Myvatn, Namafjall, Hrossaborg oder auf nach Grimstadir

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.08.2008 49 101 250 550 Camping Grimstadir

 

Ein wunderbarer blauer Himmel erwartete mich beim Frühstück.  Ich hatte den fehlenden Schlaf nachgeholt und fühlte mich absolut fit, meine Radtour konnte vormittags endlich beginnen. Nach dem Frühstück rollte ich zunächst bergab zur Busstation. Von dort würde mich der Ringstraßenbus noch die letzten Kilometer bis zum Myvatn-See transportieren. Der Bus stand schon vor Ort, so dass ich Rad und Gepäck in Ruhe verladen konnte. Pünktlich um 08:00 Uhr verließ er dann Akureryi und fuhr auf der anderen Seite des Eyjafjödur den kleinen Pass hinauf. Beim Blick zurück auf die andere Seite hatte ich einen tollen Blick auf den Ort.

Von der weiteren Fahrt bis zum Mvatn-See gibt es nicht viel zu berichten.  1 ½ Stunden rollte der Bus die mir vom Vorjahr bekannte Strecke entlang, hielt kurz am Godafoss (Hof Fosshölt) und erreichte pünktlich um 09:30 Uhr Reykjahlid (Myvatn). Die Busstation befindet sich direkt vor dem Supermarkt und nur wenige Meter vom Campingplatz entfernt. Jetzt war erst einmal ein Großeinkauf fällig. Einen Tag später würde mein Hochlandabenteuer beginnen und ich musste Proviant mäßig einkalkulieren, dass an eine Einkaufsmöglichkeit innerhalb der nächsten 5 Tage nicht zu denken war.  500 Gramm Ostur (Käse), 1 kg Nudla (Nudeln), 4 Vatnflaskas (Wasserflaschen a´1,5 Liter),  Fiskur inn Dosir (Fisch in Dosen), 750 g Braud (Brot), 250 g Smör (Butter) um nur ein paar Beispiel zu nennen, füllten meine große Ortliebtasche auf dem Hänger mächtig.

Endlich konnte es losgehen! Die Wetterlage war gut und mein Rad hatte ich schon vor dem Großeinkauf montiert.  Am Anstieg zum Namafjall (140 Hm) fiel mir rechts ein Stichweg auf, der zu einem Geothermal-Schwimmbad führte, dass mir im letzten Jahr nicht aufgefallen war. Danach ging es weiter den kleinen Pass hinauf bis zu dem Parkplatz, von dem man einen Rückblick auf den Myatn-See und Umgebung hat.

Um qualitativ hochwertige Fotos zu machen benötigt man bekannter weise ja  Sonne. Schon beim Überqueren des Namskjard wurde mir beim Blick auf das Hochtemperaturgebiet Namafjall klar, dass sich an dem Tag wunderschöne Fotos machen ließen.  Die Sonne strahlte in die umgebenden ryolithfarbenen Berge und die Fernsicht war enorm. Am Hochtemperaturgebiet Namafjall stehen Hinweistafeln mit einigen Erläuterungen. Unter den in deutscher Sprache aufgeführten Punkten „Historische Daten“ und „Geologie“ stehen folgende Originaltexte:

Historische Daten

Namafjall liegt in einem Hochtemperaturgebiet mit Dampf- und Schlammquellen. Bei 1000 m Tiefe ist die Hitze über 200 Grad Celsius. Mit dem Dampf steigen ebenfalls schwefelwasserstoffhaltige Gase auf, deren Geruch charakteristisch für diese Gebiete ist.  Aus den heißen Quellen entstehen erhebliche Schwefelablagerungen. Umfangreiche Schwefelminen wurden in Island in früheren Jahrhunderten zur Herstellung von Schießpulver ausgebeutet. Vorsicht! Die dünne Erdkruste kann leicht einbrechen. Hochtemperatur 80 – 100 Grad Celsius. Bitte bewegen sie sich ausschließlich auf den markierten Steigen.

Geologie

Kaltes Grundwasser sickert durch Spalten und Risse hinunter zum heißen Gestein (Spalten, Berggänge) und strebt in Form von Dampf wieder an die Oberfläche. Mit dem Dampf steigen ebenfalls schwefelwasserstoffhaltige Gase an die Oberfläche, deren Geruch charakteristisch für die Hochtemperaturgebiete ist.  An der Oberfläche verbinden sich die Gase mit Luft und lagern schließlich Schwefel ab. Sinter und Gips vermischen sich und bilden um die Dampfquellen feste Ablagerungen. In den Schlammquellen kommt das schwefelwasserstoffhaltige Gas mit Wasser in Berührung und kann Schwefelsäure bilden. Die Säure zersetzt Boden und Felsen zu einem lehmigen Schlamm.

Soviel zu den vor Ort vorhandenen Hinweistafeln. Vor Ort habe ich wohl an die 30 Fotos erstellen können. Eine kleine Auswahl davon ist nachstehend zu sehen. Ich war noch nicht einmal zwei Stunden mit dem Rad unterwegs und hatte die lange Anfahrt mit dem Bus schon vollkommen vergessen, ich fühlte mich absolut in meinem Element. Auf der Strecke nach Grimstadir durchfährt man ein riesiges Lavafeld, bis man ca. 8 km vor dem kleinen Ort auf den Straßenabzweig zur Herdubreid/Askja trifft. Von dem Abzweig aus würde ich am darauffolgenden Tag zur Herdubreid radeln. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Ringwallkrater Hrossaborg (Pferdeburg), der in früheren Jahren aufgrund seiner Hufeisenform als Pferch genutzt wurde. Bei gutem Wetter konnte man von der Straße sogar die  über 50 km entfernte Herdubreid zu sehen. Ich hatte Glück an dem Tag, die Fernsicht war enorm.

Da ich mein Tagesziel schon fast erreicht und noch Zeit hatte, schaute ich mir den Ringwallkrater mal von innen an. Den kurzen Stich würde ich zwar am nächsten Tag noch einmal radeln, aber das spielte keine Rolle. Die erforderliche Zeit für die weitere 60 km lange Strecke zur Herdubreid war bei dem Pistenzustand ohnehin schwer zu kalkulieren. Nach dem Motto „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf Morgen“, kurbelte ich zur Hrossaborg und machte dort die folgenden Fotos. 

Der Ringwallkrater ist nicht besonders groß. Der Krater wirkt mit seiner Höhe von 40 m eher wie ein flacher Hügel. Dass es sich um einen Ring handelt, sieht man erst, wenn man sich ihm auf der F88 von Nordosten nähert. Bevor ich nach einer guten halben Stunde meinen Zielort Grimstadir erreichte, hielt ich noch einmal kurz an der Brücke über den Jökulsa a Fjöllum an. Es war schon beeindruckend, welche Wassermassen der Fluss führte.

Vom letzten Jahr her hatte ich den von mir besuchten kleinen Campingplatz in Grimstadir sehr düster in Erinnerung.  Damals war es auch reichlich bewölkt, er war leer und ich hatte mich entschieden, weiter nach Mödrudalur zu radeln. Diesmal strahlte der kleine Platz in der Sonne. Er war zwar ebenfalls leer, dass sollte sich zum Abend hin aber noch ändern. Ich hatte Grimstadir mit in meine Planung genommen, weil es der einzige Ort war, der nah an der Hochlandpiste F88 lag. Von Reykjahlid am Myvatn direkt zur Herdubreid zu fahren, war mit dem Rad zeitlich nicht machbar.

Grimstadir würde man in Deutschland nie als Ort bezeichnen. Ich habe die Gebäude nicht genau gezählt, aber es dürften so zwischen 4-7 Gebäude sein. Am Waschhaus des Campingplatzes hing ein Foto von einem Wohnhaus. Dort sollte man hinlaufen um seine Campingplatzgebühren zu entrichten.

In dem kleinen „Ort“ Islands hatte man inzwischen interessanterweise ein wenig „gelernt“, die Lage des Ortes zu nutzen. Warum übernachtete man dort? Grimstadir liegt in der Nähe des nordöstlichen Hochlandeinstiegs der F88, den ich nutzen wollte, gleichzeitig aber auch am östlichen Zugang zum Dettifoss.  Übernachtungspotential war also grundsätzlich genügend vorhanden. Etwas verwundert entdeckte ich in Grimstadir ein Gebäude, vor dem ein kleines Schild den Besucher aufforderte einfach einzutreten, um sich die Schlafsackunterkünfte anzusehen. U.a. gab es dort auch eine Duschmöglichkeit! Nach der Aufforderung schaute ich einmal kurz in das Gebäude. Die nachstehenden Fotos dürften vor allen Dingen für diejenigen interessant sein, die ohne Zelt unterwegs sind, oder aufgrund der aktuellen Wetterlage nicht zelten können.  Gegen eine Gebühr konnten dort auch Campinggäste duschen, denen auf dem Platz die Möglichkeit fehlte. Der Campingplatz besitzt nur ein kleines Waschgebäude mit zwei Toiletten und zwei Waschbecken von außen.

An dem Abend unterhielt ich mich noch eine zeitlang mit den Neuankömmlingen auf dem Platz. Zuerst erschien ein französisches  Ehepaar mit einem kleinen Allradfahrzeug, danach drei Franzosen mit Motorrädern.