Locker Treten! Meine letzte kleine Ausfahrt auf der Halbinsel Reykjanes

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.08.2007 37 1607 50 10450 Camping Kevflavik

 

Locker Treten, etwas auf der westlichen Halbinsel rumfahren, ja das waren meine Gedankengänge am Morgen, als ich darüber nachdachte, was ich mit dem Tag anfangen würde. Packen musste ich ja noch nicht. Mein Flug ging erst einen Tag später am Abend.Der Platz hatte sich schnell gelehrt, kaum ein Zelt war stehen geblieben, es erinnerte mich an den Morgen meines eigenen Starts. Links von meinem Tunnelzelt stand noch das Zelt des Schweizer Pärchens, dass ich bereits in Djupivogur kennen gelernt hatte, ansonsten herrschte überall „gähnende Leere“.

Was fühlte sich mein Rad ohne Gepäck leicht an, als ich danach griff um die wenigen Hundertmeter in den Ort zu radeln, das war ich gar nicht mehr gewohnt. Leicht bergab kurbelte ich locker in Richtung Hafen. Das Wetter sah sehr stabil aus, es herrschte zwar nach wie vor ein starker Wind, aber die Sonne erschien immer wieder zwischen den Wolken.

Keflavik ist mit seinen 7700 Einwohnern schon einer der größeren Ort auf Island und dennoch wirkte der Ort gemessen an den Verhältnissen in Deutschland eher bescheiden. Die meisten Bewohner waren beim größten Arbeitgeber der Region, dem Marine- und Luftwaffenstützpunkt Keflavik, beschäftigt. Ob der internationale Leiff Eiriksson-Flughafen auch dazu zählte, war mir nicht bekannt. Was ich wusste war die Tatsache, dass er 1987 nach mehrjährigem Bau eingeweiht wurde und dass damit ein Wunsch der Isländer in Erfüllung ging, den zivilen Luftverkehr vom US-Militärstützpunkt zu trennen. Schnell war ich am Meer angekommen, schwenkte nach links und sah einige Schiffe im Hafen.

Danach fuhr ich die Straße Nr. 45 weiter in Richtung Gardur, einem kleinen Ort, der auf der äußersten Nordwestspitze der Halbinsel Reykjanes liegt. Was ich auf dem Weg dort hin sah, fand ich schon ein wenig zum Schmunzeln. Es gab an der Küste rechts von der Straße Nr. 45 einen Golfplatz und dort liefen tatsächlich Menschen rum und spielten Golf. Was an sich ja nichts Ungewöhnliches ist, wirkte bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h schon leicht verrückt. Ich hatte mit meinem Rad ständig zu kämpfen auf der Straße zu bleiben und dort spielte man Golf. Wahrscheinlich war mein Radfahren bei dem Wind aber auch nur verrückt.

In der Nähe von Gardur gibt es einige kleine Seen. Das Gebiet war weit bekannt für seine großartige Vogelwelt. Mir selber sagten die Vogelnamen wie Mittelsäger, Steinschmätzer, Wiesenpieper und Schneeammer wenig, für Vogelkundler mit Sicherheit eine interessante Region. Mich interessierten mehr die am Ende des Felszipfels Gardskagi weithin schon sichtbaren Leuchtürme. Sie waren nicht besonders schön, aber immerhin ein paar Aufnahmen wert.

Auf dem Gelände gab es weiterhin eine Hinweistafel. Auf der Tafel waren alle Schiffsunglücke der Zeit von 1903 bis 1987 dokumentiert, die hier an den Felsen von Gardskagi gestrandet waren. Übrigens traf ich am Leuchtturm auch die Schweizer, die ihr Zelt neben meinem stehen hatten. Sie unternahmen wohl auch noch einen kleinen Ausflug mit dem Rad. Danach machte ich mich auf in Richtung Sandgerdi. Der Ort hatte einen kleinen Hafen, ansonsten gab es dort nicht viel zu sehen. Meine Rückfahrt führte mich dann direkt am Flughafen vorbei. Ich fuhr einmal halb um das Flughafengebäude herum, orientierte mich ein wenig und kurbelte anschließend gegen den starken Wind zum Campingplatz zurück.

Meine Radtour war damit nach 1607 Gesamtkilometern beendet.

Am Nachmittag füllte sich der Campingplatz wieder und ich lernte noch einige Radler aus verschiedenen Nationen kennen. Die alle aufzuführen, würde den Rahmen dieses Reiseberichts  arg sprengen, deshalb möchte ich mich auf den Namen eines Menschen beschränken, den ich auf dem Campingplatz als äußerst netten und zuvorkommenden Menschen kennen gelernt habe. Es handelt sich um Manfred Kraft aus Bad Wildungen. Manfred war selber vier Wochen auf Island mit dem Rad unterwegs gewesen und hatte die übelsten Hochlandstrecken befahren. Die Gespräche mit ihm und der gemeinsame Austausch unserer Erlebnisse am Abend und am darauffolgenden Tag, war ein richtig schöner Abschluss meiner Islandtour. Danke Manfred und schöne Grüße nach Bad Wildungen.