Die Frage nach dem Warum stellt sich mir nicht, Island muß man erleben!

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 10.08.2008 - 25.08.2010

 718 km

 2.800 Hm

 

Sicherlich, Island mit dem Rad ist kein Reiseziel für „Warmduscher“. Radler mit Erfahrung und einer reichlichen Portion Abenteuerlust im Gepäck stellt die Insel allerdings vor eine Herausforderung, die jeden Kilometer mit unvergesslichen Eindrücken belohnt. Ich hatte es im letzten Jahr auf meiner 1607 km langen Islandumrundung erlebt. Gegen starken Wind zu radeln war nicht leicht gewesen, insbesondere das Hochland hatte so manche Kraftreserven gefordert. Was war das aber für ein tolles Gefühl gewesen einsam im Hochland auf der Kjölur-Route zu stehen und einfach die Ruhe und den Blick in die Berge zu genießen.

Das Land mit seiner immensen Weite hatte mich dermaßen fasziniert, dass ich mich in diesem Jahr  unbedingt einer neuen Aufgabe stellen wollte. Eine 830 km lange Hochlanddurchquerung Islands entsprach da genau meinen Vorstellungen.

Der Ringstraßenbus würde mich am 11.08. 2008 von Reykjavik aus zunächst in den Nordosten des Landes bis zum Myvatn-See bringen, bevor ich mich einen Tag später aufmachen wollte, dass Hochland in südwestlicher Richtung zu durchqueren. Zwölf Tage beabsichtigte ich dort unterwegs zu sein. Danach würde ich an der Südwestküste Islands wieder auf die Ringstraße stoßen. Im Hochland standen eine Tafelvulkanbesteigung (Askja) und mein zweiter Besuch der warmen Quellen von Landmannarlaugar an.

Über mehrere Monate hatte ich mich immer wieder mit der Strecken- und Anreiseplanung intensiv auseinandergesetzt. Die Flugzeiten waren identisch zum Vorjahr geblieben. Die Maschine der Fluggesellschaft AirBerlin würde um kurz vor 23:00 Uhr Ortzeit in Keflavik landen,  in Deutschland war es zu dem Zeitpunkt schon 2 Stunden später.  Mit dem Alex-Campingplatz in Keflavik hatte ich bereits Kontakt aufgenommen und von ihnen die Zusicherung erhalten, vom Flughafen abgeholt zu werden. Der Transfer über die 3 km bis zum Campingplatz war somit gesichert.

Ein Problem musste im Vorfeld noch gelöst werden! Den direkt nach jedem Flug nutzbaren Shuttledienst nach Reykjavik konnte ich in der Nacht nicht mehr in Anspruch nehmen, weil ich den Radkarton am Alex-Campingplatz auf jeden Fall für den Rückflug lagern wollte. Gleichzeitig musste ich aber spätestens  um 08:00 Uhr in Reykjavik sein, weil der Ringstraßenbus in Richtung Akureyri um 08:30 Uhr startete. Wie also sollte ich in der Nacht nach Reykjavik gelangen. Die Entscheidung fiel mangels anderer Alternativen leicht. Eine Nachtfahrt per Rad sollte aufgrund der noch recht guten Lichtverhältnisse machbar sein.

 

km,


  


 

 Von Keflavik nach Reykjavik

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
10.08.2008 52 52 300 300 keine, da Nachtfahrt per Rad

 

„Meistens kommt es anders als man denkt!“ Ach wie sehr traf dieser Spruch doch auf meine Islandradtour 2008 zu. Während ich im Jahr 2007 die vorherige Tagesplanung hatte vollständig einhalten können, gelang mir dies im Jahr 2008 fast überhaupt nicht. Zu sehr hatte ich mit Hochland spezifischen Schwierigkeiten wie katastrophalen Pistenverhältnissen und tagelangem Gegenwind zu kämpfen. Mehr dazu aber später.

Pünktlich stand ich am 10.08.2008 um 19:30 Uhr mit 45 kg Gepäck (incl. 8 kg Hänger) + Rad am Flughafen in Düsseldorf am Sondergepäckschalter und hatte schon gleich die erste herzliche Begegnung. Anke W. und Rolf W. aus Kamp-Lintfort standen vor mir an der Abfertigung (Sondergepäckschalter) und schoben ihre Räder auf das Gepäckband.  Was mich zunächst irritierte, dann aber ein Schmunzeln hervorrief war die Tatsache, dass sie mich erwarteten. Ich kannte sie nicht, sie kannten aber meine Internetseite und aufgrund meiner dort veröffentlichten Planung wussten sie, wann ich starten würde.

Der Flug dauerte 3 Stunden und verlief vollkommen problemlos. Etwa um 23:30 Uhr isländischer Zeit (Deutschland = 01:30 Uhr) verließen wir das Flughafengebäude durch den Customer Check und sprachen mit dem Mitarbeiter des Alex-Service Desk. Er griff zum Telefon und kurze Zeit später standen zwei junge Männer vor uns, mit denen wir dass gesamte Gepäck auf einen Hänger verluden. Bis zum Alex-Campingplatz sind nur 3 km zu fahren. Deshalb waren wir recht schnell am Ziel. Klasse, der Transfer hatte schon mal wieder geklappt.

In dem einen Jahr hatte sich am Alex-Campingplatz so gut wie nichts verändert.  Im Aufenthaltsraum des Campingplatzes saßen noch ein paar Nachtschwärmer, die sich an ihrem heißen Tee wärmten und über alle möglichen Themen diskutierten. Wir verstanden nichts, vermutlich sprachen sie tschechisch. Bei Alex trafen  sich halt Radler aller Nationen. Es war etwas kühl, ich schätzte so um die 8 Grad Celsius. Ich packte mein Rad aus und unterhielt mich noch einige Zeit mit Anke und Rolf. Den Beiden würde ich auf meiner Tour durch das Hochland nicht begegnen können, weil sie auf einer anderen Route unterwegs waren. Sie waren bereits das fünfte Mal auf Island  und hatten für die erste und letzte Nacht ein Zimmer im Alex-Hotel gebucht. Wir würden uns am Ende unserer Reise aufgrund desselben gemeinsamen Rückflugs am Alex-Campingplatz wieder treffen. Mir selber stand noch eine Nachtfahrt per Rad über ca. 50 km nach Reykjavik bevor. Meinen Radkarton deponierte ich nach Rücksprache mit dem Alex-Mitarbeiter in der Halle, wo auch die Autos abgestellt wurden. Dort war er sicherer aufbewahrt als in dem kleinen Abstellraum, indem sich die Radkartons stapelten. Mehrmals hatten sich dort wohl schon andere Radler bedient und Kartons entwendet. Um kurz nach 01:00 Uhr verließ ich den Platz und schwenkte mit meinem Rad auf die Str. 41 ein.

An der Straße war während des einen Jahres meiner Abwesenheit kräftig gebaut worden. Sie war jetzt fast vollständig 4-spurig befahrbar und besaß bis auf einem kurzen Stück einen Randstreifen, der von Radlern genutzt werden konnte. Mit Ausnahme eines ca. 2 km langen Teilstückes in einer Baustelle war die Fahrbahn bis Reykjavik durchgängig beleuchtet.

Frieren musste ich in der Nacht nicht, zu sehr forderte mich das wellige Terrain (etwa 250 Hm) auf meiner nächtlichen Radeltour. Nur wenige Autos überholten mich. Fast alle verlangsamten ihre Fahrt, zu sehr irritierte sie wohl der hochbepackte nächtliche Radler mit seinem Radanhänger.  Um kurz vor 4 Uhr radelte ich durch die ruhigen Straßen Hafnarfjördurs in Richtung Hafen und freute mich schon darauf, mein Ziel zu erreichen. Etwas müde und abgekämpft kaufte ich mir noch an einer Tankstelle eine Cola um meine „Lebensgeister“ zu wecken.  Um 04:30 Uhr war es dann nach ca. 3 ½ Stunden Fahrt geschafft und ich stand vor der BSI Busstation, die sich direkt am alten Flughafen befindet. Von dort sollte mich um 08:30 Uhr der Ringstraßenbus nach Akureyri bringen.

Die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt wärmte ich mich in der warmen Halle der Busstation zunächst etwas auf. Danach kurbelte ich durch die noch ruhigen Straßen Reykjaviks und verscheuchte mit der zunehmenden Helligkeit die aufkommende Müdigkeit. Die Hallgrimskirkja war fast vollständig von einem Gerüst umgeben. Deshalb kann man auf dem folgenden Foto die eigentliche Säulenstruktur kaum erkennen.

 

 

 


 

 Mit dem Ringstraßenbus nach Akureyi

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
11.08.2008 0 52 0 300 Camping Akureyri

  

Mit dem Ringstraßenbus nach AkureyriUm 07:00 Uhr kam endlich Leben in die BSI Busstation. Der Schalter für den Fahrkartenverkauf öffnete und die ersten Touristen und beruflichen Pendler räkelten sich müde auf den Sitzen. In der Busstation gibt es ein Cafe, in dem ich mir vor der Abfahrt noch ein kleines Frühstück gönnte. Anschließend kaufte ich erst einmal die Fahrkarten. Die Karte für die Strecke von Reykjavik nach Akureyri kostete 7.900 ISK (398 km), die Karte für das letzte Stück von Akureyri zum Myvatn-See 2.500 ISK (106 km). 10400 ISK in Summe entsprachen im August 2008 ungefähr einem Gegenwert von 85 Euro.  Eine zusätzliche Gebühr für mein Rad oder Hänger musste ich nicht entrichten, insofern fand ich den Preis in Ordnung.

Ab 08:00 Uhr füllte sich die Busstation merklich mit Touristen, weil von dort nicht nur die Ringstraßenbusse starteten. Reykjavik Excursions war eine Busgesellschaft, die vom selben Gebäude aus ihre Islandrundfahrten organisierte. Von dem zentralen Punkt in Reykjavik konnte man fast jeden Punkt Islands erreichen. Beliebt waren natürlich die Fahrten zum Geysir, zum Gullfoss und nach Landmannarlaugar. Ich schob mein Gespann nach draußen, drehte den Lenker des Rades und bugsierte das gesamte Gepäck vorsichtig in den Laderaum des Busses.  Das Rad kam dabei flach auf dem Boden zu liegen. Der Bus war bei der Abfahrt nur mit 16 Personen besetzt. Ideal, so konnte ich mich auf der Rückbank ordentlich breit machen und ein wenig ruhen. Immerhin hatte ich 36 Stunden nicht geschlafen.

Die Fahrt bis Akureyri zog sich über 6 Stunden lang hin. Immer wieder döste ich kurz ein ohne wirklich fest und erholsam zu schlafen. Den ersten Halt in Borganes bekam ich gar nicht mit. Erst als wir den Teil der von mir im letzten Jahr mit dem Rad befahrenen Strecke erreichten, wurde ich aufmerksamer und verlies bei der Pause in Varmahlid den Bus.  Im letzten Jahr hatte ich mich im dortigen Supermarkt mit Lebensmitteln eingedeckt. Diesmal lief ich ein wenig umher und sah in der Ferne den Campingplatz auf dem ich im letzten Jahr übernachtet hatte.  Erinnerungen an meine Tour 2007 kamen hoch während ich sah, dass die ersten Fahrgäste wieder den Bus bestiegen.

Bis Akureyri waren es dann nur noch knapp 100 km. Zügig fuhr der Bus den Pass Öxnadalsheidi hinauf, kurze Zeit später war bereits der Eyjafjördur zu sehen. An dem Fjord lag mein heutiger Zielort, die Hafenstadt Akureyri. Den Weg zum Campingplatz kannte ich noch vom Vorjahr. Auf dem Platz hatte sich nichts verändert. Zum Duschen musste ich weiterhin das nahe gelegene Schwimmbad besuchen und die Münzen durfte ich auch nicht vergessen. Ansonsten hätte ich leider nur kalt duschen können.

Den frühen Abend verbrachte ich noch mit ein paar Einkäufen und unterhielt mich mit einem sehr netten Ehepaar aus Reutlingen. Beide waren mit ihren Kindern und eigenem Wohnmobil auf Island unterwegs. Bereits um 19:00 Uhr kroch ich in meinen Schlafsack und fiel in einen 12-stündigen Schlaf. Einen Tag später sollte im Anschluss an eine kurze Bustour endlich meine Radtour beginnen und ich wollte unbedingt fit sein.

 

 

 


 

 Myvatn, Namafjall, Hrossaborg oder auf nach Grimstadir

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.08.2008 49 101 250 550 Camping Grimstadir

 

Ein wunderbarer blauer Himmel erwartete mich beim Frühstück.  Ich hatte den fehlenden Schlaf nachgeholt und fühlte mich absolut fit, meine Radtour konnte vormittags endlich beginnen. Nach dem Frühstück rollte ich zunächst bergab zur Busstation. Von dort würde mich der Ringstraßenbus noch die letzten Kilometer bis zum Myvatn-See transportieren. Der Bus stand schon vor Ort, so dass ich Rad und Gepäck in Ruhe verladen konnte. Pünktlich um 08:00 Uhr verließ er dann Akureryi und fuhr auf der anderen Seite des Eyjafjödur den kleinen Pass hinauf. Beim Blick zurück auf die andere Seite hatte ich einen tollen Blick auf den Ort.

Von der weiteren Fahrt bis zum Mvatn-See gibt es nicht viel zu berichten.  1 ½ Stunden rollte der Bus die mir vom Vorjahr bekannte Strecke entlang, hielt kurz am Godafoss (Hof Fosshölt) und erreichte pünktlich um 09:30 Uhr Reykjahlid (Myvatn). Die Busstation befindet sich direkt vor dem Supermarkt und nur wenige Meter vom Campingplatz entfernt. Jetzt war erst einmal ein Großeinkauf fällig. Einen Tag später würde mein Hochlandabenteuer beginnen und ich musste Proviant mäßig einkalkulieren, dass an eine Einkaufsmöglichkeit innerhalb der nächsten 5 Tage nicht zu denken war.  500 Gramm Ostur (Käse), 1 kg Nudla (Nudeln), 4 Vatnflaskas (Wasserflaschen a´1,5 Liter),  Fiskur inn Dosir (Fisch in Dosen), 750 g Braud (Brot), 250 g Smör (Butter) um nur ein paar Beispiel zu nennen, füllten meine große Ortliebtasche auf dem Hänger mächtig.

Endlich konnte es losgehen! Die Wetterlage war gut und mein Rad hatte ich schon vor dem Großeinkauf montiert.  Am Anstieg zum Namafjall (140 Hm) fiel mir rechts ein Stichweg auf, der zu einem Geothermal-Schwimmbad führte, dass mir im letzten Jahr nicht aufgefallen war. Danach ging es weiter den kleinen Pass hinauf bis zu dem Parkplatz, von dem man einen Rückblick auf den Myatn-See und Umgebung hat.

Um qualitativ hochwertige Fotos zu machen benötigt man bekannter weise ja  Sonne. Schon beim Überqueren des Namskjard wurde mir beim Blick auf das Hochtemperaturgebiet Namafjall klar, dass sich an dem Tag wunderschöne Fotos machen ließen.  Die Sonne strahlte in die umgebenden ryolithfarbenen Berge und die Fernsicht war enorm. Am Hochtemperaturgebiet Namafjall stehen Hinweistafeln mit einigen Erläuterungen. Unter den in deutscher Sprache aufgeführten Punkten „Historische Daten“ und „Geologie“ stehen folgende Originaltexte:

Historische Daten

Namafjall liegt in einem Hochtemperaturgebiet mit Dampf- und Schlammquellen. Bei 1000 m Tiefe ist die Hitze über 200 Grad Celsius. Mit dem Dampf steigen ebenfalls schwefelwasserstoffhaltige Gase auf, deren Geruch charakteristisch für diese Gebiete ist.  Aus den heißen Quellen entstehen erhebliche Schwefelablagerungen. Umfangreiche Schwefelminen wurden in Island in früheren Jahrhunderten zur Herstellung von Schießpulver ausgebeutet. Vorsicht! Die dünne Erdkruste kann leicht einbrechen. Hochtemperatur 80 – 100 Grad Celsius. Bitte bewegen sie sich ausschließlich auf den markierten Steigen.

Geologie

Kaltes Grundwasser sickert durch Spalten und Risse hinunter zum heißen Gestein (Spalten, Berggänge) und strebt in Form von Dampf wieder an die Oberfläche. Mit dem Dampf steigen ebenfalls schwefelwasserstoffhaltige Gase an die Oberfläche, deren Geruch charakteristisch für die Hochtemperaturgebiete ist.  An der Oberfläche verbinden sich die Gase mit Luft und lagern schließlich Schwefel ab. Sinter und Gips vermischen sich und bilden um die Dampfquellen feste Ablagerungen. In den Schlammquellen kommt das schwefelwasserstoffhaltige Gas mit Wasser in Berührung und kann Schwefelsäure bilden. Die Säure zersetzt Boden und Felsen zu einem lehmigen Schlamm.

Soviel zu den vor Ort vorhandenen Hinweistafeln. Vor Ort habe ich wohl an die 30 Fotos erstellen können. Eine kleine Auswahl davon ist nachstehend zu sehen. Ich war noch nicht einmal zwei Stunden mit dem Rad unterwegs und hatte die lange Anfahrt mit dem Bus schon vollkommen vergessen, ich fühlte mich absolut in meinem Element. Auf der Strecke nach Grimstadir durchfährt man ein riesiges Lavafeld, bis man ca. 8 km vor dem kleinen Ort auf den Straßenabzweig zur Herdubreid/Askja trifft. Von dem Abzweig aus würde ich am darauffolgenden Tag zur Herdubreid radeln. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Ringwallkrater Hrossaborg (Pferdeburg), der in früheren Jahren aufgrund seiner Hufeisenform als Pferch genutzt wurde. Bei gutem Wetter konnte man von der Straße sogar die  über 50 km entfernte Herdubreid zu sehen. Ich hatte Glück an dem Tag, die Fernsicht war enorm.

Da ich mein Tagesziel schon fast erreicht und noch Zeit hatte, schaute ich mir den Ringwallkrater mal von innen an. Den kurzen Stich würde ich zwar am nächsten Tag noch einmal radeln, aber das spielte keine Rolle. Die erforderliche Zeit für die weitere 60 km lange Strecke zur Herdubreid war bei dem Pistenzustand ohnehin schwer zu kalkulieren. Nach dem Motto „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf Morgen“, kurbelte ich zur Hrossaborg und machte dort die folgenden Fotos. 

Der Ringwallkrater ist nicht besonders groß. Der Krater wirkt mit seiner Höhe von 40 m eher wie ein flacher Hügel. Dass es sich um einen Ring handelt, sieht man erst, wenn man sich ihm auf der F88 von Nordosten nähert. Bevor ich nach einer guten halben Stunde meinen Zielort Grimstadir erreichte, hielt ich noch einmal kurz an der Brücke über den Jökulsa a Fjöllum an. Es war schon beeindruckend, welche Wassermassen der Fluss führte.

Vom letzten Jahr her hatte ich den von mir besuchten kleinen Campingplatz in Grimstadir sehr düster in Erinnerung.  Damals war es auch reichlich bewölkt, er war leer und ich hatte mich entschieden, weiter nach Mödrudalur zu radeln. Diesmal strahlte der kleine Platz in der Sonne. Er war zwar ebenfalls leer, dass sollte sich zum Abend hin aber noch ändern. Ich hatte Grimstadir mit in meine Planung genommen, weil es der einzige Ort war, der nah an der Hochlandpiste F88 lag. Von Reykjahlid am Myvatn direkt zur Herdubreid zu fahren, war mit dem Rad zeitlich nicht machbar.

Grimstadir würde man in Deutschland nie als Ort bezeichnen. Ich habe die Gebäude nicht genau gezählt, aber es dürften so zwischen 4-7 Gebäude sein. Am Waschhaus des Campingplatzes hing ein Foto von einem Wohnhaus. Dort sollte man hinlaufen um seine Campingplatzgebühren zu entrichten.

In dem kleinen „Ort“ Islands hatte man inzwischen interessanterweise ein wenig „gelernt“, die Lage des Ortes zu nutzen. Warum übernachtete man dort? Grimstadir liegt in der Nähe des nordöstlichen Hochlandeinstiegs der F88, den ich nutzen wollte, gleichzeitig aber auch am östlichen Zugang zum Dettifoss.  Übernachtungspotential war also grundsätzlich genügend vorhanden. Etwas verwundert entdeckte ich in Grimstadir ein Gebäude, vor dem ein kleines Schild den Besucher aufforderte einfach einzutreten, um sich die Schlafsackunterkünfte anzusehen. U.a. gab es dort auch eine Duschmöglichkeit! Nach der Aufforderung schaute ich einmal kurz in das Gebäude. Die nachstehenden Fotos dürften vor allen Dingen für diejenigen interessant sein, die ohne Zelt unterwegs sind, oder aufgrund der aktuellen Wetterlage nicht zelten können.  Gegen eine Gebühr konnten dort auch Campinggäste duschen, denen auf dem Platz die Möglichkeit fehlte. Der Campingplatz besitzt nur ein kleines Waschgebäude mit zwei Toiletten und zwei Waschbecken von außen.

An dem Abend unterhielt ich mich noch eine zeitlang mit den Neuankömmlingen auf dem Platz. Zuerst erschien ein französisches  Ehepaar mit einem kleinen Allradfahrzeug, danach drei Franzosen mit Motorrädern.

 

 

 


  

 Auf holpriger Piste (F88) zum Sitz der Götter (Herdubreid)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.08.2008 68 169 300 850 Camping Herdubreidarlindir

 

Herdubreid, der „breitschultrige“ Berg war mein nächstes Etappenziel. Dieser wie einfach in die Landschaft gesetzt wirkende Vulkan gilt als der „schönste“ Berg Islands. Mit 1682 m Höhe zeichnet er sich markant von der umgebenden Landschaft ab. Seine Flanken sind steil und bestehen aus lockeren Lavasteinen, welche eine Besteigung nicht einfach machen. Der einzige Weg hinauf führt über eine Felsscharte am nordwestlichen Berghang. In der Mythologie ist der Berg der Sitz der Götter, die Götterburg Asgard. Ab Mittags ist der Gipfel häufig in Wolken gehüllt. Die Isländer sagen dann wohl, dass er wieder seine Schlafmütze übergestülpt hat.

Eine anspruchsvolle anstrengende Tour stand mir an dem Tag bevor. Beim Zeltabbau um ca. 08:00 Uhr wusste ich noch nicht, dass ich für die Gesamtstrecke von 68 km (davon 8 km Asphalt) eine Gesamtzeit von 9 Stunden und 20 Minuten benötigen würde. An reiner Fahrzeit würde ich an dem Tag 7 Stunden und 21 Minuten im Sattel sitzen bzw. mich schiebend bewegen. Die 8 km zurück bis zum Straßenabzweig waren schnell geradelt. Ab dort begann mein Hochlandabenteuer. Ein etwas unsicheres Gefühl beschlich mich, als ich die Ringstraße verließ und in Richtung Herdubreid schaute. Welche Schwierigkeiten würden im Hochland wohl auf mich warten? War die Strecke mit dem Hänger überhaupt zu bewältigen? Ich verscheuchte die Gedanken, trat in die Pedale und freute mich auf das Abenteuer.

Die ersten Kilometer ließen sich sogar noch relativ gut fahren. Stellen mit quer zur Fahrbahn verlaufenden Rillen (Waschbrettpiste) gab es zwar reichlich, ich wich aber immer an den seitlichen Rand oder in die Fahrbahnmitte aus. Dort kam ich so mit einer Geschwindigkeit zwischen 10 und 15 km/h voran. Die F88, die ich befuhr, befindet sich am Rande der Odadahraun. Diese ca. 5000 qkm große grauschwarze Wüste aus Lavagestein erstreckt sich von der Ringstraße im Norden bis an den Rand des Vatnajökull im Süden. Im Westen und Osten wird sie durch zwei reißende Flüsse, dem Skjálfandafljót und dem Jökulsá á Fjöllum begrenzt. Früher wurden in dem Gebiet wohl Missetäter ausgesetzt, deren Überlebenschance deshalb gering war, weil es einfach kein Wasser gab. Das Regenwasser versickert sehr schnell in der porösen Lava.

Nach 15 km kam ich noch an einem kleinen See vorbei, danach wurde es spannend. Ich näherte mich einem vollkommen versandeten Teilstück, auf dem ein Fahren absolut unmöglich war. Wie lang würde ich mein Gespann wohl schieben müssen? Ein Ende war nicht zu sehen! Keine 500 m hatte ich mein Rad geschoben, als mir zwei Radfahrer, ihr Rad schiebend entgegen kamen. Ich staunte nicht schlecht, kilometerlang war ich auf dieser Piste bereits unterwegs gewesen, niemand hatte mich überholt oder war mir bisher entgegen gekommen. Ich freute mich über diese menschliche Begegnung in der Felswüste und begrüßte sie herzlich. Hannah T. und Tim Z. hatten in der Odadahraun übernachtet und waren tags zuvor an der Askja gestartet. Wir tauschten unsere Emailadressen und Informationen über die Qualität der jeweils bereits zurückgelegten Wegstrecken aus, danach war jeder wieder auf sich alleine gestellt.

Von den beiden bekam ich die nette Information, dass ich das Rad nur noch ein kurzes Stück schieben musste. Schaut man in eine Karte der Region, stellt man fest, dass sich die F88 quasi parallel zum Fluss Jökulsá á Fjöllum nach Süden schlängelt. Ungefähr nach 30 km auf der F88 führt die Straße sehr nah an den Fluss heran. Für mich natürlich ein Gelegenheit mal wieder meine Digitalkamera aus der Lenkertasche zu kramen.

An dieser Stelle hatte ich ungefähr die Hälfte der Pistenstrecke hinter mich gebracht. Es war Mittagszeit, so um die 13:00 Uhr und meine Hochrechnung ergab eine Ankunftszeit von ca. 17:00 Uhr bis 17:30 Uhr. Zwei Furten waren zwar noch zu meistern, eine dritte musste ich aber nicht queren, weil mein mitgeführtes Büchlein „Island per Rad“ mir sagte, dass es für Fußgänger und Radfahrer eine schmale Brücke gab.

Einen kleinen Schreck gab es noch auf den nächsten Kilometern. Im Gepäck hatte ich mehrere Wasserflaschen mit insgesamt 8 Litern Wasser verstaut. Zwei der Flaschen waren mit einem Gurt oben auf der Hängertasche befestigt. Der Inhalt der Ortliebtasche hatte sich durch die Rüttelei etwas komprimiert und dadurch den Gegendruck auf den Gurt vermindert. Das Resultat war der Verlust einer 1,5 Liter Wasserflasche. Den ersten Gedanken zurückzuradeln verwarf ich sehr schnell.  Zwei Liter hatte ich bisher verbraucht und die restlichen 4,5 Liter würden mehr als genug reichen um meinen Zielort die Oase Herdubreidarlindir zu erreichen. Dort würde es wieder Wasser geben und die zwei bis drei Liter Reserve hatte ich nur für den Notfall mitgenommen.

Etwas später erwartete mich die erste Furt durch die Grafarlandaá. Sie war ca. 40 cm tief und die Strömung eher als ungefährlich einzustufen. Rad und Hänger ließen sich an der Grafarlandaá in einem Gang durch den Fluss drücken. Das einzige Mehr an Zeitaufwand bestand in der Zeit, die ich benötigte um die Schuhe aus und die Neoprensocken sowie Tevasandalen anzuziehen. Einige Kilometer radelte ich noch auf recht flachem Terrain. Danach ging es über ein dickes Lavafeld, das mich mit seinem leicht welligen Profil und kurzen aber steilen Anstiegen noch ziemlich forderte.

Aufmerksame Leser werden vielleicht etwas bemerkt haben. Auf dem Foto mit dem Erläuterungstext „Auf dem dicken Lavafeld“ sieht man auf dem Hänger zwei Wasserflaschen. Wo kommt die zweite her? Ich hatte doch vor einigen Kilometern  eine verloren! Nachstehend die Erklärung:  An dem Tag hatten mich insgesamt zwei Allradfahrzeuge und ein Hochlandbus überholt.  In dem zweiten der Allradfahrzeuge saß ein deutsches Ehepaar, das sich auf dem Weg zur Askja nicht erklären konnte, warum mitten in der Wüste Wasserflaschen auf der Fahrbahn lagen. Sie überholten mich mitten in dem dicken Lavafeld, nachdem ich mal wieder einen kleinen schweißtreibenden Anstieg geschafft hatte und kurbelten die Scheibe herunter.  Im Fenster erschien meine Wasserflasche! Die menschlichen Begegnungen auf solchen Strecken im Hochland waren schon klasse.

So einige Stunden waren inzwischen vergangen und mein Zielort war nicht mehr in weiter Ferne. An den Kräften hatte die Piste merklich gezerrt, ich fühlte mich zwar noch einigermaßen, wünschte mir aber die kleine Oase „Herdubreidarlindir“ endlich zu erreichen. Die letzte Furt durch die Lindaá mit einer Tiefe von ca. 40 cm zeigte sich ebenfalls als eher harmlos. Bei der geringen Flussströmung stellte sie kein Problem dar. Auffallend war der zunehmende grüne Bewuchs je näher man der „Oase“ Herdubreidarlindindir kam.

Herdubreidarlindir bedeutete ja übersetzt „Quellen des Herdubreid“. Mehrere Zweige des klaren Flusses Lindaá  sorgten in der Umgebung für eine Vegetation, die nach meinem kilometerlangen Aufenthalt in der Odadahraun vollkommen unwirklich wirkten. Und dennoch, es gab sie.  Ich fühlte mich nach den über 9 Stunden Tagespensum schon recht abgekämpft, übersehen konnte man diese pflanzliche Idylle aber nicht. An den Ufern der kleinen Bäche standen Exemplare des „Echten Engelwurz“, die bis zu 150 cm groß werden konnten. Die rosa Blüten des „Arktischen Weidenröschen“ säumten fast jeden Weg. Nachstehend mal einige Fotos von meinem Aufenthalt in der Hochlandoase. Den „Warden“ (Platzwart) fand ich an dem Abend in einer jungen Dame, die mit einem Buch in den Händen auf den Knien Pflanzen identifizierte.  Ihren Vater lernte ich erst zwei Stunden später kennen. Was war das für eine Welt? Ich hatte einen wunderschönen Blick auf den Sitz der Götter, freute mich über die geschaffte Tagesetappe und orientierte mich gedanklich schon auf den nächsten Tag.

 

 


  

 Fast 6 Std. reine Fahrzeit für die 34 km Piste bis zur Askja

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
14.08.2008 34 203 300 1150 Camping Drekki

 

Mein erster Blick aus dem Zelt um 07:30 Uhr sah vielversprechend aus.  Wem würde da nicht warm ums Herz, beim ersten Blick aus dem Zelt ein zehn Jahre altes Koga Miyata Rondonneur mit Hänger und im Hintergrund die Herdubreid zu sehen (grins!!!). Und das dann noch bei dem tollen Wetter. Mein heutiges Tagesziel hieß Askja. Die Askja ist ein ca. 50 qkm großer Vulkankrater, der durch mehrere Vulkanausbrüche, die bereits vor 1,5 Millionen Jahren begannen, entstanden ist. Der 12 qkm große Öskjuvatn ist der Kratersee der Askja. Er besitzt eine Tiefe von über 200 m und ist damit der tiefste See Islands. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein zweiter viel kleinerer Krater namens Viti (Hölle), in den man über einen schmalen steilen Pfad hinabsteigen kann. Als Basislager für den Ausflug zur Viti bietet sich in akzeptabler Nähe (ca. 10 km) die Hüttenunterkunft Dreki mit dem zugehörigen Campingplatz an.

Bis zum Campingplatz an der Askja sind nur 34 km zu radeln. Die Piste ist stellenweise relativ grob zu befahren, dürfte aber durchaus in weniger als 4 Stunden zu schaffen sein. Das ich selber für die Tagesetappe fast 6 Stunden benötigte, lag überwiegend an den vielen Fotopausen und kleineren Abstechern zu Fuß. Auf dem nachfolgenden Foto von der Hütte des Platzwartes (Warden) weist nur das kleine Schild unten rechts auf den Weg zur Askja hin. Die Tagesetappe führte quasi südlich im Halbkreis um die Herdubreid herum. Nach ca. 4 km kommt die Piste an zwei Stellen dem Fluss Jökulsá á Fjöllum sehr nah. Beide Gelegenheiten nutzte ich, um mir in einem kurzen Fußmarsch den Fluss näher anzusehen.

Von der weiteren Strecke gibt es nicht viel zu berichten.  Mit Ausnahme einer französischen Reisegruppe, die mir mit einem roten Unimog und Hänger entgegenkam, begegnete mir bis zur Askja kein einziger Mensch. Die Begegnung verlief recht herzlich. Mein Radgespann erzeugte entsprechendes Interesse und war wohl der Grund dafür, dass sie anhielten und mich fotografierten. Am frühen Nachmittag war ich froh, den Campingplatz an der Askja zu erreichen. Irgendwie steckte mir noch die Tour vom Vortag „in den Knochen“.  Nachfolgend noch einige Eindrücke von der Strecke bis zum Campingplatz an der Askja.

Der Campingplatz befindet sich unmittelbar vor dem Eingang zur Drachenschlucht Drekagil. Die Natur hat dort bizarre Gebilde mit Höhlen und Überhängen geschaffen. Wasser und Wind haben riesige Lavabrocken so modelliert, dass manch einer der Gestalt eines Tieres ähneln soll. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Platzwart baute ich mein Zelt auf und erkundete am späten Nachmittag noch ein wenig die Gegend.

 

 

 


 

 Ein Morgen im Sandsturm, Nachmittags Baden im Vulkan (Viti)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
15.08.2008 22 225 400 1550 Camping Drekki

 

Bereits um 05:00 Uhr morgens war die Nacht vorbei!  Geweckt von starkem Prasseln auf die  Zeltwand nahm ich im Halbschlaf zunächst an, dass es sich um einen starken Regenschauer handelte, es regnete aber nicht.  In sehr kurzer Zeit hatte sich ein Sandsturm entwickelt, der mit bis zu 20 m/s den losen Lavastaub über den Campingplatz blies. Das Prasseln erzeugten  Bimssteinkörner, die mit voller Wucht gegen die Zeltwand schlugen. Es wurde ungemütlich im Zelt, die Luft war gefüllt mit feinstem Lavastaub und die Zeltwand drückte immer stärker gegen meinen Oberkörper. In jeder Ecke des Zeltes war der Staub bereits vorgedrungen. Ich steckte die Lenkertasche in eine Plastiktüte um die Digitalkamera zu sichern, kroch aus dem Schlafsack und verlies das Zelt. Es wurde höchste Zeit die Zelthaken mit dicken Lavabrocken zu sichern.

Auf dem Platz war es unruhig geworden. Einige Camper hatten bereits damit begonnen ihr Zelt abzubauen, andere machten es wie ich und sicherten die Zelthaken mit dicken Steinen. Eine Frau lief hinter ihrem Zelt hinterher, dass kurz nach dem sie es verlassen hatte von einem Windstoss einfach weggeblasen wurde. Sehr nachdenklich schaute ich auf mein Zelt! Abbauen oder stehen lassen war hier die Frage. Ich riskierte es und ließ es stehen. Im Schutz des Waschhauses wusch ich mir zunächst den feinen Sand aus den Augen und beobachtete die Szenerie. Vor dem Gebäude standen bereits einige Menschen, die sich vor dem Staub in Sicherheit gebracht hatten.

Genau dort lernte ich an dem ungemütlichen Morgen Hans-Dieter Klinger aus Stockheim kennen, bei dem ich mich auf diesem Wege für seine wertvollen Tipps und nette Unterhaltung bedanken möchte. Hans-Dieter war mit seinem Sohn Philip auf Wandertour und kannte die Region u. a. deshalb so gut, weil er die südlich der Askja befindliche Gaesavatnaleid sydri bereits 1981 bewandert hatte. Schöne Fotos von der damaligen und diesjährigen Tour findet man auf seiner Website www.sonator.de

Philipp lernte ich an dem Morgen erst etwas später kennen. Da saß ich mit seinem Vater bereits in einem der warmen Holzgebäude und beobachtete durch das Fensterglas den Sturm. Was uns nicht gelang, war Philipp anscheidend gelungen, ein wenig länger zu schlafen. An dem frühen Morgen waren noch weitere interessante Menschen auf den Beinen, auf die ich schon vor dem Waschgebäude aufmerksam geworden war. Der NDR (Norddeutsche Rundfunk) war mit einem Kamerateam in Ostisland unterwegs um eine Reportage vorzubereiten, die am 31.08 2008 um 18:00 Uhr im Fernsehen gesendet werde sollte.

Anmerkung: Die Sendung wurde von mir zu Hause aufgezeichnet. Zu sehen sind Hans-Dieter und ich vor dem Waschgebäude, allerdings in großer Entfernung. Wer es nicht weiß, wird uns nicht erkennen. Eine weitere Szene zeigt mein Rad am Boden liegend und den dahinter befindlichem Hänger. Mehrere Stunden verbrachten wir in netter Unterhaltung gemeinsam in der Hütte neben dem Waschgebäude. Der Platzwart hatte die neusten Wettervorhersagen vorliegen und demnach sollte der Sturm um 13:00 Uhr nachlassen. Und er hatte Recht! Auf Island gab es keine langanhaltende Wetterlage.  Es war kaum zu glauben, um die Mittagszeit blies fast kein Wind mehr.

Erst einmal musste das Zelt gereinigt werden. Ca. eine Stunde verbrachte ich damit, um mit einem leicht feuchten Tuch den feinen Staub aus dem Zelt zu wischen. Nachfolgend mal ein paar Fotos. Danach konnte ich endlich mit dem Rad zu meinem geplanten Ausflug zum Viti Krater starten. Ich verabschiedete mich herzlich von Hans-Dieter und Philipp und verließ den Campingplatz. Vom Campingplatz führt eine 8 km lange Stichstraße  zur Askja. Der Weg dorthin verläuft über den Lavastrom Vikrahraun und ist ohne Gepäck relativ gut zu befahren. 300 Höhenmeter sind bis zu einem kleinen Parkplatz zu bewältigen. Er befindet sich  auf einem Felsplateau. Für Hochlandbusse und PKW geht es ab hier nicht mehr weiter. Ich ließ mein Rad dort stehen und schloss mich einer deutschen Wanderergruppe an.

Wie man auf dem nachfolgenden Foto sehen kann, hätte ich die letzten 2 km auch noch mit dem Rad bewältigen können. Die Piste lies sich mit dem Rad durchaus befahren, ich hatte meine Entscheidung aber in Unkenntnis der Strecke bereits gefällt. Und das war gut so. Nette Unterhaltungen folgten mit den Teilnehmern der Wanderergruppe, bis wir gemeinsam vor dem Viti Krater standen und ins Staunen kamen.

Die Hölle ist mit schwefelhaltigem grüngrauem Wasser gefüllt. Wenn man möchte kann man in ihr baden. Ich hatte zwar kein Handtuch dabei, aber das war mir egal. Einige der Wanderer liefen mit mir den steilen nicht ungefährlichen Pfad hinab und stiegen ohne Badebekleidung in die Hölle. Angenehm warm war es im Wasser. Das Gefühl in einem Krater zu baden, der erst 1865 durch einen Vulkanausbruch entstanden war, hatte schon etwas Einmaliges. An den Wänden des Kraters stiegen schwefelhaltige Dämpfe auf.

Die meisten hielten sich im Wasser nicht allzu lange auf. Ich selber nahm mein Kopftuch, wischte damit die dicksten Wassertropfen vom Körper ab und stellte mich kurz in den Wind. Kein Problem trocken zu werden, der Fön blies auch hier unermüdlich. Oben am Kraterrand sammelte sich die Wanderergruppe wieder um zum Öskjuvatn zu laufen. Am Kraterrand des Öskjuvatn ist eine Pyramide aus Lavasteinen aufgeschichtet. Sie soll an zwei Deutsche erinnern. Der Geologe Walther von Knebel und der Maler Max Rudloff waren am 10.07.1907 mit einem Boot auf den Öskjuvatn hinausgefahren und nicht mehr zurückgekehrt. Das Unglück ist bis heute nicht aufgeklärt. In der Steinpyramide befindet sich eine Metallkassette mit einem Gedenkbuch, in das man sich eintragen kann. Eine halbe Stunde Fußmarsch folgte noch, dann stand ich wieder an meinem Rad. Der Rückweg zum Zeltplatz bestand ja nur aus einer Bergabfahrt. Ich lies es aber langsam gehen und fotografiert noch ein wenig.

Am Campingplatz war wieder Ruhe eingekehrt. Die meisten Gäste hatten den Platz verlassen und die Neuankömmlinge konnten es kaum glauben, dass hier vor wenigen Stunden noch ein Sturm tobte.  Ein Blick in Richtung Süden reichte aber vollkommen als Bestätigung aus. Südlich der Askja befindet sich ein ca. 20 km breites Sandurgebiet, das aus feinst gemahlener Lava besteht. Dort stiegen die Staubwolken noch hoch in den Himmel. Von den dahinter befindlichen eisbedeckten Bergen war nichts zu sehen.

An dem Abend schaute ich immer wieder nach Süden. Würde der Wind bis zum Morgen weiter nachlassen? Meine weitere Strecke führte durch das Sandurgebiet und die Bewältigung der anspruchsvollen Piste war nur bei schwachem Wind möglich.

 

 

 


 

 Fast nicht zu glauben, ein 30 km Fußmarsch durch das Sandurgebiet südlich der Askja

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.08.2008 22 247 50 1600 Skalfandarflot (wild)

 

Ich hatte Glück, die eisbedeckten Berge im Süden waren wieder zu sehen. Demnach hatte sich der Sturm im Sandurgebiet ausgetobt. In Gedanken versunken saß ich beim Frühstück und versuchte mir vorzustellen, wie wohl die nächsten drei Tages bis zur Hütte in Nyidalur verlaufen würden. Die Strecke, die mir nun bevorstand, zählte zu eine der härtesten Islandpisten die es gab. 125 km führte sie durch Niemandsland. Keine Einkaufsmöglichkeit und kaum eine Möglichkeit die Wasserreserven zu füllen waren die Randbedingungen, denen ich mich stellen musste. Mit Proviant hatte ich mich reichlich eingedeckt, 8 Liter Wasser befanden sich auf dem Hänger und Rad. Ich wollte es wagen das Sandurgebiet zu durchqueren und über die Gaesavatnaleid Nyrdi nach Nyidalur zu gelangen.

Auf dem folgenden Foto sieht man, dass die Strecke schon zu Beginn nicht besonders gut zu befahren war. Lose Steine erforderten immer höchste Aufmerksamkeit. Einen Sturz wollte ich auf keinen Fall riskieren. Bereits um 08:00 Uhr hatte ich den Campingplatz verlassen, wohlwissend, dass mir vermutlich ein langer Tag bevorstand. Ein ca. 3 km langes Stück bis zum Dyngjuvatn ließ sich bergab auf der Bimsteinpiste noch relativ gut befahren. Danach war der Spaß vorbei. Was dann folgte war die reinste „Katastrophe“! Der Sandsturm hatte die Piste derartig stark zugeblasen, dass die Fahrstrecke teilweise fast nicht mehr erkennbar war. Einzelne Holzpflöcke markierten den Weg und zeigten mir, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Ich versuchte mein Glück und schob mein Gespann mehrere hundert Meter durch den Sand. Es war einfach zu kräftezehrend. Was nun? Abbruch? Rückkehr zu Askja? Nein aufgeben wollte ich noch nicht. Ich verließ die Piste und schob mein Rad zum Dyngjuvatn. Mir war aufgefallen, dass der Sand dort bedingt durch die Nähe zum See feuchter und fester schien.  Radeln konnte ich dort auch nicht, es lies sich aber leichter schieben. Am Ende des Sees war ich ca, 2-3 km weitergekommen.

Warum ich mich an der Stelle dazu entschied nicht zur Askja zurückzukehren, ich weis es nicht mehr. Fakt blieb, dass ich mit Hilfe meines GPS-Gerätes wieder die Piste ins Visier nahm und nach den Holzpflöcken Ausschau hielt. Um überhaupt weiterzukommen löste ich den Hänger vom Rad und zog ihn durch den losen Lavasand hundert Meter weiter. Danach kehrte ich zum Rad zurück und schob das Rad in der leicht angedrückten Lavaspur zum Hänger. Eigentlich vollkommen verrückt, aber es klappte, ich kam voran, wenn auch sehr langsam.  Nachdem ich in dieser Art und Weise gut eine Stunde unterwegs war, rechnete ich mir zeitlich aus, dass ich das Ende des Sandurgebietes ungefähr zwischen 17:00 Uhr und 18:00 Uhr erreichen müsste. Der Wille war vorhanden! Ich wollte diese Wüste unbedingt durchqueren.  

Mehrere Stunden war ich so bereits unterwegs, als ich in der Ferne etwas wahrnahm, das sich augenscheinlich auf mich zu bewegte. Eine viertel Stunde später stand die „Fatamorgana“ vor mir. Sie hieß Alessandro und war mit Rucksack und 25 kg Gepäck zu Fuß unterwegs. Er wollte an dem Tag noch bis zur Askja laufen.

Danach ging es weiter! 100 Meter den Hänger ziehen, in lockeren Schritt zurück und wieder das Rad gestemmt. Der Rhythmus war mir bereits „in Fleisch und Blut“ übergegangen, meine Füße waren an den Fersen bereits blutig, als mir 2 km vor dem Ende des Sandurgebietes wohl ein „Engel“ zur Hilfe kam. Der „Engel“ kam in Form von drei Allradfahrzeugen, deren Insassen anhielten um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkunden. Ich war gerade damit beschäftigt meine Wasserflaschen am Rad zufüllen und meine Schuhe vom Lavasand zu befreien, als sie vom Wind übertönt fast geräuschlos neben mir hielten. Der Wind hatte am späten Nachmittag wieder zugenommen und ich strahlte über beide Backen, als sie mir ihr Hilfsangebot unterbreiteten mich einige Kilometer mitzunehmen.

Die spanische Adventure-Truppe war mit eigenen Toyota Landcruisern unterwegs. Ein Platz war im Wagen von Enrique noch frei und mein Rad sowie Gepäck wurden auf die Fahrzeuge verteilt. 30 km kräftezehrende Laufstrecke im Lavasand hatte ich an dem Tag bereits absolviert. Die Uhr zeigt bereits 18:00 Uhr als ich mich überglücklich auf dem Beifahrersitz neben Enrique niederließ und meine lädierten Beine streckte. Danke Paula!, Danke Jorge!, Danke Enrique!, Danke Ana!, Danke Luis! Gibt es tollere menschliche Begegnungen? Ich konnte es immer noch nicht fassen, als wir ein bis zwei Kilometer weiter auf die Gaesavatnaleid Sydri einbogen und mir Enrique eine kalte Pepsi Cola in die Hand drückte.

Meine Wegstrecke führte eigentlich über die Gaesavatnaleid Nyrdi also der Nordroute. Da beide Strecken aber wieder zusammentrafen, war mir das nach dem anstrengenden Tag egal. Mit Paula und Jorge hatte ich mich abgestimmt. Sie würden mich an der Stelle wo die Nord und Südroute zusammentrafen am späten Abend absetzen. Mein Tag war noch nicht beendet. Was dann folgte war ein Erlebnis der besonderen Art. Noch nie war ich in meinem Leben mit einem Geländewagen gefahren bzw. mitgefahren.  In zügigem Tempo fuhren die drei in südwestlicher durch das Schwemmlandgebiet. Nachstehend mal einige Fotos von der abendlichen Tour.

Immer wieder die Tiefe des Flusses kurz abschätzend bewegten sie sich für meine Begriffe sehr professionell durch das Schwemmlandgebiet. Und dennoch blieb Luis mit seinem Fahrzeug trotz hinzugeschaltetem Allradgetriebe an einer tieferen Stelle stecken. Mit einem langen Seil und einer Seilwinde befreite ihn Jorge aus seiner misslichen Lage. Weil er für diesen Zweck auf festem Untergrund stehen bleiben musste, war die Entfernung schon recht groß. Mehrere Seile mussten deshalb miteinander verbunden werden.

Die weitere Strecke führte durch das hügelige Terrain  des Urdarhals bis an den Rand eines Vulkankraters und zur Hütte „Kistufell“. Die Hütte war mit Holzkeilen verriegelt, die aber zwecks Übernachtung problemlos hätten entfernt werden können. Wenn ich mir das nachfolgende Foto ansehe und rückblickend an die mit dem Allrad gefahrene Strecke denke, dann kann ich persönlich nur zu der Einschätzung kommen, dass es extrem schwierig ist, die Gaesavatnaleid Sydri mit dem Rad zu bezwingen. Mit Hänger auf keinen Fall, ich denke selbst mit einem MTB und Minimalgepäck dürfte die Tagesanforderung extrem hoch sein. Respekt vor denjenigen, die diese Piste bereits unter die Räder genommen haben.

Um 20:00 Uhr, ziemlich genau 12 Stunden nach meinem morgendlichen Start an der Askja, erreichten wir den Straßenabzweig, der die Nord- und Südroute der Gaesavatnaleid wieder zusammenführt. Er befindet sich kurz vor der Brücke über den Fluss Skjalfandarfljot. Nur wenige Stunden hatten wir miteinander verbracht und dennoch ist mir eine herzliche Verabschiedung in Erinnerung geblieben, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Zum Schluss fotografierten wir uns noch gegenseitig und tauschten unsere Emailadressen aus.

Tja und dann stand ich plötzlich wieder alleine in der Steinwüste. Ich sucht mir einen etwas geschützten Stellplatz in der Nähe des Flusses, baute das Zelt auf und kochte mir erst einmal eine warme Suppe. Danach mussten die Füße versorgt werden. Mehrere offene blutige Blasen hatten die Socken bereits mit Blut verschmiert und mussten entsprechend behandelt werden. Danach fühlte ich mich etwas besser.  Daran ein Foto zu machen, dachte ich an dem Abend gar nicht mehr. Das nachfolgende Foto vom Stellplatz habe ich erst am folgenden Morgen gemacht.

Am Abend erschienen noch zwei alte Allradfahrzeuge, die mir bereits an der Askja aufgefallen waren. Optisch waren sie auch kaum zu übersehen. Es handelte sich um zwei deutsche Pärchen aus Rosenheim und Umgebung, die auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz waren. Nachfolgend ein Foto von dem alten roten Unimog und dem weißen Hanomag. Um 09:30 Uhr kroch ich nach einem kurzen Gespräch mit meinen Nachbarn in den Schlafsack und fiel in einen 12-stündigen Schlaf.

 

  

 

 


 

 Ein Tag der Furten oder auf nach Nyidalur

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.08.2008 30 277 250 1850 Hütte Nyidalur

 

Die Sonne schien in voller Pracht, als ich den Kopf nach einem erholsamen langem Schlaf durch die Zeltöffnung steckte. Ich fühlte mich wieder einigermaßen fit. Die Füße schmerzten beim Anziehen der Radschuhe zwar noch, aber das würde auch vergehen. Ein viertelstündiges Gespräch ergab sich noch mit meinen Übernachtungsnachbarn, danach wurde die Ausrüstung verpackt. Wie man früher ohne vorhandene Brücke über den Skjalfandarfljot gekommen war, war mir ein Rätsel. In weiterem Umkreis der Straße sah ich keine geeignete Flachstelle und der Fluss war ziemlich reißend. Ich hatte die Brücke kaum überquert, da führte der Weg auch schon steil bergauf. Auf dem nächsten Foto stehe ich bereits auf der Bergkuppe, die schweißtreibend erarbeitet werden musste. Tief unten war von dort bereits der Fluss zu sehen, den ich als erstes Hindernis  durchqueren musste.

In Erinnerung an meinen Sturz im Vorjahr rollte ich den steilen Hang sehr langsam hinunter. Auf den losen Steinen konnte mein Vorderrad sehr schnell wegrutschen. Die Strömung war an der ersten Furt nicht sehr stark. Das Rad ließ sich gemeinsam mit dem Hänger durch den Fluss drücken. Der Wind hatte am Morgen leider wieder mächtig zugenommen. Er blies schon seit mehreren Tagen immer aus derselben Richtung und kam immer von vorn. Verbunden mit dem hügeligen Terrain kam ich nur langsam vorwärts. Um 12:30 Uhr hatte ich erst die Hälfte der gesamten 30 Tageskilometer und zwei Furten hinter mich gebracht.

Die dritte Furt, vor der ich um ca. 13:00 Uhr stand, war ungefähr 40 cm tief und besaß eine recht starke Strömung. Ich lief den Fluss entlang um eine geeignete Stelle zum queren zu finden. Die Stärke der Strömung testete ich an verschiedenen Stellen, in dem ich ein paar Schritte ins Wasser lief.  Keine leichte Wahl, aber irgendwann fiel einfach eine Entscheidung. Beim Furten zerrte und drückte das Wasser mächtig an den Radtaschen, so dass ich gut aufpassen musste, nicht die Balance zu verlieren. Das Rad verlor bei der Aktion kurz die Bodenhaftung, weil die Taschen aufschwammen. Mit meinem ganzen Körpergewicht hielt ich das Rad in Balance und drückte es durch die Fluten. Nach einer guten Minute war der Kampf gegen die Strömung geschafft.

Ich war kaum auf der anderen Seite, als ich zurückblickend sah, dass auf den hinter mir liegenden Hügeln der rote Unimog und der weiße Hanomag erschienen. Zeit genug, um mit meinen Nachbarn der letzten Nacht ein paar Worte zu wechseln, hatte ich ja. So schaute ich ihnen beim Furten zu und machte noch ein paar Fotos. Die weiteren 9 km bis zum Erreichen der Sprengisandur (F26) führten auf weiterhin welligem Terrain am Tungnafellsjökull entlang. Er lag in Blickrichtung links von mir und war mit einer Höhe von 1520 m schon recht eindrucksvoll. Auf der Strecke kam mir noch ein französisches Pärchen mit einem Allradfahrzeug entgegen. Sie wollten unbedingt alles über meine Tour erfahren. Der krönende Abschluss der Unterhaltung bestand darin, dass sie mir eine kleine kalte Dose Bier schenkten. Eine nette Geste, über die ich mich sehr freute. Das auf Island eher seltene Exemplar verschwand in einer der Radtaschen. Später würde das Bierchen sicherlich mein Abendessen bereichern.

Um kurz vor 15:00 Uhr war der einsamste Teil der Strecke zwischen Askja und Nyidalur geschafft. Ich stand am Straßenabzweig zur Sprengisandur (F26), schaute auf die vorletzte Furt des Tages und fühlte mich etwas geschafft. Das Hochland hatte in den letzten Tagen mächtig an meinen Kräften gezehrt. Der ständige Gegenwind und das Sandurgebiet hatten mich dermaßen ausgelaugt, dass ich mich schon wunderte, überhaupt bis hierher gekommen zu sein. Die vorletzte Furt war zwar breit und tief, besaß aber eine mäßige Strömung. Auf einen Kraftakt wollte ich mich nicht mehr einlassen, deshalb trennte ich den Hänger vom Rad und lief zweimal durch den Fluss. Je näher ich Nyidalur kam, je mehr nahm die Vegetation zu. In den Hütten von Nyidalur gibt es 160 Schlafplätze. Reisegruppen, die das große Hochlandabenteuer gebucht haben, übernachten dort, um tags darauf ihrer jeweiligen Route zu folgen. Von Nyidalur aus kann man interessante Tageswanderungen unternehmen, die durch das Jökuldalur oder durch das Gletschertal bis an den Rand des Tungnafellsjökull führen.

Ich selber stand mit meinem Gespann auf der Kuppe des letzten Hügels, blickte hinab auf die Hütten von Nyidalur und freute mich, meinen Zielort fast erreicht zu haben. Die letzte Furt ließ sich zügig in einem Gang queren. Danach ein paar Meter hinauf und schon war ich am Ziel. Der Platzwart (Warden) stand bei meiner Ankunft auf einer Leiter und strich mit einem Pinsel die Giebelwand des Hauses. Bei der Wetterlage sicher die ideale Beschäftigung.

Meine Ankunft wurde kaum wahrgenommen. In der Hütte, wo sich auch ein kleiner Raum für den Platzwart befindet, war es ruhig. Mein nächster Blick fiel  in einen großen Schlafsaal. Tische und Stühle standen in der Mitte und ein paar  Gäste unterhielten sich oder beschäftigten sich anderweits. In der Küche brutzelte sich noch jemand etwas, ansonsten war es ruhig.

Etwas später erschien der Warden im Gebäude und wies mir einen Schlafplatz im oberen Stock zu. Mir war es recht, oben herrschte absolute Ruhe. Ich konnte meine Sachen sortieren und mich so richtig breit machen. Die Duschen befanden sich in einem gesonderten Gebäude, was aber nicht sonderlich störte.

Im Gebäude lernte ich noch zwei nette junge Wanderer kennen. Christoph Zischek und Dominic Rauschning waren mit Rucksäcken auf Island unterwegs und wollten am darauffolgenden Tag auf der Sprengisandur nach Norden wandern. Geplant war eine 6-tägige Wanderung bis zum Godafoss. Davor waren sie bereits von der Küste nach Landmannarlaugar gewandert. Mit den beiden verbrachte ich den größten Teil des Abends um über Island und „Gott und die Welt“ zu plaudern. Danke für den netten Abend.

Anmerkung: Aus der Jugendherberge in Akureyri erhielt ich wenige Tage nach meiner Heimkehr eine Mail. Die Beiden hatten ihre Strecke geschafft und waren wohlbehalten in Akureyri angekommen.

 

 

 

 


 

 Mit dem Hochlandbus nach Hrauneyjar

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.08.2008 0 277 0 1850 Hotel in Hrauneyjar

 

Die Entscheidung fiel am Morgen! Ein Pausentag musste her. Meine Füße waren an den Fersen noch nicht verheilt. Meine  Finger waren rissig und schmerzten sobald ich irgendeinen Gegenstand ergriff. Natürlich Folgen des ständigen Windes und der damit verbundenen Austrocknung der Haut. Am Abend zuvor hatte ich schon im Eingangsbereich der Hüttenunterkunft den Busfahrplan hängen sehen. Der Gedanke, mit dem Hochlandbus nach Hrauneyjar zu fahren und ein paar Stunden zu relaxen war schnell dar. Die weitere Strecke über den Sprengisandur war landschaftlich relativ gleichförmig. Insofern machte es mir die Entscheidung leichter.  Der Wunschgedanke mal wieder Asphalt unter die Räder zu nehmen kam dann noch hinzu.

Viel Zeit hatte ich an dem schönen Morgen! Nachdem die Entscheidung einmal gefallen war, unterhielt ich mich noch einige Zeit mit Christoph und Dominic. Sie waren gerade dabei sich für den Marsch in den Norden zu rüsten. Danach sortierte ich ein wenig meine Ausrüstung und genoss das tolle Wetter. Später lief ich noch ein wenig in der näheren Umgebung umher und fotografierte bis es Zeit war sich für den Bus zu rüsten. Der Hochlandbus erschien pünktlich. Er hatte eine Aufenthaltszeit von 30 Minuten, so dass ich mein Gepäck in aller Ruhe verstauen konnte.

Von der Fahrt über den Sprengisandur gibt es relativ wenig zu berichten. Auf der Fahrt unterhielt ich mich lange Zeit mit einem Deutschen, der seit einigen Monaten in der Walfangstation in Husavik arbeitete und fotografierte ein wenig die Landschaft. Er erzählte mir einiges über geplante isländische Kraftwerksprojekte, die es seiner Ansicht nach zu verhindern galt. Aktuell gab es auf Island wohl große Diskussion über das Thema. Die Gegner der Projekte wollten verständlicherweise die Natur erhalten, die Befürworter Arbeitsplätze schaffen. Auf einem Berg noch vor dem Kvislavatn hielt der Bus, so dass alle aussteigen konnten, um den tollen Blick auf den Hofsjökull zu genießen.

Anmerkung:
Die weiteren Fotos, die ich unterwegs durch die Glasscheibe des Busses machte, sind qualitativ nicht besonders gut ausgefallen. Aus diesem Grund habe ich sie hier auch nicht im Bericht veröffentlicht.

Bei der Ankunft in Hrauneyjar direkt vor einem „Hotel“ montierte ich zuerst wieder mein Rad und hielt danach Ausschau nach einem Campingplatz.  In meiner Papierkarte, die ich trotz GPS immer mit mir führte, war ein Campingplatz eingetragen. Ein Hinweisschild war aber nirgendwo zu sehen. In der Reception des Hotels konnte man mir auch nicht helfen. Angeblich gab es dort keinen Platz (Konnte natürlich auch Eigeninteresse gewesen sein!).  Lange radeln wollte ich am Abend auch nicht mehr, deshalb blieb ich im „Hotel“. Den Begriff Hotel habe ich hier bewusst in Anführungsstriche gesetzt, weil isländische Hotels in der Regel nicht mir europäischen zu vergleichen sind. In meinem Fall handelte es sich um eine Containerlösung, bei der sich Dusche und WC auf dem Flur befanden. Mein Zimmer war ungefähr 2,5m x 3m groß, ein Schrank fehlte und als einzige Sitzgelegenheit gab es einen kleinen Stuhl. Das für umgerechnet 43 Euro ohne Frühstück fand ich schon ziemlich heftig, zumal die Campingplatzgebühren bei 7,5 € pro Nacht lag. Ich tröstete mich mit der Überlegung, dass es sich nur um eine Nacht handelte, danach war das Thema für mich abgeschlossen.

Den Abend verbrachte ich im „Hotelrestaurant“ und aß eine Kleinigkeit. Leider gab es dort mit Ausnahme des Salatbuffet fast nur Fastfood, also Hamburger und Pommes Frites, zu essen. Eine Eigenheit, die die Isländer wohl leider von den Amerikanern übernommen hatten. Danach, ich schrieb gerade ein paar Zeilen in mein Tagebuch, erschien noch ein weiterer Radler im Restaurant. Er hieß Andreas S., er hatte mein Rad draußen stehen sehen und anschließend nach dem Besitzer Ausschau gehalten. Anhand meiner Lenkertasche war ich natürlich schnell identifiziert. Gemeinsam quatschten wir den Abend über unsere Radtouren und ließen den Abend in Ruhe ausklingen.

Anmerkung: Vom Hotel und vom Aufenthalt am Abend habe ich leider kein Foto. Ich habe es einfach vergessen, zu fotografieren.

 

 

 


 

 Idylle am Gjarfoss, Hjalparfoss und in Stöng

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.08.2008 80 357 50 1900 Camping Laugaras

 

Das Frühstück für ca. 5,- € ging absolut in Ordnung. Viel Zeit ließen wir, Andreas Schönberger  und ich uns an dem Morgen. Mehrmals liefen wir zum Buffet, um reichlich gestärkt unsere jeweilige Tagestour beginnen zu können. Andreas war mit einem MTB und Minimalgepäck unterwegs und wollte an dem Tag auf eine Piste schwenken, die ihn zur Hekla führte. Unser gemeinsamer Weg bestand deshalb nur aus ein paar Kilometern auf asphaltierter Straße. Ich selber freute mich darauf mal wieder Asphalt unter die Räder zu bekommen.

Draußen beim Rad beladen sah ich dann auch zum ersten Mal seine technische Errungenschaft, die er abends zuvor so begeistert beschrieben hatte. An seinem Flaschenhalter befestigt, befand sich ein Spot-GPS-Tracker. Das Gerät diente dazu um im Notfall via Satellit Hilfe anfordern zu können. Der eigene Standort wurde zyklisch an eine Zentrale gesandt, die wiederum im Notfall entsprechende Hilfe rufen würde. Ideal also, wenn man in Regionen unterwegs war, wo es keinen Mobilfunkempfang gab. Wie man auf dem nachfolgenden Foto erkennen kann, war es an dem Morgen etwas bewölkt, aber trocken. Ich hatte mich von Andreas bereits nach 5 km verabschiedet und radelte auf den Straßen mit Nr. 26 und 32 nach Südwesten. Nach ca. 5 km auf der Str. 32 stand ich auf der großen Brücke über den reißenden Fluß Pjorsa.

Etwa einen Kilometer weiter befindet sich eines der großen Kraftwerke Islands. Das Kraftwerk wurde direkt in den Berg gebaut. Versorgt wird es mit Wasser, das durch einen künstlich angelegten Kanal fließt. Ich fand beides nicht gerade sehenswert, zumal hier sehr viel von der ursprünglichen Natur zerstört worden war. Trotzdem mal ein paar Fotos. Mein nächstes Tagesziel hieß Stöng. Stöng ist ein alter Bauernhof, dessen Grundmauern erst 1939 wieder ausgegraben wurden. Der Hof und das ganze Tal wurden durch einen verheerenden Ausbruch der knapp 20 km entfernten Hekla bereits im Jahr 1104 verschüttet. Heute befinden sich die Hofruinen unter Denkmalschutz.

Der eigentliche Zufahrtsweg nach Stöng befindet sich knapp 15 km hinter der Pjorsa-Brücke. Dies gilt aber nur, sofern man auf der Str. 32 weiterradelt. Ich selber bevorzugte die Piste, auf die man bereits nach 3 km hinter der Pjorsa-Brücke abzweigen kann. Wenn man auf die nachfolgenden Schilder am rechten Straßenrand achtet, lässt sich der Abzweig nicht verfehlen.

Ich weise hier bewusst auf diesen Abzweig hin, weil er mich in eine landschaftliche Idylle führte, die ich auf der Karte noch gar nicht wahrgenommen hatte. Mit dieser Wahl war ich zwar wieder auf einer Piste und nicht asphaltierten Strecke unterwegs, aber es war nun mal so: Die Highlight Islands befanden sich meist abseits der asphaltierten Straßen.

Auf dem Nebenweg wurde ich kurze Zeit später von einem einzelnen PKW überholt, aus dem jemand grüßte. Ich war mir in dem Moment nicht sicher, meinte aber deutsche Stimmen gehört zu haben. Da sie nicht anhielten, radelte ich ihnen in Ruhe hinterher. Etwas später sah ich den Wagen abseits von meiner eigentlichen Route an einem Stichweg stehen. Ich wurde neugierig und kurbelte dem Stichweg folgend bis zum dort parkenden PKW. Es musste doch einen Grund geben, warum sie dorthin gefahren waren. Der Grund hieß „Gjarfoss“ und dieser war von einer landschaftlichen grünen Schönheit umgeben, die es auf Island wohl eher selten gab. Nachstehend mal einige Fotos von der Umgebung. Das Pärchen das zum PKW gehörte traf ich unten am Wasserfall. Es waren tatsächlich Deutsche, mit denen ich mich noch kurz unterhielt. Bis zum Hof Stöng war es dann nicht mehr weit. Die Wegstrecke war allerdings auf dem letzten Kilometer kaum befahrbar.

Zwischen meiner befahrenen Piste und Stöng befindet sich ein Fluss (Rauda), den man eigentlich furten muss. Schwenkt man vor dem Erreichen der Furt auf dem Weg nach links, findet man eine Holzbrücke für Fußgänger.  In unmittelbarer Nähe befindet sich auch der Parkplatz, auf dem die PKW parken, die über den eigentlich südlichen Anfahrtsweg anreisen. Mein Rad stellte ich rechts vor der Holzbrücke ab. Bis zum Hof Stöng waren nur noch wenige hundert Meter zu laufen.

Über die Tatsache, ob derartige Grundmauern besonders sehenswert sind, mag sich jeder sein eigenen Urteil bilden. Ich selber fand es historisch interessant, hielt mich aber dennoch nicht allzu lange dort auf. Über den eigentlichen südlichen Anfahrtsweg verließ ich Stöng. 6 km weiter müsste ich wieder auf asphaltiertem Grund stehen. Ich war kaum wieder auf die Str. 32 eingebogen, da entdeckte ich den Hinweis zum Hjálparfoss. Er liegt etwa 1 km abseits der Straße. Ich hatte Zeit und kurbelte die kurze Strecke über hügeliges Terrain bis zu einem kleinen Parkplatz. Er befindet sich direkt vor dem Wasserfall. Der Fluss Fossa stürzt dort über knapp 10m tief in einen Basaltkessel, bevor er in die Pjorsa mündet.

Etwa 6 km weiter traute ich erst meinen Augen nicht. Es gab auf Island doch tatsächlich noch Wald. Es handelte sich aber nicht um einen alten Wald, sondern um ein Aufforstungsprogramm, das seit ein paar Jahren zu ersten Erfolgen führte. Nachfolgend noch ein paar Fotos von meiner Weiterfahrt bis Arnes. Der Ort bot sich als Zwischenstop für eine verspätete Mittagspause an.

Arnes ist ein sehr kleiner Ort, der in manchen Karten gar nicht verzeichnet ist. Allerdings gibt es dort  an der Straße eine Tankstelle mit zugehörigem Supermarkt und ein Fastfood Restaurant. Ich kaufte im Supermarkt ein paar Lebensmittel, aß ein Eis und pausierte dort kurz. Im Ort gab es ansonsten nicht viel zu sehen. An dem nachfolgenden Straßenschild bog ich nach links ab, um ein kurzes Stück der Straße 30 zu folgen. Danach führte mein Weg noch auf der Straße 31 über 10 km nach Norden. Mein gewähltes Tagesziel hieß Laugaras. Bevor man den Ort erreicht, überquert man auf einer Brücke  den breiten Fluss Hvita. In Laugaras gibt es mehrere Campingplätze. Ich wählte den direkt am Ortseingang liegenden. Es war dort sehr ruhig. Zum Platz gehört ein Hotel mit einem Restaurant in dem ich den Abend verbrachte.

 

 

 


 

 Der Bischofssitz von Skaltholt und am Ringkrater Kerid

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.08.2008 44 401 200 2100 Camping Selfoss

 

Den Abend zuvor hatte ich noch lange über die weitere Streckenführung nachgedacht. Ursprünglich hatte mein Plan darin bestanden, noch einmal nach Landmannarlaugar zu radeln. Im Südwesten war das Wetter in den letzten Tagen aber sehr schlecht gewesen. Aus diesem Grund hatte ich bereits in Hrauneyjar davon Abstand genommen. Wer den Bericht meiner Islandtour des letzten Jahr gelesen hat, der wird sich möglicherweise daran erinnern, dass mir zum Schluss etwas Zeit fehlte, um die Westmännerinseln zu besuchen. Daher war die Idee schnell geboren. In diesem Jahr wollte ich es versuchen. Mein Tagesziel hieß allerdings erst einmal Selfoss. Mein erster Zwischenstop befand sich nur 4 km von Laugaras entfernt. Es handelte sich um den Bischofssitz Skalholt.

Skalholt war im Mittelalter wohl das geistige Zentrum Islands. Dort residierten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 32 Bischöfe. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Bischofssitz größtenteils durch ein Erdbeben zerstört und deshalb nach Reykjavik verlegt. Die heutige etwas nüchtern wirkende Kirche wurde erst 1963 eingeweiht. Sie soll in ihrer Form an eine hölzerne Kathedrale aus dem 17. Jahrhundert erinnern. Der Bischof Jón Árason und seine beiden Söhne wurden in Skalholt hingerichtet, ein Gedenkstein auf der östlichen Straßenseite erinnert daran. Warum sie hingerichtet wurden, konnte ich allerdings nicht in Erfahrung bringen. Übersetzt bedeutet der Text wohl, dass der Bischof Jón Árason hier sein Leben (Lifid) für seinen Glauben (Tru) ließ. Ich lief noch ein wenig über das Gelände und schaute mir die Kirche und den kleinen Friedhof an.

Zwei bis drei Kilometer hinter Skalholt mündet die Straße 31 in die Straße 35. Von dort aus geht es fast nur noch geradeaus bis nach Selfoss. Auf dem Weg dorthin gab es noch drei Stops. Einmal am 3000 Jahr alten Explosionskrater Kerid und an einem kleinen aufgeforsteten Wäldchen. Das dritte Mal hielt ich an einer Bank. Von dort hatte ich bei dem tollen Wetter einen schönen Blick auf den Fluss Hvita, sowie Hekla und Umgebung.

Den 4300 Einwohner zählenden Ort Selfoss erreichte ich bereits am frühen Nachmittag. Bei der geringen Einwohnerzahl würde man nie vermuten, dass es sich bei dem Ort um das Handel- und Dienstleistungszentrum des Südens handelt. Im dem für deutsche Verhältnisse kleinen Ort befindet sich die größte Molkerei Islands. Mitten im Ort gibt es darüber hinaus eine große Touristikinformation, der ich einen Besuch abstattete. Ich hatte am Nachmittag nach meinen nur 43 Tageskilometern noch viel Zeit um mich dort über die Fährverbindungen zu den Westmännerinseln zu erkundigen. Die Fähre fuhr um 12:00 Uhr Mittags am darauffolgenden Tag. Ein Grund mit, auf dem Campingplatz in Selfoss zu übernachten. Am Morgen darauf waren die knapp 30 km bis zum Fährhafen in Porlakshöfn locker zu radeln.

Auf dem Campingplatz lernte ich an dem Abend noch Jörg Hentschel kennen. Er war von Beruf Fotograf und lebte in Berlin. Jörg erschien zeitlich etwas nach mir auf dem Platz und war „natürlich“ auch mit dem Rad auf Island unterwegs. Gemeinsam liefen wir noch zu einem Supermarkt um einige Einkäufe zu tätigen. Den Abend verbrachten wir im warmen Aufenthaltsraum des Campingplatzes, der relativ neu schien.

Die Räumlichkeiten wurden u. a. von einer französischen Reisegruppe genutzt die, wie halt in Frankreich üblich, in mehreren Gängen aß. Alles wurde natürlich selber in der angrenzenden Küche gezaubert. Neben ihrem Essen wurde auch reichlich Wein getrunken. Die Kisten schienen sie von zu Hause mitgebracht zu haben. Auf Island war Wein kaum bezahlbar. Jörg und ich quatschten den ganzen Abend miteinander. Der Gesprächstoff schien uns nicht auszugehen. Zu uns gesellten sich noch zwei Frauen, die nur für fünf Tage auf Island unterwegs waren. Sie wollten am folgenden Samstag den Marathon in Reykjavik laufen.

 

 

 


 

 Von Selfoss nach Porlakshöfn und mit dem Schiff nach Heimaey

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.08.2008 47 448 50 2150 Camping Heimaey

  

Jörg hatte es abends vorher schon angedeutet, laut neuester Wetterlage sollte das Wetter in den nächsten Tagen schlechter werden.  Es regnete zwar an dem Morgen noch nicht, aber von dem strahlenden Sonnenschein des Vortages war nichts mehr zu sehen. Nach einer herzlichen Verabschiedung von Jörg, radelte ich auf einer langen Geraden (Str.34) in Richtung Süden. Im dem kleinen Ort Eyrarbakki (550 Einwohner), der direkt am Meer liegt, gibt es das einzige Gefängnis Islands.  Es war auf meiner Anfahrt schon von weitem zu sehen, weil es das einzige große Gebäude und von einem hohen Zaun umgeben ist.

Eyrarbakki war bis zum Ende des letzten Jahrhunderts noch der größte Fischfangort der Südküste, obwohl der Ort über keinen Hafen verfügte und die Fischer von Porlakshöfn auslaufen mussten. Eine mögliche Erklärung fand ich nur darin, dass das Gewässer in Eyrarbakki zu flach war um einen Hafen zu bauen. Ich folgte der Str. 34 nach Westen, radelte über die Brücke der Hvita und kurbelte am Meer entlang bis zum Straßenabzweig nach Porlakshöfn. Kurz nach 11:00 Uhr wurde ich am Ortseingang „persönlich“ willkommen geheißen.

Grund genug bei der noch verfügbaren Zeit ein wenig durch den Ort zu radeln. Ich schaute noch einmal an dem Campingplatz vorbei, auf dem ich im letzten Jahr übernachtet hatte und radelte dann zum Hafen. Porlakshöfn ist nicht gerade groß. Der Ort besitzt 1200 Einwohner und lebt im Wesentlichen vom Fischfang und der Tatsache, die einzige Fährverbindung zu den Westmännerinseln zu besitzen. Die Herjólfur, mein Schiff zu den Inseln, lag bereits am Anlegesteg. Es war wohl kurz vorher angekommen. Die PKW wurden gerade erst entladen.

Mein Rad kam mit in den Laderaum, in den die PKW hineinfuhren. Damit es während der Fahrt nicht umfiel, drückte mir einer der Arbeiter dicke Riemen in die Hand. Mit den Riemen ließen sich Rad und Hänger sicher an der inneren Schiffswand fixieren. Die Fähre verließ pünktlich um 12:00 Uhr Porlakshöfn. Während der drei Stunden dauernden Überfahrt machte ich es mir im Aufenthaltsraum gemütlich oder fotografierte eifrig. Nachfolgend mal einige Fotos von der Überfahrt.

Zur Inselgruppe der Westmännerinseln (Vestannaeyjar) gehören 15 Inseln, die sich zwischen 10 und 30 km vom isländischen Festland entfernt befinden. Die größte und einzig ständig bewohnte ist die Insel Heimaey. In den Hafen des gleichnamigen Ortes Heimaey lief die Herjólfur bei meiner Ankunft ein.

Die Hauptinsel der Westmännerinseln ist ca. 6km lang und max. 3 km breit. Auf ihr leben heute rund 5000 Menschen. Bekannt wurde die Insel durch die westlichen Medien im Jahr 1973. Damals brach in unmittelbarer Nähe der Stadt der Vulkan Helgafell aus, der davor 5000 Jahre inaktiv gewesen war.  Aus einer fast 2 km langen Spalte flossen damals Lavamassen mit einer Geschwindigkeit von 100 m pro Stunde ins Meer. Gleichzeitig bedrohten sie den Hafen und vernichteten ca. 70 Häuser des Ortes. Die 5000 Einwohner der Stadt konnten zwar alle rechtzeitig zum Festland gebracht werden, die Folgen waren dennoch verheerend. Um die Insel nicht vollständig zu verlieren, kam man damals auf die Idee, die fließende Lava mit Wasser zu kühlen. 4500 Kubikmeter Meerwasser wurde mit Pumpen stündlich auf den Lavastrom gesprüht, um die Hafeneinfahrt und Teile des Ortes zu retten, und das über mehrere Monate.

Es gelang, die Hafeneinfahrt war zwar 700 m enger geworden, gilt deshalb aber wohl heute als einer der sichersten Häfen. Nach einiger Zeit floss nur noch an einer Stelle Lava aus der Spalte. An dieser Stelle entstand damals der neue Vulkan Eldfell, er besitzt eine Höhe von 215 m. Ein Drittel der Häuser Heimaeys, ca. 400, wurden damals unter einem meterdicken Ascheregen begraben. Als die Bewohner damals nach mehreren Monaten auf ihre Insel zurückkehrten, gruben sie viele Häuser wieder frei.  70 Häuser blieben aber für immer unter der Lava begraben.

Beim Verlassen des Schiffs folgte ich der Ausschilderung zum Campingplatz. Er befindet sich im Herjolfsdalur (Dalur = Tal), einem kleinen Tal im Westen der Insel. Bis dorthin war es nicht weit. Ich radelte über eine kleine Bergkuppe, schwenkte nach rechts und blickte auch schon auf einige kleine Zelte, die auf einem hügeligen Rasenplatz standen. Schnell war das Zelt aufgebaut, etwa zeitgleich fing es leicht an zu regnen.

 Der Campingplatz befindet sich in einem Talkessel und ist an der einen Seite von einem u-förmigen Berg umgeben. Eine sehr geschützte Lage, die auch schon vor 1100 Jahren erste Siedler bewogen haben muss, sich an dieser Stelle anzusiedeln. Siedlungsreste aus dieser Zeit kann man sich direkt auf dem Campingplatz ansehen. Am Nachmittag radelte ich ein wenig durch den Ort, floh immer mal wieder in ein Cafe um mich vor dem Regen zu schützen und schaute mir die riesige Lavafläche an, die 1973 entstanden war. Nachstehend noch einige Fotos von meinem Ausflug.

Am frühen Abend floh ich vor den stärker gewordenen Regenschauern in eine Pizzeria, verbrachte dort einige Zeit, um mich aufzuwärmen, kehrte aber bereits vor 21:00 Uhr zum Campingplatz zurück. Ich hatte, wenn auch in wenigen Stunden, gesehen was ich sehen wollte. Am nächsten Morgen würde mich die Herjólfur bereits um 08:00 Uhr wieder zum Festland bringen.

 

  

 


 

 Von Heimaey aus zurück zum Festland und per Rad nach Reykjavik

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.08.2008 51 499 350 2500 Camping Reykjavik

 

Sehr früh wurde es an dem Morgen unruhig auf dem Platz. Viele Camper waren bereits auf den Beinen, um rechtzeitig die um 08:00 abfahrende Fähre zu erreichen. Es regnete mal nicht, deshalb frühstückte ich nur kurz, baute das Zelt ab und verstaute meine Sachen. Bereits um 07:30 Uhr stand ich am Hafen. Das Schiff verließ den Hafen mit 15 Minuten Verspätung. Bei drei Stunden Fahrt würde es etwa um 12:15 Uhr Porlakshöfn erreichen. Von Porlakshöfn aus radelte ich nach Norden um über die Straßen 38, 39 und 1 nach Reykjavik zu gelangen. Die ersten Kilometer auf der 39 forderten mich mächtig, weil die Straße gleich zu Beginn über mehr als 300 Höhenmeter ansteigt.

Danach auf leicht welligem Terrain unterwegs, stand ich plötzlich vor einem Schild, dass meine Neugierde weckte. Hellir bedeutete übersetzt Höhle und genau die wollte ich mir zumindest kurz anschauen. Wie man auf der Grafik sehen und lesen kann, war die Höhle 1350 m lang und führte unter der Straße her. Ich kroch nur kurz hinein. Sie war nicht besonders hoch, deshalb nicht leicht zu erkunden. Das weitere Stück auf der 39 bis zur 1 war zügig befahrbar. Das letzte Stück bis Reykjavik auf der Straße 1 gefiel mir nicht. Es waren einfach zu viele Pkw unterwegs. An einer Tankstelle traf ich noch mehrere spanische Radler. Ich unterhielt mich eine Zeitlang mit ihnen und startete dann weiter in Richtung Ziel.

Da es überwiegend bergab ging, kam ich die letzten Kilometer gut voran. Im Stadtbereich von Reykjavik war die Ausschilderung zum Campingplatz von der Str. 1 kommend mehr als dürftig.  Den Anfahrtsweg zum Campingplatz im GPS-Gerät als Track gespeichert zu haben, stellte sich als hervorragende Hilfe heraus. Eine Platzsuche war deshalb nicht erforderlich. Zügig durchradelte ich die Vororte und stand plötzlich vor dem mir bereits bekannten Campingplatz. Ich war erstaunt, im letzten Jahr hatte ich meine zweite Nacht auf dem Platz verbracht und das im Juli. Damals war er fast leer gewesen, in diesem Jahr standen sehr viele kleine Zelte auf dem Rasen und in der Nähe der Rezeption hielten sich sehr viel Wanderer auf. Nun ja, mein Zelt war schnell aufgebaut.

Am späten Nachmittag hielt ich mich ein wenig in der warmen Rezeption auf. Dort entdeckte ich auch einen Prospekt der Firma Elding, die für ihre Whale Watching Touren warb. Die ganze Tour würde drei Stunden Zeit in Anspruch nehmen und war am darauffolgenden Tag morgens zeitlich durchaus noch möglich. Also erkundigte ich mich in der Rezeption nach der Busverbindung zum Hafen und schon stand der Plan für den morgigen Tag. Zum Alex-Campingplatz nach Keflavik konnte ich auch am Nachmittag noch radeln.

 

  

 


 

 Whale Watching und hart gegen den Wind und Regen nach Keflavik

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.08.2008 51 550 300 2800 Camping Alex in Keflavik

 

Der Bus in Richtung Hafen fuhr jede halbe Stunde. Bei zwanzig Minuten Fahrzeit würde ich am Hafen um ca. 08:20 Uhr ankommen. Das ich überhaupt ankam, hatte ich eher einem Zufall zu verdanken. Der Bus erschien pünktlich, das war kein Problem. Der Fahrer nahm aber keine Geldscheine an und das wusste ich nicht. Mein Glück bestand dann darin, dass ich zufälligerweise noch genügend Kleingeld besaß. Warum es diese Regelung gab, wusste ich nicht. Im Hochlandbus und auf der Ringstraße hatte ich die Busfahrt sogar mit Visacard bezahlen können, hier ging beides nicht. Der Bus fuhr durch die Innenstadt und hielt kurz vor dem Marinemuseum. Mir fehlte die Zeit um dort auch noch reinzuschauen, deshalb machte ich nur ein Foto von Außen und lief weiter zum Anlegesteg.

Ein Hafenbecken weiter fand ich dann das Whale Watching Centre und die Ticketstation der Firma Elding. Ich kaufte mir für umgerechnet 26,- € eine Karte und wechselte gleich einen 1000 ISK –Schein in Münzen, um für die Rückfahrt mit dem Bus Kleingeld zu haben. Die Fahrt mit dem Schiff dauerte insgesamt 3 Stunden. Auf dem Schiff gab es Cafe und warmen Kakao. Damit konnte man wunderbar die Fahrzeit überbrücken.

Einen Wal zu fotografieren stellte sich als äußerst schwierig heraus. Wenn einer erschien, dann hielt man die Kamera meist nicht genau in die richtige Richtung. Entweder waren die Fotos anschießend unscharf oder der Wal war schon wieder abgetaucht. Dennoch gelangen mir ein paar Aufnahmen auf denen Minkwale, die bis zu 10 m lang sind, zu sehen sind. Um ca. 13:00 Uhr kehrte das Schiff in den Hafen zurück. An der Bushaltestelle hing ein Zettel, der mich ein wenig irritierte. Ich fragte einen Passanten nach der Bedeutung, der mir dann auch die Erklärung gab. Ich musste eine Straßenkreuzung weiterlaufen. Dort wo ich stand würde der Bus an dem Tag wegen des am selben Tag stattfinden Marathonlaufs nicht halten. Dort hätte ich lange stehen können.

45 Minuten erreichte ich wieder den Campingplatz, allerdings im Regen. Eine halbe Stunde später hatte ich alles gepackt und stand vor der Rezeption. Ein Chinese machte von mir noch das nachfolgende nicht so ganz geglückte Foto, danach startete ich in Richtung Keflavik. Von der Fahrt nach Keflavik gibt es wenig zu schreiben. Über 50 km kämpfte ich gegen den Wind und Regen an, der einen manchmal fast vom Fahrrad blies. Die reine Fahrzeit von über 4 Std. spricht für sich. Ich kam kaum über eine Geschwindigkeit von 12 km/h hinaus. Im Hafen von Hafnarfjödur und auf der langen Strecke in Richtung Keflavik hielt ich einmal kurz an um ein Foto zu machen. Ansonsten war ich vollauf mit dem Kampf gegen den Wind beschäftigt.

An der Einmündung der Straße, die nach Grindavik oder zur Blauen Lagune führt traf ich auf einen deutschen Radler. Bis nach Keflavik gaben wir uns abwechselnd etwas Windschutz. Um ca. 18:00 Uhr erreichten wir den Alex-Campingplatz. Meine Islandtour 2008 war leider beendet. Viel hatte ich mal wieder erlebt, so manches Mal insbesondere im Hochland, auch ein wenig leiden müssen. Aber was nahm man nicht alles in Kauf, um diese tolle Landschaft zu sehen.

 

  

 


 

 Ein letzter Ausflug zur Blauen Lagune

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24.08.2008 0 550 0 2800 keine, da Rückflug

 

Am Abend zuvor hatte ich bereits Anke und Rolf wiedergetroffen. Beide waren auch wieder gesund am Campingplatz erschienen, obwohl Anke auf ihrer Tour schwer gestürzt war. Der Wind hatte sie in eine Leitplanke gedrückt. Sie hatte das Rad einfach nicht mehr halten  können. Glücklicherweise war nichts gebrochen, einige blaue Flecken und ein großer Schreck der ihr wohl jetzt noch in den Gliedern saß. Am unserem letzten Tag hatten wir noch reichlich Zeit. Das Rad, sowie Hänger und Gepäck standen bereits verpackt in der Hotel Garage und den Transfer zum Flughafen am Abend hatten wir auch bereits gebucht. Kurz entschlossen unternahmen Anke, Rolf und ich noch einen Ausflug zur Blauen Lagune. Die Busfahrt dauert für die paar Kilometer ohnehin nicht lang und zwei Stunden Aufenthalt würden reichen, um ein wenig im thermalbeheizten Schwimmbad die Glieder zu wärmen. Nachmittags quatschten wir noch lange gemeinsam in einem Cafe in der Nähe des Campingplatzes, bis es Zeit wurde zum Flughafen gebracht zu werden.

 Meine Islandtour 2008 war beendet. Am frühen Montagmorgen holten mich meine Frau und Sohn am Flughafen in Düsseldorf ab. Wieder zu Hause stellte ich fest, dass es mindestens zwei Gründe gab, noch einmal nach Island zu fliegen (Fettes Grinsen!)

-- Ich hatte noch 1500 isländische Kronen in Scheinen in meiner Geldbörse

-- Meine Badehose hang noch an einem Haken in der Dusche der Blauen Lagune. Vergessen!!!