Col de Champs zum Dritten

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.06.2006 35 223 940 4540 Camping "Le Prieure"

 

Am Morgen hatte ich sehr viel Zeit. Heute stand ohnehin nur der Col de Champs mit ca. 850 Höhenmetern auf dem Programm. Um 07:20 Uhr brodelte das Wasser für den Kaffee im Kocher. Für ein richtiges Frühstück musste ich mich noch bis Colmars gedulden. Etwa eine halbe Stunde später verabschiedete ich mich vom Campingplatzbesitzer, der mir noch ein Baguette in die Hand drückte und radelte in Richtung Altstadt von Colmars. Kurz hinter dem Ortseingang gibt es einen Proximarkt. Dort deckte ich mich zuerst einmal mit dem für den Tag nötigen Proviant ein. Die mit einer Festungsmauer umgebene Altstadt ist nicht sehr groß. Sie besteht nur aus wenigen kleinen Gässchen. Hier lohnt kein Fahren. In Ruhe schob ich mein Gespann durch die Gassen um nach Fotomotiven Ausschau zu halten. Drei davon habe ich nachstehend in den Bericht eingefügt. Auf der Nordseite der Altstadt gibt es eine schöne Picknickwiese mit Bänken. Ideal für ein Frühstück (Am Campingplatz gab es ja nur den Kaffee). Ein Stück Käse, das Baguette und eine Cola müssen als Frühstück reichen.

Das steilste Stück des Col de Champs befindet sich auf den ersten 100 m nach dem Straßenabzweig. Die Straße zieht nur kurzfristig auf ca. 13 % Steigung an, danach lässt sie sich fast konstant gut bei ca. 8 % Steigung befahren. Der westliche Anstieg besitzt eine hohe Anzahl relativ kleiner Kehren. Charakteristisch für die Seite ist der lichtdurchflutete Wald mit seinen hohen Gräsern. Hin und wieder wird er durch eine kleine blumengeschmückte Wiese unterbrochen. Pro Stunde kurbelte ich mich mit meinem Gespann ca. 350 Höhenmeter hinauf. In 1530 m Höhe gibt es eine Picknickstelle mit Bänken und einem Tisch. Dort fotografierte ich auch die Tafel mit der Übersichtskarte von Colmars.

Ich wusste, dass es in 1700 m Höhe die Ratery- Skistation mit einer Bar gab. Dort hatten wir im Jahr 2004 einen Cappuchino getrunken und eine Pause eingelegt. Eine Pause war dort natürlich auch jetzt eingeplant. Leider musste ich bei der Ankunft registrieren, dass sie geschlossen war. Schade, ich hatte mich auf den Kaffee schon so gefreut.

Nicht gerade ein Beinbruch! Also radelte ich weiter in Richtung Passhöhe. Mit der Sonne hatte ich an dem Tag weniger zu tun. Nicht weil sie nicht schien, sondern weil die Straßenführung überwiegend durch schattigen Wald führt. Meter um Meter kurbelte ich hinauf, bis ich auf Höhe der Baumgrenze plötzlich vor einer Schieferwand stand. Der Felsen dunkelgrau schimmerte im Licht. Im Schatten wirkte er schon fast schwarz und irgendwie düster. Nachstehend zwei Fotos von den letzten zwei Kilometern, nach verlassen des Waldes. Ein kurzes flaches Stück weiter noch und ich stand zum dritten Mal mit Gepäck und Rad auf dem Col de Champs. Zweimal hatte ich ihn von der westlichen Seite aus befahren, jedoch zum ersten Mal mit Hänger.

Während ich mein Süppchen kochte, hielten mehrere Autos auf der Passhöhe. Ich fand kaum Zeit meine Suppe und meinen Rest Käse zu essen, weil ich dauernd über meine Tour ausgefragt wurde. Der Hänger und das ganze Gepäck waren dabei Dauerthema. Aber mir machte es durchaus Spaß. Eine französische Wandergruppe, die mich auf Französisch ansprachen und denen ich auf Englisch antwortete, fragte mich ganz unverblümt, warum ich denn nicht deutsch sprechen würde. Damit kämen sie besser zu recht. Na ja, solche Situationen gab es halt auch. Die Abfahrt nach St. Martin de Entraunes kannte ich ja schon. Die in der Ortsmitte befindliche Bar war geschlossen. Ich hatte mal wieder kleines Pech. Hier wollte ich eigentlich etwas trinken.

Der Campingplatz in St. Martin de Entraunes ist leicht zu finden. Südlich vom Ort muss man hinter der neuen Brücke über den Fluss Var links abfahren und parallel zur Straße zurückfahren. Der Weg ist ab dort aber ausgeschildert. Nicht mehr in Erinnerung hatte ich die steile Platzzufahrt (bis 16%). Sie brachte mich nochmals gehörig ins Schwitzen. Da ich den Campingplatz bereits um 14:00 Uhr erreichte, war natürlich reichlich Zeit vorhanden, einen Kaffee zu kochen und mehrmals im Pool schwimmen zu gehen. Ein vollkommener Relax-Nachmittag.

Um einige weitere Zeilen in mein Tagebuch zu schreiben, fand ich unweit der Rezeption einen Tisch mit Bänken die absolut im Schatten standen. Mein Handy lag zu der Zeit in einer Ecke des Restaurants und wurde aufgeladen. Also auch daran musste gedacht werden.  Am späten Nachmittag erschienen auf dem Platz zwei deutsche Motorradfahrer. Es ist schon etwas komisch, kaum hatte ich erzählt, dass ich nicht mit dem Motorrad sondern mit dem Fahrrad durch die Alpen fahre, ist merklicher Abstand dar. Ich habe schon mehrmals über dieses Thema nachgedacht, weil es nicht die einzige derartige Situation ist, die ich erlebt habe. Ich habe die wage Vermutung, dass es daran liegt, dass ihre persönliche Leistung sinkt, ist aber nur eine Vermutung meinerseits.

Den Abend verbrachte ich im Restaurant. Eine schwedische Großfamilie und ich waren die einzigen Gäste. Die Motorradfahrer erschienen nicht. Es gab keine Essen nach Karte, sondern dass was die Familie des Campingplatzbesitzers aß, so einfach war das. Mir war es recht, zumal ich vom Kartoffelauflauf (mit Speck und Käse überbacken) durchaus satt wurde. Am Abend legte ich mich vor das Zelt auf meine Thermarest-Matte, genehmigte mir einige Lieder aus dem MP3-Player (Das Handy war ja wieder aufgeladen!) und schaute in die Sterne. Die Wetterlage schien stabil zu sein. Kein Wölkchen am Himmel.