In Internetforen heiß diskutiert, die Fahrt über den Öxipass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.07.2007 86 872 650 7300 Camping Djupivogur

 

Ich nehme es mal vorweg, die Fahrt über den Öxipass ist nicht leicht, aber als schwierig einstufen würde ich sie auch nicht. Unterschieden werden muss hier zwischen dem Anstieg von Norden, bzw. von Süden her. Die Strecke von Egilstadir (Norden) kommend, zieht sich relativ lang mit mäßigen Steigungsprozenten hin, bis man an den eigentlichen Straßenabzweig (1/939) zum Pass gelangt. Danach gibt es 2-3 Stellen die kurzfristig eine Steigung von 17% aufweisen, die aber alle sehr kurz sind. Ein paar mal im Stehen in die Pedale getreten und schon ist man auch  mit Gepäck oben. Die Fahrbahn ist vom Belag her relativ gut zu befahren, sie besitzt wenig lose Steine und besteht überwiegend aus festgefahrenem Lehmboden. Auf der Südseite sieht das anders aus. Hier muss man auf dem steilsten Stück innerhalb von 6 km 420 Höhenmeter bewältigen, wobei zwischendurch immer mal Steigungen um die 20 % auftreten. Bei den teilweise losen Steinen wird man mit Gepäck beladen bergauf teilweise schieben müssen, weil man die Traktion verliert. Umgekehrt auf der Abfahrt unterwegs, sollte man es langsam gehen lassen, sonst rutscht einem das Vorderrad weg.

Ich fühlte mich topfit nach dem langen Schlaf und saß bereits um 08:00 Uhr auf dem Rad. Ich war kaum an dem 14 km weiter befindlichen Minicampingplatz vorbeigerollt, da endete der „gute“ Straßenbelag. Die folgende Schotterpiste lies sich zu Beginn noch gut fahren, das endete aber, als mir eine dieser Straßenglättungsmaschinen entgegen kam.

Was man auf dem vorstehenden Foto schlecht sehen kann, ist der zusammengeschobene Straßenbelag in der Mitte, er war bis zu 30 cm hoch. Autos die mich hin und wieder überholten, mussten über diesen Steg fahren, um mich nicht zu sehr zu bedrängen. Dabei hörte man immer das Schleifen der Bodenbleche. Verbunden mit dem immer wieder einsetzenden leichten Regen, wurde daraus eine große Sauerei. Die Lava klebte überall an den Reifen und wurde hoch an die Radtaschen und auf den Hänger gespritzt. Wie unten auf dem Höhenprofil zu erkennen, führte die Straße im Wesentlichen in drei Wellen bis an den Fuß des Öxipasses heran. Nach ca. 40 km stand ich am Straßenabzweig und machte die zwei folgenden Fotos.

Die weitere Fahrt verlief insgesamt problemlos. Nicht schön war, dass der Regen wieder einsetzte und die Straße sehr schmierig wurde. Es wurde nasskalt, die Temperatur sank mit steigender Höhe ziemlich schnell, so dass ich meine Winterhandschuhe aus den Ortliebtaschen kramte. Der beißende Wind sorgte dann auch noch für eine Kälte, die gefühlt erheblich niedriger lag als die 6 Grad, die auf meinem Tacho zu lesen war. Je näher ich aber der Passhöhe und damit der Küste kam, je besser wurde das Wetter. Am Meer schien die Wetterlage deutlich besser zu sein.

Auf der Abfahrt lies ich mir Zeit. Mein kleiner Sturz auf der Gefällstrecke hinter Mödrudalur war mir gut in Erinnerung geblieben und einen zweiten wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Die Fahrbahn führte hier vom Öxipass zudem noch steiler bergab. Im 20 %-Bereich kam ich über die 10 km/h nicht hinaus. Überall lagen lose Steine, die ein plötzliches Wegrutschen auslösen konnten. Aber es ging gut, 20 Minuten später stand ich am Meer. Meinen Blick in Richtung Meer gewand, besserte sich meine Stimmungslage merklich. Wie gut, dass ich das Regenloch Egilstadir verlassen hatte und in Richtung Küste gestartet war. Ein wunderschöner Küstenstreifen erwartete mich hier.

Die Strecke auf der Südseite des Berufsfjödur zog sich ungefähr 21 km an der Küste entlang, von schroffen Bergen auf beiden Seiten des Fjordes begleitet. Häuser gab es hier nur sehr wenige. Ein paar Kilometer vor Djupivogur hatte sich wohl ein Isländer von seinem alten Gefährt getrennt. Ich war am Morgen früh gestartet, hatte mir jedoch viel Zeit unterwegs gelassen. Und dennoch  ich war zügig vorangekommen, so dass ich bereits um 15:30 Uhr auf dem Campingplatz von Djupivogur stand und die ersten Fotos machte.

Djupivogur liegt auf einer Landspitze mit dem Namen Bulandsnesid. Der Ort war bereits im 16. Jahrhundert ein wichtiger Handelsplatz für die Kaufleute der Hamburger Hanse, später für dänische Händler. An die damalige Zeit erinnert das älteste Blockhaus des Ortes, das Kaufmannshaus Langabud. Es wurde bereits 1790 gebaut und ist teilweise noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Ein Foto habe ich davon leider nicht gemacht. 

Der Campingplatz in Djupivogur ist nicht nur wunderschön gelegen, er hat einen warmen Aufenthaltsraum und klasse Duschen, sowie saubere Toiletten. Er ist daher auf jeden Fall empfehlenswert. Ich beschäftige mich am Spätnachmittag zunächst mit dem Reinigen der Orliebtaschen und wusch einige Radsachen. Danach machte ich einen kleinen Gang durch den Ort. Das einzige Lebensmittelgeschäft in dem heute 400 Einwohner zählenden Dorf besaß gleichzeitig viele Funktionen, Lebensmittelgeschäft, Bar, Cafe und Videothek.