Von Kitzingen nach Lohr mit einer Regenpause in Würzburg

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.08.2011 96 217 200 400 Park Hotel Leiss

 

Das Wetter spielte an dem Tage leider überhaupt nicht mit. Immer wieder zogen gewaltige Regenwolken über uns hinweg. Irgendwie schafften wir es aber, bis wenige Kilometer vor Lohr, fast trocken ins Ziel zu kommen. Mittags saßen wir glücklicherweise in einem Cafe im Zentrum Würzburgs als es eimerweise regnete, die anderen Male befanden sich zu Beginn des Schauers immer Unterstellmöglichkeiten in der Nähe. Das Glück war an dem Tag trotz des widrigen Wetters noch irgendwie bei uns.

Ich sollte aber von Vorne beginnen. Nach einem leckeren Frühstück im Hotel Bayrischer Hof, das uns übrigens gut gefallen hatte, verließen wir Kitzingen, indem wir über die Mainbrücke hinweg auf die östliche Seite des Flusses radelten.

Nach ca. 5 km trafen wir in Marktsteft auf eine Hinweistafel mit Erläuterungen über Bayerns ältesten Hafen. Wir standen vor einer Hafenanlage des Markgrafen von Ansbach, der von dort in den Jahren 1777 bis 1782 ca. 1000 Söldner in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verschiffte. Während des Napoleonischen Krieges wurden Waren aus England, die für den nahen und fernen Osten bestimmt waren, über Rhein und Main transportiert. Von dem alten Hafen vor dem wir standen, wurde die Ware auf dem Landweg mit Pferdefuhrwerken über Nürnberg zur Donau transportiert.  Nach dem Bau der Eisenbahnlinie im Würzburger Land wurde der Marktstefter Hafen schließlich bedeutungslos. Auf den 10 km bis Ochsenfurt blieb es trocken. Wir fuhren durch Sonnenblumenfelder und genossen immer wieder die Blicke auf den Main.

Ochsenfurt wird urkundlich erstmals im Jahr 725 erwähnt, als vor Ort ein Kloster in der Stadt gegründet wurde, dessen Äbtissin Thekla von Kitzingen hieß. Verschiedenen Annahmen zu Folge befand sich in Ochsenfurt möglicherweise ein Königshof. Die Reste der teilweise heute noch zu sehenden Türme und Mauern stammen aus dem 14. Jahrhundert. Seit dieser Zeit war die Stadt Teil des Fürstentums Würzburg. Erst mit dem Bau der Brücke im Jahr 1512 gewann Ochsenfurt aber auch wirtschaftliche Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg wurde der mittlere Bogen der auf dreizehn Säulen ruhenden Mainbrücke von den einrückenden Amerikanern gesprengt, die Altstadt blieb glücklicherweise im Wesentlichen verschont. Die alte nach dem Krieg wieder hergestellte Brücke wurde im April 2007 wegen Einsturzgefahr auch für Radfahrer und Fußgänger  gesperrt. Mit Mitteln des Denkmalschutzes und des Bundes wird die Brücke nun seit September 2009 wieder originalgetreu restauriert.
Ein weiteres Highlight in der Stadt ist das „Neue Rathaus“, das im Jahr 1497 fertiggestellt wurde und die Stadtmauern, von denen noch Einiges zu sehen ist.

Der Mainradweg führt in Ochsenfurt wieder auf die nördliche Mainseite. Da die alte Brücke aufgrund der Restaurierung nicht nutzbar ist, wurde im westlichen Bereich der Stadt eine Fähre eingesetzt. Für wenige Cents setzten wir mit unseren Rädern mit der Nixe auf die andere Mainseite über. Auf dem weiteren Weg nach Würzburg teilweise Idylle pur! Bei der Ankunft in Würzburg regnete es leicht. Wir waren sehr überrascht, als wir am Mainufer mit unseren Rädern plötzlich vor einem Sandstrand standen. Wer hätte sich in der Situation nicht gerne in einen der Liegestühle gesetzt?  Bei dem Regen machte das aber wohl kaum Spaß. Wir radelten mit unseren Rädern zügig zur alten Mainbrücke, um dem Regen zu entkommen und hatten Glück.

Die Altstadt von Würzburg rettete uns! Wir waren kaum in einem Cafe eingekehrt, als es „aus Eimern schüttete“. Das Wasser lief in Strömen die Straße zur alten Mainbrücke hinab. Die Altstadt, in denen vor wenigen Minuten noch hunderte von Menschen unterwegs waren, war plötzlich wie leergefegt. Wir nutzen die Zeit, wärmten uns ein wenig auf, aßen eine Kleinigkeit zu Mittag und schauten immer wieder zum Himmel. Wann würde dieser Sturzregen endlich enden? Im angrenzenden Gebäude befand sich eine Ausstellung, die wir uns in Ruhe anschauten, wir hatten noch Zeit und bei dem starken Regen wollten wir ohnehin nicht weiterfahren. In der Ausstellung wird die massive Bombardierung Würzburgs am 16.03.1945  anhand eines Modells sehr anschaulich dargestellt. 

Eine halbe Stunde später hatte sich das Wetter beruhigt. So schnell wie die Menschen mit dem Einsetzen des Regens auf den Straßen verschwunden waren, so schnell kehrten sie auch wieder zurück. Als wir unsere Räder über die alte Mainbrücke schoben, waren schon wieder reichlich Touristen unterwegs.

Unser Blick ging immer wieder nach oben. Würde sich das Wetter am Nachmittag noch einigermaßen halten? Die ersten 38 Tageskilometer hatten wir bis Würzburg zwar mit viel Glück trocken geschafft, aber bis Lohr waren immerhin noch 58 km zu radeln. So „hangelten“ wir uns an dem Nachmittag von Ort zu Ort, bis wir nach weiteren 27 km doch tatsächlich ohne nasse Schuhe Karlstadt erreichten. Es hatte zwischendurch zwar immer mal wieder ein wenig getröpfelt. Das war aber kein Vergleich zu dem Sturzregen in Würzburg gewesen. 

Karlstadt hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Schon bei der Ankunft waren wir am Ortseingang am Mühlturm (Brückenturm) vorbeigeradelt, der als südwestlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung seinen Namen von der benachbarten Roßmühle erhielt. Kaum 100 m weiter trafen wir auf das obere Tor, das den südlichen Zugang zur Stadt ermöglicht. Ab dort wandelt man quasi durch die historische Altstadt von Karlstadt. Wir respektierten die Fußgängerzone und schoben unsere Räder durch die Gassen, bis wir ein Cafe fanden. Zwischendurch wurde natürlich fleißig fotografiert.

Bis Lohr am Main waren nach dem kurzen Halt noch 30 km zu radeln. Es lag also nahe, den auf halber Strecke liegenden Ort Gemünden als nächstes kleines Etappenziel  anzupeilen. Bis dorthin schafften wir es wieder ohne großartig nass zu werden, kaum saßen wir aber im Cafe. regnete es reichlich. Auf den restlichen Kilometern bis nach Lohr schafften wir es noch einmal vor dem Regen zu fliehen und uns unter die Mainbrücke Nantenbach zu retten, danach verließ uns der Schutzengel.

Gut vier Kilometer vor dem Ziel, keine Unterstellmöglichkeit weit und breit, erwischte  uns der Regen richtig. Die Laufräder schleuderten das Wasser von unten hoch, während der Himmel sein Bestes gab, uns von oben mit Wasser zu „ertränken“! Klatschnass erreichten wir das Parkhotel Leiss in Lohr am Main. Das Wasser lief uns aus den Schuhen, als wir die Räder in die Tiefgarage des Hotels schoben. Egal, wir hatten nach 96 Tageskilometern unser Ziel erreicht, die Schuhe und Kleidung würden wir im Hotel wohl trocknen können.

Lohr am Main zeigte sich uns an dem Abend noch als idyllisches Städtchen. Den Abend verbrachten wir in einer gemütlichen alten Weinstube mit dem Probieren alter Hausrezepte. Zur Identifizierung der einzelnen „Rezepturen“ kannte Wolfgang keine Zurückhaltung. Der Fragen irgendwann überdrüssig, schleppte die Kellnerin schließlich einen Wein-Brockhaus an unseren Tisch, wir sollten uns die Fragen wohl selber beantworten.