Die Sandpiste von Landmannarlaugar nach Hella, bin ich auf dem Mond

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.08.2007 105 1392 200 9540 Camping Hella

 

Die Nacht über hatte der Wind reichlich viele Camper wachgehalten. Immer wieder hörte ich, wie Heringe neu in die Erde getrieben wurden oder jemand Steine schleppte, um die Haken zu beschweren. Bei mir war das schon am frühen Abend geschehen, als ich bemerkte hatte, dass der starke Wind den Hering am Zelteingang einfach rausgezogen hatte. Mehrere kg schwere Steine lagen hier genug herum, in ein paar Minuten hatte ich alle Heringe mit mindestens 3 kg schwere Brocken gesichert. Danach hatte ich Ruhe.

6 Grad Celsius zeigte das Thermometer als ich morgens in Landmannarlaugar wach wurde. Ein eiskalter Wind pfiff ums Zelt und als ich den Kopf zum ersten Mal aus dem Zelt steckte, sah ich einige Menschen dick eingepackt zum Waschhaus laufen. Am Abend zuvor hatte ich noch ein paar Lebensmittel in einem grünen Bus kaufen können. Auf dem nachstehenden Foto sieht man den mobilen Supermarkt hinten auf dem Platz stehen. Wie mir andere Radler erzählten, wurde er im Rahmen eines studentischen Projektes betrieben. Klasse mein Frühstück im Zelt war damit gesichert.

Nach einem kurzen Gespräch mit ein paar älteren Deutschen, die als Wandergruppe unterwegs waren, verließ ich den Platz nicht ohne Wehmut, die eigentümliche Atmosphäre hatte mich irgendwie gefangen. Immer wieder rückblickend radelte ich den Stichweg zurück zur F208. Bis auf ein paar kürzere Steigungen waren an dem Tag kaum Höhenmeter zu bewältigen, ich fuhr ja wieder in Richtung Meer und Landmannarlaugar lag ziemlich genau 600 m hoch. Auf der ersten Bergkuppe habe ich zwei Fotos gemacht die kontrastreicher nicht sein konnten, links von mir schwarze Lava und rechts davon in dunkelrot. Kurz hinter der höchsten Stelle erhielt ich zugleich auch einen ersten Blick auf den Frostastadavatn, den ich mit dem Rad noch halb umrunden würde. Am Ende des Sees befand sich der Straßenabzweig von der F208 auf die F225.

Wie einfach hier doch mal wieder die isländische Sprache war. Ich war auf den Landmannarleid eingebogen, den „Pfad der Männer vom Land“. Man hätte ihn „Sandpiste der Männer vom Land“ nennen sollen, denn ich war kaum darauf eingebogen, da versank ich im Lavasand. Das Rad rutschte immer häufiger weg, dass Risiko zu stürzen, wurde mir einfach zu groß. Ich stieg ab und schob. Diese Stellen gab es zwar nicht häufig, ein paar Mal, meistens waren sie auch nicht länger als zwei bis dreihundert Meter, etwas zermürbend war es aber schon, weil man vorher nie sehen konnte wie lang sie waren. Zwischendurch konnte ich aber immer wieder mehrere Kilometer fahren und Strecke machen.

Die Landschaft entlang der F225 konnte kontrastreicher kaum sein. Mal durchfuhr ich schwarze Lavafelder und fühlte mich wie auf dem Mond, dann wieder stand ich zwischen grünen Bergen und durchfuhr kleinere Flüsse. Die Furten waren dort aber alle sehr flach. Hinter der auf dem nächsten Bild dargestellten langen Geraden, führte die Piste nach links um den Felsen herum.

Der Fahrbahnbelag wurde mal wieder zunehmend schlechter. Als ich mein Gespann das relativ kurze Stück um den Fels herum schob, kam mir der Hochlandbus entgegen. Die darin sitzenden Menschen drückten ihre Gesichter an die Fenster und grüßten mich winkend. Natürlich grüßte ich zurück, man freute sich auf dieser einsamen Piste auf jeden Menschen den man traf. Als der Bus vorbei war, sah ich zum ersten Mal die Hekla.

In der Mythologie stellt die Hekla das Eingangstor zur Hölle dar. Wenn man sich ihr nähert, soll man das Jammern und Stöhnen derjenigen hören, die in der Hölle schmoren. Ich hörte nur das Rappeln des hinter mir befestigten Hängers, aber vielleicht befand ich mich auch noch zu weit weg.

Die Hekla, 1491 m hoch, ist der aktivste Vulkan Islands. Sein Alter schätzt man auf mindestens 12.000 Jahre. Dazwischen liegen Zyklen aktivster gewaltiger Eruptionen. Erste Aufzeichnungen der Ausbrüche stammen aus dem Jahr 1104, seit dem wurden alle Ausbrüche aufgezeichnet. Die Eruptionen des letzten Jahrhunderts fanden in den Jahren 1947, 1970, 1980/81/82 und 1991 statt. Während 1991 nur schwache Ausflüsse registriert wurden, bedeckten die Lavaausflüsse der Vorjahre teilweise eine Fläche von bis zu 20 qkm. Während ich immer wieder einen Blick auf die Hekla bekam, näherte ich mich mehr und mehr der Straße Nr.26.

12,5 km waren ab dem Straßenabzweig noch auf schlechter Wegstrecke zu fahren, danach stand ich wieder auf Asphalt. Auch mein zweites Hochlandabenteuer hatte ich ohne Blessuren überstanden. Außer dass ich auf den ersten Kilometern auf der Straße 26 immer in Staub gehüllt wurde wenn ein Auto kam, gab es von der Strecke wenig zu berichten. Mein Blick nach links war häufig auf die Hekla gerichtet, die sonstige Landschaft war überwiegend durch grüne Wiesen und Landwirtschaft geprägt.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt auf dem Campingplatz in Leurubakki zu übernachten. Als ich ihn erreichte, war es aber gerade mal 15:00 Uhr und der Platz vollkommen leer. An der Einmündung zum Platz stand eine Französin, die per Anhalter nach Landmannarlaugar wollte. Ich unterhielt mich mit ihr ein paar Minuten, musste aber dann zum zweiten Mal feststellen, dass per Anhalter reisen hier tatsächlich funktionierte. Bereits das erste vorbeifahrende Auto hielt an und nahm sie mit.

Die Entscheidung weiter bis nach Hella zu fahren, fiel schnell. Der Wind stand günstig, der Ort war etwas größer und eine Einkaufsmöglichkeit gab es dort auch. Also gab ich „Gas“, nutzte den Wind und erhöhte meinen Tageskilometerstand noch auf 104 km. Um 16:50 Uhr stand ich wieder an der Ringstraße Nr. 1, die ich zwei Tage vorher in Südisland verlassen hatte. Bis Hella waren noch 6 km zu radeln. Ich lies mir Zeit, da mir klar war, dass ich Hella noch vor 17:30 Uhr erreichen würde. Direkt an der Straßeneinmündung der 26 befindet sich ein Supermarkt. Die Information dürfte vor allen Dingen für Radler interessant sein, die sich auf dem umgekehrten Weg in Richtung Landmannarlaugar befinden.