Wir erreichen den Atlantik oder eine Herberge ist (k)ein Campingplatz

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29. 08.2009 72 761 700 6500 Camping vor der Pilgerherberge

 

Ein Blick aus dem Hotelzimmer reichte, um zu erkennen, dass die Wetterlage sich erheblich gebessert hatte, klare Sicht weit und breit. Nach dem Start führte unser Weg als erstes an der Pilgerherberge in Vilalba vorbei, um auf den Camino zu gelangen. Es sollte aber der Tag der Nationalstraßen werden. Immer wieder versuchten wir die N-634 auf kurzen Stücken zu verlassen. Meist klappte das aber nicht, wir standen in der Regel etwas später schon wieder auf der Nationalstraße. Zwischen Vilalba und Mondonedo war der alte Pilgerweg fast vollständig von der Hauptstraße überbaut. Nach 28 Tageskilometern auf welligem Terrain, folgte eine tolle Abfahrt über eine Länge von 10 km und 400 Höhenmetern, an der wir natürlich reichlich Spaß hatten. Von weit oben war der Ort Mondonedo schon früh zu sehen.

Bei der Ankunft platzten wir zum zweiten Mal auf unserer Tour in eine Hochzeit. Die Kirche vor der wir standen hatte den Namen „Ermita de la Virgen de los Remedios“ und stammte aus dem Jahr 1733. Ein wenig abseits stehend schauten wir uns die Feierlichkeiten eine Zeit lang an, radelten anschließend aber direkt in die Innenstadt. Wir wollten eine Kleinigkeit essen und suchten nach einem geeigneten Lokal. Es war erstaunlich, obwohl man die Temperaturen in Nordspanien (ca. 23 Grad) absolut nicht mit denen in Lissabon (37 Grad) vergleichen konnte, herrschte im Ort eine absolute Ruhe. Auf den Straßen bewegte sich so gut wie nichts.

Wie wir unserem Reiseführer nach der Tour entnehmen konnten, gab es in Mondonedo noch eine alte Kathedrale zu sehen. An dem Tag waren wir wohl so sehr darauf fixiert zügig zum Meer zu kommen, dass wir das tatsächlich übersehen haben. Bis zum Atlantik waren noch gut 20 km zu radeln. Abgesehen von drei kleineren Anstiegen über je 50 Höhenmeter und einem über 150 Höhenmeter, ging es tendenziell bergab.  

Kurz vor dem Atlantik, entschlossen wir uns die N-634 zu verlassen, um den Bahnhof im kleinen Ort Foz anzusteuern. Die Zeit war relativ weit fortgeschritten, deshalb wollten wir die letzten Kilometer bis Ribadeo mit dem Zug zurücklegen. Das funktionierte sehr gut, weil er alle 20 Minuten fuhr.

Bei der Ankunft in Ribadeo wurde es spannend. Wir hatten in unserem Reiseführer einiges über die idyllische gelegene Herberge gelesen, auch die Tatsache, dass sie nur 12 Schlafplätze besaß. Was wir befürchten, bewahrheitete sich dann, es war kein Platz mehr frei. Im Ort sollte es noch weitere Plätze in einer Turnhalle geben, das fanden wir aber nicht so toll. Ein Blick auf den schönen kleinen Rasenplatz direkt vor der Herberge reichte, 5 Minuten später stand dort unser Zelt. Erst hatten wir zwar ein wenig Bedenken, aber wer würde einen Pilger schon abweisen. Am Abend radelten wir noch in den Ort hinein und trafen auf ein altes Stadthaus im Jugendstil, das von der Familie Moreno erbaut wurde, heute aber als öffentliche Bibliothek genutzt wird.

Am Abend in der Herberge unterhielten wir uns noch ein wenig mit einem Amerikaner aus Miami und Pilgern verschiedener Nationalitäten, als um 21:15 Uhr drei Stadtbedienstete erschienen. Wir rechneten schon damit, unser Zelt abbauen zu müssen, aber den Dreien war das vollkommen egal.  Ihre einzige Sorge galt der Tatsache, dass wir als Pilger in ihrem Pilgerbuch eingetragen sein mussten und den zu entrichtenden 3,- € für die Nacht. Ein Hoch auf die Vollbeschäftigung.