Von Keflavik nach Reykjavik

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
10.08.2008 52 52 300 300 keine, da Nachtfahrt per Rad

 

„Meistens kommt es anders als man denkt!“ Ach wie sehr traf dieser Spruch doch auf meine Islandradtour 2008 zu. Während ich im Jahr 2007 die vorherige Tagesplanung hatte vollständig einhalten können, gelang mir dies im Jahr 2008 fast überhaupt nicht. Zu sehr hatte ich mit Hochland spezifischen Schwierigkeiten wie katastrophalen Pistenverhältnissen und tagelangem Gegenwind zu kämpfen. Mehr dazu aber später.

Pünktlich stand ich am 10.08.2008 um 19:30 Uhr mit 45 kg Gepäck (incl. 8 kg Hänger) + Rad am Flughafen in Düsseldorf am Sondergepäckschalter und hatte schon gleich die erste herzliche Begegnung. Anke W. und Rolf W. aus Kamp-Lintfort standen vor mir an der Abfertigung (Sondergepäckschalter) und schoben ihre Räder auf das Gepäckband.  Was mich zunächst irritierte, dann aber ein Schmunzeln hervorrief war die Tatsache, dass sie mich erwarteten. Ich kannte sie nicht, sie kannten aber meine Internetseite und aufgrund meiner dort veröffentlichten Planung wussten sie, wann ich starten würde.

Der Flug dauerte 3 Stunden und verlief vollkommen problemlos. Etwa um 23:30 Uhr isländischer Zeit (Deutschland = 01:30 Uhr) verließen wir das Flughafengebäude durch den Customer Check und sprachen mit dem Mitarbeiter des Alex-Service Desk. Er griff zum Telefon und kurze Zeit später standen zwei junge Männer vor uns, mit denen wir dass gesamte Gepäck auf einen Hänger verluden. Bis zum Alex-Campingplatz sind nur 3 km zu fahren. Deshalb waren wir recht schnell am Ziel. Klasse, der Transfer hatte schon mal wieder geklappt.

In dem einen Jahr hatte sich am Alex-Campingplatz so gut wie nichts verändert.  Im Aufenthaltsraum des Campingplatzes saßen noch ein paar Nachtschwärmer, die sich an ihrem heißen Tee wärmten und über alle möglichen Themen diskutierten. Wir verstanden nichts, vermutlich sprachen sie tschechisch. Bei Alex trafen  sich halt Radler aller Nationen. Es war etwas kühl, ich schätzte so um die 8 Grad Celsius. Ich packte mein Rad aus und unterhielt mich noch einige Zeit mit Anke und Rolf. Den Beiden würde ich auf meiner Tour durch das Hochland nicht begegnen können, weil sie auf einer anderen Route unterwegs waren. Sie waren bereits das fünfte Mal auf Island  und hatten für die erste und letzte Nacht ein Zimmer im Alex-Hotel gebucht. Wir würden uns am Ende unserer Reise aufgrund desselben gemeinsamen Rückflugs am Alex-Campingplatz wieder treffen. Mir selber stand noch eine Nachtfahrt per Rad über ca. 50 km nach Reykjavik bevor. Meinen Radkarton deponierte ich nach Rücksprache mit dem Alex-Mitarbeiter in der Halle, wo auch die Autos abgestellt wurden. Dort war er sicherer aufbewahrt als in dem kleinen Abstellraum, indem sich die Radkartons stapelten. Mehrmals hatten sich dort wohl schon andere Radler bedient und Kartons entwendet. Um kurz nach 01:00 Uhr verließ ich den Platz und schwenkte mit meinem Rad auf die Str. 41 ein.

An der Straße war während des einen Jahres meiner Abwesenheit kräftig gebaut worden. Sie war jetzt fast vollständig 4-spurig befahrbar und besaß bis auf einem kurzen Stück einen Randstreifen, der von Radlern genutzt werden konnte. Mit Ausnahme eines ca. 2 km langen Teilstückes in einer Baustelle war die Fahrbahn bis Reykjavik durchgängig beleuchtet.

Frieren musste ich in der Nacht nicht, zu sehr forderte mich das wellige Terrain (etwa 250 Hm) auf meiner nächtlichen Radeltour. Nur wenige Autos überholten mich. Fast alle verlangsamten ihre Fahrt, zu sehr irritierte sie wohl der hochbepackte nächtliche Radler mit seinem Radanhänger.  Um kurz vor 4 Uhr radelte ich durch die ruhigen Straßen Hafnarfjördurs in Richtung Hafen und freute mich schon darauf, mein Ziel zu erreichen. Etwas müde und abgekämpft kaufte ich mir noch an einer Tankstelle eine Cola um meine „Lebensgeister“ zu wecken.  Um 04:30 Uhr war es dann nach ca. 3 ½ Stunden Fahrt geschafft und ich stand vor der BSI Busstation, die sich direkt am alten Flughafen befindet. Von dort sollte mich um 08:30 Uhr der Ringstraßenbus nach Akureyri bringen.

Die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt wärmte ich mich in der warmen Halle der Busstation zunächst etwas auf. Danach kurbelte ich durch die noch ruhigen Straßen Reykjaviks und verscheuchte mit der zunehmenden Helligkeit die aufkommende Müdigkeit. Die Hallgrimskirkja war fast vollständig von einem Gerüst umgeben. Deshalb kann man auf dem folgenden Foto die eigentliche Säulenstruktur kaum erkennen.