Vorbemerkung > Wir sind dann mal weg!

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 16.08.2009 - 07.09.2009

 1.156 km

11.600 Hm

   

Die Überschrift dieses Kapitels wird so manchen Leser an ein in Deutschland sehr weit verbreitetes Buch erinnern. Die Rede ist hier von Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“.

Kerkeling beschreibt in diesem Buch sehr eindrucksvoll die Erlebnisse seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela im Jahr 2001. Er wählte für seine Wanderung den Camino Frances und musste sich wie alle Pilger mit den physischen und psychischen Anforderungen einer solchen Reise auseinandersetzen. Seit der Veröffentlichung des Buches (2006) zeigt die Statistik der in Santiago de Compostela ankommenden Pilger eine überdurchschnittliche Zunahme der Gruppe deutscher Pilger. Im Jahr 2007 waren es 71% mehr als im Vorjahr. Der Zuwachs entsprach damit dem Anstieg der sieben vorausgegangenen Jahre. Aber warum schreibe ich das hier?

Bei der Planung unseres eigenen Pilgerweges wurde uns klar, dass die Zunahme auch negative Auswirkungen haben mußte. Da die meisten Pilger auf dem Camino Frances unterwegs sein würden, graute uns davor abends bei der Ankunft in einer der Herbergen um einen Schlafplatz „kämpfen“ zu müssen.  Unserer Vorstellungen gingen dahin, überwiegend im Zelt zu übernachten und hin und wieder auf Herbergen und Pensionen zurückzugreifen. 

Bei weiteren Internetrecherchen stießen wir auf zwei Alternativstrecken, die vom Umfang her in den uns zur Verfügung stehenden drei Wochen per Rad machbar waren, gleichzeitig aber nicht so stark frequentiert waren. Unsere Wahl fiel auf den Camino Portugués, den alten Pilgerweg von Lissabon nach Santiago de Compostela. Von Santiago aus wollten wir dann auf dem Camino de la Costa bis nach Bilbao radeln. Eine Gesamtstrecke von 1350 km

Die Flüge von Köln nach Lissabon und von Bilbao nach Düsseldorf konnten wir per Internet buchen. Die Kartons zum Transport der Räder erhielten wir wie schon in den Vorjahren von einem großen Fahrradhändler in der Nähe unseres Wohnortes. Für den Rücktransport fanden wir in  Bilbao einen Bikeshop ( www.maestrebilbao.com ), dessen Inhaber sich freundlicherweise bereit erklärte, uns Kartons zur Verfügung zu stellen. Die GPS-Tracks der Pilgerwege entdeckten wir im Internet auf der spanischen Seite www.caminosantiago2010.es . Die Vorbereitungen waren damit im Wesentlichen abgeschlossen. Nun mußten wir noch den Pilgerstatus erlangen. Unsere Pilgerausweise (Credencial del Peregrino) hatten wir bei folgender Adresse für 5,- € + 1,45 € Versandkosten bestellt:

Stiftung Haus St. Jakobus,
Kapellenberg 58,
89610 Oberdischingen

Etwa drei Wochen später, noch im Frühjahr, hielten wir sie in unseren Händen, die Credencial del Peregrino, die unser ständiger Begleiter sein würde. Auf der Rückseite des Pilgerausweises befindet sich eine Grafik, die die einzelnen Pilgerwege sehr anschaulich darstellt.

 

 

Danach durften wir noch lange warten. Starttermin war der 16.08.2009, der Tag, ab dem unsere Kinder auf Fragen nach unserer Person nur eine Anwort kannten: „Die sind dann mal weg!“

 

km,

 

 


 

  

 Ankunft in Lissabon und unsere Bootsfahrt über den Rio Tejo

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.08.2009 34 34 70 70 Hotel Tryp Montijo Parque Hotel

  

23 Jahre alte Erinnerungen wurden wach, als wir mit unseren voll beladenen Rädern vom Flughafen in die Altstadt von Lissabon hinab rollten. Damals waren wir, zwei Jahre verheiratet, mit unserem Toyota Corolla um die iberische Halbinsel gefahren. Die Altstadt von Lissabon gehörte selbstverständlich zum „Pflichtprogramm“.

Unsere Räder und Gepäck hatten den Flug zuvor unbeschadet überstanden. Die leeren Kartons ließen wir am Flughafen einfach stehen und montierten in Ruhe unsere Räder.  Danach ging es überwiegend bergab bis in die Altstadt von Lissabon.

Erste Kontakte mit der portugiesischen Bevölkerung gab es auf einer der großen Zufahrtsstraßen zwischen Flughafen und Altstadt. Die Straße war für PkW gesperrt und über eine Länge von fast einem Kilometer mit Marktständen zugebaut. Die Händler waren gerade dabei, ihre Stände abzubauen.  Planen hingen herab und wir mußten ständig aufpassen, nicht an einer Spannleine hängen zu bleiben.  Es gab interessierte Blicke auf unsere hoch bepackten Räder und freundliche Grußworte, wir fühlten uns als Gäste willkommen.

Die Temperatur lag in Lissabon an diesem Tag bei 36 Grad im Schatten. Schon vorher beim Verlassen des Flughafengebäudes war uns die Hitze heftig entgegen geschlagen. Auf der asphaltierten, ohne Schattenbereiche geführten Straße, wurde sie fast unerträglich. Froh, nur noch hinab radeln zu müssen, verkrochen wir uns in die schattigen Winkel der Altstadt. Wir waren gerade mal 8 km geradelt und benötigten schon eine Pause.

An diesem Tag gab es kein großes Radfahrprogramm. Wir wollten ein wenig durch die alten Gassen Lissabons bummeln und im Anschluß mit der Fähre über den Rio Tejo nach Montijo übersetzen. Wir versprachen uns von der östlich des Tejo gelegenen weiteren Streckenführung ruhigeres Radeln. Für die erste Nacht war im „Tryp Montijo Parque Hotel“ ein Zimmer reserviert.

Der Fähranleger am Cais do Sodré befindet sich nur etwa 600 m vom Praca do Comércio entfernt. Von dort starten die Fähren zu den auf der anderen Tejoseite gelegenen Städte Cacilhas, Seixal und Montijo. Montijo war aus Planungssicht für uns der optimale Startort für eine Radtour in den portugiesischen Norden. Die Fahrpläne und grundsätzlichen Informationen fanden wir auf der Internetseite der Fährgesellschaft  www.transtejo.pt .

Die wenigen Kilometer bis zum Hotel waren schnell geradelt. Unterwegs fotografierte ich noch eine kleine Kapelle und ein blumengeschmücktes Haus. Montijo ist nicht besonders sehenswert, deshalb verzichten wir hier auf eine Beschreibung des Ortes. Wenig alt Erhaltenes, überwiegend Bauten aus jüngerer Zeit prägen das Stadtbild. Bezüglich unseres Hotels hatten wir genau die richtige Wahl getroffen, das Zimmer entsprach genau unseren Vorstellungen. Den Abend verbrachten wir in dem kleinen Restaurant „Petisqueira“, viel mehr an Auswahl stand in dem kleinen Ort auch nicht zur Verfügung.

Wir freuten uns über den gelungenen Start, dass der nächste Tag absolut nicht nach unseren Vorstellungen verlaufen würde, ahnten wir noch nicht.

 

  

 


  

 Ein gewöhnlicher Start oder wie umfährt man die Autobahn

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.08.2009 71 105 300 370 Camping

 

Der  nächste Ort durch den wir kurz hinter Montijo radelten, hieß Alcochete. Der kleine Ort hatte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem Wohnvorort Lissabons entwickelt, besaß eine alte Kirche aus dem 14. Jahrhundert und viele kleine schöne Gassen, durch die wir am noch kühlen Morgen unsere Räder schoben. Unser Frühstück, dass sich als das Beste auf unserer gesamten Tour herausstellten sollte, hatte wir in absoluter Ruhe noch im Hotel einnehmen können. Solch positive Erlebnisse wünschten wir uns für den weiteren Verlauf des Tages.

Leider kam alles anders! In guter Stimmung und Vorfreude auf die nun richtig beginnende Tour verließen wir Alcochete in südöstlicher Richtung um nach 2 km auf die N118 nach Norden zu schwenken. Am Straßenabzweig blickten wir reichlich irritiert nach Norden, die N118 gab es nicht mehr. Die von Süden kommende Autobahn, die nach meinem neu gekauften Papierkartenmaterial und neuesten GPS-Daten (Garmin CityNavigator2010) dort endete, war in der Zwischenzeit nach Norden verlängert worden. Es gab keine Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe unserer Streckenführung zu folgen. Also radelten wir weiter in Richtung Südosten. Der erste Versuch weiter nach Norden zu gelangen endete auf einem großen Gehöft (Barroca de Alva).

Wieder den einen Kilometer zurück zur N4, ging es immer weiter nach Osten. Bei einer Pause in einem Cafe entdeckten wir bei intensivem Kartenstudium im östlich gelegenen Vendas Novas zwei Bahnlinien.

Die eine führte von dort nach Lissabon zurück und die zweite verlief nach Nordwesten in die unmittelbare Nähe des von uns geplanten Zielortes. Bis Vendas Novas kamen wir auf 75 Radkilometer, das sollte bei der Hitze so gerade machbar sein. Mit dem Rad noch bis Marinhais zu gelangen schien mir unmöglich, die Tagesstrecke hätte sich auf 140 Tageskilometer erhöht.

Vendas Novas erreichten wir am frühen Nachmittag. Ich stürmte in den Bahnhof und freute mich schon darauf, das Problem fast gelöst zu haben.  Mit ausgebreiteter Karte verglich ich die auf der Karte in Frage kommenden Orte mit den dort hängenden Fahrplänen, konnte aber leider keinen der Orte auf den Fahrplänen finden. Es durfte nicht wahr sein, es handelte sich wohl um eine stillgelegte Strecke.

Mein nächster Gedanke war, O.K., dann übernachten wir eben hier und holen die fehlenden Kilometer irgendwie wieder rein.  Neben dem Bahnhof gab es ein recht ansehnliches Hotel. In der Rezeption saß eine nette englisch sprechende Spanierin, die sich mit ungewöhnlichem Engagement in die Lösung unseres Problems vertiefte. Zunächst wurden erst einmal per Internet die Fahrpläne der Bahn studiert, mit demselben Ergebnis, dass die Bahnstrecke nach Nordwesten nicht mehr befahren wurde, es gab nur die nach Lissabon. Dann telefonierte sie mit einem Taxiunternehmen um ein Großraumtaxi anzufordern. Uns war es Recht, die Übernachtung im Hotel hätte genau soviel gekostet.  10 Minuten später stand ein Opel Zafira vor dem Hotel. Die vorderen Laufräder demontiert, passte unser gesamtes Gepäck so gerade hinein. Der Wendepunkt war da, unser Tag sollte doch noch positiv enden.

Nach einer einstündigen Taxifahrt über die nach Norden führende N10 standen wir auf dem Campingplatz in Marinhais, keine 200 m vom Tejoufer entfernt.  Nach dem turbulent verlaufenen Tag hatten wir unseren Zielort doch noch erreicht.

 

  

 


 

 Wie zwei Paprikaschoten den Tagesablauf verändern

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.08.2009 62 167 200 570 Camping

 

Der Parque de Campismo Escaroupim liegt etwas westlich des kleinen Dorfes Marinhais direkt am Rio Tejo.  Als wir ihn morgens in nördlicher Richtung verließen, schien die Sonne wieder in voller Pracht.

Die Temperatur war noch sehr angenehm und so rollten wir die ersten 4,5 km auf einer Sandpiste durch einen schönen Nadelwald. Stellenweise gut zu befahren, gab es aber leider immer wieder kurze Teilstücke, auf denen ein Fahren unmöglich war. So schoben wir unsere Räder auf diesen Passagen vor uns her, fluchten ergiebig vor uns hin und hofften endlich die Brücke über den Rio Tejo zu erreichen. Auf der kleineren Nationalstraße N3-3, die sich auf der anderen Tejo-Seite befand, würde sich mit Sicherheit wieder durchgängig radeln lassen.

Die Brücke über den Rio Tejo hatte ich mir zu Hause sogar noch mit Hilfe von Google Earth angesehen, weil mir nicht klar war, ob es eine reine Eisenbahnbrücke war.  Das Foto, das dort zu sehen war, zeigte an der Seite sogar eine schmale Spur für Fußgänger und Radfahrer, sowie eine Ampel gesteuerte einspurige Fahrbahn für PKW. Leider hatte ich zu Hause übersehen, dass es parallel zum Rio Tejo noch einen kleinen Nebenarm gab, über den eine weitere Brücke führte. Die Brücke stellte für uns zunächst ein Problem dar, weil es eine reine Eisenbahnbrücke war.  Ich war bereits auf Erkundungstour gegangen und hatte mir die Breite der Eisenbahnbrücke genauer angesehen, als ein vom Campingplatz kommendes Fahrzeug die Lösung brachte. Claudia hatte den Fahrzeugführer während meiner Abwesenheit angesprochen, wir mußten unserer Piste noch gut einen Kilometer weiter nach Norden folgen, um auf die Straße zu gelangen, die den kleinen Nebenfluss überwand und zu der von mir im Internet betrachteten Brücke führte.

Also schoben wir unsere Räder weiter durch den Sand, bis der Straßenbelag merklich besser wurde. Claudia wunderte sich schon über die Tatsache, dass ich mein Rad immer noch schob. Die Erklärung war einfach. Mein Rad hatte einen Plattfuß. Würden die weiteren Tage genau so abenteuerlich beginnen?

Am Ortsrand von Muge, einem kleinen Örtchen, fanden wir einen schattigen Platz, an dem sich der Schaden schnell beheben ließ. Danach überquerten wir den Nebenarm, radelten  einen Kilometer zurück nach Süden und standen endlich vor der Brücke, die wir schon eine Stunde zuvor hatten überqueren wollen.

Auf der westlichen Tejo-Seite gibt es direkt hinter der Brücke eine Bar/Cafe. Dort legten wir erst einmal eine kleine Pause ein, weil die Hitze wieder bedenklich zugenommen hatte. An französische Preise gewöhnt (2,50 € für eine Orangina oder Cola) wunderten wir uns doch sehr. 0,65 € für eine Getränk fanden wir sehr günstig.

Danach radelten wir auf einer schönen Strecke die knapp 15 km bis nach Santarem. Auf der Fahrt dorthin durchfuhren wir riesige Tomatenfelder, sahen viele mit Tomaten hochbeladene LKW und registrierten die Tatsache, dass in der portugiesischen Landwirtschaft auch heute noch  sehr viel in Handarbeit erfolgte. In Santarem wollten wir eine längere Pause einlegen und es wie die Portugiesen handhaben. Über die Mittagsstunden bewegte sich dort fast niemand.

Die alte Stadt Santarem liegt „natürlich“ auf einem Berg. Schweißtreibend kurbelten wir unsere Räder in der Mittagshitze die gut 120 Höhenmeter hinauf und freuten uns auf die wunderschöne alte Stadt, deren weiß gekalkten Häuser schon von weitem zu sehen waren.

Die strategische Lage am rechten Tejoufer muß früher bedeutend gewesen sein. Während der Zeit der maurischen Besetzung errichtete man dort ein Kastell und nach der Rückeroberung durch Alfonso Henrique im Jahr 1147 wurde Santarem zur Residenz mehrerer Könige. Zu späterer Zeit baute man dort mehrere gotische Kirchen, weshalb Santarem in Portugal auch als Stadt der Gotik bezeichnet wird. Während der Mittagszeit schlenderten wir ein wenig durch die Stadt, jedes schattige Plätzchen suchend und fotografierten was uns an schönen Motiven vor die Linse kam.

Bevor wir die Stadt am späten Nachmittag verließen, sprach Claudia vor der „Igreja de Nossa Senhora Da Piedada“ einen Mann an, den sie für einen Priester hielt. Ihre Einschätzung war richtig gewesen. Sie hatte den Priester der Igreja gefunden, der gerne bereit war, unsere Pilgerausweise mit dem ersten Stempel zu versehen.

Während dessen stand ich auf dem Praca de Sá Da Bandeira und grübelte über eine Textpassage aus dem Reiseführer. Der Platz auf dem ich gerade stand, war im Jahr 1347 Schauplatz einer von Pedro I. veranlassten grausamen Hinrichtung gewesen. Zwei Mörder sollen dort bei lebendigem Leibe gehäutet worden sein.

Glücklich über den ersten Pilgerstempel sausten wir hinab ins Tejotal. Über das direkt am Tejoufer gelegene Ribeira de Santarem ging es weiter in Richtung Golega, unserem Tagesziel.

Ein schönes Erlebnis hatten wir an dem Nachmittag noch vor dem kleinen Ort Pombalinho. Wir radelten so vor uns hin, als uns ein kleiner Lastwagen überholte, auf dem einige Frauen saßen, die uns lauthals zujubelten. Sie kamen von der Paprikaernte und saßen auf der offenen Ladefläche.  Wir winkten zurück, während sich der kleine Lastwagen immer mehr entfernte.

Im Ort trafen wir sie dann wieder. Der Wagen stand am Fahrbahnrand, warum er gehalten hatte, wussten wir nicht und alle Frauen befanden sich noch auf der Ladefläche. Als ich vorbei radelte und wir wieder in ihr Blickfeld gerieten, hielten sie Claudia an und schenkten ihr zwei Paprikaschoten. Eine nette Geste am späten Nachmittag. Mit einem netten „Obrigado“ bedankten wir uns und radelten weiter unserem Tagesziel entgegen.

Bis Golega waren es dann nur noch 6 km. Der Weg zum Campingplatz (Parque de Campismo) war sehr gut beschildert. Wir trafen auf einen wunderschönen Rasenplatz, der uns erheblich besser gefiel, als die sandige Fläche vom Vortag.

Den Abend wollten wir im neben der Rezeption gelegenen Restaurant ausklingen lassen. Ein Grund mit dafür,  die zwei Paprikaschoten unserem portugiesischen Zeltnachbarn zu schenken. Er verstand uns zunächst nicht so richtig, so dass wir einen englisch sprechenden Portugiesen in das Gespräch einbinden mussten. Danach war klar, die Parikaschoten waren ein Geschenk für ihn, für das wir keineswegs eine Gegenleistung erwarteten.

Das Ergebnis sah dann so aus, dass wir eingeladen wurden, seine auf dem Grill befindlichen Hähnchenbollen mit zu verspeisen. Ein Gläschen Wein gehörte auch noch dazu. Diese offene Herzlichkeit der Menschen in Portugal gefiel uns von Tag zu Tag mehr.

 

  

 

 


 

 Antonio wir danken dir (Obrigado)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.08.2009 73 240 630 1200 Camping

 

Eigentlich hätten wir wie auf einer meiner früheren Touren am Morgen den Kocher ausgepackt, Kaffee gekocht und irgendwie ein Frühstück gezaubert.  Ihn überhaupt mit zunehmen war eine Fehlentscheidung gewesen. Wir waren um ca. 08:30 Uhr wenige Meter in den Ort gelaufen, hatten in einem Cafe unser Frühstück genossen und dafür gemeinsam weniger als 5 € bezahlt.  Für den Campingplatz mußten wir 5,76 € bezahlen, unsere Urlaubskasse wurde erheblich geschont.

Nach einem gescheiterten Versuch in der Kirche von Golega einen Stempel für unseren Pilgerausweis zu erhalten, radelten wir zunächst in den südwestlichen Teil des Ortes. Auf unserem Anfahrtsweg tags zuvor hatten wir in der Ferne eine gläsernes großes Gebäude gesehen, dass uns interessierte.

Das Gebäude das wir sahen, musste jedem Besucher Golegas sofort auffallen. Architektonisch vollkommen anders gestaltet als die umliegenden Häuser, war es mit viel Glas versehen und reichhaltig geschmückt. Spätere Recherchen im Internet ergaben, dass es sich um einen Tempel der Fotografie handelte (O Templo Da Fotografia). In Golega wohnte ein Mann namens Carlos Gräser, den man wohl auch den portugiesischen Leonardo da Vinci nannte. Er war für die Einführung vieler landwirtschaftlicher Innovationen verantwortlich, war Pferdezüchter, Reiter, Musiker und Erfinder zugleich. Seine wahre Leidenschaft galt jedoch der Kunst und Fotografie. Carlos Gräser hatte in Golega einen wahren Tempel der Fotografie hinterlassen. Das Gebäude, vor dem wir standen, war allein für den Zweck gebaut worden, Labortechniken zu entwickeln. Darüber hinaus gab es ein Studio, dass sich speziell mit der weiteren Entwicklung der Kunst befasste. Jetzt konnten wir uns die vielen Glasfassaden erklären, die sicherlich dazu dienten, die Räume entsprechend mit Licht zu durchfluten.

Über die M1183 verließen wir den noch ruhigen Ort und radelten nach Norden. Ungefähr 7 km weiter standen wir urplötzlich auf einem verlassenen Gut (Quinta Da Cardiga). Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Das Hauptgebäude war riesig, besaß ein tolles Eingangsportal und eine mit Fliesen dekorierte Front. Irgendwie wirkte das ganze gespenstig. Man fühlte sich ein wenig wie ein Eindringling. Es musste doch irgendwann jemand erscheinen, um uns zu fragen, was wir dort wollten. Es erschien niemand während unserer Anwesenheit.

Direkt am Tejoufer entlang verließen wir den Ort. Die Fahrbahn war nicht asphaltiert, aber auf dem nur 3 km langen Stück bis Poco Nova recht gut zu befahren.

In Poco Nova folgten wir dem gelben Camino-Pfeil, überquerten die durch den Ort führende Vila Nova Da Barquinha und trafen vor einem Bahnübergang auf einen alten Mann. Er war damit beschäftigt Zweige zu sammeln,  sprach uns aber sofort auf Portugiesisch an. Wir konnten ihn überhaupt nicht verstehen, als er aber von uns die Worte Camino Portugués vernahm, öffnete er seine Tasche und schenkte uns einen Teil seiner in einem Tuch eingewickelten Feigen. Ein wenig sprachlos bedankten wir uns und querten den ungesicherten Bahnübergang.

Die weitere Fahrt nach Tomar verlief ohne besondere Vorkommnisse. Wir kehrten in dem kleinen Ort Asseiceira noch kurz in einem Cafe ein, schauten uns dort eine verfallene Kirche an und radelten dann zügig auf der N110 bis in den alten historischen Ort. Auf unserer Anfahrt war die hoch oben liegende alte Festung Tomars schon von Weitem zu sehen.

Tomar liegt am Ufer des Flusses Nabao, an dem wir entlang radelnd die Altstadt erreichten. Tolle alte Gassen erwarteten uns hier. Die Stadt besaß eine alte Geschichte, das spürte man sofort. Zu Beginn der 12. Jahrhunderts verlief bei Tomar die Grenze zwischen christlich und maurisch beherrschtem Gebiet. In dieser Periode bauten die Tempelritter  im Jahr 1160 in Tomar ein Wehrkloster. Die Besitztümer des Tempelritterordens gingen nach dem Verbot des Ordens im Jahr 1314 fast vollständig auf den Christusritterorden über, der mit seinen Reichtümern fast alle großen Entdeckungsfahrten der Portugiesen finanzierte. Deshalb sieht man auf alten Abbildungen auf den Segeln auch das große rote Kreuz. Durch die Entdeckungsfahrten gelang der Orden zu einem noch größeren unvorstellbaren Vermögen, das sich in Tomar in vielen Ausschmückungen der Gebäude widerspiegelt.

Wir schlenderten bei der Hitze durch die Gassen, schauten uns noch das jüdische Museum an und verschwanden im Anschluß in den Stadtpark, der uns mit seinen schattigen alten Bäumen ideal erschien, ein kleines Nickerchen zu halten. Erst um 15:30 Uhr machten wir uns auf den weiteren Weg. Es war nach wie vor heiß, aber zu spät wollten wir in unserem Zielort Foz de Alge auch nicht ankommen.

Die ersten Kilometer ließen sich noch locker radeln, aber kurz hinter dem kleine Ort Pedreira nahm die Steigung gnadenlos zu. Claudia kämpfte sich tapfer Meter um Meter hinauf, spürte aber immer mehr, wie schwer es ihr fiel, weiterzufahren. Wir hielten deshalb an, suchten ein schattiges Plätzchen und überlegten, welche Alternativen es gab. Bis zu unserem Zielort waren  noch etwas über 34 km mit etwa 400 Höhenmetern zu radeln und außer ein paar Wohnhäusern gab es nichts, von wo aus man eine Hilfe (z.B. Taxi) hätte organisieren können.

Tja, und dann erschien Antonio!  Heute wissen wir, dass unser Engel im Garten seines Vaters beschäftigt war, dass er bei der portugiesischen Armee arbeitet und uns von der Garage aus gesehen hatte.  Er stand plötzlich vor uns und fragte uns in englischer Sprache, ob wir ein Problem hätten. Danach ging alles recht schnell. Wir bekamen frisches kaltes Wasser und ein Angebot unterbreitet, das wir zunächst fast nicht glauben wollten. Antonio wollte einen Tag später mit seiner Familie nach Nazare in Urlaub fahren und deshalb hatte er seinen Opel Astra Kombi mit einem Dachkoffer versehen und noch nicht beladen.  Claudias Rad und unsere gesamten  Gepäcktaschen verschwanden im Astra . Als Zielort hatten wir das 20 km entfernte Cabacos gewählt und für den Fall auftretender Schwierigkeiten beide die Mobiltelefone eingeschaltet.

Ich selber fühlte mich dermaßen motiviert, dass ich mit meinem Rad hinterher stürmte, um so schnell wie möglich in Cabacos zu sein. Keine Stunde später kam mir 3 km vor dem kleinen Ort Antonio mit seinem Astra entgegen. Claudia hatte ihn in einem Cafe noch zu einer Cola eingeladen, sonst hätte ich ihn vermutlich nicht mehr gesehen. Die herzliche Umarmung wird mir in Erinnerung bleiben. Ein riesiges Dankeschön an Antonio!

Als ich in Cabacos ankam, lief mir der Schweiß in Strömen vom Gesicht herunter.  Claudia hatte mich noch nicht erwartet und so freuten wir uns über die gewonnene Zeit und die einmalige Hilfsbereitschaft der Portugiesen.  Nach einer Pause machten wir uns dann auf den Weg, die letzten 14 km unter die Räder zu nehmen und erlebten eine böse Überraschung. Hinter Cabacos ging es weiter steil bergauf. Wir hatten den Ort in einer Höhe von 430 m vermutet, er lag aber noch kurz vor dem letzten Anstieg in 260 m Höhe. Der Anstieg, der vor uns lag, hatte es in sich.  Auf einer Strecke von knapp 1 km ging es 170 Hm hinauf, da fiel selbst schon das Schieben schwer. Immer wieder mußten wir Pausen einlegen, um unsere Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen.  Hoffentlich hielt der Tag nicht noch mehr Überraschungen für uns bereit!

Die Streckenführung auf der Abfahrt war recht schön, wir waren aber zu abgekämpft und von der Hitze ausgelaugt, um sie noch richtig zu genießen. Mit Ausnahme von zwei kleineren flachen Anstiegen war es dann nach 72 Tageskilometern geschafft. Der Campingplatz lag recht idyllisch an einem schönen See und besaß ein recht gutes Restaurant.  Ein leckeres Abendessen am Bufet hatten wir uns redlich verdient.

 

  

 


 

 Coimbra die alte Universitätsstadt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.08.2009 85 325 1100 2300 Camping

 

Abenteuer hatten wir in den ersten Tagen unserer dreiwöchigen Radtour schon genug erlebt. Nicht alles war nach unserem Plan verlaufen. Um genügend Zeit für die Universitätsstadt Coimbra zu gewinnen, veränderten wir die Streckenführung, starteten etwa eine Stunde früher als in den Vortagen, „quälten“ uns noch mal ca. 300 Hm bei mäßiger Steigung hinauf und radelten dann fast nur auf Nationalstraßen nach Coimbra.  Auf der weiteren Strecke ging es tendenziell von 450 m NN auf 75 m NN bergab. Die Fahrbahnen waren in guter Qualität und besaßen nur geringfügige Steigungen. Weitere Ortsbesichtigungen vermieden wir, so dass wir zügig vorankamen.

Klasse  unser Plan hatte funktioniert. Pünktlich um kurz vor 14:00 Uhr standen wir auf dem Campingplatz von Coimbra. Er liegt am südlichen Rand der Stadt und ist für unseren Geschmack zu modern gestaltet. Dafür ist er aber neu und die Sanitäranlagen in einem sehr guten Zustand. Nach einem kurzen Besuch des Pools drängte es uns in die Stadt.

In den Außenbezirken hatte sich Coimbra in den letzten 23 Jahren seit unserem letzten Besuch erheblich vergrößert. Augen zu und durch dachten wir und radelten die ersten 4 km bis ins Zentrum. Unser Ziel war die alte Oberstadt, in der sich das Universitätsviertel befindet (Alta) und das alte Geschäftsviertel in der Unterstadt (Baixa). Zum Besichtigen einer größeren Stadt sollten sich unsere Fahrräder mal wieder als ideal erweisen, wir kamen überall hin und liefen uns nicht die Füße platt. 

Coimbra ist eine sehr alte Universitätsstadt, in der ca. 20000 Studenten leben. Die Universität befindet sich im ehemaligen Königspalast (Coimbra war mal Hauptstadt Portugals), der bereit im Jahr 1540 zum „Paco dos Estudos“ umgestaltet wurde. Im Sommer ist es in der Stadt verhältnismäßig ruhig. Erst wenn die Studenten aus den Semesterferien zurückkehren, wird es so richtig lebhaft in der Stadt. Bezüglich des Studentenlebens gibt es eine alte Vorschrift, an die sich einige Studenten wohl auch heute noch halten. Sie tragen weite schwarze Capes, deren Saum in so viele Fransen geschnitten wird, wie sie unglückliche Lieben hinter sich haben. Ihre Mappen sind mit den Bändern in den Farben ihrer Fakultät geschmückt.

Im Gegensatz zu Deutschland bilden sie häufig große Wohngruppen (12-20), die Studenten stammen dann meistens aus derselben Region Portugals. Sie mieten sich häufig sehr große Wohnungen und beschäftigen eine Haushälterin, die auch für alle die Mahlzeiten zubereitet.

Von den Studenten nahmen wir aufgrund der Semesterferien nicht viel wahr, wir schauten uns aber die alten Gebäude an und fanden direkt daneben auch eine Touristeninformation, in der wir unseren Pilgerstempel erhielten.  Danach radelten wir hinab in die Altstadt und bummelten durch die alten Gassen. Nachfolgend mal einige Fotos von der Oberstadt (Alta) und der Unterstadt (Baixa)

Coimbra besitzt noch reichlich weitere Besichtigungsmöglichkeiten, wie z.B. das Nationalmuseum (Museo Nacional Machado de Castro) und die Kathedrale Sé Velha. Für weiteres reichte am Abend aber unsere Zeit nicht, wir hatten genug gesehen und wollten noch zum Bahnhof. Unsere Planung für den nächsten Tag bestand darin, morgens mit einem Zug ein Stück bis zur Küste zu fahren. Am Nachmittag wollten wir dann noch knappe 50 km am Meer entlang radeln.

 

  

 


 

 Aveiro und unsere Fahrt entlang der Dünen von Sao Jacinto

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.08.2009 44 369 100 2400 Camping

 

Unser Zug von Coimbra nach Aveiro fuhr erst kurz vor dem Mittag. Wir hatten deshalb viel Zeit, frühstückten in Ruhe und aktualisierten ein wenig unser Tagebuch.  Die Fahrräder standen bereits abfahrbereit und hochbepackt vor der Rezeption des Campingplatzes. Der Platz in Coimbra liegt auf einem kleinen Hügel, so dass wir bei noch angenehmen Temperaturen die 5 km zum Mondego hinunterrollten.

Nicht unweit der Ponte St. Clara, unterhalb der Altstadt, befindet sich das alte Bahnhofsgebäude, in dem wir an diesem Morgen bereits ein sehr nettes Erlebnis hatten. Wir standen mit unseren Rädern am Schalter und versuchten dem Bahnbediensteten unser Anliegen klar zu machen. Das bestand natürlich darin, einen Zug zu finden, mit dem wir gemeinsam mit unseren Rädern so schnell wie möglich nach Aveiro in Richtung Küste kamen. Am Schalter standen noch mehrere Kunden und trotzdem verließ er seinen Platz und bat uns ihm zu folgen. Er brachte uns mit unseren Rädern zum Zugführer, erklärte ihm unser Anliegen und zeigt uns danach auch noch den Waggon, in den wir unsere Räder schoben. Erst danach kehrte er zu seinem Schalter zurück. Ein toller Service, waren unsere Gedanken. Was die anderen am Schalter wartenden Kunden dazu zu sagen hatten, hörten wir ja nicht. Wir mußten kein Gepäck vom Fahrrad nehmen und konnten die Räder vollbepackt ohne jegliche Stufe in den Waggon schieben. 10 Minuten später fuhr der Zug in Richtung Aveiro. 

Bis Aveiro dauerte die Fahrt ungefähr eine Stunde.  Im Zug gab es noch ein nettes Gespräch mit einer Portugiesin, die unsere Räder wahrgenommen und uns deshalb angesprochen hatte.  Sie schwärmte von der Sierra Estrela per Bike und erzählte ein wenig von ihrer eigenen Tour nach Santiago.

In Aveiro angekommen, mussten wir zunächst die Gleise wechseln, um den Ausgang zu erreichen. Dank vorhandenem Aufzug, war das aber problemlos möglich, es dauert nur halt entsprechende Zeit. Vor dem modernen relativ neuen Bahnhofsgebäude entdeckten wir das alte Bahnhofsgebäude, das wohl den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, aber viel schöner ist.

Aveiro war früher eine Hafenstadt mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Haupterwerbsquelle war im 15. und 16. Jahrhundert der reichhaltige Kabeljaufang vor Neufundland. Im Jahr 1575 verlor die Lagunenstadt durch ein Unwetter ihren Zugang zum Meer, was katastrophale Folgen hatte. Ihrer Erwerbsmöglichkeit beraubt, verfiel die Stadt und verlor immer mehr an Bedeutung. Mehrere Versuche, den Zugang wieder herzustellen,  scheiterten. Erst im Jahr 1808 schaffte man es mit Hilfe von Deichen, die aus Steinen der Stadtmauer gebaut waren, wieder eine Verbindung zum Meer herzustellen. Heute liegt Aveiro etwa 5 km vom Meer entfernt und ist durch den „Canal Das Piramides“ und dem „Ria de Aveiro“ mit dem Meer verbunden.

Viele kleine Kanäle durchziehen die Stadt. Die schlanken Moliceiros (Boote) und die Pfosten, an denen sie vertäut werden, erinnern den Besucher unweigerlich an Venedig. Die Boote sind bunt bemalt und recht hübsch anzuschauen. Als wir in Aveiro ankamen, war die Wetterlage hervorragend. Ein etwas kühlerer Wind blies vom Meer und sorgte dafür, dass die hohen Temperaturen erheblich besser zu ertragen waren. Zuerst entdeckten wir auf unserem Anfahrtsweg in Richtung Zentrum eine kleine Kirche. Unseren Pilgerstempel erhielten wir dort nicht, es war aber ganz nett einmal hineinzuschauen. Aveiro ist nicht sehr groß und dennoch hatten wir die Touristikinformation, die sich direkt am Canal Central befindet, zunächst übersehen.

Unsere nächsten Versuche einen Pilgerstempel zu erhalten, gelangen auch nicht. Wir liefen in die Igreja Da Misericordia und sprachen einen Polizisten an, der vor der Stadtverwaltung stand (Camara Municipal de Aveiro), kamen aber der Lösung unseres kleinen Problems nicht näher. Erst etwas später, wir hatten unsere Räder weiter durch den Ort geschoben, entdeckten wir das alte Gebäude der Polizeistation, dass sich direkt gegenüber der Igreja Das Carmelitas befindet. Vor dem Gebäude stand ein Polizist in Uniform, dessen Aufgabe es wohl war, den Zugang zu bewachen.

Den Pilgerausweis in unseren Händen sprachen wir ihn einfach an. Ohne auch nur ein Wort zu verstehen, war unser Anliegen wohl zu eindeutig. Er drehte sich um und lief in dem alten Gebäude im Eiltempo eine geschwungene Treppe hinauf. 3 Minuten später stand er wieder strahlend vor uns und unsere Pilgerausweise enthielten einen neuen runden Stempelabdruck der „Policia Seguranca Publica de Aveiro“. Wir hatten alle unseren Spass dabei, verabschiedeten uns mit einem netten „Obrigado“ und rollten wieder zum Canal Central. Dort sahen wir dann die auf dem Hinweg übersehene Touristikinformation.

In der Touristikinformation deckten wir uns mit einer Karte der Umgebung, dem Fahrplan der Fähre und einer skizierten Wegbeschreibung ein. Der Hintergrund war, das wir mit der Fähre nach Sao Jacinto fahren wollten, zunächst aber dorthin einen Weg über den Rio Baco finden mussten. Auf der Papierkarte sah das so aus, wie wenn nur die Autobahn über den Rio Baco verlaufen würde. Laut der netten Dame in der Information gab es einen Weg parallel zur Autobahn, der auch mit dem Rad befahren werden konnte. Und diesen hatte sie in der Karte bis zum Ortsausgang andeutungsweise skizziert.

Fast wären wir trotz Hilfsskizze noch auf die Autobahn eingebogen. Erst im letzten Augenblick sahen wir die parallel verlaufende Straße und korrigierten unseren Weg. Danach radelten wir an der Autobahn lang, überquerten den Rio Baco und fuhren mitten durch den Ort Gafanha Da Nazare. Wirklich schön war der nicht gerade, deshalb hielten wir auch nicht an und kurbelten unsere Räder gegen den Wind zum Fähranleger Forte de Barra.  Eine knappe Stunde mussten wir dort auf die Ankunft der Fähre warten, dann sahen wir sie einlaufen.

Sao Jacinto ist ein kleiner Ort, der direkt am südlichen Rand des Naturschutzgebietes „Reserva de Natural das Dunas de Sao Jacinto“ liegt. Mit einer Fläche von 666 Hektar gilt dieses Naturschutzgebiet als eine der besterhaltenen Dünenlandschaften Europas. Auf der dem Meer abgewandten Seite radelten wir 28 km nach Norden. Wir hatten einen Campingplatz in Furadouro ausgewählt, der ziemlich nah am Wasser liegen musste. Das radeln in Richtung Norden machte auf der glatten ebenen Fahrbahn richtig Spaß. Wir hatten zwar etwas Gegenwind, das störte aber nicht sehr, weil wir zeitlich hochgerechnet hatten, dass wir den Campingplatz um ca. 18:30 Uhr erreichen würden.

Bei der Ankunft zeigte sich der Campingplatz als „absolute Niete“! Ein genaueres Studium unserer Unterlagen hätte uns vorher stutzig machen sollen, der Platz hatte 4000 Stellplätze. Schon auf dem Anfahrtsweg waren wir hellhörig geworden. Da überholte uns ein Lautsprecherwagen aus dem Werbung für einen Cirkus namens „Victor Hugo“ schallte. Ein Blick in Richtung Strand zeigte ebenfalls nichts Gutes, Rummel pur! Kurz vor dem Campingplatz radelten wir dann auch noch am Cirkuszelt vorbei und dachten, nichts wie weg hier. Weiter radeln wollten wir aber auch nicht mehr, dafür war es zu spät. Wir quartierten uns also notgedrungen dort ein, aßen um 09:00 Uhr im Campingplatzrestaurant (auch nicht zu empfehlen) und verschwanden nach dem Essen mit einer Flasche Wein zu unserem Zelt. Dort hatten wir unsere Ruhe.

 

  

 


 

 Porto ist eine faszinierende Stadt

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.08.2009 46 415 200 2600 Hotel Da Bolsa

 

In Portugal tickten die Uhren anders, das war uns schon klar und sollte in Spanien auch nicht anders sein. In Portugal konnte man hin und wieder bereits um 20:00 Uhr in einem Restaurant essen, in Spanien lief vor 21:00 Uhr nichts. Beim Frühstück war das ähnlich, da brauchten wir vor 09:00 Uhr in keinem Cafe erscheinen, so auch auf dem Campingplatz in Furadouro nicht.

Während wir etwas nachdenklich auf unser Frühstück schauten, erschien vor unserem Tisch ein Spanier, der gestikulierend auf uns einredete. Eigentlich waren wir noch mehr mit uns selbst und unserem spärlichen Frühstück beschäftigt, als auf Gespräche mit fremden Spaniern eingestellt. Er lies aber nicht locker, zupfte an seinem T-shirt und wollte es schon ausziehen, als wir endlich verstanden, was er von uns wollte. Wir hatten unsere Wäscheleine samt Klammerbeutel hängen lassen und unseren spanischen Zeltnachbarn nicht erkannt. Er war 400 m hinter uns her gelaufen um uns netterweise darauf hinzuweisen. Also lief ich mit ihm zu unserem Stellplatz zurück, bedankte mich noch etwas vor mich hin träumend mit einem Obrigado und blickte in ein erstauntes Gesicht. Ein korrigierendes Gracias sorgte für eine Aufhellung in seinem Gesicht, die Stimmung am Morgen war gerettet.

Durch eine tolle Dünenlandschaft radelten wir in Richtung Espinho und trafen 6 km weiter auf einen Straßenabzweig, der schnurgerade zum Meer führte. Wir wollten auf diesem Küstenabschnitt doch wenigstens einmal am Meer gewesen sein. Die weitere Region bis zum Mündungsdelta des Rio Douro ist relativ gleichförmig. Die Badeorte reihen sich dort aneinander und sind teilweise recht hübsch anzusehen. Da es keine besonderen Ereignisse gab, lassen wir einfach mal die Fotos „sprechen“! 3 – 4 km vor Espinho standen wir plötzlich vor einem Bahnübergang, an dem ich das nachstehende Foto machte.

Vermutlich ging die vor dem Gebäude stehende Frau dieser Arbeit schon viele Jahre nach. Sie signalisierte dem herannahenden Zug mit dem roten Stab, dass der Bahnübergang gesichert war. Wir hatten für die Situation keine andere Erklärung, deshalb hoffen wir mal, dass unsere Beobachtung richtig ist.

Immer am Ufer des mündenden Rio Douros entlang radelnd, unterquerten wir die von hohen Pfeilern gestützte Autobahn und näherten uns immer mehr der schon früh zu sehenden Altstadt von Porto. Im südlichen des Rio Douro gelegenen Stadtteil Vila Nova de Gaia legten wir zunächst noch eine Pause ein und gingen in die Toruistikinformation. Dort erhielten wir die gewünschten Unterkunftsempfehlungen und einen weiteren Pilgerstempel. 

Die im Jahr 1886 von der belgischen Firma Willebroeck errichtete Brücke ist das Wahrzeichen von Porto. Es handelt sich um eine reine Straßenbrücke die zwei Ebenen besitzt und die Verbindung der beiden oberen und unteren Stadtteile gewährleistet. Sie ähnelt einer weiteren stromaufwärts von Gustav Eiffel erbauten Eisenbahnbrücke (Ponte Ferroviária Maria Pia), die wir aber nicht zu Gesicht bekamen.

Porto muß man gesehen haben! Die zweitgrößte Stadt Portugals zählt, Vorstädte mit eingerechnet, 1 Millionen Einwohner. Das historische Stadtzentrum steht seit 1996 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Die direkt am Flußufer gelegenen Stadteile Ribeira und Miragaia sind die beliebtesten Wohnviertel. Ribeira wird seit Jahren renoviert und besitzt die meisten Restaurants und Bars. Kein Wunder, das sich dieses Viertel zu einem Zentrum des Nachtlebens entwickelt hat. Blickt man von dort auf die andere Flußseite, schaut man auf Vila Nova de Gaia. In dem Stadtteil, befinden sich die Weinkeller, indem der Portwein reift.

Wir schoben unsere Räder am Ufer des Douro entlang in die Altstadt und schwenkten dann durch eine Gasse nach Norden. Ein paar hundert Meter weiter musste sich das von uns ausgesuchte „Hotel da Bolsa“ befinden. Das Dreisterne Hotel befindet sich etwas oberhalb des Douro in der Rua Ferreira Borges, ist aber bequem zu Fuß zu erreichen und vom Standard her absolut o.k.

Wir waren zufrieden, das Übernachtungsproblem gelöst zu haben. Unsere Fahrräder befanden sich in einem kleinen Gang, der wohl von den Lieferanten des Hotels genutzt wurde, Porto erkunden wollten wir zu Fuß. In den wenigen Stunden bis zum Abend liefen wir uns ein wenig die Füße platt, bekamen noch so einiges von der Altstadt zu sehen und waren uns einig. Nach Porto wollten wir, wenn eben möglich, noch einmal hin. Vielleicht auf einer Städtetour, auf der man 3-4 Tage  Zeit hätte. Nachstehend mal einige Fotos von unserem Erkundungsgang.

Am Abend gingen wir zum Cais da Ribeira. Die Uferstraße ist der malerischste Ort in Porto.  Vom Cais aus blickt man direkt auf den Brückenbogen der Ponte Rodoviária Luis I. Die teilweise baufälligen Häuser sind mit bunter Wäsche behängt und in den Fenstern sieht man Menschen, die in Ruhe hinab auf das Treiben im Viertel blicken. Am Kai liegen Boote vertäut, darunter barcos und moliceiros, die wir ja bereits in Aveiro kennengelernt hatten. Wir suchten uns ein nettes Restaurant, aßen ein wenig und beobachteten das Treiben am Cais da Ribeira. Je später es wurde, je lebhafter wurde es im Viertel.

Etwas später schlenderten noch ein wenig am Kai entlang und trafen auf eine Menschentraube, die sich um eine Gruppe junger Musiker versammelt hatte.  Wir waren absolut fasziniert, den Abend würden wir nie wieder vergessen. Lange hörten wir uns die Jazz Musik an, wir konnten uns nicht davon lösen.

 

  

 


 

 Die Polizeistation von Vila do Conde oder der Pastor hat keine Zeit

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23. 08.2009 57 472 300 2900 Camping

 

Wir verließen Porto in westlicher Richtung immer am Douro-Ufer entlang. An dem Morgen war die Luft zum ersten Mal dunstig und feucht, so dass unsere Brillen ständig beschlugen. Mal abgesehen von kurzen Kopfsteinpflasterpassagen  kamen wir auf den Radwegen aber gut voran.  Es war Sonntag und viele Portugiesen nutzten den Morgen, um sich sportlich zu betätigen, oder einfach nur am Douro-Ufer entlang zu schlendern.Bis zu unserem ersten Tageshighlight, dem Castelo do Queijo waren gut 8 km zu radeln.  Das Castelo diente lange Zeit zur westlichen Sicherung Portos und wurde im Jahre 1661 erbaut.

Knapp 2 km weiter nördlich überquerten wir über eine interessante Brückenkonstruktion den Porto de Leixoes. Der Hafen von Leixoes hat seinen Ursprung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals begann man wegen der häufigen Versandung des Dourohafens ein neues Hafenbecken zu bauen. In den 30er Jahren umgebaut, dauerte es lange, bis der Hafen endgültig fertiggestellt wurde, das war erst im Jahr 1985. Heute ist Leixoes der zweitgrößte Handelshafen Portugals. Nachdem man eine Landebrücke für die großen Öltanker und eine Raffinerie gebaut hatte, entstand ein ganz neuer Industriezweig. Als Fischereihafen (Sardinen) war der Hafen vorher schon weit bekannt. Danach radelten wir weiter an der Küste entlang, kamen an einem Meerwasserschwimmbecken und einem großen Leuchtturm vorbei und standen plötzlich vor der schönen kleinen Kapelle „Capela de Nossa Senhora Da Boa Nova“.

In Angeiras war die Straßenführung am Meer entlang zu Ende. Wir mussten die Küste verlassen und die Erfahrung machen, dass die Straßenverhältnisse in Nordportugal zunehmend schlechter wurden. Überwiegend auf Kopfsteinpflaster unterwegs, wurden unsere Körper kilometerlang mächtig durchgerüttelt. In der Nähe der Autobahn A28 radelten wir einfach ein kurzes Stück nach Osten, um auf die N13 zu gelangen. Wir waren das Rütteln leid, die N13 war zwar stärker befahren als die kleinen Nebenstraßen, hatte aber den Vorteil, dass wir schneller voran kamen. Die Nationalstraße war aufgrund des Verkehrsaufkommens auch nicht besonders toll.

Aus diesem Grund versuchten wir immer wieder auf asphaltierte kleinere Nebenstraßen auszuweichen, mal gelang das, mal nicht. Irgendwann standen wir dann auf der Brücke über den Rio Ave, die das Örtchen Azuarara mit der Stadt Vila Do Conde verbindet. Von der Brücke aus war hoch oben das monumentale Kloster der heiligen Klara (Convento de Santa Clara) zu sehen, ein beeindruckendes Gebäude. Heute befindet sich dort eine Schule für verhaltensgestörte Kinder, Kirche und Kreuzgang können aber noch besichtigt werden. 

In Vilo Do Conde besteht die Möglichkeit am Kai einen alten Schiffsnachbau zu besichtigen. Wir hatten das Schiff schon von der Brücke aus gesehen und radelten deshalb auch zuerst dort hin. Vor Ort waren wir dann etwas enttäuscht, der Nachbau schien uns nicht sehr realitätsnah und zu einfach im Detail. Kaum vor Ort wurden wir sogar in deutscher Sprache „angequatscht“, die Eintrittskarten gab es wohl im gegenüberliegenden Museum (Museo Da Construcao Naval).

Wir hatten von Außen schnell genug sehen und radelten deshalb weiter durch die Innenstadt um eine Möglichkeit zu finden, unseren Pilgerausweis mit einem weiteren Stempel zu schmücken. Eine Touristikinformation fanden wir nicht, in einer kleinen Nebengasse aber die Polizeistation der „Policia Seguranca Publica Do Porto, Vila Do Conde“. Ermutigt durch unsere erste Aktion bei der Polizei in Aveiro, betrat ich das Polizeigebäude, während Claudia auf die Räder aufpasste. Einer der im Büro sitzenden Polizisten sprach recht gut Englisch, fragte mich aber sogleich, ob ich in Deutschland bei der Polizei arbeiten würde. Als ich das verneinte, wurde ich „ausgequetscht wie eine Zitrone“. Das übliche Programm, wo wir herkommen, wo wir hinwollen, bei welcher Firma ich in Deutschland arbeiten würde, wenn schon nicht bei der Polizei usw. usw.! Da ich merkte, dass sie mir den Pilger abnahmen und ihren Spass hatten, erzählte ich unsere Story und freute mich, dass einer der Beamten nach einem Stempelkissen kramte. Tja, die portugiesische Polizei, dein Freund und Helfer.

Etwas nördlich der „Rua 25.de April“ befindet sich die sehr schöne Kirche „Igreja Matriz“. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert von Künstlern aus Biskaya erbaut und ist ein wirkliches Schmuckstück. Sie ist nicht sehr groß, sie sich einmal anzusehen, ist aber durchaus lohnenswert. Wir hatten zwar schon einen Stempel im Pilgerausweis, besaßen aber den Ehrgeiz einen weiteren in der Kirche zu erhalten. So rollten wir zur Igreja Matriz und platzten mit unseren Rädern mitten in eine Hochzeit.

Wir hielten uns eine Zeit lang etwas abseits vom eigentlichen Geschehen um die Feier nicht zu stören. Als aber die meisten Gäste zu ihrem Auto liefen, mogelte sich Claudia durch das Kirchenportal. Sie schaffte es sogar, den Pastor zu sprechen, er hatte aber leider keine Zeit. Grund war eine direkt im Anschluß stattfindende Taufe. Zwei Kilometer hinter Vila do Conde kamen wir dann in den Badeort Povoa de Varzim, den wir nicht gerade toll fanden. Unser Ziel war der Campingplatz, der sich westlich vom kleinen Ortes Estela an der Küste befindet. Bis dort hin benötigten wir für die letzten knapp 12 km noch über eine Stunde. Das Kopfsteinpflaster zwang uns mal wieder, extrem langsam zu fahren.

 

 

  

 

 


 

 Wir verlassen Portugal über einen alten Grenzübergang (Valenca - Tui)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24. 08.2009 25 497 150 3050 Pension Habitaciones Scala

 

Wie schön, dass es in der heutigen Zeit so etwas wie das Internet gibt. Ich hatte morgens kurz mein iPhone eingeschaltet, das Datenroaming aktiviert und die Wettervorhersage abgefragt. Das Ergebnis war leider niederschlagend, ab dem Mittag sollte es in Strömen regnen. Erst zum Abend hin sollte sich die Wetterlage wieder bessern.

Ursprünglich wollten wir von Estela aus mit dem Rad über Barcelos nach Viana Do Costelo radeln, änderten aber aufgrund der Prognose unseren Plan. Bis zum Mittag sollte es kein Problem sein, die Strecke bis Barcelos zu radeln. In Barcelos wollten wir dann je nach Wetterlage entscheiden, ob wir die weitere Strecke mit dem Zug oder Rad bewältigen. Zwischen Barcelos und Viana de Costelo gab es eine Bahnverbindung. Von der 20 km langen Strecke bis nach Barcelos gibt es relativ wenig zu berichten.  In dem kleinen Ort Necessidades nahmen wir noch einmal Anlauf, in der Kirche einen Pilgerstempel zu bekommen, trafen aber wie schon so häufig auf eine leere Kirche. Im Ort Barcelos wurde es dann schon viel interessanter. Wir hatten kaum die relativ schmale mittelalterliche Brücke überquert, da standen wir schon vor alten historischen Gebäuden.

Barcelos ist nicht sehr groß, besitzt aber einen alten Stadtkern, von dem aus man auf den Rio Cávado schauen kann. Barcelos ist heute ein bedeutender Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte und darüber hinaus bekannt für seine Töpferwaren und Krippenfiguren. Wenn man Barcelos besucht, kommt man schon aufgrund der vielen bunten Hähne, die im Ort stehen, um eine Geschichte nicht herum:

Ein Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela wurde in Barcelos des Diebstahls angeklagt und vor Gericht gebracht. Er wurde zum Tode durch den Strang verurteilt, weil er seine Unschuld nicht beweisen konnte und die Umstände gegen ihn sprachen. Er beteuerte dem Richter seine Unschuld, jedoch vergeblich. In seiner Not erflehte er den Schutz des heiligen Jakob, zeigte auf den Hahn, der für den Richter gerade gebraten worden war und rief: „So wahr ich unschuldig bin, soll dieser Hahn auffliegen und krähen“. Das Wunder geschah und der Richter ließ den Pilger frei. Der Pilger stiftete zum Dank ein Denkmal, das sich heute im archäologischen Museum befindet.

Wir schauten uns ein wenig die Stadt an und setzten uns im Anschluss auf dem Platz vor der „Igreja Do Bom Jesus Da Cruz“ in ein Cafe. In der nahen Touristikinformation hatten wir den Zugfahrplan für die Strecke nach Viana do Castelo erhalten, waren uns aber noch nicht schlüssig, wie es am Nachmittag weitergehen sollte. Die Entscheidung über den weiteren Tagesablauf wurde uns eine Stunde später abgenommen, es fing an zu regnen. Faszinierend waren die Bahnpreise in Portugal. Für die 32 km bis nach Viana Do Costelo waren 2,20 € (Räder kosten nichts) zu bezahlen. Rein rechnerisch ergab das einen Preis von 7 Cent/km.

Wir genossen die kurze Bahnfahrt und freuten uns schon auf das Städtchen Viana Do Castelo, über das wir in unserem Michelin Reiseführer  einiges gelesen hatten. Der Tag entwickelte sich aber leider nicht nach unseren Wünschen. Noch bevor der Zug kurz vor der Stadt die Brücke über den Rio Lima passierte, war die nächste Entscheidung fällig. Hatte es beim Verlassen von Barcelos geregnet, dann goss es nun in Strömen. Wir schauten uns nur kurz an und blieben sitzen. Der Zug würde von Viana Do Costela weiter der Küste folgen und uns bis zum Grenzort Valenca bringen. Verbunden mit der Vorstellung, dort nicht vom Regen „erschlagen“ zu werden, bezahlten wir beim Schaffner die Fahrkarten für die Verlängerung bis nach Valenca (3,40 €/Person für 52 km) und hofften auf Wetterbesserung. In Valenca sah die Wetterlage dann etwas besser aus, es schien zwar noch keine Sonne wie laut Wetterbericht angekündigt, es regnete aber nicht.

Valenca und Tui, beides am Ufer des Rio Minho liegende Städte, bewachen seit Jahrhunderten die Grenze zwischen Portugal und Spanien. Valenca auf der portugiesischen Seite besitzt eine befestigte Altstadt in der Form eines unregelmäßigen Vielecks. Sechs Bastionen und zwei gewaltige Tore schützten die Stadt über viele Jahre hinweg vor feindlichen Übergriffen.

Im inneren Bereich der Mauern befinden sich malerische Gassen, Geschäfte, mehrere Brunnen und kleinere Kirchen. Sicherheitshalber noch in Regenjacke gekleidet, schoben wir unsere Räder durch die schmalen Gassen. Zu radeln war aufgrund der vielen Besucher kaum möglich. Die Brücke, die den Rio Minho überspannt und die beiden Städte Valenca und Tui miteinander verbindet, wurde von Gustav Eiffel im Jahre 1884 erbaut. Wie auch der Eiffelturm, besteht sie vollständig aus Metall. Bevor die Brücke gebaut wurde, erreichten die Pilger die Stadt Tui, indem sie mit Booten den Minho überquerten und im Anschluß einen schmalen Pfad in die Stadt hinauf liefen.

Tui ist der eigentliche Ausgangsort des portugiesischen Pilgerweges in Galicien. Er besitzt natürlich viele alte historische Gebäude und Kirchen, von denen wir uns am Abend noch einiges ansahen. Zuerst suchten wir aber im Ort die Touristikinformation, um die Übernachtungsfrage zu klären. Die Information befindet sich im Zentrum der Altstadt. Die kleine Holzhütte wurde stark frequentiert, so dass wir etwas warten mussten, bevor wir einige Übernachtungstips erhielten. Lange suchen wollten wir nicht, wir entschieden uns schon beim ersten Anlauf, in einem keine 200 m entfernten Hostal zu übernachten. Nicht tolles, aber was wollte man bei einem Preis von 40,- Euro für ein Doppelzimmer schon erwarten (Habitaciones Scala).

In der zugehörigen Bar trafen wir bei der Anmeldung einen Deutschen, der perfekt spanisch sprach und kurz mit uns ins Gespräch kam. Sein Vater war indischer Abstammung und seine Mutter stammte aus Hamburg. Er war zu Fuß alleine auf dem portugiesischen Pilgerweg unterwegs und konnte sich noch nicht so recht damit abfinden, kaum jemanden zu treffen. Tui besitzt eine alte Kathedrale (Santa Maria de Tui), die in den Jahren 1145 bis 1175 im romanischen Stil erbaut wurde. Im 13. Jahrhundert wurde gotisch weitergebaut, so dass von der ursprünglichen Kirche nicht mehr viel erhalten blieb. Schwer fiel es uns als Laien zu erkennen, dass der Bau ursprünglich nach dem Muster der Kathedrale von Santiago erfolgte.

Später schlenderten wir noch ein wenig durch den Ort, fotografierten fleißig und suchten nach einer Möglichkeit, unsere knurrenden Mägen zu beruhigen. Vor 20:00 Uhr lief mal wieder nichts.

 

 

  

 


 

 Pontevedra, die "Hauptstadt" des Portugiesischen Pilgerwegs

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25. 08.2009 43 540 500 3550 Pilgerherberge

 

Während wir auf dem Camino in Portugal nur wenige Pilger trafen, änderte sich das ab Tui schlagartig. Schon morgens beim Verlassen des Ortes, überholten wir mit unseren Rädern einige Frühaufsteher, die sich auf den Weg gemacht hatten, die Tagesetappe bis O Porrino oder sogar bis Redondela zu laufen. Auf der Strecke bis O Porrino ließ sich wunderschön radeln. Die Sonne schien und der Fahrtwind war noch angenehm kühl, so dass wir reichlich Spaß hatten, über die kleinen Nebenstraßen zu fahren. Es ging zwar immer mal wieder 30 Hm rauf und runter, meistens aber mit akzeptabler Steigung. Am Rande eines Wohngebietes sahen wir auf dem Grundstück eines verfallenen Hauses unseren ersten Hórreo, von denen wir in Galicien und Asturien noch viele sehen würden.

Hórreos sind traditionelle Speicher für Feldfrüchte, wie z. B. Mais. Es handelt sich dabei um freistehende, meist längliche Bauten, die zum Trocknen der Früchte dienen. Charakteristisch ist der Unterbau aus Pfeilern und Steinplatten, auf denen dann der eigentliche mit Lüftungsschlitzen versehene Speicher steht. Hintergrund dieser Bauweise sind die klimatischen Bedingungen im Nordwesten Spaniens. Die hohen Niederschlagsmengen und die damit verbundene hohe Luftfeuchtigkeit lassen Vorräte bei schlechter Durchlüftung schnell verrotten. Der zuvor beschriebene Unterbau verhindert, dass am Boden lebende Tiere wie z.B. Mäuse in den Speicher gelangen.

Bei unserer Ankunft in O Porrino war Markttag. Da wir ohnehin nicht radeln konnten, schoben wir unsere Räder langsam durch die Menschenmassen und schauten uns ein wenig die angebotenen Auslagen an. Dort gab es fast alles, angefangen von Kleidung über Lebensmittel bis hin zu Werkzeugen oder im Haushalt benötigte Dinge.

In der ersten kleinen Kirche startete Claudia nochmals einen Versuch, einen weiteren Pilgerstempel zu erlangen. Sie traf am Eingang auf eine ältere Spanierin, die Claudias Anliegen wohl verstanden hatte. Ihre langen in spanisch schnell gesprochenen Erklärungen (hörte sich an wie ein Wegbeschreibung) halfen uns aber nicht weiter, wir verstanden so gut  wie nichts. Schade, sie hatte sich sichtlich Mühe gegeben. Der Fußgängerzone konnten wir mit unseren Rädern nicht mehr weiter folgen. Sie bestand aus einer Großbaustelle.

Im Gegensatz zu unserem ersten Teilstück des Tages, besteht die Wegführung des Caminos auf der Strecke zwischen O Porrino und Redondela aus einem ständigen steilen Auf und Ab. Mehrere Male flüchteten wir von der stärker befahrenen N550, um so weit wie eben möglich dem tatsächlichen Pilgerweg zu folgen. Überrascht wurden wir jedesmal mit einer ca. 15-17% igen Steigung. Mehrere Male „quälten“ wir uns über mehr als 100 Höhenmeter hinauf und radelten wieder steil in eine Senke, bis wir es endlich aufgaben, wir kamen einfach zu langsam voran. Bis Pontevedra waren noch mindestens 30 km zu radeln. Die Zeit lief uns davon und eine in Ruhe genossene Ortsbesichtigung Pontevedras stand auch noch auf unserem Tagesprogramm. Die letzten Kilometer bis Redondela schwenkten wir deshalb auf die N550, ärgerten uns ein wenig über den Verkehr, kamen aber schnell voran. Redondela besitzt eine Eisenbahnlinie, die hoch oben auf starken Pfeilern mitten durch den Ort führt. Aufgrund ihrer Größe ist sie kaum zu übersehen, sie schneidet den Ort quasi von West nach Nordost in zwei Hälften.

Immer den gelben Camino-Pfeilen folgend, standen wir ziemlich schnell vor der Pilgerherberge von Redondela, die nicht nur von Außen ein Schmuckstück ist. Die Herberge zählt zu eine der größten auf dem Portugiesischen Pilgerweg und befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, das Casa da Torre genannt wird. Sie besitzt Übernachtungsplätze für etwa 100 Pilger. Beim Betreten der Pilgerherberge kommt man noch vor der Rezeption zunächst in einen Vorraum,

der als Ausstellungsraum genutzt wurde. Dahinter befand sich dann die Rezeption vor der einige Pilger in der Schlange standen. Als sie bemerkten, dass es uns nur um einen Pilgerstempel und nicht um eine Übernachtung ging, winkte man uns durch. Unseren Pilgerausweis mit einem weiteren schönen Stempel versehen, verließen wir das Gebäude, um den weiteren Tagesablauf zu besprechen.

Wir entschieden uns dazu, die restlichen 23 km mit der Bahn zu fahren. Wir wollten auf unserer Tour nicht nur Kilometer spulen und den ganzen Tag auf dem Rad verbringen, sondern noch genügend Zeit für die kulturellen Highlights der Region besitzen. Hinzu kam, dass wir nicht weiter auf der Nationalstraße fahren wollten. Der Bahnhof von Redondela liegt etwa 500 m westlich vom Ortszentrum auf einem Hügel. Klar, dass der noch schweißtreibend erarbeitet werden musste. Wir hatten Glück, der Zug fuhr schon wenige Minuten später, die Fahrt bis nach Pontevedra dauerte maximal 20 Minuten.

Pontevedra liegt in einer sogenannten Ría, der Ría de Pontevedra, an der Flussmündung des Lérez. Eine Ría ist eine Art Bucht, die lang ins Innere des Landes eindringt, im Gegensatz zu einem Fjord aber nicht durch Gletscher gebildet wurde. Sie sind meist sehr flach und besitzen eine geringe Buchttiefe.

Bahnhof und Pilgerherberge liegen am südöstlich Stadtrand von Pontevedra. Da wir uns noch nicht entscheiden konnten, ob wir in der historischen Altstadt in einer Pension oder in der Pilgerherberge übernachten, radelten wir zunächst vollbepackt in die Altstadt. Pontevedra wird auch als Hauptstadt des Portugiesischen Jakobsweges bezeichnet und das wunderte uns nicht. Von den vielen Millionen Pilgern, die sich in den letzten Jahrhunderten auf den Weg machten, wird es wohl nur sehr wenige geben, die dieses alte Städtchen nicht besucht haben. Wir waren kaum in der Altstadt angelangt, das standen wir auch schon vor der Capilla de la Peregrino, auch Virxe Peregrina (Jüngfräuliche Pilgerin) genannt. Die Virxe Peregrino symbolisiert die enge Verbindung der Stadt mit dem Jakobskult. Die Kirche der Schutzpatronin dieser Stadt ist eine originelle Konstruktion aus dem 18. Jahrhundert. Sie hat einen runden, einer Jakobsmuschel ähnelnden Grundriss. Schon der erste Rundgang durch die alten Gassen faszinierte uns sehr.

In einem Cafe auf dem Lena Platz trafen wir die Entscheidung, zur Pilgerherberge zu radeln. Wir wollten später ohne Gepäck zurückradeln, um den Abend in der Altstadt zu genießen.

Die Herberge in Pontevedro ist relativ neu und ein absolutes Schmuckstück. Wem es nichts ausmacht, mit vielen Menschen in einem Saal zu schlafen, dem können wir diese Herberge sehr empfehlen. Zwei ältere Damen empfingen uns sehr freundlich, erklärten uns, wo wir unsere Räder abstellen konnten und gaben uns in Folie eingepackte Spannbezüge für die Matratzen.  Saubere Duschen und Toiletten bestätigten unseren positiven Ersteindruck. Unseren Abend verbrachten wir in einem gemütlichen Restaurant auf dem Lena Platz. Dort versuchte ich noch ein wenig von der Abendstimmung einzufangen.

 

 

  

 

 


 

 Unsere Ankunft in Santiago de Compostela

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26. 08.2009 25 565 350 3900 Hostal San Juan

 

Herbergen haben grundsätzlich alle einen Nachteil, an einen tiefen erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. 40 Menschen in einem Schlafsaal erzeugen immer eine gewisse Unruhe, diese Erfahrung mußten wir gleich bei unserer ersten Herbergsübernachtung machen. Als der erste Pilger dann um 07:00 Uhr morgens das Licht einschaltete, war die Nacht vorbei. In der Herberge konnten wir nur einen Cafe trinken, deshalb nahmen wir unser Frühstück in einem Cafe am nahen Bahnhof ein. Am Abend zuvor hatten wir beschlossen, das erste Teilstück des Tages mit dem Zug zurückzulegen. Ab Padron wollten wir dann bis nach Santiago de Compostela hineinradeln. Die Zugfahrt würde die uns am Nachmittag in Santiago zur Verfügung stehende Zeit um einige Stunden erhöhen. 

Ab Padron führte der weitere Weg über idyllische Sträßchen, verbunden mit einem ständigen Auf und Ab. Immer wieder trafen wir Pilger, die auf dem Weg nach Santiago waren. Nach dem Durchqueren einiger kleiner Dörfer standen wir plötzlich vor dem prunkvollen Marienheiligtum von Escravitude.

Das Marienheiligtum wurde zwischen 1732 und 1743 über einer Quelle errichtet, bei der im Jahr 1732 ein Wunder geschah. Schenkungen ermöglichten den Bau dieses großen barocken Sanktuariums mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Die Fassade wird von zwei Türmen flankiert, vor denen die Pilger über eine Treppe zum Eingang hinaufsteigen.

Am Seiteneingang der Kirche traf Claudia auf einen alten Mann, der etwas englisch sprach. Er erzählte ihr, dass er früher als Steward auf einem Schiff in Norwegen gearbeitet hätte und sehr viel herum gekommen sei. Er gab ihr den Tip, etwas zu warten. Der Pastor würde gleich aus der Kirche kommen, um zum Mittagessen zu gehen. Von ihm würden wir dann auch einen Stempel in unseren Pilgerausweisen erhalten. Wenige Minuten später erschien der alte Pastor tatsächlich. Er wirkte etwas ungehalten (das Essen wartete ja) und verschwand irgendwo in einem Nebenraum der Kirche. Als wir uns schon fragten, ob wir unsere Pilgerausweise jemals wiedersehen würden, erschien er plötzlich und gab Claudia die Pilgerausweise ohne großen Kommentar. Bis nach Santiago de Compostela hinein waren in Summe noch 300 Höhenmeter zu bewältigen. Nachfolgend haben wir noch ein paar Fotos von den letzten Kilometern zusammengestellt.

Das Gefühl bei der Ankunft vor der Kathedrale in Santiago de Compostela kann man kaum beschreiben. Knapp 600 reine Radkilometer hatten wir von Lissabon aus in den Beinen, hatten insbesondere bei der Hitze in Portugal so manchen Liter Schweiß verloren. Wenn man bedenkt, dass Claudia diese Strecke ohne große Trainingsvorbereitung bewältigt hatte, dann war das insbesondere für sie eine großartige Leistung.

Auf dem Vorplatz der Kathedrale tummelten sich die Menschen. Pilger verschiedenster Nationalitäten trafen hier aufeinander, alle fasziniert von der Größe der Kathedrale und der eigenen körperlichen Ausdauer, die sie bis an diesen Ort gebracht hatte. Was hatten diese Menschen auf ihrer Pilgerfahrt nicht alles erlebt?

Die Kathedrale von Santiago, mit deren Bau im Jahre 1075 begonnen wurde, ist sowohl wegen ihres künstlerischen als auch symbolischen Wertes eines der größten Baudenkmäler Europas. Von ihrem romanischen Ursprung aus entwickelte sie sich über die verschiedensten Stile fort. Bedeutsam ist insbesondere der Barock, der in der Fassade des Obradoiro zu höchster Vollendung gelang. Der Besuch des Kathedralenkomplexes schließt für die Pilger üblicherweise ein Ritual ein, das aus zwei Teilen besteht. Die traditionelle Umarmung des Apostels Jakobus im Schrein über dem Hauptaltar und der anschließende Gang zur Krypta, in dem seine sterblichen Überreste aufbewahrt werden.

An der traditionellen Pilgermesse, in der ein großes Weihrauchfass (botafumeiro) an Seilen hängend in mächtige Schwingungen versetzt wird, konnten wir leider nicht teilnehmen. Die Messe findet täglich bereits um 12:00 Uhr statt, wir waren in Santiago aber erst am frühen Nachmittag angekommen. Unsere erste weitere Aktion bestand darin, unsere Räder zum Pilgerbüro zu schieben. Dort sollten wir gegen Vorlage unserer Credential del Peregrino unsere Compostela erhalten. So nennt sich die vom Domkapitel ausgestellte offizielle Urkunde zur erfolgreichen Realisierung der Pilgerfahrt.

Aufgrund des Andrangs und unserer Unwissenheit dauerte es etwas, bis Claudia wieder vor dem Büro erschien. Unsere Pilgerfahrt per Rad hatten wir reichlich per Stempel dokumentiert, insofern waren keine Probleme zu erwarten gewesen. Was wir aber nicht wussten, war die Tatsache, dass jeder Pilger persönlich im Büro erscheinen musste. Ich selber war aber zur Bewachung der Räder draußen geblieben. Nachdem Claudia erklärt hatte, warum ich draußen blieb,  war das Problem aber wohl vom Tisch.

In einem Reiseführer hatten wir gelesen, dass es in der Nähe des Pilgerbüros eine Möglichkeit gab, sich die Compostela in Folie einschweißen zu lassen. Das Papier war nicht besonders dick, deshalb hofften wir, dass dieser Hinweis zutraf. Während Claudia die Räder aufpasste, machte ich mich zu Fuß auf den Weg, lief die Straße etwa 200 m hinunter und fand nach mehreren Anfragen in verschiedenen Geschäften einen kleinen Fotoladen. Der längliche Raum war eher ein Copyshop als ein wirkliches Fotogeschäft. Die ältere Frau im Geschäft hatte aber wohl die Bedürfnisse der Pilger erkannt und entsprechend investiert. 5 Minuten später war ich Besitzer zweier in Folie stabil eingeschweisster Zertifikate und das für einen Preis von 2,- €.

In guter Stimmung machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Wir hatten die Übernachtung in Santiago bereits von zu Hause aus gebucht und die Koordinaten im GPS-Gerät gespeichert. Unsere Stimmung war auf dem Höhepunkt, als wir bei der Ankunft feststellten, dass wir einen absoluten Treffer gelandet hatten. Das kleine Hotel/Pension Campanas de San Juan, welche sich nur wenige Meter nordöstlich der Kathedrale befindet, war vom Standard her wirklich toll. Es sollte sich als die beste Unterkunft unserer gesamten Tour herausstellen. Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die alte Stadt, genossen die einmalige Athmosphäre und verbrachten den Abend draußen im Restaurant „Casa de Comidas“.

 

 

  

 

 


 

 Die Herberge von Sobrado de Monxes

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27. 08.2009 59 624 900 4800 Pilgerherberge in Sobrado de Monxes

 

Wer verläßt schon gerne ein Hotel, in dem es ein tolles Frühstück mit frisch gepressten Orangen gibt? Die Bewölkung vom Vortag hatte sich einigermaßen verzogen. Die Sonne schien und die morgendlichen Temperaturen waren sehr angenehm, als wir unsere Räder beluden, um anschließend Santiago zu  verlassen. Die ersten 26 km unserer Tagesetappe auf dem Camino del Norte deckten sich mit dem Camino Frances. Insofern war es nicht verwunderlich, dass wir bereits am frühen Morgen auf Scharen von Pilgern trafen. Alle strebten in Richtung Innenstadt, um die letzten Kilometer ihrer möglicherweise sehr langen Wanderung zu bewältigen. Kaum 100 m geradelt, traf man die nächsten Pilger um sie mit einem freundlichen „Hola“ oder „Bon Camino zu begrüßen.

Die unbefestigten Wege des Camino ließen sich teilweise sehr schwer radeln, dafür war die Streckenführung aber recht schön.  Unterwegs sahen wir in recht kurzem Abstand noch zwei stark frequentierte Herbergen, vor denen die Pilger schon am Morgen warteten. 12,5 km vor dem Ort Arzua verließen wir den Camino Frances und schwenkten nach Norden. Uns erwartete eine sehr einsame wellige Strecke, auf der uns nur sehr wenige Pilger begegneten. Keine 5 km weiter sahen wir eine Kirche und zwei bis drei Häuser. Die Kirche mit angrenzendem Friedhof hieß Iglesia Oins. Sie stand dort einsam und verlassen, kein einziger Mensch war weit und breit zu sehen. In dem schon fast unheimlich wirkenden Platz legten wir eine kurze Pause ein.

Danach ging es auf einer schier unendlich wirkenden Geraden durch Eukalyptus und Nadelwälder weiter, bis wir vor einer in Einsamkeit gelegenen kleinen Kapelle standen. Für Pilger ein idealer Platz der Ruhe. Kurz vor Boimorto trafen wir dann auf eine Bar. Zwei Bauern erschienen während unseres Aufenthaltes, viele Menschen konnten dort in unmittelbarer Umgebung auch nicht leben. Von der Decke hingen dicke Schinken, die das bei uns vorhandene Hungergefühl verstärkten. Klar, dass wir uns zusammen eine Portion bestellten. Der Schinken war lecker und wurde mir Brot serviert.

In Boimorto trafen wir auf die von Arzua kommende Straße Ac-234. Bis Sobrado waren noch 12 km auf glatt asphaltierter Straße zu radeln. Wir hatten bereits 800 Höhenmeter und 47 km in den Beinen und ich freute mich darüber, dass Claudia noch gut mithielt. Von einer kurzen Pause abgesehen, radelten wir die letzten Kilometer bis Sobrado durch und standen eine Stunde später am Ortseingang, des alten Pilgerortes. Schon von weitem konnten wir die riesige Klosteranlage vor uns liegen sehen.

Das Kloster von Sobrado existiert schon seit mehr als tausend Jahren. Es wurde als Kloster für Mönche und Nonnen im Jahr 952 gegründet. Während der zweiten Hälfte des 10.Jahrhunderts erlebte es Zeiten großer Wohlhabenheit im Schutz der Grafen von Présaras und des Heiligen Pedro de Mezonzo, der vor seiner Ernennung zum Bischof von Santiago Abt in Sobrado war. Im Jahr 1142 wurde das Kloster in den Zisterzienserorden eingegliedert. Der Bau der großen Abteikirche begann im Jahr 1150. Im 17. Jahrhundert wurde sie durch das noch heute stehende barocke Gotteshaus ersetzt.

Die eigentliche Herberge befindet sich im rechten Trakt der Klosteranlage. Die Atmosphäre die uns beim Eintreten umgab, kann man kaum beschreiben. Unsere Fahrräder durch die Kreuzgänge schiebend, hörten wir die Stimmen der Pilger vieler Nationalitäten. Ein paar junge Deutsche waren auch darunter. Der Padre, der uns empfing und unsere Pilgerausweise einsammelte kümmerte sich liebevoll um die Gäste des Hauses. Unsere Namen fanden Platz im Pilgerbuch der Klosteranlage, danach erhielten wir unsere Ausweise wieder.

Da es im Ort kein Restaurant gab, lief Claudia in einen kleinen Supermarkt. Die Tasche gefüllt mit Brot, Aufschnitt, Thunfisch und einer Flasche Wein erschien sie eine halbe Stunde später wieder. Unsere Abendmahlzeit war gesichert. In der Küche der Herberge war es uns zu ungemütlich. Zwischen den Kreuzgängen standen einige Tische und Bänke, dort fanden wir einen idealen Platz für unser Abendbrot. 

 

 

    

 


 

 Durch eine wunderschöne Heidelandschaft, unser Ziel Vilalba

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28. 08.2009 66 690 1000 5800 Hotel Villamartin

 

So schön die Atmosphäre im Kloster auch gewesen war, die Nacht war fürchterlich verlaufen. Immer wieder stand ein Mitbewohner auf und lief zur Toilette. Entsprechend müde fühlten wir uns auch am Morgen. Unser Frühstück konnten wir keine 500 m weiter in einem kleinen Cafe einnehmen. Es gab allerdings nur die uns schon bekannte Kombination aus Cafe con Leche und Toastados (Toastbrot mit Marmelade). Im Cafe kamen wir etwas später noch in ein kurzes Gespräch mit einem Italiener, der alleine mit dem Rad unterwegs war. Er war auf dem umgekehrten Weg unterwegs, insofern konnten wir uns gegenseitig einige Tips geben. Beim Verlassen der Klosteranlage hatte es etwas geregnet, während wir frühstückten aber nachgelassen. Wir machten uns also auf den Weg und kamen kurz hinter Sobrado gleich an einem schönen See vorbei.

Auf den ersten 10 km weiter der Straße Ac-934 nach Osten folgend, stieg die Straße um gut 200 Höhenmeter an. Wir kamen also am frühen Morgen gleich ins Schwitzen. Als wir die maximale Tageshöhe von 720 m NN erreicht hatten, schwenkten wir nach Nordosten. Ab dort ging es auf sehr welligem Terrain über unzählige Bauernhöfe. An einem Bauernhof wurden wir massiv von zwei Hunden attackiert, die wir aber durch einen barschen Ton noch so gerade von uns fern halten konnten.

Östlich des kleinen Ortes Anafreita verließ der Camino dann die asphaltierte Straße und schwenkte in eine tolle Heidelandschaft. Am Abzweig beratschlagten wir zunächst, ob wir evtl. eine andere Route fahren sollten, weil der Weg ziemlich holprig aussah. Da es laut mitgeführtem Höhenprofil aber überwiegend bergab ging, wagten wir den Schritt. Die getroffene Entscheidung stellte sich als absolut richtig heraus, über die nächsten 6 km verlief die Piste durch eine atemberaubend schöne Landschaft und das über 200 Höhenmeter bergab.

Etwas später trafen wir auf einen Schäfer, der in Seelenruhe seine Schafe und Ziegen durch die Landschaft trieb. Nach 35 Tageskilometern war in Parga eine Pause fällig. Unmittelbar hinter der in den Ort führenden Brücke befindet sich ein Cafe. Die gute Frau, die uns bediente, wirkte etwas muffig, aber was soll es, dachten wir, einen Cafe con Leche und ein paar Tapas würden wir ja wohl bekommen.

In dem von uns mitgeführten Prospekt „Die Jakobus-Pilgerwege in Galicien“ fanden wir den Hinweis auf die in einem Wäldchen gelegene Kapelle San Alberte, die wir 3-4 km hinter dem Ort Parga erreichten. Unsere Stimmung befand sich nicht gerade auf einem Hochpunkt. Kurz zuvor hatten wir mal wieder ein nicht zu unterschätzendes Scharmützel mit einem übereifrigen großen Schäferhund überstanden. Unsere Nerven lagen etwas blank, als wir die Kapelle erreichten. (Anmerkung: Nach der Tour stellten wir uns die Frage, warum die Hunde in Galicien nie angeleint waren, in Asturien auf unserem weiteren Weg war das merkbar anders. Es war schon ziemlich nervig!). Die gotische Kapelle wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Sie hat ein einziges Schiff und ein Kreuzrippengewölbe. Wir fanden sie zwar in idyllischer Lage, aber relativ schlicht gehalten. Die Brücke gleichen Namens (San Alberte) läßt sich am besten von der Kapelle aus fotografieren. on dort sieht man auch den zwischen beiden Spitzbögen befindlichen „Wellenbrecher“.

Als wir die mittelalterliche Brücke auf unserer Weiterfahrt überquerten, kamen wir uns vor wie in einem Dschungel. Der starke Bewuchs um die Brücke herum vermittelte ein wenig diesen Eindruck. Hinter der Brücke, keine 100 m weiter dann der absolute Bruch. Wir standen auf der Nationalstraße, die direkt an der Autobahn A6 entlang führt. Von der weiteren Fahrt bis nach Vilalba gibt es wenig zu schreiben. Eine kurze Kaffeepause in Baamonde und die zügige Fahrt auf der stärker befahrenen N634 sind uns in Erinnerung geblieben. Vilalba gefiel uns als einer der wenigen Orte auf unserer Tour überhaupt nicht. Es gab wenig zu sehen und der ganze Autoverkehr „quälte“ sich durch die Stadt, verbunden natürlich mit einem ungeheuren Lärm. Zuerst machten wir uns auf die Suche nach der Pilgerherberge. Sie lag weit außerhalb im östlichen Randbereich der Stadt und mitten in einem Industrieviertel.

Schon die äußere Optik gefiel uns nicht. Die Anmeldung war nicht besetzt. Als dann hinzukam, dass es dort recht unruhig zuging, entschieden wir uns kurzfristig, wieder in den Ort zu fahren. Uns war nach etwas Ruhe zumute. Letztendlich entschieden wir uns für die Übernachtung im Hotel Villamartin. Das war zwar ein großer Klotz, verfügte aber über ein Restaurant, in dem wir auch den Abend verbrachten.

 

 

  

 

 


 

 Wir erreichen den Atlantik oder eine Herberge ist (k)ein Campingplatz

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29. 08.2009 72 761 700 6500 Camping vor der Pilgerherberge

 

Ein Blick aus dem Hotelzimmer reichte, um zu erkennen, dass die Wetterlage sich erheblich gebessert hatte, klare Sicht weit und breit. Nach dem Start führte unser Weg als erstes an der Pilgerherberge in Vilalba vorbei, um auf den Camino zu gelangen. Es sollte aber der Tag der Nationalstraßen werden. Immer wieder versuchten wir die N-634 auf kurzen Stücken zu verlassen. Meist klappte das aber nicht, wir standen in der Regel etwas später schon wieder auf der Nationalstraße. Zwischen Vilalba und Mondonedo war der alte Pilgerweg fast vollständig von der Hauptstraße überbaut. Nach 28 Tageskilometern auf welligem Terrain, folgte eine tolle Abfahrt über eine Länge von 10 km und 400 Höhenmetern, an der wir natürlich reichlich Spaß hatten. Von weit oben war der Ort Mondonedo schon früh zu sehen.

Bei der Ankunft platzten wir zum zweiten Mal auf unserer Tour in eine Hochzeit. Die Kirche vor der wir standen hatte den Namen „Ermita de la Virgen de los Remedios“ und stammte aus dem Jahr 1733. Ein wenig abseits stehend schauten wir uns die Feierlichkeiten eine Zeit lang an, radelten anschließend aber direkt in die Innenstadt. Wir wollten eine Kleinigkeit essen und suchten nach einem geeigneten Lokal. Es war erstaunlich, obwohl man die Temperaturen in Nordspanien (ca. 23 Grad) absolut nicht mit denen in Lissabon (37 Grad) vergleichen konnte, herrschte im Ort eine absolute Ruhe. Auf den Straßen bewegte sich so gut wie nichts.

Wie wir unserem Reiseführer nach der Tour entnehmen konnten, gab es in Mondonedo noch eine alte Kathedrale zu sehen. An dem Tag waren wir wohl so sehr darauf fixiert zügig zum Meer zu kommen, dass wir das tatsächlich übersehen haben. Bis zum Atlantik waren noch gut 20 km zu radeln. Abgesehen von drei kleineren Anstiegen über je 50 Höhenmeter und einem über 150 Höhenmeter, ging es tendenziell bergab.  

Kurz vor dem Atlantik, entschlossen wir uns die N-634 zu verlassen, um den Bahnhof im kleinen Ort Foz anzusteuern. Die Zeit war relativ weit fortgeschritten, deshalb wollten wir die letzten Kilometer bis Ribadeo mit dem Zug zurücklegen. Das funktionierte sehr gut, weil er alle 20 Minuten fuhr.

Bei der Ankunft in Ribadeo wurde es spannend. Wir hatten in unserem Reiseführer einiges über die idyllische gelegene Herberge gelesen, auch die Tatsache, dass sie nur 12 Schlafplätze besaß. Was wir befürchten, bewahrheitete sich dann, es war kein Platz mehr frei. Im Ort sollte es noch weitere Plätze in einer Turnhalle geben, das fanden wir aber nicht so toll. Ein Blick auf den schönen kleinen Rasenplatz direkt vor der Herberge reichte, 5 Minuten später stand dort unser Zelt. Erst hatten wir zwar ein wenig Bedenken, aber wer würde einen Pilger schon abweisen. Am Abend radelten wir noch in den Ort hinein und trafen auf ein altes Stadthaus im Jugendstil, das von der Familie Moreno erbaut wurde, heute aber als öffentliche Bibliothek genutzt wird.

Am Abend in der Herberge unterhielten wir uns noch ein wenig mit einem Amerikaner aus Miami und Pilgern verschiedener Nationalitäten, als um 21:15 Uhr drei Stadtbedienstete erschienen. Wir rechneten schon damit, unser Zelt abbauen zu müssen, aber den Dreien war das vollkommen egal.  Ihre einzige Sorge galt der Tatsache, dass wir als Pilger in ihrem Pilgerbuch eingetragen sein mussten und den zu entrichtenden 3,- € für die Nacht. Ein Hoch auf die Vollbeschäftigung.

 

 

  

 

 


 

 Der alte Hafen von Puerto de Vega

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30. 08.2009 50 811 600 7100 Camping

 

Als wir um kurz nach 08:00 Uhr aus unseren Schlafsäcken krochen, war die Pilgerherberge schon fast leer. Ein, zwei Nachzügler beschäftigten sich noch mit ihren Rucksäcken, ansonsten herrschte eine wunderbare Ruhe. Verbunden mit dem Blick auf das Meer und der angenehmen Morgenluft machte es richtig Spaß, in Ruhe zu packen und sich auf das Frühstück zu freuen. Zuerst radelten wir in den Ort zurück und frühstückten in einem im Zentrum gelegenen Cafe.

Unser weiterer Weg führte über die Bucht „Ria de Ribadeo“. Unserem Reiseführer konnten wir entnehmen, dass die große Brücke, die wir von unserer Herberge aus gesehen hatten, nicht nur aus einer Autobahnspur bestand. Parallel dazu sollte es einen schmalen Rad- und Fußweg geben. Nur wie findet man die richtige Auffahrt, ohne auf die Autobahn zu gelangen. In der nachstehenden Grafik habe ich mal unseren Anfahrtsweg dargestellt. Es handelt sich um die mit dem GPS-Gerät aufgezeichnete Strecke.

Wir radelten zunächst von der Ortsmitte aus nach Westen, um auf die N-634 zu gelangen, dann nach Osten, bis wir bemerkten, dass die N-634 tatsächlich auf die Autobahn führte. Eine kleine weiterführende Parallelstraße brachte dann die Lösung. Die Auffahrt zum Radweg befand sich nur etwas südwestlich der Herberge. Wir hätten uns den langen Weg also sparen können. Die Brücke besitzt eine Länge von ungefähr 700 m. Die Breite der Fahrradspur läßt sich am besten auf dem nachfolgenden Foto erkennen. Das an der Meerseite montierte Geländer ist zwar einigermaßen hoch, ungefährlich ist das Fahren mit dem Rad aber nicht, vor allen Dingen mit bepackten Rädern.

Hinter der Brücke schwenkten wir direkt nach Norden, um uns weiter am Meer entlang zu bewegen, eine folgenreiche Entscheidung. Die stark zerklüftete Küste forderte uns sofort, es ging ständig rauf und runter, so dass wir nur langsam vorankamen.  Erst um 14:30 Uhr erreichten wir den an der Flußmündung des Rio Navia liegenden Ort gleichen Namens.

Navia gefiel uns als Ort nicht so sehr, deshalb hielten wir uns dort nicht sehr lange auf und radelten weiter am Rio Navia entlang nach Norden. Als Tagesziel hatten wir den kleinen Ort Puerto de Vega ausgewählt. Er besitzt einen kleinen Hafen und einen Campingplatz, der im südwestlichen Teil des Ortes liegt.

Puerto de Vega ist tatsächlich ein kleines verträumtes Hafenstädtchen, dessen Ortskern sich direkt am Hafen befindet. Die Häuser gruppieren sich um mehrere Hafenbecken und sind recht malerisch anzusehen. Schmucklose Häuserblocks sahen wir nur am Ortsrand. Als wir dort eintrafen, ließen wir die Räder einfach zum Hafen herunterrollen, einen Hinweis auf einen vorhandenen Campingplatz hatten wir vorher nicht gesehen. Erst durch mehrmaliges Nachfragen und der Hilfe eines spanischen Touristenpaares, sowie einem Restaurantbesitzer fanden wir den Campingplatz. Natürlich mussten wir wieder den Berg hinauf. Den Abend verbrachten wir in einem kleinen Restaurant direkt am Hafen.

 

 

  

 


 

 Die steilen Kehren von Luarca und unsere Fahrt nach Gijón

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
31. 08.2009 20 831 300 7400 Camping

 

Auf Frühstücksgäste war der Campingplatzbesitzer in Puerto de Vega in seiner Bar nun wirklich nicht eingerichtet. Ein aufgebackenes Baquette mit etwas Magarine und einen Cafe con Leche, war alles, was er herzaubern konnte. Nun ja, aber immerhin wurden wir herzlich begrüsst. Zunächst radelten wir hinauf nach Villapedre. Dort trafen wir auf die uns bereits bekannte N-634 und folgten ihr knapp 10 km. Eine andere dem Meer nähere Alternative gab es in dem Bereich ohnehin nicht, deshalb waren wir froh, dass die Straße um kurz nach 10:00 Uhr noch nicht so stark befahren wurde.

5 km vor Luarca trafen wir auf einen Straßenabzweig. Nach Nordosten führte eine kleine Straße, die uns durch eine wunderschöne Küstenlandschaft führte und direkt nach Luarca brachte. Sie hatte nur einen kleinen Nachteil, sie besaß gnadenlose Steigungen. Nachfolgende Fotos, die von mir direkt hintereinander gemacht wurden, geben davon einen Eindruck wieder. Die stark zerklüftete Küste forderte uns mal wieder mächtig. Bis Luarca war es nach der Schiebepassage nicht mehr weit. Von hoch oben konnten wir die Stadt tief unter uns liegen sehen. Es folgte eine Abfahrt über Serpentinen auf Kopfsteinpflaster, keine Chance sein Rad mal zur „Belohnung“ richtig rollen zu lassen. Luarca gefiel uns gut, die kleinen in einem engen Tal gelegenen Gassen, die hoch oben auf einer Brücke geführte Bahntrasse, ja Lurca hatte seinen eigenen Charme.

Beim  Kartenstudium am Abend zuvor hatten wir bereits beschlossen, von Luarca bis nach Gijón mit dem Zug zu fahren. Die kleine „Schmalspurbahn“ der FEVE hatten wir ja bereits bei der Ankunft am Atlantik zwischen Foz und Ribadeo kurz kennengelernt. Es gab verschiedene Gründe auf dem Teilstück nicht mit dem Rad zu fahren. Ein Grund waren die Industriegebiete vor Gijón, ein zweiter die fehlenden kleinen Straßen abseits der N-634. Dazu kam, dass wir nicht mehr ganz in der Zeitplanung lagen. Ein paar Stunden Erholung würden uns darüber hinaus auch gut tun.

Der Bahnhof von Luarca musste irgendwo hoch oben auf einem Hügel liegen, wir hatten ihn schon vor unsere Ankunft rechts von der Brücke liegen sehen. Ihn zu finden, stellte sich als einfach heraus, wir mussten nur der Straße folgen, die im spitzen Winkel zur Brücke führte, etwas rechts von der Brücke befand sich dann das Gebäude der FEVE. Allerdings ging es 50 Höhenmeter hinauf und die Sonne brannte um 12:00 Uhr gnadenlos.

Die Fahrt mit der Bahn bis nach Gijón war ein kleines Abenteuer für sich. Die Bahngleise der FEVE sind erheblich schmaler ausgeführt, als die Bahngleise in Deutschland. Wir vermuteten darin die Ursache für das ständige Tänzeln des vor uns befindlichen Waggons. Das sah irgendwie lustig aus. Die Aussichten auf das Meer waren grandios, manchmal verschwand die kleine Bahn in einem Tunnel, nur um anschließend wieder einen Blick auf die atemberaubende Landschaft freizugeben.

Gijón ist eine riesige Stadt, von deren Größe wir in den paar Stunden unseres Aufenthaltes nur einen winzigen Teil sahen.  Mit knapp 300.000 Einwohnern ist sie die größte Hafen- und Industriestadt der spanischen Region Asturien. Im Jahr 1900 besaß die Stadt nicht mehr als 45.000 Einwohner. Der starke Anstieg ist im Wesentlichen auf die geschaffenen Arbeitsplätze im „neuen“ Hafen und der Entdeckung von Steinkohlevorkommen (ca. 1930) zurückzuführen.

Wir radelten zuerst einmal in den Hafen. Dort gibt es eine Touristikinformation, die sich auf einem breiten Kai zwischen den Cafes befindet. Dort erhielten wir auch die nachstehend abgebildete Übersichtskarte, auf der ganz rechts am Ende des Strandes „San Lorenzo“ der Campingplatz zu sehen ist und unseren Pilgerstempel. An der engsten Stelle der nach Norden ins Meer ragenden Felsnase befindet sich die Altstadt. Nach einer Cafepause im Hafencafe radelten wir ein wenig durch die Altstadt und schauten uns die alten Gassen und Gebäude an. Von der Kirche San Lorenzo hat man einen schönen Blick auf den langen Strand „San Lorenzo“. Dort tummelten sich unzählige Menschen, sie genossen das Bad in der Sonne und im Meer. Wir mussten nur am Strand entlangradeln, um zu unserem Campingplatz zu gelangen. Unterwegs sahen wir noch eine interessante Skulptur, die unbedingt fotografiert werden musste.

Von der Ferne betrachtet sah der Campingplatz, auf den wir zu radelten, fast voll belegt aus. Das war aber eine Täuschung, vor Ort zeigte er sich uns als sehr schön gelegener Platz. Dort störte kein PKW-Lärm, zwischen dem Meer und dem Platz gab es nur einen Fußweg, auf dem hin und wieder ein paar Menschen liefen, ansonsten absolute Ruhe.

 

 

  

 


 

 Fast nur deutsche Pilger in La Isla

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01. 09.2009 52 883 700 8100 Pilgerherberge in La Isla

 

Gijón verließen wir über ruhige kleine Straßen, die immer mal wieder durch Wohngebiete führten. Die weitere Fahrt auf der As-332 brachte uns dann auf die N-632. Die alte Nationalstraße muß früher sehr stark befahren gewesen sein, aufgrund der heute vorhandenen Autobahn wurde die Straße aber kaum noch genutzt. Auf der Strecke bis Villaviciosa waren zwei Anstiege zu erklimmen (von 0 m auf 160 m und von 50 m auf 245 m), die aber aufgrund mäßiger Steigungsprozente gut zu schaffen waren. Unterwegs genossen wir die Ruhe. Hin und wieder wurden wir mal von ein paar Rennradfahrern überholt, mit denen wir uns austauschten, ansonsten passierte wenig.

Auf der langen Abfahrt über 240 Höhenmeter nach Villaviciosa trafen wir zwei dänische Radler, die auf dem Weg nach Santiago waren. Wir unterhielten uns eine Zeitlang mit ihnen über die bereits zurückgelegten Tagesetappen, ein wenig auch über ältere Touren, danach sausten wir weiter ins Tal. Villaviciosa ist keine große Stadt. Mit knapp 15.000 Einwohnern ist die Einwohnerzahl in den letzten Jahren eher geschrumpft. Haupterwerbszweig ist, wie schon vor hunderten von Jahren, die Viehwirtschaft. Speziell die Milchproduktion und -verarbeitung hat in der heutigen Zeit einen großen marktwirtschaftlichen Anteil. Darüber hinaus ist die Gemeinde auch für ihren Sidra (Apfelwein) bekannt, der noch in vielen kleinen industriellen Betrieben hergestellt wird.

Im Ortszentrum legten wir unsere Mittagspause ein. Von den geplanten 51 Tageskilometern waren bereits 28 km geradelt, daher blieb genügend Zeit, um ein wenig durch den Ort zu bummeln. Auf der Weiterfahrt kamen wir an einer der oben erwähnten Sidra-Fabriken und einem alten verlassenen Gebäude vorbei. Das verfallene Gebäude hatte wohl auch schon bessere Zeiten „erlebt“. 180 Höhenmeter mussten wir noch einmal hinauf. Die Straße schlängelte sich immer mal wieder nah an der Autobahn entlang, danach ging es bergab bis nach Colunga. Von Colunga bis nach La Isla waren es nur noch 3-4 km. Den Straßenabzweig zu dem kleinen Dörfchen konnten wir nicht verfehlen, weil die Herberge bereits groß ausgeschildert war.

Die „Albergue de peregrinos La Isla“ liegt keine 100 m vom Meer entfernt. Bevor wir dort ankamen, mussten wir zunächst das Haus von Angelia Garcia Nosti finden. Die Hospitalera sollte irgendwo im Ortskern wohnen und Verwalterin des Schlüssels der Herberge sein. Das war einfacher als wir zunächst dachten. Wir mussten nur der Einbahnstraße folgen und unsere Augen aufmachen. Angelia saß auf ihrer Terasse und winkte uns zu, anscheinend schien sie jeden Tag auf die ankommenden Pilger zu warten. Die wichtige Zeremonie des Eintrags im Pilgerbuch mussten wir selber vornehmen, erst danach erhielten wir von Angelia den schönen Stempel der Herberge von La Isla in unserem Pilgerbuch. Damit wir die Herberge auch erkennen,  zeigte sie uns noch ein Foto von der Frontansicht, erst danach durften wir weiter radeln. Angelia hatte alles im Griff.

Obwohl wir das Foto gesehen hatten, radelten wir noch kurz 100 m an der Herberge vorbei. Angelia wusste wohl, warum sie jedem das Foto zeigte. Wir bemerkten den Irrtum aber schnell. Es gab nur ein kleines Gartentor, dass Schild der Herberge war am zurückstehenden Haus angebracht und von der Straße nicht direkt erkennbar.

Die Herberge besteht aus einem großen Schlafsaal mit 23 Betten, einem Vorraum mit einfacher Kochgelegenheit und einer überdachten Terrasse, auf der wir den Abend verbrachten. Zuvor waren wir in den Ort zu einem kleinen Supermarkt gelaufen und hatte uns für den Abend mit Lebensmitteln eingedeckt. Bei der Ankunft fiel uns eine Besonderheit sofort auf, die Herberge war zu 80 % mit deutschen Pilgern belegt. Klar, dass sich da einige nette Gespräche ergaben. Mir persönlich war es etwas zu unruhig, ich fand kaum Zeit, in meinem Tagebuch die Erlebnisse des Tages festzuhalten.

Auffallend war weiterhin, dass sich viele der wandernden Pilger (wir waren mit den Rädern ja Exoten) bereits kannten. Das wunderte uns nicht, zumal die Länge der Tagesetappen quasi durch die Abstände zwischen den Herbergen vorgegeben war. Da musste man sich ja ständig treffen.

 

 

  

 


 

 Volksfest in Llanes oder warum wird der Sidre verschüttet?

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02. 09.2009 63 946 600 8700 Camping

 

Die Nacht war erstaunlich ruhig verlaufen. Wir fühlten uns ausgeschlafen, als sich um 08:00 Uhr die ersten programmierten Mobiltelefone meldeten. Die Geschäfte im kleinen Ort La Isla waren mit Sicherheit noch nicht geöffnet. Aus dem Grund packten wir unsere Sachen, verabschiedeten uns von einigen Pilgern und radelten ohne Frühstück bereits um 08:30 Uhr dem Ortsausgang entgegen. Wir waren in guter Stimmung, als wir auf die kaum befahrene N-632 einschwenkten. Wir suchten ein Cafe, um unser Frühstück nachzuholen. Obwohl in Spanien die Cafes in der Regel nicht vor 09:00 Uhr öffneten, schlugen wir einen kleinen Bogen zum Strand „Playa El Viso“, hatten dort aber auch keinen Erfolg.

Die Küste etwas verlassend ging es dann direkt bergauf. 500 m vor dem kleinen Ort Prado klappte es dann. In einem Vorort namens Carrales (100 m  ü NN) gibt es eine Bar, die pünktlich um 09:00 Uhr öffnete. Nachfolgend mal ein paar Fotos, die wir auf unserer Weiterfahrt bis zum nächsten Zwischenstop in Ribadesella erstellt haben.

Ribadesella ist eine Kleinstadt mit etwas mehr als 6000 Einwohnern. Sie besteht aus zwei Teilen, die durch eine Flussbrücke getrennt den Eindruck hinterlässt, dass der Ort viel größer ist. Die eigentliche Altstadt befindet sich auf der Ostseite, von der wir bei unserer Ankunft nichts wahrnahmen. Wir radelten im westlichen Teil erst einmal zum Strand und trafen auf eine breit ausgebaute Uferpromenade. Ein Blickfang ist dort ein altes Herrenhaus, das direkt an der Promenade steht. Das alte Haus wurde vor einigen Jahren unter Beibehaltung seines ursprünglichen Stils restauriert und zu einem Hotel umgebaut (Hotel Villa Rosario). Nach einem zweiten kleinen Frühstück radelten wir hinüber zur Altstadt. Auf der Brücke erzeugten wir für kurze Zeit einen Verkehrsstau, was niemanden störte. In der Altstadt war Markttag. An Radeln war nicht zu denken, deshalb schoben wir unsere Räder zwischen den Marktständen hindurch und schauten uns ein wenig die Waren an. Ein Highlight des Tages war das verlassene ehemalige Kloster San Antolin de Bedón.  Es befindet sich nur 300 südlich vom Strand „Playa de San Antolin“, auf den wir kurz vorher trafen.

San Antolin de Bedón ist ein altes Benediktinerkloster aus dem 13. Jahrhundert. Mit den in einem großen „U“ um die Kirche gruppierten Gebäuden, wirkt das Kloster wie ein kleines Dorf. Die Klosteranlage ist zwar ziemlich verfallen, einen Besuch sollte man aber auf keinen Fall versäumen. Schon beim Blick von der Straße aus fühlten wir uns bei der Ankunft irgendwie angezogen. Da musste man hin, alles wirkte etwas gespenstisch. Auf den letzten 9 km bis LLanes verließen wir im kleinen Ort Poo die As-263, um einen Abstecher zum Strand zu fahren. Wir hatten ein Hinweisschild auf den Playa de Poo gesehen und wollten uns den Strand einfach mal ansehen. Wir hofften natürlich auch, dort etwas Kaltes zu trinken zu bekommen.

Bei der Ankunft in Llanes fielen uns zuerst die tollen Herrenhäuser (Casas de Indianos) auf, die den Ort schmückten. Das erste stand schon am Ortseingang, ein weiteres in der Ortsmitte, wo wir auch das Schild mit dem Hinweis auf die Touristikinformation sahen. Die Häuser stammten aus dem endenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und waren von nach Amerika ausgewanderten Emigranten erbaut worden.

Die Touristikinformation befindet sich in der Calle Alfonso in einem alten Befestigungssturm. Als wir dort eintrafen, war sie leider geschlossen. Gerne hätten wir uns wieder mit Informationsmaterial eingedeckt und die Frage der Übernachtung geklärt. Einen Campingplatz gab es in Llanes, das wussten wir, aber wo? Die Ausschilderung war, wie in Nordspanien schon mehrmals festgestellt, äußerst spärlich. Aufgrund der tollen Innenstadt schoben wir den Gedanken erst einmal beiseite und radelten durch den Ort. Da würde sich schon noch eine Lösung

In der Nähe des kleinen Hafens fragten wir noch mehrere Personen nach dem Platz. Die Antworten waren zunächst nicht sehr ergiebig. Von ich weis nicht, über vielleicht dort, bis zu einer einwandfreien Wegbeschreibung war alles dabei. Der letzten Wegbeschreibung folgend, verließen wir den Ort in südlicher Richtung, bogen zweimal links ab und fanden auch tatsächlich den Campingplatz. Er liegt direkt am Meer und befindet sich keine 400 m von der Stelle entfernt, wo wir die präzise Wegbeschreibung erhalten haben. Wir waren quasi 1,5 km im Bogen geradelt, aber dennoch froh, dass er sich in unmittelbarer Ortsnähe befand.

Den späten Nachmittag und frühen Abend verbrachten wir in die Innenstadt. Zunächst am Hafen, später dann an einer Stelle, die wir fast übersehen hätten. Auf einem Platz südlich des Hafens war eine große Bühne aufgebaut, auf der einige Musiker bei unserer Ankunft probten. Die aufgestellten Bänke und Tische ließen die Vermutung aufkommen, dass der Abend noch Einiges zu bieten hatte. Wir sicherten uns deshalb einen Sitzplatz und das war auch gut so. Ab 20:00 Uhr füllte sich der Platz und die Menschen standen Schlange, um eine Kleinigkeit zu essen oder um ihren Sidra zu geniessen. Wir waren durch Zufall Teilnehmer des im September stattfindenden Apfelfestes (Festival de la manzana) geworden.

Dazu gab es einen Spruch:
„Wenn der Mensch eines Apfels wegen das Paradies verloren hat, dann hat er es dank des Apfelweins wiedergewonnen.“

Sidra ist das Nationalgetränk Asturiens. Es wird alltäglich in zahllosen Siderías aber auch im Freien konsumiert. Es gibt wohl eine bestimmte Serviermethode, die uns zunächst ein wenig irritierte.  Damit die Sidra sich mit Luft mischen kann und so den richtigen Geschmack bekommt, werden Flasche und Glas etwa einen Meter auseinander gehalten. Dass dabei nicht immer das Glas getroffen wurde, dürfte selbsterklärend sein. Schon vor Ort suchte Claudia nach einer Lösung auf die Frage nach dem Warum. Unsere jugendlichen spanischen Tischnachbarn hatten eine einfache Antwort: „Er schmeckt dann einfach besser“!

Das Sidra-Fest war an dem Abend nicht mehr zu toppen. Wir gingen noch kurz in ein, dem Campingplatz, nahe gelegenes Restaurant. Das Essen war aber eher mittelmäßig.

 

 

   

 

 


 

 Auf nach San Vicente oder woher kommt die Musik am Straßenrand?

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03. 09.2009 46 992 700 9400 Camping

 

Der Campingplatz in Llanes gehörte nun wirklich nicht in die Kategorie „Da müssen wir unbedingt noch mal hin“. Auf die genaueren Gründe möchten wir hier nicht öffentlich eingehen, uns blieb das Gefühl, das einem sagt, nichts wie weg. Ein Frühstück gab es im Cafe des Campingplatzes nicht. Den Kaffee tranken wir ohne den Löffel zu benutzen, danach waren wir weg.

Die ersten 7 km des Tages radelten wir auf einer kleinen Straße, die uns eng am Meer entlang führte und sogleich in Schwitzen brachte. 3 km ging es über 150 Höhenmeter steil bergauf bis zum Golfplatz von LLanes.  Der Golfplatz liegt auf einer kleinen Hochebene, zwischen den Orten Andrin und Llanes. Direkt gegenüber vom Platz gibt es einen Aussichtspunkt, der sich auf einer Felsnase befindet und von dem man einen tollen Ausblick hat. Wir ließen unsere Räder 200 m vor dem Aussichtspunkt stehen und liefen den schmalen Pfad bis dorthin.

Die Straße nach Andrin führte steil über die Höhenmeter hinab, die wir uns mühsam hinauf „gequält“ hatten. In Andrin gab es dann das lang ersehnte Frühstück. Ein Blick auf unser GPS Gerät zeigte uns, dass wir auf unserer Weiterfahrt wieder auf die N-634 mussten. Die kürzeste Verbindung über 2 km bestand in der Kartendarstellung aus einer gestrichelten Linie. Wir riskierten es, radelten auf dem unbefestigten Weg und wurden nicht enttäuscht. Der Weg ließ sich recht gut befahren, das einzige Hindernis, auf das wir trafen, war eine Kuh. Claudia, die vor mir fuhr, trieb die Kuh vor sich her, bis sie auf einen kleinen Feldweg verschwand. Wieder auf der N-634 zurück, wurden die nachfolgenden Fotos auf dem Weg nach Colombres gemacht. Dort wollten wir eine kleine Mittagspause einlegen.

Colombres ist ein kleines Dorf mit gut 800 Einwohnern und gehört zur Gemeinde Ribadedeva. Die Gemeinde, die wiederum knapp 1400 Einwohner umfasst, besteht aus 3 weiteren Parroquias, Bustio (ca. 200 Einwohner), Pimiango (ca. 120 Einwohner) und La Franca (ca. 200 Einwohner). Eine Parroquias ist in Spanien die kleinste Verwaltungseinheit, die es gibt. In der Regel ist sie traditionell aus einer Kirchengemeinde entstanden.

Um in dieses kleine Dörfchen zu gelangen, mussten wir die N-634 einen Kilometer vorher verlassen und unsere Räder etwa 80 Höhenmeter nach oben bewegen. Zu unserem Erstaunen hatte der kleine Ort Einiges zu bieten. Die Iglesia de Santa Maria, der Marktplatz, auf dem bei unserer Ankunft auch tatsächlich Markt gehalten wurde und die Villa La Quinta Guadalupe waren die Highlights des kleinen Ortes. Die Villa La Quinta Guadalupe wurde von einem zurückgekehrten Auswanderer erbaut, der im Amerika zu Reichtum kam. Zu diesem Thema findet man einige Informationen im Internet. Im 19. Jahrhundert gab es in Spanien eine große Auswanderungswelle nach Amerika.

Auf der Suche nach einem Cafe/Restaurant trafen wir auf einen irischen Radler. Er war ca. 65 Jahre alt, alleine unterwegs und folgte den Camino Pfeilen nach Santiago de Compostela. Wir unterhielten uns draußen vor dem Cafe einige Zeit mit ihm, schenkten ihm unsere nicht mehr erforderlichen Papierkarten von Asturien und tauschten unsere Erlebnisse aus.  Er kam aus Dublin, klar, dass da auch ein wenig über vergangene Urlaube geplaudert wurde.

Beim Verlassen des Ortes trafen wir noch auf eine Touristikinformation. Bei der Gemeindegröße fanden wir das erstaunlich, was da „auf die Beine gestellt“ worden war. Ein wunderschön restauriertes Gebäude, ein netter Mitarbeiter, der zuhörte, was will man mehr? Eingedeckt mit neuestem Informationsmaterial sausten wir weiter nach Osten, immer dem Camino de la Costa folgend. Über Unquera und Pesués ging es dann weiter nach Vicente del la Barquera. Aus einer Höhe von 100 m über NN war der Ort schon von Weitem zu sehen.

Vicente del la Barquera war von Norden her nur über die auf dem Foto zu sehende Brücke erreichbar. Eine weitere Brücke, über die wir den Ort noch verlassen würden, gab es im Osten. Nur von Süden kommend war er auf dem Landweg über die kleine Straße Ca-843 zugänglich. Er besaß Geschichte, das spürte man sofort. Wegen seiner historischen Bauten war San Vicente 1987 zum Kulturgut Kantabriens erklärt worden. Besonders sehenswert sind die zwischen dem 13. und 16.Jahrhundert erbaute Kirche Santa Maria de los Ángeles, die Burg und die Reste der Stadtmauer. Die oben erwähnten Brücken sind ein typisches Merkmal von San Vicente. Sie wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert erbaut und besaßen mit Sicherheit eine ziemlich strategische Bedeutung.

Als wir in San Vicente eintrafen, radelten wir zunächst in den Hafen und genossen die Mittagspause. Danach „quälten“ wir uns mit unseren Rädern hinauf zur Kirche. San Vicente de la Barquera  verließen wir in Richtung Osten über die „Puente Maza“. Hinter der Brücke bogen wir links ab in Richtung Meer.

Wir wollten unser Ziel, den Campingplatz Playa de Oyambre, auf kleinen  Küstenstraßen  erreichen. Kaum einen Kilometer hinter der Abzweigung entschieden wir uns für eine Rückfahrt. Die Straße vor dem Playa del Puntal führte mit ca. 20-25 % gnadenlos bergauf. Wieder auf der N-634 hatten wir 1,5 km östlich von San Vicente del la Barquera noch ein interessantes Erlebnis!

Es war ruhig auf dem Abschnitt der N-634. Kein Auto war weit und breit zu sehen, kein Haus oder gar Ort in Sichtweite und dennoch hörten wir laute Musik. Woher kam die Musik? Für uns gab es absolut keine Erklärung, bis wir auf einen Parkplatz trafen. Es handelte sich um eine alte Schleife der ursprünglichen Straßenführung der N-634. Als wir mit den Rädern auf den Parkplatz einbogen, staunten wir nicht schlecht. Dort stand eine vollständige Musikband, die für eine Abendveranstaltung im Ort probte. Um die Verstärker mit dem erforderlichen Strom zu versorgen, stand etwas abseits ein Dieselgenerator. Kaum zu glauben, so etwas hatten wir in unserem Leben noch nicht gesehen. Tja und dann die Erkenntnis, die Band kam aus Kiel.

Nach einem kurzen lockeren Gespräch radelten wir weiter, nicht ohne die Erlaubnis, die Band wenigstens einmal fotografieren zu dürfen. 4 km weiter trafen wir auf den 3-4 km vor dem Ort Comillas liegenden Campingplatz „Camping Playa de Oyambre“. Zum Platz hinauf ging es noch mal 20-30 Höhenmeter steil bergauf. Dass störte uns aber nicht. Der Platz besaß einen Pool und ein Restaurant, größere Wünsche hatten wir an dem Tag nicht, wir hatten unser Ziel erreicht. Der Platz gefiel uns super, dort stimmte einfach alles. Angefangen vom Service bei der Ankunft, dem  Pool, die sauberen Sanitäranlagen und dem gemütliche Restaurant, wir waren sehr zufrieden.

 

 

   

 


 

 Comillas, Santillana del Mar und unser schöner Abend in Güemes

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04. 09.2009 50 1042 800 10200 Pilgerherberge in Güemes

 

Unser Übernachtungscampingplatz hatte uns sehr gut gefallen. Der positive Gesamteindruck vom Abend zuvor, bestätigte sich auch beim Frühstück. Es stimmte einfach alles, die Bedienung war freundlich, alles war sauber und das Frühstück war absolut in Ordnung. Der Campingplatz liegt etwa 4 km westlich vom Ort Comillas. Wir waren noch nicht einmal richtig warm gefahren, da bekamen wir schon die ersten Highlights zu Gesicht. Das nachfolgende Foto zeigt, wie schön ruhig wir am Morgen nach Comillas hineinradeln konnten.

Comillas ist für deutsche Verhältnisse ein Dorf. Mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern, ist Comillas jedoch ein Beispiel dafür, dass ein kleiner Ort manchmal mehr zu bieten hat, als eine ausgewachsene Stadt. Schon bei unserer Ankunft, war uns die links von uns auf einem Berg liegende Päpstliche Universität aufgefallen. Sie ist eine der berühmtesten akademischen Institutionen Spaniens und hatte früher ungefähr 10000 Studenten. Die Hochschule wird vom Jesuitenorden geleitet, das Gebäude selber ist aber im Besitz der Regionalregierung von Kantabrien. Rechts von der Calle Marques de Camillas, auf der wir in den Ort radelten, steht etwas zurückgesetzt der Palast von Sobrellano.

Der neugotische Palast ist die ehemalige Residenz des Marques de Comillas. Er wurde von einem Architekten namens Joan Martorell für den Marques entworfen. Neben dem Palast liegt der Familien Pantheon, dahinter das außergewöhnlich gestaltete Gebäude El Capricho. Wir radelten zunächst weiter in den Ort hinein, bogen nach rechts auf die „Paseo Estrada“ ein und sahen links von uns auf einem kleinen Vorplatz die Touristikinformation und rechts auf einem Hügel liegend „El Capricho“.  Nach einer kurzen informativen Unterhaltung, enthielt unser Pilgerausweis einen weiterer Stempel.

Die Villa Quijano, auch unter dem Namen El Capricho („die Laune“) bekannt, ist ein bekanntes Bauwerk des Architekten Antoni Gaudi. Ursprünglich wurde das Sommerhaus von dem vermögenden Marqués des Comillas (Bürgerlich Antonio López) in Auftrag gegeben und wohl auch als solches genutzt. Heute beherbergt das Gebäude ein Restaurant. Interessant sind die bunten als Sonnenblume herausgearbeiteten Keramikfliesen und der zylinderförmige Aussichtsturm. Eine Besichtigung der Innenräume ist leider nicht möglich. In der Innenstadt war gerade Markt, deshalb konnten die alten Gebäude nicht so gut fotografieren. Einen kleinen Eindruck vom Ort hinterlassen aber vielleicht die drei folgenden Fotos. Unsere weitere Fahrt brachte uns über 18 km auf der wenig befahrenen Ca-131 nach Santillana del Mar.

Die mittelalterliche Stadt mit gepflasterten Straßen ist zur künstlerisch historischen Kulturstätte erklärt worden. Seit Jahrzehnten ist sie ein weit bekannter, kultureller und touristischer Anziehungspunkt in Kantabrien. Schon im Mittelalter war Santillana del Mar eines der wichtigsten Zentren der Region. Santillana verfügt über ein außergewöhnliches Erbe. Zu nennen sind hier im Wesentlichen die Stiftskirche Santa Juliana, und das zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert erbaute Kloster. Sehenswert sind darüber hinaus das alte Rathaus am Plaza Mayor, sowie der Turm Don Borja.

Bei der Ankunft in Santillana besorgten wir uns in der Touristikinformation zunächst eine kleine Karte vom Ort (Natürlich auch einen Pilgerstempel), danach schoben wir unsere Räder über holpriges Kopfsteinpflaster durch die alten Gassen. Es hatte bei der Ankunft im Ort schon hin und wieder mal ein paar Tropfen geregnet. Als wir den Plaza Mayor erreichten, regnete es in Strömen. Wir konnten uns noch gerade unter die Arkaden retten. Der Himmel war vollkommen zugezogen und es sah nicht danach aus, dass sich die Wetterlage in absehbarer Zeit ändern würde.  Beim Studium unserer Papierkarte, fiel uns der kleine Bahnhof in Puente San Miguel und die Bahnlinie nach Santander ins Auge. Kurz entschlossen zogen wir unsere vollständige Regenkleidung incl. Schuhüberzieher an und radelten die 4-5 km nach San Miguel. Der Zug (FEVE) fuhr regelmässig, so das wir bereits am frühen Nachmittag in Santander eintrafen. Aufgrund der kaum besseren Wetterlage radelten wir in Santander direkt zum Hafen. Um der Küste weiter folgen zu können, mussten mir einer kleinen Fähre über den Bahia de Santander übersetzen, der Zielort hieß Somo.

Bis zur Herberge in Güemes, die wir als Übernachtungsort wählten, waren noch 12 km zur radeln, die ersten 9 km allerdings auf sehr flachem Terrain. In dem kleinen Ort Galizano deckten wir uns noch mit Lebensmitteln für den Abend ein, danach ging es auf steilen Wegen hinauf in Richtung Güemes. Die Ausschilderung zur Herberge war etwas dürftig und bestand nur aus einem kleinen Holzschild, das am Straßenabzweig von der Ca-141 auf die Ca-443 stand, danach kam kein Hinweis mehr. Die letzten 50 Höhenmeter sind sehr steil, die Räder auf dem Teilstück überwiegend schiebend, zweifelten wir schon daran, ob wir nicht möglicherweise schon zu weit gefahren waren. Ein Passant half uns netterweise und  kurze Zeit später war es dann geschafft. Wir standen vor der Herberge von Güemes, die auf uns noch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würde.

Schon bei der Ankunft gefielen uns die nette Atmosphäre, der mit Bildern geschmückte große Aufenthaltsraum und die max. für 8 Personen eingerichteten Schlafräume. In dem uns zugewiesenen Raum trafen wir dann auf zwei junge Deutsche, die schon tagelang auf dem Camino unterwegs waren und mit denen wir noch einige nette Gespräche führten. Die beiden waren auf ihrer Hochzeitsreise. Etwas später, wir hatten so gerade unsere Sachen sortiert, erschien ein Mann, der alle Pilger bat, ihm in einen Saal zu folgen. Dort lernten wir Padro Ernesto kennen. Der Herbergsvater hielt einen halbstündigen Vortrag über den Camino del Norte in der Region. Eine Spanierin die einigermaßen Englisch sprach, übersetzte seine Sätze, so dass man von dem Vortrag zumindest einen Teil verstand. Danach wurden wir in den großen Saal gebeten und vollkommen überrascht. An einem großen gedeckten Tisch gab es für alle Pilger ein vollständiges Essen mit Suppe, Nudeln und Obst als Nachtisch. Dazu mehrere Fläschchen Rotwein.

Den netten Abend würden wir nicht mehr vergessen. Mehrere Deutsche, einige Spanier, ein Italiener, später kamen noch Französinnen in den Saal, bereicherten den Abend. Manche Unterhaltung war aufgrund der Sprachschwierigkeiten nicht einfach zu führen gewesen, es hatte aber trotzdem sehr viel Spaß gemacht.

 

 

    

 


 

 Auf nach Castro Urdiales

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05. 09.2009 58 1100 700 10900 Camping

 

Die Schlechtwetterfront war vollkommen abgezogen. Wir liefen extra zur Straße vor der Herberge, um die Morgenstimmung in den Wiesen festzuhalten. Das Frühstück war genauso gut, wie das Essen am Abend zuvor, Obst, Brot, Marmelade, Kaffee, was wollte man mehr. Ein Teil der Pilger hatte die Herberge schon verlassen, deshalb saßen wir mit den frisch vermählten Studenten alleine am Tisch und genossen die Ruhe. Etwas später kam die Idee auf, vor der Herberge noch ein gemeinsames Gruppenfoto zu machen. Padre Ernesto mußte natürlich mit ins Bild.

Der Abschied von der Herberge in Güemes fiel uns etwas schwer. Die Atmosphäre hatte uns sehr gefallen. Wir gaben den beiden Studenten (Psychologie und Lehramt in Gießen und Marburg) noch unsere Internetadresse. Dort würden sie von zu Hause aus auch unsere Emailadresse finden. Hallo ihr zwei, bitte meldet euch mal!

Nach einer herzlichen Verabschiedung sausten wir steil ins Tal. Ich ertappte mich noch dabei, wie ich einmal zurückblickte und die beiden Wanderer noch auf der Straße laufen sah, dann waren sie plötzlich verschwunden. Durch eine herrlich ruhige, waldreiche Gegend führte unser Weg. Wir passierten die kleinen Orte Güemes, Meruelo und Castillo und standen kurze Zeit später auf der CA-141, die uns weiter nach Santona brachte. Vor Santona machten wir noch einige Aufnahmen, es machte dort sehr viel Spaß zu fotografieren. Die Touristikinformation befindet sich in Santona in der Calle Manzonedo. Wir fuhren einfach geradaus in den Ort hinein, lange suchen mussten wir sie nicht. Claudia schnappte sich die Pilgerausweise und verschwand im Gebäude.

Santona war eher etwas touristisch und nicht so besonders sehenswert. Wir radelten geradeaus mitten durchs Zentrum, direkt in Richtung zum Hafen. Wir mussten über eine Strecke von etwa 500 m mit dem Schiff fahren, um über den Ria de Treto nach Laredo zu gelangen. Auf der anderen Seite in Laredo gibt es keinen Anlegesteg. Dort schoben wir unsere Räder über den schmalen Steg vorsichtig bis auf den Strand. Kurze Zeit wurden dann unsere Kräfte gefordert, dann war die Sandpassage zu Ende. Auf einem langen Holzsteg kann man durch die Dünen radeln. Der in einem Bogen nach Nordwesten gebaute neue Ortsteil von Laredo ist grauenvoll. Hochhaus neben Hochhaus wurde dort gebaut, um im Hochsommer die Touristenmenge unterbringen zu können. Hinter der Altstadt ging es sofort bergauf. Bis zum Erreichen des Meeres in Islares, waren zwei Steigungen von je 150 Höhenmetern zu bewältigen. Dazwischen befand sich eine Senke, die uns fast wieder auf Meereshöhe brachte. Dann sahen wir wieder das Meer! Die Straße fiel steil bargab, schwenkte nach links und folgte der Küstenlinie bis nach Islares. Der kleine Ort Islares liegt hinter der Felsnase, die auf dem folgenden Foto zu sehen ist. Dort legten wir eine halbstündige Pause ein.

Von Islares bis zum Campingplatz in Castro Urdiales waren noch gut 8 km zu radeln. Bis zum Ort war es leicht wellig, hinauf zum Campingplatz aber extrem steil. Wir hatten den Platz schon auf der Anfahrt von Weitem hoch oben im Berg liegen sehen. Der Weg hinauf führt durch einen kurzen Tunnel unter der Autobahn hinweg, dann an einigen Bauernhöfen vorbei. Bei Steigungen von bis zu 14 % kamen wir noch reichlich ins Schwitzen und waren bei der Ankunft körperlich ausgelaugt. Zunächst wollten wir den Rest des Tages auf dem Platz verbringen. Als sich aber herausstellte, dass es in unmittelbarer Nähe und auf dem Platz kein Restaurant gab, änderten wir unsere Planung und das war gut so. Um 17:30 Uhr  vor der Iglesia de Santa Maria freuten wir uns darüber, dass wir uns doch noch hatten aufraffen können.

Die wesentlichen Sehenswürdigkeiten hatten wir mit der Iglesia de Santa Maria und der alten Festung bereits gesehen. Was noch fehlte, war die alte Kneipenmeile am Hafen. Dort fand ein Fest statt, das wir nicht ganz einordnen konnten. Den großen Trachtenfiguren nach zu urteilen, hatte das ganze etwas bäuerliches, wobei aber anscheinend nur Frauen feierten. Sie zogen am Abend noch singend durch den Ort, während wir in einem Hafenkaffee versuchten unseren Hunger zu stillen.

Dort im Hafen in der Sonne zu sitzen und die Menschen zu beobachten, war schon toll. Unser Essen mussten wir uns im Restaurant an der Bar selber zusammenstellen. Es bestand aus vielen Häppchen. So kamen wir dann auch noch zu unserer eigenen Jakobsmuschel. So um 20:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz. Ohne Gepäck war das zwar erheblich leichter, anstrengend aber immer noch.

 

 

   

 

 


 

 Puente Colgante oder Bilbao ist eine Reise wert

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06. 09.2009 56 1156 700 11600 Pension Arias in Bilbao

 

Unser letzter Radtag stand uns bevor, als wir relativ spät um 09:30 Uhr den Campingplatz verließen. Auf den ersten 30 km standen drei Steigungen auf dem Programm, die uns jeweils von Meereshöhe aus auf 180 m ü. NN, 120 m ü. NN und 130 m ü. NN brachten. Danach konnten wir von Portugalete aus flach am Ria de Bilbao entlang, bis in die Innenstadt von Bilbao radeln. Einen Zwischenstop legten wir noch an einem Cafe ein. Wir hatten den zweiten Hügel des Tages geschafft, die Autobahn in Richtung Meer überquert und freuten uns über das schöne Wetter. Die Besitzerin war bei unserer Ankunft noch damit beschäftigt, die Tische zu decken. Wir mussten deshalb ein wenig warten, uns war das aber egal. Eine kurze Steigung über ca. 40 Hm ging es noch einmal hinauf, dann standen wir am „Playa de la Arena“.

Das Schieben am Strand erinnerte mich ein wenig an meine isländische Hochlanddurchquerung im Sommer 2008, die Strecke war aber relativ kurz. Man merkte, dass Sonntag war, viele Spanier waren am Strand oder in den umliegenden Dünen um Picknick zu halten.

In La Arena bekamen wir von einem Passanten einen Hinweis auf den „Bide Gorri Arena“. Es handelt sich um einen wunderschön angelegten kombinierten Fuß- und Radweg, der von La Arena aus mit mässiger Steigung bis nach Portugalete führt. Vollkommen abseits von jeglichem Autoverkehr, verläuft er über 12 km durch die hügelige Landschaft.

Zwei Kilometer vor Portugalete wurde es noch einmal ungemütlich, als der Weg aufgrund einer Baustelle unterbrochen war. Wir mussten die Räder 200 m steil den Berg hinauf schieben. Claudia wurde bei der Aktion von einer Wanderin überholt, die ihr half das Rad auf den Hügel zu bugsieren. Bei unserer Ankunft in Portugalete trafen wir auf einen sehr alten Friedhof. Danach sausten wir hinab zum Ria de Bilbao. Unser GPS-Track zeigte uns den direkten Weg zur Puente Colgante.

Der Begriff Puente Colgante steht für „Hängende Brücke“. Es handelt sich bei der Brücke jedoch nicht um eine Hängebrücke wie man sie sonst kennt, sondern um eine Hochbrücke mit Schwebefähre. Die Brücke wurde im Jahr 1893 eingeweiht und ist damit die älteste Schwebefähre der Welt. Die Anlage besteht aus 45 m hohen Stahltürmen, die durch ein 160 m langes horizontales Traggerüst mit einander verbunden sind. An dem Traggerüst aufgehängt ist die Transportbarke, die mit einer Größe von 10m x 14 m bis zu 6 PKW transportieren kann. Die Nutzlast ist auf 22 Tonnen begrenzt. Am 13. Juli 2006 wurde die Schwebefähre von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die letzte 11,5 km bis zur Pension Arias, verliefen sehr flach immer am Ria de Bilbao entlang. Kurz vor dem Eintreffen in der Altstadt von Bilbao führte unser Weg noch über eine interessante Brücke, der Puente Eskalduna.

Wir hatten unseren Zielort Bilbao erreicht, als wir unserem GPS-Track folgend, kurze Zeit später vor der Pension Arias standen. Nur durch ein „P“ gekennzeichnet, war sie nicht leicht zu erkennen. Sie sah aus wie ein normales Wohngebäude und das war es auch wohl. Aus einer ursprünglichen Wohnung war durch wenige Umbauten eine Pension geworden. Unsere Räder mussten wir mit in den ersten Stock schleppen, bekamen dafür aber ein extra Zimmer zugeteilt. Am späten Nachmittag sahen wir uns noch ein wenig von Bilbao an. Wir wollten den Tag und damit unsere Tour in Ruhe ausklingen lassen und in der Innenstadt den Abend genießen. Unsere Räder waren für eine Stadtrundfahrt mal wieder ideal.

Wir waren uns beim Abschluß unserer Tour sicher, Bilbao waren ebenso wie Lissabon, Porto oder Santiago de Compostela eine gesonderte Städtereise wert.

 

 

    

 


 

 Dank an Maestre Bikes und unser Rückflug

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07. 09.2009 0 1156 0 11600 keine

 

Etwas wehmütig schauten wir gegen Mittag auf die Uhr, unsere tolle Radtour war beendet. Unsere Vermieterin hatte uns ein Großraumtaxi bestellt, dass uns pünktlich zum Flughafen bringen sollte. Zuvor waren wir zum Bikeshop Maestrebikes gelaufen und hatten die reservierten Radkartons geholt. Pünktlich um 10:00 Uhr wurde das Geschäft geöffnet. Eduardo Llana schaute uns nur an und wusste sofort worum es ging. Die Kartons standen abholbereit in einem Nebenraum. Ein herzliches Dankeschön an Eduardo Llano und Maestrebikes. Unsere Räder mussten etwas demontiert werden. Die Kartons waren nicht sehr groß, aber nach einer guten Stunde war auch das geschafft.   Unser Taxi erschien pünktlich. Etwa eine halben Stunde später standen wir am Flughafen von Bilbao.

Unser Flug ging um 17:20 von Bilbao aus nach Palma de Mallorca. Von dort aus dann um 20:25 Uhr nach Düsseldorf (Ankunft 22:45 Uhr). Etwas Trubel gab es noch in Palm de Mallorca, weil ein anderer Flug ausgefallen war und die Fluggäste auf zwei Maschinen aufgeteilt wurden. Unser Abflug verspätete sich dadurch etwas. Wir befürchteten, dass unser Flug aufgrund des Nachtlandeverbotes in Düsseldorf nach Köln umgeleitet würde. Wir hatten jedoch Glück, unser Flugzeug setzte mit 15 Minuten Verspätung auf der Landebahn von Düsseldorf auf.