Comillas, Santillana del Mar und unser schöner Abend in Güemes

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04. 09.2009 50 1042 800 10200 Pilgerherberge in Güemes

 

Unser Übernachtungscampingplatz hatte uns sehr gut gefallen. Der positive Gesamteindruck vom Abend zuvor, bestätigte sich auch beim Frühstück. Es stimmte einfach alles, die Bedienung war freundlich, alles war sauber und das Frühstück war absolut in Ordnung. Der Campingplatz liegt etwa 4 km westlich vom Ort Comillas. Wir waren noch nicht einmal richtig warm gefahren, da bekamen wir schon die ersten Highlights zu Gesicht. Das nachfolgende Foto zeigt, wie schön ruhig wir am Morgen nach Comillas hineinradeln konnten.

Comillas ist für deutsche Verhältnisse ein Dorf. Mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern, ist Comillas jedoch ein Beispiel dafür, dass ein kleiner Ort manchmal mehr zu bieten hat, als eine ausgewachsene Stadt. Schon bei unserer Ankunft, war uns die links von uns auf einem Berg liegende Päpstliche Universität aufgefallen. Sie ist eine der berühmtesten akademischen Institutionen Spaniens und hatte früher ungefähr 10000 Studenten. Die Hochschule wird vom Jesuitenorden geleitet, das Gebäude selber ist aber im Besitz der Regionalregierung von Kantabrien. Rechts von der Calle Marques de Camillas, auf der wir in den Ort radelten, steht etwas zurückgesetzt der Palast von Sobrellano.

Der neugotische Palast ist die ehemalige Residenz des Marques de Comillas. Er wurde von einem Architekten namens Joan Martorell für den Marques entworfen. Neben dem Palast liegt der Familien Pantheon, dahinter das außergewöhnlich gestaltete Gebäude El Capricho. Wir radelten zunächst weiter in den Ort hinein, bogen nach rechts auf die „Paseo Estrada“ ein und sahen links von uns auf einem kleinen Vorplatz die Touristikinformation und rechts auf einem Hügel liegend „El Capricho“.  Nach einer kurzen informativen Unterhaltung, enthielt unser Pilgerausweis einen weiterer Stempel.

Die Villa Quijano, auch unter dem Namen El Capricho („die Laune“) bekannt, ist ein bekanntes Bauwerk des Architekten Antoni Gaudi. Ursprünglich wurde das Sommerhaus von dem vermögenden Marqués des Comillas (Bürgerlich Antonio López) in Auftrag gegeben und wohl auch als solches genutzt. Heute beherbergt das Gebäude ein Restaurant. Interessant sind die bunten als Sonnenblume herausgearbeiteten Keramikfliesen und der zylinderförmige Aussichtsturm. Eine Besichtigung der Innenräume ist leider nicht möglich. In der Innenstadt war gerade Markt, deshalb konnten die alten Gebäude nicht so gut fotografieren. Einen kleinen Eindruck vom Ort hinterlassen aber vielleicht die drei folgenden Fotos. Unsere weitere Fahrt brachte uns über 18 km auf der wenig befahrenen Ca-131 nach Santillana del Mar.

Die mittelalterliche Stadt mit gepflasterten Straßen ist zur künstlerisch historischen Kulturstätte erklärt worden. Seit Jahrzehnten ist sie ein weit bekannter, kultureller und touristischer Anziehungspunkt in Kantabrien. Schon im Mittelalter war Santillana del Mar eines der wichtigsten Zentren der Region. Santillana verfügt über ein außergewöhnliches Erbe. Zu nennen sind hier im Wesentlichen die Stiftskirche Santa Juliana, und das zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert erbaute Kloster. Sehenswert sind darüber hinaus das alte Rathaus am Plaza Mayor, sowie der Turm Don Borja.

Bei der Ankunft in Santillana besorgten wir uns in der Touristikinformation zunächst eine kleine Karte vom Ort (Natürlich auch einen Pilgerstempel), danach schoben wir unsere Räder über holpriges Kopfsteinpflaster durch die alten Gassen. Es hatte bei der Ankunft im Ort schon hin und wieder mal ein paar Tropfen geregnet. Als wir den Plaza Mayor erreichten, regnete es in Strömen. Wir konnten uns noch gerade unter die Arkaden retten. Der Himmel war vollkommen zugezogen und es sah nicht danach aus, dass sich die Wetterlage in absehbarer Zeit ändern würde.  Beim Studium unserer Papierkarte, fiel uns der kleine Bahnhof in Puente San Miguel und die Bahnlinie nach Santander ins Auge. Kurz entschlossen zogen wir unsere vollständige Regenkleidung incl. Schuhüberzieher an und radelten die 4-5 km nach San Miguel. Der Zug (FEVE) fuhr regelmässig, so das wir bereits am frühen Nachmittag in Santander eintrafen. Aufgrund der kaum besseren Wetterlage radelten wir in Santander direkt zum Hafen. Um der Küste weiter folgen zu können, mussten mir einer kleinen Fähre über den Bahia de Santander übersetzen, der Zielort hieß Somo.

Bis zur Herberge in Güemes, die wir als Übernachtungsort wählten, waren noch 12 km zur radeln, die ersten 9 km allerdings auf sehr flachem Terrain. In dem kleinen Ort Galizano deckten wir uns noch mit Lebensmitteln für den Abend ein, danach ging es auf steilen Wegen hinauf in Richtung Güemes. Die Ausschilderung zur Herberge war etwas dürftig und bestand nur aus einem kleinen Holzschild, das am Straßenabzweig von der Ca-141 auf die Ca-443 stand, danach kam kein Hinweis mehr. Die letzten 50 Höhenmeter sind sehr steil, die Räder auf dem Teilstück überwiegend schiebend, zweifelten wir schon daran, ob wir nicht möglicherweise schon zu weit gefahren waren. Ein Passant half uns netterweise und  kurze Zeit später war es dann geschafft. Wir standen vor der Herberge von Güemes, die auf uns noch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würde.

Schon bei der Ankunft gefielen uns die nette Atmosphäre, der mit Bildern geschmückte große Aufenthaltsraum und die max. für 8 Personen eingerichteten Schlafräume. In dem uns zugewiesenen Raum trafen wir dann auf zwei junge Deutsche, die schon tagelang auf dem Camino unterwegs waren und mit denen wir noch einige nette Gespräche führten. Die beiden waren auf ihrer Hochzeitsreise. Etwas später, wir hatten so gerade unsere Sachen sortiert, erschien ein Mann, der alle Pilger bat, ihm in einen Saal zu folgen. Dort lernten wir Padro Ernesto kennen. Der Herbergsvater hielt einen halbstündigen Vortrag über den Camino del Norte in der Region. Eine Spanierin die einigermaßen Englisch sprach, übersetzte seine Sätze, so dass man von dem Vortrag zumindest einen Teil verstand. Danach wurden wir in den großen Saal gebeten und vollkommen überrascht. An einem großen gedeckten Tisch gab es für alle Pilger ein vollständiges Essen mit Suppe, Nudeln und Obst als Nachtisch. Dazu mehrere Fläschchen Rotwein.

Den netten Abend würden wir nicht mehr vergessen. Mehrere Deutsche, einige Spanier, ein Italiener, später kamen noch Französinnen in den Saal, bereicherten den Abend. Manche Unterhaltung war aufgrund der Sprachschwierigkeiten nicht einfach zu führen gewesen, es hatte aber trotzdem sehr viel Spaß gemacht.