Von Monetier le Bains nach Le Bourg d´Oisans

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.06.2006 81 517 1258 10540 Camping "Belledone"

 

Am Abend zu vor gab es beim Blick in Richtung Col du Lauteret noch Wolken am Himmel. Am darauffolgenden Morgen war davon nichts mehr zu sehen. Das Zelt war schnell verstaut, danach wurde erst einmal Kaffee gekocht. Ein Baguette und Croissants konnte ich am Abend vorher in der Rezeption vorbestellen, so war auch das Frühstück gesichert. Gleichzeitig mit mir verließen auch die Holländer den Campingplatz. Ich verabschiedete mich von ihnen und ließ sie vor mir herradeln. Sie waren ohne Hänger etwas schneller unterwegs. Wahrscheinlich würde ich sie auch nicht mehr wiedersehen. Sie beabsichtigen die Nordseite des Galibier hinabzufahren, während mein Zielort Le Bourg d´Oisans hieß. Das einzige Foto von ihnen machte ich noch bei der Abfahrt in Monetier le Bains während sie vor mir herradelten.

Auf der Karte hatte ich am Abend eine kleine Straße entdeckt, die zwar nicht durchgängig asphaltiert aber parallel zur Hauptstraße zum Col du Lauteret führte. Die Straßenführung machte mich neugierig. Es bestand eine Möglichkeit die Hauptstraße zu vermeiden. Über le Casset, einem niedlichen Örtchen bis le Lauzet war die Straße toll zu befahren. Hinter Le Lauzet „quälte“ ich mich noch über die auf den folgenden Fotos abgebildete Piste, bis ich merkte, dass die Straße sehr tief im Tal blieb, während die Hauptstraße immer höher ging. Die Konsequenz bestand also darin, dass die letzten Kilometer enorm steil zum Col de Lauteret hinaufgehen würden.

Ein paar hundert Meter hinter der großen Pfütze brach ich den Nebenstreckenversuch ab und radelte die 2,5 km nach Le Lauzet zurück. Na dann eben doch hinauf zur Straße. Eine halbe Stunde Zeit hatte ich durch meine etwas verrückte Aktion verloren, aber das machte nichts. Die auf dem Bild erkennbare Lawinengalerie ist lange Zeit sichtbar. Die Straße schwenkt kurz  vor der Galerie nach Westen, danach noch zwei größer Kurven und man steht auf dem Col du Lauteret. Am Co du Lauteret gibt es einen Käsestand. Klar, dass hier erst einmal die Provianttasche gefüllt wurde.

So, 600 Höhenmeter hatte ich bis zum Col du Galibier (2646) noch zu radeln. Danach würde es in einer gigantisch langen Abfahrt zurück über den Col du Lauteret nach Le Bourg d´Oisans (730m) hinuntergehen. Über 1900 Höhenmeter Abfahrt sollten reichlich Spaß mit sich bringen. Na, dass der Col du Galibier geschlossen sein würde, hätte ich in der Jahreszeit und bei den Temperaturen auch nicht vermutet. Auf dem Col du Lauteret war ich um 11:00 Uhr angekommen, als Ankunftszeit für den Galibier unter Berücksichtigung von Pausen sollte 13:00 Uhr locker möglich sein. Nach 1 ½ Stunden konnte ich bereits mein Ziel erkennen. Auf dem nächsten Foto ist oben links die Passhöhe des Col du Galibier zu erkennen. Davor die letzten Kehren, die nach dem Erreichen des Scheiteltunnels noch zu radeln sind.

Die letzten Kehren hinter dem Tunnel sind übrigens die steilsten, sie forderten mich noch mal ordentlich. Zwei bis dreimal hielt ich noch an um etwas zu trinken, dann war es geschafft. Im 4 jährigen Abstand stand ich zum 3. Mal auf dem Col du Galibier, das Wetter traumhaft, keine einzige Wolke am Himmel. 1998 waren wir ihn zu dritt von Norden hinauf gefahren, 2002 zu zweit ebenfalls von Norden und nun auch noch mal von Süden. Im Jahr 2002 fehlte das Passschild, weil es mal wieder von Souvenirjägern entwendet worden war, diesmal hing es ordnungsgemäß an seinem angestammten Platz. Auf der Abfahrt zurück zum Col du Lauteret hielt ich noch kurz an dem auf der Südseite befindlichen Restaurant und trank eine Cola. Wie man auf dem Bild erkennen kann, verkaufen sie dort auch Felle.

Die knapp 40 km lange Abfahrt in Richtung Le Bourg d´Oisans kannte ich noch nicht. Ich befuhr also wieder Neuland. Mit Ausnahme von einem noch erforderlichen Anstieg über 70 Höhenmeter am Abzweig nach Les Deux Alpes, musste ich auf der vollständigen Strecke bis zum Ziel kaum mittreten. Also Spaß pur! Es gibt jedoch einen Grund, warum ich die Strecke in umgekehrter Richtung nicht befahren würde. Mehrere lange Tunnel, die zudem nicht übermäßig breit ausgebaut sind, müssen durchfahren werden. Bergab war mir eine Durchfahrt sehr zügig möglich, so dass ich mit dem Autoverkehr keine Probleme bekam, anders herum dauert es aufgrund des Anstiegs einfach zu lange. Aber das Problem hatte ich ja glücklicherweise nicht.

Kurz vor dem Erreichen Le Bourg d´Oisans fuhr ich direkt an dem Straßenabzweig nach Alp d´Huez vorbei. Den Radfahrermythos hatte ich mir ja für den darauffolgenden Tag vorgenommen. Im Ort suchte ich vergeblich den Hinweis zum Campingplatz, wurde dann aber in der direkt an der Straße befindlichen Touristikinformation geholfen. Der Platz lag etwa 7 km weiter außerhalb des Ortes an der Straße zum Col du Glandon. Also wurden die flachen 7 km auch noch eben drangehängt. Schnur geradeaus führten die letzten Kilometer bis zum Campingplatz „Belledone“.

Am späten Nachmittag wurde es spannend. Ab 17:00 Uhr lief das WM-Spiel Deutschland gegen Argentinien im Fernsehen. In der Campingplatz Bar war kaum mehr ein Platz zu bekommen. Argentinien ging in der regulären Spielzeit 1:0 in Führung, wobei Deutschland aber noch ausglich.

Auch in der Verlängerung gab es keine Entscheidung, so dass die Entscheidung im Elfmeterschießen herbeigeführt werden musste. Lehmann hielt zwei Schüsse auf das Tor, Deutschland gewann! Interessant war die Atmosphäre in der Bar. Franzosen, Engländer, Italiener und dazwischen ich als einziger Deutscher. Einige Franzosen waren für Argentinien, während andere wiederum für Deutschland waren, der Engländer neben mir feuerte die Deutschen an, die Stimmungslage war grandios.