Durch Lavafelder nach Reykjavik

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.07.2007 56 56 260 260 Camping Reykjavik

 

Es war kurz vor 23:00 Uhr Ortzeit als der Airbus A320 pünktlich in Keflavik auf der Landebahn des Leifur Eiriksson-Flughafens aufsetzte. In Deutschland war es bereits 01:37 Uhr nachts als ich mich vor dem Flughafengebäude von einem jungen Arbeiter des Flughafens fotografieren ließ. Es war fast taghell. Auch gut, so würde ich beim nächtlichen Zeltaufbau  keine Taschenlampe benötigen. Wozu hatte ich die kleine Lampe überhaupt mitgenommen?

Von Deutschland aus hatte ich mit dem Alex-Campingplatz in Keflavik per Mail Kontakt aufgenommen und für die 3 km vom Flughafen zum Platz den angebotenen Transferdienst gebucht. Ein kurzer Anruf bei Alex reichte, um abgeholt zu werden. Ruckzuck war das Gepäck und Rad verstaut, mein Abenteuer Island 2007 konnte beginnen. Für den Zeltaufbau benötigte ich nur 5 Minuten. Ich versuchte mich so leise wie eben möglich zu verhalten, zumal andere Camper bereits fest schliefen. Den Radkarton konnte ich für die drei Wochen im Aufenthaltsraum deponieren. Er bekam einen Aufkleber mit Anreise- und Abreisedatum, eine einfache und zweckmäßige Maßnahme.

Nach 5 Stunden Schlaf wurde es morgens unruhig auf dem Platz. Etwas Hektik war ausgebrochen. Alle waren damit beschäftigt ihre Sachen zu packen oder das Frühstück zu bereiten. Ich selber ließ mir Zeit, zumal heute nur die Strecke über ca. 50 km bis Reykjavik auf dem Programm stand. Erst einmal musste ein Kaffee her. Eine zu dreiviertel volle Gaskartusche hatte ich bereits nachts im Aufenthaltsraum auf einem Regal gefunden. Dort hinterließen die Rückreisenden ihre Reste, die sie nicht mit ins Flugzeug nehmen durften. Auch das Problem war also schon gelöst.

Die Strecke nach Reykjavik wurde in verschiedenen Reiseberichten als stark befahrene Straße ausgewiesen. Zunächst war ich überrascht, dass der Verkehrsstrom am Morgen bei weitem nicht dem einer deutschen Bundesstraße entsprach. Überwiegend mit einem Seitenstreifen versehen lies sich einigermaßen sicher radeln. Der Verkehr nahm erst kurz vor Reykjavik im Bereich des Vorortes Hafnarfjödur massiv zu.

Die Halbinsel Reykjanes, die ich nun im Norden befuhr, besteht im Wesentlichen aus Lavafeldern, die erst in jüngerer Zeit entstanden sind. Hinweise auf vulkanische Aktivitäten sieht man hier viele, Risse in der Erde, Spalten die sich über Kilometer hinziehen, Solfatarenfelder, sowie einige Geothermalgebiete, von denen einige zur Energiegewinnung genutzt werden. Hauptattraktion der Halbinsel ist die „Blaue Lagune“, die jährlich von mehr als 100.000 Badegästen besucht wird. Hierbei handelt es sich nicht um einen natürlichen See, sondern um eine Folge geothermaler Energiegewinnung. In einem Wasserkraftwerk wird das mineralhaltige Wasser aus einer Tiefe von 2.000 m geholt und zum Beheizen der umliegenden Ortschaften, des Flughafens und für die Blaue Lagune genutzt. An der Blauen Lagune würde ich an meinem letzten Radtag von Süden kommend vorbeiradeln.

Kurz vor Hafnarfjödur radelte ich an einem wunderschönen kleinen See vorbei, der natürlich fotografiert werden musste. Danach nahm der PKW-Verkehr dermaßen stark zu, dass  ich froh war, nach ein paar Kilometern Fahrt durch Hafnarfjödur und Reykjavik den Campingplatz von Reykjavik zu erreichen. Er lag direkt neben dem Schwimmbad und einer Sportanlage. Der Anfahrtsweg dorthin war gut ausgeschildert. Knapp drei Stunden reine Fahrzeit hatte ich für die Strecke von Kevlafik bis nach Reykjavik benötigt. Es blieb also genügend Zeit sich die Hauptstadt Islands mal etwas genauer anzusehen. Direkt am Meer entlang kurbelte ich in Ruhe in Richtung Innenstadt.

Verglichen mit Hauptstädten wie Paris oder Berlin wirkt Reykjavik wie ein Dorf. Und dennoch wohnen in der Stadt und seinen Vororten mehr als die Hälfte der gesamten isländischen Bevölkerung (ca. 160.000 Einw. von ca. 270.000 Einw.).  In Reykjavik muss man Schornsteine suchen und das hat seinen guten Grund. Geheizt wird bereits seit Jahrzehnten mit geothermaler Energie. Fast überall werden Löcher in die Erde gebohrt, um heißes Wasser an die Oberfläche zu befördern. Über Speicherbecken werden die Häuser mit der entsprechenden Wassermenge versorgt. Kein Wunder, dass man auch auf die Idee kam, in dieser Weise im Winter die Bürgersteige schneefrei zu halten.

Die Hauptgeschäftstraße war schnell gefunden. Ich schlenderte durch die Innenstadt und suchte ein Restaurant. Nicht um Essen zu gehen, nein ich hatte zu Hause in Reiseführern gelesen, dass das Essen gehen in Island einfach kaum bezahlbar war, ich wollte das irgendwie nicht glauben. Die Bestätigung kam prompt, 2.800 Kronen für eine Pizza Calzone. Ich schaute dreimal hin, ich wollte es immer noch nicht glauben. Umgerechnet waren das halt mal so eben 2,8 x 15 Euro = 42 Euro und das ohne ein Getränk. Die Möglichkeit einmal während meines dreiwöchigen Aufenthalts essen zu gehen, war für mich damit abgehakt.

Etwas oberhalb der Geschäftsstraße auf einem Hügel steht die schon von weitem zu sehende Hallgrimskirkja. Hallgrimur Petursson war ein im 17. Jahrhundert angesehener Pastor, der in seiner Zeit zu den beliebtesten Dichtern Islands zählte. Von ihm stammt der Name der Kirche. Mit dem Bau wurde 1947 kurz nach dem Krieg begonnen, das Hauptschiff wurde erst im Jahr 1986 fertig. Die Architektur sollte Verbindungen zur isländischen Naturlandschaft herstellen. Die Außenfassade stellt daher geometrisch angeordnete Basaltsäulen dar.

Besichtigen konnte ich die Kirche leider nicht, sie war wegen einer Veranstaltung geschlossen. Um einen kurzen Eindruck von der Stadt zu bekommen, reichte es. Ich radelte zum Campingplatz zurück und beendete den Tag frühzeitig. Der wenige Schlaf in der letzten Anreisenacht forderte seinen Tribut.