Von Akureyri aus zum Godafoss und weiter bis zum Myvatn-See

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.07.2007 104 607 1080 5380 Camping Reykjahlid

 

Seit einer Woche war ich nun mit dem Rad in Island unterwegs und war bereits 607 km geradelt. Am 07. Tag waren 104 km und 1080 Höhenmeter zusammengekommen. Ich saß bei wunderschöner Abendsonne vor meinem Zelt in Reykjahlid, dachte über den abgelaufenen Tag nach und schrieb einige Zeilen in mein Tagebuch. Der Tag begann zunächst sehr diesig und die Wolken hingen tief. Ich verließ Akureyri auf dem Straßendamm, der den Eyjafjördur auf seinen letzten Kilometern teilte und kurbelte auf der anderen Seite des Fjordes meinem ersten Anstieg (300 Hm) des Tages entgegen.

Die Sicht wurde auf den weiteren Kilometern immer schlechter und als ich die Passhöhe in 350 m Höhe erreichte, konnte ich kaum mehr als 50 m weit sehen. Dichter Nebel lag wie eine Dunstglocke über dem Berg. Nahenden PKW´s gab ich mit schwenkenden Armen deutlich zu erkennen, hier gibt es noch einen, der mit dem Rad unterwegs ist. Ich wollte, dass sie mich so frühzeitig wie möglich wahrnahmen. Den Rollendynamo an meinem Rad setzte ich erst gar nicht in Funktion, zu schlecht war die Lichtausbeute bei einer Geschwindigkeit von 6-7 km/h. Kaum hatte ich die Passhöhe verlassen und war 100 Höhenmeter hinunter gesaust, durchstieß ich die Dunstglocke und hatte wieder klare Sicht. Eine kritische Situation hatte es glücklicherweise nicht gegeben.

Die Straße zog sich bis zum Godafoss noch lang hin, beim Km-Stand 52 war es dann geschafft. Schon von weitem konnte man die Gischtschwaden aufsteigen sehen, der Wasserfall war noch gar nicht zu sehen. Olaf und Inis hatten mich ein paar Kilometer vorher überholt, am Godafoss traf ich sie dann wieder. Das einige Fotos gemacht wurden, war selbstverständlich, ein Däne erklärte sich bereit,  mich vor dem Godafoss (Götterfall) zu fotografieren. Gut so, so konnte ich mir den Aufbau des mitgeführten Stativs ersparen.

Der Name Godafoss (Götterfall) stammt aus der Kristni-Saga und geht laut Überlieferungen angeblich auf das Jahr 1000 zurück, dem Jahr der Christianisierung. Der damalige Gode (Gesetzessprecher) soll alle alten Götzenbilder in der Nähe des Wasserfalls in den Fluss geworfen haben, um seinem Eintritt in den christlichen Glauben Nachdruck zu verleihen.

Dem Godafoss gegenüber befindet sich der Hof Fosshöll, der gleichzeitig auch einen Einkaufsmarkt und eine Tankstelle besitzt. Diesen steuerte ich nach einer halben Stunde Aufenthalt am Wasserfall an, um einige Lebensmittel zu kaufen. Anschließend machte ich mich auf den Weg,  den nächsten Berg zu erklimmen. Das Wetter war erheblich besser geworden als am Morgen, immer wieder schien die Sonne.

Auf der Abfahrt in Richtung Laugar sah ich Olaf und Inis noch kurz hinter mir. Sie hatten mich schon fast wieder eingeholt, verschwanden dann aber plötzlich. Ich vermutete, dass sie in Laugar übernachten wollten. Mich zog es noch weiter in Richtung Myvatn-See, bis um 18:00 Uhr hatte ich mir ausgerechnet, sollte die Strecke noch zu schaffen sein. Noch ein Anstieg über 300 Höhenmeter war zu bewältigen, dann konnte ich als erstes den kleinen Masvatn und etwas später den Myvatn in der Ferne liegen sehen.

Mit jedem Meter, den ich dem Myvatn näher kam, veränderte sich die Landschaft. Grüne Wiesen gaben sich ein Wechselspiel mit bizarren Lavaformationen, im Hintergrund stiegen Rauchsäulen auf. Sie stammten vermutlich vom in der Nähe befindlichen Kieselgurwerk bzw. vom Solfatarenfeld Namafjall. Die Gegend würde ich ja am Tag darauf noch durchradeln.  

Der Myvatn gehört sicherlich zu einem der Höhepunkte jeder Islandreise. Es handelt sich um den viertgrößten See Islands, der an der tiefsten Stelle nicht tiefer als 4 m ist. Einzigartig ist die Landschaft deshalb, weil es auf Island keinen vergleichbaren Ort gibt. Nirgendwo auf Island gibt es  eine derartige Pflanzenwelt, leben so viele Vogelarten wie am Myvatn-See. Hier gibt es eine Unzahl an Lavaformationen, Geothermalgebiete mit Schlammpötten und sehr viele Vulkankrater. Interessant ist, dass der See einen oberirdischen Kaltwasserzufluss, den Graenilaekur besitzt, gleichzeitig aber auch noch aus der Erde mit bis zu 20 Grad warmen Wasser versorgt wird. Der warme Zufluss verhindert im Winter ein vollständiges Zufrieren des Sees. Sicherlich konnte man hier einige Tage verbringen und auf Entdeckungstour gehen. Meine Planung sah aber eine Weiterfahrt am folgenden Tag vor. Ich genoss die Fahrt am See entlang und erreichte um 17:30 Uhr den Campingplatz in Reykjahlid.

Von zu Hause hatte ich mir extra ein Mückennetz mitgenommen, wahre Horrorgeschichten hatte ich gelesen, was die Zahl der Tierchen betrifft, die versuchen würden, in meine Schleimhäute, sprich Nase und Mund zu kriechen. Bei der Mehrzahl der am See vorhandenen Tierchen handelt es sich um sogenannte Zuckmücken, die glücklicherweise nicht stechen, dafür aber zu bestimmten Zeiten in Massen auftraten. Ich selber hatte dieses Problem aber nicht, bis auf ein paar einzelne kleine Mücken sah ich keine. Also konnte mein Mückennetz in der Ortliebtasche bleiben.