Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 01.09.2006 - 07.09.2006

421 km

 10.100 Hm

 

Die gemeinsame Fahrt hinauf zum Stilfser Joch und die gemeinsamen Abende auf dem Campingplatz in Mals hatten uns im September 2005 so gut gefallen, dass sofort an eine Neuauflage der Aktion „Reiseradlertreffen“ gedacht wurde. Einziges Manko der Vorjahresaktion war der kurze Zeitraum gewesen, der uns zur Verfügung stand. In diesem Jahr sollte deshalb mehr Zeit zur Verfügung stehen. 

Im Rad-Forum wurde das Thema frühzeitig platziert, so dass jeder die Möglichkeit hatte, sich bei Zeiten auf den Termin einzustellen. Sehr schnell stellte sich heraus, dass einige ein Interesse an einer einwöchigen Tour hatten, andere wiederum nur zum Radlertreffen erscheinen wollten.

 

km,

 


 

 Planung und Anreise

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.09.2006 0 0 0 0 Camping in Mals

 

Die Anreise erfolgte sehr individuell. Während einige mit dem Auto anreisten, hatten zwei der Teilnehmer bereits Hunderte von Radkilometern mit Gepäck in den Beinen. Hans Hofmann erreichte den Campingplatz in Mals nach weit über 1300 km durch die französischen und Schweizer Alpen. Einen Bericht über seine Tour wird er in Kürze auf seiner Internetseite www.hanshofmann-online.de veröffentlichen. Alex Zeimet unser Luxemburger kam mit dem Rad bereits über 1000 km aus Rom. Genügend Gesprächsstoff war also für den Abend reichlich vorhanden.

 

 

 


 

 Autofreier Samstag am Stilfser Joch und 2.Reiseradlertreffen

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.09.2006 66 66 2000 2000 Camping in Mals

 

Was hatten wir wieder für ein Glück mit dem Wetter. Genau wie im Vorjahr lachte uns die Sonne bereits frühmorgens an. Beim Frühstück noch etwas kühl, versprach der Himmel aber eine Top-Wetterlage, ideal um den Ortler beim Befahren des Stilfser Jochs in der Sonne glitzern zu sehen. Im Gegensatz zum Jahr zuvor hatten wir vereinbart zusammen um ca. 09:00 Uhr in Richtung Prad (Startort) zu radeln. Jeder würde zwar letztendlich seine individuelle Geschwindigkeit fahren, einen gemeinsamen Start und ein Treffen oben auf der Passhöhe wollten wir aber hinbekommen. Die wenigen Kilometer mit leichtem Gefälle waren bis Prad schnell geradelt.

Während wir uns in Prad kurz sammelten, strömten bereits reichlich Radler an uns vorbei. An dem Spektakel „Autofreier Samstag“ würden wohl wieder Tausende Radfahrer teilnehmen. Wo kamen bloß all die Fahrradfahrer her? Auf dem Campingplatz in Mals war davon von wenigen Ausnahmen nichts zu bemerken. Alex der etwas vorgeradelt war, wurde doch glatt bei einer Pause ertappt. Für mich war es jetzt ja schon das 5. Mal, das ich diesen Riesen bezwang, der Blick auf den Ortler war aber dennoch immer wieder ein tolles Erlebnis.

An der ersten Verpflegungsstation war kein durchkommen mehr! Da wollten ein „paar“ Radler  zum Stilfser Joch! Oberhalb des Hotels Franzenshöhe reihte sich Robert in den Strom der Radler ein.  Viel Platz um sich breit zu machen gab es ohnehin nicht! In der Atmosphäre hinauf aufs Joch zu radeln, hatte für alle schon etwas Besonderes. Das Stilfser Joch mit dem Rad befahren zu haben, war für die meisten der hier anwesenden Radler ein einmaliges Erlebnis. Stolz die Strecke über 1850 Höhenmeter geschafft zu haben, war in den Gesichtern zu lesen.

Auf der Abfahrt über den Umbrailpass wurde nicht mehr viel fotografiert. Alle waren nur noch daran interessiert, so zügig wie möglich zum Campingplatz in Mals zu gelangen. Den Abend verbrachten wir in netter Unterhaltung im Restaurant/Hotel Malser Hof.

 

 

 


 

 Nicht leicht mit den 38 kg Gepäck (Reschenpass, Norbertshöh, Samnaunbergstrasse

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.09.2006 90 156 1730 3730 Camping in Prutz

 

Schade, aber dennoch nicht zu vermeiden war, dass sich die ersten Reiseradler nach gelungenem Treffen verabschieden würden. Henning (HvS), Klaus (Trikerbiker), Werner (Pfälzer) und Willi (WilliEnns) hatten keine Zeit mehr um an der weiteren „langen Tour“ teilzunehmen. Kein Problem, da die Teilnahme an der langen Tour auch nicht geplant war. Schade nur sich nach den kurzen Abenden bereits verabschieden zu müssen. Für den Rest der Gruppe hieß es schon früh morgens zu packen um nicht zu spät in Richtung Reschenpass zu starten.

Nördlich von Mals verließen wir den Ort zügig auf der SS40. Der bereits einsetzende Pkw-Verkehr veranlasste uns aber, die SS40 schnell in Richtung Burgeis zu verlassen um auf Radwegen oder Nebenwegen den Reschenpass zu erreichen. In einer langgezogenen Kehre oberhalb von Mals entdeckten wir den Hinweis auf den Radweg, der das Etschtal mit dem Inntal verbindet. Einer wunderschönen kleinen Straßenführung folgend, radelten wir auf der Westseite des Mittensees und Reschensees entlang. Der SS40 weiter zu folgen, wäre auch zu stressig gewesen. Diesen Übergang über die Alpen schienen die Römer bereits genutzt zu haben. Wir radelten auf der Via Claudia Augusta. Der in dieser Gegend meist fotografierte Kirchturm steht bei Graun im Reschensee. Der ursprünglich schon vorhandene See besaß einen Wasserspiegel, der 22 m tiefer lag. Der Ort wurde Opfer der damaligen Entscheidung, den See aufzustauen.

Der Reschenpass war nicht der höchste Punkt unserer ersten Fahrstrecke. Der höchste Punkt befand sich auf der Westseite des Reschensees ca. 3 km vor der Passhöhe. Den eigentlichen Pass hatte man wohl aufgrund der Grenze leicht versetzt und nicht am höchsten Punkt platziert. Die ca. 5 km bis Nauders legten wir in einem rasenden Tempo zurück. Die Gruppe zog sich lang auseinander und sammelte sich erst wieder am Ortseingang von Nauders. Hoch oben war von weitem bereits die alte Festung von Nauders zu sehen.

Kurz vor dem Erreichen der B180 befindet sich im Ort ein Kinderspielplatz. Die vorhandenen Tische und Bänke boten sich förmlich an für unsere Mittagspause. Falk hatte ohnehin schon „angedroht“ nicht mehr weiterzufahren, weil sein Magen seit einiger Zeit knurrte. Nach einem heißen Süppchen wurde es dann Zeit sich mal wieder an seine Kindheit zu erinnern. Falk und Hans konnten es nicht lassen sich mal so richtig auszutoben. Die Norbertshöhe zu erreichen stellte nun wirklich kein Problem dar. Die 70 Höhenmeter vor der Abfahrt nach Martina, einem kleinen Schweizer Grenzort, waren schnell erreicht.

Danach ging es 400 Höhenmeter in rasendem Tempo hinab zum Schweizer Zollamt. Hans sah die LKW-Waage am Zollamt als erster. Ein Blick und die vier Worte “Das ist eine Waage” reichten aus, um Georg durchstarten zu lassen. Georg setzte im Zollamt sein strahlendes Lächeln auf, nur um zu erreichen, dass die Radlergruppe samt Fahrrad und Gepäck gemeinsam gewogen wurde. Viel Spaß hatten wir bei der Aktion. Zunächst mussten wir die Waage alle wieder verlassen, damit sie definiert auf Null kg kalibriert wurde. Danach wurden wir alle wieder hinauf gewunken. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Neun Radler brachten samt Gepäck doch tatsächlich 1180 kg auf die Waage. Durchschnittlich also 131,1 kg (Körpergewicht, Fahrrad und Gepäck), die über die Berge gewuchtet wurden.

Wir befanden uns jetzt bereits im Inntal. Am Fluss entlang radelten wir auf breit ausgebauter Straße bis zum dem Abzweig, wo wir links auf die alte Samnaun- Bergstraßenführung abzweigen mussten. Alex, Ulrich und Paul entschieden sich dort direkt nach Prutz weiter zu radeln, also nicht mehr die Samnaun-Bergstraße hinaufzufahren. Anja, Robert, Georg, Hans, Falk und Danjel kamen bereits hinter dem Straßenabzweig gehörig ins Schwitzen. Kontinuierliche 13 % forderten sie über 800 Höhenmeter enorm.

Die kleinen Felstunnel auf der Straßenführung sorgten für reichlich Abwechslung, weil zwei Pkw´s einfach nicht gleichzeitig durch die Tunnel passten. Unser Fahrradlicht reichte auch nicht gerade aus, um die Tunnel auszuleuchten. Auffallend war dabei aber sogleich, dass der Nabendynamo von Danjel im Vergleich zu meinem 8 Jahre alten Rollendynamo bei langsamer Geschwindigkeit erheblich mehr Lichtausbeute brachte. Danjel erklärte sich sofort bereit in den unbeleuchteten Tunneln hinter mir her zu fahren. Ein Dankeschön möchte ich deshalb diesem Bericht an Danjel beifügen. Mit dem Erreichen von Samnaun waren wir? (ich!) doch reichlich geschafft. Mein mitgeführter Fahrradanhänger hatte mir nach 7–wöchiger Radlerpause meine Grenzen gezeigt.

Wer annimmt, jetzt bis Prutz bergab fahren zu können, sollte sich irren. An der Grenzstation in Spiss mussten wir nochmals 100 Höhenmeter hinauf um direkt danach tief ins Tal zu sausen. Auf der Abfahrt in Richtung Prutz (über Pfunds) hielten wir uns fern von der B180. Überwiegend auf der L65 unterwegs erreichten wir bei leicht welligem Profil Prutz um 18:40 Uhr. Den Abend verbrachten wir im Gasthof zur Post in Prutz

Anmerkung zur Samnaun- Bergstraße:
Kaum zu glauben, aber dennoch wahr ist die Tatsache, dass hier noch heute täglich Hunderte von Autos die Bergstraße hinauffahren, nur um hinter der Grenze billig zu tanken oder z.B, zollfrei 50 kg Zucker zu kaufen. Als Radler wird einem diese ansonsten landschaftlich schöne Strecke durch den Pkw-Verkehr ziemlich vermiest.

 

 

 


 

 Kaunertaler-Gletscherstrasse

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.09.2006 82 238 1900 5630 Camping in Prutz

 

Morgens beim Frühstück fühlten wir uns alle wieder super erholt. Kleine Wunden waren am Abend zuvor mit Bepanthen (Heilsalbe) versorgt worden. Die gut 1700 Höhenmeter des Vortages hatten keine wesentlichen Spuren hinterlassen. Hans Hofmann hatte sich schon am Abend zuvor von uns verabschiedet um nach gut zwei Wochen und 1500 Alpenkilometern  endlich seine Familie wieder zu sehen. Auf der Brücke über den Inn befanden sich alle in super Laune und waren gespannt auf den zu erwartenden Anstieg im Kaunertal. Hinter Prutz dann die ersten Entfernungsangaben zum Weißseegletscher. Eine lange Strecke stand uns bevor um die 2800 m–Marke der Kaunertaler-Gletscherstr. zu knacken. Bis zu 14 % Steigung erwarteten uns.

Auf dem ersten langgezogenen Straßenstück standen wir bereits nach wenigen Kilometern vor einem langen Tunnel. Rechts vorbei führte ein kleiner Nebenweg, der zwar nicht asphaltiert war, möglicherweise aber am Ende des Tunnels wieder zur eigentlichen Straße führte. Wir gingen das kleine Risiko wieder zurückfahren zu müssen einfach ein und hatten Glück. Der holprige Weg führte zur Straße zurück. Etwas später erreichten wir den für das Kaunertal schon groß zu nennenden Ort Feichten. Im Ort gibt es ein Lebensmittelgeschäft, in dem wir uns für die weitere Fahrt mit Proviant eindeckten. Die Mautstelle der Kaunertaler Gletscherstr. befindet sich nur wenige Kilometer hinter dem Ort Feichten. Fahrräder können die Mautstelle aber kostenlos passieren. Eine Grafik vom Kaunertal gibt dort einen tollen Überblick über die Region.

Nach weiteren 4 km bekamen wir den ersten Blick auf die Staumauer des Gepatschstausees. Links von der Staumauer führt die Straße in vier kleinen Kehren bis auf Staumauerhöhe (1790 m). Die ersten 900 Höhenmeter des Tages waren damit geschafft. Waren wir auf den ersten Kilometern durch ein langgestrecktes schon schönes Tal geradelt, hatten wir ab dem Stausee den Eindruck, dass der schönste Teil erst jetzt begann. Am See in leicht welligem Profil entlang zu radeln machte richtig Spaß. Am Ende des Sees schwenkt die Straße dann nach Süd-Westen um hinter einer 20 m-Senke plötzlich in kleinen Kehren anzusteigen. Über die kleinen Kehren erreichten wir dann die Baumgrenze.

Wie zu sehen, lies die Steigung auf keinen Fall nach. Jeder fuhr hier sein eigenes Tempo. Das Fahrerfeld zog sich stark auseinander. Immer wieder wurden Stops zum fotografieren eingelegt. An einem kleinen See in Höhe der Oxenalm (Mittelstation) trafen sich einige dann wieder. Etwas höher dann der Rückblick auf die Mittelstation einschließlich Parkplatz und See. Um ca. 16:30 Uhr waren wir dann alle oben. Die Gruppe stand auf einer Höhe von 2750 m am Kaunertaler Gletscher. Eine Aufnahme wurde bei der tollen Wetterlage natürlich gemacht.

1900 Höhenmeter hatten wir alle in den Beinen. Hier bei strahlendem Sonnenschein anzukommen, hatte schon etwas Besonderes. Nicht einmal der sonst übliche Trikotwechsel war erforderlich. Der leichte Wind und die Sonne trockneten unsere Trikots innerhalb von wenigen Minuten. 

Über den Text auf der Hinweistafel mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden. In einem Pilotprojekt wurden hier und an drei weiteren Orten die Gletscher mit einem speziellen Vlies abgedeckt um deren weiteres Abtauen zu verhindern. Mir kam es eher vor, wie eine weitere Verrücktheit unserer heutigen Gesellschaft. Die wesentlichen Ursachen der Gletscherschmelze wurden hier überhaupt nicht diskutiert. Vielmehr legte man Wert darauf, für die folgenden Skifahrergenerationen das Skigebiet zu sichern.

Inzwischen war es 17:00 Uhr geworden. Einer der Gruppe erinnerte sich daran, dass das Lebensmittelgeschäft in Feichten nur bis 18:00 Uhr geöffnet hatte. In flottem Tempo ging es also die mühsam erarbeiteten Höhenmeter wieder hinab, um noch rechtzeitig vor Geschäftsschluss Feichten zu erreichen. Den Abend verbrachten wir wie schon den Abend zuvor im Gasthof zur Post.

 

 

 


 

 Wer hätte das gedacht, durchgängige 18% zur Pillerhöhe

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.09.2006 52 290 1.380 7.010 Camping in Umhausen

 

Auf unserer Radtour ging es wie bei den 10 kleinen Negerlein zu. Nachdem sich Hans bereits am vorgestrigen Abend wie geplant verabschiedet hatte, war Anja auf der Abfahrt vom Kaunertaler Gletscher ebenfalls wie geplant „ausgestiegen“. Kurz hinter der Staumauer hatte sie sich eine Übernachtung in einer Berghütte gebucht, um noch ein wenig in den Bergen zu wandern. Herzlich war die Verabschiedung ausgefallen, verbunden mit dem Wunsch evtl. noch mal ein Treffen zu organisieren.

Für den darauffolgenden Tag hatten wir uns die Pillerhöhe und den Kühtaisattel vorgenommen. Mit dem Wissen, dass 2400 Höhenmeter zeitlich mit einer größeren Gruppe kaum zu bewältigen waren, stand ich zwar etwas früher als die anderen Teilnehmer auf, aber an eine erheblich frühere Abfahrt im Vergleich zu den Vortagen war kaum zu denken.

Bei genauerer Betrachtung des Kartenmaterials stellten wir sehr schnell fest, dass es zur Pillerhöhe über 800 Hm mit kontinuierlichen 18% hinauf ging. Das nachstehende Höhenprofil zeigt, dass wir auch auf der weiteren Strecke noch ordentlich gefordert wurden. Um es kurz zu formulieren, zeitlich hatten wir keine Chance mit unserem Gepäck den Kühtaisattel auch noch hinauf zu fahren. Ohne Kühtai kamen schon 1380 Höhenmeter zusammen. Wir hatten den Ort Prutz kaum verlassen, da stieg die Straße auch schon gnadenlos an.  Ein wenig „Erholung“ gab es maximal in den wenigen Kehren, in denen die Steigung in den Außenkehren etwas abnahm. Meter für Meter kämpften wir uns immer höher, bis wir unseren Abfahrtort Prutz bereits tief unter uns liegen sahen.

Eigentümlich, aber zu den 18 % Steigung auf der Pillerhöhenstr. fiel mir immer wieder der 18 % Anstieg am Wurzenpass ein. Den Wurzenpass hatte ich im Jahr 1982 mit dem Auto auf dem Weg nach Jugoslawien befahren. In Erinnerung geblieben sind mir die qualmenden Autos, die den Anstieg nicht schafften. Unsere Maschinen bestehend aus je einem MS (Menschenstärke) qualmten ebenfalls mächtig, aber sie liefen mit dem entsprechenden kostenlosen Wassernachschub prächtig.  An einem Bauernhof fragten wir nicht lange, griffen uns den Gartenschlauch und füllten die Wasserflaschen nach.

Etwa eine Stunde später erreichten wir die vermeintliche Passhöhe. Ein Passschild oder ein Hinweis auf die Pillerhöhe gab es zwar nicht, aber 200 m vor uns ging es doch bergab! Mit Blick auf das obige Höhenprofil wird deutlich, dass wir keineswegs auf der Pillerhöhe standen. Die Senke bestand zwar nur aus einem Höhenmeterunterschied von ca. 50 m, aber nach bereits bewältigten 700 Hm über 18% waren wir nicht gerade begeistert, noch einmal in ein „Loch“ zu fahren. Kurz vor der Passhöhe hatten wir dann noch einen schönen Ausblick auf den in Richtung Landeck fließenden Inn.

Reichlich abgekämpft erreichten wir die Pillerhöhe. Nachfolgend einige Bilder die oben aufgenommen wurden. Durch wunderschöne Wiesen sausten wir hinab bis nach Amerika (Sorry, Neu Amerika). Nachdem wir uns in „Arzl Im Pitztal“ mit dem notwendigen Proviant für eine Mittagspause eingedeckt hatten und tief hinunter zur Pitze (Fluß) gesaust waren, passierte das, wonach sich Radler immer so sehnen. Roberts Rad hatte einen Plattfuß. Während Robert seinen Schlauch wechselte, verwandelten die anderen den Straßenrand in eine Küche. Nicht unbedingt das schönste Plätzchen zum Mittagessen, aber rumstehen wollten wir auch nicht. Das ganze sah dann so aus, wie auf den folgenden Fotos.

Zwei giftige Steigungen waren auf dem Weg über Waldele nach Sautens noch zu bewältigen. Dazwischen befand sich eine sehr schöne schmale Strecke, die durch einen Wald führte. In Sautens entdeckten wir im Ort eine kleine Gastwirtschaft in der wir uns erst einmal eine Cola bzw. Radler genehmigten.

Nach einer kurzen Abfahrt überquerten wir die Ötztaler Ache und standen plötzlich an der B186, die uns nach Umhausen führen sollte. Zunächst versuchten wir noch einen alternativen Nebenweg zu finden, einen ausgeschilderten MTB-Pfad gab es schon, wir wussten nur nie, ob dieser auch mit den Hängern bzw. unserem „Normalprofil“ befahrbar war. Ein erster Versuch führte uns durch Wiesen hindurch wieder zurück zur Straße. Sich zwischen den Weidenzäunen zu bewegen, war mit dem Hänger gar nicht so einfach.

Falk und ich staunten nicht schlecht, als wir uns wieder auf der B186 befanden, die anderen Radler aber auf einem Weg in der Wiese in der Nähe der Ötztaler Ache. Umkehren wollten wir nicht mehr. Es war auch keineswegs sicher, dass die anderen nicht noch zurückfahren mussten. Spätestens bei der Flussquerung vor Tumpen hätten sie eigentlich wieder „auftauchen“ müssen. Falk und ich hatten zwar ordentlich Gas gegeben, nach 10 Minuten Warten entschieden wir uns aber für die Weiterfahrt.  Die ca. 7 km bis Umhausen waren nach den Kehren vor Tumpen schnell geradelt.

Nach dem Erreichen des Campingplatzes, wir hatten unsere Zelte gerade aufgebaut, erschienen Robert, Ulrich und Danjel. Sie erzählten von einer Nebenstrecke mit einem Wasserfall. Falk und ich hatten wohl leider etwas verpasst. Paul war bereits früher auf dem Campingplatz erschienen, weil er sich den Anstieg über die Pillerhöhe erspart hatte und durch das Inntal in Richtung Umhausen geradelt war. Den Abend verbrachten wir in einem sehr schönen Biergarten/Restaurant in Umhausen.

Resümee des Tages:
Die Ankunft um ca. 18:00 Uhr sagt eigentlich schon sehr viel aus. Der ursprünglichen Planung zu folgen und noch über den Kühtaisattel zu fahren, hätte bedeutet noch ca. 4 Stunden mehr unterwegs zu sein. Nein, ein nettes Abendessen in gemeinsamer Runde zogen wir der 22:00 Uhr Ankunft vor.

 

 

 


 

 Hinauf bis auf 2.800 m Höhe über die Ötztaler Gletscherstrasse

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.09.2006 55 345 1.780 8.790 Camping in Sölden

 

Ein Tag, an dem die ursprüngliche Planung zu 100 % eingehalten wurde. Bis kurz vor Mittag Sölden mit Gepäck zu erreichen sollte kein Problem darstellen. Im Anschluss die Ötztaler Gletscherstraße ohne Gepäck zu befahren, war schon zeitlich schwerer zu kalkulieren, aber durchaus machbar. Wie schön, dass es heute EXIF- Informationen zu jedem digitalen Foto gibt. Um 08:50 Uhr standen wir startbereit an der Rezeption des Campingplatzes in Umhausen um diesen in Richtung Sölden mit Gepäck zu verlassen. Bei leicht ansteigender Straße hatte ich maximal 2 Std. einkalkuliert um den Campingplatz in Sölden zu erreichen.  Dort wollten wir unsere Zelte aufbauen um im Anschluss ohne Gepäck die Ötztaler Gletscherstraße hinauf zu radeln.

Die ersten Kilometer wurden auf der B186 gefahren, bis sich eine Gelegenheit ergab auf eine Nebenstrecke auszuweichen. Nachfolgend einige Fotos, die auf dem Weg nach Sölden gemacht wurden. Wieder zurück auf der B186 fuhren wir in einer Baustelle an den Autos vorbei und durften die Gefahrenstelle als erste verlassen. Routiniert hatten wir unsere Zelte sehr schnell aufgebaut und uns in der Rezeption angemeldet.

Danach kam die Frage auf wer von den Teilnehmern die über 1400 Höhenmeter bis zum Rettenbachferner noch mitfahren würde.  Ulrich und Danjel entschieden sich für einen Verbleib auf dem Campingplatz. Paul hatte insgesamt mehr Zeit zur Verfügung und wollte einen Tag später hinauffahren. Nun gut, übrig blieben Robert, Falk und ich, die sich kurz nach 12:00 Uhr aufmachten die Ötztaler Gletscherstraße zu knacken. Mit wenig Gepäck natürlich erheblich leichter zu befahren als die Pillerhöhe, forderten uns die kontinuierlichen 13% trotzdem durchaus ständig.  Über 1400 Höhenmeter mit dem Trekkingrad waren durchaus nicht leicht zu befahren.

In einer der Kehren vor dem Abzweig in Richtung Hochsölden staunten wir nicht schlecht, als wir Rufe von oben wahrnahmen. Ulrich und Danjel hatten eine alternative Form gefunden den Berg zu erklimmen. Kurz vor der Mautstelle besteht die Möglichkeit über eine kleine Stichstraße eine Restauration zu erreichen. Für uns bei knapper Halbzeit der Gesamtstrecke eine ideale Pausenstelle. Nachfolgend ein paar Fotos, die im Bereich der Restauration gemacht wurden. Obwohl es bis zum eigentlichen Ziel noch ziemlich weit war, konnte man die Gletscherstation bereits von weitem sehen. Nur durch kleine Trinkpausen unterbrochen, kurbelten wir uns Meter für Meter an die Gletscherstation heran.

Auf den letzten 2 Kilometern mussten wir leider noch eine Baustelle durchfahren. Auf einer Straßenseite wurde der Asphalt für die nahende Wintersaison vollständig erneuert. Entgegenkommende und überholende Fahrzeuge erzeugten ständig Staubwolken. Etwas höher auf dem Weg zum noch gut 100 Meter höher gelegenen Parkplatz konnten noch einige Fotos von oben gemacht werden. Für die Abfahrt zurück nach Sölden benötigten wir nur knapp eine Stunde. Aufgrund der wenigen Kehren konnten wir die Räder mal so richtig laufen lassen. Für den Abend fanden wir in der Nähe eine Pizzeria.

 

  

 


 

 Nach 11 Jahren wieder aufs Timmelsjoch

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07.09.2006 76 421 1.310 10.100 Camping in Mals

 

Mit der Fahrt über das Timmelsjoch nach Meran sollte unsere Tour ihren krönenden Abschluss finden. Vor 11 Jahren auf unserer ersten Alpentour war ich diesen Riesen bereits von Süden einmal hinaufgefahren. Den Wunsch das Timmelsjoch einmal von Norden zu befahren, hatte ich schon länger. Nun sollte es etwas werden. Paul hatte sich vorgenommen am heutigen Tag den Ötztaler hinaufzufahren. Es wurde also die nächste Verabschiedung fällig. Die „Zehn kleinen Negerlein“ waren somit von 6 auf 5 geschrumpft. Auf den Weg zum Timmelsjoch machten sich somit noch Robert, Danjel, Ulrich, Falk und Georg.

Das Timmelsjoch besitzt von der Nordseite her längere Teilstücke mit 12-13 % Steigung. Nicht vergessen sollte man die Senke über ca. 100 Hm, die sich direkt hinter der Mautstation befindet. Noch kurbelten wir uns aber in Richtung Obergurgl, wohl wissend, dass die Straße vorher in einer 180 Grad-Kehre in Richtung Hochgurgl schwenken würde. Die schnelleren Radler warteten am Straßenabzweig, so dass wir den Weg in Richtung Hochgurgl wieder gemeinsam angehen konnten. Wir waren kaum in Richtung Hochgurgl gestartet, dann das! Sollte das Schild auch für Radanhänger gelten (grins)?

Beim Erreichen von Hochgurgl verließen wir die eigentliche Straßenführung um durch den Ort zu radeln. Steil führte der Nebenweg in den Ort hinauf. Hochgurgl lag wie verlassen dar, kein Mensch weit und breit. Eine Möglichkeit einzukaufen gab es im Sommer leider auch nicht. Also verließen wir den gespenstischen Ort, um auf der Nordseite wieder die eigentliche Straße zum Timmelsjoch zu erreichen.

Die Mautstelle erreicht man nicht weit hinter Hochgurgl. Direkt vor der Maut befindet sich auf der rechten Straßenseite eine Imbissbude, die wir leider nicht empfehlen können. Erstens erinnerte uns die Currywurst an den jüngsten Fleischskandal in Deutschland und zweitens besitzt der Imbissbudenbesitzer die Eigenschaft Radler zu verar……! Meine Frage, wie tief es hinter der Mautstation denn hinabgeht, wurde ohne zu zögern mit 230 m beantwortet. Anschließend müssten wir noch über 600 m hinauf. Wirklich hinab muss man 110 m und 450 m hinauf.

Wir passierten die Mautstelle mit unseren Rädern problemlos und sausten in die gut 100 Hm umfassende Senke hinab. Der Schwung lies sich leider im darauffolgenden Anstieg kaum wirklich nutzen, weil uns ein starker Gegenwind entgegen blies. Mit meinem Gespann schneller als 5 km/Std. zu fahren war kaum möglich. Nachfolgend noch einige Bilder, die ich oben im Bereich der Passhöhe aufgenommen habe. Was uns nach der „Kletter-Leistung“ zum Timmelsjoch erwartete, war schon grandios. Eine 29 km lange, landschaftlich herrliche Abfahrt bis St. Leonhard. Im Anschluss daran die Fahrt über 21 km durch das Passeiertal bis Meran. Beginnend mit einer Fahrt durch kleine Tunnel immer am Abgrund entlang, erreichten wir ziemlich schnell den 555 m langen Tunnel, der im Jahr 1995 überhaupt keine Beleuchtung besaß.

Aktuell war er heute am linken und rechten Rand der Fahrbahn mit Blinkleuchten versehen, so dass man auf jeden Fall eine Orientierung besaß. 1995 hatte ich auf dem Parkplatz auf der Südseite einen Autofahrer angesprochen. Er hatte sich freundlicherweise bereit erklärt mit dem PKW hinter mir herzufahren und die Straße zu beleuchten. Kurze Zeit später der Blick auf die 12%-ige Steigung, die bei der Auffahrt von der Südseite her zum Schluss so schmerzt. Wir rollten schon verhältnismäßig schnell hinab und dennoch hatten wir den Eindruck, die Abfahrt würde nie enden. Von den kurzen Fotopausen mal abgesehen, dauerte die Abfahrt über eine Stunde. Unterwegs immer wieder tolle Blicke in die Berge und Fotopausen.

Kurz vor St. Leonhard sammelten wir uns wieder um gemeinsam die letzten Kilometer bis Meran unter die Räder zu nehmen. Bis auf einige wenige kleine Gegenanstiege führt die Straße durch das Passeiertal über 400 Höhenmeter hinab bis nach Meran. Eine kleine Schrecksekunde gab es auf dem Teilstück noch, als Georg von einem LKW (Betonmischer) geschnitten wurde. Er konnte glücklicherweise rechtzeitig bremsen und einen Zusammenstoß vermeiden. Mit über 40 km/Std. sausten wir nach Meran hinunter. Leichtes Mittreten reichte meistens aus, um das Tempo ziemlich hochzuhalten. Zielstrebig fuhren wir in Meran zur Kurpromenade um uns zum Abschluss ein leckeres Eis zu gönnen. Eine halbe Stunde später standen wir im Bahnhof von Meran und kauften die Fahrkarten für Rückfahrt nach Mals. Um 17:16 Uhr verlies die Vinschgaubahn den Bahnhof um in einer guten Stunde Mals zu erreichen.

Den frühen Abend nutzten wir noch zum Packen für die Heimfahrt. Robert und ich hatten schließlich noch die längste Heimfahrt über 870 km vor uns und wollten tags darauf früh starten. Eines der „Negerlein“ (Danjel) hielt es nicht mehr länger aus und fuhr direkt nach Hause. Zehn kleine Negerlein……….., Danjel fuhr direkt nach Hause und da waren es nur noch 4. Die verbliebenen 4 gönnten sich noch ein leckeres Essen im Restaurant Malser Hof.

Um es vorwegzunehmen, die Rückreise lief bei allen Teilnehmern der Radtour problemlos. Die Tour selber hatte mir und ich glaube auch den anderen Teilnehmern sehr viel Spaß bereitet. Ungewöhnlich an dieser Radtour war sicherlich die Kombination mit dem Reiseradlertreffen (Stilfser Joch). Ein weiterer positiver Aspekt war der flexible Gestaltungsspielraum. Durch die eingeplanten Stichstraßen konnte jeder Teilnehmer seiner eigenen Tagesverfassung gerecht werden und quasi seine eigene Tour fahren, ohne die Gruppe gänzlich zu verlassen.

Meine Empfehlung: Jederzeit wiederholenswert!