Vorbemerkung > Ein langersehnter Wunsch geht in Erfüllung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 15.07.2007 - 06.08.2007

1.607 km

 10.450 Hm

  

Fahrrad fahren auf der Insel aus Feuer und Eis ist sicherlich nicht das, was einem im Sommer beim Stichwort „Urlaub“ so als erstes einfällt. Warum also nach Island, wo es doch viele Länder gibt, in denen die Durchschnittstemperaturen um einiges höher liegen und wo man sich faul an einen Strand legen kann. Island polarisiert, entweder man fährt mit dem Rad nie wieder hin, oder man ist so fasziniert, dass man sogleich wieder aufbrechen möchte. Das jedenfalls liest man aus Berichten verschiedener Internetseiten.

Den Gedanken, Island mit dem Rad zu befahren hatte ich erstmals 1996, als ein Freund mir zum Geburtstag ein einfaches kleines Buch mit dem Namen „Island per Rad“ schenkte. Der Autor Ulf Hoffmann hatte dort geballt alle nötigen Informationen zusammengestellt, die Radler für ihre Reise benötigen. Nicht mit prächtigen Farbbildern, die zwar schön anzusehen sind versehen, sondern Streckengrafiken in schwarz/weiß, Schwarz/Weiß-Fotos, Informationen über Campingplätze, Hinweise auf Einkaufsmöglichkeiten, Hinweise auf einfach Unterkünfte und vieles mehr. Jede einzelne Furt war dort detailliert beschrieben. Schön klein gehalten würde dieses Buch in einer neueren Ausgabe auch mein ständiger Wegbegleiter sein.

Jahre vergingen, die Idee Island mit dem Rad zu umrunden war irgendwie immer da, allein die erforderliche Mindestzeit für eine Umrundung (3 Wochen) war eine Hürde, die nicht so leicht zu überwinden war. Im Frühjahr 2006 war es dann soweit, mein 50. Geburtstag stand im Januar 2007 an und ein Blick in mein Gesicht verbunden mit der Frage meiner Frau „Was wünscht du dir denn zum 50. Geburtstag?“ reichte aus, um sich die Frage selber zu beantworten. So wurde meine Islandtour ein Geburtstagsgeschenk zu meinem 50. Geburtstag von meiner Frau.

Die nächsten Monate vergingen wie im Flug, die neueste Ausgabe des Reiseführers von Ulf Hoffmann wurde gekauft, Karten studiert, Streckenführungen geplant und immer wieder verworfen. Zu gewaltig war die landschaftliche Vielfalt dieses Landes, ich musste Prioritäten setzen. Die Auseinandersetzung mit diesem Land in der Planungsphase lies mich deutlich spüren, die Tour würde alle bisher von mir geplanten und gefahrenen Touren deutlich in den Schatten stellen. Viele Radtouren hatte ich bereits geplant, war jahrelang in Gruppen oder alleine durch die Alpen getourt. Island war etwas anders, die Schwierigkeiten, die durch Wind und Wetter auftreten konnten, mussten berücksichtigt werden. Was war das nur für ein spannendes Land!

Geologisch gesehen ist Island eigentlich eine Bergspitze, eine Spitze eines 20.000 km langen mittelatlantischen Rückens, der überwiegend unterhalb der Meeresoberfläche verläuft. Viele heiße Quellen besitzt das Land, aktive Vulkane, reißende Gletscherflüsse, kalbende Gletscher und eine alte Besiedlungsgeschichte über die sich die Wissenschaftler auch heute noch immer nicht ganz einig sind. Wer hat Island nun zuerst besiedelt? Waren es die Römer oder die Wikinger auf einem ihrer Beutezüge?

Fragen nach der persönlichen Sicherheit kamen im Umfeld auf. Alleine nach Island, hast du da denn überhaupt keine Angst? Ich gab immer dieselbe Antwort. Gemessen an der absolut geringen Kriminalitätsrate und dem doch noch im Vergleich zu Deutschland sehr geringen Verkehr, hatte ich mehr Angst in Deutschland bei einer Rennradtour von einem Auto angefahren zu werden, als auf Island irgendwie abhanden zu kommen. Um auf Wetterumschwünge entsprechend reagieren zu können, hatte ich mir GPS-Kartenmaterial für mein GPS-Gerät besorgt. Meine Fahrstrecke war im Gerät vollständig als Track gespeichert. Darüber hinaus hatte ich mir die Campingplätze, sowie Rettungshütten und Wanderhütten als Wegpunkte im Gerät gespeichert, in Ergänzung dazu detailliertes Kartenmaterial gekauft. Ein gutes Zelt nannte ich bereits mein Eigentum und einen neuen Schlafsack mit einem Komfortbereich bis -15 Grad Celsius hatte ich mir auch zugelegt. Die Voraussetzungen waren gegeben, diese Tour auch ohne körperliche Blessuren gesund zu überstehen.

Dann kam der Tag der Wahrheit. Ich hatte alle Ausrüstungsgegenstände in einer kleinen Exceltabelle zusammengestellt und mehrmals überarbeitet und kontrolliert. Mit meinem Radanhänger „Croozer Travel (8 kg)“ kamen ohne Nahrung bereits 47 kg zusammen. Aufgrund der kälteren Region waren einfach wärme Sachen gefordert, keine Chance das Gewicht in größerem Umfang zu reduzieren. Was soll es, dachte ich, durch die Alpen war ich noch im letzten Jahr mit ein paar Kilo weniger samt Hänger (1000 km und 20000 Höhenmeter) gefahren. Das Gewicht war optimal auf Hänger und Rad verteilt und bei einer vollständigen Umrundung Islands kamen max. 11.000 Höhenmeter in 3 Wochen zusammen. Zudem stimmte meine Vorbereitung, ich war 7.000 km mit dem Rennrad durchs Münsterland geradelt, die entsprechende Grundkondition war da. Meine Islandradtour konnte beginnen.

Die Spannung stieg, der Tag des Abfluges (15.07.2007) rückte näher. Ein kurzer Besuch am Nachmittag noch bei meinen Eltern, danach die Gepäckverladung am frühen Abend. Mein Flug ging erst um 21:35 Uhr, genügend Zeit also, noch einen Blick in den Wetterbericht zu werfen. Keflavik, 15 Grad Celsius, teilweise bewölkt/teilweise Sonne und für die nächsten drei Tage war eine gleichbleibende Wetterlage angekündigt.

Der Fahrt zum Flughafen Düsseldorf klappte mit unserem kleinen Hänger prima. Den Radkarton einfach hinten auf die Ladefläche geschoben und schon konnte es losgehen. Am Flughafen stand ich dann mit hochbeladenen Karren und verabschiedete mich von Frau und Sohn.

 

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