Ein gewöhnlicher Start oder wie umfährt man die Autobahn

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.08.2009 71 105 300 370 Camping

 

Der  nächste Ort durch den wir kurz hinter Montijo radelten, hieß Alcochete. Der kleine Ort hatte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem Wohnvorort Lissabons entwickelt, besaß eine alte Kirche aus dem 14. Jahrhundert und viele kleine schöne Gassen, durch die wir am noch kühlen Morgen unsere Räder schoben. Unser Frühstück, dass sich als das Beste auf unserer gesamten Tour herausstellten sollte, hatte wir in absoluter Ruhe noch im Hotel einnehmen können. Solch positive Erlebnisse wünschten wir uns für den weiteren Verlauf des Tages.

Leider kam alles anders! In guter Stimmung und Vorfreude auf die nun richtig beginnende Tour verließen wir Alcochete in südöstlicher Richtung um nach 2 km auf die N118 nach Norden zu schwenken. Am Straßenabzweig blickten wir reichlich irritiert nach Norden, die N118 gab es nicht mehr. Die von Süden kommende Autobahn, die nach meinem neu gekauften Papierkartenmaterial und neuesten GPS-Daten (Garmin CityNavigator2010) dort endete, war in der Zwischenzeit nach Norden verlängert worden. Es gab keine Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe unserer Streckenführung zu folgen. Also radelten wir weiter in Richtung Südosten. Der erste Versuch weiter nach Norden zu gelangen endete auf einem großen Gehöft (Barroca de Alva).

Wieder den einen Kilometer zurück zur N4, ging es immer weiter nach Osten. Bei einer Pause in einem Cafe entdeckten wir bei intensivem Kartenstudium im östlich gelegenen Vendas Novas zwei Bahnlinien.

Die eine führte von dort nach Lissabon zurück und die zweite verlief nach Nordwesten in die unmittelbare Nähe des von uns geplanten Zielortes. Bis Vendas Novas kamen wir auf 75 Radkilometer, das sollte bei der Hitze so gerade machbar sein. Mit dem Rad noch bis Marinhais zu gelangen schien mir unmöglich, die Tagesstrecke hätte sich auf 140 Tageskilometer erhöht.

Vendas Novas erreichten wir am frühen Nachmittag. Ich stürmte in den Bahnhof und freute mich schon darauf, das Problem fast gelöst zu haben.  Mit ausgebreiteter Karte verglich ich die auf der Karte in Frage kommenden Orte mit den dort hängenden Fahrplänen, konnte aber leider keinen der Orte auf den Fahrplänen finden. Es durfte nicht wahr sein, es handelte sich wohl um eine stillgelegte Strecke.

Mein nächster Gedanke war, O.K., dann übernachten wir eben hier und holen die fehlenden Kilometer irgendwie wieder rein.  Neben dem Bahnhof gab es ein recht ansehnliches Hotel. In der Rezeption saß eine nette englisch sprechende Spanierin, die sich mit ungewöhnlichem Engagement in die Lösung unseres Problems vertiefte. Zunächst wurden erst einmal per Internet die Fahrpläne der Bahn studiert, mit demselben Ergebnis, dass die Bahnstrecke nach Nordwesten nicht mehr befahren wurde, es gab nur die nach Lissabon. Dann telefonierte sie mit einem Taxiunternehmen um ein Großraumtaxi anzufordern. Uns war es Recht, die Übernachtung im Hotel hätte genau soviel gekostet.  10 Minuten später stand ein Opel Zafira vor dem Hotel. Die vorderen Laufräder demontiert, passte unser gesamtes Gepäck so gerade hinein. Der Wendepunkt war da, unser Tag sollte doch noch positiv enden.

Nach einer einstündigen Taxifahrt über die nach Norden führende N10 standen wir auf dem Campingplatz in Marinhais, keine 200 m vom Tejoufer entfernt.  Nach dem turbulent verlaufenen Tag hatten wir unseren Zielort doch noch erreicht.