Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 25.08.2010 - 29.08.2010

 350 km

 800 Hm

 

  

Der Mainradweg im Abschnitt zwischen Bamberg und Aschaffenburg bietet auf seiner Länge von ca. 320 km Radel Spaß pur!  Fast immer flach und überwiegend  abseits von Hauptstraßen geführt, liegen an der Strecke viele kulturelle Höhepunkte und idyllische kleine Orte. Die größeren Städte wie Bamberg, Würzburg und Aschaffenburg laden Radler zur Pause ein, zu interessant sind deren Altstädte und Geschichte. Den weiter nach Westen führenden Streckenabschnitt von Aschaffenburg nach Mainz hatten wir bewusst nicht mit in die Tourplanung genommen, weil er zum Teil durch die Industriegebiete Frankfurts führt. Hinzu kam, dass uns für die gesamte Strecke inkl. An- und Abreise max. 5 Tage zur Verfügung standen.

Die Hotels für die 4 Übernachtungen in Bamberg, Kitzingen, Lohr und Miltenberg/Bürgstadt hatten wir bereits von zu Hause aus über das Internet gebucht. Eine Vorgehensweise, die nicht zwingend erforderlich war, sich aber für die Übernachtung in Miltenberg als sinnvoll erwies. Aufgrund der an dem Wochenende stattfindenden Michaelismesse waren alle Hotels ausgebucht. Bei den ersten 4 Anfragen erhielten wir nur Absagen, so dass wir in den kleinen Nachbarort Bürgstadt auswichen

 

km,


  


 

 Anreise und in der Bamberger Altstadt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25.08.2011 0 0 0 0 Hotel Alt Bamberg

 

Am 25.08.2010 machte sich unser Radler-Team von 1999 und 2003 (Hubert, Wolfgang und ich) mit dem PKW zu dritt auf den Weg nach Aschaffenburg, um von dort mit der Bahn nach Bamberg zu reisen. Dort sollte unsere Radtour einen Tag später beginnen. Da wir in unterschiedlichen Orten wohnten, trafen wir uns an einem Autobahnparkplatz an der A45 (Schwerte/Ergste), ließen Huberts PKW dort stehen und reisten gemeinsam mit einem Fahrzeug nach Aschaffenburg. Die weitere Fahrt verlief ohne Schwierigkeiten, so dass wir zügig unser Ziel erreichten. Das Auto parkten wir auf dem Volksfestplatz, direkt am Mainufer gegenüber dem Schloss.

Kurz die Lenker gedreht, die Sattelhöhe eingestellt und Taschen angehängt und schon konnte unsere Tour beginnen. Über die Mainbrücke radelten wir mit Blick auf das AschaffenburgerSchloss in Richtung Bahnhof. Der bestand aus einer riesigen Baustelle, so dass wir zunächst Schwierigkeiten hatten, den Fahrkartenschalter zu finden. Im Eiltempo ging es danach mit den beladenen Rädern die Stufen hinunter und wieder hinauf zum richtigen Gleis. Die zweimalige Nutzung des vorhandenen Aufzugs hätte zu viel Zeit gekostet, weil alle Räder nicht gleichzeitig in den Aufzug passten.  Um 12:13 Uhr, wenige Minuten vor der Abfahrt, war auch das geschafft. Pünktlich um 12:17 Uhr fuhr die Regionalbahn in Richtung Bamberg.

Das heutige Bamberg kann grob in drei Teile gegliedert werden. Der moderne neuere Teil liegt östlich des rechten Regnitzarmes, die bürgerliche Altstadt zwischen den beiden Regnitzarmen und das geistliche Viertel westlich des linken Regnitzarmes. Vom Hauptbahnhof, der im Nordosten Bambergs im neueren Teil liegt, radelten wir über die Luipoldstraße in Richtung Altstadt, um zum Hotel Bamberger Hof zu gelangen. Dort trennten wir uns vom Gepäck und von den Rädern, unseren Streifzug durch das alte Bamberg wollten wir zu Fuß angehen.

Bamberg besitzt eine bewegte Geschichte, die auf das fränkische Großreich zurückgeht. Ende des 9. Jahrhunderts errichtete ein fränkisches Grafengeschlecht mit dem Namen „Familie der Babenberger“ auf dem heutigen Domberg eine Burg. In der blutigen Babenberger Fehde verlor diese Familie nicht nur alle ihre Besitzungen, sondern auch ihr Leben. Im Jahr 973 schenkte Otto II. dem Bayernherzog Heinrich dem Zänker die königliche Grundherrschaft, die anschließend an seinen Sohn Heinrich überging. Dieser wurde im Jahr 1002 zum König Heinrich II. gewählt. Gemeinsam mit seiner Frau Kunigunde von Luxemburg lebte er in dem künftigen Bistum Bamberg und wählte diesen Ort wohl zu seinem Lieblingsplatz.
Der Aufstieg zum geistlichen Zentrum begann im 11. Jahrhundert, zu erkennen an den vielen Kirchtürmen, die Bamberg überragen und in dieser Epoche gebaut wurden. Bamberg wird wohl auch als das fränkische Rom bezeichnet, weil die Stadt auf sieben Hügeln liegt, auf deren Spitze jeweils eine Kirche steht. Geistlichen Ruhm erlangte die Stadt nicht nur durch ihre vielen Kirchen, sondern darüberhinaus durch ihren Bischof, der als Clemens II. Papstwürde erlangte.
Was wäre Bamberg ohne sein Brauereigewerbe, das der Kirche schon fast ihre Herrschaft abgesprochen hatte, als es in der Stadt noch mehr Brauereien als Kirchtürme gab. Von den vielen Brauereien sind immerhin noch neun geblieben, das Bierbrauen ist also nach wie vor ein großer Wirtschaftszweig der 70.000 Einwohner zählenden Stadt.

Wunderschönes Wetter hatten wir an dem späten Nachmittag, als wir zu dritt durch die alten Gassen streiften. Die Biergärten  luden zum Rauchbier- trinken ein, die geöffneten Restaurants mit ihren teilweise wunderschönen Innenhöfen boten darüberhinaus leckere Speisen zum Verzehr. Die ersten Eindrücke vom alten Bamberg und das alte Rathaus, das die Regnitz überspannt, waren geeignete Fotomotive, die unbedingt festgehalten werden mussten.

Danach liefen wir zum Bamberger Dom. Der 1237 geweihte Dom ist ein großartiges Werk des Übergangs von der Romanik zur Gotik. Am 01. November 1007 erfolgte auf Bitten König Heinrichs II. die Gründung des Bistums Bamberg. Fünf Jahre später, am 06. Mai 1012 konnte die bereits 1004 begonnene Kathedrale konsekriert (Weihe des Altars) werden. Nach zwei Bränden in den Jahren 1018 und 1185 entstand der heutige Dom mit seinen vier Türmen, zwei Chören, Krypta und westlichem Querhaus. Der Bamberger Dom ist vor allen wegen seiner Kunstwerke berühmt. Rings um den Ostchor stehen die Plastiken der Stauferzeit (ca. 1230): Synagoge, Ecclesia, die Chorschrankenreliefs mit den Propheten und Aposteln, der Bamberger Reiter, Papst Clemens II. und andere. Sehenswert sind auch das Fürstenportal und die Marien- und Adamspforte mit ihren Skulpturen. Neben den Gräbern von Papst Clemens II (+1047) im Westchor und König Konrad III.(+1152) in der Krypta  ist das Hochgrab der Bistumsgründer, des hl. Kaisers Heinrich und seiner Gemahlin Kunigunde von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus gilt der Altar von Veit Stoß (1523) im südlichen Seitenschiff als herausragendes Kunstwerk.

Beim Verlassen des Doms fielen uns die ungewöhnlich vielen LKW auf, die auf dem Domplatz standen, aber dort irgendwie nicht hinpassten. Die Erklärung bekamen wir kurze Zeit später, als ich von einem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes  aufgeforderte wurde, keine Fotos zu machen. Der Grund war folgender: In Deutschland entstand gerade der teuerste Film, der je in Deutschland gedreht wurde. Es handelt sich um die 3D-Variante des Hollywood-Streifen „Die drei Musketiere“ und Bamberg mit seiner Alten Hofhaltung und dem Dom Umfeld war einer der Drehorte. Laut Aussage des Geschäftsführers des Münchener Unternehmens Constantin Film liegen die Produktionskosten in der Liga des Kinohits „Das Parfüm“. Die Verfilmung des Bestsellerromans von Patrick Süskind hatte vor 4 Jahren 50 Millionen Euro verschlungen. Als Hauptdarsteller waren für die „Drei Musketiere“ bekannte Schauspieler wie Christoph Waltz, Mads Mikkelson, Orlando Bloom und Milla Jovovich verpflichtet worden. Wir liefen um die Alte Hofhaltung herum und schauten uns mit viel Interesse das reichliche technische Equipment an. Orlando Bloom bekamen wir bei einer Filmaufnahme in einem Torbogen der Alten Hofhaltung kurz zu sehen, danach verließen wir den Bereich.

Am späten Nachmittag schauten wir uns noch den Rosengarten der Neuen Residenz Bamberg, das Kloster Michaelsberg und das „Klein-Venedig“ von Bamberg an. Danach verbrachten wir den Abend in der Altstadt. Ein leckeres Essen und Bamberger Braukünste versüßten uns den Abend, wir waren uns einig, es handelte sich um einen gelungenen Tag.

 

 


 

 117 Radkilometer von Bamberg nach Kitzingrn

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.08.2011 117 117 200 200 Hotel Bayrischer Hof

 

Gut gelaunt verließen wir morgens das Hotel Bamberger Hof. Das Hotel hatte uns zwar nicht besonders gefallen, wir freuten uns aber darauf, in der tollen Morgenluft die ersten Kilometer am Main entlang zu radeln. Der Himmel zeigte uns ein paar Wolken, sehr bedrohlich wirkten diese aber nicht. Bei angenehmer Temperatur legten wir die ersten wenigen Kilometer bis zur Bamberger Ortsgrenze zurück. Danach ging es überwiegend abseits von Straßen geführt durch die kleinen Orte Bischberg, Trunstadt, Rossstadt und Eltmann bis nach Limberg.

In Limberg standen wir plötzlich vor einem großen etwas zu modern geratenen Holzfloß, das dort wohl platziert worden war, um an die Zeit der Flößer zu erinnern. Auf der anderen Radweg Seite amüsierten wir uns über die gelungene „Wetterstation aus der  Flößerzeit“.

Nachstehend mal einige Erläuterungen zur Funktionsweise der Wetterstation.

Stein trocken  >> Sonne

Stein nass >> Regen

- Stein dampft >> Hitze nach Regen

- Stein unsichtbar >> Nebel

Stein grau  >> Raureif

- Stein weiß >> Schnee

Stein im Wasser >> Hochwasser

- Stein bewegt sich >> Sturm

- Stein weg >> Diebstahl

Die Flößer müssen lustige Menschen gewesen sein, auch wenn ihre Arbeit sicherlich hart war.

Bis in die 1950 er Jahren stellte der Beruf eines Flößers neben der Landwirtschaft und dem Fischfang eine der Haupterwerbsquellen der Bevölkerung in der Region dar. Kleine Flöße aus dem Frankenwald wurden auf dem Main zu größeren Gebinden zusammengestellt und auch hinsichtlich der Größe immer wieder dem breiter werdenden Fluss angepasst, bis auf dem Rhein riesige Flöße das fränkische Holz nach Holland transportierten. 1986 schwamm wohl das letzte Floß auf dem Main zu Tal. Noch einmal schallte der Gruß der Flößer aus dem Frankenwald hinab zum Main. Von Bamberg aus waren die Flößer damals mit ihrem 80 m langen und knapp 9 m breiten Floß nach Karlstadt aufgebrochen, wo das dortige Sägewerk die 160 Festmeter Holz kaufte und verarbeitete. Die letzte Fahrt wurde in den einzelnen Orten durch Feierlichkeiten begleitet. Mehr als hunderttausend Menschen säumten damals den Weg. Wenige Kilometer weiter in Hassfurt gab es erst einmal etwas zu trinken.

Zu den Sehenswürdigkeiten des kleinen Ortes zählen die Stadtpfarrkirche St. Kilian aus dem Jahr 1390, der Obere Turm oder Bamberger Tor, sowie das Würzburger Tor oder der Untere Turm. Der Main trennt in dieser Region zwei Kulturen voneinander. Ganz im Norden des Steigerwaldes, wo nur der Main den Steigerwald von den Haßbergen trennt, trifft Weinfranken auf Bierfranken. Bierfranken bezeichnet vor allem die oberfränkische und mittelfränkische Region in der es in den Städten Kitzingen, Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Kulmbach mehr als 200 Brauereien gibt. Weinfranken liegt wiederum im Nordwesten Frankens, das mit über 6000 ha Anbaufläche zu den mittelgrößten Anbaugebieten Deutschlands zählt.

Von Hassfurt nach Schweinfurt führt der ca. 20 km lange Radweg idyllisch geführt fast durchgängig am Main entlang. Kurz vor Schweinfurt trafen wir auf ein industriegeschichtliches Denkmal, einen fahrbaren Greiferdrehkran aus dem Jahr 1926.

Schweinfurt, das im 8. Jahrhundert noch Svinfurt (für Schweine gangbare Furt) hieß, ist heute eine Arbeiterstadt, auch wenn sich die Gewichte in den letzten Jahren zugunsten des Dienstleistungssektors verschoben haben.
Geprägt wird die Stadt seit 1890 von der metallverarbeitenden Industrie. Größte Arbeitgeber sind die Automobilzulieferer ZF Sachs, die beiden Wälzlagerhersteller Schaeffler KG und SKF sowie Bosch Rexroth und Fresenius Medical Care.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt aufgrund der Konzentration der kriegswichtigen Wälzlagerproduktion wiederholt das Ziel alliierter Bombenangriffe. Unter großen Anstrengungen wurde damals die Produktion aufrecht erhalten und die Fabriken teilweise bunkerartig geschützt.

Wir verließen das Mainufer und standen - kaum 200 m geradelt -  plötzlich auf dem Markplatz, auf dem sich das Friedrich Rückert Denkmal und das große alte Rathaus befindet. Das Rathaus wurde in den Jahren 1570 bis 1572 von Nikolaus Hofmann erbaut. Es gilt als eines der wichtigsten profanen Renaissance-Bauwerke Süddeutschlands. Während von den Gebäuden der Innenstadt nicht viel stehen blieb, überstand das Rathaus wie durch ein Wunder die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges. Die historischen Räume werden heute für repräsentative Zwecke genutzt. In der Eingangshalle finden Kunstausstellungen statt.

Auf dem Markplatz aßen wir eine Kleinigkeit, bevor wir weiter nach Wipfeld radelten. In Wipfeld wechselt der Mainradweg die Mainseite. Zur Querung des Flusses hat die Gemeinde Wipfeld dort eine Fähre eingesetzt, mit der wir nach einer kurzen Rast für wenige Cent über den Fluss setzten. Einen Kilometer weiter trafen wir am Ortseingang des kleinen Ortes Stammheim auf ein „Museum für Militär- und Zeitgeschichte. Wir machten einige Fotos von Außen, entschlossen uns aber,  keine Eintrittskarten zu kaufen.

Danach radelten wir weiter nach Sommerach. Der kleine Ort, der an einer südlich Mainschleife durch den Mainkanal abgeschnitten wie auf einer Insel liegt, ist stark durch den Weinanbau geprägt. Einer der bekanntesten Lagen ist der Sommeracher Katzenkopf. Etwa 14 Kilometer vor unserem Tageszielort Kitzingen befindet sich die große Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Wir hatten bereits 103 Tageskilometer in den Beinen, als wir am späten Nachmittag die riesige Abtei vor uns liegen sahen.

Die Benediktinerabtei besitzt eine Geschichte, die bis in das Jahr 780 zurückreicht. Wer sich für die bewegte Historie interessiert, kann mit einem Klick in die folgende Grafik in einem gesonderten Fenster die Internetseite der Abtei öffnen. Dort ist die Geschichte der Abtei, die in ihren Ursprüngen ein Frauenkloster beherbergte, ausführlich dokumentiert.

Bei der Ankunft in Mainstockheim sahen wir zufälligerweise noch ein Schild mit einem Hinweis auf das Schloss Ebracher Hof. Neugierig radelten wir die wenigen hundert Meter kurz in den Ort, um einen Blick auf das imposante Gebäude zu werfen, das heute als Altenheim genutzt wird. Als Bauzeit kommen wohl die Jahre 1618 bis 1630 in Frage, wobei der Baumeister bis heute unbekannt blieb.

Das direkt am Main liegende Kitzingen, das wir eine halbe Stunde später erreichten, ist eine der ältesten Städte Unterfrankens. Schon 745 wird das Bestehen des Klosters „Chitzzinga monasterium“ durch Sturmius, den ersten Abt von Fulda, beschrieben. Die Klosterfrauen waren die Ersten, die  nicht nur ein Kloster, sondern auch einen Weinkeller, den „Alten Klosterkeller“ errichteten, der noch heute vortrefflich die Rolle Kitzingens als Weinhandelsstadt bezeugt. Fachwerkhäuser, das Renaissance-Rathaus, die Alte Mainbrücke, die berühmte Kreuzkapelle von Balthasar Neumann und die zahlreichen Türme prägen das Stadtbild. Leider regnete es an dem Abend ständig, so dass es nicht möglich war, den imposanten Ort mittels Fotos entsprechend zu dokumentieren.

Gut gelaunt ließen wir den Abend in unserem Hotel „Bayrischer Hof“ feuchtfröhlich ausklingen. Die längste Tagesetappe unserer Tour hatten wir an dem Tag bereits geschafft.

 

 


 

 Von Kitzingen nach Lohr mit einer Regenpause in Würzburg

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.08.2011 96 217 200 400 Park Hotel Leiss

 

Das Wetter spielte an dem Tage leider überhaupt nicht mit. Immer wieder zogen gewaltige Regenwolken über uns hinweg. Irgendwie schafften wir es aber, bis wenige Kilometer vor Lohr, fast trocken ins Ziel zu kommen. Mittags saßen wir glücklicherweise in einem Cafe im Zentrum Würzburgs als es eimerweise regnete, die anderen Male befanden sich zu Beginn des Schauers immer Unterstellmöglichkeiten in der Nähe. Das Glück war an dem Tag trotz des widrigen Wetters noch irgendwie bei uns.

Ich sollte aber von Vorne beginnen. Nach einem leckeren Frühstück im Hotel Bayrischer Hof, das uns übrigens gut gefallen hatte, verließen wir Kitzingen, indem wir über die Mainbrücke hinweg auf die östliche Seite des Flusses radelten.

Nach ca. 5 km trafen wir in Marktsteft auf eine Hinweistafel mit Erläuterungen über Bayerns ältesten Hafen. Wir standen vor einer Hafenanlage des Markgrafen von Ansbach, der von dort in den Jahren 1777 bis 1782 ca. 1000 Söldner in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verschiffte. Während des Napoleonischen Krieges wurden Waren aus England, die für den nahen und fernen Osten bestimmt waren, über Rhein und Main transportiert. Von dem alten Hafen vor dem wir standen, wurde die Ware auf dem Landweg mit Pferdefuhrwerken über Nürnberg zur Donau transportiert.  Nach dem Bau der Eisenbahnlinie im Würzburger Land wurde der Marktstefter Hafen schließlich bedeutungslos. Auf den 10 km bis Ochsenfurt blieb es trocken. Wir fuhren durch Sonnenblumenfelder und genossen immer wieder die Blicke auf den Main.

Ochsenfurt wird urkundlich erstmals im Jahr 725 erwähnt, als vor Ort ein Kloster in der Stadt gegründet wurde, dessen Äbtissin Thekla von Kitzingen hieß. Verschiedenen Annahmen zu Folge befand sich in Ochsenfurt möglicherweise ein Königshof. Die Reste der teilweise heute noch zu sehenden Türme und Mauern stammen aus dem 14. Jahrhundert. Seit dieser Zeit war die Stadt Teil des Fürstentums Würzburg. Erst mit dem Bau der Brücke im Jahr 1512 gewann Ochsenfurt aber auch wirtschaftliche Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg wurde der mittlere Bogen der auf dreizehn Säulen ruhenden Mainbrücke von den einrückenden Amerikanern gesprengt, die Altstadt blieb glücklicherweise im Wesentlichen verschont. Die alte nach dem Krieg wieder hergestellte Brücke wurde im April 2007 wegen Einsturzgefahr auch für Radfahrer und Fußgänger  gesperrt. Mit Mitteln des Denkmalschutzes und des Bundes wird die Brücke nun seit September 2009 wieder originalgetreu restauriert.
Ein weiteres Highlight in der Stadt ist das „Neue Rathaus“, das im Jahr 1497 fertiggestellt wurde und die Stadtmauern, von denen noch Einiges zu sehen ist.

Der Mainradweg führt in Ochsenfurt wieder auf die nördliche Mainseite. Da die alte Brücke aufgrund der Restaurierung nicht nutzbar ist, wurde im westlichen Bereich der Stadt eine Fähre eingesetzt. Für wenige Cents setzten wir mit unseren Rädern mit der Nixe auf die andere Mainseite über. Auf dem weiteren Weg nach Würzburg teilweise Idylle pur! Bei der Ankunft in Würzburg regnete es leicht. Wir waren sehr überrascht, als wir am Mainufer mit unseren Rädern plötzlich vor einem Sandstrand standen. Wer hätte sich in der Situation nicht gerne in einen der Liegestühle gesetzt?  Bei dem Regen machte das aber wohl kaum Spaß. Wir radelten mit unseren Rädern zügig zur alten Mainbrücke, um dem Regen zu entkommen und hatten Glück.

Die Altstadt von Würzburg rettete uns! Wir waren kaum in einem Cafe eingekehrt, als es „aus Eimern schüttete“. Das Wasser lief in Strömen die Straße zur alten Mainbrücke hinab. Die Altstadt, in denen vor wenigen Minuten noch hunderte von Menschen unterwegs waren, war plötzlich wie leergefegt. Wir nutzen die Zeit, wärmten uns ein wenig auf, aßen eine Kleinigkeit zu Mittag und schauten immer wieder zum Himmel. Wann würde dieser Sturzregen endlich enden? Im angrenzenden Gebäude befand sich eine Ausstellung, die wir uns in Ruhe anschauten, wir hatten noch Zeit und bei dem starken Regen wollten wir ohnehin nicht weiterfahren. In der Ausstellung wird die massive Bombardierung Würzburgs am 16.03.1945  anhand eines Modells sehr anschaulich dargestellt. 

Eine halbe Stunde später hatte sich das Wetter beruhigt. So schnell wie die Menschen mit dem Einsetzen des Regens auf den Straßen verschwunden waren, so schnell kehrten sie auch wieder zurück. Als wir unsere Räder über die alte Mainbrücke schoben, waren schon wieder reichlich Touristen unterwegs.

Unser Blick ging immer wieder nach oben. Würde sich das Wetter am Nachmittag noch einigermaßen halten? Die ersten 38 Tageskilometer hatten wir bis Würzburg zwar mit viel Glück trocken geschafft, aber bis Lohr waren immerhin noch 58 km zu radeln. So „hangelten“ wir uns an dem Nachmittag von Ort zu Ort, bis wir nach weiteren 27 km doch tatsächlich ohne nasse Schuhe Karlstadt erreichten. Es hatte zwischendurch zwar immer mal wieder ein wenig getröpfelt. Das war aber kein Vergleich zu dem Sturzregen in Würzburg gewesen. 

Karlstadt hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Schon bei der Ankunft waren wir am Ortseingang am Mühlturm (Brückenturm) vorbeigeradelt, der als südwestlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung seinen Namen von der benachbarten Roßmühle erhielt. Kaum 100 m weiter trafen wir auf das obere Tor, das den südlichen Zugang zur Stadt ermöglicht. Ab dort wandelt man quasi durch die historische Altstadt von Karlstadt. Wir respektierten die Fußgängerzone und schoben unsere Räder durch die Gassen, bis wir ein Cafe fanden. Zwischendurch wurde natürlich fleißig fotografiert.

Bis Lohr am Main waren nach dem kurzen Halt noch 30 km zu radeln. Es lag also nahe, den auf halber Strecke liegenden Ort Gemünden als nächstes kleines Etappenziel  anzupeilen. Bis dorthin schafften wir es wieder ohne großartig nass zu werden, kaum saßen wir aber im Cafe. regnete es reichlich. Auf den restlichen Kilometern bis nach Lohr schafften wir es noch einmal vor dem Regen zu fliehen und uns unter die Mainbrücke Nantenbach zu retten, danach verließ uns der Schutzengel.

Gut vier Kilometer vor dem Ziel, keine Unterstellmöglichkeit weit und breit, erwischte  uns der Regen richtig. Die Laufräder schleuderten das Wasser von unten hoch, während der Himmel sein Bestes gab, uns von oben mit Wasser zu „ertränken“! Klatschnass erreichten wir das Parkhotel Leiss in Lohr am Main. Das Wasser lief uns aus den Schuhen, als wir die Räder in die Tiefgarage des Hotels schoben. Egal, wir hatten nach 96 Tageskilometern unser Ziel erreicht, die Schuhe und Kleidung würden wir im Hotel wohl trocknen können.

Lohr am Main zeigte sich uns an dem Abend noch als idyllisches Städtchen. Den Abend verbrachten wir in einer gemütlichen alten Weinstube mit dem Probieren alter Hausrezepte. Zur Identifizierung der einzelnen „Rezepturen“ kannte Wolfgang keine Zurückhaltung. Der Fragen irgendwann überdrüssig, schleppte die Kellnerin schließlich einen Wein-Brockhaus an unseren Tisch, wir sollten uns die Fragen wohl selber beantworten.

 

 


 

 Über Wertheim und Freudenberg nach Miltenberg/Bürgstadt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.08.2011 78 295 200 600 Hotel Weinhaus Stein

 

Wir konnten nicht klagen, die Wetterlage hatte sich über Nacht merklich gebessert, das Frühstück war reichhaltig ausgefallen, was benötigten Radler mehr, um frohgelaunt in die Pedale zu treten?

Nach den gestrigen 96 km standen an dem Tag nur 76 km auf dem Programm, schon fast die reinste Erholung.
In Marktheidenfeld sahen wir auf der Obertorstraße ein kleines Pferdefuhrwerk, auf dem einige junge Frauen saßen. Sie boten verschiedene Süßigkeiten zum Verkauf und hatten einen riesigen Spaß dabei. Das gesellige Treiben gehörte wohl zu einem Junggesellinnenabschied. Wir machten den Spaß mit, kauften ein paar Lutscher und schoben unsere Räder in Ruhe durch den Ort.

Von Marktheidenfeld bis nach Wertheim, unserem nächsten Zwischenstopp waren noch ca. 23 km zu radeln. In dem kleinen Ort Homburg am Main fotografierten wir noch ein altes Sägewerk, bevor wir kurz vor Bettingen die Autobahnbrücke der A3 unterquerten.

Wertheim faszinierte uns bei unserer Ankunft sofort. Die hoch oben auf einem Bergsporn zwischen dem Zusammenfluss von Main und Tauber gelegene Burg ist Wahrzeichen der Stadt und seit dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) eine Ruine. Sie thront beschützend über dem alten Stadtkern und wurde vor ihrer Zerstörung über mehr als 400 Jahre kontinuierlich ausgebaut. Die alten Gassen und der historische Marktplatz Wertheims laden geradezu zum Verweilen ein. Wertheim war für uns zur Mittagszeit der ideale Platz, um eine Kleinigkeit zu Mittag zu essen.

Weitere Hinweise zur Geschichte der Stadt und Burg finden sie bei Interesse auf der Internetseite www.wertheim.de

Die Mittagspause fiel allerdings etwas anders aus als geplant. Wir hatten bereits einige Zeit draußen vor dem Restaurant gesessen und unser Essen bestellt, als sich fast unbemerkt wieder dicke Regenwolken auftürmten. Ein kleiner Sonnenschirm, der sich leider immer wieder wegdrehte, musste dafür herhalten, unser Mittagessen zu schützen. Der Schauer dauerte nicht lange, so dass wir uns kurz nach dem Essen weiter auf den Weg nach Miltenberg begaben.

In Miltenberg war Michaelis-Messe. Die Auskunft hatte ich am Telefon schon von zu Hause aus laufend erhalten, wenn ich in Miltenberg eine Hotelübernachtung buchen wollte. Im direkt neben Miltenberg gelegenen kleinen Ort Bürgstadt war es mir noch vor unserem Start gelungen, ein Dreibettzimmer zu bekommen. Glücklicherweise erwies sich dieses gezwungene Ausweichmanöver als absolutes Highlight. Das Weinhaus Stern gefiel uns sofort! Die private Atmosphäre, das Ambiente des mehrere hundert Jahre alten Hauses, die Gespräche mit der alten Dame des Hauses, die zuvorkommende Betreuung, es stimmte einfach alles.

Um was handelte es sich bei einer Michaelis Messe? Wir wussten es nicht, konnten es nur erahnen, sollten das an dem Abend aber noch reichlich erfahren. Die Kombination einer Ausstellungsmesse mit gleichzeitiger Kirmes kannten wir im Münsterland in dieser Form nicht. So kam es, dass wir an dem Abend im Dunklen noch in ein Riesenrad stiegen, Messehallen durchstreiften und zum Schluss in einem riesigen Zelt landeten. In dem großen Zelt spielte bis Nacht um 02:00 Uhr eine Band, Partystimmung, die uns stundenlang mitriss und auf den Beinen hielt.  Als die Band verstummte, radelten wir die drei Kilometer noch zurück zum Hotel. Ein gelungener Tag lag hinter uns.

 

 


 

 Nach 27 Jahren wieder in Kleinheubach, unser Ziel Aschaffenburg

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.08.2011 78 295 200 600

keine

 

Der letzte Tag unserer Radtour war angebrochen, am späten Nachmittag würden wir mit dem Auto von Aschaffenburg aus wieder nach Hause fahren. Wir genossen unser Frühstück im Weinhaus Stern, radelten durch Miltenberg und machten uns auf den Weg nach Kleinheubach. Leider spielte das Wetter mal wieder nicht mit. Sich in Miltenberg lange aufzuhalten machte wenig Sinn und so starteten wir nach einer kurzen Regenpause, die Regenpause nutzend um einige Kilometer zu radeln. Ein weiterer Grund war die vorhandene Neugier, die uns trieb. 27 Jahre waren es her, dass wir gemeinsam im heutigen Event-Hotel Löwenstein (www.loewenstein.de), damals Bildungsstätte der Deutschen Bundespost (heute Telekom) gewohnt und an Seminaren teilgenommen hatten. Erinnerungen an die damalige Zeit wurden wach, als wir durch die Parkanlagen zum ehemaligen Schloss Kleinheubach radelten.  Mehrere Wochen hatten wir drei mit zeitlichen Abständen dort verbracht. Davor hatten wir gemeinsam Nachrichtentechnik studiert, wir kannten uns also schon viele Jahre.

In Erinnerung geblieben war uns auch die Existenz des auf der anderen Mainseite gelegenen Klosters Engelberg. Damals waren wir die vielen Stufen zum Kloster einige Male hochgelaufen, diesmal nutzten wir die Straße und kurbelten uns in Ruhe mit den Rädern auf den Berg.Weitere Informationen über das Kloster und dessen Geschichte finden sie auf www.franziskaner-engelberg.de

Die weiteren Kilometer bis Aschaffenburg radelten wir in einem relativ zügigen Tempo. Wir wollten am Nachmittag nicht zu spät zu Hause sein. Einen kurzen Stopp hatten wir noch an einer kleineren Kletteranlage. Bereits um kurz nach 13:00 Uhr standen wir nach 55 Tageskilometern wieder auf dem Parkplatz, auf dem wir 4 Tage zuvor unser Auto abgestellt hatten. Unsere Radtour war damit beendet. 

Oder doch nicht? Wir hatten Musik gehört, aber wo kam die her? Wir setzten uns wieder auf die Räder und radelten auf die andere Mainseite zum Schloss. Ein Stadtfest in Aschaffenburg krönte unsere Tour. Wir lauschten der Musik, aßen eine Kleinigkeit und machten uns nach einer Stunde auf den Heimweg.