An einer Heißwasserpipeline entlang zur historischen Stätte Pingvellir

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.07.2007 72 128 830 1090 Camping Thingvellir

 

Kerstin und Gunnar traf ich auf dem Campingplatz in Reykjavik. Sie waren meine Zeltnachbarn, ihre Radtour war leider beendet. Sie gaben mir aber noch wertvolle Tipps für die Fahrt von Süden her nach Landmannarlaugar. Hiermit noch mal ein Dankeschön an die beiden Radler, die gerade von dort zurückkamen. Landmannarlaugar stand bei mir erst in der dritten Woche auf dem Programm.

Einigermaßen ausgeschlafen machte ich mich auf den Weg die „Großstadt“ Reykjavik zu verlassen, ohne die stark befahrenen Straßen zu nutzen. Es stellte sich heraus, dass das gar nicht so einfach war. Das Kartenmaterial der Papierkarte sowie auch im GPS-Empfänger waren nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Im Nordosten von Reykjavik hatte man in kürzester Zeit ein Neubaugebiet errichtet. Das GPS-Gerät half mir hier aber vorzüglich. Da ich die von mir gewählte Straße in Richtung Pingvellir immer im Display vor mir sah, konnte ich mich entsprechend orientieren und schließlich eine Alternativroute finden. Die sah hinter dem Wohngebiet dann so aus.

Die ca. 1 m dicke Röhre würde mich auf meiner Weiterfahrt nach Pingvellir ständig begleiten. Das Geothermalkraftwerk Nesjavellir, das diese Röhre und damit Reykjavik mit heißem Wasser versorgt, befindet sich in der Nähe meines Zielortes am Pingvallvatn, dem größten See Islands. Von dort wird im Wärmetauschverfahren auf 200 Grad C erhitztes Wasser über 50 km nach Reykjavik gepumpt. Bis zu 2.000 Liter Wasser fließen pro Sekunde durch diese Röhre. Ich konnte die Röhre aufgrund der guten Isolierung durchaus noch anfassen, unangenehm war es aber schon. Nach mehreren Kilometern auf einer Schotterpiste wurde der Straßenbelag dann besser.

Einen ersten Blick auf den Pingvallavatn erhielt ich kurz danach. Keine Ferienanlagen erwarteten mich hier, sondern hin und wieder einzelne Häuser, die am See in wunderschöner Lage gebaut waren. Ich genoss die Ruhe am See entlang zu fahren, mit so wenig Verkehr hatte ich nun absolut nicht gerechnet. Die Strecke über die Straße „360“ hatte ich schon zu Hause ausgewählt, um den Tourismusbussen,  die über die Straße „36“ fuhren,  zu entgehen. Die Straße „36“ war für die Busse die direkteste Route zum Pingvallavatn und in Verlängerung zum Geysir und Gulfoss. Diese wollte ich so weit wie eben möglich meiden.

Beim Pingvallavatn handelt es sich um den größten See Islands, an dessen Nordseite sich die altisländische Ebene der Volksversammlung Pingvellir befindet. Das knapp 30 qkm große Gebiet wird im Westen durch die Allmannagja (Allmännerschlucht) begrenzt. Das Gebiet, das seit Jahrzehnten unter Naturschutz steht, liegt in der aktiven Vulkanzone Islands. Hier driften die nordamerikanische und eurasische Platte langsam auseinander, gut zu erkennen in der Almännerschlucht. Pingvellir wurde historisch gesehen vielfältig genutzt. Bereits ab dem Jahre 930 fand hier das Treffen der isländischen Goden (Alping) statt. Auf dem Gebiet wurden Streitigkeiten geschlichtet, Gesetze erlassen, Recht gesprochen und Urteile gefällt, wobei die Goden die Urteile nicht selbst vollstreckten. Diejenige Person, die Recht gesprochen bekam erhielt quasi einen Freibrief,  Gewalt auszuüben. Unter der späteren norwegischen bzw. dänischen Herrschaft wurden diese Dinge jedoch abgeschafft. In manchen Jahren trafen sich hier bis zu 5.000 Menschen. Die Allmännerschlucht erhielt ihren Namen, weil angeblich alle Teilnehmer des Alping darin Platz fanden. Auf der Ostseite der Schlucht steht eine kleine Kirche. Man vermutet, dass an dieser Stelle im Jahre 1000 im Rahmen der Annahme des Christentums die erste Kirche Islands gebaut wurde.

Die restlichen Kilometer auf welligem Profil waren schnell geradelt, den Straßenabzweig nach Pingvellir und zur Allmännerschlucht konnte ich nicht verfehlen. Der Campingplatz liegt etwas weiter im Norden der Schlucht. Ich musste nur die Schlucht im Norden verlassen und vom angrenzenden Parkplatz aus die Straße weiter nach Norden verfolgen. Obwohl Pingvellir jährlich von ca. 250.000 Menschen besucht wird, war der Platz fast leer. Kein Tourismustrubel weit und breit. Zum Abend hin fuhr ich noch einmal in die Allmännerschlucht und machte noch ein paar Aufnahmen.