Ein Tag der Kontakte, Geysir. Gullfoss und Wüste (Kjölurroute)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.07.2007 101 229 1044 2134 Camping Hvita Brücke (wild)

 

Es war bereits 21:15 Uhr als ich diese Zeilen in Kurzform in mein Tagebuch schrieb. Was war das für ein Tag gewesen! „Viele“ Touristen  am Geysir und Gullfoss (Goldwasserfall) und dann dieser stille Ort 30 km hinter dem Gullfoss auf der Kjölur-Route. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Die Sonne schien auf den Blafell, einem Berg der 1200 m hoch war, direkt südlich von meinem in freier Natur gewählten Campingplatz. Über 100 km war ich heute gefahren, hatte die Kette meines Rades reparieren müssen und zum ersten Mal Staub schmecken müssen, den hochhackige allradgetriebene Fahrzeuge im Vorbeifahren aufwirbelten. Ich sollte aber von vorne beginnen. Um 09:00 Uhr saß ich auf dem Rad und radelte direkt am Pingvallavatn entlang um die Straße „365“ zu erreichen.

Auf der Karte hätte ich es bereits erkennen können, die Fahrbahn (Str. 365) in Richtung Laugarvatn war nicht mit einem Teer oder Asphaltbelag versehen. Eine Schotterpiste erwartete mich, die manchmal gut befahrbar, dann aber wieder einem Waschbrett oder Wellblech glich. Auf dieser Piste gab es nicht viel Verkehr. Die allradgetriebenen Fahrzeuge, die mich hin und wieder überholten, fuhren in zügigem Tempo vorbei und hüllten mich kurzfristig in eine Staubwolke. Meine Handzeichen langsamer zu fahren wurden meistens ignoriert. Als radelndes  „Greenhorn“ was isländische Schotterpisten betrifft, wurde mir sehr schnell klar warum. Der vorhandene Wind sorgte dafür, dass der aufgewirbelte Staub in Kürze verschwunden war, es gab keine stehende Staubwolke die Atemprobleme verursachte, wozu dann langsam fahren?

Im Ort Laugarvatn gibt es an der Tankstelle einen Supermarkt, den diejenigen aufsuchen sollten, die sich hinter dem Gullfoss ins Hochland begeben wollen. Der Supermarkt stellt die letzte über knapp 200 km mögliche größere Einkaufsmöglichkeit dar. Ich selber deckte mich natürlich mit reichlich Proviant ein. Die Straße 37, auf die ich in Laugarvatn traf, war asphaltiert und es ging zügig voran. Auch hier gab es vergleichbar mit Deutschland wenig Autoverkehr. Auf den ca. 30 km bis zum Geysir überholte mich hin und wieder mal ein Auto, zwei Reisebusse,  voll besetzt mit Touristen,  registrierte ich in den ca. 2 Std. Fahrzeit von Laugarvatn bis zum Geysir. Der Geysir befindet sich am Fuße des kleinen Rhyolithberges Bjarnarfell. Auf dem nachfolgenden Foto ist der Berg bereits von Weitem sichtbar.

In der Region um den großen Geysir zischt und brodelt es an allen möglichen Stellen aus der Erde. Der große Geysir selber hat seine Aktivitäten bereits seit langem eingestellt, letztmalig „spuckte“ er noch eigenständig aus eigener Kraft im Jahr 1930. Danach hat man es im Jahr 2000 noch einmal geschafft,  ihm mit verschiedenen Hilfsmitteln (Schmierseife) eine Wasserfontäne von 4-8 m zu entlocken, diese Aktivitäten aber anschließend eingestellt. Geologen waren der Ansicht, dass der große Geysir nicht mehr eigenständig ausbrechen kann, weil die Temperatur im Erdinneren abgesackt war. Die frühere Fontäne muss gewaltig gewesen sein (60 m hoch). Besichtigen kann man dieses Schauspiel aber noch am kleineren Strokkur (Butterfass). Er schießt noch regelmäßig ca. alle 8-10 Minuten eine Fontäne von 10 m-20 m in die Höhe. Schon auf meiner langen Anfahrtsstrecke konnte ich dieses Schauspiel von Weitem beobachten.

Als ich das Gelände nach ca. einer Stunde verlassen wollte, kam mir eine Familie auf ihren Rädern entgegen. Sie kamen vom Gullfoss und waren auf Island insgesamt 4 Wochen unterwegs. Die jüngste Tochter war 10 Jahre alt, die zweite ca. 14 Jahre und der Sohn um die 16 Jahre alt.  Was ich noch nicht wusste,  war die Tatsache, dass ich sie in Südisland an meinem letzten Radtag wiedertreffen würde. Da waren sie alle bereits über 1200 km geradelt. Klar, dass wir uns austauschten! Wo kommt ihr her? Wie war es dort? Welche Strecke wollt ihr weiterfahren?

Am Geysir war eine Entscheidung fällig. Meine ursprünglich Planung sah eine Übernachtung auf dem Campingplatz am Geysir vor, es war aber erst 13:30 Uhr und nach 55 km fühlte ich mich auch noch fit genug weiterzuradeln. Verpflegung hatte ich genügend gekauft! Am Gullfoss gab es keinen Campingplatz und so traf ich die Entscheidung im Hochland zu übernachten. Die Verlängerung der Straße 35 über eine Strecke von 10 km brachte mich direkt zum Gullfoss.

Der Gullfoss besteht aus zwei Stufen, einer 11m hohen und einer 21 m hohen. Wenn man den Gullfoss richtig erleben will, sollte man vom unteren Parkplatz aus an die Kante der Schlucht laufen (gesichert!). Dort sieht man beide Kaskaden in voller Breite. Das Gelände, das sich früher mal in Privatbesitz eines Bauern befand, ist heute Eigentum des Staates und steht seit 1979 unter Naturschutz. Vor Jahrzehnten soll es bereits mal einen Vorvertrag mit einer englischen Stromgesellschaft gegeben haben, den Wasserfall kommerziell zur Stromzeugung zu nutzen. Durch den beherzten Einsatz des Bauern Sigridur, der sich gegen den Verkauf des isländischen Boden einsetzte, wurde die Nutzung zur Stromerzeugung verhindert. Er soll damit gedroht haben, sich im Falle eines Verkaufs den Wasserfall hinunterzustürzen.

Um ca. 16:00 Uhr verließ ich das Gelände um den Gullfoss und machte mich auf den Weg ins Hochland. Keine 1000 m weitergefahren, herrschte bereits absolute Ruhe. Kein Tourist, kein Auto oder Bus waren weit und breit zu sehen. Noch ca. 15 km auf Asphaltbelag konnte ich zügig fahren, danach war es vorbei mit „Kilometer machen“.

Ich war kaum 15 km auf dieser losen Geröllpiste unterwegs, dann das! Ein Kettenriss! Mir war das unerklärlich! Ich hatte zu Hause eine neue Kette, neue Ritzel und neue Kettenblätter montiert. Ein Montagefehler konnte praktisch kaum vorliegen, weil ich keinen Shimano-Kettenstift, sondern ein SRAM-Schloß verwand  hatte. Diese schließen sich auf Zugbelastung selbsttätig. Was solls, eine Erklärung würde ich dafür wohl nicht mehr bekommen. Ich hatte drei SRAM-Schlösser in Reserve mitgenommen, die Reparatur konnte ich innerhalb von 5 Minuten erledigen.

Für einen kleinen Schrecken hatte die Situation doch gesorgt. Ohne Ersatzschlösser wäre die Tour hier zu Ende gewesen. Es war bereits nach 19:00 Uhr, der Wind fegte über die Kjölurroute und erzeugte eine unheimliche Wüstenstimmung. Nach Sturm sah es vom Himmel her nicht gerade aus, aber „gesandstrahlt“ wollte ich auch nicht werden. Etwas weiter entdeckte ich dann die rote kleine Hütte. Sie war verschlossen, besaß außen aber eine Holzbank und stellte einen idealen Windschutz dar. Klar, dass der Platz hinter der Hütte mein Übernachtungsplatz wurde.