Im Regen zum Genfer See

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.07.2006 79 977 856 20063 Camping "Vichy in Lausanne"

 

Als ich in Taninges nach dem verregneten Abend morgens den Platz verließ, war ich erstaunt wie gut alles abgetrocknet war, das Zelt war fast trocken. Meine gewaschene Radkleidung und mein großes Handtuch hatte ich die Nacht über im Waschraum aufgehängt, morgens konnte ich alles trocken wieder einsammeln. Von der Wetterlage her sah es aus, wie wenn es sich einigermaßen stabilisiert hätte. Die Wolken hangen hoch und es sah nicht nach Regen aus. Ich fuhr bis zu dem Restaurant vom gestrigen Abend und bog links ab in Richtung Mieussy. Die Straße war nicht stark befahren, ich war auch früh unterwegs und bog in Mieussy ab auf die D308 in Richung Col de Ramaz. Sogleich zog die Straße an, die ersten Schweißtropfen liefen bereits den Arm runter, bis ich an dem Abzweig stand, von dem ich wieder 100 Höhenmeter hinabfahren durfte. Hier traf ich wieder auf unsere alte Routenführung aus dem Jahr 2002. Ich befuhr sie nur in umgekehrter Richtung.

Auf dem Stück nach Megevette kam mir ein belgischer Rennradfahrer entgegen, der sofort anhielt um sich mit mir zu unterhalten. Längere Zeit stand ich mit ihm am Straßenrand und unterhielt mich mit ihm über alle möglichen Radreisen. Er war ca. 15 Jahre älter als ich und war sehr viele Touren in Kanada und Amerika gefahren. Seine Tochter war mit einem Franzosen verheiratet, der in der Nähe von Megevette ein Haus besaß. Für ihn war es quasi ein Familienbesuch verbunden mit einer Rennradtrainingseinheit. Vor Megevette sah ich den kleinen Holzschuppen wieder hinter dem ich mit Burkhardt vor 4 Jahren unser Süppchen gekocht hatte.

In Megevette muss man rechts abbiegen, um dann in einer 3 kilometerlangen Geraden bei mäßiger Steigung den Col de Jambaz zu erreichen. Auf der rechten Straßenseite fotografierte ich dann das verfallene gar nicht mal so kleine Gebäude, welches mal als Hotel/Restaurant genutzt wurde. Der Col de Jambaz liegt etwas rechts vom Straßenabzweig nach Habere Poche, besitzt aber kein Passschild. Bis zum Col de Terramont war es dann nicht mehr weit, die knappen 100 Höhenmeter stellten natürlich überhaupt kein Problem dar. Dort machte ich bis zum Genfer See das letzte Foto im Trockenen. Auf der Abfahrt in Richtung Habere Poche hielt ich bereits die Beine hoch, damit das Wasser von unten nicht meine Schuhe durchnässte.

In der Ortsmitte entdeckte ich eine Touristikinformation in der ich mich unterstellen und fast eine ganze Stunde lang aufhalten konnte. Die Dame die ich ansprach war sehr nett, konnte mir aber leider bezüglich des Wetters auch keine Hoffnungen machen. Ursprünglich wollte ich auf meiner Tour noch über zwei kleinere Pässe bis nach La Baume fahren um am folgenden Tag erst den Genfer See zu erreichen. Ich entschied mich für die Minimallösung, zog auf meiner langen Tour zum erstenmal die volle Regenbekleidung an und machte mich um 12:00 Uhr mit dem Schließen der Touristikinformation auf den Weg. 170 Höhenmeter musste ich im Regen zum Col de Cou hinaufkurbeln. Danach gabe es nur noch eine lange Abfahrt bis zum Genfer See. Es folgte eine über 20 km lange Abfahrt im strömenden Regen, auf der ich es nicht wagte den Fotoapparat aus der Lenkertasche zu nehmen. Bei der Ortdurchfahrt in Thonon ließ er dann etwas nach.

Ein tolles Gefühl machte sich in mir breit, ich war zwar noch nicht am Ziel meiner Reise, aber ich hatte den Genfer See erreicht. Einen nicht leichten Kurs hatte ich gewählt, um von Nizza aus zum Genfer See zu gelangen. Knapp 1000 km war ich geradelt und hatte bereits 20000 Höhenmeter Aufstieg in den Beinen. Die Strecke am Chateau Ripaille vorbei in Richtung Evians Les Bains kannte ich ja bereits. Das Wetter besserte sich etwas, so dass ich in Ruhe nach Evians radeln konnte. Bereits um kurz nach halb zwei erreichte ich in Evians les Bains den Fähranleger. Es blieb also genügend Zeit am Nachmittag noch mit dem Schiff bis nach Lausanne überzusetzen. Die Stunde Wartezeit nutzte ich um in der auf der anderen Straßenseite vorhandenen Snackbar eine Kleinigkeit zu essen und einen Capuccino zu trinken.

Längere Zeit unterhielt ich mich auf der Fähre mit einem kanadischen Pärchen und dem Fahrkartenkontrolleur. Die beiden Kanadier sprachen Englisch und Französisch. Sie übernahmen quasi die Dolmetscherfunktion für die Konversation zwischen mir und dem Schaffner. Als der Schaffner meine vorher zu Hause ausgedruckte Exceltabelle sah und die Liste der Pässe durchschaute über die ich nach Evians gefahren bin, kam er aus dem Staunen nicht mehr raus.

Die Stimmungslage in der ich mich befand war kaum zu beschreiben. Am Fähranleger in Lausanne wäre ich vor Freude fast angefangen zu weinen. Ich stand mit 38 kg Gepäck in Lausanne am Fähranleger und musste nur noch die gut 3 km bis zum Campingplatz fahren. Ich war am Ziel meiner langen Tour angekommen. Da ich ja einen Tag früher in Lausanne angekommen war als geplant, radelte ich am späten Nachmittag noch zum Bahnhof hinauf.  Bereits am Freitag nach Hause zu reisen war nicht möglich, weil im ICE kein Stellplatz für mein Fahrrad mehr frei war.  Fünfmal umsteigen wollte ich auch nicht. Also machte ich mich mit dem Gedanken vertraut den morgigen Tag noch in Lausanne zu verbringen. Ein paar Kilometer am See entlang zu fahren, konnte durchaus interessant sein.