Wieder im Hochland oder auf nach Holaskjol (Fjallabaksleidnyrdi)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.07.2007 60 1247 600 8550 Camping Holaskjol

 

Fjallabaksleid bedeutet auf Isländisch soviel wie „Der Pfad hinter den Bergen“, „nyrdi“ in Ergänzung dazu nur, dass es sich um den nördlichen Pfad hinter den Bergen handelt. Genau diesen Pfad, der mich wieder ins Hochland nördlich um den Myrdalsjökul herumführen würde, wollte ich unter die Räder nehmen. Durch wundervolle Landschaften sollte er mich führen, ich wusste aber auch, dass diese Piste so einige Schwierigkeiten aufzubieten hatte.

Schon 4 km hinter Kirkjubaerklaustur stand ich am Straßenabzweig zur F206. Die F206 führte zu den Lakikratern, die im Jahr 1783 ausgebrochen waren und deren Eruption zu einen der größten Vulkanausbrüche der Erde zählte. Große Teile Island lagen damals unter einer Staubwolke aus Asche. Ein fünftel der Isländischen Bevölkerung (10000 von 50000) starb damals an den Folgen des Ausbruchs durch Hungersnot. Ursprünglich hatte ich zu Hause  überlegt, ob die 49 km (+ 49 km zurück) bis zur Lakikraterreihe mit in meine Tourenplanung passte. Ich hatte aber früh davon Abstand genommen, weil man die Aufnahmen der Lakikraterreihe die man im Internet fand, aus der Luft gemacht hatte. Wie viel davon von der Straße aus zu sehen war, war absolut unklar. Eindeutig war auch, dass die Piste schwer in einem Tag machbar war. Ich konnte nicht alles sehen in meinen 20 Radtagen, die Fahrt zur Lakikraterreihe war für mich damit kein Thema mehr.

Das Lavafeld Eldhraun, das ich morgens durchradelte war ein Lavafeld, das durch den Ausbruch im Jahr 1783 entstanden war. Es war also nicht sehr alt und schon mit Zackenmützenmoosen überwachsen, die einem das Gefühl vermittelten, nicht auf Lava sondern auf Schwämmen zu laufen.

Am Ende der Eldhraun befindet sich der Abzweig zur Piste F208, ab hier begann für mich das nächste Hochlandabenteuer. In Erinnerung an die tolle Landschaft auf der Kjölurpiste, war ich sehr gespannt darauf, was mich hier erwartete. Ich bog also ein in den „Nördlichen Pfad hinter den Bergen“ und konzentrierte mich auf die Umgebung und auf die Fahrbahnbeschaffenheit. Bis zum Hof Buland, dem letzten Bauernhof ließ sich die Piste sehr gut befahren. Die Fahrbahn bestand die ersten Kilometer noch aus einer Asphaltdecke, danach überwiegend aus fest gefahrenem Lehm. Furten waren auf der Strecke bis Holaskjol nicht zu bewältigen, die würden mich erst einen Tag später erwarten.

Was mir ein wenig Sorgen machte, war die Wetterlage, die sich im Tagesverlauf zunehmend verschlechterte. Die Streckenführung bestand aus einem ständigen Auf und Ab, längere steile Anstiege wechselten sich mit kurzen Abfahrten ab, immer wieder musste ich an Steigungen von bis zu 20% schieben. Grund war meistens das lose Gestein. Je höher ich dabei kam, um so diesiger wurde es. Es regnete zwar mal abgesehen von ein paar Tropfen kaum, aber die Sichtweite nahm rapide ab. Am höchsten Punkt des Tages, in 380 m Höhe machte ich das nachstehende Foto. Ein Troll mit dem Namen „Selbstauslöser“ hatte sich bereit erklärt, mich zu fotografieren. Das ich das auf dem Foto zu sehende Steinmännchen noch um einen Stein erhöhte, war natürlich selbstverständlich. Ein wenig bergab geradelt, wurde die Piste fast schwarz. Die Straßenführung schlängelte sich eine Zeitlang an den unzähligen Wasserläufen der Skafta entlang, bis ich unvermittelt in einem dicken Lavafeld stand. Am Fahrbahnrand lag Schlacke herum, die mich an unseren ersten Kohleofen aus Kindheitszeiten erinnerte. Der Brocken auf dem Foto war ca. 30 cm groß, hier musste es mal Steine geregnet haben. Etwas später, als das Wetter mal wieder für einen kurzen Moment aufklarte, sah ich in der Ferne einige Pferde, ein Holzgebäude und eine Wiese. Ja, das musste Holaskjol sein.

An der kurzen Stichstraße die zum Campingplatz führte, standen zwei junge Frauen. Es waren Französinnen, die per Anhalter unterwegs waren. Ihre Rücksäcke hatten sie am Straßenrand stehen und durch eine Regenhaube geschützt. Ich rollte mit meinem Gespann auf sie zu und gab ihnen kurz zu verstehen, dass ich sie doch auf meinem Radanhänger mitnehmen könnte. Ich würde leider nur nicht in ihre Richtung fahren. Ich erntete natürlich ein lautes Lachen. Im folgenden Gespräch erklärten sie mir dann, dass Trampen auf Island vollkommen unproblematisch wäre. Glauben konnte ich das zunächst nicht, weil an dieser Straßenecke vermutlich am Tag max. 5 Fahrzeuge zu erwarten waren. Aber da lag ich falsch! Ich hatte mein Zelt noch nicht aufgebaut, da sah ich, wie sie ihr Gepäck in ein Fahrzeug luden.

Am späten Nachmittag fing es an zu regnen, es war nasskalt, die Lufttemperatur lag um die 8 Grad Celsius. Ich kroch in meinen warmen Schlafsack, ärgerte mich ein wenig über das sch… Wetter und schlief auch prompt ein. Um 19:00 Uhr wurde ich mit einem Hungergefühl wach und kochte mir eine Suppe. Danach ging ich erst einmal ausgiebig heiß duschen. Bei der Anmeldung hatte ich für die Nutzung der Dusche fast soviel zahlen müssen, wie für den Stellplatz meines Zeltes. Ich fand 300 Kronen für eine Dusche (4,50 Euro) waren schon ein ziemlich überzogener Preis. Während dessen regnete es ohne Pause weiter. Schade, ich wäre noch gerne in die Lavafelder gelaufen. Früh ging ich an dem Abend schlafen, der Regen prasselte die ganze Nacht auf das Zeltdach, erst am anderen Morgen hörte es auf.