Ein harter Tag! 8 Std. Fahrzeit für 58 km Kjölur-Piste

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.07.2007 58 287 572 2706 Camping Hveravellir

 

Beim Packen kamen ein paar Regentropfen vom Himmel, es wurde aber den ganzen Tag über nicht schlimmer. Regenkleidung war nicht erforderlich, es blieb jedoch dunstig und wolkenverhangen. Schade, so konnte ich keine tollen Fotos vom Langjökull und Hofjökull machen. Morgens beim Frühstück blies der Wind eiskalt um die Hütte. Ich kauerte mich eng hinter dem kleinen Holzhaus auf eine Bank und aß mein Brot. Bei dem Wind packte ich den Kocher zum Kaffee machen erst gar nicht aus. Mich drängte es weiter ins Hochland, diese so einsame Piste wollte ich unbedingt kennen lernen, Hochland spüren! 58 km standen heute auf dem Programm, allerdings 58 km der besonderen Art, die ich noch kennen lernen sollte.

Schon nach dem ersten kleinen Anstieg hinter der Hvita –Brücke war vollste Konzentration gefordert. Wurde die Fahrbahn mal kurzfristig besser, war ich geneigt das Tempo zu erhöhen, wurde aber immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Solche kurzfristig sandigen Stellen sahen dann so aus. Wenn die Piste nicht aus losem Sand bestand, dann konnte ich mir aussuchen nach links oder rechts auszuweichen um die Waschbrettpiste zu vermeiden.

Auf und ab ging es auf übelster Hochlandpiste über 58 km! Aber dennoch, so schwer diese Piste auch zu fahren/schieben war, das Hochland hatte etwas Besonderes. Man fühlte sich einfach mit der Natur verbunden. Rad und Hänger wurden hier auf eine harte Probe gestellt, gestern der Kettenriss, was sollte auf dieser Piste in völliger Einsamkeit wohlmöglich sonst noch alles geschehen. Ich war schon einige km unterwegs, als ich meinen Augen nicht traute. Von einem seitlich einmündenden Weg tauchten vier Mountainbiker auf, die auf die von mir gewählte Piste einlenkten. Drei Spanier und ein Deutscher, die dasselbe Ziel, Hveravellir ansteuerten.

Wir unterhielten uns einige Zeit und trafen uns auch in Hveravellir wieder. Unterwegs fuhr aber jeder sein eigenes Tempo. Einen Tag später traf ich sie noch mal in Varmahlid. Für den Deutschen war die Tour beendet. Er hatte die falsche Radwahl getroffen und war mit einem Hightech-MTB unterwegs gewesen. Auf der Kjölurpiste hatten sich Alu und Karbon miteinander nicht mehr vertragen und getrennt, ein Totalschaden und das Ende einer Radtour. Auch das ist Island. So alle zwei Stunden kam mir auch mal ein Allradfahrzeug entgegen, fast alle hielten an und erkundigten sich nach meinem Befinden. Eine enorme Hilfsbereitschaft fand ich hier auf Island, das sollte sich auch in den Folgetagen nicht ändern.  Meine Hände schmerzten von dem ganzen Fahrbahnschlägen, ansonsten ging es mir blendend.

Gegen 17:30 Uhr nach 8 Std. reiner Fahrzeit, 9 ½ Std. nach meinem Start an der kleinen Hütte erreichte ich Hveravellir. Von weitem konnte ich die dampfenden Solfataren bereits erkennen. Ich wusste, dass es hier einen Hotspot gab und freute mich schon darauf. Einen schönen Stellplatz für mein Zelt fand ich direkt neben einem kleinen Bach. Die wasserdichten Ortliebtaschen brauchte ich nur durchs Wasser zu ziehen, um sie von dem Lavastaub zu befreien. Dabei machte ich eine neue Islanderfahrung, dass Wasser war warm! Wo in Europa bekommt man Derartiges geboten?

Mein Abendprogramm sah dann so aus, dass ich erst einmal in Badehose bekleidet in den Hotspot stieg. 35 Grad warmes Wasser erwartete mich hier um meine vom Rütteln schmerzenden Glieder zu verwöhnen. Eine halbe Stunde hielt ich mich dort auf und fühlte mich wieder pudelwohl. Der Magen knurrte! Ich hatte 2 kg Kartoffeln nicht mit über die Kjölur-Route geschleppt, um sie wieder mit auf die Ringstraße zu nehmen. Also wurde der Kocher rausgekramt und Wasser aufgesetzt. Leider funktionierte das Feuerzeug nicht und im nach hinein betrachtet war das gut so. Denn so kommen manchmal zwischenmenschliche Kontakte zustande. Einige Meter weiter stand ein Holländer, der auch mit dem Rad unterwegs war und den ich noch häufiger treffen würde. Meine Frage nach einem Feuerzeug war der erste Kontakt. Etwas später kochten die Kartoffeln im Topf und ich machte mal wieder die Erfahrung, dass eine einfache Mahlzeit nach einem anstrengenden Tag eine ungeheure Zufriedenheit auslöst.

Nach dem Essen schaute ich mir noch das Solfatarenfeld von Hverarvellir an und machte einige Fotos. Wie dünn war hier nur die Erdkruste? Hier brodelte es alle paar Meter. Ein hölzerner Weg führte gezielt an den heißen Quellen vorbei. Er soll verhindern, dass die Vegetation,  die in früheren Jahren bereits teilweise zertreten wurde,  nicht weiter zerstört wird. Die heißen Quellen sind Naturschutzgebiet. Es handelt sich dabei um ca. 30 Heißwasserbecken in den unterschiedlichsten Farben. Der Bláhver ist das schönste Blauwasserbecken Islands, mit einem Durchmesser von 8 m und einer Wassertemperatur von 90 Grad. Den von Schwefelablagerungen gelb bräunlich gefärbten Öskjuholt (Donnerkegel) hört man schon von weitem. Er faucht und zischt, die Geräusche werden durch austretenden Dampf erzeugt.