Vorbemerkung,  Ankunft in Mallorca

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 16.05.2008 - 24.05.2008

 400 km

 4.000 Hm

 

Die langgezogene Bucht von Alcudia tauchte vor uns aus dem Meer, rechts von uns in weiter Ferne zu sehen, das Tramuntana Gebirge, kurze Zeit später die ersten Windmühlen. Unsere ersten Eindrücke beim Anflug auf Mallorca waren 1994 wahrscheinlich ähnlich gewesen. In dem Jahr waren wir mit unseren Kindern ohne Räder in den Familienurlaub gereist, heute alleine mit Trekkingrädern im Flugzeugbauch.

Meine Frau Claudia und ich hatten uns fest vorgenommen, die Baleareninsel über eine Strecke von 400 km mit dem Rad zu umrunden. Wir wollten es gemütlich angehen lassen und nicht zu viel Km pro Tag in Angriff nehmen. 7 Radtage standen uns für die 400 km und 4000 Höhenmeter zur Verfügung. Ein Programm, das ich hoffte sorgsam zusammengestellt zu haben. Die Hotelübernachtungen hatten wir bereits von zu Hause aus gebucht, was sollte also noch schief gehen?

Um ca. 20:00 Uhr setzte die Airbus A320 der Fluggesellschaft Airberlin auf der Landebahn von Palma de Mallorca auf. Abgesehen von ein wenig Ruckeln war es ein ruhiger Flug gewesen. Wir konnten zufrieden sein und hofften, dass die Räder und unser Gepäck den Flug unbeschädigt überstanden hatten. Ein Strahlen in unseren Gesichtern folgte, als die Radtaschen und die Radkartons zwar mit etwas Verzögerung, aber unversehrt am Sondergepäckschalter erschienen.

Den Transfer zum Hotel Delta einschließlich der Fahrräder hatten wir über den Reiseveranstalter gebucht, bei dem wir auch die erste und letzte Hotelübernachtung reserviert hatten. Diese Möglichkeit fanden wir am optimalsten, weil wir die Räder abends am Flughafen nicht mehr zusammenbauen mussten, gleichzeitig konnten wir die Radkartons für eine Woche im Hotel deponieren.

Das Gesicht des Taxifahrers nach einem kurzen Blick auf die Radkartons sagte Alles. Keine Chance die Kartons in oder auf seinem Taxi zu verstauen. Wir fragten uns zwar, warum wir die Maße der Radkartons angegeben hatten, warteten aber ab, was nun geschah.  Eine dreiviertel Stunde lange wurde mehrmals telefoniert, ein Wagen in der Größe eines Mercedes Sprinter schien aber nicht verfügbar zu sein. Dann endlich die Lösung! Wir waren schon etwas erstaunt, als wir vor einen großen Reisebus dirigiert und aufgefordert wurden, unsere Kartons unten in den Bus zu schieben. Uns sollte es egal sein. So fuhren wir zu zweit als einzige Fahrgäste in einem klimatisierten Reisebus zum Hotel Delta. Das Hotel Delta liegt etwa 15 km östlich vom Flughafen an der Küste kurz hinter dem Cap Enderrocat. Die Formalitäten im Hotel und die Deponierung der Räder im Gepäckraum gingen schnell, so dass wir um 22:00 Uhr in einem ca. 500 m vom Hotel entfernten Restaurant saßen. Wir ließen den Tag ausklingen und freuten uns auf die am kommenden Tag beginnende Radtour.

 

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 Capocorb Vell, die Salinen von Levantes und am Playa d´es Trenc

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.05.2008 52 52 150 150 Hotel Colonial

 

Ein reichhaltiges Frühstück erwartete uns am Morgen, alles was dass Herz begehrt gab es am Frühstücksbuffet. Ein Blick aus dem Fenster versetzte uns zwar nicht gerade in eine Topstimmungslage, das Wetter sollte sich im Laufe des Tages aber bessern. Wir ließen uns von den paar Tropfen vom Himmel nicht entmutigen, montierten die Räder und deponierten die Radkartons im Keller des Hotels. Es handelte sich bei den Räumlichkeiten um die Räume, die der Radsportveranstalter Hürzeler für seine Rennräder und Werkstatt nutzte. Dort standen wohl an die 150 Rennräder.

Unser erstes Tagesziel hieß Capocorb Vell, eine prähistorische Ausgrabungsstätte, die sich 12 km südlich von Llucmajor befindet. Bei Ausgrabungen kam hier eine der größten bronzezeitlichen Siedlungsanlagen Mallorcas ans Tageslicht. Man sieht fünf große, mit wuchtigen Steinen gebaute Talaiots, Grundmauern von Behausungen und Türmen, deren Bedeutung nie endgültig geklärt wurde. Man vermutet, dass diese Häuser im 14. Jahrhundert von Einwanderern errichtet wurden, die im Süden Mallorcas Viehzucht und Ackerbau betrieben. Manche dieser riesigen Felsbrocken fanden wohl beim Bau der Kathedrale von Palma Verwendung. Am Eingang befand sich eine kleine Restauration, ideal für unsere erste kleine Pause.

Wir kamen kurz in ein Gespräch mit einer kleinen Radlergruppe, die mit Mieträdern auf der Insel unterwegs war. Danach machten wir uns auf den Weg nach Sa Rápita einem kleinen verschlafenen Ort am Meer. Die Straßen waren glücklicherweise wenig befahren. Es gab für Radler auch wenig Platz zur Seite auszuweichen, weil die Straßen mit Steinmauern begrenzt waren. Beim Erreichen Sa Rápitas fühlten wir uns in eine andere Zeit versetzt. Das Seebad besaß noch einen Stil, wie er noch vor dem Massentourismus üblich war. Das es uns in Sa Rápita gut ging, sieht man auf dem folgenden Foto.

Unsere weitere Strecke führte uns um die „Salines de Llevant“ herum zum Platja del Trenc. Die kleine Nebenstrecke zwischen den Gehöften von Barrala hindurch war etwas holprig zu befahren, aber durchaus sehenswert. Dort gibt es eine riesige Fläche grünen Rasens und viele Windmühlen. Es handelt sich wohl um die Fläche einer Firma, die Rollrasen verkauft. Östlich der Salinen bogen wir rechts auf die kleine Straße ein, die zum Platja del Trenc  und direkt an den Salinen vorbeiführt. Plötzlich standen wir vor mehreren großen Salzbergen.

Die Salzgewinnung besitzt auf Mallorca bereits eine 2000 jährige Tradition. Salz aus dem Meer zu gewinnen, ist von der Methode her auch einfach. Im April wird Meerwasser auf die Felder (Fußballfeld große Bassins) gepumpt. Während des heißen Sommers verdunstet das Wasser dann und lässt fast reines Meersalz zurück. Im September kann das Salz dann „geerntet“ werden. Bei der Fläche, die wir vor uns sahen, konnte man sich kaum vorstellen, dass alleine in den Salinen von Llevant jährlich bis zu 10.000 t Salz gewonnen werden. Die Gegend um die Salinen herum hat eine artenreiche Flora und Fauna erzeugt, in der sich bis zu 150 verschieden Vogelarten aufhalten. 

Bis zum „Platja des Trenc“ war es dann nicht mehr weit. Wir radelten auf den großen Parkplatz zu und waren uns sofort einig. Hier musste im Sommer „der Bär“ los sein, der Parkplatz war riesengroß.  Sechs Euro Parkgebühren empfanden wir auch nicht gerade als billig. Aber wir waren ja glücklicherweise mit den Rädern (1,-€) unterwegs. Am Strand selbst war es verhältnismäßig ruhig. Wir nahmen zwei Liegen in Beschlag, bezahlen mussten wir während unseres Aufenthaltes  nichts. 

Nach einer guten Stunde verließen wir den gemütlichen Platz am Strand, schoben unsere Räder durch den Sand bis zum Parkplatz und radelten die Stichstraße zurück um unserer weiteren geplanten Tagesetappe bis Colonia Sant Jordi zu folgen.

Das Hostal Colonial zeigte sich als familiär geführtes Hostal, das uns sehr zusagte. Keine riesige Bettenburg, vielleicht ein wenig hellhörig, aber sehr gemütlich. Den Nachmittag verbrachten wir am Hafen, bummelten gemütlich durch den Ort und freuten uns dass die Wetterlage sich gebessert hatte. Nachstehend noch ein paar Fotos vom späten Nachmittag und Abend in Colonia Sant Jordi.

 

   

 

 


 

 Auf steilen Wegen zum Klosterberg San Salvador

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.05.2008 68 120 800 950 Kloster San Salvador

 

Gut gefrühstückt radelten wir bereits um 09:00 Uhr am Hafen von Colonia Sant Jordi entlang dem Ortsausgang zu.  8 km weiter, kurz hinter dem Ort Ses Salines befindet sich ein Botanischer Garten, bei dem es sich angeblich um den größten Garten Europas handelt. Er wurde 1989 eröffnet und umfasst 50.000 m2  tropische Vegetation. Auf der riesigen Fläche gibt es einen 10.000 m2 großen See und 400 Pflanzen-, sowie 10.000 Kakteenarten. Auf 25.000 m2 befindet sich eine vollständige Sammlung der Mallorquinischen Flora (Granatapfel-, Mandel-, Zypressen-, Oliven-, Pinien-, Eukalyptus- und Johannisbrotbäume). Einiges konnten wir von Außen her sehen, deshalb entschlossen wir uns den Eintritt zu sparen und lieber die Landschaft Mallorcas per Rad zu genießen.

Die Nebenstrecke nach Santanyi bestand aus schön geführten kleinen Straßen, die im Bereich der bewirtschafteten Flächen weitestgehend mit Steinmauern begrenzt waren oder durch Wiesen führten. Santanyi liegt auf einem kleinen Hügel. Die Kirche war auf unserer Anfahrt schon von weitem aus zu sehen. Im Ort schwenkten wir dann wieder in Richtung Küste und durchradelten auf welligem Profil die Orte Cala Santanyi, Cala Figueras, Cala Mondrago, Porto Pedro und Cala D´Or.

1994 hatten wir unseren Familienurlaub mit den Kindern in Cala D´Or verbracht. Wir versuchten uns zu orientieren, uns an Gebäude oder Straßen zu erinnern, es gelang nicht. Hier hatte sich in den letzten 14 Jahren dermaßen viel verändert, dass wir noch nicht einmal unser damaliges Hotel fanden. Unsere Welt war das nicht mehr! Selbst in der Vorsaison herrschte hier bereits eine Hektik, die bei uns nur ein Signal hinterließ, schnell weg hier. Die Küste an sich ist ja recht schön mit ihren Felsbuchten und Stränden, aber einfach zu sehr zugebaut.

Unser nächstes Ziel hieß Felanitx. Die Straße dorthin stieg langsam von Meereshöhe aus auf 170 m an und forderte weitere Kraftreserven. Wir radelten sehr langsam vor uns hin, wohl wissend, dass uns der eigentliche Anstieg zum Klosterberg San Salvador über weitere 400 Höhenmeter noch bevorstand. Wir mussten hinauf, egal wie, denn unser Hotel befand sich oben auf dem Berg. Ich war erstaunt wie Claudia dass mit ihrem minimalen Trainingstand in Ruhe meisterte. Die ca. 17.000 Einwohner zählende Stadt Felanitx fanden wir nicht sehr sehenswert, ein altes ruhiges Städtchen, Haupteinnahmequelle schienen Landwirtschaft und Tourismus zu sein. Düstere Wolken zogen auf, als wir uns dem Fuße des Klosterberges San Salvador näherten.

Die Anfahrt zum Kloster San Salvador erfolgt über eine wunderschön geführte Serpentinenstraße. Der Weg bietet tolle Aussichtspunkte und führt an einem Steinkreuz aus dem Jahr 1957 und einer kleinen Kapelle vorbei. Für Mallorca schon fast ungewöhnlich ist die Steigung. Während im westlichen Tramuntanagebirge kaum mehr als 6 % Steigung zu erwarten sind, „quälen“ sich die Radler hier bei 9-10 % Steigung 4,5 km den Berg hinauf. Unser Tagespensum war erfüllt, als wir nach 68 Tageskilometern vor der alten Klosteranlage standen.

Die Ursprünge des Klosters San Salvador lassen sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. König Pere IV von Aragón gab wohl den Auftrag dazu. Die ursprüngliche Pilgerkirche wurde nach einer Pestwelle, die annähernd die Hälfte der Bevölkerung Felanitx dahinraffte, auf dem ca. 500 m hohen Berg gebaut. Da diese Kirche aber dem gewaltigen Pilgerstrom nicht mehr gewachsen war, entstand im Jahr 1715 die heutige Kirche. Bis zum Jahr 1992 wurde das Kloster von Mönchen verwaltet, seit 1992 steht es unter der Leitung von zwei mallorquinischen Familien, die hier ein Restaurant betreiben und Zimmer vermieten.  Genau dort (Hostatgeria Sant Salvador) hatten wir uns einquartiert.

Am Abend verschlechterte sich die Wetterlage zunehmend. Die dunklen Wolken, die schon beim Anstieg in der Ferne zu sehen waren, hatten sich durchgesetzt und es regnete stundenlang. Ein Gewitter zog auf, das uns noch bis tief in die Nacht wach hielt. Blitz und Donner lagen zeitlich so nah beieinander, dass wir dachten, der Blitz würde gleich bei uns im Zimmer einschlagen. Der Verdacht verstärkte sich noch, als auch noch der Strom ausfiel. Bevor es so weit kam, saßen wir am Abend im einzigen vorhandenen Restaurant und warteten auf unser Essen. Die Auswahl war nicht groß, aber es reichte um satt zu werden und den Abend bei einer Flasche Wein in Ruhe ausklingen zu lassen.

 

  

 


  

 Über Porto Christo nach Cala Ratjada

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.05.2008 70 190 500 1450 Hotel Flacalco

 

Als wir morgens aufwachten schüttete es immer noch vom Himmel.  Beim Blick aus dem Fenster war von der umgebenden Landschaft nichts zu sehen. Keine 10 m weit konnten wir schauen, so eingefangen war der Klosterberg in den treibenden Wolken. Bei der Wetterlage wollten wir auf keinen Fall starten, deshalb ließen wir uns sehr viel Zeit, frühstückten und schauten immer wieder nach draußen in die treibenden Wolken. Wir hielten uns dort wohl 1 -1/2 Stunden im Frühstücksraum auf, weitere Gäste erschienen während dessen nicht. Schon am Abend zuvor war uns aufgefallen, dass im nahen Restaurant fast nur Tagesausflügler einkehrten. Das Buffet hatten sie morgens anscheinend für uns alleine aufgebaut.

Wir hatten Glück, um kurz vor 10:00 Uhr besserte sich die Wetterlage merklich. Ein tolles Szenario bot sich uns. Unter uns zogen die Wolken hinweg und die Luft wurde immer klarer. Nachstehend einige Fotos von der Morgenstimmung.  Kurz nach 10:00 Uhr saßen wir in Regenkleidung auf den Rädern und freuten uns die kleinen Kehren hinabzusausen. Die Regenkleidung hatten wir unnötiger Weise angezogen. Wir waren noch nicht auf die Straße in Richtung Porto Colom eingebogen, als kein Tropfen Regen mehr vom Himmel fiel. Es sollte glücklicherweise den ganzen Tag so bleiben.

Unsere weitere Route führte über die Straße Nr. 401-4 nach Norden, anschließend auf ein nicht bezeichnetes kleines Sträßchen in Richtung des Ortes Son Macia. Die schmale Straße verlief durch eine abwechslungsreiche Gegend. Absolut in Ruhe radelten wir an Bauernhöfen und im Kontrast dazu an tollen Villen vorbei, nicht ein Auto überholte uns oder kam uns entgegen. Etwa um die Mittagszeit erreichten wir Porto Christo. Sofort war es vorbei mit der zuvor genossenen Ruhe. Autos und Menschmassen drängelten bereits im Mai durch den Ort. Für uns war sofort eines klar, einen längeren Urlaub würden wir dort nie verbringen. Das Örtchen mit seinem Hafen war ja ganz nett anzuschauen, aber voll auf Massentourismus eingestellt. Hier reihten sich die speziell für Touristen geröffneten Geschäfte aneinander.

Anschließend fuhren wir auf der Promenade am Meer entlang und durchquerten die Orte Sa Coma, Cala Millor und Cala Bona. Der komplette Küstenstreifen war hier mit Hotels zugebaut um den Massentourismus bewältigen zu können. Die Promenade hatte man kilometerlang durch eine Mauer vom Strand getrennt. Der Strand war schön sauber, überall standen Liegen und Sonnenschirme zur Vermietung bereit. Von seiner Ursprünglichkeit war nicht mehr viel geblieben. In Port Vell mussten wir die Küste wieder verlassen um auf die Straße 404 nach Capdepera zu gelangen. Die 2 km auf der Straße 404 ließen sich im Mai noch gut fahren. Es waren nur wenige Autos unterwegs. Dann standen wir an einem Abzweig der uns die Möglichkeit bot auf der alten für PKW gesperrten Strecke in Kehren den Berg hinauf zu fahren. Die Straße 404 führte durch einen langen Tunnel und die Fahrt auf der alten Straßenführung bot die Möglichkeit den Tunnel zu vermeiden.

Capdepera liegt auf einem 160 m hohen Hügel. Auf dem höchsten Punkt befindet sich die den Stadtkern überragende Burg aus dem 13./14. Jahrhundert. Das Bauwerk zählt zu den am besten erhaltenen Burganlagen Mallorcas. Schon um 1300 befand sich dort ein Wehrturm. König Jaume II. befahl 1337 den Ausbau der Anlage um die Bevölkerung hinreichend zu schützen. Als wir in Capdepera eintrafen, war der Ort mit bunten Fahnen und Bannern geschmückt.

Wir sparten uns die ca. 150 Stufen zur Burg hinauf und radelten am frühen Nachmittag unserem Tagesziel Cala Ratjada entgegen. Sofort fiel uns bei der Ankunft in Cala Ratjada auf, dass die Hotels hier nicht in den Dimensionen gebaut worden waren, wie z.B. in Cala Millor. An der Strandpromenade wirkte alles zierlicher und aufgelockerter. Unser Hotel Flacalco lag etwas abseits vom Meer und war dank GPS-Gerät schnell gefunden.

 

   

 

 


  

 Ses Paisses, Arta, Col de Morell, S´Albufera, ein geballtes Tagesprogramm

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.05.2008 70 260 550 2000 Hotel Can Tem

 

Das Hotel in Cala Ratjada war leider nur durchschnittlich zu bewerten. Schon das Essen am Abend zuvor war nicht so toll gewesen. Das Frühstücksbuffet hatte auf keinen Fall den Standard, den wir an den Vortagen genossen hatten. Nun gut, wir waren ja nur eine Nacht dort. Um 09:00 Uhr saßen wir auf den Rädern und kurbelten nach Capdepera zurück. Wir umfuhren den Ort auf der nördlichen Straße und bogen nach 4 km auf einen kleinen Weg ein, der uns von Süden nach Arta bringen würde. An dem Straßenabzweig stand eine Windmühle. Wie schön sich auf der weiteren Strecke radeln lies, kann man auf den folgenden Fotos sehen.

Südlich von Arta befindet sich die prähistorische Stätte „Ses Paisses“. Die historische Siedlung befindet sich auf einer von alten Steineichen umgebenen Anhöhe ca. 1 km südlich des Ortskerns von Arta. Die Anlage ist ein recht gut erhaltenes Beispiel für einen Dorfkern mit zentralem Rundturm und einer noch fast intakten 380 m langen Mauer. Man betritt das Gelände durch ein aus gigantischen Felsblöcken gebautes Tor, das sehr eindrucksvoll ist.

Forschungen haben ergeben, dass im Zeitraum von 1200 – 1000 vor Christus etwa 300 Menschen in der Anlage wohnten. Mit Beginn der Romanisierung wurde Ses Paisses verlassen. In den Wohnräumen wurde bei Ausgrabungen jede Menge Hausgerät in Form von Keramik gefunden. Ein Grab mit den Resten eines Bronzehelmes, Überreste einer Feuerbestattung und viele weitere Belege halfen bei der Datierung des Besiedlungszeitraums.

Zu den interessantesten Entdeckungen gehört aber sicherlich eine der Feuerstellen. Befanden sich die Feuerstellen der Talayotes der Insel meist in der Mitte des Raumes, fand man sie hier an die Wand verlegt. Ein Beispiel, wie sich bewährte Techniken über Jahrhunderte erhalten können. Auch heute noch gibt es in den alten rustikalen Finkas Mallorcas den sogenannten „Es Cendrer“, ein offene Feuerstelle, bei der noch nicht verbrannte Holzreste unter einer Schicht Asche separat aufbewahrt werden, um das Feuer aus der Glut später wieder neu entfachen zu können.

Arta hatte seinen besonderen Charme. Schon die Anfahrt durch die schmalen vor der Sonne schützenden Gässchen machte Spaß. Unser Weg führte uns zunächst zur Wehrkirche Transfuguratio del Senyor. Die Pfarrkirche wurde Mitte des 13. Jahrhundert nach einem Sieg Jaume I auf den Grundmauern einer islamischen Moschee erbaut. Durch Piratenüberfälle wurde sie mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Die heutige Kirche stammt im Wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert. Direkt hinter der Kirche führt der mit Zypressen flankierte Calvario auf 180 Stufen zur Wallfahrtskirche San Salvador, die 1831 fertiggestellt wurde und mit ihren Mauern und Wehrtürmen ein imposantes Castell bildet. Die 180 Stufen liefen wir nicht hoch, weil wir keine Möglichkeit sahen, unsere Räder sicher abzustellen. Wir schlenderten noch über den Markt und legten draußen vor einem Cafe eine größere Pause ein.

Bei den 15 km auf der Straße C-712 in Richtung Alcudia handelte es sich um das verkehrsreichste Straßenstück unserer gesamten Mallorcaumrundung überhaupt. Die LKW´s donnerten mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Wir waren froh, nach der langsamen Fahrt bis zum Col de Morell (206 m) in hohem Tempo die letzten Kilometer hinter uns bringen zu können. Der Schwenk auf die Straße 340 in Richtung Santa Margalida war die Lösung des LKW/PKW-Problems. Auf kleine Nebenstraßen radelten wir dann weiter auf den vor Alcudia liegenden Nationalpark S´Albufera zu.

Direkt vor der Bucht von Alcudia zwischen Can Picafort und Alcudia gelegen befindet sich der Nationalpark, auf den wir zuradelten. Er wurde bereits 1985 als Schutzgebiet ausgewiesen und zählt mit seiner Größe von 20 km2 zu den wichtigsten Feuchtgebieten der Balearen. Begünstigt durch einen Salzwasser- und einen Süßwasserbereich ist die Artenvielfalt im Nationalpark enorm. Viele seltene Reptilien, Sumpfpflanzen, Amphibien und mehr als 200 Vogelarten sind dort beheimatet. Am frühen Nachmittag erreichten wir Port d´Alcudia und legten am Strand eine größere Pause ein.

Gut das wir uns als Übernachtungsort nicht Port d´Alcudia ausgesucht hatten. Der Ort war mit seinen alten Hotelanlagen die reinste Katastrophe. Viel Autoverkehr quälte sich über die Hauptverkehrsader (Carretera d´Arta) entlang der Küste. Am Strand konnten wir leider nur auf dem letzten Stück vor Alcudia entlang radeln. So mussten wir uns leider die Straße mit den Autos teilen. Port d´Alcudia blieb uns absolut negativ in  Erinnerung, absolut hässlich der Ort und keine Reise wert. Aber es sollte besser kommen.

Die Altstadt von Alcudia, wo sich auch unser kleines Hotel (Can Tem) befand, war das absolute Gegenteil von Port d´Alcudia. Eine wunderschöne alte Stadt mit einer alten Stadtmauer erwartete uns bei unserer Ankunft.  Schon die Begrüßung bei der Ankunft im Hotel hatte etwas Besonderes. Alles wurde in Ruhe erledigt, wir fühlten uns persönlich sehr gut betreut. Die Unterbringung der Räder stellte kein Problem dar und das alte Bauernhaus mit nur 4 Doppelzimmern war ein absolutes Schmuckstück.

Nachstehend habe ich noch einige Fotos vom Hotel und der Altstadt von Alcudia zusammengestellt. Klar, dass wir am späten Nachmittag/Abend noch durch die Altstadt bummelten und schön essen gingen. Das war mal wieder ein gelungener Tag.

 

   

 

 


  

 Auf ins Tramuntana Gebirge, unser Ziel Kloster Lluc

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
21.05.2008 30 290 600 2600 Kloster Lluc

 

Viele Kilometer standen an dem Tag nicht auf dem Programm. Der Zielort stand fest, wir hatten eine Übernachtung im Kloster Lluc gebucht welches ungefähr auf einer Höhe von knapp 500 m über dem Meeresspiegel liegt. Kleine Senken berücksichtigt mussten wir an dem Tag ca. 600 Höhenmeter bewältigen. Um es vorwegzunehmen, ich war begeistert wie meine Frau das zwar langsam, aber immerhin ohne Training bewältigte. Am frühen Morgen genossen wir das Frühstück im Hotel CanTem. Dieser ruhende Pol mitten in der Altstadt von Alcudia gefiel uns auch am Morgen gut. Zum Frühstück frisch gepressten Orangensaft hatte es in den anderen Hotels nicht gegeben.

Gut gelaunt packten wir dann unsere Radtaschen und verließen Alcudia auf einer kleinen Nebenstraße in Richtung Pollenca. Das Unwetter zwei Tag zuvor hatte noch Spuren hinterlassen. So kam es, dass wir plötzlich vor einer Wasserstelle standen, von der wir nicht sehen konnten wie tief sie war. Claudia schob ihr Rad über die auf dem Foto zu sehende Mauer.

Ich war mutiger, und versuchte mein Glück in dem ich mit Schwung durch die mit Wasser gefüllte Mulde fuhr. Mein Glückstag schien das nicht zu werden. Das Wasser war erheblich tiefer als ich geschätzt hätte und so kam es, dass ich nachtreten musste und mit beiden Füßen im Wasser versank. Die Schuhe waren nicht vollständig durchnässt, aber nasse Füße hatte ich schon. Was soll es, sie würden bei der Wetterlage wohl wieder trocknen.

Im Ortszentrum von Pollenca legten wir eine Pause ein, tranken ein Mineralwasser und beobachteten das Treiben am Morgen im Ort. Die Stadt der Künstler und Intellektuellen auf Mallorca gehört mit knapp 15.000 Einwohnern zu den größeren Städten auf Mallorca. Neben Handwerkskünsten wie Weben und Fechten haben sich auch viele Maler und Musiker dort niedergelassen. Der Ortskern ist sehr sehenswert. Wir verließen Pollenca in nördlicher Richtung und schwenkten auf die Straße C-710 nach Westen. Ab dort ging es in die Berge.

Eine spektakuläre Landschaft hat die Erdgeschichte im Nordwesten Mallorcas hinterlassen. Dort bildet bis zu 300 Millionen Jahre altes, aus Meeresablagerungen entstandenes Gestein einen 80 km langen und 10 bis 20 km breiten Gebirgsrücken. Die Serra de Tramuntana ragt an mehr als 40 Stellen über 1000 m aus dem Meer. Das erscheint zunächst nicht viel, doch die tektonischen Urkräfte und das Wasser haben eine unglaublich schroffe Landschaft geschaffen, die von tiefen Schluchten durchzogen ist.

Noch zu Hause waren wir gewarnt worden. Wir sollten diesen Streckenabschnitt auf jeden Fall meiden, weil dort viel zu viele Busse und PKW unterwegs wären. Vollkommen ruhig erlebten wir diesen Abschnitt hinauf zum Kloster Lluc im Mai 2008. Hin und wieder mal ein Auto, ein paar Rennradfahrer, von störendem Verkehr konnte absolut keine Rede sein.  Wie man auf dem folgenden Foto sehen kann, waren die Steigungsprozente eher mäßig. Mehr als 5-6 % waren nicht zu erwarten. Claudia freute sich, dass sollte machbar sein. Bei der tollen Wetterlage dort in Ruhe entlang zuradeln machte enorm Spaß. Wo wir auch hinschauten, es gab nur wunderschöne Ausblicke.

Um die Mittagszeit hatten wir unser Tagespensum fast geschafft. Wir standen auf dem 515 m hohen Coll de Femenia und freuten uns, dass bis zu unserem Zielort nur noch 5,5 km zu radeln waren.  Zwei kleine Senken und ein Anstieg über 60 Höhenmeter standen uns noch bevor. Die sollten ja nun wirklich kein Problem darstellen. Am frühen Nachmittag standen wir vor der Klosteranlage Lluc. 

Lluc verdankt seine Entstehung einem Wunder, das sich im 7. Jahrhundert zugetragen haben soll. Ein Hirte sah eine Erscheinung der Jungfrau Maria am Himmel, und dieses Bildnis erschien später auf dem Felsen von Lluc. Hier erbaute man eine Kapelle um das Bildnis aufzubewahren. Das Kloster wurde erstmals um 1250 erbaut. In den ersten Jahrhunderten wurde es mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es umgebaut und erheblich vergrößert. Vor dem Beginn des Massentourismus war Lluc ein Ort der religiösen Andacht und Ruhe und schwer über kleine Wege zu erreichen. Heute befand sich vor dem Klostergelände ein riesiger Parkplatz der fast so groß war wie die Klosteranlage selber. Tausende von Touristen besuchten hier täglich die Klosteranlage. Das wichtigste Gebäude ist die Klosterkirche mit der berühmten Madonnenstatue „La Moreneta“. Zusätzlich sollte man sich den Klostergarten und den Innenhof des Klosters anschauen. Einen tollen Ausblick hat man, wenn man den Hügel hinter dem Klostergelände besteigt. In mehrere Richtungen kann man verschiedene Täler sowie die Klosteranlage von oben betrachten.

Wir hatten unsere Übernachtung im Kloster schon von zu Hause aus gebucht.  Die Anmeldung verlief problemlos und unser Zimmer war schnell bezogen. Einfach eingerichtet war unser Zimmer schon, was anderes hatten wir im Kloster aber auch nicht erwartet. Den Abend verbrachten wir im Umfeld der Klosteranlage. Wir saßen lange gemütlich draußen und fühlten uns wohl.

 

  

 


 

 Puig Major, Soller, Deia, Claudia schafft dei 1050 Höhenmeter

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.05.2008 52 342 1050 3650 Hotel El Encinar

 

Respekt hatte ich am Abend vor der Tagesleistung meiner Frau. Sie war ohne besondere Trainingsvorbereitung mit 10 Kg Gepäck 1090 Höhenmeter und 52 km durch das Tramuntana Gebirge geradelt. Eine tolle Leistung finde ich. Ein wunderschöner Tag lag hinter uns, als wir vom Balkon unseres Apartments (Hotel El Encinar) hinauf aufs Meer blickten. Aber ich sollte von vorne beginnen. Das Frühstück im Restaurant des Klosters Lluc konnten wir in Ruhe zu uns nehmen. Ein paar Wanderer fanden sich noch im Saal ein, ansonsten herrschte aber eine angenehme Ruhe.

Wenn man durch die Berge radelt hilft es einem mental, sich Zwischenziele zu setzen. Unser erstes Tagesziel war der Coll de Sa Batalla, 670 m hoch und etwa 4 km von unserem Startort entfernt. Die 190 Höhenmeter stellten kein Problem dar und waren schnell geradelt. Danach sausten wir in eine 150 m tiefe Senke, bevor es wieder hinauf zum Straßenabzweig ging der nach Sa Calobra führt. Kurz vor dem Aussichtspunkt, von dem man in die tiefe Schlucht des Torrente de Pareis blicken kann, hatte ich ein wenig Pech. Der Schaltzug an meinem Koga Miyata riss.  Vor einigen Jahren war mir das mal in den Alpen passiert. Auf so etwas war ich glücklicherweise vorbereitet, ich hatte Ersatz dabei und konnte den Schaden innerhalb von 15 Minuten beheben.

Die Straßenführung nach Sa Calobra wurde in Reiseführern als einzigartiges Erlebnis beschrieben. Da es sich aber um eine Stichstraße handelt und man die 800 Höhenmeter wieder hinaufradeln muss, hatten wir sie nicht mit in unsere Planung einbezogen. An dem Tag wären zu viele Höhenmeter zu bewältigen gewesen. Der Abzweig nach Sa Calobra liegt kurz hinter einem Viadukt aus dem 19. Jahrhundert. Die Pläne für die Straße nach Sa Calobra wurden von einem Ingenieur mit dem Namen Pavetti entworfen und 1932 von Menschenhand und ohne Maschinen gebaut. Die Straße überwindet einen Höhenunterschied von 800 m. Für ihren Bau wurden 31.000 m3 Fels bewegt, wobei die Steinmassen hauptsächlich für die Aufschüttungen verwendet wurden. Ein filigranes Meisterwerk der Baukunst ist der „Krawatten-Knoten“, der eine 360 Grad–Kurve bildet. Unser Weg führte weiter geradeaus zum Stausee „Embassament des Gorg Blau“. Kurz vor dem Stausee befindet sich ein 260 m langer Tunnel, den man aber aufgrund der fehlenden Steigung zügig durchfahren kann. Direkt am Tunnelausgang steht man dann sofort vor dem See. Dort befindet auch ein Parkplatz auf den wir mit unseren Rädern einbogen um eine kleine Pause einzulegen.

Am Stausee entlang verläuft die Straße sehr eben, für uns war das eine Gelegenheit die Muskeln zu lockern und uns mental auf den nächsten Anstieg vorzubereiten. Der See liegt 610 m hoch und bis zum nächsten Tunnel am Col de Puig Major (870 m) mussten wir noch 260 Höhenmeter hinauf. Wir kurbelten in Ruhe weiter und sahen kurze Zeit später bereits den nächsten Stausee (Embassament de Cúber). Die Straße führte dann rechts am See vorbei, wobei man hoch oben den Puig Major sah.

Ursprünglich war der Stich zum Puig Major mit in unsere Planung hineingenommen worden. Ich war mir zu Hause nur nicht sicher gewesen, ob die Fahrbahndecke befestigt war. Vor Ort zeigte sich dann, dass diese Überlegungen nebensächlich waren. Die Straße war durch einen Zaun gesperrt. Es schien sich um militärisches Sperrgebiet zu handeln. Der zweite Tunnel, den wir anschließend durchquerten, war nicht ungefährlich zu befahren. Er war etwa doppelt so lang wie der erste und vollkommen unbeleuchtet.  Claudia hatte vergessen die Sonnenbrille abzunehmen und musste mit Entsetzen feststellen, dass sie so gut wie nichts mehr sah. Ich selber konnte mit normaler Brille aber auch nicht mehr viel erkennen. Wir radelten ganz langsam hindurch und freuten uns als wir den Tunnelausgang erreichten. Auf der anderen Seite bot sich uns ein wunderschöner Ausblick auf die westliche Küstenregion Mallorcas. 850 Meter tiefer sahen wir den Ort Soller liegen. Eine tolle Abfahrt stand uns bevor. Claudia war begeistert! Noch nie war sie in ihrem Leben mit dem Rad so lange bergab gefahren. Am Mirador de Ses Barques hielten wir kurz an. Von dem Aussichtspunkt hat man einen schönen Blick auf Port Soller.

Soller war zunächst noch nicht unser nächstes Ziel. Es gab da noch zwei kleine Orte, die uns irgendwie an „ Asterix und Obelix“ erinnerten. Das lag aber nur am Namen der Orte. Fornalutx und Biniaraix hörte sich doch irgendwie so an wie eine Geschichte aus Asterix und Obelix oder? (kleiner Scherz!). Sie liegen an einer kleinen Nebenstraße nach Soller und sind recht hübsch anzuschauen. Nachstehend mal ein paar Fotos. Der Ortname Soller bedeutet so viel wie „im Tal des Goldes“. Der Begriff stammt aus der maurischen Zeit. Die Mauren, die ihr Gold „Sulliar nannten, bezeichneten damit das flüssige Gold der Olivenhaine die Soller während der Zeit ihrer Herrschaft umgaben.

Bis die Bürger von Soller im Jahre 1912 mit der berühmten Eisenbahn „Roter Blitz“ dem sogenannten Orangenexpress einen vergleichsweise schnellen und bequemen Landweg schufen, war der Hafen von Port de Soller das Nadelöhr nach außen. Die Orangensegler, wie man die Schiffe damals nannte, die Zitrusfrüchte massenhaft nach Frankreich exportierten, wurden regelmäßig von Piraten überfallen und dennoch blieb der Seeweg bis zu dem o.g. Zeitpunkt die einzige sinnvolle Alternative für den Warentransport. Die Trampelpfade über die Berge waren schwer passierbar. 1561 wurde der gesamte Hafenbereich durch Piraten in Schutt und Asche gelegt. In Folge baute man Wehranlagen und eben Soller, dessen Ortskern wesentlich weiter im Landesinnern liegt. 1995 wurde Trotz des Protestes der Bürger mit dem Bau der Tunnelbohrung begonnen. Die alte Strecke mit den 36 Kehren die sich über den Coll de Soller zieht blieb aber erhalten und wird auch heute noch u.a. von Radfahrern genutzt. Die Einheimischen sagen wohl heute noch, dass „die Talschüssel des Goldes einen Sprung bekommen hat.“

Heute wird Soller von tausenden Touristen besucht. Viele kommen von Palma aus mit dem „Roten Blitz“ um hier einige Stunden zwischen den Zitrus- und Orangenhainen zu verbringen. Wir erreichten Soller über die Straße Carrer Lluna  und standen plötzlich mit unseren Rädern auf dem Placa Constitutio. Beim Placa Constitutio handelt es sich im Wesentlichen um das Ortszentrum Sollers. Er besitzt eine lebendige Kneipenscene und ist umgeben von tollen alten Häusern im Jugendstil. Wir hielten uns nicht allzu lange auf, radelten vorsichtig immer mit Abstand an der Bahnlinie entlang und folgten der Ausschilderung in Richtung Deia.

Deia das Künstlerdorf gilt als eine der besten Adressen unter Mallorcas Ferienorten. Die rund 100 Zimmer in drei Luxusunterkünften und einige Zimmer in Hostals begrenzen zwar die Zahl der Übernachtungsgäste, die Zahl der Tagestouristen die den Ort besuchten, war bei unserer Ankunft im Mai dennoch unübersehbar.  Kaum vorstellbar, welcher Trubel hier im Hochsommer herrschte. Die wenigen Gassen von Deia waren zwar recht schön anzusehen, uns aber einfach zu touristisch.

Das Hotel El Encinar, etwa auf halber Strecke zwischen Deia und Valdemossa gelegen, erreichten wir um ca. 16:30 Uhr. Wir hatten 1090 Höhenmeter in den Beinen und freuten uns auf ein tolles Abendessen. In der Reception gab man uns die Empfehlung 200-300 m in Richtung Valdemossa zu laufen. Dort würde sich ein tolles Restaurant befinden. Der Wirt würde uns sogar mit dem Auto zurückbringen, wenn wir auf Empfehlung des Hotels kämen. Vielleicht hätte uns schon das zu denken geben müssen, aber noch fanden wir alles in Ordnung. Aus den 200-300 m wurden 2,5 km Laufstrecke an einer Straße entlang, die keinen Randstreifen besaß und überwiegend durch Mauern begrenzt war. Wir liefen bewusst auf der linken Fahrbahnseite, wichen in Kurven knapp einigen PKW´s aus, kamen aber erfreulicherweise gesund und unversehrt am Restaurant an. 

Was dann folgte, fanden wir nicht mehr lustig. Das Essen war die reinste Katastrophe. Ich möchte das hier in der Öffentlichkeit nicht weiter beschreiben. Für uns blieb die Erkenntnis, in unserem gemeinsamen Leben (immerhin 27 Jahre) noch nie so schlecht gegessen zu haben. Plötzlich sprach niemand mehr deutsch usw. usw. Wir waren ziemlich sauer, verließen das Lokal und liefen die 2,5 km zurück zum Hotel. Dort ließen wir den Abend in Ruhe ausklingen.

 

  

 

 


 

 Valdemossa, La Granja, Bergab in Richtung Palma

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.05.2008 58 400 350 4000 Hotel Delta

 

Die Sonne schien mal wieder in voller Pracht als wir uns aufmachten, in Richtung Valdemossa zu radeln. Das Negativerlebnis am Abend zuvor war fast vergessen und wir freuten uns auf den in  Reiseführern so toll beschriebenen Ort. Das Bergdorf Valdemossa ist vor allem wegen seines berühmten Kartäuser-Klosters bekannt. Seinen Namen verdankt Valdemossa einem seiner früheren arabischen Herrscher. Vall dén Mussa war der Stellvertreter des Kalifen von Cordoba und ließ rund um Valdemossa fruchtbare Felder anlegen, wo auch heute noch Orangen, Zitronen und Gemüse angebaut werden.  Im 14. Jahrhundert wurde das Land von den Christen zurückerobert und König Jaume II baute sich in Valdemossa eine Sommerresidenz. Sie wurde den Kartäusern geschenkt, die auf dem Gelände später die Klosteranlage errichteten. Die überwiegende Beschäftigung der Kartäuser bestand aus dem Abschreiben von Büchern. Sie besaßen eine Apotheke und einen schönen Klostergarten.

Valdemossas berühmtesten Besucher waren im Winter 1838/39 die französische Schriftstellerin George Sand und ihr Geliebter, der französische Komponist Frédéric Chopin. George Sand bevorzugte es in Valdemossa vorwiegend Männerkleidung zu tragen und obendrein auch noch Zigarren zu rauchen. Die Tatsache, mit ihren Kindern und einem viel jüngeren Geliebten in einem Kloster zu wohnen, setzte dem ganzen dann wohl die Krone auf. Das war zuviel für die konservative Landebevölkerung und man machte ihnen das Leben in Valdemossa sehr schwer. Die Erinnerungen darüber hinterließ George Sand in ihrem Roman „Ein Winter auf Mallorca“. In dem Roman rechnet sie mit der feindlich gesonnenen Landbevölkerung ab. Chopin, der bereits vor ihrer Reise nach Mallorca in Paris kränkelte, litt auf Mallorca an Tuberkolose. Der nasse kalte Winter auf Mallorca trug nicht gerade zu seiner Genesung bei, so dass er 1839 überstürzt die Insel verließ. Soviel zur an vielen Stellen nachzulesenden Geschichte.

Wir radelten in den Ort hinein, schoben unsere Räder über das Klostergelände und machten natürlich einige Fotos im Ort. Was uns gefiel, war die Ruhe am Morgen. Wir vermuteten, dass die Touristenströme erst später einsetzen würden. „La Granja“ war unser nächstes Ziel, und um dorthin zu gelangen, mussten wir noch 150 Höhenmeter zum Coll de Claret hinaufradeln. Der Anstieg brachte uns zwar noch mal etwas ins Schwitzen, danach ging es aber fast nur noch bergab.

„La Granja“ ist ein Langut, das ebenfalls einen maurischen Ursprung hat und lange Zeit den Zisterzienser-Mönchen gehörte. Seine Entstehung verdankt La Granja wohl einer Felsenquelle, die bereits vor Jahrhunderten den Betrieb von Mühlen und die Ansiedlung von Höfen ermöglichte. Schon im Jahr 1229 ließ sich dort ein Graf namens Nuon Sans nieder, der 10 Jahre später das gesamte Landgut den Zisterzienserorden schenkte. Der Orden bewirtschaftete La Granja 200 Jahre, danach verlegte er seinen Sitz nach Palma. Heute ist La Granja Privatbesitz, es wurde zum Freilichtmuseum ausgebaut und bietet Einblicke in das frühere Ordensleben. Gleichzeitig werden dort alte Handwerke und Volkstänze für Touristen vorgeführt.

Als wir dort ankamen, war der große Parkplatz bereits früh zu erkennen, eigentlich ein sicheres Indiz für Touristenströme. Im Mai hielt es sich aber durchaus in Grenzen. Vor dem Eingang befindet sich ein Cafe, in dem wir einkehrten und eine Pause einlegten. Nachstehend einige Fotos von La Granja.

In schnellem Tempo sausten wir durch den kleinen Ort Esporles hinab nach Palma. Wir befürchteten schon durch massiven Autoverkehr behindert zu werden, das Gegenteil war dann aber der Fall. Fast bis zur Stadtmitte führte ein von der Fahrbahn abgesetzter Radweg in Richtung Innenstadt. Palma, Ciutat (die Stadt) wie die Mallorquiner ihre 350.000 Einwohner Metropole einfach nennen, besitzt einen wunderschönen alten Stadtkern. Zwischen verwinkelten Gassen und geschäftigen Einkaufsstraßen zeigt sich die wechselvolle Inselgeschichte in sehr vielen Sehenswürdigkeiten.

Die jüngste davon ist das Museum Es Baluard. Das moderne von Licht durchflutete Gebäude zwischen alten Renaissauncemauern zeigt auf drei Etagen zeitgenössische Kunst. In den Vordergrund tritt immer wieder die prachtvolle gotische Kathedrale La Seu („der Sitz“ des Bischofs) die unübersehbar das Stadtbild prägt. Sie zählt zu den schönsten Sakralbauten Europas. Vormittags leuchtet die Sonne durch die 1236 farbigen Glasstücke der größten Fensterrosette der Welt (12,55 m Durchmesser) in das 118 m lange Gebäude. Die Baumeister der damaligen Zeit widmeten ihre Kunst aber nicht nur dem Himmel, sondern auch den weltlichen Herrschern. So entstand  als Bollwerk der Macht die Burg de Bellver, die jahrhundertlang als Kerker gefürchtet war.

Wir schoben unsere Räder durch die Innenstadt, besichtigten die Kathedrale und waren von der Stadt sehr beeindruckt. Noch vor dem Kathedralenbesuch wurden wir Zeugen eines Polizeieingriffs. Ein Polizist rannte an uns vorbei hinter einem jungen Mann her, den er auch kurze Zeit später schnappte. Er verdrehte ihm blitzschnell den Arm und drückte ihn auf den Boden. Den Hintergrund kannten wir nicht, vermuteten aber Diebstahl. Kurz Zeit später erschien auch ein Polizeiwagen zur Unterstützung.

Bis auf die letzten drei Kilometer unserer Rückfahrt zum Hotel Delta konnten wir auf einem Radweg wunderschön am Meer entlang radeln. Den Abschnitt in El Arenal (Ballermänner) empfanden wir als schrecklich. Hier war schon zu Mittagszeit der „Bär“ los. Am frühen Nachmittag erreichten wir unseren Startort, das Hotel Delta. Genügend Zeit blieb uns um die Räder wieder für den Flug zu verpacken und den Rest des Nachmittags am Pool zu verbringen.

Nun ja unsere Radtour war leider beendet. Tolle Eindrücke hatten wir mal wieder gesammelt, waren überwiegend auf wunderschönen kleinen Wegen unterwegs gewesen und hatten Mallorca per Rad kennen gelernt. Kein Vergleich mit unserem ersten Besuch im Jahr 1994. Es blieb die Erkenntnis, ja Mallorca war auch heute noch eine Radreise wert. Die Heimreise klappte problemlos. Kein Reisebus stand morgens um 07:00 Uhr vor dem Hotel, sondern ein Wagen, der etwas größer war als eines Mercedes Sprinter. Der Fahrer schaute zwar zunächst auch etwas skeptisch auf die Radkartons, aber sie passten hinein.