Von Krautheim nach Crailshein

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
14.05.2007 70 159 560 1080 Stadthotel Crailsheim

 

In der Nacht hatte es ein starkes Gewitter gegeben und wir befürchteten für den folgenden Tag schon einen Wetterumschwung. Als wir um ca. 09:00 Uhr wieder auf unseren Rädern saßen und die 100 Hm hinab zur L1025 sausten, war es aber trocken und die Luft besaß eine Klarheit, wie es nach Gewittern häufig ist. Es machte sehr viel Spaß in der Morgenfrische durch die Wiesen und Wälder in Richtung Klepsau zu radeln.

Auf dem Weg nach Mulfingen gibt es im Hohenlohekreis (Gemeinden Mulfingen, Dörzbach, Krautheim und Schöntal) mehrere Stellen, die zum Verweilen und zur Besinnung einladen.  Im Rahmen eines Projektes mit dem Namen „Pfade der Stille im mittleren Jagst-Tal“ wurden im Auftrag des Hohenlohekreises Stellen ausgesucht, die den Besucher gezielt zur Ruhe und Inspiration einladen. Sinn und Zweck des Projektes ist es, dass Radfahrer und Wanderer entlang des Pfades  die verborgenen Schönheiten Hohenlohes kennen lernen und den Wechsel zwischen Aktivität (Radfahren oder Wandern) und besinnlicher Ruhe erleben. Auf den  ersten Ort der Stille trafen wir an der St. Anna –Kapelle hinter Krautheim. Wir fanden den Text mit der Überschrift „Die Größe der Einfachheit“ sehr ansprechend und haben die Hinweistafel deshalb auch bewusst fotografiert.

Ja, der kleine Ort erzeugte tatsächlich eine Atmosphäre der Ruhe! Wir hielten uns dort einige Zeit auf, bevor wir uns auf den Weg machten, zu unserer nächsten Station, der kleinen Kapelle „St. Anna zu Mulfingen“ zu radeln. Die Kapelle besitzt wie man der Hinweistafel entnehmen kann (siehe Foto) eine lange Geschichte, die bis in das 16. Jahrhundert reicht. 

Hinter Eberbach trafen wir auf ein Wehr mit einem schönen Picknickplatz. Auf einer Hinweistafel des Landratsamtes Hohenlohekreis wurde der „Lebensraum Jagst“ mit seiner großen Tier- und Pflanzenwelt anschaulich dargestellt. Nach der Pause radelten wir über Untereggenbach und Obereggenbach weiter in Richtung Bächlingen. Hoch oben sahen wir etwas abseits von unserer Route die Langenburg liegen. 

In Bächlingen gibt es eine Holzbrücke (Archenbrücke) über die Jagst, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Die heutige Brücke wurde nach historischen Angaben nachgebaut. Sie ist über 50 m freitragend und ist 100 Tonnen schwer. Über die Archenbrücke führt der Kocher-Jagst-Radweg auf die südwestliche Seite der Jagst. Danach führte der Weg durch Wiesen hindurch weiter nach Hessenau.

Hessenau ist ein 50 Einwohner zählendes Minidorf, das Kocher-Jagstweg-Radler wohl deshalb nicht vergessen, weil dort die Steigung hinauf nach Leofels beginnt. Die 100 Höhenmeter stellen für geübte Radler wohl kein Problem dar, wer aber mit den Vorstellungen auf dem Kocher-Jagst-Radweg unterwegs ist, das es dort überhaupt keine Steigungen gibt, der irrt. Die 100 Höhenmeter müssen auf einer Strecke von 1, 7 km bewältigt werden. Wir selber kamen ein wenig ins Schwitzen, standen aber relativ schnell oben an der Straße (K2664), die nach Kirchberg an der Jagst führt.

Kirchberg an der Jagst ist ein sehenswertes altes Städtchen, dessen Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert reichen. Vor 625 Jahren gab Kaiser Karl IV. in einer Urkunde dem Grafen Krafft zu Hohenlohe die Erlaubnis, vor seiner Burg Kirchberg an der Jagst eine Stadt zu bauen. Seit dieser Zeit  haben viel Epochen in Kirchberg ihre Spuren hinterlassen: Aus der vom Grafen Krafft zu Hohenlohe geschaffenen Burgsiedlung wurde eine gräfliche Stadt, dann eine reichsstädtische Festung und schließlich ein hohenlohischer Residenzort. Heute ist Kirchberg im Landkreis Schwäbisch Hall ein romantischer verträumter Ort, umgeben vom Grün des Hohenloher Landes.

Wir machten es uns vor einem Cafe zunächst gemütlich und schoben anschließend die Räder durch den Ort. Nachstehend mal einige Fotos von Kirchberg an der Jagst. Kurz hinter Kirchberg führte uns der Weg noch einmal über eine alte Holzbrücke, ähnlich der, die wir bereits in Bächlingen überquert hatten. Nur das es sich hier um ein wirklich alte Brücke handelte. 

Viele Kilometer waren dann bis zu unserem Zielort Crailsheim nicht mehr zu radeln. Unsere Route führte über Mistlau, Wollmershausen und Tiefenbach an den Nordrand von Crailsheim. Das Stadthotel Crailsheim war dank GPS-Gerät schnell gefunden. Das Stadthotel Crailsheim möchten wir hiermit ausdrücklich empfehlen. Angefangen vom Standard der Zimmer, der persönlichen Betreuung bis hin zum köstlichen Frühstück, es stimmte einfach alles.

Crailsheim hat seinen Ursprung in einer fränkischen Siedlung aus dem 7. Jahrhundert, die sich in der Nähe des Jagstübergangs befand. Die erste urkundliche Erwähnung Crailsheims datiert von 1136. Damals hieß es noch „Cröwelsheim“ und später „Krawelsheim“. Führende Adelsfamilien waren damals die Herren von Lohr und von Flügelau. Nach deren Aussterben kam es an die Grafen von Oettingen.

Crailsheim, so wie es heute zu sehen ist, besitzt so gut wie kein historisches Gebäude mehr. Ein vorhandener Flugplatz und die vorhandene Eisenbahn waren für die Alliierten im Zweiten Weltkrieg Grund genug, die Innenstadt bis zu 95% zu zerstören. Der Wiederaufbau Crailsheims erfolgte nach Gesichtspunkten, die zu dem Zeitpunkt modern erschienen. So hat sich das Stadtbild natürlich stark gewandelt. Da es in der Innenstadt auch nicht allzu viel zu beschauen gab, kehrten wir früh ins Hotel zurück und verbrachten den Abend in der Hotelbar.