Auf nach Pingvellir

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.07.2010 93 193 600 1500 Camping Pingvellir

 

Zwischen Strandarkirkja und Porlakshöfn hatte man relativ nah an der Küste entlang eine neue Straße gebaut. Wir hatten die Baufahrzeuge tags zuvor zwar schon gesehen und vermutet, dass dort eine neue Führung entstand, konnten natürlich aber nicht wissen, ob diese schon durchgängig befahrbar war. Als wir Strandarkirkja mit unseren wieder hochbepackten Rädern verließen, und das Straßenschild nach Porlakshöfn sahen, freuten wir uns. Wir mussten nicht wieder auf die Str. 42 zurück, deren schlechte Qualität ich ja schon aus dem Jahr 2007 kannte. Die deutlich kürzere Strecke ließ sich hervorragend radeln, wir kamen gut voran. Nachstehend mal ein Foto von einem schönen Blick auf die Küstenlinie.

In Porlakshöfn radelten wir kurz in den Hafen, von dem ich auf meiner Tour 2008 zu den Westmännerinseln gefahren war. Zeit für eine Frühstückspause hatten wir auch noch, einen Pott Cafe bekamen wir an der nahe gelegenen Tankstelle.

Unser nächstes Ziel war der kleine Ort Eyrarbakki, in dem es das einzige Gefängnis Islands gab. Auf dem Weg dorthin radelten wir einen Damm und über eine lange Brücke, die die Flußmündung der Ölfusa überspannt und überholten zwei Radler aus Dresden. Das Pärchen war relativ langsam unterwegs. Mit den beiden quatschten wir einige Zeit, bevor wir gemeinsam über Eyrarbakki nach Selfoss radelten. 

Mit knapp 7000 Einwohnern ist Selfoss die größte Stadt Südwestislands, gleichzeitig auch das wichtigste Handelszentrum der Region. Die 1929 gegründete Molkerei ist die älteste und größte des Landes. Selfoss besitzt eine Hängebücke, die imposant den Fluß Ölfusa überspannt. Sie wurde erstmals im Jahr 1890 fertiggestellt und hielt bis zum Jahr 1944. Damals brach sie unter der Last von zwei Milchwagen zusammen. Die heutige Brücke wurde nach der Zerstörung mit Hilfe der amerikanischen Armee errichtet. Sie scheint sehr stabil zu sein und  hat bereits zwei starke Erdbeben und diverse Fluten überstanden. Über die Brücke führt heute die wichtigste Verkehrsverbindung in den Süden, die Ringstr. Nr. 1.

Im großen Bonus-Supermarkt deckten wir uns mit einigen Lebensmitteln ein und verabschiedeten uns von den Radlern aus Dresden. Die beiden hatten die Absicht, sich in einem Cafe das zwei Stunden später beginnende WM Viertelfinalspiel zwischen Deutschland gegen Argentinien anzuschauen, Thomas und ich wollten an dem Tag noch bis nach Pingvellir gelangen.

Nördlich von Selfoss schwenkten wir auf die Str. 35 und hielten kurz an einer Picknickstelle mit Blick auf die breite Hvita. Danach kurbelten wir unsere Räder auf der Str. 36 weiter nach Norden zum Pingvallavatn. Der Pingvallavatn ist Islands größter natürlicher See. Er besitzt eine Fläche von 84 qkm und ist an seiner tiefsten Stelle 114 m tief. Bekannt ist der See aufgrund seines Fischreichtums, der ihn zu einem beliebten Ferienziel für Angler macht. Nicht verwundert deshalb die Anzahl der teilweise stattlichen Ferienhäuser, die überall zu sehen sind. Forscher sind sich sicher, dass der See gigantische Quellen besitzen muss. Immerhin bringen die Zuflüsse, von denen sich der Öxara als der Größte präsentiert, nicht die 100 bis 115 Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit sich, die am Südende den See verlassen.

Noch vor dem Erreichen des Pingvallavatn sahen wir links von uns ein weißes Hotelrestaurant, das sich quasi für eine Mittagspause anbot. Der Besitzer stand draußen am Wagen und schaute interessiert in unsere Richtung. Er hoffte wohl auf Übernachtungsgäste. Eine leckere Suppe mit Brot und eine Tasse Cafe reichten, um unsere Kraftreserven zu füllen.  Während wir gemütlich unsere Suppe löffelten, traf unser Blick auf den hinten im Raum hängenden Fernseher.  Es war 14:00 Uhr (16:00 Uhr in Deutschland) und das WM Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien begann. In einem Konferenzraum lief das Fußballspiel auf einem noch größeren Fernseher, dort kommentiert in englischer Sprache. Wir schauten uns die erste Halbzeit im Konferenzraum an, radelten dann aber weiter. Es stand 1:0 für Deutschland, zwei Stunden später wussten wir, dass das Spiel 4:0 enden würde.

Von der Weiterfahrt nach Pingvellir gibt es wenig zu berichten, sehr schöne Ausblicke auf den See prägten den Nachmittag. Thomas Tacho und mein GPS-Gerät zeigten bereits über 90 Tageskilometer an, als wir Pingvellir erreichten. Hin und wieder waren mal ein paar Tropfen Regen vom Himmel gefallen, wir konnten aber zufrieden sein. Das geplante Tagespensum hatten wir fast geschafft, bis zum Campingplatz waren höchstens noch 3 km zu radeln.

Die historische Stätte Pingvellir ist deshalb bei den Isländern so bekannt, weil hier bereits um das Jahr 930 die traditionelle gesetzgebende Versammlung Alping abgehalten wurde. Es handelt sich um eines der ältesten Parlamente der Welt. Eine weitreichende Entscheidung wurde dort im Jahr 1000 getroffen, als das Parlament die Annahme des Christentums beschloss.  Es bestand bis ins Jahr 1798, als die Dänen den Alping auflösten. Am 17. Juni  1944 wurde an dem historischen Ort die Republik Island ausgerufen, 1994 die Fünfzigjahrfeier begangen. Pingvellir, seit 1928 Nationalpark, liegt inmitten einer Grabenbruchzone. Der Fluß Öxara durchströmt den Nationalpark und formt an der Almännerschlucht einen sehenswerten Wasserfall. Im Umfeld der Allmännerschlucht wird das Auseinanderdriften der amerikanischen und europäischen Erdplatten durch imposante Felsspalten und Risse sichtbar.

Wir hatten das Zelt kaum aufgebaut, da fing es an zu regnen. Im nur 100 Meter entfernten Cafe gelang mir noch ein Foto von einem Regenbogen, bevor wir draußen unter einem Vordach auf Andrea mit ihren Kindern Leonhard und Cornelius trafen. Die drei kamen aus der Grafschaft Bad Bentheim, waren mit dem eigenen Auto auf Island unterwegs und hatten bereits eine lange Reise hinter sich.  Mir selber war ja noch bekannt, dass der Begriff Trecker aus der plattdeutschen Sprache stammte und das es sich um einen Traktor handelte, halt einer landwirtschaftlichen Zugmaschine, damit endete mein Fachwissen aber schon. Leonard war hartnäckig und ein Treckerspezialist durch und durch. Er spulte sein gesamtes Wissen an dem Abend aus, Thomas und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Aus unserem geplanten Ausflug zur Allmännerschlucht wurde an dem Abend nichts mehr, weil der Regen leider nicht nach lies.