Schwarze Lava im Skeidararsandur

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.07.2007 76 1187 150 7950 Camping Kirkjubaerklaustur

 

An meinem 14. Radtag stand eine isländische Landschaft auf dem Programm, die 1996 ziemlich für Schlagzeilen sorgte. Die Rede ist nicht vom Nationalpark Skaftafell an dem ich zuerst vorbeikommen würde, sondern vom Skeidararsandurgebiet. Im Herbst 1996 erschienen Berichte über dieses Ereignis sogar im westlichen Fernsehen, ich selber konnte mich noch gut daran erinnern. Was war geschehen?

Als es im Herbst 1996 zu einem Vulkanausbruch unter dem Vatnajökull kam, sammelte sich eine riesige Menge Schmelzwasser und Geröll in einer Mulde. Diese Mulde hielt dem aufkommen Druck zunächst eine Zeitlang stand. Der Druck wurde aber schließlich so gewaltig, dass es zu einem gewaltigen Eisbrocken- und Geröllabgang in Richtung Küste kam. Eisbrocken bis zu einer maximalen Größe von 10 m x 10 m x 20 m wurden zur Küste gespült. Das die im Skeidararsandur erst 1974 gebauten Brücken, die der Kanalisierung des normalen Glescherabgangs dienten, diesem Druck nicht mehr standhielten, war kein Wunder. Die Geröll- und Eismassen bahnten sich einfach ihren Weg und nahmen mit, was ihnen den Weg versperrte.

Dieser Brückenschlag, der aus 5 Brücken und einem Damm besteht, ist insgesamt 30 km lang. Die längste Brücke hat eine Länge von knapp einem Kilometer. Erstmals wurde diese Verbindung zwischen Skaftafell und dem im Westen liegenden Felsen Lomagnupur im Jahr 1974 geschlossen. Die Ringstraße war mit diesem Schluss geboren. Im Sommer war dieses Gebiet, wenn die Skeidara wenig Wasser führte, enorm sandsturmgefährdet. Der auf den Sanddünen liegende getrocknete dunkle Lavasand war sehr fein. Es machte hier also Sinn die Wetterlage genau zu beobachten. Als ich am Morgen in Svinafell den Kopf erstmals aus meinem Zelt steckte, war fast keine Wolke am Himmel zu sehen, ja so konnte es bleiben.

Von dem holländischen Ehepaar Wanningen verabschiedete ich mich herzlich, ging noch in den Einkaufsmarkt um ein paar Lebensmittel zu kaufen und machte mich dann auf den Weg in Richtung Skaftafell Nationalpark. Den Nationalpark selber wollte ich nicht besuchen, der war meiner Ansicht nach eher für einen späteren Wanderurlaub geeignet. Die kleine Wasserfälle und sonstigen Sehenswürdigkeiten waren mit dem Rad nicht oder nur schlecht erreichbar. Ich war noch keine 4 km unterwegs, da gelang mir das nachstehende Foto vom Skaftafellsjökull. Den Nationalpark Skaftafell erreicht man über eine Stichstraße. Ich kurbelte ein kurzes Stück hinein, machte ein Foto vom Campingplatz, kehrte dann aber um, um meinen Weg fortzusetzen.

Am Anfang der Straße durch den Skeidararsandur befindet sich eine Stelle, an der das oben beschriebene gewaltige Naturereignis sehr anschaulich dargestellt wird. Man verlässt die Straße, fährt auf einen kleinen Parkplatz und schon steht man vor gewaltigen verbogenen Stahlträgern. Es handelt sich um Reste der Brücken, Stahlträger von 1 m Höhe, die damals wie Gummi einfach erbogen wurden. Auf Schautafeln wird das Ereignis detailliert beschrieben. Die damaligen Fotos sind leider sehr verblasst, um einen Eindruck zu bekommen, was hier 1996 los war, reicht es aber auf jeden Fall. Ich war kaum weitergefahren, da lagen dann links von mir Stahlreste im Lavasand. Ein Blick in Richtung Meer, das Skeidararsandurgebiet ist so groß, dass man das Meer nicht sehen kann. Ich radelte auf einer 30 km langen Geraden. Das Ende dieser Geraden wurde durch den Felsen Lomagnupur markiert, der schon von weitem sichtbar war. Die Weitsicht war bei dem Wetter enorm, das fahren machte Spaß und ein Blick zum Himmel reichte aus, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass ich hier heute nicht gesandstrahlt würde. Für die 30 km lange Strecke benötigte ich ca. 2 Stunden, der Felsen Lomagnupur rückte immer näher und war durchaus schön anzusehen.

Ich hatte den Lomagnurpur kaum hinter mich gelassen um weiter in Richtung Kirkjubaerklaustur  zu radeln, da staunte ich nicht schlecht. Vor mir erschien auf der Straße weit entfernt ein dunkler Punkt, der sich je näher er kam, als Radfahrer herausstellte. Er winkte bereits, ich wusste aber nicht warum. Der Grund war einfach, er hatte mich aufgrund meines Anhängers viel früher erkennen können. Als er näher kam, lachte ich dann auch. Es war Iwan Sultan Ferry der Holländer, den ich im Norden Islands bereits mehrmals getroffen und der sich dann von Norden her aufgemachte hatte, durch das Hochland (Sprengisandur) nach Süden zu fahren. Ich war während dessen um ganz Ostisland herumgefahren und traf ihn hier wieder. So klein war mal wieder die Welt. Er wollte weiter nach Höfn um später mit dem Bus nach Kevflavik zurückzufahren. Was ich bei der Begegnung noch nicht wusste war die Tatsache, dass ich ihn genau dort noch mal treffen würde.

Die weitere Küstenlinie bis Kirkjubaerklaustur zog sich wunderschön hin. Ich durchquerte das Lavafeld Brunahraun, dass beim Ausbruch der Lakikraterreihe im Jahr 1783 entstanden war, fuhr an einzelnen Bauernhöfen vorbei, und freute mich schon darauf, den Zielort bei gutem Wetter und früh zu erreichen. Kinder wuchsen hier in einer Umgebung auf, die durch Einsamkeit und Ruhe geprägt war. Gespielt wurde mit dem, was die Natur so bot. Um 16:00 Uhr stand ich am Orteingang von Kirkjubaerklaustur. Für den kleinen Ort ungewöhnlich ist der große Kreisverkehr an dem sich auch eine Tankstelle und Einkaufsmöglichkeit befindet. Den Campingplatz findet man auf der rechten Seite wenn man etwas in den Ort hineinfährt.

Ich war durchaus überrascht, der Platz war klein aber fein! Es gab warme Duschen, eine Waschmaschine, eine richtige kleine Rezeption und eine tolle Wiese, die mir mal wieder die Möglichkeit bot mein Zelt direkt neben einem Tisch und einer Bank aufzubauen. Ideal um abends Zeilen in mein Tagebuch schreiben zu können.