkische und mittelfränkische Region in der es in den Städten Kitzingen, Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Kulmbach mehr als 200 Brauereien gibt. Weinfranken liegt wiederum im Nordwesten Frankens, das mit über 6000 ha Anbaufläche zu den mittelgrößten Anbaugebieten Deutschlands zählt.

Von Hassfurt nach Schweinfurt führt der ca. 20 km lange Radweg idyllisch geführt fast durchgängig am Main entlang. Kurz vor Schweinfurt trafen wir auf ein industriegeschichtliches Denkmal, einen fahrbaren Greiferdrehkran aus dem Jahr 1926.

Schweinfurt, das im 8. Jahrhundert noch Svinfurt (für Schweine gangbare Furt) hieß, ist heute eine Arbeiterstadt, auch wenn sich die Gewichte in den letzten Jahren zugunsten des Dienstleistungssektors verschoben haben.
Geprägt wird die Stadt seit 1890 von der metallverarbeitenden Industrie. Größte Arbeitgeber sind die Automobilzulieferer ZF Sachs, die beiden Wälzlagerhersteller Schaeffler KG und SKF sowie Bosch Rexroth und Fresenius Medical Care.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt aufgrund der Konzentration der kriegswichtigen Wälzlagerproduktion wiederholt das Ziel alliierter Bombenangriffe. Unter großen Anstrengungen wurde damals die Produktion aufrecht erhalten und die Fabriken teilweise bunkerartig geschützt.

Wir verließen das Mainufer und standen - kaum 200 m geradelt -  plötzlich auf dem Markplatz, auf dem sich das Friedrich Rückert Denkmal und das große alte Rathaus befindet. Das Rathaus wurde in den Jahren 1570 bis 1572 von Nikolaus Hofmann erbaut. Es gilt als eines der wichtigsten profanen Renaissance-Bauwerke Süddeutschlands. Während von den Gebäuden der Innenstadt nicht viel stehen blieb, überstand das Rathaus wie durch ein Wunder die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges. Die historischen Räume werden heute für repräsentative Zwecke genutzt. In der Eingangshalle finden Kunstausstellungen statt.

Auf dem Markplatz aßen wir eine Kleinigkeit, bevor wir weiter nach Wipfeld radelten. In Wipfeld wechselt der Mainradweg die Mainseite. Zur Querung des Flusses hat die Gemeinde Wipfeld dort eine Fähre eingesetzt, mit der wir nach einer kurzen Rast für wenige Cent über den Fluss setzten. Einen Kilometer weiter trafen wir am Ortseingang des kleinen Ortes Stammheim auf ein „Museum für Militär- und Zeitgeschichte. Wir machten einige Fotos von Außen, entschlossen uns aber,  keine Eintrittskarten zu kaufen.

Danach radelten wir weiter nach Sommerach. Der kleine Ort, der an einer südlich Mainschleife durch den Mainkanal abgeschnitten wie auf einer Insel liegt, ist stark durch den Weinanbau geprägt. Einer der bekanntesten Lagen ist der Sommeracher Katzenkopf. Etwa 14 Kilometer vor unserem Tageszielort Kitzingen befindet sich die große Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Wir hatten bereits 103 Tageskilometer in den Beinen, als wir am späten Nachmittag die riesige Abtei vor uns liegen sahen.

Die Benediktinerabtei besitzt eine Geschichte, die bis in das Jahr 780 zurückreicht. Wer sich für die bewegte Historie interessiert, kann mit einem Klick in die folgende Grafik in einem gesonderten Fenster die Internetseite der Abtei öffnen. Dort ist die Geschichte der Abtei, die in ihren Ursprüngen ein Frauenkloster beherbergte, ausführlich dokumentiert.

Bei der Ankunft in Mainstockheim sahen wir zufälligerweise noch ein Schild mit einem Hinweis auf das Schloss Ebracher Hof. Neugierig radelten wir die wenigen hundert Meter kurz in den Ort, um einen Blick auf das imposante Gebäude zu werfen, das heute als Altenheim genutzt wird. Als Bauzeit kommen wohl die Jahre 1618 bis 1630 in Frage, wobei der Baumeister bis heute unbekannt blieb.

Das direkt am Main liegende Kitzingen, das wir eine halbe Stunde später erreichten, ist eine der ältesten Städte Unterfrankens. Schon 745 wird das Bestehen des Klosters „Chitzzinga monasterium“ durch Sturmius, den ersten Abt von Fulda, beschrieben. Die Klosterfrauen waren die Ersten, die  nicht nur ein Kloster, sondern auch einen Weinkeller, den „Alten Klosterkeller“ errichteten, der noch heute vortrefflich die Rolle Kitzingens als Weinhandelsstadt bezeugt. Fachwerkhäuser, das Renaissance-Rathaus, die Alte Mainbrücke, die berühmte Kreuzkapelle von Balthasar Neumann und die zahlreichen Türme prägen das Stadtbild. Leider regnete es an dem Abend ständig, so dass es nicht möglich war, den imposanten Ort mittels Fotos entsprechend zu dokumentieren.

Gut gelaunt ließen wir den Abend in unserem Hotel „Bayrischer Hof“ feuchtfröhlich ausklingen. Die längste Tagesetappe unserer Tour hatten wir an dem Tag bereits geschafft.