Morgens Schwefelgeruch am Namafjall, Abends Idylle in Mödrudalur

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.07.2007 81 688 470 5850 Camping Mödrudalur

 

Es ist schon lustig! Gestern habe ich sie „verloren“, heute haben sie mich wieder überholt. Und jetzt sitzen wir gemeinsam in einem Holzhaus (Cafe) am Bauernhof in Mödrudalur,  unserem Zielort und trinken einen Kaffee. Natürlich ist hier die Rede von meinen zufälligen Wegbegleitern Inis und Olaf.

Ich war morgens kaum 2 Kilometer geradelt, da roch und stank es nach der östlich von Reykjahlid gelegenen Kieselgurfabrik. In der Fabrik wird kieselsäurehaltiger Schlamm der im Myvatn abgestorbenen Algen zu Kieselgur verarbeitet. Kieselgur wird aufgrund der geringen Schall- und Wärmeleitfähigkeit häufig im Bereich von Schallschutzwänden und zu Isolierzwecken eingesetzt. Direkt gegenüber der Fabrik steht Islands erstes Dampfkraftwerk, das aus einem Bohrloch von mehr als 1000 m Tiefe heißen Wasserdampf zur Stromerzeugung benutzt. Direkt an der Straße befindet sich ein bläulich schimmernder See,  vor dem ein Schild mit der Aufschrift „The little  Lagune“ stand. Naja, baden würde ich darin nicht.

Etwas weiter führte die Straße steil bergan bis zum kleinen Pass Namafjall. Kurz vor dem höchsten Punkt gibt es einen Parkplatz, von dem aus man einen schönen Rückblick auf den Myvatn-See und den kleinen blauen See hat. Die Berge wurden an dieser Stelle zunehmend bunter. So ähnlich dürfte es in Landmannarlaugar aussehen, nur das die Berge dort viel größer sind. Verschiedene braune Farbtöne wechselten sich hier mit gelblichen bis fast orangen Farbtönen ab. Auf der östlichen Seite des Namafjall liegen die Solfatarenfelder von Namaskjard. Schon auf der kurzen Abfahrt vom Namafjall waren die Schlammlöcher nicht nur zu sehen. Ein deutlicher Schwefelgeruch machte sich breit.

Hier rauchte es, stank es und brodelte es gewaltig. Zwischen den blubbernden Schlammtöpfen zischten schwefelhaltige Gase dem Himmel entgegen. Die chemischen Ablagerungen ergaben bei entsprechender Sonneneinstrahlung ein interessantes Farbspiel. Auf der Weiterfahrt wurde die Umgebung zunehmend grauer, keine ryolithfarbenen Berge, sonder graudunkle Lava bestimmte hier das Landschaftsbild.

Ein paar Kilometer vor dem Abzweig nach Süden in Richtung Askja (F88), begegnete mir das Ehepaar Meyer. Sie kamen mit ihren Rädern aus dem Norden vom Dettifoss und waren schon einige Zeit auf Island unterwegs. Den Weg zum Dettifoss hatte ich optional auch mit in meine Planung genommen. Ihre Beschreibung der Piste und Einschätzung der erforderlichen Zeit für die Strecke hin und zurück ließen mich davon aber Abstand nehmen.

Südlich von mir befand sich das Gebiet der Odadahraun, ein ca. 4500 qkm großes Lavafeld, das größte Island überhaupt. Die Lava ist dort überwiegend grau bis schwarz und besitzt kaum Vegetation. Reiseführern zu folge steht die Bezeichnung Odadahraun für Missetäterwüste, vor langer Zeit wurden dort die Straftäter einfach ausgesetzt. Muss nicht gerade leicht gewesen sein dort zu überleben, vor allen Dingen wenn man bedenkt, dass dort so gut wie nichts wächst, keine Tiere leben und Regenwasser sobald es auf die Erde trifft in der porösen Lava versickert.

Am Straßenabzweig von der Ringstraße zur Askja in die Odadahraun hinein steht der kleine Ringwallkrater Hrossaborg (Pferdeburg). Er ist nur 40 m hoch und an der Ostseite geöffnet. Früher diente der Krater als natürlicher Pferch,  in den die Pferde hineingetrieben wurden, daher der Name. Es war mal wieder eine Entscheidung fällig, in Grimstadir übernachten, ja oder nein?

Ich konnte mich nicht so richtig entscheiden und fuhr hinter der Brücke über den gewaltigen Jökulsa Fjöllum,  die Stichstraße 4 km nach Grimstadir,  um mir den dortigen Campingplatz anzusehen. Was ich dort sah, reichte mir,  um zur Entscheidung zu kommen weiterzufahren. Es war mir egal,  wie lange ich bis Mödrudalur benötigen würde. Ein kleines Holzhäuschen mit zwei gammeligen Toiletten und zwei Waschbecken zum Spülen von Außen, das war alles was ich dort fand. Kein Mensch weit und breit. Ein Zettel auf dem stand, dass ich die Campingplatzgebühr an einem Haus in der Nähe entrichten müsste. Das Haus war auf einem uralten Foto abgebildet, sehen konnte ich es aber nirgends. Alles wirkte wie verlassen und machte den Eindruck,  schon bessere Zeiten gesehen zu haben.

Wieder zurück auf der Ringstraße, war ich kaum drei Kilometer gefahren, da sah ich sie im Rückspiegel auf mich zurollen, Inis und Olaf. Sie hatten, wie ich schon vermutete, in Laugar übernachtet und hatten bereits eine große Tagesstrecke hinter sich gebracht. Sie wollten am heutigen Tag auch noch bis Mödrudalur fahren. Ich kurbelte in Ruhe weiter, die beiden waren fast außer Sichtweite, da hatte ich schon das nächste Radlertreffen. Von weitem konnte ich ihn bereits sehen, einen grauen Punkt, der auf mich zukam. Was war das nur für ein Land? Mich hatten an dem Tag kaum 10 Autos überholt, überwiegend war kein Mensch zu sehen gewesen, aber mehrere Radler hatte ich getroffen. Dann wurde es wieder spannend! Kam der Punkt, der mir entgegenkam, aus Mexiko oder möglicherweise aus Afrika? Die Antwort bekam ich schnell, Jörg stammte aus Xanten und wohnte in Deutschland so knapp 35 km Luftlinie von mir. Klar, dass wir uns gegenseitig fotografierten und unsere Adressen austauschten.

Die weitere Strecke bis zum Abzweig auf die alte Ringstraße zog sich lang hin, so einige Höhenmeter waren dabei noch zu bewältigen und der Wind blies stark von vorn. Auch im flacheren Bereich hatte ich reichlich mit dem Wind zu kämpfen. Die Landschaft machte den Eindruck,  endlos zu sein, diese Strecke mit eigener Kraft zu bewältigen war schon beeindruckend, aber keineswegs leicht. Die 8 km auf der alten Ringstraße (heutige Straße 901) waren dann innerhalb einer halben Stunde geschafft. Die Oberfläche der Straße war zwar nicht mehr asphaltiert, aber in einem akzeptablen Zustand.

Um 18:00 Uhr erreichte ich Mödrudalur, den höchstgelegenen Bauernhof Islands (470 m hoch). Direkt neben dem Bauerhof befinden sich ein kleiner Campingplatz, eine kleine Kirche und ein Cafe. Früher als die Ringstraßenführung hier noch entlang ging, war der Bauernhof wohl Haltestelle des Ringstraßenbusses. Eigentlich bestand meine Erwartung darin, einen kaum besser ausgestatteten Campingplatz als in Grimstadir zu finden. Überrascht musste ich feststellen, dass er eine warme Dusche besaß und dass die Ausstattung durchaus in Ordnung war. Im Cafe konnte man abends warm sitzen und ein paar Lebensmittel kaufen. Optisch war der Campingplatz durchaus schön gestaltet.

Nachdem ich Inis und Olaf begrüßt hatte, machte ich mich noch auf den Weg, mir die kleine Kirche etwas näher anzusehen. Sie war noch nicht sehr alt! Der Bauer Stefansson, der hier von 1880 bis 1971 lebte, hatte sie errichtet. Den Abend verbrachte ich im gemütlichen Cafe, dort konnte ich auf dem Tisch meine Karten ausbreiten und die geplante weitere Strecke in Augenschein nehmen.